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Kantate  Kol 3, 16

Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit, mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt Gott dankbar in euren Herzen.

So haben wir eben gehört.

Am Sonntag Kantate – zu deutsch: singet – eine wunderbare Aufforderung. Der Anfangspsalm begann mit den Worten: singt dem Herrn ein neues Lied.

Wir wollen diese beiden Aufforderungen mal sehr wörtlich nehmen. Das Singen soll heute im Vordergrund stehen. Ich möchte dabei nicht nur neue Lieder singen, aber doch auch. Ich möchte uns so hineinnehmen in den Geist einiger Lieder in deren Zeit und ihr Lob Gottes.

Beginnen möchte ich mit einem Paul Gerhard Lied. Sollt ich meinem Gott nicht singen. Lied Nr: 325

Entstanden ist das Lied 1653, fünf Jahre nach Beendigung des dreißigjährigen Krieges, den Paul Gerhard sehr intensiv miterlebt hat. Es war ein Jahr nachdem er mit 44 Jahren seine erste Pfarrstelle angetreten hat.

Sehr geistlich durchdrungen ist dieses Lied: Der zweite bis vierte Vers fasst seine Glauben an den dreieinigen Gott zusammen: Das väterliche Gottes und seine Schöpferkraft beschreibt er mit Bildern aus den Psalmen, das Bild des Adlers und des Schöpfers, der uns von Mutterleibe an kennt. Sehr poetisch und sehr treffend empfinde ich seine Gottesdarstellung in diesem Vers. Das Handeln Gottes am Sohn wird im dritten Vers beschrieben. Gott hat ihn uns zugute in die Welt gesandt, als Heil der Welt. Und er war, wie eigentlich alle großen Theologen, einer, der dieses Handeln Gottes auch mit Fragen belegt hat. Kann man dieses Handeln Gottes in Christus eigentlich verstehen? Kann man es begreifen mit seinem Verstand? Es liegt darin der Gedanke, dass wir uns in dieses Geheimnis der Liebe am Kreuz nicht verstehend, sondern nur vertrauend hineingeben können. In diesem Vertrauen aber geborgen und getragen.

Der Geist Gottes ist für ihn gebunden an das Wort der Bibel. Durch dieses Wort kommt der Geist zu uns und wird zum Führer des Lebens. Durch den Geist empfängt das Herz die Fülle des Glaubens, die sich auch dem Tod als letzte Macht entgegen stellen kann.

Alles in diesem Leben untersteht der Liebe Gottes, die eine ewige Kraft ist. Gerade in den Zeiten des dreißigjährigen Krieges hat Paul Gerhardt die Vergänglichkeit schmerzhaft erleben müssen, aber gleichzeitig auch die Liebe Gottes, die er als eine unzerstörbare Kraft erfahren durfte und die seinen Glauben auch in den späteren, persönlich oft tragischen Zeiten geprägt hat. Sein Lied: Sollt ich meinem Gott nicht singen, ist nicht nur ein Lied in den Zeiten der Freude und Dankbarkeit. Paul Gerhardt weiß, dass das Lob Gottes zu allen Zeiten des Lebens gesungen werden soll.

Singen wir die ersten vier Verse dieses Liedes.

 

Ein anderes recht altes Lied 346, das aber zu seiner Entstehung ca. 1623 auch ganz neu war, möchte ich hier ein wenig bedenken. Such wer da will ein ander Ziel, die Seligkeit zu finden. Georg Weissel, ein ostpreußischer Pfarrer, hat dieses Lied gedichtet. Ein weiteres bekanntes Lied von ihm ist: Macht hoch die Tür.

Es ist ein ebenfalls ein Bekenntnislied. In diesem Fall wird nicht Gottes Wirken besungen, sondern Jesus Christus in der Bedeutung für den Dichter und alle die sich diese Worte zu eigen machen. Weissel weiß natürlich darum, dass der Glaube an Jesus Christus nicht jeder teilen kann, auch um diese Zeit nicht, die ja auch schon vom 1618 begonnenen dreißigjährigen Krieg betroffen ist. WEissel sieht, dass Menschen in vielen anderem auch ihr Heil suchen, in der Macht oder auch im Aberglauben. Dagegen stellt er sein von tiefem Glauben geprägtes Christusbekenntnis. Schon im ersten Vers drückt er das Kraftvoll aus: Die Worte sind klar, was Christus sagt hat Kraft und ist fest gegründet, mit dieser Botschaft kann man alles überwinden, was einem feindlich entgegensteht.

Such wer da will Nothelfer viel, - ja der Dichter gibt diese Freiheit. Natürlich könnt ihr suchen, wo ihr wollt, doch ihr werdet merken, die haben doch letztlich nichts für uns erworben. Jesus Christus hat mit seinem Leben nichts für sich selber gesucht, sondern für andere hat er sich eingesetzt und ist diesen Weg für andere bis zum bitteren Ende gegangen, um gerade dadurch etwas in die Welt zu bringen, was wirklich Heil schafft.

Darum die Bitte oder gar das Anflehen: Ach sucht doch den, lasst alles stehn, die ihr das Heil für euch sucht. Das Heil schenkt der, der sich für uns hingibt. Darum ist es wichtig, ihn vor Augen zu haben. ihn allein zu suchen, ist die Aufgabe des Christen.

Der vierte und fünfte Vers sind dann Gebet, Bitte an Christus, dass er in aller Anfechtung, die Menschen nun einmal befällt, Mitte des eigenen Lebens bleibt. Wenn das Leben schwierig wird, so wird Christus gebeten, möge er die Kraft zur Nachfolge geben. Darin zeigt sich für mich all die Menschlichkeit des Lebens, die hinter diesen Glaubensgedanken liegt. Die Liedverse sind nicht fern der Realität, sondern beziehen die schwierigen Seiten des Lebens mit ein und geben ihnen eine Hoffnungsperspektive, die in Christus gründet.

Singen wir dieses Lied gemeinsam.

 

Das nächste Lied 382 , das wir uns anschauen wollen stammt nun aus dem letzten Jahrhundert und eröffnet das neue Liedgut – wobei neu im Gesangbuch ja relativ ist. 1974 hat Lothar Zenetti – ein katholischer Geistlicher und Schriftsteller – das Lied Ich steh vor dir mit leeren Händen Herr, gedichtet, nach einer Vorlage des holländischen Theologen Huub Oosterhuis. Es ist ein Lied, dass nicht so sehr auf die äußeren politischen Umstände eingeht, sondert das persönliche Denken in den Blick nimmt. Gesellschaftliche Umbrüche begleiteten diese Zeit, das Infragestellen der alten Werte. Gott ist tot, das war ein Schlagwort dieser Zeit. Worin liegt der Halt des Lebens, wenn so vieles sich als haltlos erweist oder als solches hingestellt wird. Die Antwort des Glaubens liegt in diese Worten, die aber nicht beschreibend, predigend sind, sondern fragend, suchend, dem Geist der Zeit entsprechend.

Was habe ich eigentlich noch in der Hand – und spricht nicht immer so vieles gegen einen Gott? Leere Hände suchen Gott. Wo liegt das Hoffnungsvolle, wenn so vieles zunichte gemacht wird und der Tod in seinen vielen Ausprägungen das Leben so bestimmt? So fragt der erste Vers, der am Ende um Gottes entgegenkommen bittet.

Im zweiten Vers die Zweifel, die einen Menschen plagen – und auch die Sehnsucht danach, doch irgendwo festgehalten zu sein. Hast du mit Namen mich in deine Hand, in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben?

Im dritten Vers geht das Fragen über in das Bitten. Tröstendes Wort, großer Frieden, Zukunft, das sind die Stichworte, die Zenetti hier in den Raum stellt. Und am schönsten ist der letzte Satz dieses Verses. Nach den bittenden Worten kommt nun ein Aussagesatz: es heißt nicht: sei du mein Atem, sondern als Bekenntnis heißt es: du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete. Ähnlich wie in den Psalmen, die oft genug Gott anklagen oder ihm fragend das eigene tragische Leben vor Augen stellen, kommt es auch in diesem Lied am Ende zu dem Satz, dass eigentlich alles, was ich im Blick auf Gott vermag, von ihm selber kommt. Aber darin füllt Gott uns aus und darum gebührt ihm Lob und Dank.

 

Eines der schönsten neueren Lieder ist das Lied Vertraut den neuen Weg Nr. 395. Klaus-Peter Hertzsch Pfarrer in Ostdeutschland und später Theologieprofessor, der sich sehr in Friedensbewegung der 60er Jahre engagiert hat, hat dieses Lied anlässlich einer Hochzeit geschrieben. 1989 ist es entstanden, kurze Zeit bevor das neue Gesangbuch in den Druck ging. Aber es so überzeugend, dass die Kommission es noch in das Gesangbuch übernommen hat. Allerding nicht als Hochzeitslied, sondern unter der Überschrift: Umkehr und Nachfolge. Und diese Entscheidung war goldrichtig, denn es ist ein Lied, in das viele Menschen gerade in ungewissen Lebenssituationen Ermutigung spüren können.

Neuen Wege vertrauen – für die Hochzeit ein guter Wunsch, der ja auch durch die persönliche Befindlichkeit der Freude dankbar angenommen wird. Aber es gibt ja auch viele andere Lebensereignisse, die uns plötzlich vor neue Wege stellen, weil altes nicht mehr geht, weil wir an Grenzen stoßen und nicht mehr so recht wissen, wie es weitergehen kann. Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist. die kommenden Wege sind von Gott gewiesene, von ihm begleitete, unter seiner Hand geführte Wege. Wege die auch begangen werden müssen, denn Leben heißt nach vorne gehen. Wir können nicht aus dem zurück leben, aus dem Gestern, wir können nur nach vorne hin leben, sonst ist das Leben schon am Ende. Und Hertzsch verweist auf die Kraft des Regenbogens, der nach der Sintflut Hoffnung auf neues Leben an den Himmel gemalt hat. Das Lob des Schöpfers wird wieder laut. Aus dem Vertrauen, dass Gott uns geschaffen hat, kommt auch die Hoffnung das er uns nicht nur in die Welt hineinstößt, sondern darin auch erhält. In der Zukunft so heißt es im dritten Vers, kommt Gott uns selber entgegen. Es ist also keine undurchdrungene Zukunft, sondern sie schon längst erfüllt von dem der von Ewigkeit zu Ewigkeit lebt und wirkt.

Singen wir dieses hoffnungsvolle Lied.

 

Den Schluss dieser Liederpredigt bildet das Lied Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen. Dieses Lied hat es nicht in den Hauptteil des Gesangbuches geschafft, doch im niedersächsischen Regionalteil ist es enthalten und so Teil unserer evangelischen Liedertradition.

1963 wurde der Text von Kurt Rommel, einem württembergischen Theologen, geschrieben, die Melodie 1987. 1962 wurde die Mauer baut und das Land war von dieser Teilung sehr berührt. Ich weiß nicht, ob dies im Hintergrund dieses Liedes stand, aber wenn ich die Jahreszahl der Entstehung lese, dann kommt mir der Geist der Trennung und Absonderung in den Sinn. Die Gegenbewegung dazu ist die des Brückenbauens. Und das ist auch sonst ein wichtiger Gedanke. Über die Trennung der Menschen hinweg gilt es Brücken des Zueinander zu bauen, Brücken, die Menschen miteinander verbinden.

Rommel sieht sein Christsein als ganz aktives Tun in diesem menschlichen Bereich. ER weiß, wie schwer es oft genug ist, Brücken zu bauen oder vorhanden Brücken zu beschreiten. Doch er weiß, dass Jesus immer versucht hat, Brücken zu den Menschen zu schlagen. Er selber ist gleichsam die Brücke zwischen Gott und Mensch, er hat Brücken zu den Verachteten gebaut und so neue Gemeinschaft und Verbundenheit geschaffen. Christsein heißt daher: Brücken bauen, über Zäune und Grenzen hinausschauen, es heißt: Hände reichen, auch wenn der andere Fäuste ballt. Es heißt: Zeichen des Friedens finden, die alte und junge Menschen verbinden.

Und wenn er im vierten Vers den Wettlauf zwischen Russen und Amerikanern in den Blick nimmt, wer denn zuerst auf dem Mond sein wird, macht er deutlich, dass die Überwindung von Feindschaft ein viel größeres Projekt ist, aber auch ein viel bedeutsameres. Und wieder ist es der letzte Satz, der etwas wichtiges in sich trägt: Ob Friede wird, liegt auch an mir. Gott anrufen ist wichtig, darin liegt Ermutigung, aber es liegt darin nicht Abgabe der Verantwortung für das eigene Tun. Auf Gott vertrauen heißt nicht, die eigenen Hände nur zum Gebet falten, sondern mit Herz und Hand für die Sache des Friedens Jesu einzutreten. Die eigene Verantwortung ist und bleibt gefragt.

Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen.

 

Amen

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Liturgischer Ablauf


 

Orgelvorspiel

Lied: 503, 1,2,7+8,13

Psalm 98

Eingangsliturgie - Gebet

Barmherziger Gott und Vater,

dir wollen wir singen wir aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele von dem Leben, das du uns schenkst, von allem, was in uns und um uns sich regt und bewegt. Dir wollen wir singen mit Freude, mit Kraft das Lied der Hoffnung, die in uns ist und die uns immer wieder anrührt.

Höre du unsere Gedanken, unsere Gebete in den Liedern, erfülle uns durch sie mit deiner Gegenwart.

Das bitten wir durch Jesus Christus, unsern Herrn….

Lesung Kol 3, 12-17

325 Sollt ich meinem Gott nicht singen

346 Such wer da will

382  Ich steh vor dir mit leeren Händen

395 Vertraut den neuen Wegen

612  Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen

Abkündigungen

Lass mich ein Werkzeug deines Friedens sein

Fürbittengebet - Vaterunser

170 Komm, Herr, segne uns

Segen - 163

 

 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt 

2. 5. 2010

Liturgischer
Ablauf
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