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Neujahrabend - Zeit der Entspannung - Katerstimmung auch wenn man keinen dicken Kopf vom Alkohol hat. Neujahrabend, da ist die Spannung der von Weihnachten und Jahreswechsel vorbei, der Punkt ist erreicht, von dem nun etwas Neues beginnt. Morgen beginnt der Alltag wieder, das normale Leben. Vielleicht noch ein paar Tage Urlaub und Ruhe mit den Kindern, aber es steht nichts mehr an, auf das man spannungsvoll wartet, das geplant und vorbereitet werden will. Wir haben Ruhe und Zeit für uns und unsere Gedanken zum Leben. Und wir sitzen hier in der Kirche, um diese Gedanken nicht einfach alleine mit uns zu führen, sondern wir wollen uns anregen lassen, wollen unsere Gedanken vor Gott denken und uns andere Gedanken schenken lassen. Für diese Gedanken wird uns ein Wort aus dem Kolosserbrief mitgegeben, das als Jahreslosung das Jahr 2001 begleiten soll: In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. (2x) Sehr vollmundig spricht hier der Schreiber des Kolosserbriefes, dass wir in Christus alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen finden können. Als erstes werden wir natürlich skeptisch. Wozu alle Wissenschaften, wozu Diskussionen und Gespräche auf allen Ebenen, warum Theorien und Gedankenspiele, wenn es scheinbar ausreicht auf Christus zu schauen? Können wir unsere Wissenschaftler nach Hause schicken und werden einfach alle zu Bibellesern? Ersteres möchte ich verneinen, letzteres bejahen. Natürlich können wir Wissenschaft nicht einfach beiseite schieben, das will auch der Schreiber des Kolosserbriefes nicht. Wir brauchen die Wissenschaft, wir brauchen die menschlichen Möglichkeiten, um die Dinge dieser Welt voranzubringen. Die Welt ist auf Entwicklung angelegt und so gilt es dieses Entwicklung auch zu fördern mit unseren menschlichen Möglichkeiten, auf der Suche nach neuen Weisheiten und Erkenntnissen. Nur so lassen sich viele Probleme der Welt lösen. Nur gilt es gleichzeitig auch zu sehen, dass menschliche Weisheit und Erkenntnis als menschliche Weisheit und Erkenntnis immer nur begrenzte Ausschnitte dieser Welt beschreiben können. Das zeigt die Wissenschaft an sich jeden Tag neu. Immer wenn neue Erkenntnisse geliefert werden, werden ältere Erkenntnisse als nicht mehr gültig angesehen. Z.B. die Entdeckung des Atoms, für heutige Zeiten etwas selbstverständliches, vor 150 Jahren noch unvorstellbar. Die Wissenschaft meinte, das Atom ist das kleinste Teilchen dieser Erde, mußte jedoch entdecken, dass man auch dieses spalten kann und dadurch die Atomenergie und die Atombombe herstellen kann. Wer weiß, was uns auf diesem Gebiet noch alles überraschen wird. Und so könnte man auf verschiedensten Gebieten der menschlichen Forschung viele Beispiele anführen, um die Veränderung und Entwicklung von menschlichen Gedanken zu zeigen, um deutlich zu machen, wo das menschlich-wissenschaftliche Denken an seine Grenzen kommt oder eben immer wieder als menschlich begrenzt, endlich und nie endgültig angesehen werden kann. Und das hat Konsequenzen für viele Bereiche des Lebens: sei die derzeitige Frage des BSE oder der Genforschung, der Energiegewinnung, der Klimaveränderung und vieler anderer Bereiche, die immer wieder in die Diskussion geraten. Wir müssen uns sehr deutlich machen: es gibt in all diesen Erkenntnisbereichen keine endgültigen Antworten, keine letztgültigen Beweise, keine unüberholbaren Erkenntnisse. Alles kann auch wieder in Frage gestellt werden und wird ja auch in Frage gestellt. Und dies geschieht sehr oft auch von Menschen, die nach den ethischen Grundlagen fragen, nach dem, was für den Umgang mit der Welt gut und richtig ist. Und an diesem Punkt sehe ich in unserer diejährigen Jahreslosung eine große Hilfe: In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Jede wissenschaftliche Erkenntnis, die wir haben, hat Bezug zur Welt und damit auch Auswirkungen auf diese Welt. Und wir Menschen gehen damit um. Die Grundfrage aber des menschlichen Lebens ist doch: wie gehe ich mit dem um, was ich weiß und was ich kann? Weisheit und Erkenntnis haben doch immer wieder dieses Ziel, dass wir als Menschen mit diesen Weisheiten und Erkenntnisse leben und handeln. Und dann ist die Frage des Umganges damit eine der Kernfragen menschlichen Denkens. Und da sagt uns die Bibel: der Schatz der Weisheit und der Erkenntnis liegt in Christus verborgen. Ich sehe in dem Schatz, von dem hier die Rede ist, alles das, was für das menschliche Zusammenleben und für das Zusammenleben in der Welt nötig und wichtig ist. Darum habe ich vorhin auch gesagt, dass ich es bejahe, dass wir alle zu Bibellesern werden. Denn wenn dieser Schatz verborgen ist, dann müssen wir ihn suchen, dann müssen wir uns auf den Weg machen, ihn immer wieder zu entdecken. Das heißt für mich, dass wir Weisheiten und Erkenntnisse an dem zu messen haben, was Christus in der Welt getan hat, was er in die Welt gebracht hat. Vielleicht kann man das an einem aktuellen Beispiel deutlich machen. In der vorletzten Woche z.B. hat das englische Parlament beschlossen, dass menschliche Gene geklont werden dürfen, also künstlich vermehrt werden dürfen, um daraus gewonnene sogenannte Stammzellen für medizinische Zwecke zu gewinnen. Auf der einen Seite steht da der Wunsch, Menschen von Krankheiten zu befreien. Auch von Jesus wird dies erzählt, auch er hat Krankheiten geheilt. Das heißt ja dann auch, dass Krankenheilung im Sinne Gottes ist, dass es ein wichtiger Dienst der Wissenschaft ist. Gleichzeitig aber weist Jesus in seinem Tun darauf hin, dass jeder Mensch ein bedeutsames und unverwechselbares Individuum ist. Das menschliche Lebensrecht liegt nicht in der Hand der Menschen, sondern in der Hand Gottes, denn von ihm geht die Macht des Lebens aus. Hat dann der Mensch das Recht, Leben zu zeugen, um es für andere Sterben zu lassen? Ist der Wunsch nach Gesundheit des einen eine Rechtfertigung für den Tod eines anderen, auch wenn diese Wesen noch nichts menschliches haben? Würde jemand auf die Idee kommen, zu sagen: Du hast ein gesundes Herz - ich habe ein krankes - also gib mir dein Herz!? Ja wohl niemand. Die Weisheit, dass Leben Geschenk Gottes und nicht in unserer Verfügung steht, liegt in Christus verborgen und muß von ihm her in das Tun der Menschen einbezogen werden. Und in diesem Leben Jesu, das ja auch von Leid begleitet war, bis hin zum Tod am Kreuz, bringt auch die Erkenntnis, dass es auch bei Gott in dieser Welt kein leidensfreies Leben gibt. Leid, Krankheit, Tod sind Bestandteile dieses Lebens. Der Mensch muß dies auch annehmen lernen. Nach Erkenntnissen zu suchen, wie Leid und Krankheit gemildert werden können ist das eine. Mit welchen Methoden ist das andere. Der Mensch muß inmitten aller menschlicher Möglichkeiten eben immer wieder erkennen er ist endlich und sein Leben liegt nicht in der Menschen Macht sondern in Gottes Macht. In deine Hände befehle ich meinen Geist, sagt Jesus am Kreuz. Was bedeutet dies nun für uns, die wir daran nicht beteiligt sind, sondern unseren ganz normalen Alltag im Jahr 2001 leben wollen? Für mich bedeutet es zweierlei: die Jahreslosung fordert mich auf, die verborgenen Schätze und Erkenntnisse immer wieder neu zu suchen. Sie liegen nicht einfach offenbar da, sondern wir müssen sie oft mühselig bergen, indem wir unser Leben mit der biblischen Botschaft in Beziehung setzen. Es gilt das Leben Jesu, sein Reden, sein Handeln und sein Schicksal immer wieder neu zu bedenken und unser Tun im Alltag darauf zu beziehen. Darin werden wir dann Entdeckungen machen, die das Leben bereichern, ihm Tiefe geben, gerade dort wo Unabänderlichkeit deutlich spürbar ist. Und wir werden dabei Weisheiten und Erkenntnisse entdecken, die uns sehr viel mehr helfen, das Leben zu bestehen, als das unsere Wissenschaft je vermag. Und das zweite ist, wozu die Jahreslosung mich auffordert, ist, dass wir kritischer mit den Erkenntnissen und Weisheiten der Welt umgehen sollten. Wir mögen nicht an den Hebeln der Macht sitzen, aber wir haben durch unser Verhalten, durch Unterstützung oder Nicht-Unterstützung von Verantwortungsträgern die Möglichkeit unsere Weisheit und Erkenntnis weiterzutragen. Wir müssen nicht alles annehmen, was andere für wichtig halten, wir müssen nicht auf alles vertrauen, was uns als vertrauenswürdig vor Augen gestellt wird. Es prüfen, es an dem prüfen, was Christus für uns Menschen will und getan hat, das würde an manchen stellen schon vieles verändern. Insofern ist diese Jahreslosung für mich auf der einen Seite Ermutigung: Die Schätze der Weisheit und der Erkenntnis liegen in Christus verborgen, da kann ich sie finden, da liegt das, was ich wirklich im Leben brauche und nötig habe. Und die Losung ist Aufforderung: In CHRISTUS (Betonung auf Christus) liegen verborgen die Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Er ist der Bezugspunkt allen Denkens und Handelns. Ihm zu folgen in allem, was wir tun, ist Aufgabe der Christen. Keine leichte Aufgabe, aber eine sehr hoffnungsvolle und letztlich auch gewinnbringende. Amen. Liturgischer Ablauf Begrüßung - Orgelvorspiel Lied: 65,1, 2,4,5 Eingangsliturgie - Gebet: Gott aller Zeiten, schenk uns mit dem Beginn des neuen Jahres auch einen neuen Anfang. Erneuere uns durch dein Wort. Gib uns den Mut, den wir brauchen. Du machst alles neu. Das lass uns spüren heute und jeden Tag. (aus EGb S. 267) Lesung: Jak. 4, 13-15 Lied: 361, 1-4 Lesung: Lk 4, 16-21 Glaubensbekenntnis Lied: 64, 1-3+6 Predigt Lied: 61, 1, 2, 5, 6 Abendmahlsfeier: Ein neues Jahr beginnt. Du Gott, willst es begleiten, mit deinem Wort, mit deinem Geist, mit deiner Güte und Barmherzigkeit. Hilf uns, dass wir es leben in der Bindung an Jesus Christus, in dem du uns nicht nur nahe gekommen bist, sondern in dem du uns auch alles gegeben hast, was für uns und unser Leben nötig ist. So stärke uns durch sein heiliges Mahl für den Weg in das neue Jahr. Einsetzungsworte Geheimnis des Glaubens. Deinen Tod .... Ja, komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast, segne was du uns gegeben hast. Laß uns teilhaben an deinem Glauben, an deiner Hoffnung und an deiner Liebe. Laß deinen Geist in uns wirksam sein, dass er uns führe und leite in der Bindung an dich. Vaterunser Austeilung Segenswort: Jahreslosung. Abkündigungen Ich greife eine Idee von Werner Reich auf (in Arbeitshilfe zum Evangelischen Gottesdienstbuch, Hrg. von der Liturgischen Konferenz Niedersachsen) und werde den Fürbittenteil von den Gemeindegliedern gestalten lassen. Ein großes Holzkreuz, das wir in der Gemeinde haben, werden wir in die Mitte des Abendmahlskreises legen. Jeder darf ein Teelicht anzünden, und es mit eine ausgesprochenen oder unausgesprochenen Bitte auf das Kreuz stellen. Zwischendurch singen wir das Kyrie eleison (EG178,12) Segen Lied: 163 |
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