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Zu Weihnachten werden nicht nur in unseren Häusern
Weihnachtsbäume aufgestellt, sondern eben auch in vielen Kirchen. Und dann
sind es meistens sehr große Bäume, wie bei uns. Ein Pfarrer hat dazu
einmal eine sehr interessante Begebenheit aufgeschrieben, die ich kurz
erzählen möchte.
Die Kirche dieses Pfarrers war ein moderner Zweckbau und wurde deshalb
nicht nur für den Gottesdienst genutzt. Das Mobiliar wurde für die
verschiedenen Veranstaltungen immer wieder neu hingeordnet. Und gerade in
der Adventszeit haben dort auch viele Veranstaltungen stattgefunden. Jeder
Kreis hatte seine Adventsfeier abgehalten, auch ein Basar wurde
durchgeführt. Davon war natürlich besonders der Küster betroffen, der von
morgens bis abends damit beschäftigt war, Stühle zu rücken und alles
vorzubereiten.
In einem Jahr geschah es dann, weil er auch noch sehr viel Schnee zu fegen
hatte, dass er noch nicht damit fertig geworden war, die Kirche für die
Weihnachtsgottesdienste herzurichten. Da er ein freundlicher Mensch war,
gab es auch viele fleißige Helfer, die dem Küster unter die Arme griffen
und am Vormittag des 24. Dezembers den Weihnachtsbaum aufstellten und auch
schmückten. Mittendrin machten die Helfer jedoch eine erschreckende
Entdeckung: etwas die Hälfte der elektrischen Kerzen-Ketten funktionierte
nicht. Sie waren eben schon ein wenig altersschwach.
Woher nun neue Weihnachtsbeleuchtung bekommen. Die Gemeinde lag weit ab am
Stadtrand, wo es kaum Geschäfte gab und die hatten wohl auch solch große
Ketten nicht mehr zur Verfügung. Was also tun? Sollte man mit der Hälfte
der Kerzen auskommen? Aber vermutlich würde die Schnüre bei der Größe des
Baumes gar nicht reichen, den ganzen Baum wenigstens mit ein paar Kerzen
zu bestücken. Es musste dringend eine Lösung gefunden werden.
Da kam einer auf eine sehr interessante Idee, die faszinierend und
zugleich auch erschreckend war. Was wäre, wenn wir aus der Not eine Tugend
machten und ganz bewusst nur die Hälfte des Weihnachtsbaumes mit Lichtern
ausstatteten und die andere Hälfte dunkel ließen? fragte er.
Ich könnte mir vorstellen, dass die Durchführung dieses Vorschlages sehr
viele Menschen verärgert hätte. Ein solcher Baum wäre ein echte
Provokation gewesen. Gerade an Weihnachten möchte man doch einem Abstand
gewinnen von den Problemen des Alltages, da sucht man Geborgenheit in der
Kirche mit den Weihnachtsliedern und den tröstlichen Geschichten. Und
dürfte man diesen Wunsch dadurch verderben, dass man einen nur halb
beleuchteten Baum in der Kirche hat?
Auf der anderen Seite könnte ich mir allerdings auch vorstellen, dass ein
nur einseitig geschmückter Baum vielleicht ein viel besseres Zeichen von
Weihnachten wäre, als gute Worte des Pfarrers. Es wäre ein Zeichen für
eine wohltuende Ehrlichkeit. Denn ein solcher Weihnachtsbaum, der auf der
einen Seite dunkel bleibt, beschreibt doch die Welt sehr viel ehrlicher
und realistischer, als manche Predigt. Es ist doch gar nicht so hell in
der Welt, wie uns die Weihnachtslieder wahr machen wollen. Wir feiern
Weihnachten in einer Welt, in der immer noch 2/3 der Menschheit Hunger
leidet. Etwa 80.000 Menschen in der Welt werden an jedem der
Weihnachtstage vor Hunger sterben. Wie viele Menschen erleben dieses
Weihnachtsfest inmitten von Krieg, Gewalt und steter Angst vor dem Tod.
Das ist die dunkle Seite der Welt und damit auch die dunkle Seite von
Weihnachten.
Und daneben steht die Botschaft der Engel: Friede auf Erden den Menschen
seines Wohlgefallens. Das wird doch jedes Jahr wieder von vielen Menschen
nur als leere Worthülse begriffen. Wäre da nicht der nur halb geschmückte
Baum ein offenes und ehrliches Zeichen für die Wirklichkeit dieser Welt?
Würde dies nicht auch dem Wort aus dem Propheten Jesaja entsprechen, der
sagt: Schau hin: Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker?
Wie hätten Sie entschieden am Vormittag des 24. Dezember am Rande der
Stadt?
Die Helfer dort haben sich nicht für den halb geschmückten Baum
entschieden, sie sind losgefahren und haben Kerzen gekauft. In diesem Jahr
haben sie sehr bewusst die vielen Kerzen an dem Baum befestigt.
Warum haben sie das getan? Nur aus Angst vor enttäuschten
Gemeindegliedern? Ich denke: Nein. Obgleich ich diesem Symbol viel hätte
abgewinnen können.
Nein sie haben sich anders entschieden, weil sie die Botschaft von
Weihnachten für wichtiger hielten, als die menschlich gedachte Symbolik.
Weihnachten heißt sicher nicht, dass die Dunkelheiten dieser Welt
geleugnet werden sollen und dass die Welt heute als gut und heil
erscheinen soll. Aber Weihnachten bedeutet eben, dass diesen Dunkelheiten
der Kampf angesagt wird, genauer gesagt, dass Gott allen Dunkelheiten bei
uns in der Welt den Kampf ansagt. Es stimmt: Finsternis bedeckt die Erde
und Dunkel die Völker, aber dieser Satz geht noch weiter und dann wird er
zur Weihnachtsbotschaft: doch über dir strahlt der Herr auf, und sein
Lichtglanz breitet sich über dir aus. Dieses Bild von Dunkelheit und Licht
wird sehr häufig von Jesaja benutzt Das Volk, das im Finstern wandert,
sieht ein großes Licht. Und über denen die im Land des Schattens wohnen,
strahlt ein Glanz auf. schreibt er an anderer Stelle.
Und so ist das ja auch in der Weihnachtsgeschichte: mitten hinein in die
Nacht der Hirten leuchtet das Licht. Und gerade in die Nacht hinein,
mitten in die Finsternis hinein ist der geboren, dessen Geburtstag wir
feiern und der von sich sagt: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir
nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das
Licht des Lebens haben. Das heißt doch: seit der ersten Weihnacht ist der
Dunkelheit in der Welt der Kampf angesagt.
Nur ist es Kampf mit besonderen Mitteln: nicht ein heller Blitz, nicht
grelle Scheinwerfer - um einmal im Bild zu bleiben - benutzt Gott, um auch
die letzt Ecke dieser Welt zu erhellen, sondern er geht anders dabei vor:
Gott begibt sich selbst hinein in die Dunkelheit! Als Kind in der Krippe,
ohne Glanz, ganz unscheinbar, ärmlich, in einem Stall. Und dieser Anfang
setzt sich fort: Jesus bleibt auf der Schattenseite des Lebens: er wird
als Kind verfolgt, als Erwachsener gehasst, verachtet, verhaftet,
gefoltert und hingerichtet. So sieht Gottes Licht der Welt aus Inmitten
der Dunkelheiten des Lebens wird Gott Mensch und nimmt Anteil am Leben der
Menschen. Er bringt so Licht ins Dunkel der Welt, in dem er mit anderen
und für andere leidet, sich für andere aufopfert und hingibt. Gott lebt
uns in diesem Jesus vor, wie die einzige Alternative in unserer Welt
aussieht: er gibt sich selbst hin. Überall wo Jesus für andere Menschen da
war, hat er Licht in die Welt gebracht, hat er das Dunkel dieser Welt
erhellt. Darum konnte er auch sagen: Ich bin das Licht der Welt.
Und das soll sichtbar werden an jeder einzelnen Kerze des
Weihnachtsbaumes.
Weihnachten ist nicht teilbar, Gottes Licht scheint nicht nur auf einer
Seite der Welt, auf einer Seite des Weihnachtsbaumes, sondern es erstrahlt
über der ganzen Welt seit der ersten Weihnacht. Und überall dort, wo
Menschen Jesus Christus nachfolgen, wird dieses Licht weiterstrahlen, wird
Dunkles hell. Und viele Christen, die sich von der Weihnachtsbotschaft
anstecken lassen, tragen dazu bei, dass dieses Licht weiterstrahlt, dass
die dunklen Seiten der Welt ein wenig Licht erhalten, so dass Vertrauen
und Hoffnung wachsen kann.
Darum ist es gut, dass der Weihnachtsbaum viele Kerzen trägt, dass nicht
nur ein Seite beleuchtet ist, denn Gottes Licht will allen Menschen in
ihren Dunkelheiten erstrahlen. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: Nds 544, 1-4 Stern über Bethlehem
Psalm
Eingangsliturgie
Gebet
Gott, du Grund aller Freude, du hast durch die Geburt Jesu einen hellen
Schein in unsere dunkle Welt gegeben.
Hilf, dass dieses Licht auch uns erleuchtet. Lass es widerstrahlen in
allem, was wir tun, dass wir dich ehren in Ewigkeit. Das bitten wir durch
Jesus Christus, das Licht der Welt, der mit dir und dem Heliigen Geist
lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Lesung Joh 8, 12-16
Glaubensbekenntnis
Lied 35,1-4
Predigt
Lied: 16, 1-4
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vaterunser
Segen
44
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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