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Jes 60, 2 und Joh 8, 12

Zu Weihnachten werden nicht nur in unseren Häusern Weihnachtsbäume aufgestellt, sondern eben auch in vielen Kirchen. Und dann sind es meistens sehr große Bäume, wie bei uns. Ein Pfarrer hat dazu einmal eine sehr interessante Begebenheit aufgeschrieben, die ich kurz erzählen möchte.
Die Kirche dieses Pfarrers war ein moderner Zweckbau und wurde deshalb nicht nur für den Gottesdienst genutzt. Das Mobiliar wurde für die verschiedenen Veranstaltungen immer wieder neu hingeordnet. Und gerade in der Adventszeit haben dort auch viele Veranstaltungen stattgefunden. Jeder Kreis hatte seine Adventsfeier abgehalten, auch ein Basar wurde durchgeführt. Davon war natürlich besonders der Küster betroffen, der von morgens bis abends damit beschäftigt war, Stühle zu rücken und alles vorzubereiten.
In einem Jahr geschah es dann, weil er auch noch sehr viel Schnee zu fegen hatte, dass er noch nicht damit fertig geworden war, die Kirche für die Weihnachtsgottesdienste herzurichten. Da er ein freundlicher Mensch war, gab es auch viele fleißige Helfer, die dem Küster unter die Arme griffen und am Vormittag des 24. Dezembers den Weihnachtsbaum aufstellten und auch schmückten. Mittendrin machten die Helfer jedoch eine erschreckende Entdeckung: etwas die Hälfte der elektrischen Kerzen-Ketten funktionierte nicht. Sie waren eben schon ein wenig altersschwach.
Woher nun neue Weihnachtsbeleuchtung bekommen. Die Gemeinde lag weit ab am Stadtrand, wo es kaum Geschäfte gab und die hatten wohl auch solch große Ketten nicht mehr zur Verfügung. Was also tun? Sollte man mit der Hälfte der Kerzen auskommen? Aber vermutlich würde die Schnüre bei der Größe des Baumes gar nicht reichen, den ganzen Baum wenigstens mit ein paar Kerzen zu bestücken. Es musste dringend eine Lösung gefunden werden.
Da kam einer auf eine sehr interessante Idee, die faszinierend und zugleich auch erschreckend war. Was wäre, wenn wir aus der Not eine Tugend machten und ganz bewusst nur die Hälfte des Weihnachtsbaumes mit Lichtern ausstatteten und die andere Hälfte dunkel ließen? fragte er.

Ich könnte mir vorstellen, dass die Durchführung dieses Vorschlages sehr viele Menschen verärgert hätte. Ein solcher Baum wäre ein echte Provokation gewesen. Gerade an Weihnachten möchte man doch einem Abstand gewinnen von den Problemen des Alltages, da sucht man Geborgenheit in der Kirche mit den Weihnachtsliedern und den tröstlichen Geschichten. Und dürfte man diesen Wunsch dadurch verderben, dass man einen nur halb beleuchteten Baum in der Kirche hat?
Auf der anderen Seite könnte ich mir allerdings auch vorstellen, dass ein nur einseitig geschmückter Baum vielleicht ein viel besseres Zeichen von Weihnachten wäre, als gute Worte des Pfarrers. Es wäre ein Zeichen für eine wohltuende Ehrlichkeit. Denn ein solcher Weihnachtsbaum, der auf der einen Seite dunkel bleibt, beschreibt doch die Welt sehr viel ehrlicher und realistischer, als manche Predigt. Es ist doch gar nicht so hell in der Welt, wie uns die Weihnachtslieder wahr machen wollen. Wir feiern Weihnachten in einer Welt, in der immer noch 2/3 der Menschheit Hunger leidet. Etwa 80.000 Menschen in der Welt werden an jedem der Weihnachtstage vor Hunger sterben. Wie viele Menschen erleben dieses Weihnachtsfest inmitten von Krieg, Gewalt und steter Angst vor dem Tod. Das ist die dunkle Seite der Welt und damit auch die dunkle Seite von Weihnachten.
Und daneben steht die Botschaft der Engel: Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens. Das wird doch jedes Jahr wieder von vielen Menschen nur als leere Worthülse begriffen. Wäre da nicht der nur halb geschmückte Baum ein offenes und ehrliches Zeichen für die Wirklichkeit dieser Welt? Würde dies nicht auch dem Wort aus dem Propheten Jesaja entsprechen, der sagt: Schau hin: Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker?
Wie hätten Sie entschieden am Vormittag des 24. Dezember am Rande der Stadt?

Die Helfer dort haben sich nicht für den halb geschmückten Baum entschieden, sie sind losgefahren und haben Kerzen gekauft. In diesem Jahr haben sie sehr bewusst die vielen Kerzen an dem Baum befestigt.
Warum haben sie das getan? Nur aus Angst vor enttäuschten Gemeindegliedern? Ich denke: Nein. Obgleich ich diesem Symbol viel hätte abgewinnen können.
Nein sie haben sich anders entschieden, weil sie die Botschaft von Weihnachten für wichtiger hielten, als die menschlich gedachte Symbolik.
Weihnachten heißt sicher nicht, dass die Dunkelheiten dieser Welt geleugnet werden sollen und dass die Welt heute als gut und heil erscheinen soll. Aber Weihnachten bedeutet eben, dass diesen Dunkelheiten der Kampf angesagt wird, genauer gesagt, dass Gott allen Dunkelheiten bei uns in der Welt den Kampf ansagt. Es stimmt: Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, aber dieser Satz geht noch weiter und dann wird er zur Weihnachtsbotschaft: doch über dir strahlt der Herr auf, und sein Lichtglanz breitet sich über dir aus. Dieses Bild von Dunkelheit und Licht wird sehr häufig von Jesaja benutzt Das Volk, das im Finstern wandert, sieht ein großes Licht. Und über denen die im Land des Schattens wohnen, strahlt ein Glanz auf. schreibt er an anderer Stelle.
Und so ist das ja auch in der Weihnachtsgeschichte: mitten hinein in die Nacht der Hirten leuchtet das Licht. Und gerade in die Nacht hinein, mitten in die Finsternis hinein ist der geboren, dessen Geburtstag wir feiern und der von sich sagt: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Das heißt doch: seit der ersten Weihnacht ist der Dunkelheit in der Welt der Kampf angesagt.
Nur ist es Kampf mit besonderen Mitteln: nicht ein heller Blitz, nicht grelle Scheinwerfer - um einmal im Bild zu bleiben - benutzt Gott, um auch die letzt Ecke dieser Welt zu erhellen, sondern er geht anders dabei vor: Gott begibt sich selbst hinein in die Dunkelheit! Als Kind in der Krippe, ohne Glanz, ganz unscheinbar, ärmlich, in einem Stall. Und dieser Anfang setzt sich fort: Jesus bleibt auf der Schattenseite des Lebens: er wird als Kind verfolgt, als Erwachsener gehasst, verachtet, verhaftet, gefoltert und hingerichtet. So sieht Gottes Licht der Welt aus Inmitten der Dunkelheiten des Lebens wird Gott Mensch und nimmt Anteil am Leben der Menschen. Er bringt so Licht ins Dunkel der Welt, in dem er mit anderen und für andere leidet, sich für andere aufopfert und hingibt. Gott lebt uns in diesem Jesus vor, wie die einzige Alternative in unserer Welt aussieht: er gibt sich selbst hin. Überall wo Jesus für andere Menschen da war, hat er Licht in die Welt gebracht, hat er das Dunkel dieser Welt erhellt. Darum konnte er auch sagen: Ich bin das Licht der Welt.
Und das soll sichtbar werden an jeder einzelnen Kerze des Weihnachtsbaumes.
Weihnachten ist nicht teilbar, Gottes Licht scheint nicht nur auf einer Seite der Welt, auf einer Seite des Weihnachtsbaumes, sondern es erstrahlt über der ganzen Welt seit der ersten Weihnacht. Und überall dort, wo Menschen Jesus Christus nachfolgen, wird dieses Licht weiterstrahlen, wird Dunkles hell. Und viele Christen, die sich von der Weihnachtsbotschaft anstecken lassen, tragen dazu bei, dass dieses Licht weiterstrahlt, dass die dunklen Seiten der Welt ein wenig Licht erhalten, so dass Vertrauen und Hoffnung wachsen kann.
Darum ist es gut, dass der Weihnachtsbaum viele Kerzen trägt, dass nicht nur ein Seite beleuchtet ist, denn Gottes Licht will allen Menschen in ihren Dunkelheiten erstrahlen. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: Nds 544, 1-4 Stern über Bethlehem
Psalm
Eingangsliturgie
Gebet
Gott, du Grund aller Freude, du hast durch die Geburt Jesu einen hellen Schein in unsere dunkle Welt gegeben.
Hilf, dass dieses Licht auch uns erleuchtet. Lass es widerstrahlen in allem, was wir tun, dass wir dich ehren in Ewigkeit. Das bitten wir durch Jesus Christus, das Licht der Welt, der mit dir und dem Heliigen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Lesung Joh 8, 12-16
Glaubensbekenntnis
Lied 35,1-4
Predigt
Lied: 16, 1-4
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vaterunser
Segen
44
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt  Klein Elbe

26. 12. 2004

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