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Eine etwas ungewöhnliche Abendmahlsfeier haben wir heute.
Sonst feiern wir das Abendmahl nach der Predigt, heute einmal vor der
Predigt. Und dann auch noch räumlich anders als sonst und hinzu kommen
heute noch die Kerzen, die uns an ganz aktuelle, leidvolle Geschehnisse
erinnern.
Um es klar zu sagen: so soll nicht immer das Abendmahl gefeiert werden.
Aber heute soll das Abendmahl in anderer Weise ins Bewusstsein treten, um
intensiver darüber nachzudenken, was diese Feier uns bedeuten kann. Denn
ich vermute einmal, dass wir es oft als etwas einnehmen, über das wir
wenig nachdenken. Wir feiern mit, es bedeutet etwas, aber dann ist es auch
schnell wieder vorbei.
Heute sollte es einmal anders sein, um diese Feier in ihrer Besonderheit
wahrzunehmen. Und das im Angesicht des eben gehörten Predigttextes, in dem
Jesus sich als das Brot des Lebens darstellt.
Das Volk fragt, was für ein Zeichen tust du, damit wir sehen und glauben
können? Wir Menschen sind Wesen, die das Leben sehr nach den äußerlich
wahrnehmbaren Dingen einschätzen. Wir haben ja auch Augen, um aus dem
Gesehenen Erfahrungen zu machen, die uns helfen, im Leben zurecht zu
kommen. Und darum suchen wir nach sichtbaren Hinweisen auf das, was unser
Leben bestimmen kann und soll.
In dieser Woche wird wieder deutlich, dass das Böse sich dieser Tatsache
besonders bedient. Brutale Terroranschläge in London bestimmen die
Fernsehbilder und rufen so vieles wach, was in den letzten Jahren an
Terrorakten gewesen ist. New York, Madrid und viele andere Stationen der
Gewalt werden lebendig. Menschen planen solche Terrorakte in denen
hunderte und tausende Opfer in Kauf genommen werden, um ein politisches
und vielleicht sogar religiöses Ziel zu erreichen. Und dieser Akt bestimmt
nun das politische Handeln und unser Denken von der Welt. Die innere
Sicherheit muss erhöht werden, viel Geld wird gebunden in der Bekämpfung
des Terrors. Und Menschen bestimmter Religion oder Herkunft werden in den
Tiefenschichten unserer Emotion immer verglichen mit denen, die diese
brutalen Anschläge verübt haben. Jeder Muslim oder Araber wird gleich
schief angesehen oder ruft Angst in uns wach. Und solche Taten bestimmten
unser Bild von einer Welt, die schlecht und Böse ist. Immer wieder muss
man Angst haben, weil es ja unter den Milliarden von Menschen einige
Hunderte bis Tausende gibt, die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Und
die Medien machen sie auch groß und heizen dieses Gefühl weiter an.
Bis hin zu den Menschen, die Kinder schänden und damit in uns das Gefühl
wecken, dass unsere Kinder nicht mehr sicher leben können und wir in
steter Angst um sie leben. obgleich die Statistik aussagt, dass solche
Verbrechen deutlich zurückgegangen sind. Aber diese Statistiken stehen
nicht auf der ersten Seite.
Wenn ich diese Wirklichkeit anschaue, dann möchte ich auf der einen Seite
sagen, jedes Opfer, das hier jetzt im Raum steht ist eines zu viel. Jede
Form von Gewalt gegen Menschen ist zu verurteilen und zu ahnden, wir
müssen alles tun, damit Terror keine Chance hat, damit Menschen anderen
Menschen und vor allem Kindern keine Gewalt antun.
Auf der anderen Seite aber möchte ich mich von diesen Ereignissen nicht
bestimmen lassen, in dem was meine Sicht der Welt ausmacht. Ich möchte mir
nicht von ein paar Brutalos weismachen lassen, dass diese Welt schlecht
und brutal ist und ich nur noch in Angst leben muss.
Ich bin das Brot des Lebens, sagt Jesus. Wer zu mir kommt, der wird nicht
hungern, wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.
Wir haben alle Hunger nach Leben, nach einem Leben, in dem wir uns wohl
fühlen, in dem wir uns zuhause fühlen.
Und unser Glaube zeigt uns, wie wir diesen Hunger stillen können. Nämlich
im Vertrauen auf Christus.
Was heißt das Angesichts dessen, was ich vor Augen gestellt habe?
Als wir eben Abendmahl gefeiert haben, da haben wir uns in den
Lebenskontext Jesu gestellt. Einen Tag vor seinem Tod, vor seinem
gewaltsamen Tod, schafft Jesus Gemeinschaft und Hoffnung. Er selber wurde
Opfer von Menschenverachtung und bestimmten, verengten politischen und
religiösen Vorstellungen. Das heißt für mich, das wird es immer geben. Es
wird diese Menschen geben, die aus verengtem Denken heraus Handlungen
begehen, die Leid auslösen. Ein Leid, das Gott so nicht will, das er
überwinden will. Ich bin das Brot des Lebens, das meint dann: auch wenn es
das gibt, und Jesus selber ist davon betroffen gewesen, es ist nicht das
Zeichen, das zum Leben führt, sondern das, was Jesus in diese Welt
getragen hat, was in ihm verborgen ist, das ist es, was in der Welt zum
Leben führt. Darum sollen wir uns Denken und Handeln in dieser Welt an ihm
ausrichten, von ihm her die Welt sehen und beurteilen und nicht von den
Zeichen, die andere in die Welt tragen.
Jesus als Brot des Lebens: er ist offen auf die Menschen zugegangen, ohne
Urteile im Hinterkopf und schon gar nicht negative Urteile – das galt für
die Menschen am Rande genauso wie für die, die etwas zu sagen hatten. Was
sagte ich vorhin: Terroranschläge der Al-Kaida machen alle arabisch
aussehenden Menschen zu Angst auslösenden Menschen. Im Vertrauen auf Jesus
dürfen wir diesen Menschen erst einmal Gutes zutrauen, denn in ihnen
steckt nicht weniger Gutes und nicht mehr Böses als in uns selber. Niemand
ist auf Grund seiner Herkunft gut oder schlecht, auch wenn das
fremdländische Aussehen in uns erst einmal Vorsicht wachruft.
Ich bin das Brot des Lebens: Jesus sagt: überwinde das Böse mit Gutem. Ist
Gewalt nicht oft genug eine Form von Gegengewalt? Eine Reaktion auf
erlittenes Leid? Wenn wir in der Welt Gewalt und Böses verringern wollen,
dann müssen wir mit Jesus dem Guten viel Raum geben. Wir müssen selber
eine Atmosphäre schaffen, in der die guten Kräfte wirksam werden können,
in der Menschen erkennen, hier ist gut leben. Wer nur Angst schürt oder
sich vom Bösen bestimmen lässt, der kann auch nichts anderes mehr sehen.
Darum: tue Gutes, zeige Gutes, lebe Gutes, verändere durch Gutes deine
Lebenswelt und du wirst sehen, das verändert die Menschen. Das Gute
braucht vielleicht etwas länger, weil davon so wenig erzählt wird, aber es
wirkt und letztlich stärker verändernd als das Böse. Das erleben wir vor
allem im kleinen Bereich: durch Tadel lernen Kinder z.B. viel weniger
schnell als durch Lob. Das Lob spornt viel mehr an als ein Tadel. Wer
verändern will muss loben und Gutes tun.
Ich bin das Brot des Lebens: Wir haben Brot und Kelch geteilt. Wir standen
hier in einer willkürlichen Gemeinschaft. So wie das bei Jesus auch der
Fall war. Die Jünger, ein wild zusammengewürfelter Haufen, wenn man es
einmal drastisch sagt. Menschen unterschiedlichster Herkunft: Fischer,
Zöllner, Rebell. Glühende Enthusiasten, feinsinnige Denker, ja sogar
Zweifler waren dabei. Diese Jünger und andere saßen mit Jesus zusammen,
sie aßen und tranken und feierten Gemeinschaft. Sogar der Verräter saß mit
am Tisch, empfing das letzte Mahl Jesu, bis er ging, um sein Werk zu tun.
Jesus will, dass wir Menschen Gemeinschaft haben und leben, dass wir diese
Gemeinschaft nicht daran ausmachen, wie wir sind und mit wem wir gerne
zusammen sind. Das großartigste des Abendmahles ist für mich, dass hier
Menschen versammelt und verbunden sind, die sonst vielleicht nicht enge
Gemeinschaft pflegen. Aber im Abendmahl wird gezeigt: ihr gehört zusammen,
ich füge euch zusammen, ich verbinde euch durch meine Liebe, durch mein
Wort. Seid füreinander da, nehmt euch wahr, seht euch in eurem Leben an
mit den Augen Jesu und tragt so Verantwortung füreinander. Und ich möchte
diesen Kreis auch noch erweitern: Wenn Gott uns Menschen verbindet, dann
ruft er uns in die Gemeinschaft mit allen Menschen. Angesichts der Kerzen
nehmen wir das Leid von London in unsere Gemeinschaft mit hinein. Wir
gedenken der über 50 Menschen, die getötet wurden, an die hunderte die
verletzt sind, an die Angehörigen und ihr Leid und ihre Trauer. Wir beten
für sie und befehlen sie dem an, der als Brot des Lebens neue Hoffnung
schenken kann. Angesichts des Brotes denke ich an die Menschen, an die
Erwachsenen und Kinder, die allein heute wieder angesichts von Hunger
sterben werden. Auch sie sind teil unserer Gemeinschaft und der
gemeinsamen Verantwortung füreinander. Und rein zahlenmäßig sind sie mehr
als die Opfer in London. Beten wir für sie und tragen durch unsere Hilfe
dazu bei, dass ihrer Opfer weniger werden, sei es durch politische
Maßnahmen, wie jetzt beim G8-Gipfel oder durch unsere ganz persönliche
Hilfe, die wir durch Spenden leisten.
Jesus wurde gefragt, was für ein Zeichen tust du, damit wir glauben
können? Das Zeichen das Jesus tut, das ist die Hingabe des Lebens und das
lebendige Eintreten für das Gute und die grenzenlose Gemeinschaft von
Menschen. Er selber verkörpert dies in seiner Person. Er ist dieses
Zeichen und deshalb Brot des Lebens. Er ist der, der durch das, was er vor
Augen gestellt hat, was Gott an ihm getan hat, deutlich den Weg für uns
Menschen gewiesen hat. Er hat das Gesicht der Welt verändert. Schauen wir
sie von ihm her an, und lassen uns von ihm her leiten. Das Abendmahl ist
dazu die beste Wegzehrung. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Gebet in der Stille – Gedenken an die Opfer in London - Gong
Lied: 366, 1-4
Psalm 107,1-9
Eingangsliturgie
Gebet
Gebet des Tages:
Gott, am Morgen des geheiligten Tages gehen unsere Gedanken zu dir. Wir
vertrauen auf dich, der du in unserer Mitte bist.
An diesem Morgen suchen wir deine Nähe Gott: wir vertrauen auf dich, der
du uns zur Seite bist.
In dieser Stunde hören wir deinen Ruf, Gott: auf diesen Ruf wollen wir
hören und auf dich vertrauen, wenn wir unseren Weg gehen.
In der Zeit zwischen gestern und morgen leben wir aus dem Vertrauen zu dir
Gott: Lass uns in deiner Hand geborgen sein.
Das bitten wir ....
Lesung
Lied: 229, 1-3
Feier des Abendmahles
Alle versammeln sich um den Altar (auf dem Altar stehen 5 Große und
mehrere kleine Kerzen (Anzahl für die Verstorbenen des Terroranschlages in
London)
Im Angesicht von Terror und Gewalt feiern wir das Abendmahl. Wir haben in
unseren stillen Gebeten der Opfer gedacht, deren Schicksal uns bewegt. Uns
ist nichts geschehen, wir sind nur Beobachter. Doch es trifft uns, dass
dies immer wieder und an vielen Orten geschehen könnte.
Woher bekommen wir Wegweisung, Antwort und Ermutigung?
Hören wir die Worte Jesu, die uns an diesem Tag begleiten sollen: Lesung
von Joh 6, 30-35
Ich werde diese Worte nachher in der Predigt auslegen.
Im Angesicht des Leides hören wir von seinem Leid, das er erfahren hat.
Wissend um seinen gewaltsamen Tod, hat er uns dieses Mahl hinterlassen,
damit wir Stärkung erfahren. Darum lasst uns beten zu Gott, der Anfang und
Ende in Händen hält.
Gott, Vater und Mutter des Lebens. Wir stehen hier am Tisch unseres Herrn
Jesus Christus. Er will nicht, dass Menschen grundlos sterben, dass soviel
Leid geschieht. Stärke uns durch sein Mahl, dass wir nicht mutlos werden,
sondern gehalten durch dich, den Weg der Liebe und des Verständnisses
vorangehen. Hilf uns, den anderen zu sehen und anzunehmen in seiner
Andersartigkeit, um so friedvoll miteinander zu leben.
So wollen wir hören was Jesus uns hinterlassen hat, einen Tag vor seinem
gewaltsamen Sterben.
Einsetzungsworte
Komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast, segne, was du uns hinterlassen hast.
Erfülle uns mit deinem Frieden und hilf uns, ihn weiter zu tragen gegen
alle Gewalt, die wir tagtäglich in unserem Wohnzimmer sehen. Erfülle uns
mit dem Geist der Gemeinschaft, der Versöhnung und der Liebe, auf dass wir
gestärkt durch dich, deinem Weg nachfolgen können.
Vaterunser
Austeilung
Geleitwort: Ich bin das Brot des Lebens...
Lied: 228,1-3
Predigt
Glaubensbekenntnis
Lied: 391,1-4
Abkündigungen
Fürbittengebet:
Wir vertrauen unser Leben Gott an, der uns in Jesus Christus so nahe
gekommen ist. Ihm befehlen wir unser Leben und das Leben anderer Menschen
an. Gemeinsam singen wir: kyrie eleison (178.9)
Wir bitten dich für alle Menschen, die Hunger haben nach einem erfüllten
Leben. Dass sie sich immer wieder auf den Weg machen, diesen Hunger zu
stillen, dass sie suchen nach Wegen, die das Leben menschlich reich macht.
Gemeinsam rufen wir:
Wir bitten für alle Menschen, denen der Durst des Lebens abhanden gekommen
ist, die sich abgefunden haben mit ihrem Leben, die nichts mehr erwarten.
Möge der Durst in ihnen wieder lebendig werden, möge er in uns allen
lebendig sein, bis ans Ende unserer Tage. Gemeinsam rufen wir:
Wir bitten für alle Menschen, die mit Sorge um ihr tägliches Brot erfüllt
sind, die nicht den nötigen Bissen Brot, die nötige Schale Reis, die
Handvoll Mais haben, um ihren Hunger zu stillen. Möge es viele Menschen
geben, die sich ihnen zuwenden, mit Worten, Taten und Gebeten. Gemeinsam
rufen wir:
Wir bitten für alle Menschen, die satt sind, deren Leben übersättigt ist.
Hilf ihnen wieder Hunger zu erleben, den Hunger nach einem Leben in der
Verantwortung vor dir, Gott, und den Menschen. Gemeinsam rufen wir:
Wir bitten für alle, deren Leben von Gewalt und Terror begleitet ist, dass
sie daran nicht verzweifeln. Gott, schenke ihnen neue Hoffnung, neuen
Lebensmut und Kraft, dem Leben gutes abzugewinnen. Gemeinsam rufen wir:
Stille
Auf dein Erbarmen hoffen wir jeden Tag, gütiger Gott. So erbarme dich
unser. Amen.
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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