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Joh 6, 30 - 35

Eine etwas ungewöhnliche Abendmahlsfeier haben wir heute. Sonst feiern wir das Abendmahl nach der Predigt, heute einmal vor der Predigt. Und dann auch noch räumlich anders als sonst und hinzu kommen heute noch die Kerzen, die uns an ganz aktuelle, leidvolle Geschehnisse erinnern.
Um es klar zu sagen: so soll nicht immer das Abendmahl gefeiert werden. Aber heute soll das Abendmahl in anderer Weise ins Bewusstsein treten, um intensiver darüber nachzudenken, was diese Feier uns bedeuten kann. Denn ich vermute einmal, dass wir es oft als etwas einnehmen, über das wir wenig nachdenken. Wir feiern mit, es bedeutet etwas, aber dann ist es auch schnell wieder vorbei.
Heute sollte es einmal anders sein, um diese Feier in ihrer Besonderheit wahrzunehmen. Und das im Angesicht des eben gehörten Predigttextes, in dem Jesus sich als das Brot des Lebens darstellt.
Das Volk fragt, was für ein Zeichen tust du, damit wir sehen und glauben können? Wir Menschen sind Wesen, die das Leben sehr nach den äußerlich wahrnehmbaren Dingen einschätzen. Wir haben ja auch Augen, um aus dem Gesehenen Erfahrungen zu machen, die uns helfen, im Leben zurecht zu kommen. Und darum suchen wir nach sichtbaren Hinweisen auf das, was unser Leben bestimmen kann und soll.
In dieser Woche wird wieder deutlich, dass das Böse sich dieser Tatsache besonders bedient. Brutale Terroranschläge in London bestimmen die Fernsehbilder und rufen so vieles wach, was in den letzten Jahren an Terrorakten gewesen ist. New York, Madrid und viele andere Stationen der Gewalt werden lebendig. Menschen planen solche Terrorakte in denen hunderte und tausende Opfer in Kauf genommen werden, um ein politisches und vielleicht sogar religiöses Ziel zu erreichen. Und dieser Akt bestimmt nun das politische Handeln und unser Denken von der Welt. Die innere Sicherheit muss erhöht werden, viel Geld wird gebunden in der Bekämpfung des Terrors. Und Menschen bestimmter Religion oder Herkunft werden in den Tiefenschichten unserer Emotion immer verglichen mit denen, die diese brutalen Anschläge verübt haben. Jeder Muslim oder Araber wird gleich schief angesehen oder ruft Angst in uns wach. Und solche Taten bestimmten unser Bild von einer Welt, die schlecht und Böse ist. Immer wieder muss man Angst haben, weil es ja unter den Milliarden von Menschen einige Hunderte bis Tausende gibt, die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Und die Medien machen sie auch groß und heizen dieses Gefühl weiter an.
Bis hin zu den Menschen, die Kinder schänden und damit in uns das Gefühl wecken, dass unsere Kinder nicht mehr sicher leben können und wir in steter Angst um sie leben. obgleich die Statistik aussagt, dass solche Verbrechen deutlich zurückgegangen sind. Aber diese Statistiken stehen nicht auf der ersten Seite.
Wenn ich diese Wirklichkeit anschaue, dann möchte ich auf der einen Seite sagen, jedes Opfer, das hier jetzt im Raum steht ist eines zu viel. Jede Form von Gewalt gegen Menschen ist zu verurteilen und zu ahnden, wir müssen alles tun, damit Terror keine Chance hat, damit Menschen anderen Menschen und vor allem Kindern keine Gewalt antun.
Auf der anderen Seite aber möchte ich mich von diesen Ereignissen nicht bestimmen lassen, in dem was meine Sicht der Welt ausmacht. Ich möchte mir nicht von ein paar Brutalos weismachen lassen, dass diese Welt schlecht und brutal ist und ich nur noch in Angst leben muss.
Ich bin das Brot des Lebens, sagt Jesus. Wer zu mir kommt, der wird nicht hungern, wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.
Wir haben alle Hunger nach Leben, nach einem Leben, in dem wir uns wohl fühlen, in dem wir uns zuhause fühlen.
Und unser Glaube zeigt uns, wie wir diesen Hunger stillen können. Nämlich im Vertrauen auf Christus.
Was heißt das Angesichts dessen, was ich vor Augen gestellt habe?
Als wir eben Abendmahl gefeiert haben, da haben wir uns in den Lebenskontext Jesu gestellt. Einen Tag vor seinem Tod, vor seinem gewaltsamen Tod, schafft Jesus Gemeinschaft und Hoffnung. Er selber wurde Opfer von Menschenverachtung und bestimmten, verengten politischen und religiösen Vorstellungen. Das heißt für mich, das wird es immer geben. Es wird diese Menschen geben, die aus verengtem Denken heraus Handlungen begehen, die Leid auslösen. Ein Leid, das Gott so nicht will, das er überwinden will. Ich bin das Brot des Lebens, das meint dann: auch wenn es das gibt, und Jesus selber ist davon betroffen gewesen, es ist nicht das Zeichen, das zum Leben führt, sondern das, was Jesus in diese Welt getragen hat, was in ihm verborgen ist, das ist es, was in der Welt zum Leben führt. Darum sollen wir uns Denken und Handeln in dieser Welt an ihm ausrichten, von ihm her die Welt sehen und beurteilen und nicht von den Zeichen, die andere in die Welt tragen.
Jesus als Brot des Lebens: er ist offen auf die Menschen zugegangen, ohne Urteile im Hinterkopf und schon gar nicht negative Urteile – das galt für die Menschen am Rande genauso wie für die, die etwas zu sagen hatten. Was sagte ich vorhin: Terroranschläge der Al-Kaida machen alle arabisch aussehenden Menschen zu Angst auslösenden Menschen. Im Vertrauen auf Jesus dürfen wir diesen Menschen erst einmal Gutes zutrauen, denn in ihnen steckt nicht weniger Gutes und nicht mehr Böses als in uns selber. Niemand ist auf Grund seiner Herkunft gut oder schlecht, auch wenn das fremdländische Aussehen in uns erst einmal Vorsicht wachruft.
Ich bin das Brot des Lebens: Jesus sagt: überwinde das Böse mit Gutem. Ist Gewalt nicht oft genug eine Form von Gegengewalt? Eine Reaktion auf erlittenes Leid? Wenn wir in der Welt Gewalt und Böses verringern wollen, dann müssen wir mit Jesus dem Guten viel Raum geben. Wir müssen selber eine Atmosphäre schaffen, in der die guten Kräfte wirksam werden können, in der Menschen erkennen, hier ist gut leben. Wer nur Angst schürt oder sich vom Bösen bestimmen lässt, der kann auch nichts anderes mehr sehen. Darum: tue Gutes, zeige Gutes, lebe Gutes, verändere durch Gutes deine Lebenswelt und du wirst sehen, das verändert die Menschen. Das Gute braucht vielleicht etwas länger, weil davon so wenig erzählt wird, aber es wirkt und letztlich stärker verändernd als das Böse. Das erleben wir vor allem im kleinen Bereich: durch Tadel lernen Kinder z.B. viel weniger schnell als durch Lob. Das Lob spornt viel mehr an als ein Tadel. Wer verändern will muss loben und Gutes tun.
Ich bin das Brot des Lebens: Wir haben Brot und Kelch geteilt. Wir standen hier in einer willkürlichen Gemeinschaft. So wie das bei Jesus auch der Fall war. Die Jünger, ein wild zusammengewürfelter Haufen, wenn man es einmal drastisch sagt. Menschen unterschiedlichster Herkunft: Fischer, Zöllner, Rebell. Glühende Enthusiasten, feinsinnige Denker, ja sogar Zweifler waren dabei. Diese Jünger und andere saßen mit Jesus zusammen, sie aßen und tranken und feierten Gemeinschaft. Sogar der Verräter saß mit am Tisch, empfing das letzte Mahl Jesu, bis er ging, um sein Werk zu tun.
Jesus will, dass wir Menschen Gemeinschaft haben und leben, dass wir diese Gemeinschaft nicht daran ausmachen, wie wir sind und mit wem wir gerne zusammen sind. Das großartigste des Abendmahles ist für mich, dass hier Menschen versammelt und verbunden sind, die sonst vielleicht nicht enge Gemeinschaft pflegen. Aber im Abendmahl wird gezeigt: ihr gehört zusammen, ich füge euch zusammen, ich verbinde euch durch meine Liebe, durch mein Wort. Seid füreinander da, nehmt euch wahr, seht euch in eurem Leben an mit den Augen Jesu und tragt so Verantwortung füreinander. Und ich möchte diesen Kreis auch noch erweitern: Wenn Gott uns Menschen verbindet, dann ruft er uns in die Gemeinschaft mit allen Menschen. Angesichts der Kerzen nehmen wir das Leid von London in unsere Gemeinschaft mit hinein. Wir gedenken der über 50 Menschen, die getötet wurden, an die hunderte die verletzt sind, an die Angehörigen und ihr Leid und ihre Trauer. Wir beten für sie und befehlen sie dem an, der als Brot des Lebens neue Hoffnung schenken kann. Angesichts des Brotes denke ich an die Menschen, an die Erwachsenen und Kinder, die allein heute wieder angesichts von Hunger sterben werden. Auch sie sind teil unserer Gemeinschaft und der gemeinsamen Verantwortung füreinander. Und rein zahlenmäßig sind sie mehr als die Opfer in London. Beten wir für sie und tragen durch unsere Hilfe dazu bei, dass ihrer Opfer weniger werden, sei es durch politische Maßnahmen, wie jetzt beim G8-Gipfel oder durch unsere ganz persönliche Hilfe, die wir durch Spenden leisten.

Jesus wurde gefragt, was für ein Zeichen tust du, damit wir glauben können? Das Zeichen das Jesus tut, das ist die Hingabe des Lebens und das lebendige Eintreten für das Gute und die grenzenlose Gemeinschaft von Menschen. Er selber verkörpert dies in seiner Person. Er ist dieses Zeichen und deshalb Brot des Lebens. Er ist der, der durch das, was er vor Augen gestellt hat, was Gott an ihm getan hat, deutlich den Weg für uns Menschen gewiesen hat. Er hat das Gesicht der Welt verändert. Schauen wir sie von ihm her an, und lassen uns von ihm her leiten. Das Abendmahl ist dazu die beste Wegzehrung. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Gebet in der Stille – Gedenken an die Opfer in London - Gong
Lied: 366, 1-4
Psalm 107,1-9
Eingangsliturgie
Gebet
Gebet des Tages:
Gott, am Morgen des geheiligten Tages gehen unsere Gedanken zu dir. Wir vertrauen auf dich, der du in unserer Mitte bist.
An diesem Morgen suchen wir deine Nähe Gott: wir vertrauen auf dich, der du uns zur Seite bist.
In dieser Stunde hören wir deinen Ruf, Gott: auf diesen Ruf wollen wir hören und auf dich vertrauen, wenn wir unseren Weg gehen.
In der Zeit zwischen gestern und morgen leben wir aus dem Vertrauen zu dir Gott: Lass uns in deiner Hand geborgen sein.
Das bitten wir ....
Lesung
Lied: 229, 1-3
Feier des Abendmahles
Alle versammeln sich um den Altar (auf dem Altar stehen 5 Große und mehrere kleine Kerzen (Anzahl für die Verstorbenen des Terroranschlages in London)
Im Angesicht von Terror und Gewalt feiern wir das Abendmahl. Wir haben in unseren stillen Gebeten der Opfer gedacht, deren Schicksal uns bewegt. Uns ist nichts geschehen, wir sind nur Beobachter. Doch es trifft uns, dass dies immer wieder und an vielen Orten geschehen könnte.
Woher bekommen wir Wegweisung, Antwort und Ermutigung?
Hören wir die Worte Jesu, die uns an diesem Tag begleiten sollen: Lesung von Joh 6, 30-35
Ich werde diese Worte nachher in der Predigt auslegen.
Im Angesicht des Leides hören wir von seinem Leid, das er erfahren hat. Wissend um seinen gewaltsamen Tod, hat er uns dieses Mahl hinterlassen, damit wir Stärkung erfahren. Darum lasst uns beten zu Gott, der Anfang und Ende in Händen hält.
Gott, Vater und Mutter des Lebens. Wir stehen hier am Tisch unseres Herrn Jesus Christus. Er will nicht, dass Menschen grundlos sterben, dass soviel Leid geschieht. Stärke uns durch sein Mahl, dass wir nicht mutlos werden, sondern gehalten durch dich, den Weg der Liebe und des Verständnisses vorangehen. Hilf uns, den anderen zu sehen und anzunehmen in seiner Andersartigkeit, um so friedvoll miteinander zu leben.
So wollen wir hören was Jesus uns hinterlassen hat, einen Tag vor seinem gewaltsamen Sterben.
Einsetzungsworte
Komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast, segne, was du uns hinterlassen hast.
Erfülle uns mit deinem Frieden und hilf uns, ihn weiter zu tragen gegen alle Gewalt, die wir tagtäglich in unserem Wohnzimmer sehen. Erfülle uns mit dem Geist der Gemeinschaft, der Versöhnung und der Liebe, auf dass wir gestärkt durch dich, deinem Weg nachfolgen können.
Vaterunser
Austeilung
Geleitwort: Ich bin das Brot des Lebens...
Lied: 228,1-3
Predigt
Glaubensbekenntnis
Lied: 391,1-4
Abkündigungen
Fürbittengebet:
Wir vertrauen unser Leben Gott an, der uns in Jesus Christus so nahe gekommen ist. Ihm befehlen wir unser Leben und das Leben anderer Menschen an. Gemeinsam singen wir: kyrie eleison (178.9)
Wir bitten dich für alle Menschen, die Hunger haben nach einem erfüllten Leben. Dass sie sich immer wieder auf den Weg machen, diesen Hunger zu stillen, dass sie suchen nach Wegen, die das Leben menschlich reich macht. Gemeinsam rufen wir:
Wir bitten für alle Menschen, denen der Durst des Lebens abhanden gekommen ist, die sich abgefunden haben mit ihrem Leben, die nichts mehr erwarten. Möge der Durst in ihnen wieder lebendig werden, möge er in uns allen lebendig sein, bis ans Ende unserer Tage. Gemeinsam rufen wir:
Wir bitten für alle Menschen, die mit Sorge um ihr tägliches Brot erfüllt sind, die nicht den nötigen Bissen Brot, die nötige Schale Reis, die Handvoll Mais haben, um ihren Hunger zu stillen. Möge es viele Menschen geben, die sich ihnen zuwenden, mit Worten, Taten und Gebeten. Gemeinsam rufen wir:
Wir bitten für alle Menschen, die satt sind, deren Leben übersättigt ist. Hilf ihnen wieder Hunger zu erleben, den Hunger nach einem Leben in der Verantwortung vor dir, Gott, und den Menschen. Gemeinsam rufen wir:
Wir bitten für alle, deren Leben von Gewalt und Terror begleitet ist, dass sie daran nicht verzweifeln. Gott, schenke ihnen neue Hoffnung, neuen Lebensmut und Kraft, dem Leben gutes abzugewinnen. Gemeinsam rufen wir:

Stille

Auf dein Erbarmen hoffen wir jeden Tag, gütiger Gott. So erbarme dich unser. Amen.
Segen
163
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt 

10. 7. 2005

Liturgischer
Ablauf
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