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Joh 16, 5-15

Pfingsten ist immer wieder ein ganz schwieriges Fest. Als eine Art Frühlingsfest gefeiert, wäre das für uns eingängiger. Erste Sommerliche Wärme, frisches Grün, der Sieg der Natur über den winterlichen Tod. Das wäre ein guter Grund zu feiern, in die Natur zu gehen, die Schöpfung genießen.
Nun aber hat das Pfingstfest einen anderen Hintergrund. 50 Tage nach Ostern feiern die Christen das Fest des Heiligen Geistes. Wir hören die alte Geschichte vom Brausen des Windes, von den Feuerflammen, die vom Himmel fallen, von den Menschen, die meinen, dass die Christusgläubigen betrunken seien. Doch mitnichten, sie haben den Geist empfangen, den Geist Gottes, der sie in anderen Sprachen sprechen lässt. Sie kommen aus ihren Häusern, hören auf sich zu verstecken, gehen hinaus in die Welt, um die Botschaft des menschenfreundlichen Gottes in die Welt zu tragen.
Der Geist Gottes ist der Antriebsmotor für die Christusgläubigen, sich nicht bei sich selber zu verstecken, sondern in die Welt zu gehen, kund zu tun, was Gott gewirkt hat. Sie wollen Menschen be-geistern, wollen ihnen von der guten Botschaft etwas bringen, auf dass sich ihr Leben verändert, auf dass sie vertrauensvoll ins Leben blicken können. Und der Geist Gottes treibt sie dazu, bringt sie dazu, sich auf den Weg zu machen. Es entsteht die Gemeinschaft der Heiligen, die Gemeinschaft derer, die sich von Gott gerufenen, wissen. Es entsteht die Kirche, als die Gemeinschaft der auf Christus vertrauenden Menschen. Wir feiern also Geburtstag heute, den Geburtstag der Kirche, den Anfang einer von Gottes Geist begleiteten Gemeinschaft.
Neben diesem Pfingstereignis haben wir noch eine zweite Lesung in diesem Gottesdienst gehabt. Eine Rede Jesu an die Jünger. Der Geist Gottes wurde dort als Tröster beschrieben, als einer, der der Welt die Augen öffnen wird. Es ist der Geist, der nach der Himmelfahrt das lebendig hält, was Jesus uns vor Augen gestellt hat. Er wird’s von dem Meinen nehmen und euch verkündigen, so fasst Johannes das in Worte.
Bisher klingt dies alles sehr kirchlich, geistlich. Was hat das nun mit unserem Leben zu tun.
Schauen wir einfach mal auf die großen und kleinen Ereignisse der vergangenen Woche.
Am Dienstag dieser Woche wurde das große Holocaustdenkmal in Berlin eingeweiht. 2711 Betonstelen ragen da in unterschiedlicher Höhe aus dem Boden. Langsam und doch immer größer werdend stieg ein Regime auf, das unsere deutsche Geschichte nachhaltig geprägt hat. Zwei Tage nach der Feier des Kriegsendes vor 60 Jahren, wird eine Gedenkstätte eröffnet, die uns und viele Generationen daran erinnern sollen, dass Menschen einer bestimmten Religion unter einem Diktaturregime in größtem Ausmaße planmäßig ermordet wurden. Wer durch die Steine geht, spürt die Macht dieser Verfolgung, die Angst der Menschen damals, die in die Enge getrieben wurden, um dann hingerichtet zu werden. Erinnerung an die Schuld der Täter, an die Verantwortung von uns Menschen, dass so etwas nicht wieder geschieht. Es ist der Versuch das Leid zum Ausdruck zu bringen, das keiner ermessen kann.
Ein anderes Ereignis ist die Zeugenaussage von Ulrike S. Sie ist die Mutter der ermordeten Levke und schildert im Gerichtssaal, wie sich ihr Leben und das ihrer Familie durch den Tod ihrer Tochter verändert hat. Es ist weniger der Mensch Marcus Hofmann, der mutmaßliche Mörder, der sie im Alltag nicht zur Ruhe kommen lässt. Es sind vielmehr die Folgen und Umstände seiner Tat, die sie auf Schritt und Tritt verfolgen. "Das Gesicht von Herrn Hoffmann werde ich vergessen. Aber die Kabelbinder nie.", sagt sie.
Der Bundestag hat in dieser Woche einer Verfassung für die EU zugestimmt. Das Leben im großen und vereinten Europa wird geregelt und nach demokratischen Regeln festgelegt. Es gab Streit darum, Streit um den Gottesbezug, Streit um militärische Gedanken und vieles mehr. Aber der Versuch, die Gemeinschaft über Grenzen hinweg zu regeln, soll unternommen werden, um so das Zusammenleben zu fördern.
Und als letztes noch etwa aus den Dörfern. Der Tod nimmt uns diese Woche ein. Erlösung nach Krankheit – plötzlicher Tod, mitten aus dem Leben gerissen werden, beides begleitete Menschen im Laufe dieser vergangenen 7 Tage.
Geist Gottes, wo bist du zu erkennen, wo ist dein Wirken? So möchte ich einmal ganz direkt fragen.
Was wir erleben an den dunklen Beispielen, das ist die dunkle Seite dieser Welt. Wir sehen den Ungeist der Menschenverachtung, die Ohnmacht mit der damals Menschen davor standen, ohne den Mut sich dagegen aufzulehnen und der Menschlichkeit wieder Raum zu geben. Ohnmächtig steht die Mutter vor den Bildern ihres Lebens, Bilder, die sich nicht mehr los wird. Im alltäglichen Leben wird sie immer wieder daran erinnert.
Und der Tod im Alltag unserer Welt, er nimmt uns genauso gefangen, schnürt das Herz ein, lässt die Welt so im Dunkel erscheinen.
Jesus wäre nicht der Christus, hätte er uns Menschen nicht etwas hinterlassen, das uns hilft im Leben nach vorne zu sehen. Er verspricht einen Tröster, besser: einen Beistand, jemanden, der die Menschen begleitet, ermutigt, ihnen den Rücken stärkt, sie wach hält und handlungsfähig macht. Jemanden, der der Welt die Augen auftun wird. Jesus nennt ihn den Geist der Wahrheit. Dieser Geist ist Beistand in Zeiten der Trauer und der Not, er ist ein Art Bollwerk gegen die Ohnmacht, vor der man ansonsten kapitulieren würde, er ist Hilfe, um das Leben in Gemeinschaft zu gestalten.
Es ist der Geist, der uns im Angesicht Christi zeigt, dass weder Volk noch Rasse einen besonderen Stand hat, sondern dass der Mensch in seiner unantastbaren Würde, die Gott ihm schenkt, anzusehen ist. Es ist der Geist, der Menschen bewegt, aufzustehen, wo der Mensch leidet. Er wehte als Schindler Menschen, die auf seiner Liste standen, Hilfe gewährte. Er wehte, als die Nachbarin ihre Tür geöffnet hat, um Schutz vor dem Abtransport nach Auschwitz zu gewähren. Er wehte, als der deutsche Soldat sein Brot der russischen Frau schenkte. Er weht, wenn Menschen friedlich gegen die NPD demonstrieren, um den dort verkündeten Parolen den Geist des Lebens und der Liebe etwas entgegenzusetzen.
Gottes Geist weht, wenn die Schuld von damals gesehen und erkannt wird, nicht klein geredet wird, sondern als Teil der eigenen Geschichte einbezogen wird ins Leben, um es zu verändern.
Der Geist weht, wenn Menschen versuchen, das Nationale zu überwinden, den Blick von der eigenen Lebenswelt hin zu den anderen zu lenken, die neben uns wohnen und leben und deren Leben genauso wichtig und bedeutsam ist, wie das unsere. Wo Gottes Geist weht, da steht die Gemeinschaft im Vordergrund und nicht das Suchen des eigenen Vorteils.
Der Geist weht, wo wir im Kreuz Jesu erkennen, dass selbst der Tod nicht das Ende bringt, sondern dass Zukunft möglich ist. Jesus schenkte den Menschen eine ungeheure Hoffnung und er schenkt sie auch heute noch. Der Fürst dieser Welt, er ist stark und bringt sich immer in unserer Gedanken, er hat viele Gesichter und will uns seine vermeintliche Stärke zeigen. Doch uns ist gesagt: der Fürst dieser Welt ist gerichtet. Seine Macht ist gebrochen, seit Jesus sein Licht in die Welt getragen hat. Er zeigt, dass Leben auch im Angesicht der Not und des Leides der Welt möglich ist. Er zeigt, dass wir miteinander das Leben dieser Welt positiv gestalten können. Er zeigt, dass wir nicht uns selber an erste Stelle stellen müssen, sondern aufeinander zu gehen können. Er zeigt, das der Tod, in welchem Kleid er auch erscheint, uns nicht trennen kann von seiner Liebe, sondern dass er inmitten der Niederungen dieses Todes gegenwärtig war und ist und dass er da herausführen wird. Wir müssen uns nicht vergraben, nicht zurückziehen, Gottes Geist stärkt uns, dass wir das Leben, in das wir hineingestellt sind, annehmen und gestalten könnten, trotz und mit all dem, was uns darin auch auferlegt wird. Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Gott lässt nicht allein, er gibt die Kraft zum Leben.
Das ist die Botschaft von Pfingsten. So verlassen wir uns auch manchmal fühlen mögen, so weit weg unser Gott auch sein mag, er ist gegenwärtig. Wir haben einen Beistand, einen Tröster, ein hilfreiche Kraft, die von Gott ausgeht und die uns die Auge auftut, der uns nicht nur das eigene sehen lässt, sondern den Blick öffnet für das, was er in dieser Welt zu bieten hat. lassen wir uns von diesem Geist ansprechen und mitnehmen, lassen wir uns von ihm führen und leiten, auf dass die Freude und der Trost, die von Christus ausgehen, sichtbar werden. Natürlich weiß ich, dass manche Last schwer wiegt und man wird sie nie wirklich los, aber ich vertraue darauf, das Gottes Geist stärker ist als die Macht des Gestrigen. Ich vertraue darauf, dass er ins Morgen führt, ins Licht der Morgenröte, die uns immer wieder den neuen Tag eröffnet. Schöpfen wir aus diesem erneuernden Geist Gottes. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied:135,1+2+5+6
Psalm 118 EG 747
Eingangsliturgie
Gebet
Lesung: Joh 16, 5-15
Lied 131, 1-3
Lesung Apg 2, 1-18
Glaubensbekenntnis
Lied: Wir bitten dich schenk uns Weisheit (J.Grote)
Predigt
Lied 134, 1,2,5+7
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vaterunser
Segen
163
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt  Klein Elbe

15. 5. 2005

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