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Joh 14, 25-26

Ich habe Ihnen für den heutigen Tag etwas mitgebracht. Einen Luftballon. Jeder kennt ihn, jeder weiß, wie er damit umzugehen hat. Das wichtigste an einem Luftballon ist doch wohl, dass wir ihn aufblasen. Ohne Luft ist dieses Gummiteil relativ wertlos, bzw. man kann es nur zweckentfremdet gebrauchen.
Aufblasen des Luftballons.
Nun enthält er Luft. Nun kann man mit ihm spielen, kann verschiedenste Dinge mit ihm anstellen.
Wenn er dann irgendwann seine Luft verliert, dann wird er schlaff, verliert seinen Spielreiz und wird damit wertlos. Die Luft in dieser Gummiverbindung ist also das Wichtigste.
Auch in der alten Pfingstgeschichte spielt Luft, Wind, Sturm eine Rolle. Ein Brausen erfüllte das Haus, in dem die Jünger waren. Der Heilige Geist kam zu ihnen und rührte sie an. Und indem der Heilige Geist sie überkam, entstand eine neue Gemeinschaft, eine neue Kraft in ihnen, die die Jünger dazu befähigte mit allen Menschen zu sprechen, sie in ihrer Sprache anzusprechen und sie wussten sich durch den Heiligen Geist auf den Weg gebracht, die Botschaft von Christus weiter in die Welt zu tragen.
Ein anderes Beispiel. Jeder von uns kennt Mannschaftssportarten: Fußball, Handball, Basketball, Volleyball oder anderes, was uns einfallen mag. Sehr oft sieht man zu Beginn eines Spieles, dass die Spielerinnen oder Spieler sich in einen Kreis begeben, ganz dicht zusammenkommen und sich darin gegenseitig anspornen. Der Mannschaftsgeist wird beschworen, die Gemeinschaft gestärkt und das gemeinsame Ziel noch einmal deutlich vor Augen gestellt. Alle versuchen in einem Geiste ihr Ziel zu erreichen, im Sport den Sieg.
Und auf dem Platz herrscht hoffentlich der Sportsgeist, der Geist der Fairness und des Spieles, den der Sport trotz übergroßer Kommerzialisierung nicht verloren hat.
Ich denke in diesem Bereich ist uns das Wort Geist nicht fremd, wir wissen, was damit gemeint ist, auch wenn es schwer ist, konkret auszudrücken, was der Geist ist.
Auch in der Kirche kennen wir den Geist, den Heiligen Geist, Gottes Geist. Ich erlebe es immer wieder, dass diese Wirklichkeit Gottes Christen fremd ist. Mit Gott Vater oder Gott Sohn kann ich etwas anfangen, aber der Heilige Geist, der ist mir zu schwer, das kann ich nicht greifen, so wurde es gerade am letzten Mittwoch in unserem Kindergottesdienstkreis ausgedrückt. Pfingsten und das Wirken des Heiligen Geistes, das ist uns fern und man sieht es ja auch in den Gottesdiensten, das ist nichts, was zum Zentrum des kirchlichen Lebens in unseren Dörfern gehört.
Es ist gewiss schwer, den Heiligen Geist zu erklären, denn man kann ihn ja nicht sehen und das Bild der Taube hilft da auch nur bedingt.
Und doch ist der Heilige Geist die eigentlich Wirkmacht Gottes unter uns. Kirche ohne heiligen Geist, das ist ein Luftballon ohne Luft. Glaube ohne Heiligen Geist, das ist ein Glaube, der leblos, starr und letztlich ohne Ziel und ohne Wirkung ist. Der Geist das ist die Kraft und die Macht, die uns überhaupt zum zu einem Leben führt, das sich von Gott angesprochen weiß.
In immer noch unübertroffener Weise hat Martin Luther diesen Gedanken ausgesprochen: Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten; gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt und bei Jesus Christus erhält im rechten, einigen Glauben; in welcher Christenheit er mir und allen Gläubigen täglich alle Sünden reichlich vergibt und am Jüngsten Tage mich und alle Toten auferwecken wird und mir samt allen Gläubigen in Christus ein ewiges Leben geben wird. Das ist gewisslich wahr.
Luther macht deutlich, dass Glaube an Jesus Christus, Glaube an Gott kein von Menschen machbares Ereignis ist. Glaube ist an vielen Stellen ein so irrationales, über die Vernunft hinausgehendes Geschehen, dass es nicht etwas ist, das ich mit menschlichen Möglichkeiten erreichen kann. Ich kann mit dem Glauben nähern, kann versuchen, zu verstehen, was die Inhalte dieses Glaubens sind, kann mit diesen Inhalten stellen und mein Leben daran ausrichten. Doch dass Gott in Jesus Christus mein Herr ist, dass ich in dieser Wahrheit lebe und mich getragen weiß, das ist ein Geschehen, das im letzten dann von Gott her kommt, das vom Geist Gottes gewirkt ist. Der Geist öffnet mich innerlich für Gott, er öffnet die Bereiche in mir, die für den Glauben wichtig sind. Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten. Die Bitte um den Heiligen Geist ist also die Bitte darum, dass wir im Glauben wirklich auf Gott bezogen sind, dass wir unseren Lebensweg an ihm ausrichten. Der Geist ist gibt die Richtungsweisung an, er ist der Begleiter im Glaubensleben.
In dem biblischen Text, der als Evangelium für den heutigen Pfingstsonntag vorgeschlagen ist, wird dies auch so angesprochen:
Ich habe euch dies gesagt, solange ich noch bei euch bin. Der Vater wird euch in meinem Namen den Helfer, den Beistand senden, der an meine Stelle tritt, den Heiligen Geist. Der wird euch alles weitere lehren und euch an alles erinnern, was ich selbst schon gesagt habe.
Schon die erste Christenheit fragte sich natürlich, wie es weitergehen wird, jetzt wo Jesus nicht mehr unter ihnen ist. Bisher konnte man Jesus fragen, bekam von ihm die Richtung gewiesen, war somit direkt in Kontakt mit Gott. Nun, und das beschreibt ja die Erfahrung der Himmelfahrt, nun sind die Jünger auf sich allein gestellt. Nun heißt es, das Leben selber in die Hand zu nehmen, selber Verantwortung zu tragen. In diese Situation hinein spricht dieses Wort Jesu aus den Abschiedsreden des Johannesevangeliums. Er weiß, dass die Verbindung zu Gott abreißt, wo Gott selber nicht das Seine tut. Und so macht Jesus deutlich, dass Gottes Hinwendung zu den Menschen nicht mit seinen wenigen Lebensjahren zu Ende ist, sondern dass Gott sein Volk weiter begleitet. Der Vater wird euch in meinem Namen den Helfer, den Beistand senden, der an meine Stelle tritt, den Heiligen Geist. Der wird euch alles weitere lehren und euch an alles erinnern, was ich selbst schon gesagt habe.
Der Heilige Geist ist der Beistand Gottes, der uns Menschen auf unserem Weg hilft, den Weg des Evangeliums zu gehen. Der Heilige Geist ist die Kraft, die uns gegeben wird, die Aufgaben anzugehen, die Gott uns für unser Leben in dieser Welt aufgegeben hat. Der Heilige Geist ist Gott selber im ungreifbaren Gewand, gegenwärtig und doch nicht sichtbar, erfahrbar, aber nicht greifbar, wirksam, aber nicht erklärbar, es ist die Wirkweise Gottes, die Gott ganz Gott sein lässt und doch uns Menschen zugewandt ist.
Wir haben vorhin diesen recht modernen Text gesungen, der von Clemens Bittlinger ist und den ich vom Kirchentag mitgebracht habe. In diesem Text kommt das, was ich eben gesagt habe auf schöne Weise zum Tragen.
Geist Gottes, das ist der Geist der Wahrheit, der sich nicht von menschlichen Zielgedanken leiten lässt, sondern diese oft genug in Frage stellt. Es ist der Geist, der sich nicht abfindet mit dem, was ist, sondern der Menschen bewegt, Glaube und Menschlichkeit immer wieder zu erneuern, um das, was Jesus in Gang gebracht hat, weiter zu führen in seinem Namen und in seinem Geist, der ja auch der Geist Gottes ist.
Der Geist Gottes, so wird in der zweiten Strophe beschrieben, ist ein unbequemer Geist, weil er das menschliche Denken in Frage stellt, weil er die Gedanken Jesu in der heutigen Zeit aufrechterhält und die Bedeutsamkeit dieser Gedanken aufrecht erhält. Die Stimme der Kirche, gestärkt durch die Kraft des Geistes, ist kritische Stimme, die Unmenschlichkeit beim Namen nennt, die Lieblosigkeit der Gesellschaft anprangert, die falsche politische und soziale Weg angreift. Der Geist Gottes war und ist störender Geist, weil er nicht Leben bestätigt, sondern immer auf Veränderung, Erneuerung und Verbesserung des Lebens der Menschen aus ist. Genauso wie Jesus das getan hat. Und der Geist wirkt in uns, wo wir den Weg Jesu in dieser heutigen Welt des 3. Jahrtausends umsetzen. Zumindest bitten wir um diesen Geist, der uns in Bindung an Jesus unseren Weg weisen möge.
Du kannst uns manches schenken, was uns ganz einfach fehlt. Schenk Augen, die das sehen, was wir gern übergeh'n, und Ohren, die verstehen von wo die Winde weh'n. Dazu haben wir den Geist nötig, Gottes Geist, den Geist der Wahrheit.
Insofern gehört die Bitte um diesen Geist zum täglichen Leben des Glaubens dazu. Es ist die Bitte darum, dass wir mit unseren Gedanken nicht allein gelassen werden, sondern dass wir das Leben in dieser Welt in der Bindung an Gott und an sein Wort gestalten, dass wir es von Jesus Christus und seiner Botschaft aus sehen und gestalten. Und der Heilige Geist ist die Kraft, durch die das geschehen kann.
Und wer um Gottes Geist bittet, der richtet seine Gedanken auch nicht mehr nur an sich selber aus. Wer um Gottes Geist bittet, der weiß, dass wir andere Gedanken in uns brauchen, damit unser Leben alleine und Gemeinschaft mit anderen gelingen kann. Denken wir an Luthers Worte vorhin. Gottes Geist bringt auf den Weg des Lebens, er wirkt das in uns, was wir von Gott her leben sollen.
Natürlich stellt sich in diesem Zusammenhang immer wieder die Frage, wie wir denn erkennen können, ob es nun Gottes oder der Menschen Geist ist, der uns anspricht, dem wir folgen. Gibt es nicht auch im Raum der Kirche immer wieder Irrtümer? Selbstverständlich ist das so. Wir werden auch damit leben müssen, dass das was wir vielleicht als Gottes Geist verstanden haben, dann doch nicht aus seinem Geist kam. Luther würde sagen, der Teufel hat viele Gesichter. Doch Irrwege müssen ja nicht bis zum Schluss in die Irre führen. Man kann sie verlassen oder Gott selber führt auf krummer Straße dann doch einen geraden Weg. Wer sich dem Geist Gottes, der Botschaft der Bibel nicht anvertraut, weil er meint nicht genau zu wissen, ob man nicht doch auf dem falschen Weg ist, der lebt nicht, sondern der versteckt sich dahinter und will sich dem Geist Gottes gar nicht aussetzen.
Jesus beschreibt den Geist als Helfer und Beistand.
Der Vater wird euch in meinem Namen den Helfer, den Beistand senden, der an meine Stelle tritt, den Heiligen Geist. Der wird euch alles weitere lehren und euch an alles erinnern, was ich selbst schon gesagt habe. In der Bindung an Jesus Christus und seine Botschaft, ist der Geist die Kraft, die diese Botschaft lebendig erhält, die uns hilft, auch für unsere Zeit daraus Wege zum Leben zu finden. Denn die biblische Botschaft enthält Worte des Lebens, die nicht an technische Entwicklungen gebunden sind, sondern die in jeder Zeit, in der Menschen leben, ihre Bedeutung haben. Nur jede Zeit braucht ihre eigenen Umsetzungen dieser Gedanken. Darin ist Gottes Geist Helfer und Beistand.
Bitten wir also diesen Helfer und Beistand, dass er unser Leben erfüllen möge, dass er die Luft in uns ist, die uns ausfüllt und in dieser Welt greifbar macht, wie den Luftballon. Bitten wir um seinen Geist, dass die Liebe Gottes sichtbar wird, in all dem, was uns wichtig ist und dass er uns verändert, wo wir diese Liebe verdunkeln. Komm, Heilger Geist, der Leben schafft, erfülle uns mit deiner Kraft. Amen.

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: Komm, Heilger Geist mit deiner Kraft Bayr. EG 564
Eingangsliturgie
Gebet: EGb 341 - Gebet 1
Lesung: Apg 2, 1-18
Glaubensbekenntnis
Lied: O komm, du Geist der Wahrheit (Text: C. Bittlinger)
Predigt
Lied Komm, heilger Geist Bayr. EG 565
Abkündigungen
Fürbittengebet:
Gott, wir bitten um deinen Geist, auf dass wir deine gute Botschaft herausrufen können:
Die Botschaft des Lebens - gegen den Tod!
Die Botschaft der Liebe - gegen den Haß!
Die Botschaft des Lichts - gegen die Dunkelheit!
Die Botschaft der Gerechtigkeit - gegen die Unterdrückung!
Die Botschaft der Freiheit - gegen alle Fesseln!

Gott, wir bitten dich um deinen Geist, der uns deine leisen Worte hören lässt:
durch all die Schreie der Schmerzen hindurch,
durch all das Gedröhn der Bomben hindurch,
durch all das Geläut von Domen und Kathedralen hindurch,
durch alle hohlen Worte der Politik und der Medien hindurch.

Gott, wir bitten dich um deinen Geist, der uns hilft, deine Botschaft zur Wirklichkeit zu verhelfen helfen -
bei denen, die ohne Kraft sind,
bei denen, die ohne Hoffnung sind,
bei denen, die ohne Zukunft sind,
bei denen, die ohne Nahrung sind,
bei denen, die ohne Frieden sind.

Gott, wir bitten dich um deinen Geist, der uns laut sein lässt als deine Botinnen und Boten -
lauter als die, die Lügen verbreiten,
lauter als die, die Stolz zur Schau tragen,
lauter als die, die alles besser wissen,
lauter als die, die verführen zu Macht und Unfreiheit,
lauter als die, die Pessimismus ausstreuen.

Gott, wir bitten dich um deinen Geist, der uns die Botschaft der Freiheit herausrufen lässt,
lass uns die Botschaft der Liebe leben,
lass uns die Botschaft der Gerechtigkeit verbreiten,
lass die Botschaft des Lebens nicht verstummen.
Gott, schenkt du uns dazu deinen Geist.

leicht verändertes Gebet von Heike Hilgendiek in: Neue Eingangs- und Fürbittengebete für die Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres, hrsg. von Wolfgang Brinkel und Heike Hilgendiek, Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1994, S. 99
oder in: Der Gottesdienst - Lit. Texte in gerechter Sprache Bd. 1 - S 486f


Vaterunser
Segen
163
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Klein Elbe
Gustedt

9. Juni 2003
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