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Ich habe Ihnen für den heutigen Tag etwas mitgebracht. Einen Luftballon.
Jeder kennt ihn, jeder weiß, wie er damit umzugehen hat. Das wichtigste
an einem Luftballon ist doch wohl, dass wir ihn aufblasen. Ohne Luft ist
dieses Gummiteil relativ wertlos, bzw. man kann es nur zweckentfremdet
gebrauchen.
Aufblasen des Luftballons.
Nun enthält er Luft. Nun kann man mit ihm spielen, kann verschiedenste
Dinge mit ihm anstellen.
Wenn er dann irgendwann seine Luft verliert, dann wird er schlaff,
verliert seinen Spielreiz und wird damit wertlos. Die Luft in dieser
Gummiverbindung ist also das Wichtigste.
Auch in der alten Pfingstgeschichte spielt Luft, Wind, Sturm eine Rolle.
Ein Brausen erfüllte das Haus, in dem die Jünger waren. Der Heilige
Geist kam zu ihnen und rührte sie an. Und indem der Heilige Geist sie
überkam, entstand eine neue Gemeinschaft, eine neue Kraft in ihnen, die
die Jünger dazu befähigte mit allen Menschen zu sprechen, sie in ihrer
Sprache anzusprechen und sie wussten sich durch den Heiligen Geist auf
den Weg gebracht, die Botschaft von Christus weiter in die Welt zu
tragen.
Ein anderes Beispiel. Jeder von uns kennt Mannschaftssportarten:
Fußball, Handball, Basketball, Volleyball oder anderes, was uns
einfallen mag. Sehr oft sieht man zu Beginn eines Spieles, dass die
Spielerinnen oder Spieler sich in einen Kreis begeben, ganz dicht
zusammenkommen und sich darin gegenseitig anspornen. Der
Mannschaftsgeist wird beschworen, die Gemeinschaft gestärkt und das
gemeinsame Ziel noch einmal deutlich vor Augen gestellt. Alle versuchen
in einem Geiste ihr Ziel zu erreichen, im Sport den Sieg.
Und auf dem Platz herrscht hoffentlich der Sportsgeist, der Geist der
Fairness und des Spieles, den der Sport trotz übergroßer
Kommerzialisierung nicht verloren hat.
Ich denke in diesem Bereich ist uns das Wort Geist nicht fremd, wir
wissen, was damit gemeint ist, auch wenn es schwer ist, konkret
auszudrücken, was der Geist ist.
Auch in der Kirche kennen wir den Geist, den Heiligen Geist, Gottes
Geist. Ich erlebe es immer wieder, dass diese Wirklichkeit Gottes
Christen fremd ist. Mit Gott Vater oder Gott Sohn kann ich etwas
anfangen, aber der Heilige Geist, der ist mir zu schwer, das kann ich
nicht greifen, so wurde es gerade am letzten Mittwoch in unserem
Kindergottesdienstkreis ausgedrückt. Pfingsten und das Wirken des
Heiligen Geistes, das ist uns fern und man sieht es ja auch in den
Gottesdiensten, das ist nichts, was zum Zentrum des kirchlichen Lebens
in unseren Dörfern gehört.
Es ist gewiss schwer, den Heiligen Geist zu erklären, denn man kann ihn
ja nicht sehen und das Bild der Taube hilft da auch nur bedingt.
Und doch ist der Heilige Geist die eigentlich Wirkmacht Gottes unter
uns. Kirche ohne heiligen Geist, das ist ein Luftballon ohne Luft.
Glaube ohne Heiligen Geist, das ist ein Glaube, der leblos, starr und
letztlich ohne Ziel und ohne Wirkung ist. Der Geist das ist die Kraft
und die Macht, die uns überhaupt zum zu einem Leben führt, das sich von
Gott angesprochen weiß.
In immer noch unübertroffener Weise hat Martin Luther diesen Gedanken
ausgesprochen: Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch
Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann;
sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit
seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten;
gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt,
erleuchtet, heiligt und bei Jesus Christus erhält im rechten, einigen
Glauben; in welcher Christenheit er mir und allen Gläubigen täglich alle
Sünden reichlich vergibt und am Jüngsten Tage mich und alle Toten
auferwecken wird und mir samt allen Gläubigen in Christus ein ewiges
Leben geben wird. Das ist gewisslich wahr.
Luther macht deutlich, dass Glaube an Jesus Christus, Glaube an Gott
kein von Menschen machbares Ereignis ist. Glaube ist an vielen Stellen
ein so irrationales, über die Vernunft hinausgehendes Geschehen, dass es
nicht etwas ist, das ich mit menschlichen Möglichkeiten erreichen kann.
Ich kann mit dem Glauben nähern, kann versuchen, zu verstehen, was die
Inhalte dieses Glaubens sind, kann mit diesen Inhalten stellen und mein
Leben daran ausrichten. Doch dass Gott in Jesus Christus mein Herr ist,
dass ich in dieser Wahrheit lebe und mich getragen weiß, das ist ein
Geschehen, das im letzten dann von Gott her kommt, das vom Geist Gottes
gewirkt ist. Der Geist öffnet mich innerlich für Gott, er öffnet die
Bereiche in mir, die für den Glauben wichtig sind. Ich glaube, dass ich
nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn,
glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich
durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten
Glauben geheiligt und erhalten. Die Bitte um den Heiligen Geist ist also
die Bitte darum, dass wir im Glauben wirklich auf Gott bezogen sind,
dass wir unseren Lebensweg an ihm ausrichten. Der Geist ist gibt die
Richtungsweisung an, er ist der Begleiter im Glaubensleben.
In dem biblischen Text, der als Evangelium für den heutigen
Pfingstsonntag vorgeschlagen ist, wird dies auch so angesprochen:
Ich habe euch dies gesagt, solange ich noch bei euch bin. Der Vater wird
euch in meinem Namen den Helfer, den Beistand senden, der an meine
Stelle tritt, den Heiligen Geist. Der wird euch alles weitere lehren und
euch an alles erinnern, was ich selbst schon gesagt habe.
Schon die erste Christenheit fragte sich natürlich, wie es weitergehen
wird, jetzt wo Jesus nicht mehr unter ihnen ist. Bisher konnte man Jesus
fragen, bekam von ihm die Richtung gewiesen, war somit direkt in Kontakt
mit Gott. Nun, und das beschreibt ja die Erfahrung der Himmelfahrt, nun
sind die Jünger auf sich allein gestellt. Nun heißt es, das Leben selber
in die Hand zu nehmen, selber Verantwortung zu tragen. In diese
Situation hinein spricht dieses Wort Jesu aus den Abschiedsreden des
Johannesevangeliums. Er weiß, dass die Verbindung zu Gott abreißt, wo
Gott selber nicht das Seine tut. Und so macht Jesus deutlich, dass
Gottes Hinwendung zu den Menschen nicht mit seinen wenigen Lebensjahren
zu Ende ist, sondern dass Gott sein Volk weiter begleitet. Der Vater
wird euch in meinem Namen den Helfer, den Beistand senden, der an meine
Stelle tritt, den Heiligen Geist. Der wird euch alles weitere lehren und
euch an alles erinnern, was ich selbst schon gesagt habe.
Der Heilige Geist ist der Beistand Gottes, der uns Menschen auf unserem
Weg hilft, den Weg des Evangeliums zu gehen. Der Heilige Geist ist die
Kraft, die uns gegeben wird, die Aufgaben anzugehen, die Gott uns für
unser Leben in dieser Welt aufgegeben hat. Der Heilige Geist ist Gott
selber im ungreifbaren Gewand, gegenwärtig und doch nicht sichtbar,
erfahrbar, aber nicht greifbar, wirksam, aber nicht erklärbar, es ist
die Wirkweise Gottes, die Gott ganz Gott sein lässt und doch uns
Menschen zugewandt ist.
Wir haben vorhin diesen recht modernen Text gesungen, der von Clemens
Bittlinger ist und den ich vom Kirchentag mitgebracht habe. In diesem
Text kommt das, was ich eben gesagt habe auf schöne Weise zum Tragen.
Geist Gottes, das ist der Geist der Wahrheit, der sich nicht von
menschlichen Zielgedanken leiten lässt, sondern diese oft genug in Frage
stellt. Es ist der Geist, der sich nicht abfindet mit dem, was ist,
sondern der Menschen bewegt, Glaube und Menschlichkeit immer wieder zu
erneuern, um das, was Jesus in Gang gebracht hat, weiter zu führen in
seinem Namen und in seinem Geist, der ja auch der Geist Gottes ist.
Der Geist Gottes, so wird in der zweiten Strophe beschrieben, ist ein
unbequemer Geist, weil er das menschliche Denken in Frage stellt, weil
er die Gedanken Jesu in der heutigen Zeit aufrechterhält und die
Bedeutsamkeit dieser Gedanken aufrecht erhält. Die Stimme der Kirche,
gestärkt durch die Kraft des Geistes, ist kritische Stimme, die
Unmenschlichkeit beim Namen nennt, die Lieblosigkeit der Gesellschaft
anprangert, die falsche politische und soziale Weg angreift. Der Geist
Gottes war und ist störender Geist, weil er nicht Leben bestätigt,
sondern immer auf Veränderung, Erneuerung und Verbesserung des Lebens
der Menschen aus ist. Genauso wie Jesus das getan hat. Und der Geist
wirkt in uns, wo wir den Weg Jesu in dieser heutigen Welt des 3.
Jahrtausends umsetzen. Zumindest bitten wir um diesen Geist, der uns in
Bindung an Jesus unseren Weg weisen möge.
Du kannst uns manches schenken, was uns ganz einfach fehlt. Schenk
Augen, die das sehen, was wir gern übergeh'n, und Ohren, die verstehen
von wo die Winde weh'n. Dazu haben wir den Geist nötig, Gottes Geist,
den Geist der Wahrheit.
Insofern gehört die Bitte um diesen Geist zum täglichen Leben des
Glaubens dazu. Es ist die Bitte darum, dass wir mit unseren Gedanken
nicht allein gelassen werden, sondern dass wir das Leben in dieser Welt
in der Bindung an Gott und an sein Wort gestalten, dass wir es von Jesus
Christus und seiner Botschaft aus sehen und gestalten. Und der Heilige
Geist ist die Kraft, durch die das geschehen kann.
Und wer um Gottes Geist bittet, der richtet seine Gedanken auch nicht
mehr nur an sich selber aus. Wer um Gottes Geist bittet, der weiß, dass
wir andere Gedanken in uns brauchen, damit unser Leben alleine und
Gemeinschaft mit anderen gelingen kann. Denken wir an Luthers Worte
vorhin. Gottes Geist bringt auf den Weg des Lebens, er wirkt das in uns,
was wir von Gott her leben sollen.
Natürlich stellt sich in diesem Zusammenhang immer wieder die Frage, wie
wir denn erkennen können, ob es nun Gottes oder der Menschen Geist ist,
der uns anspricht, dem wir folgen. Gibt es nicht auch im Raum der Kirche
immer wieder Irrtümer? Selbstverständlich ist das so. Wir werden auch
damit leben müssen, dass das was wir vielleicht als Gottes Geist
verstanden haben, dann doch nicht aus seinem Geist kam. Luther würde
sagen, der Teufel hat viele Gesichter. Doch Irrwege müssen ja nicht bis
zum Schluss in die Irre führen. Man kann sie verlassen oder Gott selber
führt auf krummer Straße dann doch einen geraden Weg. Wer sich dem Geist
Gottes, der Botschaft der Bibel nicht anvertraut, weil er meint nicht
genau zu wissen, ob man nicht doch auf dem falschen Weg ist, der lebt
nicht, sondern der versteckt sich dahinter und will sich dem Geist
Gottes gar nicht aussetzen.
Jesus beschreibt den Geist als Helfer und Beistand.
Der Vater wird euch in meinem Namen den Helfer, den Beistand senden, der
an meine Stelle tritt, den Heiligen Geist. Der wird euch alles weitere
lehren und euch an alles erinnern, was ich selbst schon gesagt habe. In
der Bindung an Jesus Christus und seine Botschaft, ist der Geist die
Kraft, die diese Botschaft lebendig erhält, die uns hilft, auch für
unsere Zeit daraus Wege zum Leben zu finden. Denn die biblische
Botschaft enthält Worte des Lebens, die nicht an technische
Entwicklungen gebunden sind, sondern die in jeder Zeit, in der Menschen
leben, ihre Bedeutung haben. Nur jede Zeit braucht ihre eigenen
Umsetzungen dieser Gedanken. Darin ist Gottes Geist Helfer und Beistand.
Bitten wir also diesen Helfer und Beistand, dass er unser Leben erfüllen
möge, dass er die Luft in uns ist, die uns ausfüllt und in dieser Welt
greifbar macht, wie den Luftballon. Bitten wir um seinen Geist, dass die
Liebe Gottes sichtbar wird, in all dem, was uns wichtig ist und dass er
uns verändert, wo wir diese Liebe verdunkeln. Komm, Heilger Geist, der
Leben schafft, erfülle uns mit deiner Kraft.
Amen.
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: Komm, Heilger Geist mit deiner Kraft Bayr. EG 564
Eingangsliturgie
Gebet: EGb 341 - Gebet 1
Lesung: Apg 2, 1-18
Glaubensbekenntnis
Lied: O komm, du Geist der Wahrheit (Text: C. Bittlinger)
Predigt
Lied Komm, heilger Geist Bayr. EG 565
Abkündigungen
Fürbittengebet:
Gott, wir bitten um deinen Geist, auf dass wir deine gute Botschaft
herausrufen können:
Die Botschaft des Lebens - gegen den Tod!
Die Botschaft der Liebe - gegen den Haß!
Die Botschaft des Lichts - gegen die Dunkelheit!
Die Botschaft der Gerechtigkeit - gegen die Unterdrückung!
Die Botschaft der Freiheit - gegen alle Fesseln!
Gott, wir bitten dich um deinen Geist, der uns deine leisen Worte hören
lässt:
durch all die Schreie der Schmerzen hindurch,
durch all das Gedröhn der Bomben hindurch,
durch all das Geläut von Domen und Kathedralen hindurch,
durch alle hohlen Worte der Politik und der Medien hindurch.
Gott, wir bitten dich um deinen Geist, der uns hilft, deine Botschaft
zur Wirklichkeit zu verhelfen helfen -
bei denen, die ohne Kraft sind,
bei denen, die ohne Hoffnung sind,
bei denen, die ohne Zukunft sind,
bei denen, die ohne Nahrung sind,
bei denen, die ohne Frieden sind.
Gott, wir bitten dich um deinen Geist, der uns laut sein lässt als deine
Botinnen und Boten -
lauter als die, die Lügen verbreiten,
lauter als die, die Stolz zur Schau tragen,
lauter als die, die alles besser wissen,
lauter als die, die verführen zu Macht und Unfreiheit,
lauter als die, die Pessimismus ausstreuen.
Gott, wir bitten dich um deinen Geist, der uns die Botschaft der
Freiheit herausrufen lässt,
lass uns die Botschaft der Liebe leben,
lass uns die Botschaft der Gerechtigkeit verbreiten,
lass die Botschaft des Lebens nicht verstummen.
Gott, schenkt du uns dazu deinen Geist.
leicht verändertes Gebet von Heike Hilgendiek in: Neue
Eingangs- und Fürbittengebete für die Sonn- und Feiertage des
Kirchenjahres, hrsg. von Wolfgang Brinkel und Heike Hilgendiek,
Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1994, S. 99
oder in: Der Gottesdienst - Lit. Texte in gerechter Sprache Bd. 1 - S
486f
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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