Predigt

NT

 

Predigt

Aktuell
Archiv
Links

Home

Predigt

Kirchen

Kinder-
gottesdienst
Konfirmanden
Gemeinde
Gemeindebrief
Gottesdienst
Links
Gästebuch
Sitemap
Kontakt
 

Joh 14, 1-6

Silvester 2004 nach dem großen Flutunglück im indischen Ozean


Unser Gedanken sind voll von den Bildern der letzten Tage. Jede Nachrichtensendung und alle aktuellen Berichte stellen uns das Ausmaß der schweren Flutkatastrophe des 2. Weihnachtstages vor Augen. Unvorstellbar für uns, die wir das am Fernsehen miterleben oder in der Zeitung die Bilder sehen. Ich kann für mich selber nur sagen, ich kann es mir nicht vorstellen, was man in dieser Situation denkt, wenn man mitten in dem Chaos steht, das diese Flutwelle angerichtet hat. Am Ehesten können das wohl diejenigen nachvollziehen, die in den großen Städten Deutschlands am Kriegsende in den Trümmern der Bombennächte saßen und ebenfalls nichts anderes vor Augen hatten als Leichen und Trümmer.
Die Menschen, die in Urlaub gefahren sind, die eine Zeit der Ruhe und Entspannung genießen wollten, haben das wohl schrecklichste erlebt, was in ihrem passiert ist. Von einer Sekunde auf die andere haben die Naturkräfte eine Zerstörung eines Ausmaßes angerichtet, die sich wohl niemand je hat vorstellen können. Hunderttausend Tote, eine Unzahl von verletzten Menschen, Schäden, deren Beseitigung die nächsten Jahre in Anspruch nehmen werden.
Wie kann man mit so etwas umgehen, wie kann man so etwas überhaupt begreifen, verarbeiten, wie kann man so etwas mit Gott in Verbindung bringen?
Was haben wir doch eben gehört? Euer Herz erschrecke nicht!
Doch es erschrickt. Das Herz bleibt stehen, wenn man so etwas sieht. Vor allen jetzt, da es immer näher rückt, denn die Menschen, die dort waren, das waren Menschen die auch aus unserer Gegend kamen. Hier ist nicht nur eine Katastrophe passiert, die die Menschen weit weg betreffen, sondern Menschen, die aus unserem Land kommen, aus unserer Region.
Unser Herz erschrickt darüber, dass es so schnell gehen kann, dass ein Menschenleben ausgelöscht wird. Ohne Vorwarnung, ohne menschliche Gewalt, ohne eine Chance diesem Tod entrinnen zu können, auch wenn es Menschen gibt, die es geschafft haben, der todbringenden Welle zu entgehen.
Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich.
Gott, es fällt so schwer, an dich zu glauben, angesichts dessen, was da geschehen ist, auch für uns, die wir weit weg von diesem Geschehen sind, die wir nur aus dem Fernsehen mitbekommen, was andere Menschen dort erlebt haben. Gott du hast am Anfang der Schöpfung gesagt: Und siehe, es ist alles sehr gut. Und wir erfahren das auch immer wieder, wenn wir die Schönheit der Schöpfung sehen, wenn wir sehen, was in dieser Welt alles geschaffen wurde, wie es funktioniert im Großen und im Kleinen. Und es wird immer faszinierender, je mehr wir wissen, je mehr wir erfahren von dem, was dieses Welt ausmacht. Und dann sind da diese Ereignisse in der Schöpfung, die zu solchen Katastrophen führen. Warum geschieht so etwas? Warum kannst du dem nicht Einhalt gebieten? Was bist du für ein Gott, der solches nicht aufhält?


Glaubt an Gott und glaubt an mich, sagt Jesus.
Es fällt schwer. Unsere Fragen und Zweifel werden größer angesichts solcher Ereignisse. Und es gibt ja auch keine Antworten darauf, es gibt keinen Sinn, der so etwas gleichsam logisch erklären könnte, weil A darum B.
Und es wäre auch furchtbar, wenn wir das könnten, wenn wir ein Erklärung dafür finden könnten. Aber das macht eben auch unsere Hilflosigkeit aus. Und wir haben in diesem Fall sogar noch das Problem, dass wir nicht einmal dem Menschen und seinem ausbeuterischen Umgang mit der Natur dafür die Schuld geben könnten. Nein es ist ein wirklich reines Naturereignis, dessen Folgen wir auf Grund weltweiter Kommunikation so intensiv mitbekommen.

Glaubt an Gott und glaubt an mich, sagt Jesus.
Ich hatte die Silvesteransprache schon vor Weihnachten fertig, weil ich einige Tage weg war und ich gerne alles vorbereitet haben wollte. In dieser Ansprache habe ich folgendes formuliert:
Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich, sagt Jesus. Auch wenn wir nichts bedrohliches vor Augen haben, macht es zunächst einmal Mut. Du kannst mutig voran gehen. Du kannst dein Leben getrost leben, es gibt etwas, das dir in allen Lebenslagen hilfreich ist, das dir Halt gibt, das deinem Herzen Stärke verleiht. Der Glaube an Gott und der Glaube an Jesus Christus. Dieser Glaube ist der tragende Grund für das, was im Leben auf uns zukommt.
Jetzt haben wir doch bedrohliches vor Augen gehabt, ja nicht nur Bedrohliches, sondern in vorstellbarem Maß zerstörerisches. Stimmen die Worte, die ich dazu formuliert habe? Kann man sich einfach hinstellen und sagen: Du kannst mutig voran gehen. Du kannst dein Leben getrost leben, es gibt etwas, das dir in allen Lebenslagen hilfreich ist, das dir Halt gibt, das deinem Herzen Stärke verleiht.
In den Bildern, die uns vor Augen stehen, kann ich die Wahrheit dieser Aussage nicht festmachen. Diese Bilder stellen sie in Frage, lassen den Zweifel stärker werden. Und doch ist die Wahrheit dieser Worte gültig, denn es sind Gottes Worte. Wie hieß die Jahreslosung für dieses Jahr doch: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Katastrophale Wirklichkeit sind diese Worte für die Menschen in Südostasien geworden, aber vielleicht ist es dennoch gerade der Glaube, der zweifelnde Glaube der, welcher uns helfen kann, nicht zu erstarren, sondern nach vorne zu schauen.
In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen, so beschreibt Jesus in einem Bild den tragenden Grund des Lebens deutlich zu machen.
Das Haus ist Gottes besteht nicht nur aus einem Raum. Die Heimstatt unseres Lebens, die wir bei Gott haben, ist nicht einräumig, einlinig, einförmig. Der Glaube, in dem wir leben, hat nicht nur ein Gesicht, es gibt unterschiedlichste Weisen in diesem Glauben mit der Realität des Lebens umzugehen.
In diesem Haus gibt es die Wohnung der Klage. Die Beter des alten Testamentes machen es uns vor: Gott ist nicht nur das Gegenüber frommer dankbarer Worte, sondern eben auch der Klage und des Unverständnisses. Wir können auch mit dem zu ihm kommen, was wir nicht verstehen, was sich unserem Begreifen entzieht, was wir auch gar nicht verstehen wollen, sondern war wir anprangern müssen. Bei ihm können wir es loswerden, nicht nur jetzt in diesen Tagen sondern überhaupt: Gott offen für das, was uns plagt, was uns bedrückt, was uns das Leben so schwer macht.
Und dann gibt in dem Haus die Wohnung der Ruhe, der Besinnung. Auch das braucht man in solchen Zeiten. Einen Raum, in dem wir Abstand nehmen können, in dem wir das Gesehene auch loslassen können, das alltägliche loslassen können, um zu uns selber zu finden, um sich fallen lassen zu können, um Raum zu haben, um zu erkennen, was letztlich im Leben wirklich trägt, wohin wir gehen, wo wir auch in den größten Katastrophen nicht verloren gehen.
Und es gibt den Raum, wo wir unsere Möglichkeiten und Verantwortungen wahrnehmen. In dieser Wohnung hat auch der Einsatz für andere seinen Raum, die Aktivität für die Bedürftigen der Welt, für die Solidarität und Mitleidensbereitschaft jetzt und auch in Zukunft. Es wird viele Hilfe gebraucht, die Menschen in den betroffenen Ländern können die Aufgaben, die vor ihnen liegen nicht alleine bewältigen. Und wir, die wir uns die Urlaube dorthin leisten können, sind nun gefragt, hier Zeichen der Verbundenheit zu setzen, in diesen Tagen der ersten Hilfe, genauso wie auch in Zukunft, wenn die Fernsehkameras sich den nächsten Ereignissen des Weltgeschehens widmen. Der Glaube an Gott verpflichtet zur Hilfe für all diejenigen, die von dieser Katastrophe betroffen sind. Der ferne Nächste ist unser Nächster geworden, der uns gegenüber steht und dem zugesagt werden muss: ich will mit aufkommen dafür, das du gesundest, wie es auch der Samaritaner getan hat, als er den Kranken in die Obhut des Wirtes gegeben hat.
Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich, sagt Jesus.
An Jesus glauben, das heißt, auch inmitten des Kreuzes die Hoffnung und das Vertrauen nicht aufzugeben. Jesus hat es in sich getragen an jedem Tag seines Lebens. Für ihn gab es, bis hin zu dem Weg ans Kreuz keine Situation, in der er die Hoffnung aufgegeben hat, in der er das Vertrauen zu Gott verloren hat. Seine Liebe zum Menschen, seine Bindung zu Gott war so stark, dass er um dieser Liebe willen auch das Leiden auf sich genommen hat und genau so den Weg zum Leben uns Menschen eröffnet hat. An diese Hoffnung, an dieses Vertrauen können wir uns hängen, sie ist die Grundlage für unsere Hoffnung, für unser Vertrauen, für unseren Glauben.
Dieser Glaube erklärt Geschehenes nicht, er gibt ihm keinen Sinn, aber lässt uns auch nicht resignieren, lässt uns nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern kann Kraft schenken und Möglichkeiten geben für das, was nun nötig ist zu tun. Der Glauben ruft uns in die Verantwortung für die Menschen, die überlebt haben, die unsere Hilfe brauchen, unsere materielle Hilfe, aber auch unsere Fürbitte und menschliche Verbundenheit. Möge Gott uns dafür im neuen Jahr öffnen und offen halten. Amen

  oben

Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: Wir schaun hinauf zu den Bergen  (J.Grote)
Gott, du bist unsere Hilfe, zu dir können wir kommen.
Wir sehen die Not und das Elend,
wir sehen die erschrockenen Gesichter,
die Lähmung und Ohnmacht der Menschen,
die Tränen der Trauernden.
Auch wir stehen hilflos da,
wissen nicht wohin mit unseren Fragen und Zweifeln,
wohin mit all dem, was da so unverstehbar in unseren Herzen wühlt.
Wir wollen an dir festhalten, doch es fällt so unendlich schwer.
Sei du uns Hilfe und Trost,
stärke uns, auf dass wir an dir festhalten können.
Herr, erhöre uns.
Erhöre unser Beten,
sieh an die Not der Menschen
Gott, du allein bist unsere Hilfe.
Eingangsliturgie
Kyrie:
Wir sehen die zerstörten Häuser und Landschaften, wir sehen die Menschen, die darin gewohnt haben, wir sehen das Leid, das darin wohnt.
Wir rufen gemeinsam: Herr, erbarme dich EG178
Wir sehen die Verletzten, die Toten, die Suchenden, die Verzweifelten, die Kinder und Eltern, die nun alleine sind.
Für sie beten wir gemeinsam: Herr, erbarme dich EG178
Wir sehen die Helfer, die müden und doch unermüdlichen, die hoffnungsvollen und Hoffnung schenkenden Menschen, die sich der Not stellen.
Für sie beten wir gemeinsam: Herr, erbarme dich EG178

Gott, in deine Hände legen wir alle unsere Gedanken. Das Lob fällt uns schwer, aber dennoch erhoffen wir von dir Hilfe und zukunftsweisende Worte. So sei bei uns und bei allen, die in diesen Tagen gebannt wahrnehmen, was in deiner Welt geschehen ist. Lass uns aus deinen Worten Hilfe erfahren. Das bitten wir durch Jesus Christus, der unsere Hoffnung ist auch im Leid und der mit dir und dem heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Lesung: Jakobus 4, 13-15
Lied: 63,1-3+6
Lesung: Joh 14, 1-6
Glaubensbekenntnis
Lied: 166,1-3+5
Predigt
Lied: 228,1-3

Abendmahlsgebet:
Heiliger Gott und Vater, dein lebendiges Wort Jesus Christus lebt und wirkt unter uns, er führt und leitet uns durch die Zeiten. In ihm wirkst du jeden Tag unseres Lebens und so soll es auch im neuen Jahr sein.
Wir wollen Abendmahl feiern, Zeichen deiner Gegenwart auch im Angesicht des Todes.
Es ist heute nicht fröhliche Feier, sondern stille Ermutigung, dass wir auf dich hoffen können, dass wir auch im Angesicht des Todes und der Katastrophen in der Welt nicht ohne dich sein müssen. Stärke uns mit den Gaben, die Jesus uns hinterlassen hat.
Einsetzungsworte
Ja, komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast, segne, was du uns hinterlassen hast. Schenke uns deinen Heiligen Geist und erneuere uns. Segne die Gaben von Brot und Wein und lass uns teilhaben an deiner Herrlichkeit.
Vaterunser
65, 1,2,5
Abkündigungen
Fürbittengebet
Gott, der bittere Kelch des Leidens steht vor vielen Menschen. In den Katastrophengebieten in Südostasien, aber auch in den anderen Notgebieten dieser Welt, die wir nicht so aktuell vor Augen haben.
So bitten wir dich für alle, die im vergangen Jahr viel Leid erfahren haben, dass das neue Jahr begleitet ist von neuer Hoffnung und neuer Lebenskraft. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle, die vor den Trümmern des Lebens stehen, dass sie nicht verzweifeln, sondern Kraft finden, das Leben neu anzugehen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für all diejenigen, die allein nach Hause zurückkehren müssen aus einem gemeinsamen Urlaub. Lass sie nicht verzweifeln an dem, was da geschehen ist. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle Kinder, die ihre Eltern verloren haben, dass sie Menschen finden, die es gut mit ihnen meinen und ihnen Zukunft ermöglichen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle Helfen, die sich zur Verfügung stellen, um die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. Mögen sie mit voller Kraft all die kleinen Dinge tun, die vor Ort wichtig sind. Möge dies segensreich für viele Menschen sein. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Für alle, denen Hilfe versagt bleibt, bitten wir um die Kraft, selber in die Hand zu nehmen, was nötig ist zu tun. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Für uns hier in diesem Gottesdienst bitten wir, dass das Jahr 2005 ein segensreiches sein möge, in dem die Bedrückung klein, die Hoffnung, das Vertrauen und die Liebe groß sein möge. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Gott wir legen unser Leben in deine Hände. Führe uns leite uns wohin du es willst. Denn in dir liegt das Ziel des Lebens. Amen
Segen
171, 1-7

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

  oben

 
Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe

31. 12. 2005

Liturgischer
Ablauf
Predigt drucken
 

 

 

 

 

   

© für alle Seiten und Inhalte liegen bei Jürgen Grote