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Silvester 2004 nach dem großen Flutunglück im indischen
Ozean
Unser Gedanken sind voll von den Bildern der letzten Tage. Jede
Nachrichtensendung und alle aktuellen Berichte stellen uns das Ausmaß der
schweren Flutkatastrophe des 2. Weihnachtstages vor Augen. Unvorstellbar
für uns, die wir das am Fernsehen miterleben oder in der Zeitung die
Bilder sehen. Ich kann für mich selber nur sagen, ich kann es mir nicht
vorstellen, was man in dieser Situation denkt, wenn man mitten in dem
Chaos steht, das diese Flutwelle angerichtet hat. Am Ehesten können das
wohl diejenigen nachvollziehen, die in den großen Städten Deutschlands am
Kriegsende in den Trümmern der Bombennächte saßen und ebenfalls nichts
anderes vor Augen hatten als Leichen und Trümmer.
Die Menschen, die in Urlaub gefahren sind, die eine Zeit der Ruhe und
Entspannung genießen wollten, haben das wohl schrecklichste erlebt, was in
ihrem passiert ist. Von einer Sekunde auf die andere haben die Naturkräfte
eine Zerstörung eines Ausmaßes angerichtet, die sich wohl niemand je hat
vorstellen können. Hunderttausend Tote, eine Unzahl von verletzten
Menschen, Schäden, deren Beseitigung die nächsten Jahre in Anspruch nehmen
werden.
Wie kann man mit so etwas umgehen, wie kann man so etwas überhaupt
begreifen, verarbeiten, wie kann man so etwas mit Gott in Verbindung
bringen?
Was haben wir doch eben gehört? Euer Herz erschrecke nicht!
Doch es erschrickt. Das Herz bleibt stehen, wenn man so etwas sieht. Vor
allen jetzt, da es immer näher rückt, denn die Menschen, die dort waren,
das waren Menschen die auch aus unserer Gegend kamen. Hier ist nicht nur
eine Katastrophe passiert, die die Menschen weit weg betreffen, sondern
Menschen, die aus unserem Land kommen, aus unserer Region.
Unser Herz erschrickt darüber, dass es so schnell gehen kann, dass ein
Menschenleben ausgelöscht wird. Ohne Vorwarnung, ohne menschliche Gewalt,
ohne eine Chance diesem Tod entrinnen zu können, auch wenn es Menschen
gibt, die es geschafft haben, der todbringenden Welle zu entgehen.
Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich.
Gott, es fällt so schwer, an dich zu glauben, angesichts dessen, was da
geschehen ist, auch für uns, die wir weit weg von diesem Geschehen sind,
die wir nur aus dem Fernsehen mitbekommen, was andere Menschen dort erlebt
haben. Gott du hast am Anfang der Schöpfung gesagt: Und siehe, es ist
alles sehr gut. Und wir erfahren das auch immer wieder, wenn wir die
Schönheit der Schöpfung sehen, wenn wir sehen, was in dieser Welt alles
geschaffen wurde, wie es funktioniert im Großen und im Kleinen. Und es
wird immer faszinierender, je mehr wir wissen, je mehr wir erfahren von
dem, was dieses Welt ausmacht. Und dann sind da diese Ereignisse in der
Schöpfung, die zu solchen Katastrophen führen. Warum geschieht so etwas?
Warum kannst du dem nicht Einhalt gebieten? Was bist du für ein Gott, der
solches nicht aufhält?
Glaubt an Gott und glaubt an mich, sagt Jesus.
Es fällt schwer. Unsere Fragen und Zweifel werden größer angesichts
solcher Ereignisse. Und es gibt ja auch keine Antworten darauf, es gibt
keinen Sinn, der so etwas gleichsam logisch erklären könnte, weil A darum
B.
Und es wäre auch furchtbar, wenn wir das könnten, wenn wir ein Erklärung
dafür finden könnten. Aber das macht eben auch unsere Hilflosigkeit aus.
Und wir haben in diesem Fall sogar noch das Problem, dass wir nicht einmal
dem Menschen und seinem ausbeuterischen Umgang mit der Natur dafür die
Schuld geben könnten. Nein es ist ein wirklich reines Naturereignis,
dessen Folgen wir auf Grund weltweiter Kommunikation so intensiv
mitbekommen.
Glaubt an Gott und glaubt an mich, sagt Jesus.
Ich hatte die Silvesteransprache schon vor Weihnachten fertig, weil ich
einige Tage weg war und ich gerne alles vorbereitet haben wollte. In
dieser Ansprache habe ich folgendes formuliert:
Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich, sagt Jesus.
Auch wenn wir nichts bedrohliches vor Augen haben, macht es zunächst
einmal Mut. Du kannst mutig voran gehen. Du kannst dein Leben getrost
leben, es gibt etwas, das dir in allen Lebenslagen hilfreich ist, das dir
Halt gibt, das deinem Herzen Stärke verleiht. Der Glaube an Gott und der
Glaube an Jesus Christus. Dieser Glaube ist der tragende Grund für das,
was im Leben auf uns zukommt.
Jetzt haben wir doch bedrohliches vor Augen gehabt, ja nicht nur
Bedrohliches, sondern in vorstellbarem Maß zerstörerisches. Stimmen die
Worte, die ich dazu formuliert habe? Kann man sich einfach hinstellen und
sagen: Du kannst mutig voran gehen. Du kannst dein Leben getrost leben, es
gibt etwas, das dir in allen Lebenslagen hilfreich ist, das dir Halt gibt,
das deinem Herzen Stärke verleiht.
In den Bildern, die uns vor Augen stehen, kann ich die Wahrheit dieser
Aussage nicht festmachen. Diese Bilder stellen sie in Frage, lassen den
Zweifel stärker werden. Und doch ist die Wahrheit dieser Worte gültig,
denn es sind Gottes Worte. Wie hieß die Jahreslosung für dieses Jahr doch:
Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.
Katastrophale Wirklichkeit sind diese Worte für die Menschen in
Südostasien geworden, aber vielleicht ist es dennoch gerade der Glaube,
der zweifelnde Glaube der, welcher uns helfen kann, nicht zu erstarren,
sondern nach vorne zu schauen.
In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen, so beschreibt Jesus in einem
Bild den tragenden Grund des Lebens deutlich zu machen.
Das Haus ist Gottes besteht nicht nur aus einem Raum. Die Heimstatt
unseres Lebens, die wir bei Gott haben, ist nicht einräumig, einlinig,
einförmig. Der Glaube, in dem wir leben, hat nicht nur ein Gesicht, es
gibt unterschiedlichste Weisen in diesem Glauben mit der Realität des
Lebens umzugehen.
In diesem Haus gibt es die Wohnung der Klage. Die Beter des alten
Testamentes machen es uns vor: Gott ist nicht nur das Gegenüber frommer
dankbarer Worte, sondern eben auch der Klage und des Unverständnisses. Wir
können auch mit dem zu ihm kommen, was wir nicht verstehen, was sich
unserem Begreifen entzieht, was wir auch gar nicht verstehen wollen,
sondern war wir anprangern müssen. Bei ihm können wir es loswerden, nicht
nur jetzt in diesen Tagen sondern überhaupt: Gott offen für das, was uns
plagt, was uns bedrückt, was uns das Leben so schwer macht.
Und dann gibt in dem Haus die Wohnung der Ruhe, der Besinnung. Auch das
braucht man in solchen Zeiten. Einen Raum, in dem wir Abstand nehmen
können, in dem wir das Gesehene auch loslassen können, das alltägliche
loslassen können, um zu uns selber zu finden, um sich fallen lassen zu
können, um Raum zu haben, um zu erkennen, was letztlich im Leben wirklich
trägt, wohin wir gehen, wo wir auch in den größten Katastrophen nicht
verloren gehen.
Und es gibt den Raum, wo wir unsere Möglichkeiten und Verantwortungen
wahrnehmen. In dieser Wohnung hat auch der Einsatz für andere seinen Raum,
die Aktivität für die Bedürftigen der Welt, für die Solidarität und
Mitleidensbereitschaft jetzt und auch in Zukunft. Es wird viele Hilfe
gebraucht, die Menschen in den betroffenen Ländern können die Aufgaben,
die vor ihnen liegen nicht alleine bewältigen. Und wir, die wir uns die
Urlaube dorthin leisten können, sind nun gefragt, hier Zeichen der
Verbundenheit zu setzen, in diesen Tagen der ersten Hilfe, genauso wie
auch in Zukunft, wenn die Fernsehkameras sich den nächsten Ereignissen des
Weltgeschehens widmen. Der Glaube an Gott verpflichtet zur Hilfe für all
diejenigen, die von dieser Katastrophe betroffen sind. Der ferne Nächste
ist unser Nächster geworden, der uns gegenüber steht und dem zugesagt
werden muss: ich will mit aufkommen dafür, das du gesundest, wie es auch
der Samaritaner getan hat, als er den Kranken in die Obhut des Wirtes
gegeben hat.
Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich, sagt Jesus.
An Jesus glauben, das heißt, auch inmitten des Kreuzes die Hoffnung und
das Vertrauen nicht aufzugeben. Jesus hat es in sich getragen an jedem Tag
seines Lebens. Für ihn gab es, bis hin zu dem Weg ans Kreuz keine
Situation, in der er die Hoffnung aufgegeben hat, in der er das Vertrauen
zu Gott verloren hat. Seine Liebe zum Menschen, seine Bindung zu Gott war
so stark, dass er um dieser Liebe willen auch das Leiden auf sich genommen
hat und genau so den Weg zum Leben uns Menschen eröffnet hat. An diese
Hoffnung, an dieses Vertrauen können wir uns hängen, sie ist die Grundlage
für unsere Hoffnung, für unser Vertrauen, für unseren Glauben.
Dieser Glaube erklärt Geschehenes nicht, er gibt ihm keinen Sinn, aber
lässt uns auch nicht resignieren, lässt uns nicht den Kopf in den Sand
stecken, sondern kann Kraft schenken und Möglichkeiten geben für das, was
nun nötig ist zu tun. Der Glauben ruft uns in die Verantwortung für die
Menschen, die überlebt haben, die unsere Hilfe brauchen, unsere materielle
Hilfe, aber auch unsere Fürbitte und menschliche Verbundenheit. Möge Gott
uns dafür im neuen Jahr öffnen und offen halten. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied:
Wir
schaun hinauf zu den Bergen (J.Grote)
Gott, du bist unsere Hilfe, zu dir können wir kommen.
Wir sehen die Not und das Elend,
wir sehen die erschrockenen Gesichter,
die Lähmung und Ohnmacht der Menschen,
die Tränen der Trauernden.
Auch wir stehen hilflos da,
wissen nicht wohin mit unseren Fragen und Zweifeln,
wohin mit all dem, was da so unverstehbar in unseren Herzen wühlt.
Wir wollen an dir festhalten, doch es fällt so unendlich schwer.
Sei du uns Hilfe und Trost,
stärke uns, auf dass wir an dir festhalten können.
Herr, erhöre uns.
Erhöre unser Beten,
sieh an die Not der Menschen
Gott, du allein bist unsere Hilfe.
Eingangsliturgie
Kyrie:
Wir sehen die zerstörten Häuser und Landschaften, wir sehen die Menschen,
die darin gewohnt haben, wir sehen das Leid, das darin wohnt.
Wir rufen gemeinsam: Herr, erbarme dich EG178
Wir sehen die Verletzten, die Toten, die Suchenden, die Verzweifelten, die
Kinder und Eltern, die nun alleine sind.
Für sie beten wir gemeinsam: Herr, erbarme dich EG178
Wir sehen die Helfer, die müden und doch unermüdlichen, die
hoffnungsvollen und Hoffnung schenkenden Menschen, die sich der Not
stellen.
Für sie beten wir gemeinsam: Herr, erbarme dich EG178
Gott, in deine Hände legen wir alle unsere Gedanken. Das Lob fällt uns
schwer, aber dennoch erhoffen wir von dir Hilfe und zukunftsweisende
Worte. So sei bei uns und bei allen, die in diesen Tagen gebannt
wahrnehmen, was in deiner Welt geschehen ist. Lass uns aus deinen Worten
Hilfe erfahren. Das bitten wir durch Jesus Christus, der unsere Hoffnung
ist auch im Leid und der mit dir und dem heiligen Geist lebt und wirkt von
Ewigkeit zu Ewigkeit.
Lesung: Jakobus 4, 13-15
Lied: 63,1-3+6
Lesung: Joh 14, 1-6
Glaubensbekenntnis
Lied: 166,1-3+5
Predigt
Lied: 228,1-3
Abendmahlsgebet:
Heiliger Gott und Vater, dein lebendiges Wort Jesus Christus lebt und
wirkt unter uns, er führt und leitet uns durch die Zeiten. In ihm wirkst
du jeden Tag unseres Lebens und so soll es auch im neuen Jahr sein.
Wir wollen Abendmahl feiern, Zeichen deiner Gegenwart auch im Angesicht
des Todes.
Es ist heute nicht fröhliche Feier, sondern stille Ermutigung, dass wir
auf dich hoffen können, dass wir auch im Angesicht des Todes und der
Katastrophen in der Welt nicht ohne dich sein müssen. Stärke uns mit den
Gaben, die Jesus uns hinterlassen hat.
Einsetzungsworte
Ja, komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast, segne, was du uns hinterlassen
hast. Schenke uns deinen Heiligen Geist und erneuere uns. Segne die Gaben
von Brot und Wein und lass uns teilhaben an deiner Herrlichkeit.
Vaterunser
65, 1,2,5
Abkündigungen
Fürbittengebet
Gott, der bittere Kelch des Leidens steht vor vielen Menschen. In den
Katastrophengebieten in Südostasien, aber auch in den anderen Notgebieten
dieser Welt, die wir nicht so aktuell vor Augen haben.
So bitten wir dich für alle, die im vergangen Jahr viel Leid erfahren
haben, dass das neue Jahr begleitet ist von neuer Hoffnung und neuer
Lebenskraft. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle, die vor den Trümmern des Lebens stehen, dass sie
nicht verzweifeln, sondern Kraft finden, das Leben neu anzugehen. Darum
rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für all diejenigen, die allein nach Hause zurückkehren
müssen aus einem gemeinsamen Urlaub. Lass sie nicht verzweifeln an dem,
was da geschehen ist. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle Kinder, die ihre Eltern verloren haben, dass sie
Menschen finden, die es gut mit ihnen meinen und ihnen Zukunft
ermöglichen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle Helfen, die sich zur Verfügung stellen, um die
Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. Mögen sie mit voller Kraft
all die kleinen Dinge tun, die vor Ort wichtig sind. Möge dies segensreich
für viele Menschen sein. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Für alle, denen Hilfe versagt bleibt, bitten wir um die Kraft, selber in
die Hand zu nehmen, was nötig ist zu tun. Darum rufen wir zu dir: Herr,
erbarme dich.
Für uns hier in diesem Gottesdienst bitten wir, dass das Jahr 2005 ein
segensreiches sein möge, in dem die Bedrückung klein, die Hoffnung, das
Vertrauen und die Liebe groß sein möge. Darum rufen wir zu dir: Herr,
erbarme dich.
Gott wir legen unser Leben in deine Hände. Führe uns leite uns wohin du es
willst. Denn in dir liegt das Ziel des Lebens. Amen
Segen
171, 1-7
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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