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Joh 14, 19

Bei meiner Vorbereitung auf dieses Gottesdienst habe ich im Internet eine alte amerikanische Geschichte gelesen: "Ein alter Mann lebte zusammen mit seinem einzigen Sohn auf einer kleinen Farm. Sie besaßen nur ein Pferd, mit dem sie die Felder bestellen konnten und kamen gerade so über die Runden.

Eines Tages lief das Pferd davon. Die Leute im Dorf kamen zu dem alten Mann und riefen 'Oh, was für ein schreckliches Unglück!' Der alte Mann erwiderte aber mit ruhiger Stimme: 'Wer weiß..., wer weiß schon, wozu es gut ist?'

Eine Woche später kam das Pferd zurück und führte eine ganze Herde wunderschöner Wildpferde mit auf die Koppel. Wieder kamen die Leute aus dem Dorf: 'Was für ein unglaubliches Glück!' Doch der alte Mann sagte wieder: 'Wer weiß..., wer weiß schon, wozu es gut ist?'

In der nächsten Woche machte sich der Sohn daran, eines der wilden Pferde einzureiten. Er wurde aber abgeworfen und brach sich ein Bein. Nun musste der alte Mann die Feldarbeit allein bewältigen. Und die Leute aus dem Dorf sagten zu ihm: 'Was für ein schlimmes Unglück!' Die Antwort des alten Mannes war wieder: 'Wer weiß..., wer weiß schon, wozu es gut ist?'

In den nächsten Tagen brach ein Krieg mit dem Nachbarland aus. Die Soldaten der Armee kamen in das Dorf, um alle kriegsfähigen Männer einzuziehen. Alle jungen Männer des Dorfes mussten an die Front und viele von ihnen starben. Der Sohn des alten Mannes aber konnte mit seinem gebrochenen Bein zu Hause bleiben.

'Wer weiß..., wer weiß, wozu es gut ist?'"

Diese alte Geschichte ist nicht nur eine schöne Geschichte, sie hat auch einiges zu erzählen. Natürlich erleben wir nicht in dieser dichten Weise Lebensereignisse, die sich auf einander beziehen lassen, so einfach ist das Leben dann auch nicht. Aber vielleicht entdecken wir ja so manches auch in unserem Leben, was sich im Nachhinein als etwas herausgestellt hat, wo man sagen kann: ja, doch es war gut so, wie es gekommen ist. Letztlich hatte es einen Sinn, dass ich damals in dieser Weise getroffen wurde.

Leider können wir das oft genug eben nur im Nachhinein entdecken, was bestimmte, tragische, schicksalshafte Ereignisse für Auswirkungen hatten, welche Bedeutung sie plötzlich gewinnen wir die Entwicklung unseres Lebens. Ähnlich erging es ja auch den Freuden, die mit Jesus ihren Weg zogen. Sie erlebten die Kreuzigung als Untergang. Alle Lebenshoffnungen waren dahingeschwunden. Alles, was ihnen bis dahin an neuen Lebensmöglichkeiten eröffnet wurde, war mit einem Mal zu Ende. Sollte es etwa doch nicht wahr gewesen sein, was Jesus da erzählt hat? Ist diese gute Botschaft etwa doch nicht von Gott? Er hatte so viel Ausstrahlung, seine Worte taten so gut. Viele Menschen hatten zum ersten Mal das Gefühl, hier bin ich angesprochen, von Gott als Mensch, als Ich angesprochen. Und nun findet dies alles ein Ende – am Kreuz.

Wir müssen – hoffentlich – nicht die Kreuzigung erleben, weder die eigene noch die eines anderen. Doch das Symbol Kreuz, Kreuz meines Lebens vermag viele Lebenssituationen aufzunehmen. Das Ende von Hoffnungen, die Grenzen des Körperlichen, die kleiner werdende Perspektive nach vorne, der verlorene Arbeitsplatz, die enttäuschte Liebe, das Sitzenbleiben in der Schule, der familiäre Streit, die eigenen Wege der Kinder, es gibt vieles in unserem Leben, was im Moment des Erlebens Kreuzescharakter bekommt, auch wenn das Kreuz Jesu anderes aussagt. Unser Erleben ist das des Kreuzes, des Leidens, des Unterganges.

Und dann hören wir heute in der Geschichten von einem Menschen, der solche Erfahrungen mit dem Satz kommentiert: wer weiß, wer weiß wozu es gut ist.

Beeindruckenden Worte, die der Mann da spricht. Beeindruckend, weil sie einem einen Lebenshorizont öffnen, der ganz eng mit dem Glauben verbunden ist.

Die Jahreslosung für das Jahr 2008 lautet: Jesus Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben.

Wer weiß, wozu es gut ist. Jesus am Kreuz – Gott inmitten des menschlichen Leidens. Niederlage des Glaubens – aus der Sicht der Mächtigen, die diesen Menschen und seine Botschaft damit loswerden wollten. Doch sie haben es nicht geschafft. Gott selber hat die Macht der Mächtigen gebrochen, als er seinen Sohn auferweckt hat. Er hat die Niederlage in einen Sieg verwandelt, als er den Christen den Geist der Hoffnung geschenkt hat, die sich gründet in dem Ereignis von Ostern.

Wer weiß, wer weiß, wozu es gut. Das ist für mich ein österlicher Satz, einer der genährt wird durch den Glauben an den Auferstandenen. Es ist ein Denken, das sich nicht einnehmen lässt von dem, was das Leben an Negativem auferlegt, sondern dass sich prägen lässt von der Hoffnung, die in der Kraft Gottes begründet liegt. Es geht nicht nur darum jeder Situation das Positive abzugewinnen, sondern jede Situation unter der Perspektive der Macht Gottes zu sehen, die größer ist als alles menschliche Tun, als alles menschliche Denken und Wollen. Es ist ein Leben aus der Gewissheit, dass Gott auch noch an am Übergang des Lebens seine Kraft behält. Der Tod kann uns nicht von ihm trennen. Und wenn das für den großen Tod gilt, dann dürfen wir dies auch für die kleinen Todes des Lebens annehmen.

Das Pferd ist weg – wir geben uns nicht auf. Der Sohn mit gebrochenem Bein – tragisch, wieder auf sich selber zurückgeworfen. Und doch es wurde zur Hilfe für die Familie.

Der alte Mann hätte sich auch hinsetzen können, sein Leben bejammern können. Er hätte viele Menschen gefunden, die mit ihm gejammert hätte, die ihn bedauert hätten, denn es trifft ihn immer wieder hart, ganz auf sich allein gestellt zu sein.

Doch genau dies tut er nicht. Wer weiß, wer weiß, wozu es gut ist.

Jesus sagt: ich lebe und ihr sollt auch leben. Ja, ihr sollt auch leben. Jeder von uns soll leben können. Und dieses „leben können“ ist für mich mit ganz vielem gefüllt. Gott ist kein Gott der Toten, sondern ein Gott der Lebendigen. Gott will uns nicht sehen als solche, die sich vom Lebensschicksal treiben lassen, die ihre persönliche Not bejammern und sich darin ergehen. Sein Weg vom Kreuz zur Auferstehung ist ein Weg zum Leben. Es ist ein Weg, das Geschenk des Lebens anzunehmen und zu gestalten.

Ich habe vorhin einige allgemeine Beispiele benannt. Das Ende von Hoffnungen z.B. Man muss einsehen, dass es nicht so geht, wie man es sich erträumt hat. Die Realität geht andere Wege und man muss sie annehmen lernen. Und das stellt die Frage danach, welche Hoffnungen habe ich eigentlich? Welche Hoffnung in mir trägt mein Leben, welche Hoffnung hat wirklich Bedeutung für meine Zukunft im Angesicht des Todes? Ist es vielleicht gut, dass die falsche Hoffnung stirbt, weil nun endlich eine Hoffnung aufkeimen kann, die weiter reicht?

Die Grenzen des Körperlichen. Oh ja es drückt unendlich, wenn der Körper nicht mehr will, wenn die Einschränkungen kommen. Ich werde langsam alt, heißt es dann für die, die in die Jahre gekommen sind. Für die jungen Menschen, die davon betroffen sind, ist das oft ein ganz tragisches Element. Und gleichzeitig ist es für alle der Punkt, wo die Frage drängender wird: was ist mein Leben, was will ich für mich und die Menschen um mich herum? Die Krankheit ist nicht gut, aber sie kann zum Guten führen, das auf einer ganz anderen Ebene liegt und das auch dann noch, wenn die Zeit dafür immer kürzer wird, wenn die Perspektive nach vorne immer kleiner wird.

Der verlorene Arbeitsplatz – ein tragisches Ereignis für den Betroffenen und seine Familie. Gerade in einer Gesellschaft in der Leistung und Arbeit einen so hohen Stellenwert hat. Wer weiß, wozu es gut ist …  ein Satz, der in dieser Situation nicht resignieren lässt, sondern das Leben als etwas ganz wichtiges und wertvolles ansieht. Der Sinn meines Lebens bleibt, auch wenn die bezahlte Arbeit in nicht mehr in Euro und Cent zum Ausdruck bringt. Es gibt vieles, was zu leisten ein jeder in jeder Situation noch in der Lage ist und worin die Bedeutsamkeit des Lebens für sich selber aufscheinen kann.

Ich denke, sie spüren, was ich meine, wenn ich diese Gedanken so äußere. Ich lebe und ihr sollt auch leben. Jesus gibt uns das Versprechen, dass unser Leben zu jeder Zeit Zukunft hat, getragene Zukunft. Wer weiß, wer weiß, wozu es gut ist? Gott weiß, wozu es gut ist. Gott weiß, wohin unser Leben geht. Gott weiß, was er am Ende der Zeit für uns bereit hat.

Das ist die große Hoffnung, die Jesus uns für das Jahr 2008 mitgibt. Es ist österliche Hoffnung, die er da zu uns bringen will, die er uns vor Augen stellt. Wir können sagen das Jahr 2008 ist ein Jahr des Lebens von Ostern her – ein ganzes Jahr lang. Das gilt sicherlich nicht nur für das Jahr 2008 – als Christen leben wir davon seit der Auferstehung Jesu. Doch in diesem Jahr wird uns dies in besonderer Weise vor Augen gestellt, dass das Leben eines ist, das von Ostern her seine ganz besondere Perspektive gewinnt.

Und Sie, die Sie heute hier in diesem Gottesdienst sind und diese Worte hören, mögen gerade in diesem Jahr sich immer wieder daran erinnern, wenn das Leben einmal wieder an Punkte kommt, die man als Wendepunkte, als Endpunkte verstehen kann. Die glücklichen und die tragischen Wendepunkte des Lebens weisen uns an Gott. Sie fordern unseren Glauben und unsere Hoffnung heraus. Lassen wir dann ganz laut in uns werden, was Jesus uns zusagt: Ich lebe und ihr sollt auch leben.

Ja, ich soll leben, ich kann und darf leben. Ich kann und darf hoffen. Wer weiß, wer weiß wozu es gut ist? Gott weiß es, ihm will ich mich anvertrauen. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Lied: Wir schaun hinauf zu den Bergen (J. Grote)

Psalm 121

Eingangsliturgie

Gebet

Herr, unser Gott, wir danken dir, dass du mit uns in ein neues Jahr gehst. Was es uns und dieser Welt auch bringen wird: wir wollen darauf vertrauen, dass du in allem gegenwärtig bist und dass nichts kann uns trennen von deiner Liebe. Du willst uns mit deinem Frieden durch dieses Jahr begleiten. Dafür danken wir dir und bitten dich: stärke uns durch deinen Heiligen Geist. Schenke uns für unser Tun Zuversicht, die wir aus deinem Worte schöpfen. Lass uns im Vertrauen auf dich in das neue Jahr gehen. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Lesung Jak 4, 13-15

Lied: 352,1-4

Lesung Jos 1, 1-9

Glaubensbekenntnis

Lied 361,1-4 Befiehl du deine Wege

Predigt

Lied: 65 Von guten Mächten

Feier des Abendmahles

Gütiger Gott, am Anfang Zeit warst du da, hast mit deinem Wort alles geschaffen. In der Mitte der Zeit warst du da, hast in Jesus Christus, deinem lebendigen Wort, deine Liebe auf ganz neue Weise lebendig gemacht. Am Ende der Zeit wirst du da sein mit dem Wort: du gehörst zu mir. Alle Zeit ist dir unterworfen, zu allen Zeiten sind wir in dir geborgen. Dafür danken wir dir und loben dich, du großer Gott.

331,1+2

Jesus Christus, Bruder und Herr, Freund und Gegenüber für unser Leben. Dein Wort ist Geleit für viele Menschen, mit deinem Wort trägst du uns an jedem Tag. Und du hast dein Wort der Liebe lebendig gemacht in Brot und Kelch. Dafür danken wir dir und bitten dich: sei uns nahe und schenke einem jeden von uns dein Heil für den Weg durch dieses Jahr. Lass uns Anteil haben an der Hoffnung, die du damals deinen Jüngern geschenkt hast, als du am Abend vor deinem Tod dein Heiliges Mahl hinterlassen hast.

Einsetzungworte

Geheimnis des Glaubens

Ja, komm, Herr, Jesu, sei du unser Gast, segne, was du uns gegeben hast. Erfülle uns mit deinem Geist, dem Geist der Hoffnung, dem Geist des Vertrauens und dem Geist der Liebe. Stärke uns zu einem vertrauensvollen Leben, das erfüllt ist von deinem Geist.

Vaterunser

Austeilung

320,1+5

Abkündigungen

Fürbittengebet: Lied 58, 9-15 Nun lasst uns gehn und treten 

Segen

44,1-3

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Gustedt

1. 1. 2008

Liturgischer
Ablauf
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