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Johannes 12, 20-23 + 27-36

(Situation: Abendgottesdienst im Gemeinderaum. Zu Beginn der Predigt wird das Licht aus gemacht ebenso auch die Kerzen. Dann wird eine Kerze angezündet, um das langsame erhellen der Umgebung deutlich zu machen.
Den ersten Teil der Predigt frei halten, den zweiten Teil groß ausdrucken, damit er auch bei wenig Licht lesbar ist.)

Dunkel breitet sich um uns aus. Wir können zunächst nichts sehen. Wir sitzen im Dunkeln. Es wird ein wenig unheimlich. Jeder von uns weiß, es kann nicht viel passieren und der Pastor wird sich schon etwas dabei denken. Aber anders wird uns trotzdem. Die Finsternis nimmst uns gefangen. Sie lässt uns nicht mehr normal denken, sondern vermag unsere Gedanken ganz in Beschlag zu nehmen. Wie wird es weitergehen? Für den Gottesdienst hier können wir uns das vielleicht vorstellen. Sie wissen, es wird nicht mehr lange Dunkel bleiben. Sie hören meine Stimme und die Augen gewöhnen sich vielleicht auch langsam an das Dunkel und wir können schon wieder ein wenig mehr erkennen.

Aber wie ist das eigentlich in unserem Leben? Wenn wir dort im Dunkeln sitzen. Mitten am Tag unter dem Licht des Himmels, aber innerlich im Dunkeln. Das ist doch so eine Erfahrung wie jetzt. Die Dunkelheit nimmt uns ganz in Beschlag. Alles was wir sehen und erleben wird mit diesem Schleier des Dunkel überzogen. Nichts macht mehr so richtig Freude, alles wird grau, farblos, wenn wir es überhaupt wahrnehmen. Man mag gar nicht nach vorne blicken. Die Dunkelheit lässt den Blick gar nicht nach vorne bringen, sondern wir schauen nur um uns selber, um die Orientierung nicht ganz zu verlieren. Was um uns herum ist, das kennen wir, da wissen wir, wie es ist. Aber weiter mögen wir uns nicht von uns weg bewegen.

Um da rauszukommen, da braucht es etwas anderes. Etwas, das von außen kommt. Ein Licht, das wir selber nicht entzünden können.

Ich werde jetzt ein Licht anzünden, damit wir nicht mehr so im Dunkeln sitzen.

Kerze anzünden.

Wie gut ist es , wenn ein kleines Licht leuchtet. Denn so ein kleines Licht vermag doch sehr viel zu erreichen. Wir erkennen langsam die Konturen wieder. Wir können erkennen, was um uns herum ist. Nicht genau, nicht so, wie bei hellem Lampenschein, aber doch so, dass wir wieder Orientierung erhalten. Wir nehmen unseren Nachbarn wahr, sie erkennen, was sich hier vorne tut. Ein noch so kleines Licht, vermag dann doch so viel.

So ist das auch in der Dunkelheit unseres Lebens. Da gibt es nicht die großen Erleuchtungen, die plötzlich alles verändern. Sicher erzählen Menschen davon immer wieder einmal, aber das ist dann doch wohl eher die Ausnahme, die wir da hören. IN meinem Leben jedenfalls ist so etwas noch nicht passiert und bei Ihnen vermutlich auch nicht. Aber wir könnten alle erzählen von den kleinen Lichtern, die in den Zeiten des Dunkels plötzlich vor uns standen. Lichter, die nicht groß waren, nicht bedeutend, aber die uns doch geholfen haben, ein wenig Licht in das Dunkel des Lebens zu bekommen. Der Besuch eines Menschen, der Anteil nimmt, der einfach zuhört. Die Hand, die genommen wird, und die uns zeigt: ich bin nicht allein. Die Hand die gereicht wird, um zu sagen: es tut mir leid. Die Hand, die uns sagt: ich gehe mit dir. Das Wort, das wieder ein wenig Mut aufblinken lässt. Das Lächeln im Gesicht meines Gegenübers, das ehrlich gemeint ist und mich erreicht. All das sind Zeichen des Lichtes, die dazu führen, dass wir wieder sehen können in dem Dunkel, dass wir wieder Orientierung finden und vielleicht sogar die Kraft in der Dunkelheit loszugehen.

Von einem solchen Licht erzählt uns heute auch das Johannesevangelium. Am Ende des heutigen Predigttextes hieß es: Glaubt an das Licht, solange ihr's habt, damit ihr Kinder des Lichtes werdet. Oder wie es die gute Nachricht übersetzt: Haltet euch an das Licht, solange ihr es habt! Dann werdet ihr Menschen, die ganz vom Licht erfüllt sind.

Im Gang des Johannesevangeliums sagt Jesus diese Worte kurze Zeit vor seinem Tod zu seinen Jüngern und zu vor allem Fremden, die zum Passahfest gekommen sind. Die Fremden wollten Jesus kennen lernen und hörten nun diese Worte.

Wir hören diese Worte lange nach dem Tod und auf dem Hintergrund einer 2000jährigen Geschichte des Glaubens. Glaubt an das Licht, solange ihr's habt. Für die Jünger stand der Tod Jesu bevor, sie mussten bald Abschied nehmen. Jesus deutet an, jetzt müsst ihr Glauben entwickeln, jetzt habt ihr mich noch bei euch. Aber es wird eine Zeit kommen, da bin ich nicht bei euch. Dann fehlt das Licht. Aber ihr sollt Kinder des Lichtes werden.

Wenn ich diese Wort auf uns übertrage, dann liegt für mich darin eine ganz wichtige Aufforderung, die im Grunde unserem Leben fast etwas verquer läuft. Wir kennen alle das Sprichwort: Not lehrt beten. Dahinter steckt ja der Gedanke, dass wir Gott in den schwierigen, in den dunklen Zeiten des Lebens entdecken. In den guten Zeiten, in den hellen Zeiten, da brauchen wir ihn nicht, da spielt er keine große Rolle. Und wenn das Dunkel dann nicht erhellt wird, ja dann ist Gott Schuld, oder er wird als doch nicht gegenwärtig beschrieben.

Glaubt an das Licht, solange ihr's habt. Das sagt Jesus zu seinen Jünger und den Fremden, um deutlich zu machen, dass sie seine Worte, seine Taten, sein Leben wahrnehmen sollen, jetzt wo sie die Möglichkeit dazu haben. Im Licht des Lebens sollen sie wahrnehmen, welche Bedeutung Jesus hat und was er für das Leben zu geben hat. Er tut dies, weil er seinen Tod vor Augen weiß und damit auch weiß, dass diese Sicht so nicht mehr möglich ist, dass die Geister sich an diesem Tod scheiden werden.

Glaubt an das Licht , solange ihr's habt. Das ist für uns die Aufforderung, eben nicht erst dann nach Gott zu rufen, wenn das Dunkel uns ergreift. In den guten Zeiten, in den wenig belasteten Zeiten das Licht Jesu wahrnehmen, es in das eigene Leben aufnehmen, das ist das, was den Glauben ausmacht, was ihn lebendig macht.

Woher soll ich den in den Zeiten des Dunkels wissen, wie Gott ist, was ich von ihm erwarten kann, wie kann ich wissen, welchen Weg Jesus uns vorgibt, wie kann ich auf diesen Gott in Jesus Christus bauen, wenn ich nicht zu anderen Zeiten von ihm etwas erfahren habe, was mir einleuchtet, was mich anspricht und von dort ein Licht ausgeht, das mein Leben begleitet? Der christliche Glaube ist sicherlich einer, der den Weg durch das Dunkel des Lebens erhellen kann, das ist keine Frage. Aber er geht nicht darin auf. Wir Christen leben von diesem Glaube nicht nur im Dunkel unseres Lebens, sondern wirklich lebendig und in uns fest werdend wird der Glaube an Gott in Jesus Christus nur, wenn wir das alltägliche Leben mit diesem Gott leben, mit Jesus Christus als Vorbild leben und in seiner Nachfolge unser Leben gestalten. Darin bewährt sich der Glaube, der unser Leben zu tragen weiß, der uns die rechte Orientierung gibt und damit als das Licht unseres Lebens vor Augen ist.

Für die Jünger Jesu war es ein harter Schlag als Jesus gestorben war. Für sie ging die Welt unter und alles, was sie erlebt hatten, war zunächst weg. Der Tod Jesu hat dies alles in Frage gestellt. Wie mag das für die Fremden gewesen sein, die nicht das Leben Jesu so erlebt hatte wie die Jünger? Müssen die nicht sehr schnell gesagt haben: na ja, das war ja alles gut und schön, was uns da erzählt wurde, aber wer so am Kreuz stirbt, der kann doch nicht von Gott sein. Ein guter Mensch vielleicht, aber ohne große Bedeutung.

Und wir, die wir all das nur aus den Glaubenszeugnissen der Anhänger Jesu nachlesen können, wie geht uns das? Wir wissen, dass Jesus nicht im Tod geblieben ist. Gott hat das Zeichen der Auferstehung aufgerichtet, um die Botschaft Jesu wieder in Kraft zu setzen, er hat gelitten und den Tod durchlebt, um seine Liebe bis in die Grenzen des menschlichen Lebens hinein aufzurichten. Wir wissen es, aber glauben wir es auch. Glauben wir an das Licht, das davon ausgeht?

Glaubt an dieses Licht das von Jesus im Leben ausgegangen ist, an das Licht des Kreuzes und der Auferstehung. Glaubt daran, vertraut darauf, lebt damit, damit ihr die Bedeutung dessen innerlich verspürt. IN den Zeiten des hellen und lichten Lebens sollte dieses Licht schon seine Bedeutung entfalten, damit wir in Zeiten des Dunkels ein Licht haben, auf das wir bauen können, das uns in der Dunkelheit Orientierung gibt. Wer Gott in Christus in seinem alltäglichen Leben vertraut, der wird auch viel eher darauf vertrauen können, wenn alles um ihn herum dunkel ist. Das ist doch wie zu Hause. Plötzlich fällt der Strom aus. Alles ist dunkel. Doch wir kennen uns aus. Mit zögerlichen Schritten bewegen wir uns auf den Ort zu, wo wir Licht finden. Die Kerze, die Streichhölzer, die Taschenlampe. Und so ist das auch im Glauben. Dunkle Erfahrungen bringen uns aus der Bahn, sie nehmen uns erst einmal aus dem Licht des Lebens und machen uns orientierungslos. Doch wenn wir wissen, worauf wir uns verlassen können, dann finden wir auch das Licht des Lebens wieder. Langsam, bedächtig und nicht gleich als rettende Erleuchtung. Aber als ein Licht, von dem aus wir uns wieder neu orientieren können. So wir vorhin das kleine Licht diesen dunklen Raum erhellt hat, so vermag auch unser lebendiger Glaube, der im Leben gewachsen und gefestigt wurde, unser Leben im Dunkeln wieder erhellen. Darum ist es wichtig, den Glauben zu stärken in den Zeiten, wo uns der Weg dorthin einfach möglich ist. Natürlich lehrt die Not beten, aber wissen wir dann eigentlich zu wem wir beten? Wird Gott dann nicht einfach mißbraucht zu einem übermächtigen Helfershelfer der eigenen Wünsche? Jesus hat uns Gott als den liebenden Vater vor Augen gestellt, der für die Menschen da ist, von ihnen aber auch etwas erwartet: nämlich Vertrauen. Und dieses Vertrauen schafft Licht, Licht im Hellen, aber auch im Dunkeln. Und wo wir dieses Licht für uns und andere haben und weitergeben, da erweisen wir uns auch als Kinder des Lichtes.

Die Kerze, die hier nun die ganze Zeit gebrannt hat, sie ist ein Zeichen für dieses Licht, von dem wir leben, das wir weitergeben können und das wir für uns selber brauchen. Vielleicht erinnern sie sich daran, wenn sie in den nächsten Tagen eine Kerze in ihrem Hause anzünden. Lassen sie diese Kerze ihre Gedanken des Glaubens anregen, auf dass dieses Licht in ihnen scheint, in den hellen und dann aber auch in den dunklen Zeiten des Lebens. Amen.

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Liturgischer Ablauf

Begrüßung - Orgelvorspiel

Lied: 72,1-3

Eingangsliturgie - Gebet:

Herr, Jesus Christus: erleuchte unsere Herzen durch das Vertrauen auf dein Kommen in unsere Welt. Lass uns mitten im Dunkel der Welt dein Licht bezeugen und Zeichen der göttlichen Liebe werden. Darum bitten wir dich, er du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und herrschst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen (nach EGb 285)

Lesung: 2. Kor. 4, 6-10

Lied: 346,1-4

Lesung: Joh 12, 20-23+27-36

Glaubensbekenntnis

Lied: 74,1-4

Predigt

Lied: 268,1-5

Abkündigungen - Fürbittengebet

Gebet: Bleibe bei uns Herr, denn es will Abend werden ... EG 854

Segen

Lied: 487, 1-4

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt
  Der Predigttext ist dem Revisionsvorschlag der Liturgischen Konferenz Deutschlands von 1995 entnommen.

27.1.2001

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