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Jes 63, 17-26

Einen Ort finden, an dem kein Weinen und kein Klagen zu hören ist ... Ich glaube, wir alle sehnen uns danach. Besonders heute. Bei den einen ist die Trauer um einen geliebten Menschen, der in diesem Kirchenjahr verstorben ist, noch ganz oben auf, bei anderen sind die Tränen schon getrocknet. Der Schmerz über den Verlust spüren aber heute wieder alle.
Einen Ort finden, an dem kein Weinen und kein Klagen zu hören ist ... Es scheint, als sei dies in unserer Welt kaum möglich. Wo sollte dieses Fleckchen Erde auch sein? Sicher nicht in Emsdetten, wo ein 18jähriger Amokläufer eine Schule überfiel, Menschen lebensgefährlich verletzte und sich am Ende selbst tötete. Sicher nicht in Siegburg, wo ein Gefangener zu Tode gequält wurde, weil niemand auf seine Hilferufe reagierte. Sicher nicht in Meßstetten, wo ein Hauptfeldwebel bei einer militärischen Schießübung ums Leben kam. Sicher nicht ...
Einen Ort finden, an dem kein Weinen und kein Klagen zu hören ist ... Wer mag daran schon glauben? (Gedanken von Andreas Reinhold www.kanzelgruss.de )
Zumindest fällt es uns schwer, diesen Ort hier in dieser Welt zu glauben. Wie sehr wünschen wir uns diesen Ort, wo Babys und Kinder nicht zu früh versterben, wo Menschen in Würde alt werden können, wo das Leid ein Ende hat, und Hoffnung und Zukunft ein wirkliches zu Hause haben.
Die Vision vom neuen Himmel und neuen Erde sie kommt mehrfach in der Bibel vor. Die Stelle aus dem Alten Testament haben wir gehört. Der Prophet ermutigt die Menschen im Exil und sagt: ihr werdet bald zurückkehren, es wird eine neues Leben beginnen. Ein Leben in dem das Klagen aufhört und das Jammern. Gott selber will etwas Neues schaffen.
So heißt es auch am Ende der Bibel in dem 21. Kapitel der Offenbarung. Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde. Und Gott wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.
Was hilft diese Vision uns Menschen, die wir in dieser Welt mit all den tragischen Seiten zu Hause sind? Ist dies nur ein Zukunftsvision von einer besseren Welt nach dem Tod vielleicht?
Für mich persönlich ist es das nicht allein. Natürlich hoffe ich für mich und jeden Menschen, den ich zu Grabe trage, dass es eine Zukunft geben wird bei Gott. Ich weiß nicht wie die aussieht. Ich weiß nicht, wie das sein wird. Doch das Bild einer tiefen Erneuerung und einer nicht mehr verlierbaren, engen Gemeinschaft mit Gott, das steht mir vor Augen. Und das ist ein sehr hoffnungsvoller Gedanke für mich, dass ich im Blick auf den Tod etwas vor Augen habe, was das Dunkel des Todes erhellen kann. Ich gehe einer Zukunft entgegen, von der ich glaube, dass sie mich bergend umgibt.
Doch diese Vision ist für mich nicht beschränkt auf die Zukunft nach dem Tod. Ein neuer Himmel und eine neue Erde verheißt Gott. Einen Ort an dem wir ihm nahe sein können. Ein Ort ohne Leid und Geschrei.
Ich lese aus dieser Version verschiedenes. Zum einen höre ich, dass Gott das Leid, das Geschrei, das Klagen, das Bedrücktsein nicht will. Es gehört nicht zum Ziel Gottes, Menschen zum weinen und klagen zu bringen. Wo bist du, Gott, in meiner Not? Warum hast du mich verlassen? Leiden muss ich tragen. Abschied muss ich nehmen. Allein mein Leben verbringen ohne den Menschen an meiner Seite, dem ich so verbunden war. Soll das so sein? Ist das dein Wille?
Die Gedanken der Bibel machen mir deutlich, dass Gottes Wille nicht der des Leides ist, sondern des Friedens und der Hoffnung. Gott wollte und will immer für uns Menschen, dass wir miteinander und füreinander leben. Dass wir in dieser Welt gut und glücklich leben können, dass wir aus seiner Kraft heraus unser Leben gut gestalten können. Auf verschiedenste Art und Weise hat er dies im Laufe der Geschichte seines Gottesvolkes gezeigt. Er ist ein uns Menschen zugewandter Gott.
Was diesen Weg begleitet hat, war immer auch der Tod von Menschen, das Ende des Lebens und auch das Leid. Es ist Teil unseres irdischen Lebens, Teil der Welt, die eben Schöpfung ist, endliche, zeitliche Schöpfung. In diese Geschöpflichkeit ist eben auch der Mensch einbezogen. Aber nicht ohne den begleitenden Gott. Das Gottesvolk ist im Exil, unterdrückt und fern der Heimat. Doch Gott ist da, sagt: ich lass dich nicht im Stich mein Volk. Es kommt eine neue Zeit.
Schauen wir auf Jesus: Ärmlichkeit, Heimatlosigkeit, Feindschaft, Leid und Schmerz und auch der Tod bleiben ihm nicht erspart. Darin steckt doch auch, dass Gott diesen Weg mit geht, dass er überall darin präsent ist, mit leidet, mit weint, mit trauert. Hinabgestiegen in das Reich des Todes. Selbst dort in diesem gottverlassenen Bereich wird alles erfüllt von der Gegenwart Gottes. Und in Jesus zeigt er: das neue Leben kommt – es gibt auch ein Leben nach dem Tod.
Der uns Menschen zugewandte Gott schenkt Zukunft. Und die Christen aller Zeiten haben es immer wieder so verstanden, dass diese Zukunft nicht nur die der Ewigkeit nach dem Tod ist, sondern auch ein Leben nach dem Tod des anderen.
Die Hoffnung vom neuen Himmel und der neuen Erde ist eine ganz konkrete Hoffnung für das Hier und Jetzt. Gott will nicht, dass wir Menschen im Leid und in der Trauer vergehen. Gott will nicht, dass wir unser Leben schon vor dem biologischen Ende aufgeben. Er setzt alles darein, uns nach vorne schauen zu lassen.
Natürlich sind das die Tränen des Abschiedes. Natürlich ist da die Einsamkeit, diese furchtbare Leere und das Gefühl der Verlassenheit und die darin liegende Sehnsucht nach erneuter Gemeinschaft. Und diese Gefühle und Gedanken sind oft sehr, sehr schmerzhaft. Und doch steht dem gegenüber die Hoffnung auf den zugewandten Gott. Ich will eine neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, sagt Gott. Ich will dein Leben neu machen. Ich will einen neuen Anfang setzen. Noch sitzt du im Dunkeln, doch das Licht scheint dir schon entgegen. Ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Freut euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe.
Darin liegt ganz, ganz viel. Vor allem liegt darin, dass wir uns Gott anvertrauen können. Dass wir in diesem Vertrauen nach vorne schauen können, und das Vergangene hinter uns lassen können. Gott will Zukunft bauen. Er will nicht das Vergangene lebendig erhalten, sondern nach vorne gehen. Und das heißt, dem Leben etwas zutrauen. Sich nicht verschließen in dem, was war und nicht wiederkommt. Nicht hinter uns, sondern vor uns liegt das Leben, das Gott will. Wer nur auf den Tod oder das gewesene Leben schaut, der hat keinen Blick für das, was Gott an neuem Himmel und neuer Erde zu schaffen vermag. Die neue Erde ist dabei nicht Veränderung dieser Erde sondern ein Bild für neue Beziehungen, neue Entdeckungen in meinem Leben. Ich muss nicht tun, was ich immer getan habe, ich darf mich an dem, was diese Erde zu bieten hat ganz neu erfreuen. Ich darf neues sehen, was ich vorher nicht gesehen habe, ich werde offener für anderes, was durch die gewesene Beziehung keinen Platz hatte. Das heißt nicht, das wir das Gewesene vergessen oder es gar zunichte machen. Ganz gewiss nicht. Aber wir öffnen uns für ein neues Leben, wie immer wir es unter Gottes Geleit auch gestalten mögen.
Und so ist auch der neue Himmel ein Bild für eine neue Gottesbeziehung. Ich bekomme durch den Tod eine neue Beziehung zu Gott, da wächst etwas auf, was so nicht da war. Es entsteht aus der Spannung zwischen Klage und Vertrauen, aus der Enttäuschung und Verlassenheit auf der einen Seite und dem Glauben daran, dass Gott dies alles überwinden kann durch die Auferweckung in ein neues Leben.
Sich Gott anvertrauen, sich ihm gerade in der Trauer anzuvertrauen, das heißt, dem neuen Himmel und der neuen Erde Raum zu geben im ganz persönlichen Leben. Und sie werden es merken, die Kraft Gottes zur Erneuerung ist zu spüren. Sie ist zu spüren, wo wir uns ihm anvertrauen, wo wir uns selber und das gestrige loslassen. Es ist zu spüren, wo wir uns ganz auf ihn einlassen. Denn Gott ist ein Gott der Lebenden, ein Gott für die Hoffenden, der Zukunft schenkt in Ewigkeit. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: EG 361,1.4.12
Psalm 126, EG 750
Eingangsliturgie
Lesung Jes 65, 17-19+23-25
Glaubensbekenntnis
Lied: 147
Predigt
Lied: 526,1-3
Gedenken der Verstorbenen
99
Abendmahl:
Am Abend vor seinem Tod, hat Jesus mit seinen Freunden an einem Tisch gesessen. Im Angesicht des Todes hat er Hoffnung weitergegeben, in den Zeichen von Brot und Wein.
So wollen auch wir uns im Angesicht des Todes von Gott stärken lassen für den Weg des Lebens, der auch im Tod kein Ende findet.
Gott, wir danken dir, dass du den Tod überwunden hast, dass du uns durch Jesus Christus ewiges Leben schenkst. Schenke uns Vertrauen in deine Nähe, lass sie uns spüren in den Gaben, die dein Sohn uns hinterlassen hast.

Segne uns, diese Gaben,
dass wir in Brot und Kelch dein Heil empfangen.
Sende auf uns deinen Heiligen Geist,
den Atem, der Leben spendet,
den Trost der Verzweifelten,
den Begleiter in alle Wahrheit;
der uns neu macht an Leib und Seele,
der uns das Leben schenkt, das nicht vergeht,
der uns Menschen versöhnt in der Kraft Jesu Christi.
Erhöre uns, wenn wir gemeinsam beten:
Vaterunser
Votum: Ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. Freut euch und seid fröhlich, spricht der ewige Gott.
Abkündigungen
Fürbittengebet
Segen
163
 

 

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt  Klein Elbe

26. 11. 2006

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