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So seid nun geduldig, liebe Geschwister, bis zum Kommen
des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und
ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid
auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen;
denn das Kommen des Herrn ist nahe.
Es sind nur zwei biblische Sätze, die uns heute vorgegeben sind für unsern
Gottesdienst. Aber doch fällt es mir schwer sie auszulegen. Sie sind so
konkret und dann doch wieder auch nicht. Sie sind klar in der Aussage,
aber doch vermag das Ziel der Worte nicht gleich erkannt zu werden. Aber
vielleicht liegt auch gerade darin das Ziel dieser wenigen Sätze.
So seid nun geduldig. Sind wir Menschen geduldige Geschöpfe. Ich denke,
dass gerade wir in unserer Zeit, wenig geduldige Menschen sind. Wir können
so viel machen, wir haben so viele Möglichkeiten Probleme zu lösen mit
Technik, mit finanziellen Möglichkeiten, mit all dem, was unsere Zeit so
mitbringt. Alles sofort, alles auf den Punkt da, das ist unsere
Lebensdevise.
Sofort kaufen - später bezahlen. Ich habe einen Wunsch - ich will ihn mir
erfüllen, sofort und sogleich. Ich habe ja die Möglichkeiten.
Urlaubsplanung: warum lange warten auf Antwort aus dem erhofften
Urlaubsgebiet: Internet - auf die Homepage surfen, freie Termine abfragen
und schon, in wenigen Sekunden, oder wie man sagt: mit wenigen Mausklicks
sind wir am Ziel, die Reise gebucht, wir können uns wieder dem nächsten
schnellen Ziel zuwenden.
Es fehlt etwas. Ins Auto gesetzt und fünf Minuten später haben wir es im
Wagen und haben das, was wir brauchten.
Sparen auf etwas, warten, es immer wieder im Herzen bewegen, warum denn.
Es gibt doch die Finanzkaufmöglichkeit. Kleine Raten, niedrige Zinsen. Wir
können uns doch alles erlauben und zwar sofort.
Und im Weihnachtstrubel, den wir auf der einen Seite ja immer wieder auch
beschimpfen: da ist Weihnachten eigentlich schon gelaufen. Wir hören die
Weihnachtslieder, die Tannenbäume stehen im vollen Schmuck. Oh du
fröhliche wird schon am Vorabend des 1. Advent gesungen, obgleich das so
wäre, als würde wir einen Monat vor einem Geburtstag schon Happy Birthday
und Hoch soll er leben singen.
Was machen wir da eigentlich mit unserem Leben? Was machen wir mit der
Zeit, die wir haben, wenn wir in dieser Weise das Machbare erfüllen und
jeglichen Bezug zu Zeit und Raum verlieren?
Hat das Warten, die Geduld nicht auch etwas für sich? Wie heißt es doch so
schön: Vorfreude ist die schönste Freude. Und ich denke, da ist ganz viel
dran. Wenn ich an größere Ereignisse in der Gemeinde denke, dann erlebe
ich die Spannung davor, das sich darauf Vorbereiten als eine aufregende
und bewegende Zeit. Man fiebert auf das Geschehen, malt sich aus, wie es
wird. Und in dieser Vorfreude liegt dann auch ein wirkliches
verinnerlichen des Ereignisses drin. Ich nehme nicht nur dieses Ereignis
in dem Moment wahr, sondern es ist in mir schon etwas gewachsen, hat
Wurzeln geschlagen, die dann auch in die Tiefe des Lebens dringen. Wenn
das Ereignis dann gewesen ist, dann ist die Freude erfüllt, aber sie hat
oft auch schnell ein Ende, weil das nächste schon da ist. Aber die
Vorfreude macht aus diesem Ereignis dann doch eines, das seine Tiefe
behält und weiter wirkt, auch wenn die Euphorie schon längst vorbei ist.
Und ähnlich ist es auch mit Gegenständen, die wir uns wünschen, die aber
nicht sofort angeschafft werden. Man denkt darüber nach, auch ob man es
wirklich braucht. Will man es über längere Zeit haben, so entsteht dazu
schon eine Verbindung, es wird, schon bevor ich es in Händen halte, ein
Stück von mir selber. Und wenn es dann da ist, dann gehört es zu mir und
wird nicht behandelt wie etwas, das eben einfach schnell angeschafft
wurde.
Und so ist es sicher auch mit dem schnell in die Hand gedrückten
Geldumschlag: Kauf dir was schönes zu Weihnachten. Wo die Vorfreude fehlt,
die Gedanken, die einen dazu begleiten, dann hat ein solches Geschenk
keinen Wert, keinen ideellen Wert, der ein solches Geschenk erst wirklich
wertvoll macht.
So seid nun geduldig, liebe Geschwister. Dieser Satz alleine ist eine
Aufforderung gerade in dieser Zeit, die Langsamkeit neu zu entdecken.
Geduld schafft Wertschätzung, Geduld lässt Menschen und auch Gegenstände
in ein neues, oft ganz anderes Licht rücken, als die schnelle Beurteilung,
das schnelle anschauen und verwerfen oder annehmen. Das Kostbare braucht
seine Zeit. Nicht selten ist es besser, mit der Realisierung eines Traumes
zu warten, als ihn vorschnell platzen zu lassen. Wer sich Zeit nimmt,
der/die wird nichts verpassen, wie es uns die Werbebranche oder der Spruch
von Herrn Gorbatschow - wer zu spät kommt, den bestraft das Leben - oft
weiß machen will, sondern ganz im Gegenteil, wer Zeit investiert, wer der
Vorfreude Raum gibt, der wird dem Leben mehr abgewinnen können.
Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei
geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr
geduldig. Ein schönes Bild, das uns das Gesagt auf eine andere Weise
lebendig macht. Nämlich dass vieles in uns auch erst reifen muss, ohne
dass wir daran etwas tun können bis wir dann die Ernte einfahren können
und mit der Ernte das, was uns leben lässt, stärkt und Zukunft ermöglicht.
Nun muss man natürlich auch sagen, dass unser biblischer Text nicht die
Kauf- und Lebensgewohnheiten des 3. Jahrtausends vor Augen hatte. Aber
wenn man so einen Satz liest, dann macht es gewiss auch Sinn einmal in
dieser Weise darüber nachzudenken. Für den Schreiber des Jakobusbriefes
stand ein geistlicher Gedanke hinter diesem Aufruf zur Geduld. Es ging um
das Kommen des Herrn. Die ersten Christen warteten ja darauf, dass Jesus
Christus nach der Himmelfahrt sehr bald wiederkommt und sein Reich
aufbaut.
Und nun gab es viele Christen, die angesichts dieses Gedankens ungeduldig
wurden. Wo bleibt denn Christus, wo bleibt die Erfüllung des Reiches
Gottes? Wie können wir eigentlich leben, wenn seine 2. Ankunft ausbleibt?
Nun könnte man die Gedanken des Jakobus so auslegen, dass er sagt: nun
haltet man durch, er wird schon kommen. Ein bisschen Geduld noch, dann ist
es so weit.
Gerade angesichts der Gedanken, die ich zu Beginn von unserem Warten auf
ganz menschliche Dinge gesagt habe, gewinnt die Geduld im Blick auf das
Kommen des Herrn eine ganz neue Dimension. Es ist nämlich nicht so, dass
dieses Warten vertane Zeit ist, die wir möglichst abkürzen müssen. Nein
das Warten auf den Herrn ist eine Zeit, in der die Vorfreude schon heute
das Leben erfüllt. Die Vorfreude auf die Zukunft mit Gott bestimmt das
Leben im Heute, lässt es intensiver erfahren, macht uns lebensfroher,
getroster, zuversichtlicher. Dadurch gewinnt das Leben im Heute eine neue
Qualität, die durch das Warten nicht vermindert wird, sondern noch erhöht
wird. Geduld, so hat ein alter Theologe mal gesagt: Geduld ist die Kunst
zu hoffen. Adventszeit soll uns unsere Lebenszeit bewusst machen, uns das
Warten lehren. Und zwar nicht das ungeduldige, nervöse Warten, sondern das
ruhige, zielsichere, gewisse Warten. Das Kommen des Herrn ist nahe!
Warten unter dieser Perspektive ist ein zuversichtliches Warten, weil wir
um den wissen der da kommt, der zu uns kommt.
Lassen sie mich das für die Menschen sagen, die die Gegenwart Gottes
vermissen. Getroffen von den schweren Seiten des Lebens ist es ja oft so,
dass wir Gott nicht mehr verspüren. ER hat uns ja etwas genommen, er lässt
uns Lebensqualität nicht mehr spüren. Und dann sind wir in dieser
Situation gefangen, wissen nicht, wie man sie wieder überwinden kann.
Hofft auf baldige Veränderung, doch die kommt nicht so schnell, wie wir es
uns wünschen.
Doch hat das nicht auch seinen Sinn? Wenn wir Abschied nehmen von einem
Menschen, so braucht es seine Zeit, diesen Prozess zu durchlaufen. Wir
sprechen von einem Trauerjahr - eine lange Zeit ein Jahr. Aber es ist eine
kurze Zeit, in der darum geht mit viel Geduld den Abschied von einem
Menschen für sich zu verkraften, die Leere und die neue Situation ins
eigene Leben einzubeziehen. Das kann und darf nicht auf einmal geschehen.
Dazu braucht es Zeit, Zeiten des Weinens, der Traurigkeit. Zeiten den
verlorenen Menschen im Herzen seinen Platz zuzuweisen, das Gewesene und
nicht wiederkommende ins Leben einzubeziehen. Es braucht Zeit und Geduld,
bis andere Gedanken wieder Raum haben, aber das ist gut so, weil wir nur
so wirklich Abschied nehmen können. Wo wir uns diese Zeit nicht gönnen, da
bleibt etwas auf der Strecke und wir finden auch nicht den Weg nach vorne,
weil wir zu schnell eilen und den Weg gar nicht recht wahrnehmen.
Seid geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.
Das ist der Aufruf zur Geduld in jeder Lebenssituation, die uns beschwer
macht. Wir müssen uns klar machen, dass wir das, was die Seele betrifft,
nicht einfach so beiseite schieben oder erneuern können, wie ein kaputtes
Auto. Die Seele ist ein Ort, der Raum braucht, der Geduld braucht,
hoffnungsvolle Geduld. Der Herr ist nahe, das ist nicht nur eine zeitliche
Aussage der alten Christenheit, sondern ich vertraue darauf, dass das
Kommen des Herrn die geistliche Nähe, das Kommen in unser Leben
beschreibt. Mit Geduld müssen wir annehmen, was auf uns zukommt, mit
Geduld die Hoffnung in sich trägt, dass Gott jemand ist, der Leben
erneuert und verändert, der Tod und Trauer überwindet. Nicht sofort, nicht
mit einem Schlag, nicht so, dass sich das Leben von einem auf den anderen
Moment ändert. Aber wenn ich vorhin gesagt habe, dass Geduld die Kunst zu
hoffen ist und unser Glaube sagt, wir kennen den Herrn, der da auf uns
zukommt, es ist ja der liebende und uns Menschen zugewandte Gott, dann
haben wir damit etwas, das uns in schwieriger Zeit nicht untergehen lässt,
sondern uns Kraft gibt, trotz aller Beschwernis, die auf der Seele liegt,
nach vorne zu gehen, langsam, geduldig und in allem zuversichtlich.
Und das tröstliche an diesen Worten des Jakobusbriefes ist es doch, dass
wir hier hören, dass auch die ersten Christen diese Zeiten kannten, wo die
Hoffnung und die Geduld schwer fiel. Lassen wir uns also von ihnen
ermutigen, geduldig zu leben und die Hoffnung auf das Kommende in uns zu
stärken. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 11, 1, 2, 4, 7
Psalm 80 i. A.
Eingangsliturgie
Gebet
Lesung
Lied: 7, 1-4
Lesung
Glaubensbekenntnis
Lied: 8, 1-6
Predigt
Lied: 16, 1,3,4
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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