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Jak 5, 7-8

So seid nun geduldig, liebe Geschwister, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen;
denn das Kommen des Herrn ist nahe.
Es sind nur zwei biblische Sätze, die uns heute vorgegeben sind für unsern Gottesdienst. Aber doch fällt es mir schwer sie auszulegen. Sie sind so konkret und dann doch wieder auch nicht. Sie sind klar in der Aussage, aber doch vermag das Ziel der Worte nicht gleich erkannt zu werden. Aber vielleicht liegt auch gerade darin das Ziel dieser wenigen Sätze.
So seid nun geduldig. Sind wir Menschen geduldige Geschöpfe. Ich denke, dass gerade wir in unserer Zeit, wenig geduldige Menschen sind. Wir können so viel machen, wir haben so viele Möglichkeiten Probleme zu lösen mit Technik, mit finanziellen Möglichkeiten, mit all dem, was unsere Zeit so mitbringt. Alles sofort, alles auf den Punkt da, das ist unsere Lebensdevise.
Sofort kaufen - später bezahlen. Ich habe einen Wunsch - ich will ihn mir erfüllen, sofort und sogleich. Ich habe ja die Möglichkeiten. Urlaubsplanung: warum lange warten auf Antwort aus dem erhofften Urlaubsgebiet: Internet - auf die Homepage surfen, freie Termine abfragen und schon, in wenigen Sekunden, oder wie man sagt: mit wenigen Mausklicks sind wir am Ziel, die Reise gebucht, wir können uns wieder dem nächsten schnellen Ziel zuwenden.
Es fehlt etwas. Ins Auto gesetzt und fünf Minuten später haben wir es im Wagen und haben das, was wir brauchten.
Sparen auf etwas, warten, es immer wieder im Herzen bewegen, warum denn. Es gibt doch die Finanzkaufmöglichkeit. Kleine Raten, niedrige Zinsen. Wir können uns doch alles erlauben und zwar sofort.
Und im Weihnachtstrubel, den wir auf der einen Seite ja immer wieder auch beschimpfen: da ist Weihnachten eigentlich schon gelaufen. Wir hören die Weihnachtslieder, die Tannenbäume stehen im vollen Schmuck. Oh du fröhliche wird schon am Vorabend des 1. Advent gesungen, obgleich das so wäre, als würde wir einen Monat vor einem Geburtstag schon Happy Birthday und Hoch soll er leben singen.
Was machen wir da eigentlich mit unserem Leben? Was machen wir mit der Zeit, die wir haben, wenn wir in dieser Weise das Machbare erfüllen und jeglichen Bezug zu Zeit und Raum verlieren?
Hat das Warten, die Geduld nicht auch etwas für sich? Wie heißt es doch so schön: Vorfreude ist die schönste Freude. Und ich denke, da ist ganz viel dran. Wenn ich an größere Ereignisse in der Gemeinde denke, dann erlebe ich die Spannung davor, das sich darauf Vorbereiten als eine aufregende und bewegende Zeit. Man fiebert auf das Geschehen, malt sich aus, wie es wird. Und in dieser Vorfreude liegt dann auch ein wirkliches verinnerlichen des Ereignisses drin. Ich nehme nicht nur dieses Ereignis in dem Moment wahr, sondern es ist in mir schon etwas gewachsen, hat Wurzeln geschlagen, die dann auch in die Tiefe des Lebens dringen. Wenn das Ereignis dann gewesen ist, dann ist die Freude erfüllt, aber sie hat oft auch schnell ein Ende, weil das nächste schon da ist. Aber die Vorfreude macht aus diesem Ereignis dann doch eines, das seine Tiefe behält und weiter wirkt, auch wenn die Euphorie schon längst vorbei ist.
Und ähnlich ist es auch mit Gegenständen, die wir uns wünschen, die aber nicht sofort angeschafft werden. Man denkt darüber nach, auch ob man es wirklich braucht. Will man es über längere Zeit haben, so entsteht dazu schon eine Verbindung, es wird, schon bevor ich es in Händen halte, ein Stück von mir selber. Und wenn es dann da ist, dann gehört es zu mir und wird nicht behandelt wie etwas, das eben einfach schnell angeschafft wurde.
Und so ist es sicher auch mit dem schnell in die Hand gedrückten Geldumschlag: Kauf dir was schönes zu Weihnachten. Wo die Vorfreude fehlt, die Gedanken, die einen dazu begleiten, dann hat ein solches Geschenk keinen Wert, keinen ideellen Wert, der ein solches Geschenk erst wirklich wertvoll macht.
So seid nun geduldig, liebe Geschwister. Dieser Satz alleine ist eine Aufforderung gerade in dieser Zeit, die Langsamkeit neu zu entdecken. Geduld schafft Wertschätzung, Geduld lässt Menschen und auch Gegenstände in ein neues, oft ganz anderes Licht rücken, als die schnelle Beurteilung, das schnelle anschauen und verwerfen oder annehmen. Das Kostbare braucht seine Zeit. Nicht selten ist es besser, mit der Realisierung eines Traumes zu warten, als ihn vorschnell platzen zu lassen. Wer sich Zeit nimmt, der/die wird nichts verpassen, wie es uns die Werbebranche oder der Spruch von Herrn Gorbatschow - wer zu spät kommt, den bestraft das Leben - oft weiß machen will, sondern ganz im Gegenteil, wer Zeit investiert, wer der Vorfreude Raum gibt, der wird dem Leben mehr abgewinnen können.
Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr geduldig. Ein schönes Bild, das uns das Gesagt auf eine andere Weise lebendig macht. Nämlich dass vieles in uns auch erst reifen muss, ohne dass wir daran etwas tun können bis wir dann die Ernte einfahren können und mit der Ernte das, was uns leben lässt, stärkt und Zukunft ermöglicht.
Nun muss man natürlich auch sagen, dass unser biblischer Text nicht die Kauf- und Lebensgewohnheiten des 3. Jahrtausends vor Augen hatte. Aber wenn man so einen Satz liest, dann macht es gewiss auch Sinn einmal in dieser Weise darüber nachzudenken. Für den Schreiber des Jakobusbriefes stand ein geistlicher Gedanke hinter diesem Aufruf zur Geduld. Es ging um das Kommen des Herrn. Die ersten Christen warteten ja darauf, dass Jesus Christus nach der Himmelfahrt sehr bald wiederkommt und sein Reich aufbaut.
Und nun gab es viele Christen, die angesichts dieses Gedankens ungeduldig wurden. Wo bleibt denn Christus, wo bleibt die Erfüllung des Reiches Gottes? Wie können wir eigentlich leben, wenn seine 2. Ankunft ausbleibt?
Nun könnte man die Gedanken des Jakobus so auslegen, dass er sagt: nun haltet man durch, er wird schon kommen. Ein bisschen Geduld noch, dann ist es so weit.
Gerade angesichts der Gedanken, die ich zu Beginn von unserem Warten auf ganz menschliche Dinge gesagt habe, gewinnt die Geduld im Blick auf das Kommen des Herrn eine ganz neue Dimension. Es ist nämlich nicht so, dass dieses Warten vertane Zeit ist, die wir möglichst abkürzen müssen. Nein das Warten auf den Herrn ist eine Zeit, in der die Vorfreude schon heute das Leben erfüllt. Die Vorfreude auf die Zukunft mit Gott bestimmt das Leben im Heute, lässt es intensiver erfahren, macht uns lebensfroher, getroster, zuversichtlicher. Dadurch gewinnt das Leben im Heute eine neue Qualität, die durch das Warten nicht vermindert wird, sondern noch erhöht wird. Geduld, so hat ein alter Theologe mal gesagt: Geduld ist die Kunst zu hoffen. Adventszeit soll uns unsere Lebenszeit bewusst machen, uns das Warten lehren. Und zwar nicht das ungeduldige, nervöse Warten, sondern das ruhige, zielsichere, gewisse Warten. Das Kommen des Herrn ist nahe!
Warten unter dieser Perspektive ist ein zuversichtliches Warten, weil wir um den wissen der da kommt, der zu uns kommt.
Lassen sie mich das für die Menschen sagen, die die Gegenwart Gottes vermissen. Getroffen von den schweren Seiten des Lebens ist es ja oft so, dass wir Gott nicht mehr verspüren. ER hat uns ja etwas genommen, er lässt uns Lebensqualität nicht mehr spüren. Und dann sind wir in dieser Situation gefangen, wissen nicht, wie man sie wieder überwinden kann. Hofft auf baldige Veränderung, doch die kommt nicht so schnell, wie wir es uns wünschen.
Doch hat das nicht auch seinen Sinn? Wenn wir Abschied nehmen von einem Menschen, so braucht es seine Zeit, diesen Prozess zu durchlaufen. Wir sprechen von einem Trauerjahr - eine lange Zeit ein Jahr. Aber es ist eine kurze Zeit, in der darum geht mit viel Geduld den Abschied von einem Menschen für sich zu verkraften, die Leere und die neue Situation ins eigene Leben einzubeziehen. Das kann und darf nicht auf einmal geschehen. Dazu braucht es Zeit, Zeiten des Weinens, der Traurigkeit. Zeiten den verlorenen Menschen im Herzen seinen Platz zuzuweisen, das Gewesene und nicht wiederkommende ins Leben einzubeziehen. Es braucht Zeit und Geduld, bis andere Gedanken wieder Raum haben, aber das ist gut so, weil wir nur so wirklich Abschied nehmen können. Wo wir uns diese Zeit nicht gönnen, da bleibt etwas auf der Strecke und wir finden auch nicht den Weg nach vorne, weil wir zu schnell eilen und den Weg gar nicht recht wahrnehmen.
Seid geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe. Das ist der Aufruf zur Geduld in jeder Lebenssituation, die uns beschwer macht. Wir müssen uns klar machen, dass wir das, was die Seele betrifft, nicht einfach so beiseite schieben oder erneuern können, wie ein kaputtes Auto. Die Seele ist ein Ort, der Raum braucht, der Geduld braucht, hoffnungsvolle Geduld. Der Herr ist nahe, das ist nicht nur eine zeitliche Aussage der alten Christenheit, sondern ich vertraue darauf, dass das Kommen des Herrn die geistliche Nähe, das Kommen in unser Leben beschreibt. Mit Geduld müssen wir annehmen, was auf uns zukommt, mit Geduld die Hoffnung in sich trägt, dass Gott jemand ist, der Leben erneuert und verändert, der Tod und Trauer überwindet. Nicht sofort, nicht mit einem Schlag, nicht so, dass sich das Leben von einem auf den anderen Moment ändert. Aber wenn ich vorhin gesagt habe, dass Geduld die Kunst zu hoffen ist und unser Glaube sagt, wir kennen den Herrn, der da auf uns zukommt, es ist ja der liebende und uns Menschen zugewandte Gott, dann haben wir damit etwas, das uns in schwieriger Zeit nicht untergehen lässt, sondern uns Kraft gibt, trotz aller Beschwernis, die auf der Seele liegt, nach vorne zu gehen, langsam, geduldig und in allem zuversichtlich.
Und das tröstliche an diesen Worten des Jakobusbriefes ist es doch, dass wir hier hören, dass auch die ersten Christen diese Zeiten kannten, wo die Hoffnung und die Geduld schwer fiel. Lassen wir uns also von ihnen ermutigen, geduldig zu leben und die Hoffnung auf das Kommende in uns zu stärken. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 11, 1, 2, 4, 7
Psalm 80 i. A.
Eingangsliturgie
Gebet
Lesung
Lied: 7, 1-4
Lesung
Glaubensbekenntnis
Lied: 8, 1-6
Predigt
Lied: 16, 1,3,4
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vaterunser
Segen
163
 

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt 

7. 12..03
 2. Advent

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