|
|
|
Am Aschermittwoch ist alles vorbei, so heißt es im
Karneval, nach ausgelassener Freude. Zumindest zu Zeiten als diese
kirchlichen Tage noch ihre Bedeutung hatten, begann nun eine ernste, sehr
nachdenkliche Zeit. Mit dem Aschermittwoch beginnt die Passionszeit - auf
Deutsch: Leidenszeit. Es ist die Vorbereitungszeit auf Karfreitag und
Ostern. In den vergangen Jahren hat die Aktion 7 Wochen ohne uns darauf
aufmerksam gemacht, dass es Sinn machen kann, diese 7 Wochen des Jahres
sehr viel bewusster zu leben. Im freiwilligen Verzicht sollten wir spüren,
was uns das Leben bedeutet, wie wir über unser eigenes Leben, über das
gesellschaftliche Leben und auch über die Bedeutung des Christlichen in
unserem Leben denken.
Passionszeit also eine Zeit bewussten Lebens. Ich halte dies für eine gute
und an vielen Stellen für uns alle wichtige Aufgabe. Denn irgendwie leben
wir doch in der Regel sehr unbewusst vor uns her. Ich schließe mich da
auch gerne mit ein, auch wenn ich vielleicht jeden Sonntag dazu gezwungen
bin, etwas tiefer über menschliches Leben nachzudenken, so erlebe ich doch
auch für mich selber oft, dass es ein klares, offenes und bewusstes
Nachdenken über das eigene Leben nur sehr selten gibt. Zu sehr verlässt
man sich darauf, dass das Leben, so wie es eben ist, schon richtig
verläuft. Erst wenn wir an bestimmte Knotenpunkte kommen, wird uns
deutlich, was in unserem Leben fehlt, was sich verändern müsste, was wir
noch für Wünsche und Hoffnungen haben.
Solche Knotenpunkte sind oft auch Punkte, an denen wir Menschen nach so
etwas wie Sinn und Heil in unserem Leben suchen. Wir spüren, irgendetwas
ist eben nicht heil in unserem Leben. Da ist eine Art Bruch, ein Riss
zwischen dem, was ist, und dem, was sein soll. Wir denken nach über unser
Leben, fragen nach dem, was gut und richtig ist, fragen vielleicht auch
nach Gott, suchen Gott im eigenen Leben und in dem Leben an dem wir als
Zuschauer durch Zeitung und Fernsehen beteiligt sind. Und oft genug ist es
dann so, dass wir von diesem Heil und Sinn im Leben wenig bis gar nichts
erfahren. Die Welt erzählt von so viel Unmenschlichkeit, sie erzählt von
so viel Bedrückung, von Not und Leid, von Unvollkommenheit, von so viel
Elend, das uns dann ergreift. Heil ist da weniger zu sehen, Sinn und Ziel
geraten oft genug aus den Augen. Kein Wunder, dass jeder seinen eigenen
Weg geht, seine eigenen Anschauungen für die richtigen hält, bzw. an
vielen Stellen gar nicht mehr danach fragt, ob es denn wirklich richtig
ist, sondern nur so handelt, weil es für einen selber eben gut und richtig
ist, gleich was andere Menschen davon haben.
Passionszeit, das ist die Zeit der Suche nach Sinn und Heil für unser
Leben. Wie aber können wir auf dieser Suche weiterkommen, welchen Weg
müssen wir einschlagen, um auf unserer Suche weiterzukommen?
Die Bibel, das neue Testament gibt hierauf eine für uns immer wieder sehr
schwierige Antwort: Nicht die menschliche Welterklärung liefert den Zugang
zum Heil, nicht unser eigenes Nachdenken und Erleben lässt uns Heil und
Sinn des Lebens begreifen, sondern wir können dies alles erst erkennen und
begreifen, wenn wir es gleichsam durch Jesus Christus hindurch sehen.
So hat es auch der Hebräerbrief mit seinen Worten gesehen, die wir ja
schon gehört haben. Mit Hilfe einer anderen Übersetzung möchte ich diesen
Text einmal so lesen: Ihr sucht nach Sinn und nach Heil in eurem Leben?
Ihr vermisst es, dass Gott so wenig sichtbar ist? So sage ich euch: Lasst
uns gemeinsam an unserem Bekenntnis festhalten, das wir bei der Taufe
gesprochen und bekannt haben. Denn wir haben einen überragenden Beistand:
Jesus Christus, den Sohn Gottes, der alle himmlischen Welten durchschritt
bis zu Gott selbst hin, der für uns eintritt, wie ein irdischer Priester
im Heiligtum stellvertretend für die Menschen vor Gott steht. Dieser Jesus
Christus ist kein Hochstehender Priester, der das Leben nicht kennt, der
unsere Schwächen nicht nachempfinden könnte, sondern einer, der von allen
Gefahren und Versuchungen bedroht war, wie wir selber, ihnen aber nicht
erlag. Darum lasst uns mit offenem Herzen und Vertrauen vor Gott treten
und seine Barmherzigkeit empfangen, seine Freundlichkeit, die uns helfen
wird, wenn es Zeit ist.
Für mich steckt hinter diesen Gedanken immer wieder diese so unendlich
schwierige Erkenntnis, dass wir Menschen Gott nicht einfach so in unserem
Leben erkennen können. Gerade wenn wir in unserem Leben so etwas wie Heil
und Sinn suchen, dann stoßen wir ja an unsere Grenzen. Wir können so
vieles in unserem Leben nicht mit Gott in Einklang bringen, weil es ihm zu
widersprechen scheint.
Nun wird uns gesagt: wenn ihr einen Zugang zu Gott sucht, dann findet ihr
ihn nicht über euch selber, sondern über Jesus Christus. Der Glaube sagt:
dieser Jesus Christus hat alle himmlischen Welten durchschritten bis zu
Gott selbst hin. Das dürfen wir natürlich nicht so verstehen, als ob es
eine himmlische Welt gibt, wie die unsrige, deren Räume durchschritten
werden können. Dahinter steckt der Gedanke, dass wir in dem, was von Jesus
Christus erzählt wird, etwas von der Welt Gottes begreifen können. In
seinem Leben steckt alles, was die Welt Gottes ausmacht. In diesem
Menschen wird begreiflich, was Gott für uns Menschen will, wie er mit uns
Menschen umgeht, wie wir Heil und Sinn und Leben empfangen in dieser Welt,
die so gar nicht himmlisch ist. Die Weite des Himmels, oder anders gesagt:
die ganze Wirklichkeit Gottes ist in ihm zu erfahren. In seinem Leben kann
ich begreifen, was Heil in meinem Leben bedeutet, in seinem Leben kann ich
begreifen, was Sinn ist, ich darf sehen, was Leben bei Gott bedeutet. Und
das ist ja auch die Mitte unseres Glaubensbekenntnisses, wenn wir
sprechen: ich glaube an Jesus Christus. Das heißt ja, ich vertraue darauf,
dass Jesus Christus mir für mein Leben wichtiges zu geben hat.
Jesus hat diese Bedeutung erlangt, nicht weil er ein Übermensch war,
sondern weil er genauso ein Mensch wie wir war. Da ist jemand, der
versucht worden ist in allem, wie wir, jedoch ohne diesen Versuchungen zu
erliegen, so hat es der Schreiber des Hebräerbriefes gesehen.
Versuchungen, Anfechtungen, Fragen, Infragestellungen des eigenen Lebens,
die Frage nach dem Sinn, die Suche nach Heil, all dies sind die
Anfechtungen und Versuchungen des Lebens. Jesus stand mitten drin in der
Lebensangst des Menschen, als sein Tod dicht bevorstand. Er hat
Gottesferne erlebt bis ins Letzte, auch hat er die Verlockungen eines
menschlich machtvollen Lebens erfahren - wir haben davon gehört in der
zweiten Lesung von der Versuchung Jesu. Jesus hat an vielen Stellen unser
menschliches Leben mitgelebt. Und was er durchgehalten hat, und darin ist
er uns an vielen Stellen voraus, das ist sein Festhalten an Gott. Und das
durch das Leiden hindurch bis in den Tod hinein. Ja um dieses Festhaltens
an Gott willen, ist er auch gestorben und auferweckt worden.
Was bedeutet das für uns? Was bedeutet es für unsere Frage nach Heil und
Sinn, die ich in den Raum gestellt habe gerade für die Passionszeit?
Nun, es bedeutet für mich, dass der christliche Glaube sich zunächst nicht
auf die eigenen Erfahrungen gründet, sondern dass Lebenserfahrungen von
Jesus Christus her zu sehen sind. Heil in meinem Leben geschieht nicht
dadurch, dass ich ein äußerlich heiles Leben führe, in dem es keine
Widerstände gibt. Sondern Heil erfahre ich, weil ich durch Christus weiß,
dass auch das gebrochene Leben bei Gott und durch Gott heil sein kann. An
Christus sehe ich, dass Situationen von Angst und Bedrängnis mich nicht
umwerfen müssen, Gottes Nähe ist auch dort gegenwärtig, ich brauche nur zu
vertrauen, um mitten in der Angst die Kraft zum Weitergehen zu empfangen.
Die Geschichte von der Sturmstillung Jesu erzählt dies lebendig, indem
Jesus mitten im Sturm schlafend, also ganz in Gottes Hand liegend,
dargestellt wird.
An Christus sehe ich, dass menschliche Schuld mich nicht umwerfen muss,
dass mein Leben auch mit seinen Dunklen Seiten seine Sinn behält, dass es
angenommenes Leben ist, das sich mit Gottes Hilfe neu aufbauen darf. Jesus
bringt Gott zu denen, die sich von Gott entfernt haben, die sich schuldig
gemacht haben vor Gott und den Menschen, die - mit den alten Worte gesagt
- Sünder sind.
An Christus sehe ich, dass auch an der Schwelle des Todes Heil und Sinn
nicht verloren geht. Weder auf der Seite derer, die den Tod anderer
erleben, noch auf der Seite derer, die in den Tod gehen. Wenn wir von den
Auferweckungen Jesu hören, dann mögen uns viele Frage dabei begleiten.
Aber das Ziel dieser Erzählungen ist immer wieder, dem Tod die Macht zu
nehmen, zu zeigen, dass Gottes Kraft stärker ist. Trauer mag uns
niederdrücken, mag uns den Sinn des eigenen Lebens verstellen, aber er
kann ihn nicht nehmen. Schauen wir in solchen Situationen auf Jesus und
nicht auf den Tod, dann werden wir erfahren, dass unser Leben bei Gott
seinen Sinn behält. Und gleiches gilt für unser Sterben. Für viele ist es
die große Angst, die Angst vor der Ungewissheit, vor dem was kommt, auch
Angst vor dem Nichts, vor der Sinnlosigkeit. Jesu Sterben zeigt, dass auch
mitten im Tod, Gott gegenwärtig ist dass das Leben sein Ziel durch den Tod
nicht verliert. Der christliche Glaube weiß um dieses Ziel, er hält sich
fest an dem Kreuz, das die Angst nicht nimmt, aber die Kraft gibt, nach
vorne zu schauen.
All dies sind Beispiele aus dem Leben Jesu, die uns helfen, unser Leben zu
meistern, es unter dem Gesichtspunkt Heil und Sinn zu verstehen. In all
diesen Situationen würde der Blick auf das eigene Leben allein nicht
helfen. Aus diesen Situationen selber ist hoffnungsvoller Glaube nicht zu
entnehmen, ist Gott nicht zu entdecken. Aber wenn wir auf Jesus Christus
schauen, an ihm festhalten, wenn wir von ihm her das eigene Leben
betrachten, dann finden wir, wie es der Hebräerbrief am Schluss unseres
Textes sagt: Barmherzigkeit und Gnade zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig
haben. Die Passionszeit, als Zeit des Nachdenkens über unser Leben ist
deshalb immer auch eine Zeit der Erfahrungen mit Jesus Christus.
Vielleicht nutzen Sie die Passionszeit einfach mal wieder die Bibel zur
Hand zu nehmen, zu lesen, was die ersten Christen von Jesus und dem
Glauben an ihn geschrieben haben. Das ist der Anfang des Lebens mit Jesus
und der Anfang des Weges zu Heil und Sinn in unserem Leben. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied:
Von
Gottes Engeln behütet sei dein Leben
Psalm 91 EG 736
Eingangsliturgie
Gebet
Barmherziger Gott und Vater!
Wir sind immer wieder auf der Suche nach Halt, nach Sinn und Ziel unseres
Lebens. Viele versprechen das Heil, doch können sie letztlich nichts
bieten. Wir wollen auf dich vertrauen, dass du uns wirkliches Heil
schenkst. So bitten wir dich, hilf uns, dich zu erkennen, stärke unser
Vertrauen in dich, auf dass wir durch dich finden, was wir suchen. Das
bitten wir durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, unseren Herrn, der
mit dir und dem heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen
Lesung: Hebr. 4, 14-16
Lied: 347,1-6
Lesung Mt 4, 1-11
Glaubensbekenntnis
Lied:
Ich
bin getauft auf deinen Namen (J. Grote)
Predigt
Lied: EG NB 605 Jesus Christus, das Leben der Welt
Abkündigungen
Fürbittengebet: EGb S. 565f
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
oben
| |
|