Predigt

NT

 

Predigt

Aktuell
Archiv
Links

Home

Predigt

Kirchen

Kinder-
gottesdienst
Konfirmanden
Gemeinde
Gemeindebrief
Gottesdienst
Links
Gästebuch
Sitemap
Kontakt
 

Hebr. 4,14-16

Am Aschermittwoch ist alles vorbei, so heißt es im Karneval, nach ausgelassener Freude. Zumindest zu Zeiten als diese kirchlichen Tage noch ihre Bedeutung hatten, begann nun eine ernste, sehr nachdenkliche Zeit. Mit dem Aschermittwoch beginnt die Passionszeit - auf Deutsch: Leidenszeit. Es ist die Vorbereitungszeit auf Karfreitag und Ostern. In den vergangen Jahren hat die Aktion 7 Wochen ohne uns darauf aufmerksam gemacht, dass es Sinn machen kann, diese 7 Wochen des Jahres sehr viel bewusster zu leben. Im freiwilligen Verzicht sollten wir spüren, was uns das Leben bedeutet, wie wir über unser eigenes Leben, über das gesellschaftliche Leben und auch über die Bedeutung des Christlichen in unserem Leben denken.
Passionszeit also eine Zeit bewussten Lebens. Ich halte dies für eine gute und an vielen Stellen für uns alle wichtige Aufgabe. Denn irgendwie leben wir doch in der Regel sehr unbewusst vor uns her. Ich schließe mich da auch gerne mit ein, auch wenn ich vielleicht jeden Sonntag dazu gezwungen bin, etwas tiefer über menschliches Leben nachzudenken, so erlebe ich doch auch für mich selber oft, dass es ein klares, offenes und bewusstes Nachdenken über das eigene Leben nur sehr selten gibt. Zu sehr verlässt man sich darauf, dass das Leben, so wie es eben ist, schon richtig verläuft. Erst wenn wir an bestimmte Knotenpunkte kommen, wird uns deutlich, was in unserem Leben fehlt, was sich verändern müsste, was wir noch für Wünsche und Hoffnungen haben.
Solche Knotenpunkte sind oft auch Punkte, an denen wir Menschen nach so etwas wie Sinn und Heil in unserem Leben suchen. Wir spüren, irgendetwas ist eben nicht heil in unserem Leben. Da ist eine Art Bruch, ein Riss zwischen dem, was ist, und dem, was sein soll. Wir denken nach über unser Leben, fragen nach dem, was gut und richtig ist, fragen vielleicht auch nach Gott, suchen Gott im eigenen Leben und in dem Leben an dem wir als Zuschauer durch Zeitung und Fernsehen beteiligt sind. Und oft genug ist es dann so, dass wir von diesem Heil und Sinn im Leben wenig bis gar nichts erfahren. Die Welt erzählt von so viel Unmenschlichkeit, sie erzählt von so viel Bedrückung, von Not und Leid, von Unvollkommenheit, von so viel Elend, das uns dann ergreift. Heil ist da weniger zu sehen, Sinn und Ziel geraten oft genug aus den Augen. Kein Wunder, dass jeder seinen eigenen Weg geht, seine eigenen Anschauungen für die richtigen hält, bzw. an vielen Stellen gar nicht mehr danach fragt, ob es denn wirklich richtig ist, sondern nur so handelt, weil es für einen selber eben gut und richtig ist, gleich was andere Menschen davon haben.
Passionszeit, das ist die Zeit der Suche nach Sinn und Heil für unser Leben. Wie aber können wir auf dieser Suche weiterkommen, welchen Weg müssen wir einschlagen, um auf unserer Suche weiterzukommen?
Die Bibel, das neue Testament gibt hierauf eine für uns immer wieder sehr schwierige Antwort: Nicht die menschliche Welterklärung liefert den Zugang zum Heil, nicht unser eigenes Nachdenken und Erleben lässt uns Heil und Sinn des Lebens begreifen, sondern wir können dies alles erst erkennen und begreifen, wenn wir es gleichsam durch Jesus Christus hindurch sehen.
So hat es auch der Hebräerbrief mit seinen Worten gesehen, die wir ja schon gehört haben. Mit Hilfe einer anderen Übersetzung möchte ich diesen Text einmal so lesen: Ihr sucht nach Sinn und nach Heil in eurem Leben? Ihr vermisst es, dass Gott so wenig sichtbar ist? So sage ich euch: Lasst uns gemeinsam an unserem Bekenntnis festhalten, das wir bei der Taufe gesprochen und bekannt haben. Denn wir haben einen überragenden Beistand: Jesus Christus, den Sohn Gottes, der alle himmlischen Welten durchschritt bis zu Gott selbst hin, der für uns eintritt, wie ein irdischer Priester im Heiligtum stellvertretend für die Menschen vor Gott steht. Dieser Jesus Christus ist kein Hochstehender Priester, der das Leben nicht kennt, der unsere Schwächen nicht nachempfinden könnte, sondern einer, der von allen Gefahren und Versuchungen bedroht war, wie wir selber, ihnen aber nicht erlag. Darum lasst uns mit offenem Herzen und Vertrauen vor Gott treten und seine Barmherzigkeit empfangen, seine Freundlichkeit, die uns helfen wird, wenn es Zeit ist.
Für mich steckt hinter diesen Gedanken immer wieder diese so unendlich schwierige Erkenntnis, dass wir Menschen Gott nicht einfach so in unserem Leben erkennen können. Gerade wenn wir in unserem Leben so etwas wie Heil und Sinn suchen, dann stoßen wir ja an unsere Grenzen. Wir können so vieles in unserem Leben nicht mit Gott in Einklang bringen, weil es ihm zu widersprechen scheint.
Nun wird uns gesagt: wenn ihr einen Zugang zu Gott sucht, dann findet ihr ihn nicht über euch selber, sondern über Jesus Christus. Der Glaube sagt: dieser Jesus Christus hat alle himmlischen Welten durchschritten bis zu Gott selbst hin. Das dürfen wir natürlich nicht so verstehen, als ob es eine himmlische Welt gibt, wie die unsrige, deren Räume durchschritten werden können. Dahinter steckt der Gedanke, dass wir in dem, was von Jesus Christus erzählt wird, etwas von der Welt Gottes begreifen können. In seinem Leben steckt alles, was die Welt Gottes ausmacht. In diesem Menschen wird begreiflich, was Gott für uns Menschen will, wie er mit uns Menschen umgeht, wie wir Heil und Sinn und Leben empfangen in dieser Welt, die so gar nicht himmlisch ist. Die Weite des Himmels, oder anders gesagt: die ganze Wirklichkeit Gottes ist in ihm zu erfahren. In seinem Leben kann ich begreifen, was Heil in meinem Leben bedeutet, in seinem Leben kann ich begreifen, was Sinn ist, ich darf sehen, was Leben bei Gott bedeutet. Und das ist ja auch die Mitte unseres Glaubensbekenntnisses, wenn wir sprechen: ich glaube an Jesus Christus. Das heißt ja, ich vertraue darauf, dass Jesus Christus mir für mein Leben wichtiges zu geben hat.
Jesus hat diese Bedeutung erlangt, nicht weil er ein Übermensch war, sondern weil er genauso ein Mensch wie wir war. Da ist jemand, der versucht worden ist in allem, wie wir, jedoch ohne diesen Versuchungen zu erliegen, so hat es der Schreiber des Hebräerbriefes gesehen. Versuchungen, Anfechtungen, Fragen, Infragestellungen des eigenen Lebens, die Frage nach dem Sinn, die Suche nach Heil, all dies sind die Anfechtungen und Versuchungen des Lebens. Jesus stand mitten drin in der Lebensangst des Menschen, als sein Tod dicht bevorstand. Er hat Gottesferne erlebt bis ins Letzte, auch hat er die Verlockungen eines menschlich machtvollen Lebens erfahren - wir haben davon gehört in der zweiten Lesung von der Versuchung Jesu. Jesus hat an vielen Stellen unser menschliches Leben mitgelebt. Und was er durchgehalten hat, und darin ist er uns an vielen Stellen voraus, das ist sein Festhalten an Gott. Und das durch das Leiden hindurch bis in den Tod hinein. Ja um dieses Festhaltens an Gott willen, ist er auch gestorben und auferweckt worden.
Was bedeutet das für uns? Was bedeutet es für unsere Frage nach Heil und Sinn, die ich in den Raum gestellt habe gerade für die Passionszeit?
Nun, es bedeutet für mich, dass der christliche Glaube sich zunächst nicht auf die eigenen Erfahrungen gründet, sondern dass Lebenserfahrungen von Jesus Christus her zu sehen sind. Heil in meinem Leben geschieht nicht dadurch, dass ich ein äußerlich heiles Leben führe, in dem es keine Widerstände gibt. Sondern Heil erfahre ich, weil ich durch Christus weiß, dass auch das gebrochene Leben bei Gott und durch Gott heil sein kann. An Christus sehe ich, dass Situationen von Angst und Bedrängnis mich nicht umwerfen müssen, Gottes Nähe ist auch dort gegenwärtig, ich brauche nur zu vertrauen, um mitten in der Angst die Kraft zum Weitergehen zu empfangen. Die Geschichte von der Sturmstillung Jesu erzählt dies lebendig, indem Jesus mitten im Sturm schlafend, also ganz in Gottes Hand liegend, dargestellt wird.
An Christus sehe ich, dass menschliche Schuld mich nicht umwerfen muss, dass mein Leben auch mit seinen Dunklen Seiten seine Sinn behält, dass es angenommenes Leben ist, das sich mit Gottes Hilfe neu aufbauen darf. Jesus bringt Gott zu denen, die sich von Gott entfernt haben, die sich schuldig gemacht haben vor Gott und den Menschen, die - mit den alten Worte gesagt - Sünder sind.
An Christus sehe ich, dass auch an der Schwelle des Todes Heil und Sinn nicht verloren geht. Weder auf der Seite derer, die den Tod anderer erleben, noch auf der Seite derer, die in den Tod gehen. Wenn wir von den Auferweckungen Jesu hören, dann mögen uns viele Frage dabei begleiten. Aber das Ziel dieser Erzählungen ist immer wieder, dem Tod die Macht zu nehmen, zu zeigen, dass Gottes Kraft stärker ist. Trauer mag uns niederdrücken, mag uns den Sinn des eigenen Lebens verstellen, aber er kann ihn nicht nehmen. Schauen wir in solchen Situationen auf Jesus und nicht auf den Tod, dann werden wir erfahren, dass unser Leben bei Gott seinen Sinn behält. Und gleiches gilt für unser Sterben. Für viele ist es die große Angst, die Angst vor der Ungewissheit, vor dem was kommt, auch Angst vor dem Nichts, vor der Sinnlosigkeit. Jesu Sterben zeigt, dass auch mitten im Tod, Gott gegenwärtig ist dass das Leben sein Ziel durch den Tod nicht verliert. Der christliche Glaube weiß um dieses Ziel, er hält sich fest an dem Kreuz, das die Angst nicht nimmt, aber die Kraft gibt, nach vorne zu schauen.
All dies sind Beispiele aus dem Leben Jesu, die uns helfen, unser Leben zu meistern, es unter dem Gesichtspunkt Heil und Sinn zu verstehen. In all diesen Situationen würde der Blick auf das eigene Leben allein nicht helfen. Aus diesen Situationen selber ist hoffnungsvoller Glaube nicht zu entnehmen, ist Gott nicht zu entdecken. Aber wenn wir auf Jesus Christus schauen, an ihm festhalten, wenn wir von ihm her das eigene Leben betrachten, dann finden wir, wie es der Hebräerbrief am Schluss unseres Textes sagt: Barmherzigkeit und Gnade zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben. Die Passionszeit, als Zeit des Nachdenkens über unser Leben ist deshalb immer auch eine Zeit der Erfahrungen mit Jesus Christus. Vielleicht nutzen Sie die Passionszeit einfach mal wieder die Bibel zur Hand zu nehmen, zu lesen, was die ersten Christen von Jesus und dem Glauben an ihn geschrieben haben. Das ist der Anfang des Lebens mit Jesus und der Anfang des Weges zu Heil und Sinn in unserem Leben. Amen

  oben

Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: Von Gottes Engeln behütet sei dein Leben
Psalm 91 EG 736
Eingangsliturgie
Gebet
Barmherziger Gott und Vater!
Wir sind immer wieder auf der Suche nach Halt, nach Sinn und Ziel unseres Lebens. Viele versprechen das Heil, doch können sie letztlich nichts bieten. Wir wollen auf dich vertrauen, dass du uns wirkliches Heil schenkst. So bitten wir dich, hilf uns, dich zu erkennen, stärke unser Vertrauen in dich, auf dass wir durch dich finden, was wir suchen. Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, unseren Herrn, der mit dir und dem heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
Lesung: Hebr. 4, 14-16
Lied: 347,1-6
Lesung Mt 4, 1-11
Glaubensbekenntnis
Lied: Ich bin getauft auf deinen Namen (J. Grote)
Predigt
Lied: EG NB 605 Jesus Christus, das Leben der Welt
Abkündigungen
Fürbittengebet: EGb S. 565f
Vaterunser
Segen
163

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

  oben

 
Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt 

28. 2. 2004

Liturgischer
Ablauf
Predigt drucken
 

 

 

 

 

   

© für alle Seiten und Inhalte liegen bei Jürgen Grote