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Hebr. 13, 8b-9

Die Grundidee dieser Predigt stammt von Manfred Günther, der im Jahre 2001 eine Predigt in dieser Struktur gehalten hat. Ich habe die Struktur aufgenommen und in anderer Art umgesetzt. Ich danke ihm für die Idee.

Es ist wieder Silvester. Ein Jahr geht zu Ende. Dieser Gottesdienst kurze Zeit bevor wir uns zumeist mit anderen Menschen zusammen setzten, um das Ende und vor allem den Anfang des Jahres miteinander zu begehen, dieser Gottesdienst hat immer wieder einen ganz eigenen Charakter. An der Schwelle zum neuen Jahr, noch ganz verhaftet im alten wollen wir uns ermutigen lassen, wollen wir uns Weggeleit zusprechen lassen. Wir spüren, wie brauchen mehr als wir selber uns mit unseren Möglichkeiten geben können.

Und dafür sind wir hier, um eine Dimension zu öffnen, die uns hilft, den Blick nach vorne zu richten und das vergangene einzuordnen in unser Leben.

Wohin gehen unsere Gedanken heute abend? Was bewegt uns in diesen letzten Stunden des zu Ende gehenden Jahres? Welche Wünsche haben wir? Welche Ängste und Befürchtungen? Was möchten wir festhalten vom alten Jahr und was im neuen gewinnen? Wo ist das Bleibende, wo das Feste, wenn alles doch so flüchtig ist, wie es uns an diesem Abend wieder so deutlich bewusst wird? Wo ist die Mitte, auf die wir uns stellen können und wo der Halt, wenn wir den Weg unseres Lebens gehen?

Der Predigtvers für diesen Altjahresabend beantwortet diese Fragen ganz kurz, ganz schlicht und überzeugend: Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Er, dieser Jesus Christus, ist uns von Gott, zum Wegweiser und Führer, zum Begleiter und zum Ziel, er ist uns zum Halt geworden. Er ist der Anfang und das Ende, die Mitte und der feste Boden. Er ist der Trost in unserer Erinnerung, die Kraft, die uns ins neue Jahr begleitet ... In ihm liegt das Gestern, das Heute und das Morgen, er ist es, der da war, der da ist und der da kommt. In ihm wird unser Herz fest, sagt der Schreiber des Hebräerbriefes, in ihm wird unser Herz fest durch die Gnade, die er uns schenkt.

Wie können wir diese Worte anschaulich machen? Wie wird das auch für die Augen und unser Herz begreiflich, was wir eben nur gehört haben?

Ich möchte jetzt Lichter entzünden für vieles was war und was sein wird. Lichter, die uns leiten sollen in unseren Gedanken. Jesus Christus hat von sich selber gesagt: Ich bin das Licht er Welt, und er hat auch uns, seine Nachfolger als das Licht der Welt bezeichnet, die ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen sollen, sondern auf einen Leuchter, auf dass Gott im Himmel gepriesen werde.

1. Kerze. Das erste Licht steht für alle Kinder. Für alle Kinder, die in diesem Jahr geboren wurden, bei uns getauft wurden. Verbunden mit dem Licht Jesu Christi, verbunden mit der Zusage: Du gehörst zu mir, gehen sie in das Leben hinein. Wir als Gemeinde stehen ihnen zur Seite, das ist unser Versprechen als Christen, dass wir für den anderen da sind, dass wir die Gegenwart Jesu lebendig machen durch unser Reden und Handeln. Mögen Sie das Licht der Güte Gottes immer wieder erkennen, mit und ohne uns.

[Kerze aufstellen]

 

[2. Kerze]

Diese Kerze leuchtet für alle Kinder, von denen wir gehört haben und von denen wir nicht gehört haben, dass sie unter schwierigen Bedingungen leben müssen. Vernachlässigung, Gewalt, Tod begleiten viele Kinder auch bei uns in unserem reichen Land. Als Kind geboren, den Kindern mit Liebe zugetan zeigt uns Jesus, dass hier eine besondere Aufgabe liegt, Licht des Lebens für sie zu sein.

3. Kerze

Diese Kerze leuchtet für alle jungen Leute, die wir im vergangenen Jahr eingesegnet haben. Sie haben versprochen, mit der Gemeinde zu leben, sich mit Gott auf den Weg zu machen. Dafür brauchen Sie Orientierung. Das Licht Jesu möge ihnen leuchten, wie allen anderen Jugendlichen, die den Weg ihres Lebens suchen, die mit den Erwachsenen und gegen die Erwachsenen ihr eigenes Leben ausfüllen. Mögen sie sich erinnern an das, was sie gelernt haben. Mögen sie an uns sehen, was Leben mit Jesus Christus  heißen kann. Mögen sie glauben können und vertrauen haben in den, der das Gestern, das Heute und das Morgen umschließt.

4. Kerze

Diese Kerze leuchtet für alle Jugendlichen, die es schwer in ihrem Leben haben. Dieses Licht leuchtet für die, die mit sich selber nicht klarkommen, die sich selber im Wege stehen und keinen Bezug zu sich finden. Es leuchtet für die, die sich selber Schaden zufügen, die sich mit Alkohol, Drogen und anderen Dingen in eine andere Welt versetzen wollen. Es leuchtet für die, die ganz alleine stehen, ohne Freunde und Halt von außen. Und dieses Licht leuchtet für die, die alles haben, deren Leben ganz leicht ist, wo aber der Blick für die anderen nur von oben herab ist. Christus schaut auf sie alle, er will, dass sie alle am Leben teilhaben können, dass sie ihren ganz persönlichen Platz in diesem Leben einnehmen können.

5. Kerze

Diese Kerze leuchtet für alle Paare, die im vergangenen Jahr geheiratet haben, die sich Treue und Liebe versprochen haben. Sie leuchtet für alle, die ein Ehejubiläum haben feiern dürfen und für alle die dankbar sind für den Menschen an ihrer Seite. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei, sagt Gott. Darum dürfen wir dankbar sein für jeden Menschen, der uns in diesem Jahr begleitet hat, der uns mit Liebe und Kritik den Weg mit gewiesen hat, für alle, die uns eine liebevolle Hand gereicht haben, ein gutes Wort gesagt, mit uns geschwiegen, gelacht und geweint haben. Gott hat uns aneinander gewiesen, so wollen wir diese Aufgabe im Lichte Gottes weiterführen.

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Ja, und es ist nicht gut, das wir ohne menschlichen Gott sind, darum steht er uns als Mensch zur Seite in Jesus Christus. Als Bruder und Herr, als Freund und himmlischer Begleiter – gestern, heute und in Ewigkeit.

 

6. Kerze - Diese Kerze leuchtet für alle, die von Menschen enttäuscht worden sind, für alle, die allein gelassen wurden, und die in ihrem Schmerz in sich vergraben sind. Wir Menschen haben es oft schwer miteinander. Weil unser Leben lebendig ist, verändern wir Menschen uns, leider auch voneinander weg. Wenn die Distanz zu groß wird, wenn Annäherung nicht mehr möglich ist, ist Trennung die Folge. Schmerzhaft für alle Beteiligten, schmerzhaft für Kinder, die davon betroffen sind. Und nicht nur Ehen und Liebesbeziehungen zerbrechen, auch Freundschaften gehen auseinander. Wir leben als Menschen die schuldig aneinander werden, wir leben aber auch davon, dass wir bereit sind, zu vergeben, selbst wenn es schwer fällt. Das Licht der Vergebung, der Vergebungsmöglichkeit kommt von Christus, der uns nicht allein lässt, der uns verspricht: ich bin bei euch alle Tag bis an Ende der Welt. Von ihm empfangen wir die Kraft den neuen Weg anzunehmen, den alten hinter uns zu lassen, ohne dass er zu große Schatten wirft.

7. Kerze

Diese Kerze leuchtet für alle, von denen wir Abschied nehmen und die wir beerdigen mussten. Und sie leuchtet für uns, wo wir vom Tod betroffen wurden und uns ein Abschied traurig gemacht hat. Zu Weihnachten war dies schon einmal ganz nahe, heute am Jahresende rückt es wieder in den Blick. Doch heute anders. Denn heute endet dieses Jahr, diese Zeit und es beginnt ein neues Jahr und damit innerlich eine neue Zeit. Selbst wenn das alte weiter wirkt, wir dürfen vom neuen, vom Kommenden leben. Das Licht Jesu Christi, der das Gestern, das Heute und das Morgen in sich trägt, weist uns den Weg mit der Trauer nach vorne gehen zu können. ES ist das Licht der der Liebe, die mit uns durch den Tod hindurch geht, es ist das Licht der Zukunft, in der Christus uns entgegenkommt.

 

8. Kerze

Diese Kerze entzünden wir für alle, die im kommenden Jahr sterben müssen. Wir wollen alle Kranken der Güte Gottes anbefehlen, alle die ganz plötzlich von uns gehen werden. Gut dass wir den Zeitpunkt nicht kennen, gut dass wir unser Ende nicht wissen. Und doch soll das Licht leuchten für alle, für die wir um ein schnelles, seliges Ende bitten, für alle, die gegen den Tod ankämpfen wollen und für alle, die selbstsicher leben.

Möge dieses Licht uns allen zeigen, wir sind umgeben von der unendlichen Liebe, die den Tod überwindet, die uns aus dem Tod herausholt in ein neues Leben. Uns ist zugesagt: Wer an Jesus Christus glaubt, der hat das ewige Leben! So möge dieses Licht ein Licht der Hoffnung für uns alle sein.

9. Kerze

Dieses Licht leuchtet für alle, die im vergehenden Jahr krank gewesen und durch Zeiten des Leidens hindurchgegangen sind. Für alle, die erleben mussten, wie schwer es ist, krank zu sein. Sie brennt für alle, die genesen sind, die das dunkle Tal durchschritten haben und  wieder Licht am Horizont sehen. Es ist ein Licht der Dankbarkeit für das, was Gott in dieser Zeit getan hat, was Menschen in ihrem Einsatz für die Kranken geleistet haben. Es ist ein Licht, da uns zeigt: du bist nicht allein. Das Dunkel hatte sein Zeit, aber es war umgeben vom Licht dessen, der uns ins Leben gerufen hat.

10. Kerze

Diese Kerze leuchtet für alle unter uns, die im kommenden Jahr das Tal der Krankheit durchschreiten und erfahren müssen, wie einsam man da sein kann und wie angewiesen auf Gott und die anderen Menschen. Es ist ein Licht für all die Menschen, die noch drin sind im finstern Tal, die nach Höhen wieder tief fallen. Es ist so schwer zu entdecken, dass Leben so in Frage gestellt wird, dass man sich aus der Hand geben muss, um inmitten dieses Dunkels auf ganz andere Weise zu sich selber zu finden. Möge dieses Licht zeigen, dass Gottes Hand geöffnet ist, dass er bei unserem Herzen ist und uns an jedem Tag unseres Lebens trägt – auch im Kreuz.

11. Kerze

Dieses Licht steht für einen jeden von uns hier. Es ist ihr Licht, es ist dein Licht, es ist unser Licht. Es steht für alles, was ein jeder von uns im vergangenen Jahr erlebt hat und erfahren musste. Es leuchtet für die Freuden, die das Leben begleitet haben. Es leuchtet in die Sorgen, die wir uns gemacht haben, es erhellt unsere Ängste und erfüllt unsere Hoffnungen. Es will uns sagen, das wir unsere Wege im vergangenen Jahr niemals allein gegangen sind, dass Christus einen jeden von uns keine Minute aus den Augen verloren hat, dass wir immer geführt warst, behütet von Gottes Güte - auch wo wir das nicht gespürt haben.

12. Kerze

Das zwölfte Licht will uns in das neue Jahr begleiten. Es will uns sagen, dass Jesus Christus, das Licht der Welt, unseren Weg begleiten wird. Unter seinem Segen können wir gehen, er geht mit uns durch die guten und schwierigen Seiten des Lebens. Sein Licht begleitet unser Leben, seine Wärme ist mit uns, sein Wort will steter Zuspruch für uns sein und Anspruch, im Vertrauen auf ihn, das Leben zu gestalten.

Jesus Christus ist und bleibt derselbe gestern, heute und in Ewigkeit.

In der Jahreslosung für das kommende Jahr heißt es: Jesus Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben. So soll es sein, wir sollen mit ihm leben, von ihm leben, können durch ihn leben. Sein Weg ist unser Leben, unser Leben ist von ihm begleitet und geleitet. Das ist die Hoffnung, die er in uns weckt und die die auch in den zwölf Kerzen steckt, die uns das ganze Jahr lichtvoll vor Augen stellen. Möge dieses Licht uns in den kommenden 12 Monaten Licht des Lebens sein.

Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Lied: 482, 1-5 Der Mond ist aufgegangen

Psalm 121

Eingangsliturgie

Gebet  EGb S. 265 Gebet 2

Lesung Röm 8, 31-39

Lied: 63, 1+4-6  Das Jahr geht still zu Ende

Lesung Hebr 13, 8+9

Glaubensbekenntnis

Lied: 65, 1-3+5 Von guten Mächten

Predigt

Lied 221,1-3 Das sollt ihr Jesu Jünger

Abendmahl

Gütiger Gott und Vater!

Du hast uns das tägliche Brot gegeben, wir hatten ein Jahr in Fülle. Und selbst wo wir Mangel für uns gesehen haben, durften wir uns doch bei dir geborgen wissen. Du warst da an jedem Tag dieses Jahres, 365 Neuanfänge, 365 offenen Tage hast du uns geschenkt. Dafür wollen wir dir danken und dich loben.

331 Großer Gott wir loben dich

Herr Jesus Christus, lebendiges Wort unseres Gottes. Mit dir durften wir unseren Weg gehen, von dir konnten wir Hilfe erfahren, du hast uns durch die Tage des Jahres geleitet. Und auch wenn es nicht immer präsent war, dein lebendiges Wort, wenn wir uns von dir entfernt haben, so hast du doch dein Hand immer nach uns ausgestreckt. Dafür sei dir Lob und Dank. Stärke du uns nun für den kommenden Weg. Sprich uns los von dem, was war, mach uns Mut für das, was kommt, durch dein Brot und deinen Kelch, den du uns gesegnet hast.

Einsetzungsworte – Geheimnis des Glaubens

Ja, komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast, segne, was du uns gegeben hast. Erfülle uns mit deinem Heiligen Geist, stärke und erneuer unseren Glauben, unsere Hoffnung und unsere Liebe. Lass uns eins werden ich dir und gemeinsam den Weg in die Zukunft gehen unter deinem Schutz und Schirm.

Vaterunser

Austeilung - Jahreslosung als Sendungswort

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Abkündigungen

Fürbittengebet

Gott, du hast deine Jünger nicht allein gelassen, als sie dich baten, bleibe bei uns:

So bitten wir dich heute –

am Abend dieses Tages, am Ende dieses Jahres:

Bleibe bei uns und allen, die heute in deinem Namen versammelt sind.

Bleibe bei denen, die uns nahe sind, und bei denen die uns fern sind.

Bleibe bei denen, die allein sind, und bei denen, die in Gemeinschaft leben

Bleibe bei denen, die trauern, und bei denen, die sich freuen.

Bleibe bei den Kranken und Sterbenden und bei den Gesunden und denen, die irdische Zukunft vor sich haben.

Bleibe bei den Ängstlichen und bei den Getrosten.

Bleibe bei den Übermütigen und Verzagten.

Bleibe bei den Zweiflern und bei den Gewissen.

Bleibe bei den Kritikern und bei denen, die alles annehmen können.

Bleibe bei deiner Kirche und bei allen,

die Verantwortung haben in Gesellschaft und Politik.

So bleibe bei deiner Menschheit und erfülle sie mit deinem unendlichen Frieden. Dir sei und bleibe Lob und Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Segen

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Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe

31.127. 2007

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