| Predigt | NT |
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So lasst uns nun durch ihn Gott allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Gutes zu tun und mit andern zu teilen, vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott. Erntedankfest ist für mich immer wieder ein Fest, das zwiespältige Gedanken in mir auslöst. Auf der einen Seite ist es ein schönes und freudiges Fest. Wir werden daran erinnert, dass wir von der Schöpfung leben, dass wir Teil dieser Schöpfung sind und Gott uns durch sie am Leben erhält. Es ist gut solchen Tag im Jahr zu haben. Er steht symbolisch dafür, die Bedeutung der Schöpfung nicht aus den Augen zu verlieren. Wobei das nicht heißt, dass dies nur einmal im Jahr geschieht. So wie die Geburt Jesu – also das Weihnachtsfest – das ganze Jahr hindurch seine Bedeutung behält, so natürlich auch der Dank für die guten Gaben Gottes. Und den Gedanken dieses Tages können viele Menschen folgen, denn sie sind auch nicht so schwierig, wie viele andere christliche Gedanken. Die Schönheit der Natur, das Wachsen der Nahrung, das Miterleben von Werden und Vergehen, das berührt viele Menschen und es entsteht auch eine gewisse Dankbarkeit in ihnen. Allerdings hat das Erntedankfest auch in den letzten Jahren sehr an Festlichkeit verloren. Wobei ich als geborener Städter Erntedankfeste früherer Zeiten nur vom Hörensagen kenne. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass zu Zeiten, als die Menschen eines Dorfes noch viel intensiver in die Arbeit der Landwirtschaft einbezogen waren, da hatte die Ernte und damit auch das Erntedankfest noch einen größeren Stellenwert. Viele Menschen lebten von dieser Arbeit. Es waren Arbeitsstellen und die Orte der Zusammengehörigkeit und des gesellschaftlichen Lebens. Heute haben wir noch um die 20 Familien, die in unserem Pfarrverband direkt mit der Landwirtschaft zu haben. Es waren auch die Zeiten, als viele noch in den Gärten tätig waren, um Lebensmittel für den eigenen Bedarf dort anzubauen. Der Boden wurde umgegraben und vorbereitet. Die Saat ging nach einem persönlichen Plan vor sich. Die Pflanzen wurden gepflegt, vom Unkraut befreit. Es wurde geerntet. Das Essen kam oft genug frisch aus dem Garten. Und was für den Vorrat verarbeitet werden konnte, wurde eingekocht oder anders haltbar gemacht. So hatten die Menschen Anteil daran, dass wir Menschen viel Energie in diese Lebensmittel hingesteckt haben, aber gleichzeitig war auch ein großes Bewusstsein dafür da, dass es nicht unsere Leistung war, dass die Kartoffeln oder Mohrrüben entsprechend gewachsen sind. Sehen wir heute in die Gärten, so wachsen die Grasflächen munter weiter und Blumen sind an Stelle der Nahrungsmittel zu sehen. Und dies hat dann auch Auswirkungen auf die Erntegaben in den Kirchen, die immer weniger werden in einer Zeit, wo der Kohlrabi und der Salat bei Aldi den Preis der Saat unterschreiten. Ich möchte darüber nicht schimpfen. In den Städten ist dieses immer weniger werdende Bewusstsein für die Gaben der Schöpfung noch viel größer. Da gibt es noch viel weniger Bezug dazu, dass wir nicht aus uns selber leben, sondern wir letztlich unendlich beschenkte Menschen sind. Und gerade weil die Produktion der Nahrungsmittel immer weiter weg von uns rückt, darum brauchen wir diesen Tag des Erntedankes, der uns darauf wieder hinweist, der es uns ins Bewusstsein rückt, was wir natürlich alle wissen, aber dann doch als Lebenselement gerne vergessen: Gott erhält den Kreislauf von Saat und Ernte, damit wir in seiner Schöpfung davon leben können. Für den Stillen Abend des letzten Montages habe ich diesbezüglich folgende Idee entwickelt: Wie wäre es mal mit einem Gebet vor dem Gemüseregal des Supermarktes oder vor der Käsetheke, im Getränkeshop oder vor den Tiefkühltruhen. Die Dankbarkeit für die lebenserhaltende Kraft Gottes, die in den Nahrungsmitteln sichtbart wird, die durch die Arbeit der Menschen zu uns gelangen, diese Dankbarkeit muss nicht nur im Gottesdienst, im Garten oder im Feld entstehen, sie gilt an all den Orten, wo wir mit den Gaben der Schöpfung erfreut werden – sei es nun frisch oder aus der Dose. Diese Dank müsste sehr laut sein, denn wir haben Überlebensmöglichkeiten im Überfluss, dank heimischer Landwirtschaft, dank der Landwirtschaft in den vielen anderen Ländern der Welt, dank der globalen Vernetzung, die uns und der Landwirtschaft nicht immer nur Freude bringt. Aber wir haben dadurch die Möglichkeit, immer und zu jeder Zeit genügend für unser Leben zu bekommen und nicht nur genügend, sondern vielfältig, reichhaltig, in der Regel zu niedrigen Preisen und auch so viel, dass wir es auch hier nicht immer alles verarbeiten, sondern so manches weit Gereiste auf dem Berg des Wohlstandsmülles landet. Wir haben Grund Gott zu loben, ihm zu danken. Die Schöpfung zeigt uns, dass wir nicht aus uns selber leben, sondern dass wir von Gott her leben und ihm deshalb auch zu danken haben. Doch ist es die Schöpfung allein, die uns dankbar macht, die uns dazu führt, den Blick zu Gott zu wenden? Man könnte es am Erntedanktag denken oder nur dies allein in den Blick nehmen. Nun führt uns aber der für den heutigen Tag vorgegebene Predigttext noch etwas ganz anderes vor Augen. Wie ist das, wenn der Blick in die Schöpfung nicht zum Dank führt? Wenn die Natur die Hinweiskraft auf Gott verliert? Es gab und gibt ja immer auch Zeiten und Orte, wo die Gaben der Schöpfung nicht so reichlich gesät sind wie bei uns hier. Wo liegt dann der Grund für den Dank des Lebens? In dem Text heißt es: So lasst uns nun durch Christus Gott allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Es heißt nicht: lasst uns durch die Schöpfung Gott allezeit das Lobopfer darbringen, sondern durch Christus. Wir werden daran erinnert, dass nicht nur das vor Augen liegende Grund zum Dank oder zur Klage ist. Wir dürfen unser Leben vor Gott als eines verstehen, das seinen Grund letztlich nicht in den äußeren Dingen dieser Welt hat. Nicht wirtschaftliches Wohlergehen macht uns zu Menschen, denen es gut geht, auch nicht Gesundheit oder gute familiäre Bedingungen, sondern letztlich, dass wir unser Leben getragen und geborgen wissen dürfen bei unserem Gott, der die guten wie die schwierigen Seiten des Lebens in seiner Hand hat. Erntedanktag ist eigentlich ein Tag für das vor Augen Liegende. Aber der Schreiber des Hebräerbriefes weiß eben auch, dass dies zerbrechlich ist. Denken wir nur an das Hochwasser des letzten Jahres zum Erntedankfest. Wer sein Leben auf die äußeren Dinge des Lebens richtet, es allein darauf gründet, der wird auch zu spüren bekommen, dass es ein brüchiger Halt ist, der niemals wirklich tragen kann. Denn die äußeren Dinge des Lebens können einfach keinen inneren Halt bieten, der auch in Situationen Kraft gibt, in denen all diese äußeren Dinge keine Rolle mehr spielen. Durch Christus bringt das Lobopfer dar. sagt der Hebräerbrief. Das bedeutet heute am Erntedanktag: danke für das, was du an Gutem in der Hand hast und verlass dich auf das, was du nicht in der Hand hast, sondern was dir allein der Glaube zu schenken vermag. Setz dein Leben nicht auf das, was vor Augen liegt, sondern setze es auf Christus, der von Gott auch in Leid und Not, in stärksten Bedrückungen und Tod gehalten wurde, der selbst in größter äußerer Bedrängnis den Halt des Lebens nicht verloren hat. Nicht weil die Schöpfung gut ist, sondern weil Christus da ist, weiß ich, dass ich nicht verloren gehe. Weil Christus an meiner Seite ist, weiß ich, dass ich Geborgenheit und Halt habe über alles hinaus, was mein Leben ausmacht. Und die Überwindung des Todes durch Christus ist für uns alle das Lebenszeichen, an dem wir im Glauben teilhaben dürfen, aus dem wir wirklich tiefe Hoffnung schöpfen können, die weiter reicht als nur eine gute Lebensernte. Darauf verweist uns die Bibel am heutigen Tag, weil sie eben weiß, dass das vor Augen Liegende uns zu schnell gefangen nimmt, sowohl positiv als auch negativ. Sie verweist uns auf Christus, um uns so eine Perspektive zu geben, die uns an jedem Tag dankbar sein lässt, selbst in den trüben. Der Glaube an Christus ist fähig, das große Dennoch zu sprechen und Hoffnung zu schöpfen, wo sie äußerlich kaum angebracht scheint. So ist das Erntedankfest nicht nur ein Lob Gottes des Schöpfers, der uns mit den Gaben seiner Schöpfung Leben ermöglicht und erhält, sondern es ist auch Lob des Gottes, der in Jesus Christus gezeigt hat, wie ernst er es meint mit der Hinwendung zu den Menschen, mit dem Willen zur Zukunft für alle. So wird das Erntedankfest zum einem Tag des Lobes für den Schöpfer und Erlöser. Und wo dieses Lob lebendig wird, da wird auch der Geist nicht fehlen der uns dazu hilft nicht zu vergessen: Gutes zu tun und mit andern zu teilen; denn solche Opfer gefallen Gott, wie es der biblische Text für den heutigen Tag uns vor Augen stellt. Denn der christliche Glaube ist kein Naturglaube oder nur ein Gewissheitsglaube, er ist immer auch Beweggrund des Handelns für andere Menschen. Geprägt von der Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer und Erlöser. Der Dank führt zur Hingabe, zur Hingabe an Gott und die Menschen, sonst bleibt der Dank leer. Zu solchem Ernte-Dank helfe uns Gott. Amen Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied:508,1-4 Psalm 65 Eingangsliturgie Gebet EGb S. 387 Gebet 3 Lesung: Lk 12, 15-21 Glaubensbekenntnis Lied 512,1-3+6 Predigt Lied 229,1-3 Abendmahl Brot und Wein, das sind die Grundlegenden Zeichen der Ernte, Ausdruck des Dankes gegenüber Gott dem Schöpfer. Jesus hat sie zu Zeichen seiner Hinwendung gemacht, zu Zeichen des Dankes gegenüber Gott dem Erlöser. So erfülle uns Gott mit seinem Geist, der uns die Hoffnung stärkt für den Glauben an den dreieinigen Gott. So danken wir dir, gütiger Gott, für die Gaben der Natur, für die Gabe der Liebe, für die Gabe der Erneuerung. In allem und durch alles bist du zu loben. So stimmen wir ein in den Lobgesang aller Gläubigen. Großer Gott wir loben dich. 331,1-2 Herr Jesus Christus, wir danken dir für deinen Glauben und dein Hoffnung. Möge diese Saat in uns keimen und wachsen, auf dass wir gute Früchte bringen zum Wohl der Menschen. Stärke uns dazu mit deinem heiligen Mahl, dass du uns hinterlassen hast. Einsetzungworte Komm, heilger Geist, Kraft unseres Gottes. Erfülle und verändere uns. So wie das vielen Körner durch den Segen Gottes gewachsen und durch die Kraft der Menschen zu Brot sind, so führe du uns zusammen zu einer Einheit. Wie die vielen Trauben zu einem Saft geworden sind, so lass auch uns zur Gemeinschaft werden für viele. Bewege und ermutige uns. Vaterunser Lied: 221,1-3 Abkündigungen – 99 in GE Fürbittengebet Barmherziger und gütiger Vater im Himmel! Und Gott sah, dass es gut war. So heißt es. Du hast deine Welt wohl geordnet geschaffen. Alles an seinem Platz, alles zu seiner Zeit, zum Wohle aller in deiner Schöpfung. Wir danken dir dafür, und bitten dich, erhalte deine Schöpfung durch deinen Segen. Stärke uns in unserem Bemühen, diese Welt nicht auszuschlachten, sondern von ihr zu leben, so dass auch morgen noch alle Menschen dankbar sein können. Gib du uns dazu deinen Segen. Hilf uns, die Fehler von Gestern zu erkennen, sie auszumerzen und gutes zu schaffen für die Fülle deiner Schöpfung. Hilf uns segensreich zu sein in deiner Welt. Wir bitten für alle, die am Leid der Welt teilhaben, durch Krankheit, Leiden, Tod und Abschied. Schenke deinen erneuernden Segen, der hoffen lässt für diese Zeit und für deine Ewigkeit. Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, … Segen - 163
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