| Predigt | NT |
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Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium. Das ist der Wochenspruch für diese Woche. Und dieser Gedanke trägt sich durch alle Texte, die am heutigen Tag schon gehört worden sind. Es ist so etwas wie die Zusammenfassung dessen, was heute uns Hörende mitgegeben werden soll. Es gibt jemanden, der allem Ende etwas entgegen zu setzen hat, jemand der dem Leben eine offene Perspektive gibt, jemand der Zukunft schafft, wo wir nur Ende sehen: und dieser jemand ist Jesus Christus. In der Evangeliumslesung wurde dies in einer besonderen Erzählung dargestellt. Maria und Martha hatten einen schwer kranken Bruder. Die Schwestern waren sehr besorgt und sie ließen Jesus rufen. All ihre Hoffnung ruhte auf ihm. Die Wege waren weit, Jesus musste gesucht werden. So gingen viele Tage ins Land. Als Jesus kam, so erzählt Johannes, ist Lazarus schon vier Tage im Grab. Maria und Marta sind zutiefst bestürzt. Es kamen viele Menschen, die ihnen Hilfe und Begleitung anbieten, die mit ihnen trauern und so ein wenig Trost geben. Nun kommt Jesus. Maria bleibt zu Hause sitzen, sie ist erstarrt in ihrer Trauer. Sie bleibt ganz bei sich, will mit niemandem etwas zu tun haben, hat ihr Vertrauen und ihre Hoffnung beiseite gelegt. Martha geht anders mich ihrer Trauer um: sie hört von Jesu Kommen und geht ihm entgegen. Sie weiß: Lazarus ist tot, hier kann eigentlich nichts mehr getan werden. Doch da kommt jemand, der etwas in sich trägt, das größer ist, als das vor Augen Sichtbare. Du hast Möglichkeiten, an dieser Stelle etwas zu tun, was das Leben verändert. Jesus antwortet, dass der Bruder auferstehen wird. Martha bejaht dies, denn sie kennt den Gedanken ihrer Zeit, dass Menschen irgendwann einmal am Ende der Zeit, am jüngsten Tage auferstehen werden. So sagt sie: ja, das weiß ich. Sie sagt es in einem Ton, der eine Wahrheit ausspricht, die wohl geglaubt wird, aber der ein richtiger Anhalt fehlt. Es fehlt, so lese ich daraus, so etwas wie persönliche Ergriffenheit und Tiefe für diesen Gedanken. Es ist ein dogmatischer Satz der Religion, aber noch keine Gewissheit des persönlichen Glaubens. Diese Gewissheit kommt, als Jesus sagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das? Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist. Jetzt ist diese Gewissheit verbunden mit einer konkreten Person, nun kann sie sich entfalten als die große Hoffnung in der tragischen Situation des Abschiedes. Im Anschluss daran, wir haben es gehört, wird die Auferweckung des Lazarus erzählt. Doch diese ist gar nicht das Ziel der Erzählung, sondern Johannes will deutlich machen, dass Jesus Christus eine Hoffnung aufbietet, der selbst der Tod nichts anhaben kann. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt, auch wenn das Leben biologisch ein Ende findet. Und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben, der wird nicht vergehen, der wird eine Zukunft haben, die nicht in seinen Händen liegt, aber gewiss vor ihm liegt. Hoffnung, die sich auf Jesus Christus gründet, hat eine große Zukunft. Mit dieser Hoffnung lebten die ersten Christen, damit gestalteten sie ihr ganz persönliches und gemeinschaftliches Leben. Nur wie das so ist, wird jede Hoffnung auch einmal in Frage gestellt durch das, was sich im Leben so ereignet. Für die ersten Christen hieß es, irgendwann damit fertig zu werden, dass Jesus nicht wiederkam, nicht das große Friedensreich aufgebaut hat, auf das sie so gehofft hatten. Sie mussten erleben, dass der Glaube nicht zu einem völlig freien und guten Leben führte, sondern viele auch in die Verfolgung trieb, in den Tod, weil Menschen meinten, dass dieser Glaube gefährlich ist. Die Menschen mussten erleben, dass dieser Glaube sie nicht aus den alltäglichen Problemen und Entscheidungen herausgenommen hat, sondern dass sie wie alle anderen Menschen auch, ihr Leben entsprechend bewältigen müssen. Macht es da eigentlich noch Sinn, diesem Glauben anzuhangen, ihn in sich zu tragen und alle Unannehmlichkeiten damaliger Zeit in Kauf zu nehmen? In unserem Predigttext für den heutigen Tag wird solchen Gedanken ein wichtiges Wort entgegengestellt: Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Geduld aber habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt. Wir aber sind nicht von denen, die zurückweichen und verdammt werden, sondern von denen, die glauben und die Seele erretten. Werft euer Vertrauen nicht weg. Ich denke, es geht jemand einmal in Laufe seines Lebens so, dass der anerzogene Glaube nicht mehr tragfähig zu sein scheint. Immer wieder wenn Kriege, Krankheiten, Bedrückungen, Tod, Unabänderlichkeiten die Menschen erreicht hat, da lehrt die Not nicht nur beten, sie lehrt auch zweifeln. Wie kann das ein? Warum ist das so? Warum trifft es mich oder auch den anderen, der mir doch so ans Herz gewachsen ist, und der doch so vorbildlich gelebt hat? Und vielleicht sind es auch ganz schlichte Zeiten, wo aber intellektuelle Zweifel da sind und den Glauben in Frage stellen. Und da ermutigt uns nun der Schreiber des Hebräerbriefes: zieh dich nicht zurück auf dich selber. Mach es nicht wie Maria, die für sich geblieben ist, mit ihren eigenen Gedanken, die keinen Weg nach vorne weisen können. Stell dich dem, der da kommt, auch wenn die Situation noch so dunkel ist. Wirf dein Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. Wenn der Glaube in Frage gestellt wird, dann macht es Sinn, ein großes Dennoch zu sprechen, dann macht es Sinn, dieses begründete Vertrauen nicht wegzuwerfen, sondern gerade jetzt, gerade in solcher Situation an ihm festzuhalten. Denn darin erweist sich die Stärke unseres Glaubens, der die Niederlage und die Ohnmacht als Erkennungszeichen gewählt hat, um den Sieg der Macht Gottes deutlich zu machen. Wenn die Gewalt die Sprache der Welt zu werden droht, und das kommt ja auch heute noch immer wieder vor, dann macht es keinen Sinn zu sagen: na gut, die Stimme der Vielen ist stärker als die Stimme der Wenigen, deshalb wollen wir schweigen. Genau dann heißt es: wirf deine Vertrauen nicht weg, ein Vertrauen, das gegründet ist auf den, der zur Gewaltlosigkeit aufgerufen hat. Die Überwindung der Gewalt und des Bösen ist Ziel der christlichen Hoffnung, nicht die Resignation angesichts der Machtlosigkeit und Ohnmacht, die uns angesichts der Gewaltprobleme immer wieder ergreifen. Wenn - wie in diesen Tagen im Blick auf das Endlager Asse – das Problem der Verschmutzung unserer Umwelt wieder laut wird, wenn wir sehen, wie Menschen - aus welchen Gründen auch immer - die rücksichtslos mit gefährlichem Gut umgehen, dann dürfen wir nicht still dastehen und sagen: so sind die Menschen nun mal und eigentlich kommt man da sowieso nicht gegen an, sondern es gilt weiter und noch viel mehr daran mitzuwirken, dass das Todbringende vernichtet wird, und wir mit all unseren Kräften daran mitwirken, dem Leben zu dienen. Wirf dein Vertrauen nicht weg – vertraue dem, der seine Nachfolger zu Friedensstiftern gemacht hat, zu Menschen die den Gedanken der Gerechtigkeit für alle Menschen in der Welt wachhalten, der ihnen die Achtung vor der Schöpfung Gottes vor Augen gestellt hat. Natürlich wissen wir, dass wir die Welt nicht sofort und im ganzen verändern können, weder die große Welt, noch die kleine Welt unseres ganz persönlichen Lebens, doch es gilt, die Hoffnung, das Wissen um die ganz andere Art zu leben, immer wieder einzubringen in die Welt. Denn diese Hoffnung auf Christus, der dem Tod die Macht genommen hat, ist die einzige Hoffnung, die nicht nur eine persönliche Hoffnung auf Zukunft ist, sondern die eine Hoffnung ist, für immer auch die anderen mit im Blick hat: die anderen Menschen, die anderen Geschöpfe, die Zukunft derer, die nach uns kommen. Werft euer Vertrauen nicht weg. Bewahrt dieses Vertrauen in den persönlichen Bedrückungen und in den gesellschaftlichen Problemen, die uns gegenüber stehen. Haltet fest daran, dass Jesus Christus ein Garant dafür ist, dass Veränderung und Zukunft möglich ist. Geduld aber habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt. So heißt es gleich im nächsten Satz. Und das stimmt gewiss. Glaube braucht Geduld. Glaube braucht einen langen Atem, der die Zeiten des Zweifels und der Mutlosigkeit aushält, der weitergehen lässt, auch wenn einem nicht zum weiter gehen zumute ist. Maria in der Geschichte blieb sitzen. Marta ging auf Jesus Christus zu, der dann auch Veränderung herbeigeführt hat, der ihre Hoffnung nicht enttäuscht hat. Und dabei ist auch wichtig zu sehen, dass sie ihre Hoffnung nicht auf Auferweckungstat gerichtet hat, sondern auf die Person Jesu. Vorher sagte sie schon: ja ich glaube an dich, ich setze mein Vertrauen auf dich. Zu solche einem Glauben ermutigt uns der heutige Predigttext, wenn er uns Geduld anempfiehlt und er uns dazu aufruft, das Vertrauen nicht wegzuwerfen, sondern in allen Lebenslagen aus diesem Vertrauen zu leben. Nicht das, was um uns geschieht, was wir selber erreichen können, rechtfertigt und stärkt unser Vertrauen, sondern letztlich gründet das Vertrauen des Leben allein in Christus, der das Kreuz durchlitten hat und von Gott selber zu einem neuen Leben geführt wurde. Darauf gilt es zu vertrauen und dieses Vertrauen hat eine große Zukunft. Darum: werft euer Vertrauen nicht weg – habt Geduld mit euch, mit den anderen, mit Gott. Amen Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied: 445,1,2,4,5 Psalm 68, 4-7a.20-21 Eingangsliturgie Gebet EGb S. 381 Gebet 2 Lesung Lied 364,1,2,4 Lesung Glaubensbekenntnis Lied 209,1-4 Predigt Lied 346,1-5 Abkündigungen Fürbittengebet Gott, barmherzig, allmächtig und gütig. Dich rufen wir an, weil wir auf dich unser Vertrauen setzen. Wir wissen, du hast unser Leben in deiner Hand, du willst ein gutes und erfülltes Leben für uns. Dafür danken wir dir und bitten dich: für alle, die in Zweifeln gefangen sind, die Lasten tragen, die ihnen schwer auf der Seele liegen, so dass sie nicht nach vorne schauen können. Hilf ihnen, diese Last zu tragen, nimm allen Zweifel und erneuere das Vertrauen zu dir. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten für alle, die unter den Zuständen der Welt zu leiden haben: für alle die in Kriegsgebieten leben, die auf Grund von Gewalt in ihrer Nähe, in Angst um sich und die Nächsten leben müssen, hilf, dass Gedanken des Friedens und des Miteinander nicht untergehen, sondern wirken als Hoffnung und Ziel des eigenen Tuns. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten dich für alle, die sich für das Wohl deiner Schöpfung einsetzen. Lass sie nicht müde werden, auch wenn vieles nur wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirkt. Lass ihr Tun der Stachel sein, der uns antreibt, der Zukunft der Welt zu dienen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten für alle, deren Lebenslage schwierig ist, die in Sorge sind um sich selber oder um andere. Steh du ihnen bei, stärke sie in ihrer Situation und gib ihnen die Hoffnung, die ihnen hilft auf dem Weg in die Zukunft. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Persönliches… Vaterunser Segen 163 |
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