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NT |
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Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott. Wir haben das Jahr 2007, einige Tage wenigstens noch dann beginnt das Jahr 2008. Würden wir unsere Zeit nach dem jüdischen Kalender errechnen, so schrieben wir das Jahr 5768. Der Buddhistische Kalender würde uns ins Jahr 2562 führen. Und es gibt gewiss noch andere Kalender in den Kulturen dieser Welt, die anders rechnen als wir es gewohnt sind. Wir rechnen das Jahr 2007 und sagen dazu: nach Christi Geburt. Die Römer hatten die Errichtung der Stadt Rom als Bezugspunkt für ihre Zeitrechnung, beziehungsweise berechneten die Jahre nach den jeweiligen Machthabern in Rom. Unser Bezugspunkt also ist die Geburt Jesu Christi. Sie ist die Mitte der Zeit. Diese Zeitrechnung hat sich inzwischen auf der ganzen Welt durchgesetzt im allgemeinen Leben, die anderen Zeitrechnungen haben nur in den jeweiligen Bezugsgruppen ihre Bedeutung. Warum erzähle ich ihnen das? Weil es in unserem Predigttext für den heutigen Weihnachtstag heißt: Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn. Es ging dabei jedoch nicht darum, dass eine bestimmte Zeitmarke erfüllt war, so wie die Zeugen Jehovas über viele Jahre das Ende der Welt mit einem festen Datum vorhergesagt haben. Aber die Christen haben im Laufe der Jahrhunderte diese theologische Deutung auf die Zeitrechnung übertragen. Als aber die Zeit erfüllt war, setzte Gott einen Wendepunkt, der für uns so normal ist, wie das Wasser aus der Leitung, aber letztlich doch etwas war, was die Welt veränderte. Als die Zeit erfüllt war, das hört sich danach an, als hätte Gott gesagt: jetzt, jetzt ist es soweit, jetzt verändere ich die Welt. Und wir fragen dann, was hat diese Zeit ausgemacht, was war das Besondere dieser Zeit? Und dann schauen wir auf die Geschichte und merken: wir können nichts Besonderes feststellen. Es gibt nichts, woran man hätte entdecken können, dass ein Eingreifen Gottes vonnöten gewesen wäre. Gut, das Land Israel war von Römern besetzt, das Volk Israel stand unter dem Druck der Herrscher, aber all dies gab es auch vorher schon. Was also macht die Zeit aus? Nach menschlichem Denken nichts. Äußerlich kann man nichts feststellen. Und doch formuliert Paulus den Wendepunkt als erfüllte Zeit. Es ist die aus der Sicht Gottes erfüllte Zeit im doppelten Sinne. Zum einen war es der Wendepunkt der Zuwendung Gottes zu den Menschen. Es sind nicht Menschen, die er nutzt für seine Botschaft, wie die Propheten. Sondern Gott geht einen anderen Weg, er wird Mensch, wie die Christen sagen. In einem Kind der Menschen wird Gott für die Menschen greifbar. In einem Kind der Menschen, lässt Gott sich anschauen, anfassen und hören in eine Stimme, die alle vernehmen können. Es beginnt die Zeit der neuen Gottesbegegnung. Der Mensch ist nicht mehr nur Gegenüber Gottes, nein die Zeit ist erfüllt, jetzt beginnt eine neue Sicht des Lebens und des Menschen. Es geht nicht mehr darum, dass der Mensch im Gegenüber zu Gott Erfüller der Vorgaben und Gesetze ist, sondern dem Menschen wird die Kindschaft zugesprochen. So wie Gott selber als Kind unter den Menschen geboren wird, so wird der glaubende Mensch zu einem Kind vor Gott. Er wurde Mensch, damit er die, die unter dem Gesetze waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen, so sagt es Paulus. Wie sehr hatte sie die Religion des Volkes Israel gewandelt i ein Leben das geprägt war von der Erfüllung der Vorschriften, die man meinte einhalten zu müssen. Der Mensch erlebte sich als Erfüller der vorgegebenen Normen und sah sich in seiner Gottesbeziehung ganz in diese Erfüllung von Ansprüchen hineingenommen. Und wenn ich diese Normen erfülle, dann stehe ich vor Gott gut da. Die Gemeinschaft mit Gott verkam zu einem äußerlichen Prozess. Wir mögen dieses Denken nicht mehr haben. Wir kennen solche Gesetzesreligiösität für uns nicht in dieser Weise. Aber ich behaupte, dass wir eine nicht weniger anspruchsgeprägte Gesellschaft sind, als die Gesellschaft zur Zeit Jesu. Hören wir doch einmal herum, wie sehr die Menschen über die Ansprüche klagen. Die Häufigkeit in der das Wort „Stress“ bei uns genutzt wird, macht deutlich, wie sehr Menschen unter Druck stehen, wie sehr Ansprüche verschiedenster Art auf uns liegen. Und dabei ist relativ gleichgültig, ob diese Ansprüche nun von außen an uns herangetragen werden oder ob wir unter den eigenen Ansprüchen leiden, weil wir meinen, dies oder jenes tun und machen zu müssen. Beides, der äußere und der innere Druck liegt auf uns und bestimmt uns. Wir können uns dem nur schwer entziehen. Und die Adventszeit hat das ihre dazugetan um dieses Erleben noch zu verstärken. Vieles von dem, was wir das als Stress erleben, ist der Druck, den Ansprüchen genügen zu wollen oder zu müssen. Und oft genug wird hinter diesem Anspruch die persönliche Anerkennung gesehen und gesucht. Wenn ich das alles schaffe, wenn ich hier gut und präsent bin, dann empfange ich etwas, das mein Leben bestärkt, was es gut und angenehm für mich macht. Und dann laufen wir der Erfüllung dieses Druckes hinterher, ohne recht darüber nachzudenken, ja ohne es oft zu merken, was wir uns damit antun. Wir versklaven uns unter diese wie auch immer gearteten Forderungen, die das Leben an uns richtet. Und in der Erfüllung suchen wir die Mitte des Lebens und merken gar nicht, wie sehr wir uns von unserer Mitte, von unserem Heil entfernen. Gott will nicht, dass wir uns zu Knechten machen lassen. Gott will nicht, dass unser Leben unter einem falschen Druck geführt wird. Gott will Freiheit für die Menschen. Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan – also hinein in diese Welt voller Ansprüche und Anforderungen – damit er die, die unter diesen Ansprüchen leiden, die sich immer mehr abhängig machen von diesen Forderungen und deren Erfüllung von diesem Denken und Handeln erlöst. Wir Menschen sollen los und frei werden, uns selber und unsere Bedeutsamkeit davon abhängig zu machen, Erfüller zu sein, denn nicht darin liegt die Bestimmung und die Fülle unseres Lebens, sondern darin, dass wir uns die Bedeutsamkeit und Anerkennung unseres Lebens von ihm schenken lassen. Und da benutzt Paulus das schöne Wort der Kindschaft. Er sandte seinen Sohn, damit wir die Kindschaft empfangen. Wir sind nicht nur geschöpfliches Gegenüber Gottes, unterworfen seiner Macht. Nein er erhebt uns in ein Verhältnis der Unmittelbarkeit, die es so bisher nicht gegeben hat. Wir dürfen uns verstehen und sehen als Kinder Gottes. Wir dürfen uns sehen und verstehen als solche, die in engster Gemeinschaft leben mit dem, der das Leben als Ganzes in seinen Händen trägt, der sorgt und führt, der Lebensmöglichkeiten schafft, der Freiheit schenkt und durch Begrenzungen dem Leben seinen Halt gibt. Vielleicht mögen manche von uns diesen Ausdruck nicht. Kindsein, da fühlt man sich klein und unmündig. Man ist abhängig und muss tun und lassen, was die anderen sagen. Das ist eine Seite des Kindseins, aber eben nur eine. Die andere ist: ist weiß woher ich komme. Ich habe einen Halt. Ich weiß an wen ich mich wenden kann, und ich weiß mich angenommen und geborgen, wenn mein Leben aus dem Ruder gerät, wenn ich etwas falsch gemacht habe. Zumindest in der guten Eltern-Kindbeziehung sollte dies gelingen, dass wir nie diesen Liebesbezug verlieren, so sehr wir auch aneinander geraten, so sehr es auch Distanz gibt im Laufe des Lebens. So sehe ich die Gott-Menschbeziehung durch die Geburt des Gottessohnes. Wir müssen diese Beziehung nicht durch unser Tun herstellen, wir müssen die Anerkennung nicht durch Taten erarbeiten, sondern Gott selber schenkt sie uns. Wir sind durch diese Tat Gottes mit der Kindschaft beschenkt, auf dass wir Freiheit gewinnen von den vielen drückenden Ansprüchen, die an uns gerichtet werden. Nicht sie stellen unser Leben auf einen festen Grund, sondern Gott selber tut das durch das Geschenk der Kindschaft, das im Kind im Stalle symbolisch deutlich wird. Unsere Antwort darauf ist das gläubige Vertrauen, in dem wir sprechen: Abba, lieber Vater, oder vertrauter noch: Vati, Papi. Wo wir uns dieses Geschenk zusagen lassen, da dürfen wir in innigster Vertrautheit sprechen, so wie es kleine Kinder am Anfang ihres Lebens lernen und oft genug bis zum Ende des Lebens in sich tragen. Auf die Kindschaft können wir uns berufen, auf diese Kindschaft können wir unser Leben bauen, durch diese Kindschaft müssen wir nicht der Anerkennung hinterherlaufen, sondern weil wir persönlich angenommen sind, können wir unser Leben anders sehen und gestalten, unabhängig von dem, wie die Welt über uns urteilt. Wir haben einen Vater im Himmel. Mag die Welt auch noch so viel an uns herantragen, nicht die Erfüllung dessen ist das letzte Wort über mein Leben, sondern allein die Gnade des gütigen Vaters, die in der Armut des Stalles seinen besonderen Anfang genommen hat. Mit diesem Anfang erfüllte er die Zeit ganz neu, und das ist die andere Seite des Satzes: als die Zeit erfüllt war. Mit der Geburt des Gottessohnes hat Gott die Zeit ganz neu erfüllt mit seiner Gegenwart. Es war nicht nur ein Zeitpunkt, den Gott gesetzt hat, sondern mit diesem Kommen in die Welt hat Gott auch die Welt neu erfüllt mit seiner Herrlichkeit. Zu Beginn habe ich gesagt, dass es keine besondere Zeit war, kein äußerlich markanter Zeitpunkt war, der dazu führte, dass Gott als Mensch in diese Welt kam. Das ist für mich ein ganz wichtiger Gedanke. Denn er zeigt mir, dass Gottesbegegnung nicht gebunden ist an äußere Ereignisse. Gott kommt zu seiner Zeit zu uns, und das möchte ich auch ganz persönlich auf uns hin formulieren: er kommt zu seiner Zeit zu uns. Hape Kerkeling hat in einer Talksendung vor zwei Wochen etwas gesagt, was mich sehr beeindruckt hat. Er sagte: ich habe für mich das Gefühl, das Gott in meiner körperlichen Lebenskrise nicht abwesend war, sondern gerade darin mit mir gesprochen hat, mir gerade darin ganz nahe war. Das war für ihn die erfüllt Zeit: jetzt ist es soweit, jetzt bin ich offen dafür, jetzt erfüllt mich Gott. Und ich denke jeder und jede von uns hat so eine erfüllte Zeit, in der Gott seine Präsenz zeigt, in der Gott deutlich wird als der, zu dem wir sagen können: du bist mein Vater. Du bist für mich da, für mich wichtig, in dir steckt all das, was mein Leben erfüllt. Und dann wird Weihnachten in uns. Und das kann sich auch am 7. Mai oder 15. Oktober ereignen. Das ist nicht gebunden an den 24. Dezember eines bestimmten Jahres. Mögen wir aus unserer Kindschaft heraus unser Leben gestalten in der Freiheit, die Gott uns schenkt. Amen Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied: 42,1-5 Dies ist der Tag den Gott gemacht Psalm 96 Eingangsliturgie Gebet Allmächtiger, menschenfreundliche Gott! Wir sind gefangen in dem, was wir von uns und anderen erwarten. Wir suchen Heil und Leben und wollen alles selber dafür tun, um es zu erleben. Und nun bist du gekommen, dieses Joch zu zerbrechen. Als Mensch bist du erschienen und hast uns befreit davon, vor dir etwas vorweisen zu müssen. Dankbar schauen wir auf das Licht der Weihnacht, das hell in uns scheinen möge, um in Freiheit vor dir und den Menschen zu leben. Dir sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit. Lesung Lk 2, 15-20 Glaubensbekenntnis Lied 54,1-3 Hört der Engel helle Lieder Predigt Lied 36,1-2,5,8+9 Fröhlich soll mein Herze springen Abkündigungen Fürbittengebet Gütiger Gott und Vater! Das Licht der Weihnacht ist zu uns gedrungen, ein Licht, das uns unsere Kindschaft vor Augen stellt. Dankbar schauen wir auf die Liebe, die du uns gewährst, auf die Gnade und Güte, die du uns schenkst. Was brauchen wir wirklich mehr für ein gelungenes getragenes Leben. Frei von den Forderungen der Welt wollen wir uns von dir leiten lassen. So öffne unsere Augen, Ohren und Herzen für die Not derer, die neben uns leben und die erfüllt sind von Sorge und Angst. Lass dein Licht in ihrer Welt scheinen und nimm uns dazu in deinen Dienst. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten dich für alle, die die Botschaft vom Frieden auf Erden den Menschen deines Wohlgefallens mit Füßen treten und für die, die unter der Friedlosigkeit der Welt leiden. Lass uns immer wieder Lichter des Friedens entzünden, inmitten des Hasses und Streites im Kleinen wie im Großen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten für alle, die allein sind in diesen Tagen und die sich einsam fühlen. Bring uns auf den Weg, wie die Hirten in der heiligen Nacht, führe uns zu denen, die ein Zeichen deiner Nähe brauchen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten dich, erfülle uns mit der Botschaft von Weihnachten, die weiter reicht als nur diese drei Tage im Dezember. Lass das Wissen um unsere Kindschaft wirken an jedem Tag des Jahres, auf dass wir aus dieser Geborgenheit unser Leben hell sehen und anderen Lichter des Lebens entfachen können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Vaterunser Segen 44 Oh du fröhliche
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