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Eph. 5, 1-8

Nochmalige Lesung des Predigttextes.
Wenn man diesen biblischen Text hört, dann möchte man doch meinen es sind sehr alte Gedanken, die nicht mehr in die heutige Zeit passen. Und da bleiben unsere Gedanken dann an diesen Worten hängen Unzucht, Unreinheit, Habsucht. Die anderen Gedanken sind eher weniger die, die uns ansprechen, die sind so geistlich und daher eher weiter weg von unserem alltäglichen Leben.
Ich möchte beides in den Blick nehmen, denn ich denke, beides gehört zu unserem Leben und es ist auch beides miteinander verbunden.
Fangen wir mit dem an, was uns als erstes ins Auge fällt.
Habsucht: Mir ist das zunächst auch nicht aufgefallen, aber durch eine sehr aktuelle Predigthilfe, die ich in dieser Woche erhalten habe, wurde mir deutlich, dass dieses Wort in dieser Woche sehr deutlich vor Augen stand. Den eigenen Vorteil suchen und sich den Vorteil anderer sich gut bezahlen lassen, dieses Phänomen fällt gewiss unter die Rubrik 'Habsucht' und das kann ja derzeit öffentlich in München beobachtet werden. Dort sind gerade - neben anderen - Vater und Sohn Wildmoser dem Haftrichter vorgeführt worden, weil ihnen Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung vorgeworfen werden. Ganz gleich, wer da nun der Schuldige ist, wie das ganze abgelaufen ist, aber hier geht es um betrügerisches Suchen nach dem eigenen Vorteil. Der Sport macht nicht nur Politik, sondern bewegt auch viel Geld - für die neue Allianz-Arena sind 280 Mio Euro eingeplant! - und da verführen nicht nur "leere Worte" wie es in unserem biblischen Text in Anspielung an andere religiöse Gruppierungen damaliger Zeit heißt, sondern auch die Aussicht auf ein oder zwei Milliönchen auf dem eigenen Konto. "Fair geht vor" - das war einmal ein Slogan der Sportlobby, mit dem sie für sich und einen sozialeren Umgang in unserer Gesellschaft warb. Doch Vorfälle wie der um den 1860er-Löwen-Chef sind der Überzeugungskraft solcher Kampagnen leider nicht sehr dienlich. Ganz im Gegenteil. Der Sport wird diskreditiert. Aber es geht eben darin um viel Geld und viel Geld macht Menschen eben dann auch habsüchtig.
Warum diese Habsucht angeprangert wird, liegt vor allem daran, dass Gemeinschaft geschädigt wird. Einer versucht seinen Vorteil auf Kosten vieler zu suchen. Die Gemeinschaft soll für die Besserstellung eines einzelnen herhalten. Und das kann ja nicht richtig sein. Insofern sagt unser Predigttext, sollten Christen, denen die Gemeinschaft ein Grundanliegen ihres Glaubens ist sich davon fernhalten. Die Gemeinschaft ist gewiss auch für den einzelnen da, der Hilfe braucht, der die Solidarität der Gemeinschaft nötig hat, auch das ist Frucht des Glaubens, aber es geht nicht, dass der Einzelne sich darin bereichert auf Kosten der anderen. Da, sag die Bibel, geht der Einzelne einen Schritt zu weit und stellt sich außerhalb der christlichen Gemeinschaft.
Unzucht und Unreinheit wird angeprangert. Und wer das hört wird sicherlich dann auch die Sexualfeindlichkeit der Kirche vor Augen haben, die viele Jahrhunderte Menschen auch sehr bedrückt hat. Aber das hat der Epheserbrief nicht vor Augen. Gerade in der letzten Zeit hat ja der Prozess in Belgien wieder ins Bewusstsein gerückt, wie Menschen mit Sexualität auch umgehen und was dies für tragische Folgen hat. Der undurchsichtige Dschungel aus sexuellem Missbrauch, Menschenhehlerei und Mord ist auch am 6. Verhandlungstag noch nicht lichter geworden und es stellt sich die Frage, ob überhaupt jemals die volle Wahrheit ans Licht kommen wird. Dafür sind schon viel zu viele Zeugen auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen, haben zu viele einflussreiche Amtspersonen ihre schmutzigen Hände im bösen Spiel und ist die Öffentlichkeit schon längst nicht mehr in der Lage, das Verfahren durchaus auch selbstkritisch zu beobachten.
Aber es geht gewiss nicht nur um solche Art Kinderschändung, die es übrigens zur Zeit des neuen Testamentes auch schon gegeben hat. Es ist eine generelle Frage, wie wir Menschen auch im Bereich der Sexualität miteinander umgehen. Nutzen wir dieses großartige Geschenk Gottes, um Liebe und Nähe zu schenken, Geborgenheit und Zukunft, oder dient sie eben nur der ganz subjektiven Befriedigung der eigenen Lüste, wobei das Gegenüber zu einem bloßen Objekt der Begierde wird? Es geht in dem, was unser Predigttext andeutet um ein Beziehungsgeschehen, um die Achtung des anderen auch in seiner Körperlichkeit. Und es geht auch darum, dass der christliche Glaube nicht nur ein rein geistliches Geschehen im Herzen ist, sondern dass er auch Auswirkungen hat auf das, was ich tue mit meinem Körper, mit meinen menschlichen Trieben. Verantwortung für mich und vor allem den anderen ist dabei angesprochen.
'Schandbare, närrische und lose Reden', im großen könnte man da vielleicht das anführen, was unsre Politiker in der vergangenen Woche angesichts der Nominierung des Bundespräsidentschaftskandidaten so gemacht haben. Da wurden Namen öffentlich gehandelt, Menschen enttäuscht und wohl auch verletzt (auch wenn Wolfgang Schäuble das abstreitet). Da werden machtpolitische Interessen, die offensichtlich ausschlaggebend in diesem Entscheidungsprozess gewesen sind, heruntergespielt und auf einmal unterstützen alle einen Kandidaten, an den sie vor wenigen Tagen noch nicht einmal gedacht hatten. Alle anderen Vorschläge, die zuvor geäußert wurden, scheinen vergessen. Auch dies ist eine Frage, wie gehen wir mit Menschen um? Und das ist ja gerade in einer Zeit der Medien eine ganz wichtige Frage. Woran haben wir als Zuschauer und Leser das meiste Interesse? Seien wir ehrlich: an den Geschichten um Persönlichkeiten. Wir wollen sie hören die Klatschgeschichten, die Skandale, die Verfehlungen, die Menschlichkeiten derer, von denen wir so weit weg sind und genau dadurch unterstützen wir einen solchen Journalismus, der darauf aus ist, den Menschen aus den Augen zu verlieren, seine Würde, seine Intimsphäre und sein ganz persönliches Leben.
All das möge den Christen fern sein, so schreibt der Briefeschreiber an die Gemeinde in Ephesus. Wobei er das nicht tun in dem Sinne, dass er nun einen Verhaltenskatalog abarbeitet, nach dem Motto, das alles dürft ihr nicht und das alles dürft ihr als Christen. Nein, es geht um viel grundlegendere Dinge, die genau in dem stecken, was wir oft so gerne überlesen oder überhören, wenn wir solche gewiss nicht einfachen Briefpassagen des Neuen Testamentes hören.
Hier wird nicht als erstes gesagt: so nicht, sondern hier wird erst einmal daran erinnert, was wir sind.
Als erstes nämlich sind wir Gottes Nachahmer, Gottes Nachfolger. Es wird daran erinnert, dass wir ja getaufte sind. Und getaufte Menschen sind von Gott angenommene Menschen, wert und wichtig für ihn und diese Welt. Wir sind nicht irgendwer, wir sind nicht einfach so da, sondern wir stehen in engster Verbindung und Gemeinschaft mit Gott selber. Wir machen uns das oft genug überhaupt nicht klar, weil ja die Taufe so ein Ereignis ist, das wir als Eltern unseren Kinder angedeihen lassen, das über uns gekommen ist, die wir als Kinder getauft sind, aber was es wirklich heißt als himmlisches Geschehen, das machen wir uns selten genug klar. Dabei ist es etwas so großartiges. Das wussten die Christen damals in Ephesus natürlich, denn sie sind als Erwachsenen getauft und haben ihr Leben durch den christlichen Glauben grundlegend verändert. Ich bin ein anderer geworden, ich verstehe mich jetzt ganz neu, mein Leben hat eine radikale Wendung genommen, ich leben neu und anders. So haben die Menschen damals empfunden und damit auch wirklich für sich gespürt, dass das Leben eine neue Dimension erfahren hat.
Machen wir uns das doch auch einmal klar: wir sind Gottes Nachfolger, als seine geliebten Kinder. Gott ist voll und ganz auf unserer Seite, er nimmt uns väterlich und mütterlich an und lässt uns nicht beiseite stehen oder gar links liegen. ER nimmt uns an, auch wenn in unserem Leben etwas schief geht. Und das hat gilt, das steht über unserem Leben, so dürfen wir uns und unsere Mitchristen ansehen. In Jesus Christus hat Gott das öffentlich gemacht, hat es gezeigt und wirklich gemacht. Christus hat uns, die Menschen geliebt, in der Taufe wurde uns diese Liebe persönlich zugeeignet und aus dieser Liebe dürfen wir schöpfen. Nicht wir müssen unser Leben opfern, müssen bestimmtes Handeln erfüllen, um Gottes Liebe zu verdienen, um vor ihm angesehen zu sein, nein das hat Jesus Christus für uns getan. Wir dürfen es annehmen, dass Gott uns annimmt, wie wir sind, dürfen es annehmen, dass wir geliebt sind.
Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht im Herrn.
Wir sind Licht im Herrn. Was für ein schönes Bild, auch wenn es vielleicht unserem Alltagsleben zu widersprechen scheint. Denn wer von uns ist schon eine Leuchte, oder tut und macht etwas, was so lichtvoll ist, und alle Menschen begeistert. Niemand wahrscheinlich, obwohl wir immer wieder auch Dinge tun, die gut sind und Menschen Licht bringen. Aber darauf kommt es ja auch gar nicht an. Gott macht uns durch seine liebevolle Zuwendung zu Lichtgestalten, er stellt uns in sein Licht, macht uns hell, leuchtend, wichtig vor ihm. Und das steht erst einmal im Raum. Das müssen wir uns nicht verdienen, das empfangen wir aus Liebe zu uns und wir nehmen es an für uns, indem wir darauf vertrauen, indem wir dem liebenden Gott vertrauen.
Doch dieses Vertrauen bleibt eben nicht bei sich selber. Das hat auch Konsequenzen und Wirkungen im Leben. Und darauf spricht der Briefabschnitt aus dem Epheserbrief uns heute an. Ich seid Licht im Herrn. Lebt als Kinder des Lichtes!
Seid Nachahmer Gottes. Seid dankbar dafür, dass ihr einen solchen Stand habt und gebt dies weiter. Lass auch andere daran teilhaben und lasst es in eurem Leben erkennen, dass diese Liebe euch trägt und leitet.
Und dann kommt es eben dazu, dass das eigene Leben - weil es nämlich schon längst für unendlich wertvoll geachtet ist - nicht in den Vordergrund muss, dass es nicht durch Haben wertvoll gemacht wird. Habsucht, wofür? Ich habe doch durch Gott alles. Manches Besitzen, gerne. Wenn ich es mir leisten kann, warum nicht. Aber mehr haben wollen, als ich mir leisten kann oder gar noch auf Kosten anderer, nein, das widerspricht dieser Liebe von Gott her.
Den anderen als Objekt sehen, die Liebe Gottes steht dem total entgegen. Mein Gegenüber steht genauso im Lichte Gottes, er ist genauso geliebtes Geschöpf, das mit der unendlichen Würde Gottes ausgestattet ist. Das habe ich zu achten, nicht nur geistlich, sondern auch körperlich und auch im Reden und Schreiben über die Menschen.
Die Achtung des anderen, die Verantwortung für sein Leben und seine Unversehrtheit, körperlich, seelisch und gesellschaftlich, das ist ein Ausfluss der Liebe, die ihren Ursprung von Gott nimmt. Insofern ist die Ermahnung des Epheserbriefes kein altes, verstaubtes Schreiben eine längst vergangenen Zeit, sondern stete Erinnerung an uns alle, dass wir uns selber als Menschen im Lichte Gottes sehen und dies eben auch weitertragen als Christen, um so diese Liebe immer wieder lebendig zu machen. Ihr seid Licht im Herrn. So lebt als Kinder des Lichtes. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 447, 1-3 + 7
Psalm:
34, 16-23: Die Augen des Herrn sind es, die mich gerecht machen.
Seine Ohren hören auf mein Schreien.
Gottes Antlitz steht gegen alle, die Böses tun, ihre Bedeutung und Macht wird er ausrotten von der Erde.
Wenn die Gerechten schreien, so hört der Herr, er errettet sie aus all ihrer Not.
Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, er hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.
Der aus Gott Lebende muss viel ertragen in der Welt, aber aus alledem hilft ihm der Herr.
Er bewahrt ihn, dass er nicht zerbricht an der Last dieser Welt.
Gottlosigkeit wird sich selbst zerstören, die das Vertrauen der Gottgläubigen missbrauchen, werden in ihrer Schuld vergehen.
Der Herr befreit das Leben seiner Gläubigen, alle die auf ihn vertrauen, werden frei von aller Schuld und Bedrückung.
Danke Gott, dass Du uns gnädig bist. Lass uns in dir Ruhe finden und öffne uns für dich. Lass uns deine Stimme hören und in uns aufnehmen, lass uns Mut finden fürs Leben.
Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, unseren Herrn und Bruder, der mit dir und dem heiligen Geist lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
Eingangsliturgie
Gebet:
Gott, du Quelle des Lichtes, du stellst uns in dein Licht, machst unser Leben hell. Durch dich erkennen wir, was gut tut im Leben, und wie sehr wir durch dich gehalten sind.
Wir bitten dich, öffnet unsere Augen, lass uns die Welt in deinem Lichte sehen, vor allem dort, wo wir kein Licht sehen, aber auch dort, wo das Leben gleißendes Licht versprüht und doch alles verdunkelt.
Das bitten wir durch Jesus Christus, das Licht der Welt, der mit dir und dem heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
Lesung: Eph 5, 1-8
Lied: 88, 1-3+6
Lesung: Lk 9, 57-62
Glaubensbekenntnis
Lied 391,1-4
Predigt
Lied: 389, 1-5
Abkündigungen
Fürbittengebet
Gütiger Gott.
Dankbar hören wir, dass uns mit dem Licht der Liebe umgibst und wir daraus schöpfen können. Mach uns bereit und fähig als deine Nachahmer zu leben und zu handeln. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle Menschen, die im Dunkeln leben und für sich kein Licht erkennen, dass sie von der unendlichen Liebe Gottes hören und so erfahren, dass Gott niemanden im Dunkeln belässt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die sich in ihrem Leben darum bemühen, in der Nachfolge Jesu zu leben. Mögen sie daran festhalten in alle, was ihnen widerfährt. Mögen sie sich selber auch annehmen, wo sie scheitern und die Liebe nicht in Vollendung leben können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die uns anvertraut sind, um die wir uns sorgen, über die wir uns freuen, deren Leben und Da sein uns wichtig ist. Mögest du Gott, deine liebevolle Hand über sie halten. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Vaterunser
Segen
163
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt 

14. 3. 2004

Liturgischer
Ablauf
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