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Nochmalige Lesung des Predigttextes.
Wenn man diesen biblischen Text hört, dann möchte man doch meinen es sind
sehr alte Gedanken, die nicht mehr in die heutige Zeit passen. Und da
bleiben unsere Gedanken dann an diesen Worten hängen Unzucht, Unreinheit,
Habsucht. Die anderen Gedanken sind eher weniger die, die uns ansprechen,
die sind so geistlich und daher eher weiter weg von unserem alltäglichen
Leben.
Ich möchte beides in den Blick nehmen, denn ich denke, beides gehört zu
unserem Leben und es ist auch beides miteinander verbunden.
Fangen wir mit dem an, was uns als erstes ins Auge fällt.
Habsucht: Mir ist das zunächst auch nicht aufgefallen, aber durch eine
sehr aktuelle Predigthilfe, die ich in dieser Woche erhalten habe, wurde
mir deutlich, dass dieses Wort in dieser Woche sehr deutlich vor Augen
stand. Den eigenen Vorteil suchen und sich den Vorteil anderer sich gut
bezahlen lassen, dieses Phänomen fällt gewiss unter die Rubrik 'Habsucht'
und das kann ja derzeit öffentlich in München beobachtet werden. Dort sind
gerade - neben anderen - Vater und Sohn Wildmoser dem Haftrichter
vorgeführt worden, weil ihnen Untreue, Bestechlichkeit und
Steuerhinterziehung vorgeworfen werden. Ganz gleich, wer da nun der
Schuldige ist, wie das ganze abgelaufen ist, aber hier geht es um
betrügerisches Suchen nach dem eigenen Vorteil. Der Sport macht nicht nur
Politik, sondern bewegt auch viel Geld - für die neue Allianz-Arena sind
280 Mio Euro eingeplant! - und da verführen nicht nur "leere Worte" wie es
in unserem biblischen Text in Anspielung an andere religiöse Gruppierungen
damaliger Zeit heißt, sondern auch die Aussicht auf ein oder zwei
Milliönchen auf dem eigenen Konto. "Fair geht vor" - das war einmal ein
Slogan der Sportlobby, mit dem sie für sich und einen sozialeren Umgang in
unserer Gesellschaft warb. Doch Vorfälle wie der um den 1860er-Löwen-Chef
sind der Überzeugungskraft solcher Kampagnen leider nicht sehr dienlich.
Ganz im Gegenteil. Der Sport wird diskreditiert. Aber es geht eben darin
um viel Geld und viel Geld macht Menschen eben dann auch habsüchtig.
Warum diese Habsucht angeprangert wird, liegt vor allem daran, dass
Gemeinschaft geschädigt wird. Einer versucht seinen Vorteil auf Kosten
vieler zu suchen. Die Gemeinschaft soll für die Besserstellung eines
einzelnen herhalten. Und das kann ja nicht richtig sein. Insofern sagt
unser Predigttext, sollten Christen, denen die Gemeinschaft ein
Grundanliegen ihres Glaubens ist sich davon fernhalten. Die Gemeinschaft
ist gewiss auch für den einzelnen da, der Hilfe braucht, der die
Solidarität der Gemeinschaft nötig hat, auch das ist Frucht des Glaubens,
aber es geht nicht, dass der Einzelne sich darin bereichert auf Kosten der
anderen. Da, sag die Bibel, geht der Einzelne einen Schritt zu weit und
stellt sich außerhalb der christlichen Gemeinschaft.
Unzucht und Unreinheit wird angeprangert. Und wer das hört wird sicherlich
dann auch die Sexualfeindlichkeit der Kirche vor Augen haben, die viele
Jahrhunderte Menschen auch sehr bedrückt hat. Aber das hat der
Epheserbrief nicht vor Augen. Gerade in der letzten Zeit hat ja der
Prozess in Belgien wieder ins Bewusstsein gerückt, wie Menschen mit
Sexualität auch umgehen und was dies für tragische Folgen hat. Der
undurchsichtige Dschungel aus sexuellem Missbrauch, Menschenhehlerei und
Mord ist auch am 6. Verhandlungstag noch nicht lichter geworden und es
stellt sich die Frage, ob überhaupt jemals die volle Wahrheit ans Licht
kommen wird. Dafür sind schon viel zu viele Zeugen auf mysteriöse Weise
ums Leben gekommen, haben zu viele einflussreiche Amtspersonen ihre
schmutzigen Hände im bösen Spiel und ist die Öffentlichkeit schon längst
nicht mehr in der Lage, das Verfahren durchaus auch selbstkritisch zu
beobachten.
Aber es geht gewiss nicht nur um solche Art Kinderschändung, die es
übrigens zur Zeit des neuen Testamentes auch schon gegeben hat. Es ist
eine generelle Frage, wie wir Menschen auch im Bereich der Sexualität
miteinander umgehen. Nutzen wir dieses großartige Geschenk Gottes, um
Liebe und Nähe zu schenken, Geborgenheit und Zukunft, oder dient sie eben
nur der ganz subjektiven Befriedigung der eigenen Lüste, wobei das
Gegenüber zu einem bloßen Objekt der Begierde wird? Es geht in dem, was
unser Predigttext andeutet um ein Beziehungsgeschehen, um die Achtung des
anderen auch in seiner Körperlichkeit. Und es geht auch darum, dass der
christliche Glaube nicht nur ein rein geistliches Geschehen im Herzen ist,
sondern dass er auch Auswirkungen hat auf das, was ich tue mit meinem
Körper, mit meinen menschlichen Trieben. Verantwortung für mich und vor
allem den anderen ist dabei angesprochen.
'Schandbare, närrische und lose Reden', im großen könnte man da vielleicht
das anführen, was unsre Politiker in der vergangenen Woche angesichts der
Nominierung des Bundespräsidentschaftskandidaten so gemacht haben. Da
wurden Namen öffentlich gehandelt, Menschen enttäuscht und wohl auch
verletzt (auch wenn Wolfgang Schäuble das abstreitet). Da werden
machtpolitische Interessen, die offensichtlich ausschlaggebend in diesem
Entscheidungsprozess gewesen sind, heruntergespielt und auf einmal
unterstützen alle einen Kandidaten, an den sie vor wenigen Tagen noch
nicht einmal gedacht hatten. Alle anderen Vorschläge, die zuvor geäußert
wurden, scheinen vergessen. Auch dies ist eine Frage, wie gehen wir mit
Menschen um? Und das ist ja gerade in einer Zeit der Medien eine ganz
wichtige Frage. Woran haben wir als Zuschauer und Leser das meiste
Interesse? Seien wir ehrlich: an den Geschichten um Persönlichkeiten. Wir
wollen sie hören die Klatschgeschichten, die Skandale, die Verfehlungen,
die Menschlichkeiten derer, von denen wir so weit weg sind und genau
dadurch unterstützen wir einen solchen Journalismus, der darauf aus ist,
den Menschen aus den Augen zu verlieren, seine Würde, seine Intimsphäre
und sein ganz persönliches Leben.
All das möge den Christen fern sein, so schreibt der Briefeschreiber an
die Gemeinde in Ephesus. Wobei er das nicht tun in dem Sinne, dass er nun
einen Verhaltenskatalog abarbeitet, nach dem Motto, das alles dürft ihr
nicht und das alles dürft ihr als Christen. Nein, es geht um viel
grundlegendere Dinge, die genau in dem stecken, was wir oft so gerne
überlesen oder überhören, wenn wir solche gewiss nicht einfachen
Briefpassagen des Neuen Testamentes hören.
Hier wird nicht als erstes gesagt: so nicht, sondern hier wird erst einmal
daran erinnert, was wir sind.
Als erstes nämlich sind wir Gottes Nachahmer, Gottes Nachfolger. Es wird
daran erinnert, dass wir ja getaufte sind. Und getaufte Menschen sind von
Gott angenommene Menschen, wert und wichtig für ihn und diese Welt. Wir
sind nicht irgendwer, wir sind nicht einfach so da, sondern wir stehen in
engster Verbindung und Gemeinschaft mit Gott selber. Wir machen uns das
oft genug überhaupt nicht klar, weil ja die Taufe so ein Ereignis ist, das
wir als Eltern unseren Kinder angedeihen lassen, das über uns gekommen
ist, die wir als Kinder getauft sind, aber was es wirklich heißt als
himmlisches Geschehen, das machen wir uns selten genug klar. Dabei ist es
etwas so großartiges. Das wussten die Christen damals in Ephesus
natürlich, denn sie sind als Erwachsenen getauft und haben ihr Leben durch
den christlichen Glauben grundlegend verändert. Ich bin ein anderer
geworden, ich verstehe mich jetzt ganz neu, mein Leben hat eine radikale
Wendung genommen, ich leben neu und anders. So haben die Menschen damals
empfunden und damit auch wirklich für sich gespürt, dass das Leben eine
neue Dimension erfahren hat.
Machen wir uns das doch auch einmal klar: wir sind Gottes Nachfolger, als
seine geliebten Kinder. Gott ist voll und ganz auf unserer Seite, er nimmt
uns väterlich und mütterlich an und lässt uns nicht beiseite stehen oder
gar links liegen. ER nimmt uns an, auch wenn in unserem Leben etwas schief
geht. Und das hat gilt, das steht über unserem Leben, so dürfen wir uns
und unsere Mitchristen ansehen. In Jesus Christus hat Gott das öffentlich
gemacht, hat es gezeigt und wirklich gemacht. Christus hat uns, die
Menschen geliebt, in der Taufe wurde uns diese Liebe persönlich zugeeignet
und aus dieser Liebe dürfen wir schöpfen. Nicht wir müssen unser Leben
opfern, müssen bestimmtes Handeln erfüllen, um Gottes Liebe zu verdienen,
um vor ihm angesehen zu sein, nein das hat Jesus Christus für uns getan.
Wir dürfen es annehmen, dass Gott uns annimmt, wie wir sind, dürfen es
annehmen, dass wir geliebt sind.
Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht im Herrn.
Wir sind Licht im Herrn. Was für ein schönes Bild, auch wenn es vielleicht
unserem Alltagsleben zu widersprechen scheint. Denn wer von uns ist schon
eine Leuchte, oder tut und macht etwas, was so lichtvoll ist, und alle
Menschen begeistert. Niemand wahrscheinlich, obwohl wir immer wieder auch
Dinge tun, die gut sind und Menschen Licht bringen. Aber darauf kommt es
ja auch gar nicht an. Gott macht uns durch seine liebevolle Zuwendung zu
Lichtgestalten, er stellt uns in sein Licht, macht uns hell, leuchtend,
wichtig vor ihm. Und das steht erst einmal im Raum. Das müssen wir uns
nicht verdienen, das empfangen wir aus Liebe zu uns und wir nehmen es an
für uns, indem wir darauf vertrauen, indem wir dem liebenden Gott
vertrauen.
Doch dieses Vertrauen bleibt eben nicht bei sich selber. Das hat auch
Konsequenzen und Wirkungen im Leben. Und darauf spricht der Briefabschnitt
aus dem Epheserbrief uns heute an. Ich seid Licht im Herrn. Lebt als
Kinder des Lichtes!
Seid Nachahmer Gottes. Seid dankbar dafür, dass ihr einen solchen Stand
habt und gebt dies weiter. Lass auch andere daran teilhaben und lasst es
in eurem Leben erkennen, dass diese Liebe euch trägt und leitet.
Und dann kommt es eben dazu, dass das eigene Leben - weil es nämlich schon
längst für unendlich wertvoll geachtet ist - nicht in den Vordergrund
muss, dass es nicht durch Haben wertvoll gemacht wird. Habsucht, wofür?
Ich habe doch durch Gott alles. Manches Besitzen, gerne. Wenn ich es mir
leisten kann, warum nicht. Aber mehr haben wollen, als ich mir leisten
kann oder gar noch auf Kosten anderer, nein, das widerspricht dieser Liebe
von Gott her.
Den anderen als Objekt sehen, die Liebe Gottes steht dem total entgegen.
Mein Gegenüber steht genauso im Lichte Gottes, er ist genauso geliebtes
Geschöpf, das mit der unendlichen Würde Gottes ausgestattet ist. Das habe
ich zu achten, nicht nur geistlich, sondern auch körperlich und auch im
Reden und Schreiben über die Menschen.
Die Achtung des anderen, die Verantwortung für sein Leben und seine
Unversehrtheit, körperlich, seelisch und gesellschaftlich, das ist ein
Ausfluss der Liebe, die ihren Ursprung von Gott nimmt. Insofern ist die
Ermahnung des Epheserbriefes kein altes, verstaubtes Schreiben eine längst
vergangenen Zeit, sondern stete Erinnerung an uns alle, dass wir uns
selber als Menschen im Lichte Gottes sehen und dies eben auch weitertragen
als Christen, um so diese Liebe immer wieder lebendig zu machen. Ihr seid
Licht im Herrn. So lebt als Kinder des Lichtes. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 447, 1-3 + 7
Psalm:
34, 16-23: Die Augen des Herrn sind es, die mich gerecht machen.
Seine Ohren hören auf mein Schreien.
Gottes Antlitz steht gegen alle, die Böses tun, ihre Bedeutung und Macht
wird er ausrotten von der Erde.
Wenn die Gerechten schreien, so hört der Herr, er errettet sie aus all
ihrer Not.
Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, er hilft denen,
die ein zerschlagenes Gemüt haben.
Der aus Gott Lebende muss viel ertragen in der Welt, aber aus alledem
hilft ihm der Herr.
Er bewahrt ihn, dass er nicht zerbricht an der Last dieser Welt.
Gottlosigkeit wird sich selbst zerstören, die das Vertrauen der
Gottgläubigen missbrauchen, werden in ihrer Schuld vergehen.
Der Herr befreit das Leben seiner Gläubigen, alle die auf ihn vertrauen,
werden frei von aller Schuld und Bedrückung.
Danke Gott, dass Du uns gnädig bist. Lass uns in dir Ruhe finden und öffne
uns für dich. Lass uns deine Stimme hören und in uns aufnehmen, lass uns
Mut finden fürs Leben.
Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, unseren Herrn und
Bruder, der mit dir und dem heiligen Geist lebt und herrscht von Ewigkeit
zu Ewigkeit. Amen
Eingangsliturgie
Gebet:
Gott, du Quelle des Lichtes, du stellst uns in dein Licht, machst unser
Leben hell. Durch dich erkennen wir, was gut tut im Leben, und wie sehr
wir durch dich gehalten sind.
Wir bitten dich, öffnet unsere Augen, lass uns die Welt in deinem Lichte
sehen, vor allem dort, wo wir kein Licht sehen, aber auch dort, wo das
Leben gleißendes Licht versprüht und doch alles verdunkelt.
Das bitten wir durch Jesus Christus, das Licht der Welt, der mit dir und
dem heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
Lesung: Eph 5, 1-8
Lied: 88, 1-3+6
Lesung: Lk 9, 57-62
Glaubensbekenntnis
Lied 391,1-4
Predigt
Lied: 389, 1-5
Abkündigungen
Fürbittengebet
Gütiger Gott.
Dankbar hören wir, dass uns mit dem Licht der Liebe umgibst und wir daraus
schöpfen können. Mach uns bereit und fähig als deine Nachahmer zu leben
und zu handeln. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle Menschen, die im Dunkeln leben und für sich kein Licht
erkennen, dass sie von der unendlichen Liebe Gottes hören und so erfahren,
dass Gott niemanden im Dunkeln belässt. Darum rufen wir zu dir: Herr,
erbarme dich.
Wir bitten für alle, die sich in ihrem Leben darum bemühen, in der
Nachfolge Jesu zu leben. Mögen sie daran festhalten in alle, was ihnen
widerfährt. Mögen sie sich selber auch annehmen, wo sie scheitern und die
Liebe nicht in Vollendung leben können. Darum rufen wir zu dir: Herr,
erbarme dich.
Wir bitten für alle, die uns anvertraut sind, um die wir uns sorgen, über
die wir uns freuen, deren Leben und Da sein uns wichtig ist. Mögest du
Gott, deine liebevolle Hand über sie halten. Darum rufen wir zu dir: Herr,
erbarme dich.
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
oben
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