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Eph 5, 1-8a

Nochmalige Lesung des Bibeltextes

Wenn man Bibeltexte hört, dann fragt der Pfarrer sich zunächst: Was mag wohl hängen geblieben sein, von diesen Worten. Wir sind hier in kleinem Kreis. Vielleicht mag der ein oder andere es mal kurz sagen.

Meine Vermutung ist, dass es die sexuelle Unmoral, die Habgier und das Geschwätz ist, das uns im Gedächtnis hängen geblieben ist. Die moralischen Gedanken des Briefschreibers hören wir schnell und die setzen sich fest, weil sie wohl lange in uns wirkende kirchliche Vorstellungen ansprechen. Und dann hängen wir uns daran auf, bedenken diese Gedanken lange und vergessen, was noch so gesagt wurde. Vorher und Nachher stehen ja auch wichtige Sätze, ja vielleicht sogar die viel wichtigeren Worte, die aber leider untergehen.

Darum möchte ich sie in den Vordergrund stellen, nicht ohne zu sagen, dass auch die moralischen Gedanken zu ihrem Recht kommen werden.

Nehmt euch daher Gott selbst zum Vorbild; ihr seid doch seine geliebten Kinder! Konkret heißt das: Alles, was ihr tut, soll von der Liebe bestimmt sein. Denn auch Christus hat uns seine Liebe erwiesen und hat sein Leben für uns hingegeben wie eine Opfergabe, deren Duft vom Altar zu Gott aufsteigt und an der er Freude hat.

Es geht um das Leben, es geht um unser Verhalten in den Gedanken des heutigen Morgens. Und schon im ersten Satz wird das Entscheidende gesagt: Wer soll unser Leitbild in unserem Verhalten sein und warum soll er das sein? Nehmt euch Gott zum Vorbild – ihr seid doch seine geliebten Kinder. Wie im Leben geht es darum, dass das Kind sich orientiert an den Eltern. Es gilt also als erstes einmal festzuhalten: wir sind Gottes Kinder und nicht nur einfach seine Kinder, nach dem Motto er hat uns geschaffen als ist das so, nein es kommt noch ein wichtiges Wort dazu: wir sind seine geliebten Kinder. Ich bin nicht einfach nur Kind Gottes durch die Taufe, sondern wirklich geliebtes Kind. Hier wird eine Beziehung deutlich gemacht, in der wir stehen. Da ist ein Gegenüber, das uns liebt, dass uns also ins Herz geschlossen hat, dem wir wichtig sind. Wir sind aufgehoben, geachtet und wertvoll in seinen Augen. Das ist das erste, was uns hier vor Augen geführt wird. Liebender, fürsorgender, leitender Vater im besten Sinne, das steht hinter diesen Gedanken.

Machen wir uns das eigentlich so richtig klar, dass das an erster Stelle steht, wenn es um die Beziehung zwischen Mensch und Gott geht? Ich glaube das nicht, sondern wenn dann ist es der Anspruch, den Gott an uns richtet, der uns zuerst ins Gedächtnis kommt. So und so sollen wir uns verhalten. Moral, Kirche als Moralinstanz, das wird zuerst gehört. Da ist gewiss etwas dran. Auch der erste Satz unseres Predigttextes beginnt ja damit, dass eine Aufforderung ausgesprochen wird: Nehmt euch Gott zum Vorbild. Aber die Begründung, warum wir das tun sollen, die ist dabei viel wichtiger. Wir sollen uns an Gott ausrichten, weil wir seine geliebten Kinder sind, oder anders ausgedrückt: weil Gott ganz auf uns ausgerichtet ist, weil er um unser Wohl besorgt ist und für uns einen guten Weg will, darum – und nicht aus menschlich, moralischen Gedanken heraus – mögen wir unser Leben an seinem Vorbild ausrichten.

Was ist das Vorbild Gottes? Da fängt es nun an schwierig zu werden. Natürlich ist es das Leben Jesu. Sein Umgang mit den Menschen, seine Lebenseinstellung, sein Glaube, seine wegweisenden Gedanken, aber auch sein Zorn, den er entwickeln kann. Genauso wie Gott auch im Alten Testament ja sehr unterschiedlich reagiert als liebender aber auch als eifernder und auch als strafender Gott. Was ist die Leitlinie des Vorbildes Gottes angesichts der Vielfalt des äußeren Wirkens Gottes?

Es ist für mich auf jeden Fall die sich in allem durchhaltende Suche des Menschen, der Wunsch, dass jeder Mensch zu seiner Besonderheit kommt, aber so, dass die Gemeinschaft darunter nicht leidet. Denn Gott sieht einen jeden von uns liebevoll gnädig und von daher ist die Stärkung des einzelnen immer auch auf die Gemeinschaft bezogen. Fürsorge und Rücksicht, Achtung und Stärkung des Anderen ist somit Ziel des Handelns Gottes. Das wird sichtbar in den Lebensregeln, die Gott den Menschen gibt, das wird deutlich auch in den Geschichten und Erfahrungen des Volkes, wo Gott als strafender Gott sichtbar wird, der Fehlverhalten auch markiert und die Menschen mit den Konsequenzen leben müssen. Wer erinnert sich nicht an die strafenden Worte und Handlungen der Eltern, die uns damit auf einen guten Weg bringen wollten. So zumindest verstehe ich das auch strafende Handeln Gottes in den Geschichten der Bibel. Es ist immer die Suche nach dem, was Gott wichtig ist, aber was die Menschen aus den Augen verloren haben.

Unser Predigttext schließt mit den Worten: Ihr seid Licht in dem Herrn. Das sagt eigentlich genau das aus, was auch schon zu Beginn gesagt wurde. Ihr seid Kinder Gottes. Ihr seid das Licht der Welt. Das ist eure Lebensbestimmung, das ist euer Sein, seitdem ihr getauft seid. Das ist für die ersten Christen leichter zu hören und zu verstehen, weil sie als Erwachsene getauft worden sind und von daher die Umkehr des Lebens und den Beginn des christlichen Lebens ganz anders erlebt haben. Doch es gilt auch uns: ihr seid getauft, dadurch seid ihr Kinder Gottes, ihr seid sein Licht in der Welt. Das müsst ihr nicht verdienen durch bestimmtes Handeln, das seid ihr bereits, aber es fordert dadurch bestimmtes Handeln, um eben diesem Sein Leben einzuhauchen.

Drei Bereiche benennt der Epheserbrief, die wohl damals eine nicht unerhebliche Belastung in der Gemeinde darstellte. Unzucht, Habsucht, lose Rede, wie Luther es übersetzt.

Unzucht lässt sofort alle Sexualfeindlichkeit in uns aufleuchten, die vor allem durch die katholischen Gedanken im allgemeinen Bewusstsein eingeprägt ist. Und was verdrängt wird, führt leider immer wieder zum Missbrauch und der ist ja leider in den Schlagzeilen. Wobei ich jetzt nicht die aktuelle Diskussion über die Vergehen in katholischen Häusern in den Mittelpunkt stellen will, es gibt daneben eine weitaus größere Zahl von Kindesmissbrauch von Menschen, die nicht zolibatär leben. Was hinter diesen Worten von Unzucht steckt ist für mich weniger die Frage der Sexualität, sondern mehr die Tatsache, dass es im Glauben nicht nur um etwas Geistiges und damit auch Geistliches geht, sondern dass der Menschen neben der Seele auch den Körper hat, der zu ihm und zu seinem Leben dazugehört. Die Achtung der Person des anderen hat auch eine körperliche Seite. Einen Menschen als Objekt seiner eigenen Wünsche und Vorstellungen zu missbrauchen, ist ein Akt der Verachtung des anderen, der auch ein Geschöpf und Kind Gottes ist. Und im Bereich der Sexualität nochmal eins mehr, weil dies ein Lebensbereich ist, der vom Grundsatz her von Nähe und menschlicher Wärme gekennzeichnet ist. Dies zu missachten, heißt den anderen zu verachten und das ist ganz gewiss nicht im Sinne dessen, der den Menschen zum erfüllten Leben in Gemeinschaft führen will.

Die Habsucht ist das zweite, das angesprochen wird. Die Habsucht und deren Folgen haben wir im vergangenen Jahr deutlich zu spüren bekommen und es geht munter weiter in der Bankenwelt, in der es sogar Tendenzen geben soll, den Untergang des Euro voranzutreiben, um daran möglichst viel Geld zu verdienen. Habsucht fördert Egoismus, fördert ein Denken, das daran ausgerichtet ist, dass der Einzelne sich selber und sein Wohl in den Vordergrund stellt, und den anderen beiseite drängt. Leistung muss sich wieder lohnen, denn hast du was, dann bist du was. Und wenn du nichts leistest, dann sollst du auch nichts haben – so lautet ja die Devise derer, die im Augenblick das Haben an erste Stelle stellen, aber die soziale Verantwortung füreinander gerne außer acht lassen. Wer nur für sich haben will, dem anderen nicht gönnen kann, wer nur für sich punkten will und das auf Kosten derer, die am Rande stehen und die Tafeln besuchen müssen, damit wenigstens der Bereich des Essens abgedeckt ist, der handelt gemeinschaftsschädigend und das ist etwas, was Gott durch seine Propheten sehr häufig angemahnt hat. Gott steht zunächst auf der Seite derer die nichts haben, die stellt das Haben auch in Frage und die Habgier noch einmal mehr. Eine Gesellschaft braucht Reichtum, um die Armut zu bekämpfen, aber gerade darum braucht sie auch das Leitmotiv Solidarität und nicht das Denken der Ichbezogenheit.

Wir Christen sind geliebte Kinder Gottes, wir sind Licht der Welt, Licht im Herrn. Wir sind in dieser Welt auch das Salz, das Würze ins Leben bringt, aber auch in Wunden gestreut wird, und Schmerzen bereitet. So geht es dem Autor des Epheserbriefes darum uns dies vor Augen zu führen: Lebt, was ihr seid. Handelt nach dem, was euch in Christus und der Geschichte des Volkes vorgegeben ist. Lebt was ihr seid und lasst es die Menschen sehen und wissen in allen menschlichen Bereichen und seid darin selber Vorbild für ein gemeinschaftsförderndes Leben in der Verantwortung vor Gott.

Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Lied:

Orgelvorspiel

Lied: 447, 1-3 + 7

Psalm:

34, 16-23: Die Augen des Herrn sind es, die mich gerecht machen.

Seine Ohren hören auf mein Schreien.

Gottes Antlitz steht gegen alle, die Böses tun, ihre Bedeutung und Macht wird er ausrotten von der Erde.

Wenn die Gerechten schreien, so hört der Herr, er errettet sie aus all ihrer Not.

Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, er hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

Der aus Gott Lebende muss viel ertragen in der Welt, aber aus alledem hilft ihm der Herr.

Er bewahrt ihn, dass er nicht zerbricht an der Last dieser Welt.

Gottlosigkeit wird sich selbst zerstören, die das Vertrauen der Gottgläubigen missbrauchen, werden in ihrer Schuld vergehen.

Der Herr befreit das Leben seiner Gläubigen, alle die auf ihn vertrauen, werden frei von aller Schuld und Bedrückung.

Danke Gott, dass Du uns gnädig bist. Lass uns in dir Ruhe finden und öffne uns für dich. Lass uns deine Stimme hören und in uns aufnehmen, lass uns Mut finden fürs Leben.

Eingangsliturgie

Gebet:

Gott, du Quelle des Lichtes, du stellst uns in dein Licht, machst unser Leben hell. Durch dich erkennen wir, was gut tut im Leben, und wie sehr wir durch dich gehalten sind.

Wir bitten dich, öffne unsere Augen. Lass uns die Welt in deinem Lichte sehen, vor allem dort, wo wir kein Licht sehen, aber auch dort, wo das Leben gleißendes Licht versprüht und doch alles verdunkelt.

Das bitten wir durch Jesus Christus, das Licht der Welt, der mit dir und dem heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Lesung: Eph 5, 1-8

Lied: 389, 1-5

Lesung: Lk 9, 57-62

Glaubensbekenntnis

Lied Ihr seid das Salz der Erde (Jürgen Grote)

Predigt

Lied: Deine Größe ist  (Jürgen Grote - Du bist da Liederbuch)

Abendmahl

Gott, als deine Kinder kommen wir zu dir, und danken dir für alles, was du für uns getan hast und hoffen darauf, dass du liebevoll und gnädig an uns handeln wirst. Wir vertrauen fest  darauf, dass du in Christus wirksam warst und uns in gleicher Weise liebst und trägst. Darum loben und preisen wir dich mit allen, die die vor uns geglaubt haben und mit uns glauben.

331 Großer Gott wir loben dich

Herr, Jesus Christus. Du unser Bruder zeigst uns den Weg des Lebens, ja du selber bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Stärke uns mit deinem Geist, wenn wir nun feiern, was du uns hinterlassen hast.

Einsetzungsworte

Heiliger Geist, Kraft des lebendigen Gottes. Sei du mit uns auf dem Weg des Lebens. Führe und leite uns auf dem Weg von Liebe und Güte, auf dem Weg des Aufbaues von Gemeinschaft. Führe uns weg von allem, was zerstört und vernichtet. Lass du uns leben in Glaube, Hoffnung und Liebe.

Vaterunser

Austeilung: Ihr seid das Licht der Welt – geht und erleuchtet die Welt mit dem Licht der Liebe.

216  Du hast uns Leib und Seel gespeist

Abkündigungen

Fürbittengebet

Gütiger Gott.

Dankbar hören wir, dass uns mit dem Licht der Liebe umgibst und wir daraus schöpfen können. Mach uns bereit und fähig als deine Nachahmer zu leben und zu handeln. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle Menschen, die im Dunkeln leben und für sich kein Licht erkennen, dass sie von der unendlichen Liebe Gottes hören und so erfahren, dass Gott niemanden im Dunkeln belässt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle, die sich in ihrem Leben darum bemühen, in der Nachfolge Jesu zu leben. Mögen sie daran festhalten in alle, was ihnen widerfährt. Mögen sie sich selber auch annehmen, wo sie scheitern und die Liebe nicht in Vollendung leben können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle, die uns anvertraut sind, um die wir uns sorgen, über die wir uns freuen, deren Leben und Dasein uns wichtig ist. Mögest du Gott, deine liebevolle Hand über sie halten. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Segen

163

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe  und Klein Elbe

7. 3. 2010

Liturgischer
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