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Eph 5, 15-21

Die Briefe des neuen Testamentes sind in der Regel keine persönlichen Briefe, die von einer Person geschrieben an eine andere Person gerichtet sind. Neutestamentliche Briefe sind Schreiben, die an die ganze christliche Gemeinde des Ortes gerichtet ist. Und oft genug wurden diese Briefe dann auch abgeschrieben und weiter verbreitet. So blieben sie ja auch erhalten, um später in den Bestand der wichtigsten geistlichen Schriften aufgenommen zu werden.

Diese Briefe dienen der Auferbauung der christlichen Gemeinden. Meistens stehen ganz aktuelle Fragestellungen oder Probleme im Raum, auf die der Schreiber reagiert, wo er Hilfestellung geben will, um diese Probleme zu lösen. Und es geht darum, den Glauben und das Glaubensleben zu stärken. Die Schreiben wollen von ihrem Glauben her deutlich machen, wie es aussehen kann, sein Leben aus dem Glauben heraus zu gestalten. Und das nicht nur für sich selber, sondern auch dazu, dass Menschen erkennen, was es für das Leben bedeutet, wenn man an Christus glaubt, wenn man Gott vertraut.

So möchte ich auch die heutigen Worte aus dem Epheserbrief hören, die ich ihnen nun vorlesen möchte:

Eph 5, 15-21: So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise,  und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. Und  sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen. Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen  und  sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus.   Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi.

Das wichtigste, was ich hier höre ist: lasst das Leben ausgerichtet sein von Jesus Christus. Ihr seid Christen, Menschen für die die Orientierung, die Jesus gegeben hat, wichtig ist. Mitmenschlichkeit, Feindesliebe, Orientierung am Willen Gottes zum Wohl der Menschen, all das gehört dazu. Desweiten sind wir Menschen, für die das Ereignis von Karfreitag und Ostern seine Bedeutung hat. Das Aufgehobensein von Leiden bei Gott, das auf sich nehmen der Schuld der Menschen, das neue Leben über die Tode des Lebens hinaus, all das ist bestimmende Kraft des Lebens, die sichtbar werden möge in dem, was wir Menschen tun. Und von diesem Hintergrund aus, hören wir, was der Schreiber des Epheserbriefes zum christlichen Leben sagt.

So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise.

Jörg Zink übersetzt dieses kurzen Satz so: Tut die Augen auf! Seht auf euren Weg! Seht auf alles, was ihr tut und tut es mit Sorgfalt und wachem Gewissen. Leben nicht töricht in den Tag hinein, sondern seht euch die Welt an, in der ihr lebt, in die Gott euch gestellt hat.

Ich höre diese Gedanken als sehr hilfreich. Was sind weise Menschen? Kluge Menschen haben viel Wissen, können über vieles in der Welt kluge Aussagen machen, und sie beschämen uns immer wieder, weil wir dieses Wissen nicht haben. Doch weise Menschen sind anders. Es sind Menschen, die nicht mit einem Wissen prahlen, ja es vielleicht nicht einmal haben, aber es sind Menschen, die aus ihrer Lebenserfahrung heraus und aus einer tiefen inneren Überzeugung heraus, Dinge tun, Gedanken äußern, die einen zutiefst ansprechen und einstimmen lassen in dieses Tun. Solche Weisheit, solche Ausstrahlung können wir als Christen haben, nicht besserwisserisch, nicht moralisch einengend, sondern nach vorne weisend, hilfreich, zugewandt, menschlich.

Wie kann man das erreichen: Tut die Augen auf! Das heißt offen wahrnehmen, was geschieht in der Welt, wie Menschen leben, wie sie handeln. Das wachen Auges sehen und erkennen, was da geschieht. Was das zu tun hat mit Menschen, wie das wirkt, was da gesagt, getan, entschieden wird. Sich nicht abwenden, sondern es wahrnehmen und daraus Schlüsse ziehen, das ist eines der Dinge, die wir tun können.

Das gilt aber nicht nur für das Leben anderer, das dann vielleicht zu kritisieren ist. Vor allem gilt es, das eigene Leben offen und ehrlich anzuschauen. Seht auf euren Weg! Seht auf alles, was ihr tut und tut es mit Sorgfalt und wachem Gewissen. Die anderen kritisieren ist einfach, die Fehler der anderen liegen immer offen zutage. Doch weise zu leben heißt nicht, auf Fehlersuche bei den anderen zu gehen, sondern im eigenen Leben zu zeigen, wie es anders aussehen kann, wie es von Christus her aussehen kann. Dazu bedarf es immer wieder der kritischen Reflexion des eigenen Lebens, es bedarf eines sorgfältigen Überlegens des eigenen Tuns und es bedarf einer inneren Grundlage, die Dinge entsprechend zu beurteilen: ein waches Gewissen, eine Instanz, die darauf schaut, was gut und böse ist, die einem sagt, wolang der Weg geht, den Gott gewiesen hat.

Offene Augen – ein waches Gewissen, dazu braucht es immer wieder auch der Anregung von außen, der Schärfung des Gewissens durch die Instanz, die mit seinem Willen einen guten Weg für uns und andere vorgibt. Der Gottesdienst und der Austausch mit anderen Christen sind gute Möglichkeiten hier immer wieder angeregt zu werden, die Gedanken neu zu ordnen oder zu stärken.

Lebt nicht töricht in den Tag hinein, sondern seht euch die Welt an, in der ihr lebt, in die Gott euch gestellt hat. Jeder Augenblick hat eine Chance in sich, (nämlich die, das der Glaube eine leibliche Gestalt finden kann in einem Wort oder in einer Tat). Nützt sie. Versäumt sie nicht.

So heißt es bei Jörg Zink in seiner Übersetzung unseres heutigen Briefabschnittes.

Ich empfinde das als schwierig. Jeder Augenblick hat eine Chance des Glaubens in sich. Das darf man gewiss nicht wörtlich nehmen. Aber es gibt viele Bereiche des Lebens, wo wir gedankenlos handeln, wo wir ohne zu überlegen oder nach ganz ungeistlichen Gedanken handeln. Und ich sage ganz deutlich: da bin ich mitten drin.

Was bestimmt zum Beispiel meinen Einkauf? Mal ist es die Zeit, die bestimmend ist. Schnell muss es gehen. Hauptsache ich habe die Dinge, die ich brauche, was immer es auch ist. Oder es ist das Geld – die Sparsamkeit, die mich leitet. Oh ja, wunderbar, der Kaffee ist wieder so billig, die Hose, so preiswert. Wer sie herstellt, wie er dafür arbeiten muss, welche Lebensumstände ich mit meiner Sparsamkeit in einem reichen Land fördere, darüber mache ich mir keine Gedanken. Wie gesagt, schnell muss es gehen, billig muss es sein.

Schau dir die Welt an, in die Gott dich gestellt hat. Diese Aufforderung heißt doch: Wie kann ich diese Welt mit meinem Tun, mit meinen kleinen Möglichkeiten so gestalten, dass es eine lebens- und liebenswerte Welt für möglichst viele Menschen sein, bleiben und werden kann? Das fängt an bei einem bewussten, sorgfältig bedachten, vom Gewissen geprägten Einkauf an, geht über eine Lebenshaltung und Lebensgestaltung, die Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung im Blick hat, bis zu den politischen Entscheidungen, die ich treffe, um möglichst viel von den christlich geprägten Gedanken umgesetzt zu sehen in der großen Politik. Und dazu bedarf es nicht einer christlichen Orientierung im Namen, sondern es gilt dies in den Inhalten zu suchen und zu fördern.

Es geschieht genug Böses in unseren Tagen. Überlegt euch, was Gott euch aufgetragen hat, und handelt, wie es eurem Glauben entspricht. Denn weise handeln heißt so leben, dass der Glaube sichtbar wird.

Wie damals so auch heute ist das Leben nicht frei von Bösem, es wird immer und überall zu sehen sein. Bei anderen, bei uns selber. Aber es gibt in der Bibel auch den Satz: Es ist dir gesagt Mensch, was gut und was böse sei. Das Böse ist Teil des Lebens – zu jeder Zeit. Aber es ist nicht immer unabänderliches Verhängnis, sofern wir Menschen die Möglichkeit und Macht haben, es zu verändern. Und darum geht es dem Schreiber des Epheserbriefes in seinen Worten. Ihm geht es nicht um das unabänderlich Böse, wie Krankheiten, denen mir machtlos gegenüber stehen, wie z.B. dem Krebsleiden, das wir oft genug nicht besiegen können. Es geht darum, im Leben immer wieder danach zu fragen: was ist gut, was ist böse. Was hilft zum Leben, was schadet ihm? Was ist der Wille Gottes in dieser Situation für mein Leben, für das Leben der anderen? Und die Erkenntnisse, die wir da gewinnen, die mögen uns leiten, die mögen uns so leiten, dass auch von außen sichtbar wird: ja dieser Mensch handelt so, wie der Glaube es vorgibt. An ihm kann ich erkennen, was es heißt: Vertrauen zu Gott zu haben. Ich kann erkennen, was es heißt: Jesus Christus zum Herrn zu haben, ihm nachzufolgen. Das ist das Ideal des christlichen Lebens.

Natürlich weiß ich wie schwer das ist. Auch an mir, auch an den Geistlichen können wir das nicht immer ablesen. Hinzu kommt, dass wir auch Irrtümern erliegen, dass wir aus bestimmten geistlichen Erkenntnissen falsche Schlüsse ziehen. Die Geschichte der christlichen Kirche ist voll von solchen Fehlgängen. Und doch bleibt das Ideal richtungsweisend. Wer Christus bekennt, möge auch als Christ erkennbar sein. Wer Christus bekennt, möge auch seine Verantwortung für diesen Glauben wahrnehmen, sich selber immer wieder auch als persönlicher Verkünder dieses Glaubens sehen. Wissend, dass wir das nur mit unseren kleinen Kräften zu tun können, aber auch darauf hoffend, dass wir darin von Gottes Geist begleitete sind, dass Gott uns darin nicht allein lässt, sondern uns hilft den Weg dieses Lebens zu finden. Er gibt uns die Orientierung, er lässt uns nicht im Stich. Er weist seinen Schafen wie der gute Hirte den Weg. Darauf können wir uns verlassen, dazu werden wir auch ermutigt. Auch wenn wir heute von Ansprüchen hören, davon das Leben intensiv zu bedenken, das Gewissen zu schärfen, die Welt offen und wach wahrzunehmen, die Zeit zu nützen, die Gott uns schenkt. Das ist ein großer Anspruch und wir wissen um unsere kleinen Möglichkeiten. Aber wir dürfen uns dabei immer vor Augen halten: Nicht wir müssen Gott gefallen, sondern Gott hat an uns Wohlgefallen und er führt uns auf diesem Weg, weil wir ihm wert und wichtig sind. Wir müssen keinen Anspruch erfüllen, sondern wir dürfen aus  Dankbarkeit für sein Handeln in Christus in seinem Auftrag in dieser Welt wirken als die guten Botschafter seiner Liebe. Und das ist etwas anderes, als das Befolgen von Vorschriften. Darum heißt es in unserem Text auch: sagt Gott, dem Vater, allezeit Dank für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. Unser Leben sei ein Zeichen der Dankbarkeit und der Freude in dem was wir tun und lassen. Das ist unser Gottesdienst. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Lied: 155,1-3

Psalm: Ps 1

Eingangsliturgie

Gebet:

Barmherziger Gott!

All unser Tun kann den Himmel nicht aufschließen. Das hast du getan, als du uns Christus gesandt hast. So bitten wir dich: lass uns ihm nachfolgen, auf dass wir den geöffneten Himmel in unserem Leben selber erkennen und anderen zeigen können. Darum bitten wir durch Jesus Christus….

Lesung: Röm 14, 17-19

Lied: 494,1-4

Lesung: Mk 12, 28-34

Glaubensbekenntnis

Lied: 391,1-4

Predigt

Lied: 389,1-5

Abkündigungen

Fürbittengebet

Gott unser Vater!

Wir schauen auf Jesus Christus, auf sein Leben und sein Werk. Wir sind dankbar, dass du uns durch ihn dein Liebe, deine Vergebung, deine Güte und Nähe erwiesen hast. Gleichzeitig schauen wir auf uns, wie wenig davon in unserm Leben widerspiegelt.

Darum bitten wir dich: lass uns leben nach deinem Willen und in deiner Güte. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle Menschen, die deinem Willen folgen. Lass sie nicht verhärten in ihrem Handeln, auf dass sie nicht in Werkgerechtigkeit verfallen. Öffne sie für deine Liebe, die auch auf dem falschen Weg zugewandt bleibt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten für alle, die dir nachfolgen und dabei nur auf ihre Schattenseiten achten. Hilf ihnen, ihren Weg von deiner Liebe aus zu sehen, auf dass sie auch mit sich selber gnädig umgehen können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich, hilf uns dabei, die Welt und das eigene Leben bewusst zu gestalten, hilf uns auf dem Weg unseres Glaubens, deinem Willen zu folgen und das Lob deiner Herrlichkeit sichtbar zu machen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Stille

Vaterunser

Segen

163

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt

21.9. 2008

Liturgischer
Ablauf
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