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Eph 4, 1-3

Am morgigen Sonntag ist bei uns Bundestagswahl. Vielen von uns geht es wahrscheinlich so wie mir: endlich ist diese Zeit vorbei. Man kann es ja kaum mehr hören: Wahlprognosen, TV-Duell, Talkrunden mit Politikern und was es noch so alles gibt. Und alles abgestellt auf zwei Personen, die im Mittelpunkt des Interesses standen.
Traurig eigentlich, was da für ein Spiel gespielt wurde. Demokratie zeichnet sich dadurch aus, dass viele Meinungen miteinander verbunden werden, dass Kompromisse gesucht werden und in Entscheidungen große Mehrheiten gesucht werden. Wir mussten feststellen, dass der Wahlkampf eine Personenshow wurde, die den Eindruck vermittelte, dass Politik in unserem Land und unserer Demokratie nur noch vom Kanzler gemacht wird. Ich hoffe, dass wir das begreifen und zukünftige Wahlen wieder mehr demokratische Elemente enthalten. Vielleicht würde es den Politikern gut zu Gesicht stehen, wenn sie den Satz unseres heutigen Predigttextes ernstnehmen, den Jörg Zink mit den Worten überträgt: Tragt es geduldig, dass ihr unter den Menschen keine große Rolle spielt.
Nicht persönliche Ausstrahlung, nicht persönlicher Eindruck darf in der Arbeit von Menschen zählen, nicht das Ansehen und der Beifall, den Menschen bekommen, sondern ob das, was sie tun, dem Menschen dient. Im Augenblick hat man ja den Eindruck, dass allein der Beifall der Massen, gemessen in politikfernen Fragen nach den TV-Duellen für die politischen Fragen des Landes entscheidend sind. Wer kam besser an, wer wirkt kompetenter, wessen Gestik strahlte was aus und so weiter. Aber nützt all das den Menschen in unserem Land, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen? Ich denke, die Politikverdrossenheit liegt auch daran, dass vieles zur öffentlichen Show verkommt. Medienspektakel, die von uns auch gerne aufgenommen werden, sind oft stärker durchdacht, als die Fragen zur Verbesserung der Lage in unserem Land. Und das gilt für alle Gruppierungen, die uns bitten, dass wir ihre Anliegen unterstützen mögen, wenn wir morgen zur Wahl gehen.
Was im Blick auf die Bundestagswahl für die Kandidaten und deren Präsentation im Wahlkampf eben gesagt wurde, das hat aber auch für uns als Christen in unserem Leben seine Bedeutung. So werden wir heute angesprochen auf unser Leben in der Gemeinschaft, mit der Rolle, die wir darin spielen. Hören wir noch einmal die Worte des Epheserbriefes in der Übertragung von Jörg Zink.
"Ich bitte euch als ein Gefangener des Herrn, lasst euch von mir etwas sagen: Gott hat mit euch Besonderes vor. Er hat euch eine hohe Würde zugedacht. Achtet nun darauf, dass zwischen eurer Bestimmung und eurem tatsächlichen Leben kein Riss klafft. Tragt es geduldig, dass ihr unter den Menschen keine große Rolle spielt. Habt einen langen Atem und tragt einander mit der Geduld und Kraft, die aus der Liebe kommen. Achtet auf alles, was euch verbindet: Gottes Geist will, dass ihr eins seid und der Friede euch zusammenhält."
Uns wird in diesen Worten das Leben als christliche Gemeinde vor Augen gestellt, als eine Gemeinschaft, in der es anderes zugehen möge, als in anderen Gruppierungen, als eine Gemeinschaft, die von einem besonderen Geist geprägt sein soll.
An erster Stelle wird dabei auf den Ursprung dieser besonderen Gemeinschaft hingewiesen: Gott hat mit euch Besonderes vor. Er hat euch eine hohe Würde zugedacht. Ich verstehe diese Worte auf dem genannten Hintergrund so, dass es in unserem Leben nicht so sehr um Verwirklichung eigener Interessen geht, sondern, dass wir als Menschen von Gott her gewiesen sind dazu, etwas besonderes zu wirken. Nicht unsere großen Taten sind gefragt, sondern Gottes Taten für die Welt. Aber gerade darin liegt die besondere Würde des Menschen. Nicht das Ansehen, dass wir unter Menschen haben, nicht der mögliche Beifall, der uns zuteil wird, ist das wichtige, sondern dass wir von Gott Angesprochene sind, in dieser Welt zu wirken, seine Botschaft weiterzutragen und seinen Willen umzusetzen. Nicht geringer als Engel hast du den Menschen gemacht, so heißt es im 8. Psalm. Darin liegt die Berufung des Menschen, darin liegt seine besondere Würde, die nicht in den großen Taten liegt, sondern allein darin, dass Gott uns zu seinen Mitarbeitern macht.
Dies drückt sich dann in der Ermahnung aus: Achtet nun darauf, dass zwischen eurer Bestimmung und eurem tatsächlichen Leben kein Riss klafft. Tragt es geduldig, dass ihr unter den Menschen keine große Rolle spielt.
Wir Menschen wollen diese besondere Würde oft gar nicht wahrhaben, beziehungsweise wollen lieber wegen unserer eigenen Taten angesehen sein. Es ist ja auch schön, wenn man von Menschen gelobt und angesehen wird, wenn man Macht hat, etwas zu bewegen, etwas in Ganz zu setzen, von dem dann auch Lob und Anerkennung für einen ausgeht.
Aber hinter den Gedanken des Epheserbriefes steht für mich da etwas anderes: es bedeutet nämlich, dass ich danach gar nicht streben muss. Wie oft wollen wir gar nicht im Mittelpunkt stehen, oder können es nicht, unser Tun wird nicht so gesehen. Aber das muss es ja auch nicht. Wir können das geduldig aushalten, weil es bei Gott nicht darum geht, in Größe und Macht aufzutreten, sondern darum, ob wir in dem, was wir tun, den Liebeswillen Gottes erfüllen. Und dieser Liebeswille kommt oft genug am wenigsten in den großen Taten des Lebens vor, als viel mehr in den kleinen Taten unseres bescheidenen Lebens. In der uneingeschränkten Zuwendung zum Menschen, zu denen, die uns nahe sind und denen, die uns fern sind, in der Bereitschaft, eigenes zurückzustellen, um dem Nächsten zu dienen, darin liegt die Umsetzung dieses Liebenswillens Gottes. Dafür bekommen wir keinen großen Beifall. Müssen wir aber auch nicht, denn es ist unsere Dankbarkeit gegenüber Gott, dass wir so handeln dürfen.
Die Ermahnung des Briefes geht nun darin, dass kein Riss klaffen soll zwischen unserer Bestimmung und dem tatsächlichen Leben. Es scheint also auch schon in der ersten Christenheit gesehen worden zu sein, dass wir eben nur Menschen sind, die der göttlichen Bestimmung nicht immer nachkommen, wie es dem Anspruch Gottes entsprechen würde. Aber auch dazu gibt es eine Ermutigung: Habt einen langen Atem und tragt einander mit der Geduld und Kraft, die aus der Liebe kommen. Achtet auf alles, was euch verbindet: Gottes Geist will, dass ihr eins seid und der Friede euch zusammenhält.
Geduld mit sich selber, Geduld mit anderen - dazu werden wir ermutigt. Man hat ja heute den Eindruck, dass alles immer sofort klappen muss und wenn nicht, dann ist die Person unfähig. Perfektion wird überall gesucht angesichts hochgesteckter Erwartungen. Viel wichtiger aber ist es doch, dass wir einen langen Atem haben, mit dem wir einander begegnen. Die Art und Weise des anderen sehen, seine Gaben und Möglichkeiten, aber auch Grenzen annehmen. Nicht alles gleich erfüllt sehen wollen, sondern auch Raum geben zur Entwicklung, zur Veränderung des anderen. All das steckt für mich hinter dem Gedanken des langen Atems. Darin gilt es Geduld aufzubringen und eben aus einer Kraft zu schöpfen, die nicht von Leistung und Erfolg bestimmt ist, sondern von Zuwendung zum anderen. Geduld und Kraft, die aus der Liebe kommen. Und die Liebe stellt nicht Anspruche, sucht nicht nach Erfolgen, sondern nimmt den anderen in seiner Art, so wie er ist.
Und dazu gehört auch, dass wir Menschen in unserem Miteinander nicht immer nur auf das schauen, was uns trennt. Das ist so schön einfach, weil das Trennende immer das ist, was uns zuerst auffällt. Durch den Wahlkampf erscheint dies auch wieder als der normale Umgang. Im Wahlkampf ist das auch nötig, aber Alltag ist kein Kampftag, sondern Alltag ist der Ort der Suche nach einem sinnvollen Miteinander aller, die miteinander umgehen müssen. Und da ist es äußerst hinderlich, wenn stets und ständig nur auf das Trennende verwiesen wird, wenn Unterschiede zementiert werden, denn damit kommt man nicht weiter, damit bleibt man stecken in Vorwürfen und stetem Vorhalten dessen, was nicht ist oder was nicht möglich ist.
Achtet auf alles, was euch verbindet, das ist das Zauberwort für menschliche Gemeinschaft. Das Verbindende stärken, es immer wieder laut werden zu lassen und stark zu machen, das ist Hilfe zum gemeinsamen Leben in allen Gemeinschaften, angefangen von der Ehe, als kleinste Lebensgemeinschaft, über die Nachbarschaft bis hin zu Gruppen, die bestimmte Ziele verfolgen, oder auch bis hin zur gesamten Menschheit. So sollte z.B. der Umgang mit den Ausländern in unserem Land auch darin bestehen, danach zu suchen, was uns verbindet, und nicht, was alles Trennendes zwischen uns steht. Auch das würde sicher helfen, menschliche Gemeinschaft in unserem Lande und in der Welt zu fördern.
Gottes Geist will, dass ihr eins seid und der Friede euch zusammenhält.
Damit schließt der Schreiber unseres heutigen Predigttextes diese Ermahnungen. Ich empfinde sie nicht als zu erfüllende Gebote, sondern wirklich als eine Wegweisung. Die Gemeinschaft der Menschen, die Einheit, zu der wir durch Gott verbunden sind, sie ist ein Geschenk Gottes. Gottes Geist will, dass ihr eins sein. Menschliches Denken ist oft auf Abgrenzung und Trennung aus. Darin liegt sicher auch wichtiges, denn nur im Unterschied wird auch das eigene deutlich. Es mag darin auch der Urinstinkt nach Schutz liegen, der uns immer ein wenig Abstand vom anderen nehmen lässt, aber letztlich sind wir dann als Menschen dieser Welt doch aneinander gewiesen durch den Gott, der den Menschen unter seinen besonderen Segen stellt. Und das gilt es eben nicht zu vergessen, sondern umzusetzen im friedvollen Miteinander aller, die zusammenleben. Mag der menschliche Friede auch manchmal gestört sein, mögen persönliche Eitelkeiten Trennungen hervorrufen, auch in der Kirche, auch unter Glaubenden, umso wichtiger ist es dann, dass wir diese Ermahnungen der Bibel hören, ihnen nachgehen, sie in ihrer tiefen Wahrheit erkennen als solche, die dem Leben nicht noch mehr Ansprüche auferlegen, sondern dass wir uns fallen lassen in das Geschenk der Gemeinschaft, das Gott uns macht. Die Einheit schafft Gott und sie ist längst vor uns da. Wir brauchen sie eigentlich nur noch umzusetzen in unserem ganz alltäglichen Leben.

Amen.

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Liturgischer Ablauf

Begrüßung - Orgelvorspiel
Lied: 288,1-4
Psalm 25, 8-15
Eingangsliturgie - Gebet:
Gütiger Gott!
Jeder von uns hat seinen Platz hier in der Kirche eingenommen. Wir kommen mit unseren eigenen Gedanken und Gefühlen hierher, suchen bei dir Trost, Wegweisung und Erfüllung.
So bitten wir dich, nimm uns an, ganz persönlich mit dem, was wir mitbringen, und führe zu zusammen zu einer Gemeinschaft, die sich von dir angesprochen und gewiesen weis. So lass uns teilhaben an der Fülle deines Lebens. Darum bitten wir durch Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
Lesung: Eph 4, 1-6 (Luther)
Lied: 251,1-3+6
Lesung: Mt 15, 21-28
Glaubensbekenntnis
Lied: 346,1-4
Predigt
Lied: 419,1-5
Abkündigungen - Fürbittengebet
Barmherziger Gott!
Dankbar sind wir, dass du uns Menschen führst und leitest, dass dein Wort uns immer wieder auf deinen Weg führt. Lass uns daraus leben und unseren Alltag gestalten.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die unter den großen und kleinen Auseinandersetzungen zwischen Menschen zu leiden haben; sei es in der Familie, im Beruf, in der Nachbarschaft oder in den Vereinen. Hilf zu Geduld miteinander und gib Kraft, um füreinander da zu sein und Trennenden zu überwinden.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die ihren Lebenswert an die Anerkennung anderer binden, dass sie begreifen, dass ausbleibender Beifall nichts an dem Wert des Lebens ändert.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten um deinen Geist für den morgigen Tag. Mögen die gewählten Politiker in ihrer Arbeit das Wohl aller Menschen im Augen haben, eigene Interessen beiseite schieben und so den Menschen dieser Welt dienen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle Menschen in unseren Gemeinden, denen es schlecht geht, die von Sorgen belastet sind, dass sie in dir Halt finden. Lass Menschen nahe sein, die Lasten tragen helfen und deine Liebe weitergeben. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Vaterunser
Segen
163

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt
17.n.Trin
 21. 9. 2002
Liturgischer
Ablauf
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