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Am morgigen Sonntag ist bei uns Bundestagswahl. Vielen von uns geht es
wahrscheinlich so wie mir: endlich ist diese Zeit vorbei. Man kann es ja
kaum mehr hören: Wahlprognosen, TV-Duell, Talkrunden mit Politikern und
was es noch so alles gibt. Und alles abgestellt auf zwei Personen, die
im Mittelpunkt des Interesses standen.
Traurig eigentlich, was da für ein Spiel gespielt wurde. Demokratie
zeichnet sich dadurch aus, dass viele Meinungen miteinander verbunden
werden, dass Kompromisse gesucht werden und in Entscheidungen große
Mehrheiten gesucht werden. Wir mussten feststellen, dass der Wahlkampf
eine Personenshow wurde, die den Eindruck vermittelte, dass Politik in
unserem Land und unserer Demokratie nur noch vom Kanzler gemacht wird.
Ich hoffe, dass wir das begreifen und zukünftige Wahlen wieder mehr
demokratische Elemente enthalten. Vielleicht würde es den Politikern gut
zu Gesicht stehen, wenn sie den Satz unseres heutigen Predigttextes
ernstnehmen, den Jörg Zink mit den Worten überträgt: Tragt es geduldig,
dass ihr unter den Menschen keine große Rolle spielt.
Nicht persönliche Ausstrahlung, nicht persönlicher Eindruck darf in der
Arbeit von Menschen zählen, nicht das Ansehen und der Beifall, den
Menschen bekommen, sondern ob das, was sie tun, dem Menschen dient. Im
Augenblick hat man ja den Eindruck, dass allein der Beifall der Massen,
gemessen in politikfernen Fragen nach den TV-Duellen für die politischen
Fragen des Landes entscheidend sind. Wer kam besser an, wer wirkt
kompetenter, wessen Gestik strahlte was aus und so weiter. Aber nützt
all das den Menschen in unserem Land, die nicht auf der Sonnenseite des
Lebens stehen? Ich denke, die Politikverdrossenheit liegt auch daran,
dass vieles zur öffentlichen Show verkommt. Medienspektakel, die von uns
auch gerne aufgenommen werden, sind oft stärker durchdacht, als die
Fragen zur Verbesserung der Lage in unserem Land. Und das gilt für alle
Gruppierungen, die uns bitten, dass wir ihre Anliegen unterstützen
mögen, wenn wir morgen zur Wahl gehen.
Was im Blick auf die Bundestagswahl für die Kandidaten und deren
Präsentation im Wahlkampf eben gesagt wurde, das hat aber auch für uns
als Christen in unserem Leben seine Bedeutung. So werden wir heute
angesprochen auf unser Leben in der Gemeinschaft, mit der Rolle, die wir
darin spielen. Hören wir noch einmal die Worte des Epheserbriefes in der
Übertragung von Jörg Zink.
"Ich bitte euch als ein Gefangener des Herrn, lasst euch von mir etwas
sagen: Gott hat mit euch Besonderes vor. Er hat euch eine hohe Würde
zugedacht. Achtet nun darauf, dass zwischen eurer Bestimmung und eurem
tatsächlichen Leben kein Riss klafft. Tragt es geduldig, dass ihr unter
den Menschen keine große Rolle spielt. Habt einen langen Atem und tragt
einander mit der Geduld und Kraft, die aus der Liebe kommen. Achtet auf
alles, was euch verbindet: Gottes Geist will, dass ihr eins seid und der
Friede euch zusammenhält."
Uns wird in diesen Worten das Leben als christliche Gemeinde vor Augen
gestellt, als eine Gemeinschaft, in der es anderes zugehen möge, als in
anderen Gruppierungen, als eine Gemeinschaft, die von einem besonderen
Geist geprägt sein soll.
An erster Stelle wird dabei auf den Ursprung dieser besonderen
Gemeinschaft hingewiesen: Gott hat mit euch Besonderes vor. Er hat euch
eine hohe Würde zugedacht. Ich verstehe diese Worte auf dem genannten
Hintergrund so, dass es in unserem Leben nicht so sehr um Verwirklichung
eigener Interessen geht, sondern, dass wir als Menschen von Gott her
gewiesen sind dazu, etwas besonderes zu wirken. Nicht unsere großen
Taten sind gefragt, sondern Gottes Taten für die Welt. Aber gerade darin
liegt die besondere Würde des Menschen. Nicht das Ansehen, dass wir
unter Menschen haben, nicht der mögliche Beifall, der uns zuteil wird,
ist das wichtige, sondern dass wir von Gott Angesprochene sind, in
dieser Welt zu wirken, seine Botschaft weiterzutragen und seinen Willen
umzusetzen. Nicht geringer als Engel hast du den Menschen gemacht, so
heißt es im 8. Psalm. Darin liegt die Berufung des Menschen, darin liegt
seine besondere Würde, die nicht in den großen Taten liegt, sondern
allein darin, dass Gott uns zu seinen Mitarbeitern macht.
Dies drückt sich dann in der Ermahnung aus: Achtet nun darauf, dass
zwischen eurer Bestimmung und eurem tatsächlichen Leben kein Riss
klafft. Tragt es geduldig, dass ihr unter den Menschen keine große Rolle
spielt.
Wir Menschen wollen diese besondere Würde oft gar nicht wahrhaben,
beziehungsweise wollen lieber wegen unserer eigenen Taten angesehen
sein. Es ist ja auch schön, wenn man von Menschen gelobt und angesehen
wird, wenn man Macht hat, etwas zu bewegen, etwas in Ganz zu setzen, von
dem dann auch Lob und Anerkennung für einen ausgeht.
Aber hinter den Gedanken des Epheserbriefes steht für mich da etwas
anderes: es bedeutet nämlich, dass ich danach gar nicht streben muss.
Wie oft wollen wir gar nicht im Mittelpunkt stehen, oder können es
nicht, unser Tun wird nicht so gesehen. Aber das muss es ja auch nicht.
Wir können das geduldig aushalten, weil es bei Gott nicht darum geht, in
Größe und Macht aufzutreten, sondern darum, ob wir in dem, was wir tun,
den Liebeswillen Gottes erfüllen. Und dieser Liebeswille kommt oft genug
am wenigsten in den großen Taten des Lebens vor, als viel mehr in den
kleinen Taten unseres bescheidenen Lebens. In der uneingeschränkten
Zuwendung zum Menschen, zu denen, die uns nahe sind und denen, die uns
fern sind, in der Bereitschaft, eigenes zurückzustellen, um dem Nächsten
zu dienen, darin liegt die Umsetzung dieses Liebenswillens Gottes. Dafür
bekommen wir keinen großen Beifall. Müssen wir aber auch nicht, denn es
ist unsere Dankbarkeit gegenüber Gott, dass wir so handeln dürfen.
Die Ermahnung des Briefes geht nun darin, dass kein Riss klaffen soll
zwischen unserer Bestimmung und dem tatsächlichen Leben. Es scheint also
auch schon in der ersten Christenheit gesehen worden zu sein, dass wir
eben nur Menschen sind, die der göttlichen Bestimmung nicht immer
nachkommen, wie es dem Anspruch Gottes entsprechen würde. Aber auch dazu
gibt es eine Ermutigung: Habt einen langen Atem und tragt einander mit
der Geduld und Kraft, die aus der Liebe kommen. Achtet auf alles, was
euch verbindet: Gottes Geist will, dass ihr eins seid und der Friede
euch zusammenhält.
Geduld mit sich selber, Geduld mit anderen - dazu werden wir ermutigt.
Man hat ja heute den Eindruck, dass alles immer sofort klappen muss und
wenn nicht, dann ist die Person unfähig. Perfektion wird überall gesucht
angesichts hochgesteckter Erwartungen. Viel wichtiger aber ist es doch,
dass wir einen langen Atem haben, mit dem wir einander begegnen. Die Art
und Weise des anderen sehen, seine Gaben und Möglichkeiten, aber auch
Grenzen annehmen. Nicht alles gleich erfüllt sehen wollen, sondern auch
Raum geben zur Entwicklung, zur Veränderung des anderen. All das steckt
für mich hinter dem Gedanken des langen Atems. Darin gilt es Geduld
aufzubringen und eben aus einer Kraft zu schöpfen, die nicht von
Leistung und Erfolg bestimmt ist, sondern von Zuwendung zum anderen.
Geduld und Kraft, die aus der Liebe kommen. Und die Liebe stellt nicht
Anspruche, sucht nicht nach Erfolgen, sondern nimmt den anderen in
seiner Art, so wie er ist.
Und dazu gehört auch, dass wir Menschen in unserem Miteinander nicht
immer nur auf das schauen, was uns trennt. Das ist so schön einfach,
weil das Trennende immer das ist, was uns zuerst auffällt. Durch den
Wahlkampf erscheint dies auch wieder als der normale Umgang. Im
Wahlkampf ist das auch nötig, aber Alltag ist kein Kampftag, sondern
Alltag ist der Ort der Suche nach einem sinnvollen Miteinander aller,
die miteinander umgehen müssen. Und da ist es äußerst hinderlich, wenn
stets und ständig nur auf das Trennende verwiesen wird, wenn
Unterschiede zementiert werden, denn damit kommt man nicht weiter, damit
bleibt man stecken in Vorwürfen und stetem Vorhalten dessen, was nicht
ist oder was nicht möglich ist.
Achtet auf alles, was euch verbindet, das ist das Zauberwort für
menschliche Gemeinschaft. Das Verbindende stärken, es immer wieder laut
werden zu lassen und stark zu machen, das ist Hilfe zum gemeinsamen
Leben in allen Gemeinschaften, angefangen von der Ehe, als kleinste
Lebensgemeinschaft, über die Nachbarschaft bis hin zu Gruppen, die
bestimmte Ziele verfolgen, oder auch bis hin zur gesamten Menschheit. So
sollte z.B. der Umgang mit den Ausländern in unserem Land auch darin
bestehen, danach zu suchen, was uns verbindet, und nicht, was alles
Trennendes zwischen uns steht. Auch das würde sicher helfen, menschliche
Gemeinschaft in unserem Lande und in der Welt zu fördern.
Gottes Geist will, dass ihr eins seid und der Friede euch zusammenhält.
Damit schließt der Schreiber unseres heutigen Predigttextes diese
Ermahnungen. Ich empfinde sie nicht als zu erfüllende Gebote, sondern
wirklich als eine Wegweisung. Die Gemeinschaft der Menschen, die
Einheit, zu der wir durch Gott verbunden sind, sie ist ein Geschenk
Gottes. Gottes Geist will, dass ihr eins sein. Menschliches Denken ist
oft auf Abgrenzung und Trennung aus. Darin liegt sicher auch wichtiges,
denn nur im Unterschied wird auch das eigene deutlich. Es mag darin auch
der Urinstinkt nach Schutz liegen, der uns immer ein wenig Abstand vom
anderen nehmen lässt, aber letztlich sind wir dann als Menschen dieser
Welt doch aneinander gewiesen durch den Gott, der den Menschen unter
seinen besonderen Segen stellt. Und das gilt es eben nicht zu vergessen,
sondern umzusetzen im friedvollen Miteinander aller, die zusammenleben.
Mag der menschliche Friede auch manchmal gestört sein, mögen persönliche
Eitelkeiten Trennungen hervorrufen, auch in der Kirche, auch unter
Glaubenden, umso wichtiger ist es dann, dass wir diese Ermahnungen der
Bibel hören, ihnen nachgehen, sie in ihrer tiefen Wahrheit erkennen als
solche, die dem Leben nicht noch mehr Ansprüche auferlegen, sondern dass
wir uns fallen lassen in das Geschenk der Gemeinschaft, das Gott uns
macht. Die Einheit schafft Gott und sie ist längst vor uns da. Wir
brauchen sie eigentlich nur noch umzusetzen in unserem ganz alltäglichen
Leben.
Amen.
oben
Liturgischer Ablauf
Begrüßung - Orgelvorspiel
Lied: 288,1-4
Psalm 25, 8-15
Eingangsliturgie - Gebet:
Gütiger Gott!
Jeder von uns hat seinen Platz hier in der Kirche eingenommen. Wir
kommen mit unseren eigenen Gedanken und Gefühlen hierher, suchen bei dir
Trost, Wegweisung und Erfüllung.
So bitten wir dich, nimm uns an, ganz persönlich mit dem, was wir
mitbringen, und führe zu zusammen zu einer Gemeinschaft, die sich von
dir angesprochen und gewiesen weis. So lass uns teilhaben an der Fülle
deines Lebens. Darum bitten wir durch Jesus Christus, der mit dir und
dem Heiligen Geist lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
Lesung: Eph 4, 1-6 (Luther)
Lied: 251,1-3+6
Lesung: Mt 15, 21-28
Glaubensbekenntnis
Lied: 346,1-4
Predigt
Lied: 419,1-5
Abkündigungen - Fürbittengebet
Barmherziger Gott!
Dankbar sind wir, dass du uns Menschen führst und leitest, dass dein
Wort uns immer wieder auf deinen Weg führt. Lass uns daraus leben und
unseren Alltag gestalten.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die unter den großen und kleinen
Auseinandersetzungen zwischen Menschen zu leiden haben; sei es in der
Familie, im Beruf, in der Nachbarschaft oder in den Vereinen. Hilf zu
Geduld miteinander und gib Kraft, um füreinander da zu sein und
Trennenden zu überwinden.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die ihren Lebenswert an die Anerkennung anderer
binden, dass sie begreifen, dass ausbleibender Beifall nichts an dem
Wert des Lebens ändert.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten um deinen Geist für den morgigen Tag. Mögen die gewählten
Politiker in ihrer Arbeit das Wohl aller Menschen im Augen haben, eigene
Interessen beiseite schieben und so den Menschen dieser Welt dienen.
Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle Menschen in unseren Gemeinden, denen es schlecht
geht, die von Sorgen belastet sind, dass sie in dir Halt finden. Lass
Menschen nahe sein, die Lasten tragen helfen und deine Liebe
weitergeben. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Vaterunser
Segen
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Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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