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Eph 1,15-23

Himmelfahrt

Jesus Christus herrscht als König, das ist für mich DAS Himmelfahrtslied, deshalb singen wir es auch vor und nach der Predigt. In diesem Lied wird für mich sehr deutlich zum Ausdruck gebracht, was es mit der Feier des heutigen Himmelfahrts­tages auf sich hat. Und der biblische Hintergrund dieses Liedes und Tages ist unser heutiger Predigttext, der im Epheserbrief im 1. Kapitel steht.

Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. Er erleuchte die Augen eures Her­zens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt und wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen, erweist durch das Wirken seiner Kraft und Stärke. Er hat sie erwiesen an Christus, den er von den Toten auferweckt und im Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben hat, hoch über alle Fürsten und Gewalten, Mächte und Herrschaften und über jeden Namen, der nicht nur in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen Welt genannt wird. Alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn, der das Haupt über alles ist, der Gemeinde zum Haupt gegeben; sie ist sein Leib, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.

Diese wie in Stein gemeißelten Worte sind ein Loblied auf Gottes Macht und Stärke, auf Jesus Christus, der nun in der Kraft Gottes wirksam ist, dessen Macht alles andere überragt. Dies wird in kraftvol­len Worten und Beschreibungen getan: Jesus Christus herrscht über alle Reiche, über alle Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was sonst einen Namen hat, und das nicht allein nur in dieser sondern auch in der zukünftigen Welt. Der auferweckte und nun zur Rechten Gottes sitzende Christus hat unbeschränkte Macht über alles.

Deutlich wir dies auch in einem alten Himmelfahrtssymbol: Kreis und Kreuz.

Mich zieht diese Vorstellung sehr an, der Gedanke der Himmelfahrt Jesu gehört für mich neben Karfreitag und Ostern zu den bedeutendsten Aussagen des christlichen Glaubens.

Mich berührt sehr tief die Vorstellung, dass Jesus Christus über allem steht. Es gibt in dieser und der kommenden Welt nichts, was ihm gleich kommt, was neben ihm noch Kraft oder Macht hätte, die ihm entgegenstehen könnte. Und mit diesem Jesus bin ich durch die Taufe verbunden, zu ihm gehöre ich, er hat sich an meine Seite gestellt und lässt mich auch nicht mehr los. Und dadurch gehöre ich in seinen unumschränkten Machtbereich und nichts anderes kann seine Stelle einnehmen über mich und mein Leben bestimmen. So groß die anderen auch in meinen Augen sein mögen, so groß meine Angst vor solchen Mächten und Gewalten auch sein mag, Jesus Christus und seine Macht ist größer, sein Name und damit er selber steht über allen Namen.

Doch es gibt nicht nur die Macht, die von Jesus ausgeht, es gibt ja eine Vielzahl von Mächten und Gewalten, die an uns Menschen zerren, die das Innerste bestimmen wollen. Ein paar davon möchte ich einmal benennen.

Da ist zum Beispiel die allgemeine Meinung. Das ist so eine alltäglich Macht, die uns bestimmt. Wie sieht das aus, wenn wir vielleicht auf Grund einer christlichen Anschauung andere Gedanken in uns tragen, als gerade so allgemein gültig sind? Ich entsinne mich an die Zeiten, wo der Einsatz für Ausländer viel Widerstand hervorgerufen hat. Wer sich für sie stark gemacht hat, stand am Rande, weil die allgemeine Meinung eine andere war, nämlich dass die Menschen hier nicht sein sollten.

Wir haben heute nicht nur Himmelfahrt, sondern auch den 1. Mai. Tag der Arbeiter, Tag der Werktätigen, die über ihre Situation nachdenken. Ich denke, dass auch in diesem Bereich Mächte und Gewalten am Werk sind, denen die Macht Jesu entgegen steht. Die Macht des Geldes und des Kapitals, die Gewalt, die das Gut Arbeit ausübt ist groß. Ich denke da zum Beispiel an die mangende Verantwortung derjenigen, die in großen Betrieben viele Menschen beschäftigt haben. Den größten Zulauf an Arbeitskräften haben im Augenblick die Zeitarbeitsfirmen. Große Industrien stellen immer weniger Menschen ein, brauchen aber Arbeitskräfte und bedienen sich der Zeitarbeitsfirmen. So müssen sie nicht für die Mitarbeiter sorgen, keine Krankheitsausfälle, keine Einsatz für die Menschen, nur noch Arbeitskräfte werden da gesehen. Die soziale Verantwortung für die, die für den Profit sorgen, überlassen wir den anderen, in diesem Fall der Zeitarbeitsfirma, die mit niedrigen Löhnen wenigstens ein wenig Arbeits- und Überlebensmöglichkeiten zur Verfügung stellen. Wir erleben hier die Macht des Kapitals und des Kaptialismus noch viel schärfer als Karl Marx es sich zu seiner Zeit einmal ausgemalt hat.

Die Angst um die Arbeitsplätze führt auch dazu, dass Arbeitnehmer immer weniger auf sich selber achten, oftmals krank zur Arbeit gehen und sich lieber kaputt machen, als den Arbeitsplatz zu gefährden.

Die Macht des Geldes, die Macht der Produktivitätssteigerung, die Macht des Profites und der Dividende führt dazu, das wir Lebens- und Arbeitsverhältnisse in dieser Welt haben, die immer zu Lasten der Arbeitenden geht. Das ist hier im Lande so, aber auch in den Billiglohnländern, wo schlimmste Arbeitsbedingungen und schlechte soziale Absicherungen dafür sorgen, dass wir billigste Waren in den Regalen haben.

Und die Macht des Geldes führt im Augenblick auch dazu, dass Rentner gegen Junge und Junge gegen Rentner stehen, weil jeder sich um seine wirtschaftlichen Absicherungen kümmert und dabei alles andere aus dem Blick verliert.

Und die Macht des Geldes, die Macht der Freiheit und der Selbstbestimmung führen dazu, dass Nahrungsmittel nicht mehr für die Ernährung genutzt werden, sondern für die Mobilität weniger, die bereit und in der Lage sind, mehr Geld dafür auf den Tisch zu legen.

Soweit einige gesellschaftliche Bereich in denen Mächte und Gewalten am Werke sind und Menschen betreffen. Im ganz persönlichen Bereich gibt es noch andere Mächte und Gewalten, die uns betreffen.

Und das sind nicht so sehr die irre geleiteten Menschen, wie der österreichische Vater, der seine Tochter missbraucht hat und ihr und den Kindern über Jahrzehnte das Leben zur Hölle gemacht hat.

Ich denke im persönlichen Bereich an zwei Dinge: einmal an Krankheiten, die uns einnehmen und unser Leben bestimmen. Sie sind ja auch nicht einfach abschüttelbar, wir können sie nicht einfach beiseite schieben, zum Teil nehmen sie ja einen großen Raum im Leben derer ein, die davon schwer betroffen sind.

Zum anderen ist es persönliche Schuld, die Menschen begleitet und bestimmt. Auch das ist eine Macht, die Menschen voll einnimmt, die sie bestimmt und das Leben schwer macht. Schuld begrenzt unsere Lebensfreiheiten, engt uns ein und lässt uns nicht so leben, wie wir es uns wünschen.

All diesen Erfahrungen steht der heutige Tag, das Fest der Himmelfahrt gegenüber, an dem uns gesagt wird: über all diesen Mächten und Kräften, über all den von Menschen in Gang gesetzten und weiter ausgeübten Gewalten steht Jesus Christus, dem dies alles unter seine Füße getan ist. Seine Macht, seine Kraft ist größer als alle Mächte der Welt, und sie reicht über den Tod hinaus kraft seiner Auferstehung.

Diese Botschaft von seiner Herrschaft über alle Mächte und Gewalten bedeutet für mich, dass allein seine Macht Gültigkeit und Zukunft hat. Wenn wir als Menschen gut und sinnvoll miteinander leben wollen, wenn wir in einer globalen Welt friedvoll miteinander leben wollen, dann kann das nur gelingen, wenn wir den lebenswidrigen Mächten entgegen stehen.

Wenn der Himmelfahrtsglaube sagt, dass Jesus Christus der König ist, dann ist das eine ständige und offene Kritik an allem, was dem entgegensteht. Die Botschaft Jesu ist eine kritische Botschaft, die immer wieder danach fragt: wie geht es dem Menschen in der jeweiligen Lebenssituation? Wie geht es ihm, wenn er nicht mehr kreativ handelnder Arbeiter ist, sondern nur noch als austauschbares Objekt innerhalb eines reibungslos zu funktionieren Arbeitsprozesses gesehen und behandelt wird? Ist der Neid nicht verständlich, wenn auf der einen Seite Gewinne gemacht werden, und um des Erhaltes der Gewinne im gleichen Zuge, Menschen in die Arbeitslosigkeit geschickt werden? Und ist der Neid nicht verständlich, wenn unser Wohlstand auf Kosten von Gesundheit und Lebensqualität in fernen Ländern entsteht, wenn wir für unser Wohlleben das nutzen, was für andere Menschen zum schlichten Überleben dienlich wäre?

Jesu Herrschaft stellt unser gesellschaftliches Leben in Frage. Sein Königtum, wenn ich mal so biblisch formulieren darf, fragt nach unserer sozialen Verantwortung füreinander und es macht deutlich, das nur der Einsatz für den Menschen eine Zukunft hat, denn alles andere kann nur dazu führen, dass der Mensch sich gegen den Menschen auflehnt. Christliche Gemeinde hat diese Herrschaft Jesu, die Bedeutung seiner Botschaft und seines Lebens lebendig zu machen, darin sind wir Gefragt als solche, die dem Haupt über alles, wie es der Epheserbrief ausdrückt, nachfolgen sollen.

Und das können wir auch in den persönlichen Bereich hineinnehme, wenn es darum geht, dass uns Gedanken und Gefühle beherrschen wie fremde Mächte. Traut ihnen nicht, setzt die Zuwendung Jesu dagegen. Nicht die Schuld muss das Leben bestimmen, ich darf sie mir auch vergeben lassen, darf im Angesicht Gottes mit neues Leben zusprechen lassen, denn Gott will nicht, dass wir immer vom Gestern leben. Der Herrscher ist der, der liebend und vergebend an und mit den Menschen handelt. Und er ist der, der auch über die Bedrückung des Lebens hinaus Hoffnung und Zukunft bereit hat. Seine Macht gilt hier und in der zukünftigen Welt. Das macht seine Macht auch aus, dass selbst die vermeintlich stärkste Macht der Welt, der Tod in ihm sein Ende findet. So können uns weder Krankheit noch Tod von seiner Macht, von seiner Liebe, von seiner Hingabe trennen.

Wir Christen sind berufen zu einer lebenstragenden, lebensbeja­henden Hoffnung, die ihren Grund in Jesus Christus hat, der nicht nur irgendein Mensch dama­liger Zeit ist, sondern er ist der wahre König, die tragende Kraft und Macht in unserem Leben über alles hinaus, was uns diese Macht verdeckt. Uns soll vor Augen gestellt werden, wie reich wir beschenkt sind durch das Erbe, das Christus uns hinterlassen hat, dass wir mit einer Macht verbunden sind, die durch nichts eingeschränkt werden kann, die durch nichts beendet werden kann, und deren tiefster Hintergrund die Liebe und die Zuwendung zum Menschen ist.

Es ist vielleicht schwer, diesen Bildern und Gedanken, diesen so vollmundigen Gedanken, von der Kraft Jesu Christi und des Glaubens an ihn zu folgen, sie umzusetzen für das eigene Leben und gleichsam in kleine Münze umzusetzen. Vor allem dann nicht, wenn der Glaube, das Vertrauen auf Gott und Jesus Christus auch angefochten ist. Aber gerade dafür ist es gut, wenn man diese vollmundigen Gedanken des Glaubens­ auch wieder einmal so vor Augen gestellt bekommt, das man einmal wieder einen festen Pflock in die Erde gerammt bekommt an dem man sich festhalten kann.

Und un­ser Text beginnt ja auch nicht mit den Worten: was ich euch jetzt sage, das müsst ihr alle gleich verstehen und daran glauben. Sondern dieser Lobpreis beginnt ja mit den Worten: Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht zu welcher Hoffnung ihr berufen seid.

Das Gebet um den Geist, der uns dazu bewegen möge, aus dem so vollmundigen Glauben zu leben, steht deshalb an erster Stelle. Und ich möchte ihnen nicht nur diese Vollmundigen Aussagen über die Macht Jesu Christi und das Befreiende mitgeben sondern uns alle in dieses Gebet des Epheserbriefes mit einschließen. Herr, lass du uns verstehen und teilhaben an deiner, Macht und Kraft, stärke uns dadurch Glaube, Hoffnung und Liebe, auf dass wir gegen alle Mächte und Gewalten an dir festhalten und für die Menschen in dieser Welt handeln. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Lied: 443,1-4

Psalm

Eingangsliturgie

Gebet

Gütiger Gott!

Du hast Jesus Christus in den Himmel aufgenommen, du hast ihm Macht und Ehre gegeben zu deiner Rechten und so seine Worte und Taten zu deinen gemacht. Wir danken dir dafür, dass du so den Himmel und die Erde miteinander verbunden hast, denn mit ihm hast du uns den Himmel geöffnet und der Erde deine Botschaft lebendig gemacht.

So öffne unsre Herzen für dein Handeln und ermutige uns, dein Wort in dieser Welt lebendig werden zu lassen. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus…

Lesung Apg 1,3-4+8,11

Lied 120

Lesung: Lk 24,44-53

Glaubensbekenntnis

Lied 123,1-5

Predigt

Lied 126,6-9+11

Abkündigungen

Fürbittengebet:

Gütiger Gott, wir sind verbunden mit Jesus Christus und damit mit der Macht des Himmels, die uns umgibt.

So bitten wir dich für uns und alle Getauften, dass wir diese Macht als bestimmende Kraft des Lebens wahrnehmen und umsetzen. Hilf uns dabei, ganz an dir orientiert zu sein und den Menschen zu dienen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle, die unter der Last ihres Lebens leiden, unter Schuld und Not. Sei du ihnen nahe und zeige deine Macht in der Vergebung und durch die Hoffnung. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle, die sich einsetzen für eine gerechte Welt, dass sie gehört werden, ums so Menschen zueinander zu führen und das Leben in der Welt zu verbessern. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten dich für alle, die Verantwortung tragen, dass sie ihre Verantwortung vor dir wahrnehmen und sich leiten lassen von deiner Liebe zu den Menschen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir bitten für die Kirchen, dass sie eintreten für die Menschen in aller Welt, auf dass die gute Botschaft überall lebendig wird als Leitgedanke für ein gutes Leben für die ganze Schöpfung. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Wir beten für alle, die bedrückt sind, weil Krankheit, Trauer oder Angst sie begleitet. Sei da in all deiner Kraft, vertreibe die dunklen Mächte aus den Herzen und führe du sie ins Licht des Lebens. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Vaterunser

Segen

163

 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe

1. 5. 2008

Liturgischer
Ablauf
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