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In einem Text von Lothar Zenetti heißt es: Frag hundert
Katholiken, was das wichtigste
ist in der Kirche; sie werden antworten: die Messe. Frag hundert
Katholiken, was das wichtigste ist in der Messe: sie werden antworten: die
Wandlung. Sag hundert Katholiken, dass das wichtigste in der Kirche die
Wandlung ist. Sie werden empört
sein: Nein, alles soll bleiben, wie es ist.
Alles, soll bleiben, wie es ist. Wenn das das Motto des christlichen
Glaubens wäre, liebe Gemeinde, dann wäre die vorhin gehörte
Pfingstgeschichte vermutlich ganz anders abgelaufen. Petrus und die
anderen Jünger hätten beieinander gesessen in ihrem Haus, man hätte sich
Erinnerungen an Jesus erzählt. Draußen hätten Menschen aus verschiedensten
Regionen und Ländern gestanden. Einige wurden sich fragen, was eigentlich
aus dieser Sache mit Jesu geworden ist? Aber die scheint sich wohl
erledigt zu haben. Und in dem Haus, wo die Jünger versammelt waren, wäre
Petrus aufgestanden und hätte verkündet:
Liebe Freunde in der Erinnerung an Jesus! Inzwischen haben wir uns daran
gewöhnt, dass unser Freund Jesus nicht mehr bei uns ist. Vor den Juden
haben wir nichts mehr zu befürchten sie haben sich langsam beruhigt. Warum
sollten wir von der Sache wieder anfangen? Wir haben unsere Ruhe. Das ist
gut so, das soll so bleiben! Dann und wann wollen wir uns treffen um das
Andenken Jesu in Ehren zu halten. Im übrigen soll alles so bleiben, wie es
ist. Das ist für alle Beteiligten das Angenehmste. Und die Fremden draußen
haben nichts dazu beizutragen, sie würden in unserer Gruppe nur stören.
So trafen sich die Jünger noch öfter, wurden älter, fingen an, sich zu
langweilen, so ist
die Welt eben. Mit den Jahren starben sie und mit ihnen ging die Sache
Jesu zu Ende. Man redete nicht mehr viel darüber, denn Belanglosigkeiten
haben das gleiche Schicksal wie Eintagsfliegen.
Die Sache Jesu wäre im Sand der Bedeutungslosigkeit verlaufen, gäbe es
Pfingsten nicht. Alles soll so bleiben, wie es ist! - das ist im Grund
eine antipfingstlerische Aussage, die nur Jesu Tod besiegelt, die der
Lebendigkeit des Auferstandenen entgegensteht und die damit auch
Entwicklung und Entfaltung des Glaubens hemmt. Pfingsten aber ist das
Fest, das Menschen in Bewegung bringt, insofern wir uns zu Pfingsten der
Lebendigkeit des Anfanges der Kirche aussetzen. Die Bibel berichtet von
einem gewaltigen Brausen und die Gläubigen waren plötzlich erfüllt von
etwas, das sie veränderte. Petrus verlässt den Raum des Hauses, in dem die
Jünger versammelt waren, die anderen tun es ihm nach. Es wird geredet mit
den Umstehenden, mit denen aus dem eigenen Land genauso wie mit den
Ausländern. Es war ein Geschehen, das nach außen hin so aussah, als ob die
Menschen berauscht sind von Alkohol. Und wo ist diese Lebendigkeit in der
Kirche geblieben, wo ist die Bewegung, die Kirche ausmacht, geblieben? Wo
ist bei uns die pfingstlerische Wandlung zu spüren? Sind wir so geistlos
geworden, dass wir dem Wirken des Geistes nichts mehr zutrauen, dass wir
lieber bei den Gedanken bleiben, wie wir immer zu denken pflegen. Und das
sind meist Gedanken, die auf uns selber bezogen sind, auf die Bereiche, wo
es uns gut geht, aber auch darauf wo wir negatives Erleben. Und dann tritt
neben den Satz: es soll alles so bleiben, wie es
ist, ein anderer Satz: es ist eben so, wie es ist, wir können ja doch
nichts machen. Wir schauen auf die Ereignisse unserer Welt, auf die
Hilflosigkeiten, die wir darin erleben,
auf die Unmöglichkeiten wirkliche Veränderungen und Wandlungen
herbeizuführen. Gerade unsere wirtschaftliche, soziale und politische
Entwicklung führt uns oft genug hinein in diese Gedanken der
Hilflosigkeit.
Wir bleiben lieber in unserem Raum, in unseren vier Wänden, den
kirchlichen und privaten. Wir können ja doch nichts tun, es ist alles zu
groß, zu schwer für uns. Wir wollen wohl Jesus ein ehrendes Andenken
bewahren aber sonst bleibt alles, wie es ist.
Liebe Gemeinde! Pfingsten erinnert uns daran dass wir nicht in diese
verschlossenen Räume gehören, wo wir nur mit uns selber beschäftig sind
und mit unseren resignierenden Gedanken Wir gehören als Christen nach
draußen. Und ich
meine damit natürlich wieder nicht den Wald, in dem wir spazieren gehen
heute, sondern nach draußen in die Welt, wo wir inmitten der trostlosen
Welt von den guten Taten Gottes erzählen sollen, wo Gottes Geist wehen und
wirksam werden will.

Ich haben ihnen dazu ein Bild mitgebracht. Es ist das Logo der
Weltversammlung der Christen in Seoul aus dem Jahr 1991.
Dieses Bild ist für mich ein pfingstliches Hoffnungsbild, das mir gerade
für den heutigen Pfingsttag große Bedeutung zu haben scheint, wenn es
darum geht, uns Christen in Bewegung zu bringen, um den Problemen der Welt
die große Taten Gottes entgegenzusetzen, wie es in der Pfingstgeschichte
heißt.
Die Taube in der Mitte dieses Bildes füllt einen großen Teil des Kreises
aus, und das heißt so viel wie: Gottes Geist erfüllt die Mitte des
Weltkreises. Und diese Taube, das Symbol des heiligen Geistes zerstört
eine Kette. Sie zerstört die Kette
unserer Gefangenschaften: die Gefangenschaf in unserer Hilflosigkeit, die
Gefangenschaft des: "so ist es nun einmal, da können wir nicht dran
machen", die Gefangenschaft aber auch der Ungerechtigkeit, der
Unmenschlichkeit, der Gewalt unter den Menschen. Gottes Geist, Gott selber
macht Hoffnung, dass nichts so bleiben muss, wie es ist, dass auch unsere
Hoffnungslosigkeit angesichts der Probleme der Welt nicht
so bleiben muss, wie sie im Augenblick ist. Gottes Geist ermutigt dazu,
immer wieder neu nach vorne zu schauen, nachzudenken, miteinander zu
reden, neue Wege zu suchen und auszuprobieren.
Pfingsten kamen durch Gottes Geist die unterschiedlichsten Menschen ins
Gespräch, Menschen aus verschiedensten Ländern, Völkern und Rassen. Sie
sind für mich darin auch Bild für die unterschiedlichen Sprachen, die wir
im eigenen Lande sprechen. Gott Geist ermutigt zum Gespräch über trennende
Sprachen hinweg, zur gemeinsamen Suche nach neuen Wegen der Gemeinschaft,
nach neuen Wegen der Schaffung von Frieden, nach neuen Wegen zur
Gerechtigkeit,
die die Ketten der Abhängigkeit lösen, er ermutigt auch zur gemeinsamen
Suche nach Wegen zur wirklichen Bewahrung der Schöpfung.
Gottes Geist ermutigt zu neuen Wegen, nicht weil wir meinen, dass doch
etwa geschehen müsse, das wäre für mich keine Ermutigung, sondern weil wir
auf Gottes Taten sehen und da-
durch vertrauen haben können: Nach der Sintflut hat Gott gesagt; Solange
die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze,
Sommer und Winter, Tag und Nacht. Gott gehört die Erde und er will diese
Erde erhalten. Diese Verheißung schafft für mich Ermutigung und Motivation
genug, das zerstörerische, menschliche Tun nicht als unabdingbar und
endgültig anzusehen, sondern Gottes Wille zur Bewahrung seiner guten
Schöpfung zu verfolgen. Jesus hat uns gezeigt, dass zum Miteinander in der
guten Schöpfung auch die Gerechtigkeit gehört, in der Mensch und Natur ein
gleiches Recht auf Leben haben, dass unter Menschen niemand mehr und
keiner weniger Rechte hat, auch wenn man in unterschiedlichen Regionen
dieser Welt lebt. Jesu hat in seinem Bereich diese Gerechtigkeit gelebt
und sie ist für mich Ermutigung sie auch in unserem Verantwortungsbereich
zu praktizieren.
Gott hat in Jesus auch gezeigt, dass Frieden zwischen Menschen und Frieden
mit Gott allein die Grundlagen für ein wirklich menschliches Zusammenleben
bieten. Jesus hat den Anfang gemacht, er hat Frieden mit Gott für uns
bewirkt, durch ihn haben wir wirklichen Frieden. Das ist für mich.
Ermutigung, diesem Frieden auch unter den Menschen anzustreben und
weiterzugeben. Und ich vertraue darauf, dass Gottes Geist in all diesem
Bemühen wirksam ist, dass er, wie auf unserem Bild, wirklich Mitte dieses
Bestrebens nach Bewahrung der Schöpfung, Gerechtigkeit und Frieden ist.
Die gemeinsame Suche nach Möglichkeiten, Gottes Willen unter uns wirksam
werden zu lassen, wird das erweisen.
Liebe Pfingstgemeinde!
Das wichtigste an der Kirche ist die Wandlung, so hat Lothar Zenetti in
seinem Text am Anfang deutlich gemacht. Das Pfingstfest, an dem wir die
Ausgießung des Heiligen Geistes feiern, will uns zu solcher steten
Wandlung ermutigen. Nichts ist und bleibt, wie es ist. Gott ist lebendig,
Gottes Geist macht lebendig, er führt auf Wege weg vom Tod und weg von
Hoffnungslosigkeit und Resignation, hin zu einer lebendigen und bewegten
Zukunft. Aufgaben gibt es genug, lassen wir Gottes Geist wirksam sein,
lassen wir uns durch ihn in Bewegung bringen und lassen wir uns wandeln
durch die
großen Taten Gottes. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 135, 1-3+5
Psalm 118, 24ff
Eingangsliturgie
Gebet EGb S 341 - 2. Gebet
Lesung: Apostelgeschichte 2
805 Nicänisches Glaubensbekenntnis
Lied: 134, 1,2,5,7
Predigt
Lied: Wir bitten dich schenk uns Weisheit
(Noten über Jürgen Grote)
Abkündigungen
Fürbittengebet
Sprecher: Herr Jesus Christus, du bist das entscheidende und endgültige
Wort Gottes an uns Menschen. Wir danken dir, dass du durch den Heiligen
Geist in uns gegenwärtig bist, um uns zu sagen, wie wir leben können und
wie wir den Weg zum Vater finden.
Alle: Wir danken dir, dass du uns durch dein Wort zu dir gerufen hast.
Sprecher: Herr, wir danken dir, dass du gekommen bist, um uns den Frieden
von Gott zu bringen, dass du die Mauer abgerissen hast, die zwischen uns
und Gott, zwischen uns und anderen Menschen stand.
Alle: Herr, wir danken dir, dass du uns durch dein Wort die Vergebung
unserer Schuld verkündest und uns den Mitmensch als Bruder und Schwester
vor Augen stellst.
Sprecher: Herr, wir bitten dich, lass uns in Zweifel, Angst und Sorge
immer fragen: Herr, zu wem sollen wir gehen? Sage uns deine Worte, die
ewiges Leben geben, damit wir Hoffnung haben können.
Alle: Lass uns erkennen, dass uns in deinen Worten Gott selbst begegnet
und du Antwort auf unsere Fragen gibt. Denn du. bist gekommen, dass wir
durch dich das Leben und Zukunft haben.
Sprecher: Herr, dein Wort ist uns Hilfe und Trost. Doch wir können es oft
so schwer verstehen, weil wir mit unseren lieb gewordenen Vorstellungen
das rechte Hören und Verstehen deines Wortes hindern und am toten
Buchstaben haften bleiben.
Alle: Wir bitten dich, sende uns deinen lebendig machenden Geist, damit
wir verstehen, was du heute unserer Welt sagen willst, und dass wir damit
leben können.
Sprecher: Herr, du bist das Licht, das die Welt hell und klar macht. Wenn
wir zu dir gehören, sind wir im Licht, durch das wir das wirkliche Leben
finden.
Alle: Hilf uns, dass wir uns immer an das Licht deines Wortes halten, wenn
wir im Dunkel gehen, denn du führst uns in ein neues Morgen.
Sprecher: Herr, du holst uns durch dein Wort der Liebe aus unserer
Vereinsamung und Ichbezogenheit heraus und stellst uns in die Gemeinschaft
aller, die zu dir gehören.
Alle: Wir danken dir, dass du durch dein Wort Raum und Zeit überbrückst
und uns hier und überall, damals wie heute, das Angebot deiner Liebe
machst.
Sprecher: Herr Jesus Christus, dein Wort sei unseren Füßen eine Leuchte
und ein Licht auf unseren Wegen.
Alle: Du bist das Wort der Liebe und des Lebens.
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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