|
|
|
Endlich habe ich das Schreiben erhalten. Ich weiß gar
nicht warum die immer so zurückhaltend sind und erst genau prüfen müssen.
Die wissen ganz genau, dass ich, Saulus, einer derjenigen bin, die sich
150% für unseren Gott einsetzen. Ich bin Schüler bei Gamaliel gewesen,
einem der bedeutendsten jüdischen Lehrer unserer Zeit. Ich kenne mich aus
in den Heiligen Schriften, da macht mir keiner was vor. Und wenn da einer
quer kommt, dann haben wir diese Elemente auszusondern, einzusperren. Wo
kommen wir denn da hin, wenn jeder meint aus unserem Glauben einen Popanz
zu machen. Nein, nein mit mir nicht,
Diese Leute, die da umherziehen und von diesem Jesus aus Nazareth die
unmöglichten Dinge erzählen. Furchtbar, was da verbreitet wird. Der
Messias soll er sein. Der Heiland. Als ob der der Heiland sein könnte.
Kennen sie dessen Geschichte? Ja. Schon gehört. Zimmermannssohn ist er.
Der Messias ein Zimmermannssohn. Ja wo sind wir denn? Gott sucht sich doch
nicht so einen dahergelaufenen Zimmermannssohn aus. Messias, das ist ein
Befreier unseres Volkes, das ist ein Lichtgestalt, aber doch nicht der.
Und dann seine Reden. Man gut, dass ich die nicht gehört habe, ich glaube
ich wäre ausgerastet. Wie hat er meine frommen Glaubensgeschwister die
Pharisäer immer fertiggemacht. Der hat ja kein gutes Haar an ihnen
gelassen. An Menschen, die sich nun wirklich in allem nach den
Vorschriften unseres Gottes richten. DA wird nicht aufs Geld geschaut. Der
Zehnte, das ist doch klar. Und wenn das Einkommen noch so klein ist, der
zehnte wird gegeben. Der Tempel ist heilig und das Geld ist gut angelegt.
Und die Essensvorschriften und vor allem der Sabbat. Da gibt es nichts.
Bei uns Pharisäern wird das penibel eingehalten. Es mag ja auch manche
Juden geben, bei denen das sehr viel laxer gehandhabt wird, aber nichts
bei uns. Und wir halten uns auch fern von allen, die mit Gott nicht zu tun
haben wollen. Die Aussätzigen, die Kranken, und vor allem die Zöllner. Wir
verunreinigen uns doch nicht. Nein, nein, wir stehen auf der Seite Gottes,
und wenn die anderen das nicht so wollen, ja dann leben sie eben ohne
Gott. Das ist doch wohl ganz und gar ihr Problem.
Und dann kommt dieser Jesus, und beschimpft dafür uns Pharisäer, habe ich
zumindest gehört. Ich habe diesen Jesus ja nie gesehen. Die Kranken
bedürfen des Arztes, und der Sabbat ist für die Menschen da und nicht der
Mensch für den Sabbat. Wo bleibt denn da die Ordnung? Wonach sollen sich
die Menschen denn dann richten, wenn dieser Jesus meint, dass man alle
Ordnung außer Kraft setzen kann? Ist Gott denn ein Gott der Unordnung?
Haben wir nicht gerade in der Schöpfung gelernt, dass Gott Ordnung
schafft, das Chaos beseitigt und der Welt eine Ordnung gibt? Und die
Gesetze, die sind doch dafür da, dass wir Menschen vernünftig miteinander
leben. Das kann man doch nicht einfach so außer Kraft setzen. Also nein,
das ist keine Botschaft die den Menschen hilft und schon gar nicht kann
das die messianische Botschaft Gottes sein. Jesus der Messias, der
Christus, wie die Griechen hier sagen, das ist ja wohl das allerletzte.
Aber es kommt ja noch viel schlimmer. Nachdem unsere obersten Führer ihn
wegen Gotteslästerung endlich angeklagt und verurteilt haben, und Pilatus
glücklicherweise mitgemacht hat, da kommen nun die Anhänger von diesem
Jesus und wollen uns erzählen, dass er auferstanden sei. Das ist doch wohl
die Höhe. Also zuerst einmal: Der Messias am Kreuz jämmerlich gestorben,
das ist ja wohl das Hinterletzte. Man kann doch nicht behaupten, dass Gott
den Befreier jämmerlich am Kreuz sterben lässt wie jeden Verbrecher.
Dieser Jesu ist zurecht gestorben, er hat sich gegen Gott vergangen. Er
war einer der schlimmste Sünder, die man sich vorstellen kann, dieser
Gotteslästerer. Und nun kommen diese Leute und erzählen, dass er lebt, das
er der wahre Sohn Gottes, der wirkliche Befreier der Menschen wäre. So ein
Quatsch. Wie sieht denn die Welt aus. Sie ist doch immer noch so schlimm
und die Römer sind immer noch da. Also. Schluss. Diesem Gerede müssen wir
ein Ende bereiten. Diese Leute gehören eingesperrt, denen gehört der
Prozess gemacht, die bringen hier eine viel zu große Unruhe ins jüdische
Leben. Und deshalb werde ich mich jetzt auf den Weg machen nach Damaskus.
Ich werde sie alle gefangen nehmen und gefesselt nach Jerusalem bringen.
Damaskus wird Christenfrei, das verspreche ich euch.
Abgang
Im Hintergrund: Hananias, Hananias, hast du’s schon gehört. Saulus kommt.
Und er hat die Vollmacht vom Hohen Rat in Jerusalem er darf uns gefangen
nehmen. Er will uns alle nach Jerusalem ausliefern. Wir müssen uns
treffen. Komm in einer Stunde zu Priscilla in den Hinterhof. Da sind wir
sicher.
Auftritt:
Das kann doch nicht wahr sein. Jetzt geht es wirklich los. Sie schicken
ihre Schergen, um uns gefangen zu nehmen, und wahrscheinlich müssen wir
all sterben, so wie Jesus. Warum nur? Warum nur? Herr, Jesus, gibt es denn
einen Grund dafür, warum deine Botschaft sich nicht durchsetzt, warum
diese Juden uns so hassen? Wir tun ihnen doch nichts, wir glauben doch an
Gott, den Vater Abrahams und Isaaks und Jakobs. Wir glauben an dich Jesus,
den Christus, der du uns die Augen geöffnet hast für Gottes Liebe zu allen
Menschen. Du bist dafür sogar ans Kreuz gegangen. Du bist für die
Botschaft der Liebe nicht einen Schritt zurückgegangen und hast dich sogar
töten lassen. Und Gott hast dich in seinem Reden und Handeln bestätigt, er
hast dich auferweckt, du lebst und berührst uns. Und jetzt soll das alles
wieder vorbei sein, weil dieser Saulus, die Möglichkeit hat, uns hier
zunichte zu machen. Gott, das kann doch nicht sein? Endlich haben wir eine
Botschaft mit der wirklich leben können. Wir haben Worte, die uns tief im
Herzen berühren, Worte die uns Hoffnung schenken. Wie sehr war ich immer
darum bemüht, vor Gott alles richtig, alles korrekt zu machen, aber ich
bin immer wieder gescheitert. Bis diese Botschaft in mein Herz dran, dass
deine Liebe auch denen gilt die nicht alles richtig machen, die sich auch
am Ende sehen, die keiner wirklich haben will und die andere beiseite
drücken. Das war für mich wie ein Befeiungsschlag. Und das darf nicht
zunichte gemacht werden, nicht durch einen wie Paulus, der nur das Gesetz
kennt, aber nicht deine Liebe. Gott sei mit uns, dass nicht sein Hass,
sondern deine Zuwendung zu uns Menschen siegt. Herr, Jesus Christus, sei
du bei uns und stärke uns. Denn auf dich allein setzen wir alle Hoffnung.
Abgang
Im Hintergrund:
Saul, Saul, warum verfolgst du mich?
Herr, wer bist du?
Ich bin Jesus, den du verfolgst. Geh in die Stadt und warte dort.
Seit drei Tagen bin ich jetzt hier und ich verstehe es immer noch nicht,
was da mit mir geschehen ist. Der Weg nach Damaskus war wie immer. Ich war
damit beschäftigt mein Reden gegen die Christen innerlich auszuarbeiten,
als plötzlich diese merkwürdige Stimme da war. Niemand wusste woher sie
kam. Gesehen haben wir niemanden. Mich hat es total umgeworfen. Da hat
mich jemand im tiefsten Innern angesprochen, mich in Frage gestellt. Und
jetzt, ja jetzt bin ich wie blind. Ich weiß einfach gar nicht mehr was
richtig und was falsch ist.
Herr, wer bist du? habe ich gefragt. Ja es war wirklich so. Das war eine
Stimme, die von einem war, der mir Herr sein will. Und dann die Antwort,
ich kann es nicht fassen: Ich bin Jesus, den du verfolgst.
Ich kann alles sehen, das ist nicht das Problem, aber ich bin blind für
all das, was es mir sagen will. Ich verstehe die Welt nicht mehr, sie ist
mit einem Mal total anders. Ich bin auf dem Weg die Christen gefangen zu
nehmen und da ist diese Stimme, die mich vollkommen einnimmt. Ich esse
nicht, ich trinke nicht, seit drei Tagen. Blind und wie gelähmt sitze ich
hier in meinem Zimmer. Was hat Jesus vor mit mir?
Was stelle ich hier eigentlich für Fragen. Was hat Jesus vor mit mir? So
ein Quatsch. Jesus ist tot. Gestorben. Der kann nicht reden!
Aber ich hab doch seine Stimme vernommen, das kann doch keine Einbildung
sein. Nicht bei mir, nicht bei mir, der ich diesen Jesus nie gehört habe.
Ich will doch seine Anhänger ausmerzen, da kann ich doch nicht solche
Gedanken haben.
Und dann noch dieser Traum heute Nacht. Ich habe mich gesehen, blind hier
liegend. Und dann kommt jemand, der mich segnet und ich werde wieder
sehend.
Gott, kannst du mir sagen, was das alles bedeuten soll? Was hast du mit
mir vor? Das frag ich dich.
Abgang
Im Hintergrund:
Hananias, Hananias.
Ja, Herr, hier bin ich.
Hananias, Geh zum Haus des Judas. Dort wirst du Saulus aus Tarsus finden.
Geh zu ihm und lege ihm die Hände auf.
Aber Herr, ...
Tu, wie ich dir gesagt habe.
Das kann doch nicht wahr sein. Ich soll zu Saulus gehen, zu dem, der uns
Christen hier gefangen nehmen soll. Alle haben sie Angst vor ihm. Da war
keiner bei Priszilla, der sich nicht fürchtete. Doch wir haben uns Mut
gemacht, so wie Jesus durchzuhalten, auch wenn wir leiden müssen. Aber
heißt das dann auch, dass ich in die Höhle des Löwen gehen muss. Soll ich
wirklich einfach zu ihm gehen und sagen: siehe, hier bin ich. Ich soll
dich segnen. Und dann nimm mich mal schön gefangen und bring mich nach
Jerusalem.
Vielen Dank, das muss ja nun wirklich nicht sein.
Aber es ist Gottes Auftrag. Wenn Gott das will, dann wird das schon seine
Bedeutung haben. Wir hatten doch auch bei der Kreuzigung geglaubt, dass
jetzt alles aus ist. Und doch hat Gott den Herrn auferweckt, hat seine
Botschaft groß und stark gemacht. Er wird das doch nicht getan haben, um
wieder alles zunichte zu machen.
Segnen soll ich ihn. Saulus den Verfolger segnen. Ihm gutes anbefehlen,
ihn mit Gottes Kraft begaben. Wofür? für das Gelingen seiner Mission im
Auftrage des Hohen Rates? Er ist doch ein Gesandter des Todes.
Und ich, was bin ich? Wenn Gott will, dass ich ihn segne, wenn Gott will,
dass ich ihn mit Gottes Kraft begabe, dann könnte das vielleicht auch
heißen, dass Gott ihn auf die Seite des Lebens holen will. Will Gott ihn
vielleicht verändern, hat er vielleicht größeres mit ihm vor? Hat nicht
Gott auch aus dem Kreuz etwas wichtiges und gutes schaffen können? Und hat
nicht auch Jesus den Weg zu den Feinden gesucht. Bin ich womöglich ein
Gesandter des Lebens für den Gesandten des Todes?
Ich will Gott vertrauen, ich will mich in seinen Dienst stellen, auch wenn
es mir sehr schwer fällt.
Abgang
„Bruder Saul“ hat er gesagt. Das muss man sich vorstellen. „Bruder“ Saul
und er hat mir die Hände aufgelegt. Dieses Jesus hat einfach die Kraft
Menschen wirklich zu verändern. Und mich hat er auch verändert. Da ist ja
nichts mehr so wie vorher. Ich fass es nicht. Ich bin hierher gekommen um
die Christen gefangen zu nehmen und seit heute gehöre ich dazu. Was für
ein erhebendes Gefühl.
Bruder Saul. Ich habe das nie verstanden, wenn man mir erzählt hat, dass
Jesus gesagt hat, du sollst deinen Feind lieben. Wie konnte dieser Christ
Hananias einfach so auf mich zugehen, mich Bruder nennen? Ich war sein
Feind, ich wollte ihn gefangen nehmen, wollte unsere ganze Gruppe gefangen
nehmen, und der kommt zu mir und sagt: „Bruder“. Da ist mir erst mal
aufgefallen, was für ein Mensch ich war. Blind für die Menschen um mich
herum. Blind für das Menschliche im Leben, blind für das, was man Liebe
nennt, ich meine wirkliche Liebe, eine die nicht nachrechnet, die nicht
vereinnahmend ist, eine die nichts will und fordert. Ich saß da in meinen
Zimmer, blind für das wirklich Wichtige im Leben und er kommt und öffnet
mir die Augen. Bruder Saul, das war wie eine Liebeserklärung, das war
tiefe Annahme. Er hat es auch gesagt, woher die kommt. Nicht weil Hananias
mich so toll fand, er hat Angst gehabt, zu mir zu kommen, aber er hat
Gottes Liebe zu mir ernst genommen und darauf gesetzt. Mensch, was habe
ich machen wollen. So etwas kann und darf man doch nicht verfolgen, so
einen Glauben darf man doch nicht zerstören.
Wir mit unseren Gesetzen. Ja sie geben uns Hilfe und sie sind gewiss von
Gott, sie sind gut und heilig, aber viel heiliger und besser ist die
Liebe, die nach dem Menschen fragt, die ihn an erste Stelle stellt, mit
allem was ihn ausmacht. Gemeinschaft, Annahme und vor allem Hoffnung. Ich
habe die Welt noch nie so klar gesehen, so mit den Augen Gottes gesehen
wie jetzt. Ich war nicht nur drei Tage, sondern dreißig Jahre blind für
den wirklichen Gott. Tod fürs Leben war ich, aber jetzt bin ich lebendig
geworden. Drei Tage hier – so wie Jesus – drei Tage im Grab. Aber jetzt
bin ich anders, verändert, ganz neu. Christen verfolgen im Auftrag des
Hohen Rates – nein vielen Dank. Den Auftrag könnt ihr zurück haben.
(Zerreißen eines Schriftstückes) Ich haben einen neuen Auftrag: hingehen,
die gute Botschaft verkünden, vom lebendigen Christus erzählen, von der
Hoffnung, der Zukunft und der Liebe zu allen Menschen. Botschafter des
Lebens – so hat Hananias sich verstanden. Das möchte ich auch sein. Und
das für alle Menschen für Juden genauso wie für die Heiden. Mal sehen, was
draus wird. Gott wird das Seine schon dazu tun, dass es gelingt.
Orgelvorspiel
Lied: 326, 1-4
Psalm 147 i.A. vgl. Lektionar
Eingangsliturgie
Gebet:
EGb S. 373 Gebet 1
Lesung: Apostelgeschichte 9
Glaubensbekenntnis
Lied: 268,1-5
Rollenspiel mit Musik zwischendurch
Lied: 184,1-5
Abkündigungen
Fürbittengebet
Guter Gott, wir bitten dich:
Hilf uns, in jedem Menschen dein Geschöpf zu erkennen.
Hilf uns, den Fremden freundschaftlich zu begegnen und Vorurteilen
entgegenzutreten.
Hilf uns, auch diejenigen nicht zu verachten,
deren Lebensweise wir nicht verstehen.
Hilf uns, Wege zu gehen, die zu Verständigung und Verständnis führen.
Hilf uns, das Gute im Menschen zu suchen und niemanden für unbelehrbar zu
halten.
Hilf uns, deinen Wundern mehr zu vertrauen als unseren Möglichkeiten.
Hilf uns, dein Wort zu hören und danach zu handeln.
Vaterunser
Segen
163
Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
oben
| |
|