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Apg 2, 22-23.32-33.36-39  

Ihr Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus von Nazareth, von Gott unter euch ausgewiesen durch Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst -  diesen Mann, der durch Gottes Ratschluss und Vorsehung dahingegeben war, habt ihr durch die Hand der Heiden ans Kreuz geschlagen und umgebracht. ...  Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dessen sind wir alle Zeugen.  Da er nun durch die rechte Hand Gottes erhöht ist und empfangen hat den verheißenen Heiligen Geist vom Vater, hat er diesen ausgegossen, wie ihr hier seht und hört. [ ... ]  So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat.  Als sie aber das hörten, ging's ihnen durchs Herz und sie sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun?  Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.  Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird.

Petrus steht in Jerusalem vor dem Haus, in dem die Jünger sich versammelt hatten und wo das große Pfingstereignis stattgefunden hat. Bis vor kurzem noch kamen die Jünger dort zusammen, um mehr ihre Unsicherheit gemeinsam zu tragen. Denn wie war das damals: Als Jesus gekreuzigt wurde, da dachten die Jünger, es sei alles aus. Die Sache mit Jesus, seine Gedanken und Visionen – ans Kreuz genagelt, aus und vorbei. Sie waren traurig und bedrückt. Dann aber kam Ostern, und mit ihm die Auferstehung kam neues Leben, kam wieder Licht in ihre düstere Welt. Die Sache mit Jesus ist nicht vorbei, sein Gott ist stärker als die Mächte dieser Welt. 40 Tage – so wird erzählt – hatte sie dann noch eine gemeinsame Zeit, voon deren Inhalt uns allerdings wenig berichtet wird.

Und dann kam der Tag der Himmelfahrt. Wieder ein Abschied, wieder eine Trennung, wieder diese große Ungewissheit. Jesus war nicht mehr greifbar, wie wird es jetzt weitergehen? Sind wir nun allein auf uns gestellt? Oder gilt, was Jesus sagt, dass er seine Freunde weiter begleitet?

50 Tage nach Ostern, 10 Tage nach Himmelfahrt war es soweit. Die Jünger erlebten das große Ereignis, dass Wind und Feuer sie ergreifen und erfüllen mit einer Kraft, die nicht aus ihnen selber kommt. Gottes Geist kam vom Himmel herab, erfüllte die Freunde Jesu und brachte sie auf den Weg zu den Menschen. Und es ist ein Geist der Trennungen überwindet, der Menschen in einer Sprache sprechen lässt.

Die Umstehenden wissen zunächst nicht, was sie sagen sollen. Sind die alle betrunken, oder was geht hier vor? Petrus, der nun innerlich gewiss ist, dass er nie wieder ohne Gottes Geleit sein wird, stellt sich auf die Straße und predigt. Das hat er in den letzten Wochen nie getan, viel zu viel Angst hat er gehabt, wie Jesus zu enden. Doch nun trägt er so viel Gewissheit in sich, dass er ohne Angst in die Öffentlichkeit geht, um die Menschen für die gute Botschaft zu werben.

Gott hat seinen Geist über die Menschen ausgegossen, den Geist, den Gott lange verheißen hat.

Es ist dies bis heute eine Zumutung an alle Menschen und doch tritt Petrus mutig, selbstbewusst und ohne Scheu vor die Menschen und tritt für diese Botschaft ein. Er macht deutlich: der gekreuzigte Jesus von Nazareth, den Gott nicht im Tod belassen hat, der sitzt zur Rechten Gottes, lebt von Gottes Geist und gibt uns Menschen daran auch Anteil. Dieser Geist ist so etwas wie ein Motor im Leben der Christen.

Wobei es im Leben sehr viele Motoren gibt, die unser Leben antreiben. Wir sind und wir waren in unserem Leben von verschiedensten Geistern erfüllt. Dabei geht es nicht um Besessenheit oder um okkulten Schnick-Schnack, sondern um den Moter, der uns alle antreibt. Der Motor, der unserem Leben den Takt gibt, der uns drängt, das nächste anzugehen und auf das nächste Ziel hinzuarbeiten. Diesen Motor nenne ich den Geist, der in uns ist. Einer dieser Motoren ist z.B. Die Liebe. Wer liebt, der ist begeistert von dem, dem er seine Liebe schenken kann. Und Liebe ist ein sehr starker Motor - es ist einer, der ganz wenig Benzin verbraucht, lange laufen kann und unglaublich stark ist. Er bringt in Bewegung und er bringt Veränderung im Leben. Der Geist der Liebe er ist ausgerichtet auf den anderen und lässt die Welt anderes wahrnehmen.

Ein anderer Motor des Leben ist die Arbeit, die Aussicht auf Erfolg und Anerkennung. Er setzt viele Energien frei, die das Leben interessant machen. Aber es ist auch ein Motor, der sehr viel Kraft kostet, Kraft bindet, in den man viel hineinstecken muss, was anderswo an Kraft dann fehlt.

Ein anderer Motor des Lebens ist die Zuwendung, die Freundschaft und die Bereitschaft, von sich etwas herzugeben. Es ist der Motor der Gemeinschaft, der Menschen aufeinander zu gehen lässt und miteinander leben lässt.

Aber es gibt auch die dunklen Motoren im menschlichen Leben. DA ist zB. der Hass, der Menschen dazu bringt, sich gegen andere zu stellen, sie auszugrenzen, zu verachten  oder gar körperlich zu verletzten. Es gibt den Motor Eifersucht, der nur Besitz ergreifen will vom anderen ohne das Lebensrecht des anderen zu achten und zu fördern.

Und wir kennen alle auch den Motor der Verblendung. Da sind Menschen nur noch auf eine Sache fixiert, so von einer Sache eingenommen, dass sie nichts anderes mehr sehen. Ich denke da z.B. an Fußballfanatiker, die nach einem verlorenen Spiel nicht hinwissen, wohin mit ihrem Frust und ihrer Enttäuschung durch Gewalt Luft machen, die Fan der Siegermannschaft angreifen oder Gegenstände zerstören. Oder ich denke an die Todesflieger aus New York und die Selbstmordattentäter in Palästina, die völlig verblendet sind auf Grund einer Ideologie und denen jedes Mittel recht ist, diese Ideologie durchzusetzen. Was stecken da für Antriebskräfte hinter, was für ein Geist herrscht da, dass Menschen zu so etwas fähig gemacht werden – und leider auch im Namen eines Gottes fähig gemacht werden.

Auch die Bibel kennt solche Motoren, solche Menschen, die auf Grund von Verblendungen unmenschliches tun. Und wenn wir ehrlich mit uns selbst sind, werden auch wir wissen, dass unterschiedliche Geister auch in uns selber sind. Auch wir sind nicht gefeit vor Neid und Eifersucht oder vor Hass- und Rachegedanken. Das Böse steckt auch in jedem von uns. Aber Petrus macht uns deutlich, dass wir diesen Geistern nicht einfach ausgeliefert sind, sondern dass wir ihnen etwas entgegenzusetzen haben – nämlich den Geist Gottes, den Geist Jesu Christi.

Liebe Brüder, was sollen wir tun? fragen die Menschen, die sich von Petrus ansprechen lassen. Kehrt um, sagt Petrus. lasst euch taufen und ihr werdet Gottes Geist empfangen. Und diese Verheißung gilt allen.

Getauft sind wir; die Gabe des Geistes haben wir empfangen. Also: Umkehr ist angesagt – oder für uns Christen gesagt: Rückkehr oder in unsrem Bild vom Motor gesprochen: den richtigen Motor auftanken. Wenn wir Christen Pfingsten feiern, dann ist das für uns sicher nicht das große Fest des Heiligen Geistes, wie es die ersten Jünger erleben durften. Da brauchen wir uns keinen Illusionen hinzugeben. Aber es ist das Fest, an dem wir daran erinnert werden, welcher Motor unser Leben antreiben soll, welche Antriebskräfte in unserem Leben wirksam sind. Und die Antriebskräfte der Christen, das sind die Kräfte Jesu Christi, das ist seine Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen, das Angebot der Versöhnung von Gott her und die Ermutigung diese Botschaft nicht zu verstecken im eigenen Leben, sondern sie mutig im eigenen Leben umzusetzen. Kehr um, das muss nicht heißen, dass alles im Leben schlecht war oder ist, sondern es ist der Aufruf zurückzukehren zu dem, was den Glauben ausmacht, zurückzukehren, zu dem, was Jesus Christus gewollt und vorgelebt hat. Der, der für die Liebe zu den Menschen ans Kreuz gegangen ist, der der den Tod überwunden hat, der der Hoffnung über alle Grenzen hinweg festgeschrieben hat, der ist der Richtungsgeber, der ist der Antrieb für ein gelingendes Leben. Diesen Antrieb gilt es aufzutanken, aufzutanken durch Gottes Geist. Allerdings muss man dann auch die Tankstelle finden. Und da erzählt das Pfingstfest, dass diese Tankstelle die Kirche ist, die Gemeinschaft derer, die sich zum Gottesdienst versammelt und von der Jesus sagt: wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Der Motor des gelingenden Lebens läuft nicht einfach so, er speist sich nicht aus uns selber, sondern wir müssen uns Jesus Christus aussetzen, von ihm lernen, um mit seinem Geist den Motor in Bewegung setzen. Die Jünger in Jerusalem haben dies erfahren, Petrus ging voran und die Gemeinschaft der Christen als Kirche Jesu Christi nahm seinen Anfang. Nicht um irgendwann eine Verwaltungsinstitution zu werden, sondern um für die Menschen die Tankstelle zu werden, an der sie für den Motor des Lebens den richtigen Kraftstoff bekommen. Besinn dich auf deine Taufe, besinn dich darauf, dass du zu dieser Gemeinschaft mit Christus gehörst, lass dich von ihm ansprechen und der Geist des Lebens wird in dir sein. Diese Verheißung gilt allen, euch und euren Kindern, sagt Petrus: also auch uns heute hier in unseren Dörfern. Gottes Geist will uns bewegen und den Motor des Lebens antreiben. Tanken wir bei ihm und lassen die anderen Motoren getrost ruhen. Amen. Glaubensbekenntnis
(Dank an
 Vikar Mark Meinhard, Ev. Kgm. Unteraltertheim / St. Martin, dem ich grundlegende Gedanken verdanke. Seine Predigt ist bei www.kanzelgruss.de zu lesen.)

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Liturgischer Ablauf

Begrüßung - Orgelvorspiel

Lied: Komm heilger Geist mit deiner Kraft

Psalm 100 – EG 740

Eingangsliturgie - Gebet:

Gott, wir bringen nichts mit als uns selbst mit all dem, was unser Leben ausmacht und bestimmt.

So bitten wir dich: Komm mit deinem Hauch, deinem Atem, deinem Wind, deinem Feuer – komme zu uns mit deinem Geist und erfülle uns, Gott.

Komm und wohne in uns als der Geist des Lebens, denn dir gilt die Ehre in Ewigkeit. Amen

Lesung: Apg 2, 1-18

Lied: 136,1-4

Predigt

Glaubensbekenntnis

Lied: 134, 1-4

Abkündigungen – Fürbittengebet

Gott, aus der Kraft deines Geistes leben wir, lebt deine ganze Schöpfung.

Wir vertrauen darauf, dass du aus Not befreien kannst.

Du kannst unsere Fesseln lösen und Menschen herausführen aus den Engen ihres Lebens. So bitten wir dich für alle, die in irgendeiner Weise gefangen sind:

für die Kranken und Leidenden,

für die Enttäuschten und Mutlosen,

die es nicht mehr wagen, auf eigenen Füßen zu stehen,

für die, die in ihrem Leben keinen Sinn und keine Erfüllung erleben,

für die Menschen, die wegen ihres Glaubens, ihrer Einstellung

oder ihrer Nationalität verfolgt und gefoltert werden.

Lass sie alle deine befreiende Kraft erfahren und aus dem Geist der Hoffnung leben.

Wir bitten dich für den Frieden auf der Erde:

Befreie uns Menschen von dem Wahn, andere ausgrenzen oder gar vernichten zu müssen.

Stärke in uns das Vertrauen in die Liebe, die stärker ist als alle Waffen.

Wir bitten dich für die Christinnen und Christen und die Kirchen bei uns und in aller Welt: erneuere und belebe sie aus der Kraft deines Geistes.

Schenke uns den Mut, einzutreten für mehr Menschlichkeit und Gerechtigkeit. Stärke uns dazu mit deinem heiligen Geist.

 

(nach einer Vorlage von Reiner Jansen - in: Gottesdienstpraxis Serie A, IV/3, hrsg. von E. Domay, Gütersloh 1994)

 

Segen

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Klein Elbe
Gustedt
Pfingsten
19.5.2002
Liturgischer
Ablauf
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