| Predigt | NT |
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Pfingsten ist für viele Menschen das schwierigste christliche Fest, so stelle ich jedes Jahr neu fest. Bei der letzten Kindergottesdienstvorbereitung hörte ich wieder den Satz: das mit Pfingsten, das mach du lieber, das kriege ich nie so richtig hin. Frage ich die Konfirmanden, dann stottern sie auch so vor sich hin, was dieses Fest wohl ist. Nach den ersten falschen Antworten kommt dann mal so ein Satz wie: da war doch was mit dem Heiligen Geist oder? Da war doch was mit dem Heiligen Geist. Ja das ist richtig. Wir haben es eben gehört. Die ersten Christen wurden in Jerusalem mit dem Heiligen Geist erfüllt und machten sich auf den Weg in die Welt, um die gute Botschaft Gottes vom Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi in die Welt zu tragen. Nachdem Jesus gen Himmel aufgefahren ist, waren die Christen alleine. Sie hatten das Vertrauen in sich, dass mit Jesus etwas ganz Großartiges geschehen ist, sie glaubten, dass der Gekreuzigte auferweckt wurde und die Welt damit verändert hat. Doch irgendwie war es in ihnen noch nicht so weit gereift, dass sie den Mut hatten, diese Botschaft lautstark zu verkünden. Noch saß auch die Angst im Nacken, dass es ihnen genauso ergehen könnte wie Jesus, nämlich dass sie wie er am Kreuz sterben müssen. Und seine wir ehrlich, die Angst war nicht unberechtigt, den im Jahre 90 gab es heftige Christenverfolgungen. Viele sind im Zirkus bei Brot und Spielen grauenvoll zu Tode gekommen. Wenn in der Apostelgeschichte zunächst die Zurückgezogenheit der Anhänger Jesu berichtet wird, dann hat das seinen Hintergrund. Doch dabei blieb es ja nicht, denn es ging eine Veränderung durch die Reihen. Die Christen pflegten nicht ihre Angst, sondern sie spürten, wie ihnen von außen etwas zugetragen bekamen, was sie nicht aus sich selber schöpfen können: es kam eine Kraft von außen, die sie zutiefst erfüllte und ihnen den Mut gab, nicht auf sich selber zu schauen, sondern den Weg in die Welt anzutreten. Gott selber hat die Menschen mit seiner Kraft erfüllt, er selber hat sie ermutigt, die Fenster zu öffnen und den Weg zu den Menschen anzutreten. Aus sicher selber heraus konnten sie diese Kraft nicht erhalten, sondern sie kam von außen durch Gott in sie hinein. Gottes Geist erfüllte sie und mit diesem Geist, mit dieser von Gott ausgehenden Kraft begannen sie den christlichen Glauben in die Welt zu tragen. So entstand Kirche, die Gemeinschaft der Christen in der Welt. Eine Gemeinschaft von Menschen, die sich getragen wissen durch das Wirken Gottes, der mit seinem Geist diese Gemeinschaft erhält und erneuert. Das Pfingstfest ist Erinnerung an diese ursprüngliche Aufbruchstimmung, es ist Erinnerung an Gottes Tat für die Menschen, es ist Geburtstagsfeier der Kirche und der Festtag an dem wir uns des Wirkens des Heiligen Geistes versichern. Ich habe ihnen heute etwas mitgebracht, womit ich versuchen möchte zu verdeutlichen, was es mit diesem Geist Gottes auf sich hat. Sie sehen, dies ist ein Luftballon. Er ist noch nicht befüllt. Man kann in sehr unterschiedlich befüllen. Meine kleine Tochter befüllt ihn am liebsten mit Wasser. Und die Freude, wenn er dann zerplatzt, ist riesengroß, vor allem wenn die anderen nass werden. Ich wollte jedoch nicht, dass er auf meiner Gottesdiensttour heute zerplatzt, insofern habe ich keinen wasserbefüllten Luftballon mitgebracht. Wir können ihn auch mit Sand füllen. Das sieht dann so aus. Klein und schwer ist er. Man könnte ihn jetzt als Wutball nehmen, oder auch als Trainingsgerät für die Handmuskulatur. Aber so recht ist das nicht das, was man sich für die äußere Hülle gedacht hatte. Seine Wirkung entfaltet der Luftballon, wenn man ihn mit Luft füllt. (Aufblasen des Luftballons) Ja jetzt kommen all die Erinnerungen in uns hoch, die wir mit Luftballons verbinden. Und wenn ich ihn jetzt in die Reihen schubse, dann werden sie ihn nicht einfach fallen lassen, sondern es reizt sofort dazu ihn in die Luft steigen zu lassen. Man sieht das langsame Herabkommen und stößt ihn wieder an, damit er weiter in der Luft bleibt. Mit einem ungefüllten oder mit Sand oder Wasser gefüllten Luftballon geht das nicht und das hat auch nicht diese Faszination. Nun wollen wir aber hier im Gottesdienst nicht mit dem Luftballon spielen, sondern uns Gedanken machen zum Geist Gottes. Der Geist Gottes er ist so ungreibar wie die Luft oder der Wind, er weht, wo er will, sagt Johannes. Aber das Beispiel des Luftballons kann uns vielleicht deutlich machen, dass ohne diesen Geist die Bestimmung des Menschen nicht zur Erfüllung kommt. Ohne Luft ist dieses Gummifabrikat nichts, erst die Luft darin macht es zu dem, was wir so gerne haben. Und ist das nicht mit dem Menschen ganz ähnlich. Der Geist macht ihn aus. Das was ihn bestimmt, seine Gesinnung, der in ihm herrschende Geist macht ihn zu einer Persönlichkeit. Wir fragen ja auch gerne wes Geistes Kind jemand ist. Der Gedanke eines bestimmten Geistes ist uns also gar nicht so fern. Wir kennen Menschen mit Sportsgeist, die also im Sinne eines fairen, nur an den persönlichen Fähigkeiten orientierten Denkens in ihrer Sportart handeln. Die gewesenen und kommenden Dopingfälle erinnern uns daran. Und wir kennen auch den guten Geist eines Hauses. Manchmal ist der gebunden an eine liebe Person, die mit ihrer Ausstrahlung ein Gästehaus mit sehr viel Wärme erfüllt oder es ist einfach die Ausstrahlung eines Ortes, die dazu führt, dass Menschen an dieser Stelle anders sind, als an anderen Stellen ihres Lebens. Taize in Frankreich, dieser christliche Orden z.B. ist so ein Ort, an dem das alltägliche Leben sich verändert. Welcher Geist erfüllt und prägt unser Leben? Von welchem Geist lassen wir uns leiten in unserem Leben? Diese Frage ist keine rein pfingstliche Frage, sie stellt sich das ganze Jahr immer wieder. Und doch ist es eine, die am Pfingstfest besonders zu stellen ist. Welcher Geist prägt mein Leben? Wovon lasse ich mich bestimmen? Paulus stellt in seinen Gedanken im Römerbrief geistliches und fleischliches Denken gegenüber. Er meint damit, dass wir Menschen immer wieder hin und hergeworfen werden zwischen einem Denken und Handeln, das aus sich selber schöpft, und einem, das sich von der Geistkraft Gottes bestimmen lässt. Er schreibt dazu: Diejenigen, die sich durch die menschliche Begrenztheit (also durch das fleischliche) bestimmen lassen, die bleiben in ihren Vorstellungen begrenzt. Jene aber, die sich an der Geistkraft orientieren, gewinnen Einsicht in das Wirken der Geistkraft. Eine begrenzte Lebensperspektive bedeutet Tod, eine an der Geistkraft orientierte Perspektive bedeutet Leben und Frieden. Und er schreibt weiter: Ihr seid nicht in menschlichen Grenzen gefangen, sondern lebt in der Geistkraft, so gewiss die Geistkraft Gottes in euch wohnt. Wenn die Geistkraft, die Jesus von den Toten auferweckt hat in euer Mitte, so wird diese Geistkraft auch eurer armen Menschlichkeit neues Leben geben durch den lebenschaffenden, lebendigen Geist, der in euch wohnt. Paulus erinnert uns daran, dass wir auf Grund der Taufe schon längst Gottes Geist in uns tragen. Nicht als Besitz, sondern als etwas, was uns bestimmen kann. Wenn zu Pfingsten die Bitte laut wird, Komm, o komm du Geist des Lebens, dann ist das eine Bitte um Erneuerung des uns in der Taufe geschenkten Geistes. Es ist die Bitte darum, dass wir spüren, dass wir nicht aus uns selber heraus die Fähigkeit haben, unser Leben im Sinne Gottes zu verändern, sondern dass wir dazu immer wieder die Geistkraft Gottes brauchen. Wenn wir nur auf uns selber gestellt sind, unser Leben aus uns selber heraus gestalten, dann bleiben wir in unseren, oft genug sehr an uns selber und unseren Vorstellungen geprägten Gedanken verhaftet. Wir erleben sie als ganz menschliche Gedanken, die dann auch nicht so richtig hinterfragbar sind. Paulus sagt nun, das ist begrenzt. Wie der Luftballon, der mit Sand gefüllt ist, nur eine begrenzte Menge Sand aufnehmen kann, und selbst wenn man ihn hochwirft, sehr schnell herunter fällt. Anders der mit luftbefüllte Ballon. Er steigt in die Luft, kommt langsam herunter und ein kleiner Anstoß reicht schon, ihn wieder nach oben zu bekommen, ein Windstoß und er treibt weiter. Er ist nicht so sehr gebunden an die Schwerkraft, wie es der andere Luftballon ist. So ist das auch mit uns Menschen, die sich sehen als solche, die Gottes Geist erfüllt. Sie haben mehr Möglichkeiten sich den Problemen der Welt zu stellen. Sie sehen andere Möglichkeiten, suchen nach neuen Wegen und lassen sich nicht so sehr auf die begrenzten Wege ein, sondern sind aus auf lebenschaffende Wege, die den Menschen helfen. Die Geistkraft Gottes ermutigt dazu, begrenzte Wege zu verlassen und den neuen Wegen Jesu zu vertrauen. So wie das am Anfang in Jerusalem war, als die Jünger endlich ihr Haus verließen, um auf die Straße zu gehen, um die gute Botschaft weiter zu tragen. Diese Kraft kommt nicht aus uns: wir denken nach dem Prinzip: Auge um Auge, der Geist Jesus sagt: damit ist nichts gewonnen. Den anderen neue sehen, die Gewalt unterbrechen, den Feind nicht stürzen, sondern zum Nächsten machen, darin liegt die Zukunft. Nicht Hass und Zorn bringen weiter, sondern Annahme, Vergebung, liebevolle Zurechtweisung. Nicht Ausbeutung der Natur, um eingeschlagene Wege zu Ende gehen zu können, sondern Umkehr, Ende, Umdenken und Bewahrung führen zur Zukunft, der alte Weg führt in den Zusammenbruch. Es gäbe eine Vielzahl von Beispielen, in denen mutiges Andersdenken gefragt ist, Beispiele in denen deutlich wird, dass ein anderer Geist nötig ist, um das Leben dieser Welt zu verändern, um Zukunft zu ermöglichen. Und Paulus spricht uns zu: Ihr seid nicht in menschlichen Grenzen gefangen, sondern lebt in der Geistkraft, so gewiss die Geistkraft Gottes in euch wohnt. Wenn die Geistkraft, die Jesus von den Toten auferweckt hat, in euer Mitte wohnt, so wird diese Geistkraft auch eurer armen Menschlichkeit neues Leben geben durch den lebenschaffenden, lebendigen Geist, der in euch wohnt. Zu Pfingsten bitten wir um diesen lebendigen Geist, damit er uns erneuert. Wie sagt Luther: Ich weiß, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesu Christus glauben kann, ich ergänze dazu, dass wir nicht aus einer Vernunft noch Kraft zu einem gottgemäßen Leben finden, sondern Gott selber muss uns dazu führen durch die Geistkraft, die uns erfüllt und ermutigt neue Wege zu gehen. Sie wird sichtbar und wir erkennen sie, wo wir uns auf die Wege Jesu einlassen, wo wir dem Evangelium etwas zutrauen, wo wir uns ermutigen lassen dazu, einen anderen Weg zu gehen, als den, den wir schon immer gegangen sind. Lassen wir unser Leben durch die gute Botschaft Gottes immer wieder erneuern, lassen wir uns treiben von Gottes liebendem Geist und machen wir so den Geist in die Welt lebendig, der das Angesicht der Welt verändern kann. Komm, o komm, du Geist des Lebens. Amen Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied: 501,1-4 Wie lieblich ist der Maien Psalm 118 mit Liedruf Danket dem Herrn Eingangsliturgie Gebet EGb 341-2 Lesung Apg 2, 1-18 Glaubensbekenntnis Lied: 131 O Heiliger Geist Predigt Lied 134,1-3+6 Komm, o komm, du Geist des Lebens Abkündigungen Fürbittengebet Führe uns, Gott, heraus aus Erstarrungen, Verhärtungen und Verbitterungen, die viele zum Klagen und Weinen gebracht haben. Sende deinen Geist und öffne uns für ein heiteres und erwartungsvolles Leben. Wir rufen dich an: R: Kyrie eleison. 178,9 Führe uns, Gott, heraus aus Eigeninteressen, Selbstbezogenheit und Rücksichtslosigkeit, die vielen das Leben beschneiden. Sende deinen Geist und öffne uns für ein ehrliches Miteinander. Wir rufen dich an: Kyrie eleison. 178,9 Führe uns, Gott, heraus aus Lüge, Verstellung und Verdächtigungen, die manche in Verzweiflung stürzen. Sende deinen Geist und öffne uns für Wahrhaftigkeit. Wir rufen dich an: Kyrie eleison. 178,9 Führe uns, Gott, heraus aus Angst, Hass und Zank, die Menschen, Gruppen, Völker entzweien und die Atmosphäre vergiften. Sende deinen Geist und öffne uns für das Bemühen um Frieden. Wir rufen dich an: Kyrie eleison. 178,9 Führe uns, Gott, heraus aus Irrtum und Verblendung durch manche Attraktionen, die sich später als lebensbedrohlich erweisen können. Sende deinen Geist und öffne uns für ein Leben ohne Bitterkeit. Wir rufen dich an: Kyrie eleison. 178,9 Führe uns, Gott, heraus aus denkerischer Enge und Rechthaberei, die Menschen phantasielos macht und vertrocknen lässt. Sende deinen Geist und öffne uns für ein von Liebe und Gewissheit erfülltes Leben. Wir rufen dich an: Kyrie eleison. 178,9 Vaterunser Segen 163 |
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