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Off 3, 1-2

Die Adventszeit als kirchliche Vorbereitungs­zeit, als Buß- und Fastenzeit wird bei uns so gut wie gar nicht betrieben, dieser Vorbereitungs-Gedanke muss in uns immer wieder ins Bewusstsein gerufen werden. Vorbereitung auf das Kommende, das bedeutet für uns eher anderes. Mehr Unruhe als zu anderen Festen: nicht nur, dass man die Einkäufe für das Fest erledigen muss, die Vorbereitungen treffen muss für die Familie, auch in der übrigen Freizeit entsteht viel Unruhe. Jede Gruppen möchte in dieser Zeit ihre Advents- und Weihnachts­feier halten, zu der man gerne auch hingehen möchte. Immer weniger sind diese Tage ruhige und besinnliche Tage, immer mehr werden sie zum Adventsstress, wie wir dann so schön sagen. Und vielleicht ist auch der Besuch des Adventsfensters in Groß Elbe manchmal ein Termin, der Druck bereitet. Man möchte gerne gehen, aber anderes möchte man auch gerne wahrnehmen. Und bei all den vielen Aktivitäten gerät die Advents­zeit als Vorbereitungszeit völlig aus dem Blick. Allenfalls als Festvorbereitung im Blick auf Geschenke, Essen und Trinken geschieht diese Vorbereitung. Aber das Kommende, das wir feiern wollen, das rückt in den Hintergrund.

Und nun hören wir am heutigen Tag den Satz: Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot. Werde wach und  stärke das andre, das sterben will, denn ich habe deine Werke nicht als vollkommen befunden vor meinem Gott.

Ich kenne deine Werke, du hast den Namen, dass du lebst, und bist tot. Oder etwas freier formuliert: man hört, dass es bei euch sehr lebendig zugeht, aber was das Eigentliche angeht, da seid ihr tot.

Diese Worte, sind ursprünglich gerichtet an die kleine christliche Gemeinde in ­Sardes, in einer Zeit da die christlichen Gemeinden, von den Römern verfolgt wurden, als das Christsein eine sehr gefährliche Angelegen­heit war. Sie wurden angeschrieben und ermahnt als lebendige Gemeinde, lebendig im Glauben zu bleiben trotz all der Hindernisse, die ihnen von außen auferlegt werden. Mit uns hier in unseren Dörfern ist diese Situation der Gemeinde in keiner Weise gleich­zusetzen. Und dennoch sind diese Worte nicht allein an die Gemeinde in Särdes gesichtet, sondern auch anderen christlichen Gemeinden gerade in der Zeit des Advents haben sie etwas zu sagen.

Es-geht bei euch lebendig zu. Das trifft auf uns zu. Lebendig geht es im Advent überall zu, jeder trifft sich, jeder will in seiner Gemeinschaft diese Zeit feiern, und man tut es auf verschiedenste Weise. Ich will dies gar nicht negativ sehen. Ich selber beteilige mich ja auch an diesen Adventsfeiern und ich finde es auch immer wieder schön, wenn Menschen gerade in der Adventszeit zusammenkommen und Zusammengehörigkeit dokumentieren. Gemeinschaft, feiernde Gemeinschaft ist ein wichtiger Bestandteil des christlichen Glaubens. Eine Frage aber bleibt natürlich: wo kommt dabei die Ankunft des Gottessohnes zur Sprache? Wo ist sie wirklich Ausgangspunkt und Mittelpunkt unserer Adventsfeiern? Ist es nicht so, dass wir die Geburt des Sohnes Gottes kaum mehr in den Mittelpunkt rücken, und auch bei der Kirche ist das nicht immer der Fall, auch wir verlieren dieses Zentrum aus dem Blick. Und das nicht nur zu Weihnach­ten. Ihr habt den Namen, dass ihr lebendig seid.

Ich denke, das sagen viele von den Kirchengemeinden, hier im Pfarrverband. Es gibt eine Vielzahl von Veranstaltungen, die die Kirche anbietet, Kreise, die sich treffen, kleinere und größere Aktionen, die durchgeführt werden, ein umfangreicher Gemeindebrief informiert über alles und berichtet über das Gemeindeleben. Und viele Menschen beteiligen sich an den Aktivitäten und freuen sich, dass die Gemeinden lebendig sind. Nun aber steht dieser Satz aus der Offenbarung im Raum: du hast den Namen, dass du lebst, aber was das Eigentliche angeht, bist du tot.

Wir werden am heutigen 2. Advent als Gemeinde, aber natürlich auch ganz persönlich befragt, ob unsere Lebendigkeit nicht auch nur eine äußere Lebendigkeit ist, eine Lebendigkeit, die das, Dahinterliegende verdeckt. Ist das Zentrum dieser Lebendigkeit auch in uns lebendig oder sind wir tot, wie es die biblische Beschreibung sagt? Wie lebendig ist unser Vertrauen zu Gott, kommt der Kommende innerlich bei uns an und bewegt er uns in unserem Tun?

Das, liebe Gemeinde, ist sicher eine harte Frage, die im Grunde niemand von uns entscheiden kann und die aber glücklicherweise auch niemand entscheiden muss. Das tut nämlich auch unser biblischer Text. nicht. Zwar stellt er diese Gedanken vor Augen, aber nicht als Urteil oder gar Verurteilung, sondern als Ermunterung, über das eigene Leben nachzudenken und das eigentlich Wichtige nicht außer acht zu lassen. Es dient mehr als Bild, um uns wachzurütteln. Werdet wach, so heißt es da weiter, werdet wach und stärkt das andere, das sterben will, denn ich habe deine Werke nicht als Vollkommen befunden vor meinem Gott.

Es geht also nicht darum, Adventsfeierschelte zu betreiben, sondern es soll neu Mut gemacht, werden, damit wir nicht in unserer Alltäglichkeit stehenbleiben und darin dann tot sind, statt immer wieder lebendig das aufleben zu lassen, was dem Leben dient.

Wacht auf und stärkt das andere, das auf dem Weg ist sich aus dieser Welt zu verabschieden.

In den letzten Tagen hören wir immer häufiger in den Medien, dass Kinder vernachlässigt und misshandelt werden, ja dass sie getötet werden. Jetzt hat wieder eine psychisch kranke Frau ihre fünf Kinder umgebracht. Die Medien sind sensibel geworden für dieses Thema, deshalb kommt es immer mehr in die Nachrichten.

Isolation unter den Menschen vor allem in den Städten aber auch in den Dörfern verändert die Menschen. Sie bleiben für sich, haben dann auch nur noch sich und ihre eigenen Gedanken. Wertesysteme brechen zusammen, weil man niemanden gegenüber mehr Rechenschaft ablegen muss. Persönliche Gedanken verselbstständigen sich, werden zum Maß aller Dinge und die freiheitliche denkende Gesellschaft sagt: jeder soll nach seinen Vorstellungen leben.

Doch nicht jeder kann mit seiner Freiheit umgehen, nicht jeder ist in der Lage sein Leben in dieser Freiheit so zu gestalten, dass es den Menschen an seiner Seite gut geht. Jeder soll so leben, wie es ihm gefällt. Da ist etwas dran, aber es ist gleichzeitig wichtig, dass wir ein Auge darauf haben, dass dadurch nicht andere Menschen und gar wehrlose Kinder gefährdet werden. Ich denke, dass gerade die Erzählung der Geburt Jesu deutlich macht, dass Kinder unter dem besonderen Schutz Gottes stehen. Sie sollen geachtet und in jeder Weise gefördert werden. Eltern müssen in der Lage sein diese wichtige Aufgabe zu erfüllen und dazu brauchen sie Hilfe. Hilfe durch gute Lebensumstände, Hilfe aber vor allem dort, wo Überforderung da ist. Kinder brauchen Hilfe durch wachsame Menschen, die auch mal die Grenze des privaten Lebens überschreiten, wo das schwache Wesen Kind in Gefahr ist.

Wacht auf und stärkt das andere, das auf dem Weg ist sich aus dieser Welt zu verabschieden. Mitmenschlichkeit, Verantwortung für die Schwachen, Auseinandersetzung über die Werte des Lebens, all dies geht zunehmend verloren, weil der Gedanke der Freiheit sehr groß geschrieben wird. Aber eine Freiheit ohne Werte geht nicht, ein Leben ohne Grenzen und ohne die Achtung der Menschen, der Geschöpfe und der Schöpfung kann keine Zukunft haben.

Wir sind als Christen teil einer Wertegemeinschaft, die sich langsam immer mehr aus der Gesellschaft herauszieht, die immer mehr privatisiert denkt, statt offensiv nach außen zu treten, offensiv zu sagen: dies oder jenes geht nicht. Unser Glaube ist zu sehr nur teil unserer privaten Frömmigkeit und zu wenig auch Orientierung und Mahnung für das gesellschaftliche Leben. Hier stirbt etwas ab, was unsere Welt dringend braucht. Nicht um moralisierend durch die Lande zu ziehen und entsprechende Lebensvorschriften zu machen, sondern um deutlich zu machen, dass es Werte und Normen gibt, die das wohl das persönliche Leben äußerlich einschränken, aber letztlich dem Leben als Ganzes in dieser Welt dienen.

Vorbereitungszeit auf Weihnachten ist für mich daher immer wieder auch eine innere Besinnung auf diese christlichen Werte, die mit der Geburt Jesu auf ganz besondere Weise in diese Welt gekommen sind. Was dort im Stall zu Bethlehem in die Welt gekommen ist, das ist mehr als nur ein Kind, dessen Leben Spuren hinterlassen hat. Hier hat Gott ein Denken und Handeln in die Welt gebracht, das sehr tief eingreift in das persönliche und gemeinschaftliche Leben der Menschen. Nicht von ungefähr erzählen die Evangelien, dass die Machthaber und geistlichen Führer damaliger Zeit gegen ihn vorgegangen sind. Seine Botschaft hat eine Bedeutung, die in viele Bereiche des Lebens eingreift. Die Liebe zu den Menschen, die Achtung der Menschlichkeit, die Bedeutung der guten Schöpfung Gottes ergibt sich nicht einfach so, sie wird von so vielen mit Füßen getreten. Und gerade dies darf nicht passieren, dieses hohe menschliche Gut darf nicht sterben. Dies muss aufrecht erhalten werden, auch wenn es uns Unannehmlichkeiten bereitet. Wacht auf und stärkt das andere, das auf dem Weg ist, sich aus dieser Welt zu verabschieden.

Für uns hat die Adventszeit diesen Aspekt so gut wie gar nicht. Lichterglanz, Gesänge, Glühweinduft und Kekse bestimmen diese Zeit. Doch es geht um viel mehr. Es geht darum, ob die Botschaft des Kindes im Stall wieder bei uns ankommt, ob sie lebendig bleibt und so eine wichtige Grundlage für uns ist, um das gemeinschaftliche Leben in dieser Welt zu fördern. Es geht darum, aus der persönlichen Frömmigkeit, aus dem persönlichen Vertrauen und Glauben heraus, das unsere dazu zu tun, dass Menschen nicht an den Rand gestellt werden, weder Kinder noch Erwachsene. Jeder so als das angesehen werden, was er und sie durch Gott ist: einmalige und geliebtes Kind Gottes. Das dürfen wir nicht sterben lassen, dass soll aufleuchten in dem, was wir lebendig tun – in der Kirchengemeinde und im ganz persönlichen Leben. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Lied: 4, 1-4

Psalm 24

Lied 4, 5

Eingangsliturgie

Gebet

Allmächtiger und barmherziger Gott!

Du hast uns geboten, dem Herrn, Jesus Christus, den Weg zu bereiten. Wir sollen uns auf sein Kommen vorbereiten, ihm den Weg öffnen. Hilf uns in dieser Zeit, dies zu tun. Lass uns bei allen Feiern und Vorbereitungen des Festes, die Vorbereitung auf sein Kommen nicht vergessen. Öffne uns Ohren und Herzen, dass wir ihm entgegengehen können. Das bitten wir durch Jesus Christus, der gekommen ist und kommen wird, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Lesung: Jesaja 63,15 – 64, 3

Lied: 6, 1-5

Lesung: Off 3, 1-6

Glaubensbekenntnis

Lied 6, 1-6

Predigt

Lied: 16,1-4

Abkündigungen

Fürbittengebet

Gütiger Gott, Vater im Himmel!

Der Stern der Gotteshuld wandert mit den Menschen, seit dieser Stern die Geburt deines Sohnes Jesus Christus angezeigt hat. Auf diesen Stern lass uns schauen als Orientierung für unser Leben.

So bitten wir dich: Lass deinen Stern leuchten, wenn Kinder an den Rand gedrängt werden, wenn sie körperliche und seelische Gewalt erleiden müssen. Zeige uns den Weg, diesen Kindern zu helfen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Lass deinen Stern leuchten, wenn Ausländer bei uns keinen Raum finden, wenn sie als Fremde beschimpft oder gar misshandelt werden. Zeige mit deinem Licht, welchen Wert ein jedes Menschenleben hat, auf dass wir uns einsetzen für die, die uns fremd sind. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Lass deinen Stern leuchten, wenn wir davon hören, dass Menschen eigensüchtige Gedanken haben, wenn sie durch linke oder rechte Ideologie geprägt, die Achtung deine Geschöpfe aus dem Blick verlieren. Gib uns die richtigen Gedanken um dagegen aufzustehen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Lass deinen Stern leuchten, wenn uns die äußeren Dinge des Lebens bedeutsamer werden als das, was du durch die Geburt deines Sohns zu uns bringen wolltest. Halt in uns deine Botschaft wach, auf dass wir sie weitertragen in der Welt, dir zur Ehre und den Menschen zum Nutz. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.

Vaterunser

Segen

163

 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt

9. 12. 2007

Liturgischer
Ablauf
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