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Vor vielen Jahren gab es eine Sendung von Eduard Zimmermann, die hieß:
Nepper, Schlepper, Bauernfänger. So weit ich mich erinnere wurden in
dieser Sendung Praktiken dargestellt, wie Menschen versuchten, anderen
auf verschiedenste kriminelle Weise Geld aus der Tasche zu ziehen.
Menschen haben andere Menschen mit ihrer bösen Schliche eingefangen und
sie um ihr gutes Geld erleichtert. Die Betroffenen haben sich im Netz
der schönen Worte und der eigenen Gutgläubigkeit verfangen. Ähnliches
passiert nicht nur an der Haustür, wenn etwas verkauft werden soll, so
etwas passiert auch auf der Straße, wenn Vertreter religiöser
Gruppierungen auftreten und Menschen in ihren Bann ziehen. Große
Versprechungen werden gemacht, mit psychologischen Mittel und Tricks
wird gearbeitet, um gutgläubige Menschen in das Netz einer Organisation
zu ziehen und um ihnen dann im. Endeffekt auch nur Geld und Vermögen zu
erhalten, um andere Ziele damit zu verfolgen. Z.B. die Gruppe der
Scientology Sekte arbeitet hier so, aber auch viele andere
Gruppierungen, die vor allem labile junge Menschen in ihren Bann ziehen.
Dies alles fällt mir ein, wenn ich das Wort von den Menschenfischer
höre. Es ist für mich zunächst ein unangenehmes Wort, denn es klingt
nach Vereinnahmung. Menschen werden eingefangen für eine bestimmte
Sache, für bestimmte Ziele, die eine Gruppe und Organisation verfolgt.
Sie werden eingefangen, lassen sich einfangen von schönen Worten und am
Ende steht dann ein Leben in Gefangenschaft, die eigenen Möglichkeiten
und Gedanken haben keinen Raum mehr.
Nun steht dieses Wort von den Menschenfischern in er Bibel, Jesus sagt
es zu seinen ersten Jüngern, zu Petrus, den er später den Fels der
Kirche nennt, zu Jakobus und Johannes. Sie sollen Menschenfischer
werden, sie sollen Menschen einfangen, einfangen für die Sache Jesu.
Möchte ich mich einfangen lassen von den Jüngern Jesu? möchte ich mich
einfangen lassen für die Sache Jesu? Möchte ich Jesus ins Netz gehen?
Das sind Fragen angesichts des Anfanges der Predigt, wo so viele
Negativbeispiele von Menschenfischern benannt worden sind. Die
Grundfrage des heutigen Morgens angesichts unseres Predigttextes ist:
von wem lasse ich mir etwas sagen, in wessen Netz möchte ich schwimmen,
von wem lasse ich mir mein Leben bestimmen?
Die Geschichte von der Berufung des Petrus stellt diese Frage und sie
zeigt uns, wie wenig das Menschenfischen in der christlichen Kirche mit
den zu Beginn angedeuteten Beispielen zu tun hat. Zunächst einmal wird
geschildert, dass viele Menschen Jesus zuhören wollten, sie wollten von
ihm Hilfestellung zum Leben hören, Worte, die von Gott kommen. Ja sie
bedrängten ihn richtig, so dass er kaum Raum hatte sich allen
verständlich zu machen. Eine solche Situation erlebt man heutzutage
vermutlich nur noch bei Kirchentagen. Jesus sieht zwei Boote, deren
Besitzer am Strand sitzen und ihre Arbeit verrichten. Sie reinigen die
Netze, flicken sie und bereiten so den nächsten Fang vor. Dass sich dort
so viele Menschen um Jesus herum drängeln, scheint sie überhaupt
nicht zu interessieren. Ihre Arbeit, ihr eigenes Leben ist ihnen
wichtiger. Sie betrachten das Ganze mit sehr viel Distanz. Nun kommt
Jesus auf sie zu und bittet den Petrus, ihm sein Boot zu leihen, damit
er etwas von Land wegkommt und nicht mehr so bedrängt ist. So kann er
auch viel besser zu den Menschen sprechen. Petrus gewährt ihm dies, er
hat wohl auch nicht zu viel zu tun.
Und so heißt es: Jesus lehrte. Er wird gepredigt haben. Was, das wird
uns nicht erzählt. Auch nicht, wie diese Predigt bei Petrus und den
anderen Fischern angekommen ist.
Am Ende dieser Veranstaltung dann spricht Jesus den Petrus an: fahre
hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus. Jetzt gerät
Petrus in den Mittelpunkt der Geschichte. Jetzt geht es um seine
Berufung, um sein Eingefangen-werden von Jesus. Und das schöne an dieser
Geschichte ist, hier wird uns nun kein Heiliger vor Augen geführt,
keiner der sofort alles tut, weil er doch nun weiß, wer mit ihm redet.
Petrus ist ein ganz sachlicher und nüchterner Mensch, der etwas versteht
von seinem Beruf, der mitten im Leben steht, der Erfahrungen hat, der
weiß, wie das Leben abläuft und ist.
Guter Mann, wir haben die , ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen.
So lautet die erste Antwort des Petrus. Und das heißt so viel wie: nun
glaube mir, lieber Jesus, ich bin doch nicht dumm. Ich weiß, wann ich am
besten Fischen kann, wann der Fangerfolg am größten ist. In der Nacht,
wenn der See ruhig ist, wenn die Fische nicht aufgeschreckt werden durch
den Schatten des Bootes. Wir haben die ganze Nacht gearbeitet, wir sind
fleißig gewesen, wir haben getan, was uns möglich war. Die Chancen,
jetzt etwas zu fangen, sind doch im Grunde gleich Null. Es ist ja nett,
dass du uns dazu aufforderst, aber es wird überhaupt nichts bringen. Du
weißt doch nichts vom Fischen.
So könnte man den ersten Teil der Antwort des Petrus ein wenig
ausdeuten. Und in diesem Satz klingt die ganze Vergeblichkeit des
menschlichen Tuns mit, die Resignation angesichts von gescheiterten
Versuchen, das Leben positiv zu gestalten.
Und diese Art Antwort ist uns auch nur zu bekannt. Wir wissen ja auch um
die Vergeblichkeit unseres menschlichen Tuns, wir wissen darum, wie
wenig wir Menschen in dieser Welt verändern können, wie wenig wir selber
uns ändern. Die Welt ist nun einmal so, da lässt sich nichts dran
machen. Wir haben da unsere Erfahrungen, das war schon immer so und das
wird so bleiben. Und da ändert sich auch nichts dran, auch wenn wir noch
so schöne Worte in der Kirche hören. Wir müssen die Welt so nehmen, wie
sie ist. Und es werden für mich die verschiedenen Lebenserfahrungen
lebendig, in denen unser Leben so etwas wie einen vergeblichen Fang
zeigt: z.B. wie wir machtlos gegenüber politischen Entscheidungen sind
und waren; wie wünschenswerte Veränderungen, zum Beispiel zum Schutz der
Umwelt bei uns selber und anderen nicht durchzusetzen sind und waren;
wie wir der Krankheit von Menschen ausgeliefert sind, macht- und
hilflos, ohne Hoffnung und wie wir auch dem Tod ausgeliefert sind.
Hoffnungen, Ideale, Wünsche, Ziele, unerfüllt, das Netz des
Lebensglückes bleibt leer, das Dunkel der Nacht in der nichts gefangen
wurde überschattet alles.
Und wenn wir so etwas hören, oder selber so denken und reden, dann sind
wir im Grunde schon eingefangen, eingefangen in das Netz der Gedanken,
die das Leben versperren. Wir haben alles versucht, wir haben nichts
gefangen, dieses Wort des Petrus ist ein Bild, das jeder von uns mit
seinen eigenen hoffnungslosen Lebenserfahrungen lebendig machen kann,
darin können wir uns mit unserer Niedergeschlagenheit wiederfinden.
Petrus bleibt nun aber nicht stehen bei diesem Wort. Er drückt zwar
seine Skepsis aus, ja im Grunde steckt da die ganze Resignation seines
Leben drin: es hat keinen Zweck -- aber auf dein Wort hin will ich die
Netze auswerfen. Auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen. Das ist
die entscheidende Wendung bei Petrus, es ist für ihn der Anfang der
Befreiung aus dem Netz der eigenen hilflosen Gedanken. Auf dein Wort
hin. Ich bin überhaupt nicht davon überzeugt, dass es Erfolg hat, alle
Lebenserfahrung spricht dagegen, und dennoch will ich mich einmal darauf
einlassen, trotz all meiner Fragen, trotz all meiner Zweifel, die ich
mit mir herumtrage. Dein Wort, Jesus, soll mir erst mal genügen. Ich
will es ausprobieren, ob es hält, was es verspricht.
Dieser Petrus, der Fischer vom See Genezareth, ein Mensch, der Mitten im
Leben steht, wird durch diesen Satz zu einem Vorbild für uns Christen.
Wie gesagt, er hat seine Erfahrungen, so vieles spricht dagegen, sich
erneut auf den Weg auf den See zu machen, sich gegen die allgemeine
Resignation zu stellen, sich also auf einen neuen Weg zu machen. Aber
auf sein Wort hin will ich die Netze auswerfen, will ich alle Bedenken
einmal beiseite stellen, will ich mich ganz in seine Hand begeben und
sehen, was dann auf mich zukommt.
Petrus hat sich nicht blind einfangen lassen, mit offenen Augen, auch in
gewisser Weise kritisch lässt er sich aber ins Licht des Tages führen.
Und Petrus hat dann die Erfahrung übervoller Netze machen dürfen, es war
kaum zu tragen, was da auf ihn zukam, die Boote waren so voll, dass sie
zu sinken drohten.
Es ist für mich das lebendige Bild eines Lebens, das sich trotz und mit
allen Bedenken dennoch auf Jesus einlässt, dass sich auf sein Wort
verlässt und damit völlig neue Erfahrungen macht. Das übervolle Boot ist
ein Bild für die Fülle des Lebens, das sich dabei eröffnet und das in
seiner Vielfalt so kaum mehr zu tragen ist, wie es scheint. Das Boot
drohte zu sinken, übertragen auf christliche Lebenserfahrung heißt das,
dass vieles sehr viel intensiver erlebt wird, dass Leben aber auch
problematischer gesehen wird, dass wir die schönen und die schwierigen
Seiten des Lebens bewusster wahrnehmen. Das kann einen so schön das ist
auch hinunterziehen, das eigene Lebensboot an den Rand des Sinkens
bringen. Aber das ist eben damit auch gemeint, wenn wir von Fülle des
Lebens sprechen: es kommt alles intensiver auf uns zu. Und manchmal
bekommt man dann auch als Christ das Gefühl, dass alles zu viel wird,
dass man selber hinuntergezogen wird. Aber das Boot hält und es trägt.
Und mit dieser Erfahrung, dass das Boot hält, dass das Lebensnetz
übervoll geworden ist, wird Petrus zu einem Jünger Jesu, zu einem
Menschenfischer. Er, der sich dafür eigentlich unwürdig hält, wird von
Jesus dazu bestimmt, den Menschen die Fülle des Lebens zu bringen.
Am Anfang stand die Frage im Raum: von wem lassen wir uns einfangen, von
wem lassen wir uns etwas sagen, auf wessen Wort hin werfen wir unsere
Netze aus? Sind es die nüchternen Gedanken des Realisten Petrus, die uns
bestimmen, oder sind es die offenen, die Fülle des Lebens suchenden
Gedanken des Petrus, der Jesus etwas zutraut, der sagt: auf dein Wort
hin will ich die Netze auswerfen? Das Vertrauen des Petrus wurde
belohnt. Und ich glaube fest daran, dass auch unser Vertrauen sich
lohnt, dass Jesu Verheißung auch uns gilt, so dass auch unser Lebensboot
voll wird, dass wir in der Erfahrung der Fülle des Lebens getragene
sind.
Amen.
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Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 443,1,2,6,7
Psalm 78 i.A. siehe Lektionar
Eingangsliturgie
Gebet: EGb S. 359 - 3. Gebet
Lesung 1. Kor. 1, 18 - 25
Lied: 245, 1-3
Lesung: Lk 5, 1-11
Glaubensbekenntnis
Lied: 196, 1, 2 ,5+6
Predigt
Lied: 395, 1-3
Abkündigungen
Fürbittengebet
Gütiger Gott!
Wir bitten für alle Menschen, die für sich und ihr Leben alles immer
schon wissen. Hilf ihnen, das Neue im Leben immer wieder zu entdecken,
auf dass sie spüren, dass die Fülle des Leben in deinen Händen liegt und
du bereit bist, sie uns immer wieder neu zu zeigen. Darum rufen wir zu
dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die sich von dir ansprechen lassen, dass sie in
allem, was sie erfahren, darauf vertrauen, dass du gegenwärtig bist und
das Lebens hältst. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die auf der Suche nach Leben sind, und immer wieder
ins Leere laufen. Lass sie dein Wort hören, auf dass sie in dir ihr Ziel
finden. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten in diesen Tagen für alle, die im Urlaub und auf Reisen sind.
Lass sie in dieser Zeit Ruhe finden für sich und andere Menschen, mache
sie offen für die Schönheit deiner Welt und bewahre sie auf allen ihren
Wegen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle, die in schwierigen Lebenssituationen sind, die
ihnen viel Kraft rauben. Gib du ihnen die Kraft, die sie brauchen für
das, was vor ihnen liegt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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