| Predigt |
NT |
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Das Evangelium des Johannes ist ein ganz besonderes Evangelium. Es ist auf der einen Seite eines, das das Leben Jesu erzählen will. Wir hören vieles aus seinem Leben, was in den anderen Evangelien nicht zu finden ist, aber auch einiges, was ebenso bei den anderen drei Evangelien zu finden ist. Nur hat das Johannesevangelium dabei eine Eigenart: es wird in diesen Erzählungen noch viel deutlicher, dass es nicht um Geschichtsschreibung in unserem Sinne geht, sondern es geht in den Erzählungen des Johannes immer darum, den Glauben an Jesus herauszuarbeiten. Nicht das Geschehnis selber ist bedeutsam, sondern in der Erzählung wird die Besonderheit der Person Jesu herausgestellt. So ist das auch in unserem heutigen Evangelium von der Hochzeit zu Kana. Es schließt mit den Worten: Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. Johannes sah in dem Ereignis bei der Hochzeit nicht ein Wunder, sondern ein Zeichen. Jesus tat ein Zeichen, um darin die seine Herrlichkeit offen zu legen. Über den Glauben an Wunder sagt Jesu im Johannesevangelium zweierlei: einmal: So ihr nicht Zeichen und Wunder seht, glaubt ihr nicht. Und in der Geschichte vom ungläubigen Thomas sagt Jesus: selig sind, die nicht sehen und dennoch glauben. Für mich heißt das, das wir nicht gezwungen sind, Wundertaten Jesu für wahr zu halten, um dann auch zu glauben, dass Jesus anders als andere Menschen zu betrachten ist. Glaube hat nicht seine Grundlage darin, dass Jesus als Wundertäter aufgetreten ist, sondern Glauben hat seinen Grund darin, dass wir darauf vertrauen, dass Gott in diesem Jesus sichtbar und greifbar wird. Es geht also letztlich nicht darum, dass Jesus hier Wasser in Wein verwandelt hat, sondern es ist ein Zeichen für das, was die Bedeutung Jesu Christi ausmacht. So versteht zumindest die Zeichen, die im Johannesevangelium erzählt werden. Was ist das also für ein Zeichen, das uns da in der Geschichte von der Hochzeit zu Kana erzählt wird. Es war am dritten Tag, so fängt die Geschichte an. Auferstanden am dritten Tag, so haben wir eben miteinander im Glaubensbekenntnis bekannt. Der dritte Tag: Tag der Veränderung, der Erneuerung. Auferstehungstag als Tag des neuen Lebens und Teilhabe an der Fülle des Lebens, die Gott schenkt. Das sind meine Einfälle zu dieser kurzen Zeitangabe, die gewiss nicht zufällig gemacht wurde. Die Leser des Johannesevangeliums wussten um diesen dritten Tag und wussten auch um diese Gedanken des neuen Lebens. Am dritten Tag war eine Hochzeit. Das Fest eines neuen Lebens in der Verbundenheit der Liebe. Mann und Frau gehen einen neuen, gemeinsamen Weg miteinander. Hochzeit war zumindest im alten Testament auch ein Bild für die Verbindung von Gott und seinem Volk Israel. Und in Jesus verbindet sich Gott mit den Menschen. In ihm ist nicht nur menschliches sichtbar, sondern auch göttliches. Und die Mutter Jesu war da. Die Mutter spielt auch eine besondere Rolle in der Geschichte. Die Frau, die Jesus das Leben schenkte, die ihn aufgezogen hat, wird in dieser Geschichte allerdings sehr speziell, ja ungeheuer schroff behandelt. Als sie merkt, dass der Wein ausgeht, sagt sie dies ihrem Sohn. Und sie erfährt diese harte Ablehnung: Was geht's dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Ein wenig mehr Ehrfurcht vor der Mutter hätte man sich sicher schon gewünscht. Gerade auch in einer Zeit, wo das vierte Gebot noch eine andere Bedeutsamkeit hatte als heute. Aber hier wird auch nicht ein Mutter-Sohn-Konflikt dargestellt, sondern wenn ich diese Geschichte als ein Zeichen verstehe, dann weist diese Auseinandersetzung auf etwas anderes hin: Ein Mensch will Gott zu etwas nötigen. Tu doch dies, du doch jenes, hilf hier, hilf dort. Und das geschieht ja doch häufiger im Leben. Vor allem in den negativen Erfahrungen, wo wir uns auf Gott besinnen, möchten wir ihn zu einem bestimmten helfenden Handeln drängen. Gott als letzte Möglichkeit der Veränderung. Doch Jesus weist dieses Ansinnen zurück. Seine Antwort macht deutlich: Gott handelt, wann er will und auf welche Weise er will. Selbst ganz eng verbundene Menschen können Gott da nicht zu einem bestimmten Tun zwingen. Die Zeit und die Art und Weise seines Handelns bestimmt Gott selber. Maria scheint dies verstanden zu haben. Aber sie zieht sich jetzt nicht beleidigt zurück, sondern sie instruiert die Diener, nach Jesu Willen zu handeln. Sie bereitet Menschen darauf vor, dass Gott sie in den Dienst nehmen wird, dass sie teil haben an dem, was Gott in der Welt wirkt. Da stellt sich dann die Frage an uns: Sind wir eigentlich darauf vorbereitet, dass Gott uns anspricht, in den Dienst nimmt? Ist das überhaupt ein Gedanke für uns, dass wir Menschen von Gott gebraucht werden, um etwas in dieser Welt zu wirken? Was er euch sagt, das tut. Lasst Gottes Wort in der Welt lebendig werden, steckt für mich dahinter. Nehmt an, was Gott in Jesus zu uns bringt, lasst euch davon in Anspruch nehmen, auf dass es wirken kann in der Welt. Die Diener lassen sich in Anspruch nehmen, tun, was Jesu ihnen sagt. Sie füllen 6 Steinkrüge mit Wasser. Das waren insgesamt 600 Liter, die da hineingefüllt wurden. Aus dem Wasser wurde bester Wein, der eigentlich nicht mehr angeboten wird, wenn die Gäste schon angetrunken sind. Was ist das für ein Zeichen, das Jesus da tut? Zunächst einmal fällt die Fülle auf. 600 Liter Wein. Wir wissen nicht wie groß die Gesellschaft war, aber 600 Liter sind schon eine ungeheure Menge an Wein, die hier nun zur Verfügung stehen. Jesus schenkt mit diesem Wein eine Fülle an Festmöglichkeiten, er eröffnet nach dem vermeintlichen Ende der Feier die Möglichkeit zu sehr viel mehr. Jetzt ist nicht Zeit nach Hause zu gehen, sondern Zeit für Ausgelassenheit und Freude. In diesem Zeichen spiegelt sich die ungeheure Fülle wider, die Gott uns Menschen im Leben schenkt. Dieses so genannte Weinwunder ist ein Hinweis darauf, dass Gott im Blick auf uns Menschen, im Blick auf die Welt ein ungeheuer verschwenderischer Gott ist, dessen Lebensfülle unerschöpflich ist. Schauen wir uns in der Schöpfung um: welch eine große Vielzahl von Vögeln gibt es. Es gibt nicht nur eine Pferdesorte, sondern tausende von verschiedenen Sorten. Und das gilt ja für alle Tiere und auch für die Pflanzen. Mit welch einer verschwenderischen Vielfalt sind wir da umgeben. Oder denken wir einmal an die menschliche Fortpflanzung: Hunderttausende von männlichen Samenzellen werden da auf den Weg geschickt um die weibliche Eizelle zu befruchten: nur eine erreicht das Ziel. Wie viele Eizellen werden zur Verfügung gestellt, doch nur wenige werden wirklich gebraucht. Verschwenderisch viel stellt Gott da zur Verfügung, nur weniges wird letztlich für die Erhaltung der Art gebraucht. Wir haben einen Gott der uns ein Leben in ungeheurer Fülle zur Verfügung stellt. Vor allem auch dann, wenn wir meinen, dass die Lebensfülle zur Neige geht. So zumindest möchte ich die leeren Weinkrüge deuten. Das könnte ein Hinweis sein darauf, dass wir in bestimmten Lebenssituationen meinen, dass wir keine Möglichkeiten mehr haben, dass das Leben jetzt nur Neige geht. Es gibt viele Lebenssituationen in denen solch ein Gedanke mal aufkeimt: Liebeskummer, Arbeitslosigkeit, Streit, Lieblosigkeit, Trennung, Krankheit, Sterben, Trauer, Katastrophen, um nur einige zu nennen. Da sehen wir oft nur noch unsere eigene kleine Situation, die wenig Lebensmöglichkeiten offen lässt. Doch unsere Geschichte von der Hochzeit erzählt uns, dass es Veränderung gibt. Am dritten Tag - nicht gleich, nicht sofort ist dies sichtbar, aber es ist auch nicht weit weg. Wir müssen uns im Blick auf unser Leben dann nicht verstecken oder wehmütig dem vergangenen nachtrauern. Das bisherige Leben mag zur Neige gehen und das freudig, festliche des Lebens scheint vorbei, doch da ist Jesus, da ist Gott, der uns Anteil gibt an verschwenderischer Lebensfülle. Möglichkeiten zu leben sind so vielfältig, dass wir sie uns gar nicht alle vorstellen können. Es geht also gar nicht darum, ob Jesu hier Wasser in Wein verwandelt hat, sondern es geht darum, dass mit Jesus jemand in die Welt gekommen ist, der uns zeigt, dass die Festfreude des Lebens kein Ende hat. Wir können im Angesicht Gottes wirklich immer Hoffnung für unser Leben haben können. Ganz gleich, was uns auch im Leben widerfahren mag, bei Gott gibt es immer wieder ungeheure Möglichkeiten, dem Leben etwas abzugewinnen. Selbst im Sterben ist Hoffnung möglich, selbst der Tod schneidet diese Verbundenheit mit der Lebenskraft Gottes nicht ab. Wir haben bei Gott wahrhaft Leben in Fülle. Das ist die Kernbotschaft dieses Zeichens von der Verwandlung des Wassers in Wein. Und Johannes hat diese Elemente Wasser und Wein sicher nicht einfach so genommen. Auch sie sind Zeichen für mehr. Wasser und Wein, das sind die Elemente unserer Sakramente. Insofern werden wir auch an die Taufe und das Abendmahl in dieser Geschichte erinnert. Die Taufe als der Anfang des Weges mit Gott. Mit der Taufe werden wir in ganz besonderer Weise in die Fülle Gottes hineingenommen. Du gehörst zu Gott, so sagt uns die Taufe. Du bist nicht nur Teil der Schöpfung, Teil der Menschen dieser Welt, nein du bist mit der Taufe auch Kind Gottes. Du bist nicht mehr nur auf das gewiesen, was du in dieser Welt siehst und erlebst, sondern du hast Anteil an der Fülle Gottes. Wir sind also nicht nur auf uns allein gewiesen mit unserem Denken und Handeln, sondern wir dürfen immer auch ein Stück weiter schauen. Wir müssen uns nicht durch allein menschliches Denken beschränken lassen, sondern dürfen darüber hinaus Hoffnung und vertrauen haben. Darum arbeiten Christen in Hospizen und begleiten Menschen in hoffnungslosen Situationen. Darum beten und setzen sich Christen für den Frieden ein, auch dort wo nach menschlichem Ermessen die Gewalt allein das Sagen hat. Sie lassen sich nicht entmutigen, weil in der Verbindung mit Gott immer ein „Darüberhinaus“ lebendig werden soll. Christen suchen nach Wegen der Versöhnung, auch dort noch, wo menschliches Denken sagt: hier ist Hopfen und Malz verloren. Christen leben aus der verschwenderischen Liebe und Zuwendung Gottes und versuchen diese an andere weiterzugeben, um sie an dieser Fülle teilhaben zu lassen. Auch das Abendmahl ist ein Zeichen der Teilhabe an der Fülle Gottes. Das Abendmahl verbindet Menschen zu einer Gemeinschaft, die wir Menschen selber nicht herstellen würden. Über die Grenzen von Sympathie und Verstehen hinaus schließt Gott die Menschen zusammen, weil eben dort nicht menschliches Denken regiert. Auch darin wird deutlich, bei Gott ist unendlich viel möglich, und daraus können wir schöpfen für unser Leben. Insofern ist diese Geschichte von der Hochzeit zu Kana viel mehr als nur ein Wunder. Es ist ein Zeichen für einen jeden und eine jede von uns, dass wir durch Jesus Christus von Gott unendlich viel erwarten dürfen für unser Leben. Gott übersteigt unsere Grenzen, unsere Sackgassen. Er lässt das Fest des Lebens nicht einfach zu Ende gehen, sondern hält seine bergende Hand über uns. Er vermag die leeren Krüge des Lebens immer wieder neu zu füllen. In Christus ist die Herrlichkeit Gottes offenbar geworden. Von den Jüngern wird gesagt, dass sie Glauben fanden. Mögen auch wir den Glauben finden und so die Fülle des Lebens entdecken. Amen. Liturgischer Ablauf
Begrüßung - Orgelvorspiel |
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