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Joh 16, 23-24.33

Rogate heißt dieser Sonntag nach alter Tradition. Rogate, das heißt: Betet, bittet. So steht das Beten heute im Vordergrund.
Für einen Gottesdienst ist diese Aufforderung eigentlich überflüssig. Wir haben doch mit den Worten der Lieder, dem Psalm und mit eigenen Worten schon gebetet. Wir bringen unsere Gedanken mit in den Gottesdienst und bringen sie in unseren Bitten vor Gott.
Aber diese Aufforderung durch den Namen des heutigen Sonntages gilt sicherlich nicht so sehr für die Zeit des Gottesdienstes, sondern ja eher für unser ganz persönliches Leben, für unseren Alltag außerhalb dieser Kirchenmauern. Aber da ist es mit dem Beten schon etwas schwieriger. Wobei ich davon überzeugt bin, dass mehr Menschen beten als wir das so landläufig meinen. Nur tun wir es eben nicht öffentlich, sondern zumeist im stillen Kämmerlein. Hat Jesus ja auch so gesagt, dass wir im stillen Kämmerlein beten sollen, obgleich er damit eher verhindern wollte, dass das Gebet zu einer Schaudarstellung wird, die das fromme Leben von Menschen nach außen darstellen könnte.
Wir wollen also heute ein wenig darüber nachdenken, was es mit dem Gebet auf sich hat, was es uns helfen kann und wie wir recht mit dem Gebet umgehen können.
Jesus sagt dazu in den Abschiedsreden des Johannesevangeliums, wir haben es eben gehört: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, so wird er's euch gebeten. Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, wo werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei.
Mit diesen Worten beschreibt das Johannesevangelium das Gebet. Wenn ihr den Vater um etwas bitten wertet, so wird er's euch geben.
Dieser Satz ist ein großes Wort. Erleben wir nicht oft genug etwas ganz anderes. Nämlich, dass unsere Gebete scheinbar nicht erhört werden. Gebet, so sagen viele Kritiker, ist doch sowieso nur eine Form von Selbstgespräch, das zu nichts führt. Und dahinter steckt dann immer, dass die Bedeutdung des Gebetes nach seinem Erfolg bemessen wird. Wir bitten um etwas, und wenn es dann eintritt, so hat es sich erfüllt und dann ist es ja auch schön, aber wenn es nicht eintritt, dann nützt das Gebet auch nichts. Und wie viele Gebete wurden angesichts des Krieges, angesichts des Terrors in der Welt, an den Krankenbetten gesprochen, ohne dass sich irgendetwas verändert hat. Und weiß Gott nicht längst, was wir brauchen, müssen wir ihm das noch erzählen?
Natürlich weiß Gott um uns. Aber wissen wir auch um Gott? Nehmen wir Gott so ernst, wie er uns ernst nimmt?
Seien wir doch mal ehrlich mit uns selber. Wann taucht Gott in unserem Leben auf, wann spielt er eine Rolle für uns in unserem Leben? Oft genug wird das Gebet auch missbraucht. Es ist irgendetwas nicht in Ordnung mit unserem Leben oder in der Welt und nun suchen wir einen, der es wieder in Ordnung bringt, der wie der Clown in der Pappschachtel herausspringt und die Welt verändert. Deus ex machina - der Gott aus der Maschine, der wie im Theater aus der Höhe kommende Gott, der nun alles richtet. Was ist das für ein Gott, der so im Dienste der Menschen steht. Es ist kein Gott, es wäre eine Marionette der Menschen, die nach Belieben erscheint, aber ansonsten keinerlei Bedeutung hat. Lieber Gott, mach, dass ich keine 5 in Mathe schreibe.
Beten, das ist Gespräch. Ein Gespräch kann ich nur aufnehmen, wenn ich mich auf den anderen einlasse, wenn ich mein Gegenüber ernst nehme, wenn ich mich ihm öffne. Das ist schwer im Blick auf Gott, der ja nicht direkt antwortet. Das macht das Beten ja auch schwer, weil wir dieses direkte Gegenüber nicht gleich vernehmen, weil es Zeit braucht, für das, was wir als Wort Gottes hören.
Für mich ist das Gebet dennoch eine ganz wichtige Zwiesprache, die man gewiss mit eine Art Selbstgespräch vergleichen kann. Das Gegenüber wird in mir laut, immer mit der Ungewissheit: ist es jetzt wirklich Gottes Stimme in mir oder doch nur meine eigene Stimme, die mir etwas einredet, was ich gerne hören möchte. Dennoch ist dieses Gespräch wichtig, ist diese Zwiesprache bedeutsam. Und es ist eine Zwiesprache, in der indirekt auch jemand drittes auftaucht: Jesus selber. Er sagt ja nicht nur allein: Wenn ihr den Vater um etwas bitten wertet, so wird er's euch geben; sondern er sagt: Wenn ihr den Vater um etwas bitten wertet in meinem Namen, so wird er's euch geben.
Insofern wird das Gebet zu einem Glaubensakt und zu einem Vertrauensgeschehen. Das was uns auf dem Herzen liegt, was wir vor Gott bringen, wird zunächst in Beziehung gesetzt zu Jesus. Und damit wird es indirekt befragt danach, was wollen wir eigentlich von Gott?
Die 3 in Mathe kann es ja nicht wirklich sein. Dafür sind wir nun wirklich auch selbst verantwortlich.
Im Namen Jesu beten, das heißt für mich, das, was mir Sorgen bereitet vor Gott auszubreiten, es ihm mitzuteilen, mit Freude, mit Dank, mit Lob, mit Ernst, mit Klage, in Verzweifelung, ja in Hass gegen das, was da geschieht, was Gott uns auch auferlegt. Es gibt da keine Beschränkung und dies sollte im Gebet auch so laut werden, wie es in unserem Herzen ist, am besten noch laut nach außen gesprochen werden. Es wirklich rauslassen und dazu ist lautes Sprechen ganz wichtig, sonst bleibt es nämlich doch nur in uns. Ich weiß, wie merkwürdig das ist, das kostet große Überwindung, aber gerade wenn der Druck in uns am größten ich, dann sollte wir den Mut haben, laut unserer Not Ausdruck zu verleihen.
Dies wäre ein wichtiger erster Schritt des Gebetes.
Das zweite ist für mich dann das Nachdenken, was ich in dieser Situation von Gott wirklich erwarte. Für mich ist da das bedeutendste Beispiel Jesu Gebet in Gethsemane. Jesus weiß um seinen bevorstehenden Tod. Er hat dieselbe Angst, wie wir alle sie wohl haben würden, wüssten wir um diesen Ausgang des Lebens. Jesus bittet Gott inständig mit tränenden Augen, dass dieser Kelch an ihm vorübergehen möge. Jesus wünscht sich, dass sich sein Lebensweg verändert, dass er diesem Ende entrinnen kann. So wie wir in den verschiedensten Lebenssituationen darum beten, dass sich etwas in eine bestimmte Richtung verändern möge. Doch dann kommt der entscheidende Satz, der das Zentrum eines jeden Gebetes ist: Doch nicht mein Wille geschehe, sondern dein Wille.
In Jesu Namen zu beten, das heißt, zu fragen, was ist eigentlich Gottes Wille in dieser Situation. Was erwartet er von mir, was kann ich angesichts des Evangeliums von Jesus Christus als den Wunsch und das Ziel Gottes für mich und mein Leben ansehen?
Was Jesus mit seinem Gebet vor Augen stellt, ist, dass das wichtigste in einem Gebet ist, dass wir Gott vertrauen. Beten heißt: sich Gott anvertrauen, sich mit seinem Leben, seinen Gefühlen und all dem, was auf der Seele liegt, in Gottes Hände begeben und damit sich selber aus der Hand legen. Nicht mein Wille geschehe. Und ich bin der festen Überzeugung, dass genau dies, das aller Schwerste an einem Gebet ist. Sich selber aus der Hand geben, alles fallen zu lassen, die eigene Sicherheit des Lebens aufgeben und nur noch zu sagen: Gott, so ist mein Leben, nimm du es in die Hand und führe es.
Beten in Jesu Namen - das heißt letztlich genau dieses: nicht ich stehe an erster Stelle, sondern Gott, sein Wille, sein Weg mit mir. Ich behaupte, dass Menschen, die die Kraft des Gebetes anzweifeln, weil der Erfolg ausbleibt, genau dieses außer Acht lassen, dass es im Gebet nicht um uns und die Erfüllung unserer Wünsche geht, sondern dass es um Gott geht und um das, was er an uns tut.
Vertrauen zu Gott im Gebet, das bedeutet: ich vertraue darauf, dass dieser Gott für mich Gutes bereit hat. Dieser Gott lässt mich nicht untergehen, lässt mich nicht einfach beiseite stehen und allein. Dieser Gott ist für mich da und selbst wenn mein Leben nicht so aussieht, wie ich es mir wünsche und vorstelle, ich bin gewiss, Gottes Weg mit mir führt zum Guten. Bei ihm bin ich geborgen und darf gewiss sein, dass das Ziel meines Lebens Gott selber ist. Darum kann ich mich loslassen, kann ihm die Zukunft übergeben.
Und das kann ich im Glauben an Jesus Christus vor allem in der Grenzsituation des Endes deutlich sehen. Gott lässt seinen Sohn nicht allein, auch nicht am Kreuz, sondern er führt ihn durch das Kreuz zum Leben. Jesu Bitte war: Lass den Kelch an mir vorüber gehen, lass mich am Kreuz vorübergehen. Der Weg zum Leben führte durchs Kreuz hindurch, führt mitten durch die Tiefen des Lebens. In Jesu Namen beten, heißt, dieses vor Augen zu haben und es beim Gebet mit einzubeziehen.
Der Weg der Krankheit soll natürlich zum Guten verlaufen, doch ist das Gute, das was wir vor Augen haben. Beten im Angesicht der Krankheit, das heißt für mich auch, bitten um die Kraft, den schlimmsten Weg gehen zu können, nicht zu verzweifeln am Leben und an der Liebe Gottes. Es geht nicht um vordergründige Veränderung des Lebens, sondern um die Durchdringung des Lebens mit der Kraft der Liebe Gottes, die auch durch die schlimmsten Wege des Lebens hindurchträgt und zu einer Zukunft führt, gewiss nicht immer die ist, die wir uns wünsche und vorstellen, aber die doch die Zukunft Gottes ist. Und wenn wir dessen gewiss sind, dann wird auch die Erfüllung des Gebetes nicht festgemacht an den Dingen, die wir uns Wünschen, sondern daran, ob wir im Vertrauen auf Gott das Leben meistern, dass wir uns nicht von ihm abwenden, sondern immer wieder auf der Suche sind nach dem tragenden Grund des Lebens. Und diesen tragenden Grund wird er uns nicht versagen. Wenn ihr den Vater um etwas bitten wertet in meinem Namen, so wird er's euch geben. Nicht so wie wir es uns vielleicht vorstellen, aber doch so, dass Gottes Wille lebendig bleibt. Bittet, so werdet ihr nehmen, dass eure Freude vollkommen sei, das verheißt uns das Wort Jesu aus dem heutigen Evangelium.
Im letzten Satz dieses Evangeliumsabschnittes wird das, was ich eben versucht habe deutlich zu machen, noch einmal auf andere Weise gesagt: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
Jesus bringt damit sehr deutlich zum Ausdruck, dass uns im Alltag dieser Welt vieles begegnet, das uns Angst macht, das unser Leben aus den Fugen geraden lässt. Vieles ist darin, was uns große Sorge bereitet, ja unser Leben in Frage stellt und uns deshalb eben auch Angst macht. Jesus hat dies für sich ja auch erlebt bis zum bitteren Ende. Nun sagt er, er habe die Welt überwunden. Er hat sich nicht an sie gebunden, er hat nicht in dieser Welt Erfüllung gesucht, er hat nicht in der Erfüllung irdischer Wünsche das Ziel des Lebens gesucht, sondern darin, dass er sich in seinem Tun an Gott ausgerichtet hat. Und weil er dies getan hat, hat er sich ganz den Menschen und dieser Welt zuwenden können, ohne eben darin gefangen zu sein. Das Gebet im Namen Jesu führt uns eben diesen Weg, weg aus den irdischen Bindungen hin zu einer alles umgreifenden Perspektive. Im Glauben überschreiten wir die Gebundenheit an diese Welt, ja wir können auch die Ängste dieser Welt überwinden. Das Gebet im Namen Jesu, das Gebet im wirklichen Vertrauen zum gütigen Gott, öffnet uns das Leben in ganz neuer Weise. Und zu einem solchen Gebet will Jesus uns führen. Nicht die Angst, die Not und alles Bedrückende sind das, was unser Leben ausmacht, sondern der Glaube weist uns dahin, dass wir im Gebet diese Welt überwinden können, aus einer ganz anderen Kraft schöpfen können und sich so im Leben auch Veränderung einstellt. Nicht immer so wie wir es uns vorstellen, aber doch so, dass wir vertrauensvoll unseren Weg gehen können.
Dazu gebe uns Gott in der Zwiesprache mit ihm seinen Geist und seine Kraft. Amen.

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 317,1-5
Eingangsliturgie
Gebet
Lesung
Lied: 289,1-3,5
Lesung
Glaubensbekenntnis
Lied: 133, 1,2,5,13
Predigt
Lied: 361, 1-3+8
Abkündigungen
Fürbittengebet
Gütiger Gott, wir treten vor dich, weil wir darauf vertrauen, dass du es gut mit uns meinst. Wir bitten dich, erhöre unsere Bitten und führe uns zum Vertrauen zu dir. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle Menschen, die zu dir in ihrer Not rufen und Hilfe erhoffen. Lass sie nicht allein in all ihrer Not, gib du ihnen, was sie nötig haben. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für Menschen, die in Sorge um ihre Angehörigen sind: sei es durch Unfälle, durch Gewalt und Krieg, durch die Erdebeben in Algerien oder wegen Auseinandersetzungen in der Familie. Nimm ihnen ihre Sorgen ab, schenke ihnen deine Kraft zum Leben. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für den Kirchentag in der kommenden Woche. Mögen die Menschen dort wirkliche Gemeinschaft durch deinen Geist erfahren, möge kirchliche Gemeinschaft inmitten der Trennung sichtbar werden. Mögen all dort vor Schaden und Gefahr bewahr werden. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
In der Stille bringen wir unsere persönlichen Anliegen vor Gott:
Für alle benannte und alles unbenannte rufen wir: Herr, erbarme dich.
Alles, was uns wichtig ist, legen wir in deine Hände Gott. Handle mit uns nach deinem Willen. Amen
Vaterunser EG 188
Segen
163

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt

Rogate
25. 5 .03

Liturgischer
Ablauf
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