|
|
|
Der Abschnitt aus der Bibel, der uns am heutigen Abend
begleitet steht geschrieben in den Abschiedsreden des Johannes. Das
13.-17. Kapitel seines Evangeliums enthält eine lange Rede, die Jesus
seinen Jüngern kurz vor seinem Tod gehalten haben soll. Es ist eine
theologisch stilisierte Rede, die so sicher nie gehalten wurde, aber sie
entspricht dem Leben und Wirken Jesu, insofern dürfen wir sie so lesen,
als hätte Jesus sie so an seine Jünger und auch an uns gerichtet.
Im Hintergrund steht der bevorstehende Tod Jesu. Es ist Zeit des
Abschiedes, Zeit der letzten Worte miteinander. Ein bisschen ist das auch
unser Erleben heute. Glücklicherweise steht kein Tod vor Augen, aber doch
eine Zeit des Überganges. Wir nehmen Abschied vom alten Jahr 2004 und
sehen dem Jahr 2005 entgegen.
Und nun wird uns als Überschrift dafür als erstes von Jesus mitgegeben:
Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich.
Über dem neuen Jahr steht: Euer Herz erschrecke nicht!
Auch wenn wir nichts bedrohliches vor Augen haben, macht es zunächst
einmal Mut. Du kannst mutig voran gehen. Du kannst dein Leben getrost
leben, es gibt etwas, das dir in allen Lebenslagen hilfreich ist, das dir
Halt gibt, das deinem Herzen Stärke verleiht. Der Glaube an Gott und der
Glaube an Jesus Christus. Dieser Glaube ist der tragende Grund für das,
was im Leben auf uns zukommt.
Und in einem Bild versucht Jesus dies deutlich zu machen. In meines Vaters
Hause sind viele Wohnungen. Das Haus ist Gottes besteht nicht nur aus
einem Raum. Die Heimstatt unseres Lebens, die wir bei Gott haben, ist
nicht einräumig, einlinig, einförmig. Der Glaube, in dem wir leben, hat
nicht nur ein Gesicht, er hat viele Möglichkeiten sich zu entfalten, sich
in dieser Welt Raum zu verschaffen.
Ein schönes Bild. Ich stelle mir ein sehr großes, wirklich weiträumiges
Haus darunter vor, in dem es ganz viele Räume gibt. Da gibt es die Wohnung
der Ruhe, der Besinnung. Ich kann bei Gott einen Raum finden, in dem ich
abseits vom Alltäglichen wieder zu mir selber finde. Hier darf ich
loslassen, hier darf ich mich fallen lassen, hier kann ich sein, wie ich
bin. Hier kann ich alle Masken und alle Hüllen fallen lassen, denn Gott
nimmt mich an, wie ich bin.
Und dann gibt es die Wohnung der Aktivität, wo ich mein Leben aktiv in die
Hand nehmen kann. Familie, Beruf, Freizeit. Gott lässt mir Raum, meine
Gaben und Möglichkeiten zu entfalten. Er gibt mir Raum, an seiner
Schöpfung, am Leben dieser Welt mitzuarbeiten, die Welt positiv zu
gestalten. Er gibt mir dazu auch Menschen an die Seite, die mir helfen,
denen ich helfe, im Leben zurecht zu kommen. In dieser Wohnung hat auch
der Einsatz für andere seinen Raum, der Einsatz gegen die Ungerechtigkeit
in der Welt, die Aktivität für die Bedürftigen der Welt, für die
Solidarität und Mitleidensbereitschaft auch und gerade besonders in
Zeiten, wo wirtschaftliche Probleme unser eigenes Land drücken. Denn das
müssen wir dabei immer im Augen haben. Wir leben auf hohem Niveau und
dementsprechend geht es gut, auch wenn wir mit Einschränkungen leben
müssen. Solidarität mit den Ärmsten darf nicht vergessen werden. Diese
Wohnung im Hause Gottes muss immer wieder mit neuem Leben erfüllt werden,
gerade in Zeiten, wo die Weltgemeinschaft immer enger zusammenrückt. Gut,
dass über dem Haus steht: Euer Herz erschrecke nicht! Auch wenn da in der
Wohnung manches umgestellt wird und vielleicht anders aussieht, es wird
doch das Haus Gottes bleiben, in dem wir einen Platz haben.
Das Bild vom Haus mit den vielen Wohnungen bietet aber auch noch andere
Assoziationsmöglichkeiten. Wenn ich auf die Mitglieder in den
Kirchengemeinden denke, dann finde ich es immer wieder großartig, dass so
unterschiedliche Menschen dort Platz finden. In keiner Gruppe findet man
so verschiedene Charaktere und Menschen zusammen unter einem Dach.
Irgendwie kann jeder bei uns seinen Platz finden, seine Wohnung in der er
und sie sich wohl fühlen kann, Raum finden kann, um zu sagen, dies ist
auch mein Zuhause. Als Christen müssen wir nicht einförmig und einlinig
sein, gerade die Verschiedenheit der Gedanken und Ausdrucksformen ist
wichtig. Bis hin zu den Kritischen Menschen, die auch das Tun der Kirche
und der Christen in Frage stellen, um den Glauben zu fördern. Es gibt
sicher Orte außerhalb unserer Kirche, die auch Teil des Hauses Gottes
sind, nur dass wir diese Orte selten wahrnehmen, weil wir lieber in
unserer eigenen Wohnung bleiben. Insofern macht Jesus auch Mut, den Blick
nach draußen zu werfen, das Leben in seiner ganzen Fülle im Hause Gottes
wahrzunehmen.
Das Bild vom Haus bietet viele Möglichkeiten, darüber nachzudenken.
Wichtig ist dabei nur, dass wir uns als solche begreifen, die diesem Haus
angehören, die so etwas wie einen Schlüssel dafür besitzen. Der Schlüssel
dazu wird in unserem Bibeltext sehr deutlich benannt: Jesus Christus
spricht: ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum
Vater denn durch mich.
Das Leben im Haus Gottes ist gebunden an das Leben Jesu, an den Glauben an
Jesus Christus. Er bietet uns den Weg, die Wahrheit und das Leben. Jesus
zeigt uns, wie der Weg aussieht, der uns zum Haus Gottes führt und der
auch innerhalb des Hauses die Wohnungen untereinander verbindet. An erster
Stelle steht sicherlich die grenzenlose Menschenliebe. Das Ansehen des
anderen als ein Geschöpf Gottes, ohne Ansehen von Hab, Gut und Stand.
Das Zweite ist die Bereitschaft zur Versöhnung, wie Jesus sie vorgelebt
hat. Ohne Versöhnung gibt es kein wirkliches Zusammenleben, keine
lebensfördernde Wohngemeinschaft. Wo es keine Versöhnung gibt, da bricht
gemeinsames Leben auseinander, da kann man nicht unter einem Dach leben.
Jesus hat die Versöhnung zwischen Gott und Mensch gebracht, er hat damit
die Lebensgrundlage gelegt für das Leben im Haus Gottes und so die Stätte
bereitet, zu der wir gerufen sind.
An dritter Stelle steht die Hoffnung und das Vertrauen, das Jesus in sich
getragen hat. Für ihn gab es, bis hin zu dem Weg ans Kreuz keine
Situation, in der er die Hoffnung aufgegeben hat, in der er das Vertrauen
zu Gott verloren hat. Seine Liebe zum Menschen, seine Bindung zu Gott war
so stark, dass er um dieser Liebe willen auch das Leiden auf sich genommen
hat und genau so den Weg zum Leben uns Menschen eröffnet hat. An diese
Hoffnung, an dieses Vertrauen können wir uns hängen, sie ist die Grundlage
für unsere Hoffnung, für unser Vertrauen, für unseren Glauben. Darin liegt
dann auch beschlossen, was Jesus meint, wenn er von Wahrheit und Leben
spricht. Wahrheit können wir in seinem Leben erkennen, Wahrheit, die wir
als göttliche Wahrheit ansehen, und Leben, das wir als ein getragenes
Leben ansehen können, auch wenn es unter menschlichen Gesichtspunkten ganz
anders aussieht. Im Spiegel seines Lebens erkennen wir, wie Gott es mit
uns meint.
Euer Herz erschrecke also nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich, sagt
Jesus. In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Auf dem Weg in eine
neues Jahr, eine solche Überschrift zu hören. Und sie wird in diesem Jahr
auch noch vertieft durch die Jahreslosung, die da lautet: Jesus Christus
spricht: Ich habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.
Was wollen wir mehr auf dem Weg in die Zukunft. Wir dürfen gewiss sein,
dass der Weg geebnet ist, dass der Weg im Hause Gottes tragfähig ist, dass
wir dort Leben finden, dass dort jeder für sich, mit seinen Gaben und
Möglichkeiten, mit seinen Stärken und Schwächen, mit seinen Grenzen und
seiner Kraft Orte findet, die ihm zum Leben dienen. Ich wünsche uns allen,
dass wir dieses Haus Gottes für uns finden, dass wir uns einlassen können
auf den Weg, den Jesus vorangegangen ist, auf den er uns ruft und durch
den er uns zu einer Heimat führt, die uns niemand nehmen kann. Möge das
kommende Jahr durch Gottes Geist ein für uns alle gutes und segensreiches
sein. Jesus selber geht an der Seite, er ist der, der für uns betet und
unseren Glauben stärken will. Was wollen wir mehr. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied:
Wir
schaun hinauf zu den Bergen (J.Grote)
Psalm 121
Eingangsliturgie
Gebet des Tages:
Gütiger Gott, du allein bist ewig, wir aber vergehen. Das vergangene Jahr
legen wir zurück in deine Hände. Nimm von uns die Angst vor dem
Unbekannten, das vor uns liegt, schenke uns die Gewißheit, dass uns auch
im kommenden Jahr nichts scheiden kann von deiner Liebe, die in Jesus
Christus ist deinem Sohn, ....
Lesung: Jakobus 4, 13-15
Lied: 63,1-3+6
Lesung: Joh 14, 1-6
Glaubensbekenntnis
Lied: 166,1-4
Predigt
Lied: 229,1-3
Abendmahlsgebet:
Wahrhaft würdig und recht ist es, dich heiliger Gott und Vater zu loben
und zu preisen. Denn dein lebendiges Wort Jesus Christus lebt und wirkt
unter uns, er führt und leitet uns durch die Zeiten. In ihm wirkst du
jeden Tag unseres Lebens und so auch im neuen Jahr. Darum loben und
preisen wir dich mit allen Glaubenden die vor uns waren und denen, die mit
uns sind.
Großer Gott wir loben dich
Herr Jesus Christus, in der Taufe versprichst du uns dein Geleit bis ans
Ende der Welt, ja du betest für uns, trittst für uns ein. In den Gaben von
Brot und Wein lässt du uns diese Gegenwart schmecken und wirst ein Teil
von uns. So bitten wir dich, komme du zu uns, wenn wir feiern, was du uns
hinterlassen hast.
Einsetzungsworte
Ja, komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast, segne, was du usn hinterlassen
hast. Schenke uns deinen Heiligen Geist und erneuere uns. Segne die Gaben
von Brot und Wein und lass uns teilhaben an deiner Herrlichkeit.
Vaterunser
65, 1,2,5
Abkündigungen
Fürbittengebet
Du, Gott, schenkst uns ein neues Jahr.
Darum bitten wir dich: Hilf uns in diesem neuen Jahr deinen Willen zu
leben, das Gute zu tun, das wir tun können. Darum rufen wir zu dir: Herr,
erbarme dich.
Wir bitten dich für all diejenigen, für die das vergangene Jahr kein gutes
Jahr war, wo Krankheit, Trauer, Streit und vieles andere belastet hat.
Hilf ihnen dennoch deine Liebe zu erfahren. Darum rufen wir zu dir: Herr,
erbarme dich.
Wir bitten dich für all diejenigen, die leiden, weil sie Angst haben vor
dem Neuen das kommt, vor Veränderungen am Arbeitsplatz, in der Familie
oder in der Familie, vor Veränderungen in der Politik oder ganz
persönlichen Veränderungen im Leben. Schenke ihnen Geborgenheit, Hoffnung
und Zuversicht. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für alle, deren Leben unsicher ist, weil sie als Fremde
bei uns leben müssen, weil sie Angst haben zurück zu müssen an den Ort von
Hass und Gewalt, weil sie leben in Gebieten von Krieg und Terror. Hilf uns
und ihnen, dass wir einander als Geschwister ansehen, als Menschen, denen
deine ganze Liebe gilt und deshalb unsere ganze Achtung. Darum rufen wir
zu dir: Herr, erbarme dich.
Stille
Vaterunser
Segen
44
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
oben
| |
|