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Erntedankfest mit Einweihung des neuen
Osterleuchters
Gnade sei mit uns ...
Einen Osterleuchter am Erntedankfest einzuweihen, das ist schon ein
ungewöhnliches Datum. Ostern liegt im Frühjahr - Erntedankfest im
Herbst. Kann man beides überhaupt miteinander verbinden?
Ich weiß nicht, ob es mir gelingt, doch ich will es probieren. Natürlich
wäre es schöner gewesen, den Osterleuchter an einem Osterfest der
Gemeinde zu übergeben, es wäre vermutlich sinnenfälliger gewesen. Aber
er ist nun einmal erst am 30. 9. fertig geworden. Und so können wir ihn
erst jetzt einweihen.
Gleichzeitig aber ist die Gestalt und der biblische Bezug des Leuchters
einer, der mit dem heutigen Tag in enger Beziehung steht. Wir sehen vor
uns eine Weizenähre. In einer Gegend, wo der Weizen eines der
Hauptanbauprodukte der Landwirtschaft ist, ist dies sicher nichts
Ungewöhnliches. Und wir danken ja heute auch für die Ernte des Weizens,
auch wenn ich weiß, dass die Ernte in diesem Jahr wirklich katastrophal
gewesen ist. Wir erinnern uns ja alle an die Felder, auf denen kein Halm
mehr gerade stand. Die Landwirte haben viel Zeit und Energie aufwenden
müssen, um überhaupt einen Ertrag einzufahren.
Die Weizenähre steht also ganz ungeistlich gesprochen hier auch für
unseren Landstrich, für das, was in diesem Landstrich bedeutsam ist für
das, was wir so landläufig "das tägliche Brot" nennen. Und so steht
dieses Weizenähre hier in der Kirche als Zeichen für die Segenskraft
Gottes und für unseren Dank für das tägliche Brot, das wir reichlich
haben. Und dieser Dank soll ja auch nicht nur am Erntedanktag zum
Ausdruck kommen, sondern in jedem Gottesdienst wird dieser Dank
lebendig.
Nun gewinnt aber das Weizenkorn auch eine besondere geistliche
Dimension. Denn Jesus hat es einmal als Gleichnis benutzt. Er sagte:
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es
allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.
Dem Landwirt ein sicher sofort einleuchtendes Gleichnis. Das Korn, das
in die Erde gelegt wird, gibt sich als Korn auf. Es erstirbt, wie Jesus
sagt. Es verändert sich, bleibt nicht Korn, sondern wird zu etwas Neuem.
Und indem es sich selber aufgibt, indem es erstirbt, kann etwas
heranreifen, was vielfältig Frucht treibt. Das Sterben des Weizenkornes
führt zu neuem Leben.
Jesus spricht hier von sich selber. Er redet von seinem Kreuzestod und
dem Wissen, dass dieser Tod nicht das Ende seines Wirkens ist, sondern
der Neuanfang eines noch viel fruchtbareren Lebens. Und damit kommt das
Osterfest in den Blick. Der Tod am Kreuz wird durch das Osterfest, wird
durch die Auferstehung zu einem bedeutsamen Durchgangsstadium, das in
eine ungeheuer reiche Zukunft führt. Der Glaube sieht darin eine große
Hoffnung für sich. Der Glaubende sieht darin die Zukunft für das eigene
Leben.
Und der Osterleuchter erzählt uns davon. ER erzählt von dem einen Korn,
das die Mitte bildet, die Mitte des Lebens, die Mitte der Zukunft.
Dieses Korn gibt sich dahin, geht in den Bereich des Lebens, der
eigentlich das Ende bedeutet. Gott selber geht in den Bereich des Todes,
des Leidens, der Endpunkte des Daseins, um seine Gegenwart dort deutlich
zu machen. Hinabgestiegen in das Reich des Todes. Selbst dorthin, wo wir
das Ende allen Seins vermuten, dorthin geht Gott, dorthin gelangt die
Kraft des Lebens, um Neues zu schaffen. Das Licht der Güte Gottes
durchbricht die Dunkelheiten unseres menschlichen Lebens und eröffnet
einen Weg der Zukunft und bringt damit neues Licht im Leben hervor.
Wenn wir dies am Erntedankfest hören, so klingt es sehr theologisch und
irgendwie weit weg von unserem ganz alltäglichen Leben. Die Güte Gottes
feiern wir sonst am Erntedanktag mehr an den sichtbaren Dingen: die
guten Gaben der Schöpfung, die Gaben, die wir dem Segen Gottes zu
verdanken haben, die Nahrungsmittel, die das Leben der Menschen sichern.
Wir danken für die Blumen und Tiere, für die sichtbare Welt, die uns vor
Augen liegt. Es ist der Lobtag des Schöpfers.
Und doch wir feiern diesen Tag als Christen, die über das vor Augen
liegende hinausschauen. Denn der Lob des Schöpfers bleibt ja auch
manchem im Halse stecken. Ich erinnere an die Schäden, die in diesem
Jahr viele Menschen hinzunehmen haben. Die Landwirte, deren Existenz
durch die diesjährige schlechte Ernte gefährdet ist. Ich denke an die
Menschen, die durch das Hochwasser alles Hab und Gut verloren haben, die
Landwirte, deren Lebensgrundlage in den Gaben der Schöpfung liegt, aber
die nun zerstört ist, wie in einigen Obstbaugebieten, wo die Bäume im
Wasser erstickt sind. Kann man da Erntedank feiern?
Das fällt schwer, es geht so manchem eben nicht so einfach über die
Lippen wie vielleicht in anderen Jahren, wo die Scheunen und Keller mit
Gaben von hoher Qualität gut gefüllt sind. Gerade wenn wir unseren
Glauben an diese äußeren Dinge des Lebens hängen, dann wird unser
Glaube, dann wird unser Vertrauen ins Leben, dann wird der ganz
persönliche Halt im Leben immer wieder in Frage gestellt.
Ist das nicht auch ein Stück Ersterben des Weizenkornes, wenn wir uns
darüber klar werden, dass wir Gott eben nicht allein an die guten Seiten
des Lebens, an die guten Erträge des Lebens binden können? Es ist oft
ein schmerzhafter Prozess zu sehen, dass das Leben auch Bedrohungen
aushalten muss, ja bis an die Grenzen kommen muss, bis man die
wirklichen Grundlagen des Lebens erkennt.
Aber gerade darin macht uns die Osterbotschaft und damit die Mitte
unseres Glaubens sehr viel Mut, sich auf dieses Ersterben einzulassen.
Erntedank, das könnte für uns in diesem Jahr in Klein Elbe auch heißen,
dass wir Dank für den Lebensertrag unseres Herrn und Heilandes Jesus
Christus feiern. Denn der Osterleuchter weißt uns ja darauf hin, dass
die genannten negativen Erfahrungen von uns Menschen, - und da kann
jeder und jede auf das eigene Leben schauen, dazu muss man nicht
negative Ernteerfahrungen haben, - dass diese negativen Erfahrungen
durchleuchtet, durchstrahlt werden von dem Licht, dass von der Leben
schaffenden Kraft Gottes ausgeht. Selbst die schlimmsten Erfahrungen
bergen Früchte des Lebens, die diese Erfahrungen übersteigen werden. Das
ist die Osterhoffnung, die weiter reicht als alle handgreiflichen
Lebenserfahrungen es je ausdrücken könnten. Das Vertrauen zu Christus
schenkt eine Kraft, die uns nach vorne sehen lässt, auch wenn die Welt
so viel Ereignisse zeitigt, die uns immer wieder verzweifeln lassen. Wir
haben das ja in dieser Woche wieder erlebt in diesem völlig unsinnigen
Mord an Jakob, mit deren Eltern wir sicher alle mitfühlen. Das Sichtbare
spricht von der Bosheit des Menschen, von der Habgier und von
krankhaften Gedanken eines Menschen, dessen Handlungen wir völlig
ausgeliefert sind. Das Ereignis lähmt Hoffnung und Vertrauen, es macht
unsicher und voller Angst.
Demgegenüber steht jetzt hier unser Leuchter. Er erzählt von dem
Mitleiden Gottes mit den Menschen, die schwere Wege gehen müssen, er
erzählt von dem Mitsterben Gottes, er erzählt von dem Licht, das in die
Dunkelheiten scheinen will, von dem Geleit Gottes auch in den schwersten
Zeiten. Er erzählt von dem Zerbrechen dessen, der die ganze Liebe Gottes
verkörpert, der dann aber auf so vielfältige Weise Früchte der Hoffnung
und der Zukunft hervorbringt. Das erstorbene Weizenkorn bringt
vielfältige Frucht, damit wir vielfältige Hoffnung in all unseren
Lebenslagen behalten können, damit wir uns eben nicht verkriechen in den
bedrückenden Lebenserfahrungen, sondern von den Früchten der Hoffnung
durch Christus leben.
Wie gesagt, das ist schwer anzunehmen, weil es eben nicht so greifbar
ist, wie der Apfel am Baum, die Kartoffel in der Erde oder das
Weizenkorn auf dem Halm. Und doch ist es eine Wirklichkeit, die Menschen
seit dem ersten Osterfest begleitet und immer wieder neu trägt. Der
Glaube führt dazu, dass diese Wirklichkeit sich im eigenen Leben
durchsetzt. Sicher immer wieder auch mit Zweifeln, mit kritischen
Gedanken und Trübnis im Herzen. Aber doch so, dass gleichsam aus dem
erstorbenen Korn, langsam etwas wächst, das am Ende auch als Fülle der
Güte Gottes beschrieben werden kann. Denn dafür ist Christus gestorben
und auferstanden, dass wir diese Fülle der Güte Gottes erkennen, dass
wir davon leben können, auch dort, wo die Dunkelheit uns umgreift.
Und wenn in unserem Leuchter das Licht der Kerze die Mitte bildet, dann
ist das das Zeichen dafür, dass dieses Licht als ein hingebendes Licht
für uns da ist. So wie die Kerze sich selber verzehrt, um Wärme und
Licht zu geben, so hat auch Christus sich hingegeben, um uns Wärme und
Licht des Lebens zu geben. Und das steht uns hier vor Augen. Jeden
Gottesdienst dürfen wir uns daran erinnern, dürfen wir uns von diesem
Licht ermutigen lassen, und dürfen dankbar sein für das, was Gott uns in
Jesus Christus gegeben hat. Seine Lebensernte dient nicht nur zum
natürlichen Überleben, so wie unsere Ernte, sondern sie dient zum
Überleben in jeder menschlichen Situation, weil sie eine Hoffnung gibt,
die durch nichts begrenzt ist. Es ist eine Hoffnung, die den Tod
durchschritten und darin das neue Leben eröffnet hat. Und das ist die
Frucht seines Sterbens und Auferstehens. Er gibt uns Anteil daran, damit
auch wir Frucht bringen: Früchte der Hoffnung, Früchte der Liebe und
Anteilnahme, Früchte der Gerechtigkeit und Früchte des Friedens an allen
Orten.
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oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Chor
Begrüßung
Lied: 508, 1-4
Psalm 104 - EG 743
Eingangsliturgie - Gebet:
Gütiger Gott!
Wir danken dir für unser tägliches Brot, mit dem du uns beschenkst. Wir
danken für alles, was du uns in unseren Leben gelingen lässt. Wir danken
dir für deine väterliche Güte, die uns auch dort umfängt, wo wir es
nicht so leicht sehen.
Wir bitten dich, lass diese Dankbarkeit in uns weiterwirken, auf dass
wir aus dem Lob deiner Macht für uns und die anderen Menschen Kraft zum
Dienst in und für deine Welt erhalten. Stärke du uns dazu mit deinem
Heiligen Geist, der uns mit dir und Jesus Christus verbindet bis in alle
Ewigkeit. Amen
Lesung: Johannes 12, 20-26
Chor: 333, 1, 2, Gemeinde 333, 3+4
Glaubensbekenntnis
Lied: 98, 1-3
Predigt
Lied: 229, 1-3
Abendmahl
Gott, unser Vater und unsere Mutter.
Dich wollen wir preisen und dir Dank sagen für alles, was du uns jeden
schenkst. Du hast uns ins Leben gerufen, als dein Ebenbild, du hast uns
zu deinen Kindern gemacht und so deine ganze Liebe zu uns deutlich
gemacht. Von dir her dürfen wir leben, denn du gibst uns, was wir zum
Leben brauchen: Brot, Liebe, Vertrauen und Hoffnung über alle
Dunkelheiten hinaus.
Du gibst uns dies in den Gaben deiner Schöpfung und vor allem durch
deinen Sohn Jesus Christus, dem wir unser Lebensvertrauen schenken.
Darum loben wir dich mit den Worten der Lippen, den Gedanken des Herzens
und den Taten der Liebe.
Großer Gott wir loben dich .... EG 331,1-2
Jesus Christus, du Mitte des Lebens. Aus deiner Hand empfangen wir das
Brot und den Kelch, die äußerlich sichtbaren Zeichen deiner unendlichen
Liebe zu uns Menschen. Stärke uns damit so, wie du deine Jünger am Abend
vor deinem Tod gestärkt hast. Denn ....
Einsetzungsworte
Geheimnis des Glaubens - Deinen Tod, oh Herr, verkünden wir ... EG 189
Das Brot - Gabe deiner Schöpfung, Produkt menschlicher Arbeit und
geistliches Zeichen deiner Hingabe - es stärke unseren Glauben und fülle
uns mit deiner Kraft.
Der Saft - Gabe der Schöpfung, Produkt menschlicher Arbeit und
geistliches Zeichen der Vergebung, der Liebe zu uns - er sei Stärkung
der Hoffnung und der Liebe zueinander.
Dazu erfülle uns mit deinem Heiligen Geist und erneuere uns, gütiger
Gott.
Vaterunser - Einladung - Austeilung
Aus Gottes Hand empfangen wir die tägliche Speise: das Brot und den
Glauben.
Chor 324, 1, 2, 7
Abkündigungen - Fürbittengebet
Gott, wir sind dankbar für deine Gabe, die Jesus uns hinterlassen hat.
Lass Brot und Kelch ihre Wirkung in unserem Alltag entfalten, dass wir
gestärkt und getröstet unser Leben in deinem Sinne gestalten. Darum
rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle Menschen, die in diesem Jahr Hab und Gut in unserem
Land verloren haben, die ihre Existenz neu aufbauen müssen. Schenke
Hoffnung und Zuversicht für alles, was diese Menschen neu beginnen
müssen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle Menschen, die in diesem Jahr um das Überleben bangen
müssen, weil die Natur nicht das gegeben hat, was sie sich erhofft
haben. Lass sie Hilfe erfahren, äußerliche und innere Hilfe, die dem
Überleben dient. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für uns, dass wir erkennen, wie gut es uns geht und dass wir
bereit sind, zu teilen. Nimm uns dazu in deinen Dienst und lass uns
Gutes tun für deine Welt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Gott, wir begeben uns ganz in deine Hände, denn du hast uns und alles in
deiner Hand. So lass uns in dir geborgen sein und bleiben. Denn dir gilt
die Ehre bis in Ewigkeit. Amen.
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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