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Johannes 12, 24

Erntedankfest mit Einweihung des neuen Osterleuchters

Gnade sei mit uns ...
Einen Osterleuchter am Erntedankfest einzuweihen, das ist schon ein ungewöhnliches Datum. Ostern liegt im Frühjahr - Erntedankfest im Herbst. Kann man beides überhaupt miteinander verbinden?
Ich weiß nicht, ob es mir gelingt, doch ich will es probieren. Natürlich wäre es schöner gewesen, den Osterleuchter an einem Osterfest der Gemeinde zu übergeben, es wäre vermutlich sinnenfälliger gewesen. Aber er ist nun einmal erst am 30. 9. fertig geworden. Und so können wir ihn erst jetzt einweihen.
Gleichzeitig aber ist die Gestalt und der biblische Bezug des Leuchters einer, der mit dem heutigen Tag in enger Beziehung steht. Wir sehen vor uns eine Weizenähre. In einer Gegend, wo der Weizen eines der Hauptanbauprodukte der Landwirtschaft ist, ist dies sicher nichts Ungewöhnliches. Und wir danken ja heute auch für die Ernte des Weizens, auch wenn ich weiß, dass die Ernte in diesem Jahr wirklich katastrophal gewesen ist. Wir erinnern uns ja alle an die Felder, auf denen kein Halm mehr gerade stand. Die Landwirte haben viel Zeit und Energie aufwenden müssen, um überhaupt einen Ertrag einzufahren.
Die Weizenähre steht also ganz ungeistlich gesprochen hier auch für unseren Landstrich, für das, was in diesem Landstrich bedeutsam ist für das, was wir so landläufig "das tägliche Brot" nennen. Und so steht dieses Weizenähre hier in der Kirche als Zeichen für die Segenskraft Gottes und für unseren Dank für das tägliche Brot, das wir reichlich haben. Und dieser Dank soll ja auch nicht nur am Erntedanktag zum Ausdruck kommen, sondern in jedem Gottesdienst wird dieser Dank lebendig.
Nun gewinnt aber das Weizenkorn auch eine besondere geistliche Dimension. Denn Jesus hat es einmal als Gleichnis benutzt. Er sagte: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.
Dem Landwirt ein sicher sofort einleuchtendes Gleichnis. Das Korn, das in die Erde gelegt wird, gibt sich als Korn auf. Es erstirbt, wie Jesus sagt. Es verändert sich, bleibt nicht Korn, sondern wird zu etwas Neuem. Und indem es sich selber aufgibt, indem es erstirbt, kann etwas heranreifen, was vielfältig Frucht treibt. Das Sterben des Weizenkornes führt zu neuem Leben.
Jesus spricht hier von sich selber. Er redet von seinem Kreuzestod und dem Wissen, dass dieser Tod nicht das Ende seines Wirkens ist, sondern der Neuanfang eines noch viel fruchtbareren Lebens. Und damit kommt das Osterfest in den Blick. Der Tod am Kreuz wird durch das Osterfest, wird durch die Auferstehung zu einem bedeutsamen Durchgangsstadium, das in eine ungeheuer reiche Zukunft führt. Der Glaube sieht darin eine große Hoffnung für sich. Der Glaubende sieht darin die Zukunft für das eigene Leben.
Und der Osterleuchter erzählt uns davon. ER erzählt von dem einen Korn, das die Mitte bildet, die Mitte des Lebens, die Mitte der Zukunft. Dieses Korn gibt sich dahin, geht in den Bereich des Lebens, der eigentlich das Ende bedeutet. Gott selber geht in den Bereich des Todes, des Leidens, der Endpunkte des Daseins, um seine Gegenwart dort deutlich zu machen. Hinabgestiegen in das Reich des Todes. Selbst dorthin, wo wir das Ende allen Seins vermuten, dorthin geht Gott, dorthin gelangt die Kraft des Lebens, um Neues zu schaffen. Das Licht der Güte Gottes durchbricht die Dunkelheiten unseres menschlichen Lebens und eröffnet einen Weg der Zukunft und bringt damit neues Licht im Leben hervor.
Wenn wir dies am Erntedankfest hören, so klingt es sehr theologisch und irgendwie weit weg von unserem ganz alltäglichen Leben. Die Güte Gottes feiern wir sonst am Erntedanktag mehr an den sichtbaren Dingen: die guten Gaben der Schöpfung, die Gaben, die wir dem Segen Gottes zu verdanken haben, die Nahrungsmittel, die das Leben der Menschen sichern. Wir danken für die Blumen und Tiere, für die sichtbare Welt, die uns vor Augen liegt. Es ist der Lobtag des Schöpfers.
Und doch wir feiern diesen Tag als Christen, die über das vor Augen liegende hinausschauen. Denn der Lob des Schöpfers bleibt ja auch manchem im Halse stecken. Ich erinnere an die Schäden, die in diesem Jahr viele Menschen hinzunehmen haben. Die Landwirte, deren Existenz durch die diesjährige schlechte Ernte gefährdet ist. Ich denke an die Menschen, die durch das Hochwasser alles Hab und Gut verloren haben, die Landwirte, deren Lebensgrundlage in den Gaben der Schöpfung liegt, aber die nun zerstört ist, wie in einigen Obstbaugebieten, wo die Bäume im Wasser erstickt sind. Kann man da Erntedank feiern?
Das fällt schwer, es geht so manchem eben nicht so einfach über die Lippen wie vielleicht in anderen Jahren, wo die Scheunen und Keller mit Gaben von hoher Qualität gut gefüllt sind. Gerade wenn wir unseren Glauben an diese äußeren Dinge des Lebens hängen, dann wird unser Glaube, dann wird unser Vertrauen ins Leben, dann wird der ganz persönliche Halt im Leben immer wieder in Frage gestellt.
Ist das nicht auch ein Stück Ersterben des Weizenkornes, wenn wir uns darüber klar werden, dass wir Gott eben nicht allein an die guten Seiten des Lebens, an die guten Erträge des Lebens binden können? Es ist oft ein schmerzhafter Prozess zu sehen, dass das Leben auch Bedrohungen aushalten muss, ja bis an die Grenzen kommen muss, bis man die wirklichen Grundlagen des Lebens erkennt.
Aber gerade darin macht uns die Osterbotschaft und damit die Mitte unseres Glaubens sehr viel Mut, sich auf dieses Ersterben einzulassen. Erntedank, das könnte für uns in diesem Jahr in Klein Elbe auch heißen, dass wir Dank für den Lebensertrag unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus feiern. Denn der Osterleuchter weißt uns ja darauf hin, dass die genannten negativen Erfahrungen von uns Menschen, - und da kann jeder und jede auf das eigene Leben schauen, dazu muss man nicht negative Ernteerfahrungen haben, - dass diese negativen Erfahrungen durchleuchtet, durchstrahlt werden von dem Licht, dass von der Leben schaffenden Kraft Gottes ausgeht. Selbst die schlimmsten Erfahrungen bergen Früchte des Lebens, die diese Erfahrungen übersteigen werden. Das ist die Osterhoffnung, die weiter reicht als alle handgreiflichen Lebenserfahrungen es je ausdrücken könnten. Das Vertrauen zu Christus schenkt eine Kraft, die uns nach vorne sehen lässt, auch wenn die Welt so viel Ereignisse zeitigt, die uns immer wieder verzweifeln lassen. Wir haben das ja in dieser Woche wieder erlebt in diesem völlig unsinnigen Mord an Jakob, mit deren Eltern wir sicher alle mitfühlen. Das Sichtbare spricht von der Bosheit des Menschen, von der Habgier und von krankhaften Gedanken eines Menschen, dessen Handlungen wir völlig ausgeliefert sind. Das Ereignis lähmt Hoffnung und Vertrauen, es macht unsicher und voller Angst.
Demgegenüber steht jetzt hier unser Leuchter. Er erzählt von dem Mitleiden Gottes mit den Menschen, die schwere Wege gehen müssen, er erzählt von dem Mitsterben Gottes, er erzählt von dem Licht, das in die Dunkelheiten scheinen will, von dem Geleit Gottes auch in den schwersten Zeiten. Er erzählt von dem Zerbrechen dessen, der die ganze Liebe Gottes verkörpert, der dann aber auf so vielfältige Weise Früchte der Hoffnung und der Zukunft hervorbringt. Das erstorbene Weizenkorn bringt vielfältige Frucht, damit wir vielfältige Hoffnung in all unseren Lebenslagen behalten können, damit wir uns eben nicht verkriechen in den bedrückenden Lebenserfahrungen, sondern von den Früchten der Hoffnung durch Christus leben.
Wie gesagt, das ist schwer anzunehmen, weil es eben nicht so greifbar ist, wie der Apfel am Baum, die Kartoffel in der Erde oder das Weizenkorn auf dem Halm. Und doch ist es eine Wirklichkeit, die Menschen seit dem ersten Osterfest begleitet und immer wieder neu trägt. Der Glaube führt dazu, dass diese Wirklichkeit sich im eigenen Leben durchsetzt. Sicher immer wieder auch mit Zweifeln, mit kritischen Gedanken und Trübnis im Herzen. Aber doch so, dass gleichsam aus dem erstorbenen Korn, langsam etwas wächst, das am Ende auch als Fülle der Güte Gottes beschrieben werden kann. Denn dafür ist Christus gestorben und auferstanden, dass wir diese Fülle der Güte Gottes erkennen, dass wir davon leben können, auch dort, wo die Dunkelheit uns umgreift.
Und wenn in unserem Leuchter das Licht der Kerze die Mitte bildet, dann ist das das Zeichen dafür, dass dieses Licht als ein hingebendes Licht für uns da ist. So wie die Kerze sich selber verzehrt, um Wärme und Licht zu geben, so hat auch Christus sich hingegeben, um uns Wärme und Licht des Lebens zu geben. Und das steht uns hier vor Augen. Jeden Gottesdienst dürfen wir uns daran erinnern, dürfen wir uns von diesem Licht ermutigen lassen, und dürfen dankbar sein für das, was Gott uns in Jesus Christus gegeben hat. Seine Lebensernte dient nicht nur zum natürlichen Überleben, so wie unsere Ernte, sondern sie dient zum Überleben in jeder menschlichen Situation, weil sie eine Hoffnung gibt, die durch nichts begrenzt ist. Es ist eine Hoffnung, die den Tod durchschritten und darin das neue Leben eröffnet hat. Und das ist die Frucht seines Sterbens und Auferstehens. Er gibt uns Anteil daran, damit auch wir Frucht bringen: Früchte der Hoffnung, Früchte der Liebe und Anteilnahme, Früchte der Gerechtigkeit und Früchte des Friedens an allen Orten. .

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Chor
Begrüßung
Lied: 508, 1-4
Psalm 104 - EG 743
Eingangsliturgie - Gebet:
Gütiger Gott!
Wir danken dir für unser tägliches Brot, mit dem du uns beschenkst. Wir danken für alles, was du uns in unseren Leben gelingen lässt. Wir danken dir für deine väterliche Güte, die uns auch dort umfängt, wo wir es nicht so leicht sehen.
Wir bitten dich, lass diese Dankbarkeit in uns weiterwirken, auf dass wir aus dem Lob deiner Macht für uns und die anderen Menschen Kraft zum Dienst in und für deine Welt erhalten. Stärke du uns dazu mit deinem Heiligen Geist, der uns mit dir und Jesus Christus verbindet bis in alle Ewigkeit. Amen
Lesung: Johannes 12, 20-26
Chor: 333, 1, 2, Gemeinde 333, 3+4
Glaubensbekenntnis
Lied: 98, 1-3
Predigt
Lied: 229, 1-3
Abendmahl
Gott, unser Vater und unsere Mutter.
Dich wollen wir preisen und dir Dank sagen für alles, was du uns jeden schenkst. Du hast uns ins Leben gerufen, als dein Ebenbild, du hast uns zu deinen Kindern gemacht und so deine ganze Liebe zu uns deutlich gemacht. Von dir her dürfen wir leben, denn du gibst uns, was wir zum Leben brauchen: Brot, Liebe, Vertrauen und Hoffnung über alle Dunkelheiten hinaus.
Du gibst uns dies in den Gaben deiner Schöpfung und vor allem durch deinen Sohn Jesus Christus, dem wir unser Lebensvertrauen schenken. Darum loben wir dich mit den Worten der Lippen, den Gedanken des Herzens und den Taten der Liebe.
Großer Gott wir loben dich .... EG 331,1-2
Jesus Christus, du Mitte des Lebens. Aus deiner Hand empfangen wir das Brot und den Kelch, die äußerlich sichtbaren Zeichen deiner unendlichen Liebe zu uns Menschen. Stärke uns damit so, wie du deine Jünger am Abend vor deinem Tod gestärkt hast. Denn ....
Einsetzungsworte
Geheimnis des Glaubens - Deinen Tod, oh Herr, verkünden wir ... EG 189
Das Brot - Gabe deiner Schöpfung, Produkt menschlicher Arbeit und geistliches Zeichen deiner Hingabe - es stärke unseren Glauben und fülle uns mit deiner Kraft.
Der Saft - Gabe der Schöpfung, Produkt menschlicher Arbeit und geistliches Zeichen der Vergebung, der Liebe zu uns - er sei Stärkung der Hoffnung und der Liebe zueinander.
Dazu erfülle uns mit deinem Heiligen Geist und erneuere uns, gütiger Gott.
Vaterunser - Einladung - Austeilung
Aus Gottes Hand empfangen wir die tägliche Speise: das Brot und den Glauben.
Chor 324, 1, 2, 7
Abkündigungen - Fürbittengebet
Gott, wir sind dankbar für deine Gabe, die Jesus uns hinterlassen hat. Lass Brot und Kelch ihre Wirkung in unserem Alltag entfalten, dass wir gestärkt und getröstet unser Leben in deinem Sinne gestalten. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle Menschen, die in diesem Jahr Hab und Gut in unserem Land verloren haben, die ihre Existenz neu aufbauen müssen. Schenke Hoffnung und Zuversicht für alles, was diese Menschen neu beginnen müssen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für alle Menschen, die in diesem Jahr um das Überleben bangen müssen, weil die Natur nicht das gegeben hat, was sie sich erhofft haben. Lass sie Hilfe erfahren, äußerliche und innere Hilfe, die dem Überleben dient. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten für uns, dass wir erkennen, wie gut es uns geht und dass wir bereit sind, zu teilen. Nimm uns dazu in deinen Dienst und lass uns Gutes tun für deine Welt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Gott, wir begeben uns ganz in deine Hände, denn du hast uns und alles in deiner Hand. So lass uns in dir geborgen sein und bleiben. Denn dir gilt die Ehre bis in Ewigkeit. Amen.
Segen
163
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Klein Elbe
 
Erntedankfest

6.10.2002

Liturgischer
Ablauf
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