| Predigt |
NT |
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Die biblischen Geschichten, die wir jeden Sonntag in unseren Kirchen hören, die sie vielleicht selber zu Hause lesen oder die ihnen aus dem Konfirmandenunterricht oder der Schule noch bekannt sind, sind für viele Menschen heutiger Zeit Geschichten, die ins Reich der Märchen und Fabeln gehören. Da werden uns wunderbare Dinge erzählt, die wir mit unseren Lebenserfahrungen nicht in Verbindung bringen können, die uns unglaublich und damit auch unglaubwürdig klingen. Deshalb können viele Menschen mit der Bibel nichts anfangen. Und dann gibt es auch Menschen, die überhaupt meinen, dass die Geschichten auch um Jesus alle nur erfunden wurden, vielleicht auch um Menschen zu unterdrücken und klein zu halten. Deshalb könne man all diese Geschichten nicht ernst nehmen und ihnen Glauben schenken, so sagen sie dann und wenden sich ab. Nun, hören wir am heutigen Morgen gleichsam als Antwort darauf: Wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen. Wenn wir eine solche Aussage hören, dann denken wir an Augenzeugen, an jemanden, der mit dabei gewesen ist und nun als Zeuge dieses Geschehens dessen Wahrheit berichtet, Leider konnte allerdings der Schreiber dieser Zeilen kein: Augenzeuge gewesen sein, denn dieser Brief ist ca. 120 nach Christus geschrieben worden. Jesus war also schon über 80 Jahre tot und so gab es bei damaliger Lebenserwartung sicher keine Augenzeugen mehr. Aber heißt das dann automatisch, dass auch dieser Schreiber nur Märchen erzählt, da er nicht hat "sehen" können. Heißt das automatisch, dass diese Verklärungsgeschichte mit Petrus, Jakobus, Johannes und Jesus ausgeklügelte, aber unglaubwürdige Fabel ist? Ich denke, wir müssen gerade im Umgang mit der Bibel sehr genau darüber nachdenken, was der Schreiber damit meint, wenn er schreibt: wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen. Wie 4gesagt, wir denken gleich an Augenzeugen, alles andere zählt nicht: aber, die Geschichten der Bibel sind Ausdruck eines Sehens, das eben nicht mit den Augen geschieht, sondern mit dem Herzen und mit dem Glauben. Ich möchte dies an drei Geschichten aus der Bibel deutlich machen, die immer wieder kritisiert werden, die immer wieder für Menschen die Begründung liefern, warum sie nicht glauben können. Zum einen ist da die Schöpfungsgeschichte: Menschen sagen zu mir, der Bibel kann ich nicht glauben, und dem Gott kann ich nicht glauben, denn, ich kann nicht glauben, dass die Welt in 7 Tagen erschaffen wurde. Diese Menschen vertrauen in diesem Punkt mehr auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse der Weltentstehung. Ich mache dann immer deutlich, dass auch ich nicht an die Erschaffung der Erde in 7 Tagen glaube, ich halte auch die naturwissenschaftlichen Erklärungen unserer Zeit für richtiger. Aber ich vertraue deshalb dennoch auf das Wort der Bibel und auf Gott, weil nämlich Gott und die Bibel nicht wollen, dass ich an bestimmte Geschichten und Weltentstehungstheorien glaube, sondern an Gott den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und zu einem solchen Glauben wollen die Geschichten von der Erschaffung der Erde ermutigen. Sie wollen Vertrauen schaffen für die Wahrheit, dass Gott dieser Erde als Schöpfer gegenübersteht und dass er immer wieder als Schöpfer auftritt und in dieser Welt tätig ist. Und das einIeuchtendste Beispiel ist für mich dabei immer die Entstehung eines Menschen: durch die Verbindung einer männlichen Samenzelle und einer weiblichen Eizelle entsteht aus Mann und Frau ein ganz neuer Mensch, einer der ganz anders ist als der Vater oder die Mutter, bei aller Ähnlichkeit, die man äußerlich entdecken kann. Naturwissenschaftlich ist es möglich diese Entstehung ganz genau zu erklären, bis in kleinste Vorgänge hinein. Und dennoch ist dieser Vorgang für mich ein Akt der Schöpfung Gottes, der dieses Kind so will, wie es jetzt ist. Natürlich kann man das nicht unseren natürlichen Augen sehen, sondern nur mit den Augen des Glaubens. Aber genau das will z.B. die Geschichte von der Erschaffung der Welt deutlich machen: Gott steht hinter allen Schöpfungsvorgängen in der Natur - auch hinter der sogenannten Evolution. Das Schema der 7 Tage zu glauben und, für allein richtig zu halten, wie es die sogenannten Kreationisten tun, die gerne möchten, dass der biblische Schöpfungsbericht Grundlage des Biologieunterrichtes wird, das hieße es, einer Fabel zu folgen, wie der Schreiber des Petrusbriefes es ausdrückt. Dem hinter dieser Geschichte stehenden Gedanken, dass Gott der Schöpfer des Himmels und der Erden alles durchwirkt, dass dieser Gott nicht aufgeht im irdischen, sondern dem Kosmos zugewandt gegenübersteht, das ist gleichsam das Sehen der, Herrlichkeit Gottes, von der unser Briefschreiber spricht. Ein anderes Beispiel, ist das Wirken von Wundern durch Jesus. Sie kennen vielleicht die Geschichte, wo die Jünger mit Jesus über den See Genezareth fahren und plötzlich ein' Sturm aufbricht. Jünger sitzen voller Angst im Boot, wissen nicht aus noch ein. Jesus selber liegt am Boden und schläft. Als der Sturm immer heftiger wurde, steht er auf, stellt-sich dem Sturm entgegen, so dass dieser aufhört. Es gäbe eine Vielzahl natürlicher Erklärungen für diese Geschichte, z.B. dass Jesus just zu dem Moment aufgestanden ist, wo der Wind sich gelegt hat, oder das Boot gerade um eine Felswand gefahren ist, so dass der Wind hat nicht mehr angreifen können. Alles schöne Erklärungen, die aber nur die Äußerlichkeiten sehen. Mit den Augen des Glaubens geschaut, werden wir uns selber im Boot unseres Lebens sehen und wer hat nicht schon in diesem Lebensboot so manchen Sturm durchgemacht. Krieg, Flucht, Krankheit, Lebensangst, Tod, all dies sind doch Stürme, die uns in unserem Leben bedrängen, die uns hin- und herwerfen, denen wir oft hilflos ausgeliefert sind. Und so mancher Ruf zu Gott, zu Jesus Christus hat in solchen Situationen wieder Ruhe gebracht, hat das Vertrauen ins Leben gestärkt, hat die wütende Kraft des Sturmes, der uns umzuwehen drohte, gemildert. Und Jesus hat dies in uns durch seinen Geist bewirkt, er hat uns darin den Stürmen des Lebens entnommen. Dies vor Augen gewinnt diese Geschichte ihre Wahrheit und ihre Tiefe und ihre immerwährende Bedeutung und nicht darin, dass wir vermeintlich naturwissenschaftliche Erklärungen bereit haben, die völlig am Sinn der Geschichte vorbeigehen. Und so ist das auch mit dem, was wir von Petrus, Jakobus, Johannes und Jesus in der Lesung des Evangeliums gehört haben: die drei gehen auf einen Berg, Jesus wird verklärt: sein Angesicht leuchtet wie die Sonne und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Personen aus dem Alten Testament erschienen ihnen. Und dann am Schluss diese Stimme aus dem Himmel: Das ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören. Auch hier geht es nicht darum, herauszubekommen wie das nun wohl auf dem Berg gewesen sein mag. Sondern es geht darum, was will die Geschichte eigentlich deutlich machen. In eindrucksvollen Bildern wird uns Lesern und Hörern vor Augen gestellt, dass Jesus nicht nur ein einfacher Mensch gewesen ist, der sehr viel Gutes getan hat, sondern dass in ihm Gott unter den Menschen wirksam geworden ist. Das menschliche an Jesus wird mit einem gleichsam heiligen Schleier versehen, das menschliche Handeln Jesu wird zum Handeln Gottes. Wir sahen seine Herrlichkeit, das bedeutet auch hier wieder das Sehen des Glaubens, das Jesus nicht nur Mensch ist, sondern dass Gott in ihm für uns sichtbar geworden ist, dass wir in seinem Leben und Handeln Gottes Handeln erkennen. Liebe Gemeindeglieder! Viele Geschichten der Bibel und des neuen Testamentes sind keine Tatsachenberichte, sondern erzählter Glaube. Aber unglaubwürdig sind diese Geschichten deshalb noch lange nicht. Unglaubwürdig sind sie dann, wenn wir sie, als naturwissenschaftliche Tatsachenberichte verstehen wollen, die dann natürlich mit unseren sonstigen Erkenntnissen in Konflikt geraten. Zu einem Licht, das an einem dunklen Ort scheint und auf das wir achten sollen, werden diese Geschichten, wo wir sie mit den Augen des Glaubens lesen, wo wir uns davon ansprechen lassen, wie Gott seine Welt durchwirkt, wie er, handelt als Schöpfer, wie er in Jesus Christus handelt an uns Menschen, wie er es vermag unsere Lebensstürme zu stillen. Dann nämlich entfalten diese Geschichten ihre Wahrheit, die Wahrheit des Glaubens, die wir mit natürlichem Auge nicht sehen können. Die biblischen Geschichten sind für uns Christen das Licht im Dunkeln, sie erhellen unser Leben und unseren Glauben, und mag auch manches auf den ersten Blick unverständlich und phantastisch klingen, die Bibel bringt mit ihren Geschichten auch Licht in das Dunkel unseres Gottes und seiner Herrlichkeit in Jesus Christus. Denn diese Geschichten sind der schriftliche Niederschlag handfester Erfahrungen des Glaubens von Menschen. Ihre Erzählungen spiegeln ihr Leben und ihren Glauben wider, uns sie haben darin etwas aufgehoben, worin wir uns wiederfinden können und angesprochen wissen. Deshalb sind biblische Geschichten keine ausgeklügelten Fabeln, die man getrost beiseite legen kann, sondern Möglichkeiten wahrhaft Gottes Herrlichkeit zu sehen. Amen Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied: 288, 1-5 Nun jauchzt dem Herren Psalm 97 Eingangsliturgie Gebet Gott, deinen Namen wollen wir preisen, dir danken dafür, dass du für uns da bist. In deinem Wort, mit deiner Liebe, mit deiner Schöpferkraft, mit der Güte, die uns aufrichtet, mit der Kraft, die uns leben lässt. In Jesus Christus können wir all dies erkennen, geleitet von ihm davon leben. So erhalte uns das Vertrauen zu ihm, der mit dir und dem heiligen Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Lesung 2. Petr. 16-19 Lied 70,1-4 Wie schön leuchtet der Morgenstern Lesung Mt 17, 1-9 Glaubensbekenntnis Lied 199,1-5 Gott hat das erste Wort Predigt Lied 196,1-2+5+6 Herr für dein Wort sei hoch gepreist Abkündigungen Fürbittengebet Gütiger Gott. Du hast zu uns gesprochen im Wort der Schrift, im Wort der Auslegung. Hilf uns, diesem Wort zu vertrauen, hilf uns mit dir auf den guten Weg des Lebens zu gehen und zu bleiben. Wir schauen auf deine Schöpfung, hilf uns, das unsere dazu zu tun, dass wir sie bewahren und erhalten für die nachkommenden Generationen. Lass uns erkennen, dass nicht wir die Herren der Welt sind, sondern dass es deine Schöpfung ist, in der wir und von der wir leben. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir schauen auf die Ereignisse unseres Lebens, gütiger Gott. So mancher Wind bläst uns entgegen, so manche Angst treibt uns um. Stärke unser Vertrauen auf das die Stürme des Lebens kleiner werden. Und wo es uns gut geht und wir in ruhiger Fahrt unser Leben gestalten können, da lass uns dankbar sein für diese Zeit. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir schauen auf diese Welt, die an vielen so wenig göttlich und herrlich ist. Lass uns sehen, wo du überall wirkst, wo deine Herrlichkeit sichtbar wird, in den kleinen Dingen des Lebens und in den großen Ereignissen, die wir wahrnehmen. Lass uns so erfahren, dass du alles umfasst in dieser Welt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir beten für alle in unseren Dörfern und anderswo, die krank danieder liegen, deren Leben aufs Ende zugeht. Sei du ihnen und den Angehörigen nahe, stärke du sie alle auf ihrem Weg. Und hilf allen, die Abschied haben nehmen müssen, dass die Hoffnung des Lebens sie erfüllt inmitten aller Traurigkeit. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Vaterunser Segen 44
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