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Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen! Mit diesen Worten endet der 2. Brief des Paulus an die Korinther – und dieser Text soll unsere heutigen Gedanken am Festtag Trinitatis, dem Fest der Heiligen Dreifaltigkeit Gottes begleiten. Dieser Satz gehört auch zu den so genannten Kanzelsegen, also den Segensworten, die zu Beginn der Predigt als Eingangswort stehen. Diese Worte geben so etwas wie die Richtung an, unter der das Folgende steht, sie geben den Raum an, in dem wir uns im Rahmen eines Gottesdienstes bewegen. Das erste, was uns dieser Segenzuspruch sagt, ist, dass wir als Christen zusammenkommen. Wir sind versammelt im Namen Jesu Christi. Deshalb beginnt dieser Segensspruch auch nicht mit Gott, sondern mit Jesus Christus. Auf ihn ist unser Leben als Christen ausgerichtet, er ist die Grundorientierung des christlichen Lebens. Und bei dem Wort Grundorientierung, da denken wir sicher zunächst an all das, was Jesus uns an Lebensweisungen mitgegeben hat. Liebe deinen Nächsten, bete für deine Feinde, übe keine Gewalt und was alles sonst noch in der Bergpredigt steht. Aber dies alles steht nicht in diesem Segenszuspruch, zumindest nicht an erster Stelle. Für Paulus steht an erster Stelle, dass die Gnade Jesu Christi uns erreicht, dass sie mit uns sei. Das, was Jesus Christus in die Welt trägt, ist nicht zunächst eine Forderung, eine neue Lebensanweisung. Vielfach hat man ja den Eindruck als besteht das Christentum, das Leben im Glauben nur darin, ein anderes Leben zu führen, das nach außen hin besser ist als das der anderen. Es ist sicher gut, wenn das gelingt, wenn der Glaube an Christus und das Leben aus seiner Gnade das Leben positiv verändert, doch Paulus macht uns deutlich, diese Veränderung ist nicht das erste. Das erste und wichtigste ist, dass wir aus der Gnade leben, aus der Gnade Jesu Christi. Gnade Jesu Christi meint die menschgewordene Zuwendung Gottes. Und diese Zuwendung Gottes in Christus ist nicht abhängig von unserem Tun, sondern sie liegt in dem Gnadenwillen Gottes beschlossen. Das ist allerdings ein Denken, das uns immer wieder fremd erscheint. Unser menschliches Leben ist so auf Tun ausgerichtet, dass ein anderes Lebensgefühl uns eher fern liegt. Als Kind schon erleben wir, dass wir brav sein müssen, dass wir eine bestimmte Handlungsweise an den Tag legen müssen, dann werden wir gelobt. Dass Eltern auch ihre unartigen Kinder lieben, davon gehe ich aus, aber die deutlichsten Zeichen von Nähe und Zuneigung empfangen Kinder in der Regel, wenn sie etwas Gutes getan haben. Und Abneigung erfahren sie, wenn sie etwas schlechtes getan haben. So wird der Mensch über Lob und Tadel geprägt, dahingehend, dass es auf sein Tun ankommt. Und das setzt sich dann im weiteren Leben fort: gute und schlechte Zensuren entscheiden über die Möglichkeiten in dieser Welt. Kannst du was, dann bist du was, ist eine Redensart, die das deutlich macht. Und das setzt sich im Erwachsenenleben fort. Gerade dort zählt Leistung. Anerkennung empfängt, wer etwas vorzuweisen hat, Macht erhält der, der viel macht. Nur: kann man als Mensch wirklich immer so leben? Kann ich das Leben anderer und vor allem mein eigenes Leben immer nur daran messen und beurteilen, was ich tue und leiste? Ich erlebe doch, dass in all dem, was ich tue und leiste auch so vieles, was eben nicht unter die Katergorie: gut fällt, sondern eben unter die Kategorie: schlecht. Ich werden den Anforderungen nicht immer gerecht. Mein Tun widerspricht oft genug dem, was gut und richtig wäre. Auch meinen eigenen Überzeugen gegenüber werde ich immer wieder untreu, handle anders als ich es eigentlich von mir und anderen wünsche. Paulus hat das für sich einmal so gesagt: das Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Dies wird vor allem dann spürbar, wenn wir uns ändern wollen. Wir merken, wie schwer uns das fällt, wie sehr dieses andere in uns verhaftet ist. Und dann fehlt die eigene Anerkennung, manchmal auch die Anerkennung der anderen. Wovon also leben wir, wenn die Taten uns dann letztlich nicht ausmachen? Wir leben aus der Gnade! Wir leben aus der Zuwendung, die nicht danach fragt, wer du bist, was du hast, was du tust, sondern die einfach annehmend auf uns zukommt und sagt: du bist wichtig für mich. Und das ist eigentlich das, was Jesus Christus als wichtigstes in diese Welt gebracht hat. Du Mensch bist wichtig in dieser Welt. Schau dabei nicht auf deine Leistungen oder Nicht-Leistungen, schau nicht auf das Gute oder Schlechte in deinem Leben, schau nicht auf Erfolge oder Misserfolge, auf Gerechtigkeit und Schuld, auf deine gute oder schlechte Meinung über dich, auf die gute oder schlechte Meinung der anderen über dich, sondern schau allein auf mich, der dich annimmt wie du bist. Ich nehme dich an, wie du bist, mit deinen guten und schwierigen Seiten, mit deiner Schuld und mit deinen tollen Seiten. Aber das zählt alles nichts, weder die Stärken noch die Schwächen, sie haben keine Bedeutung für meine Zuwendung, sondern allein du selbst, du bist mir wichtig. Für dich bin ich da, bin ich ansprechbar. Für dich bin ich in diese Welt gekommen, um dir zu zeigen: du bist unendlich wertvoll bei Gott. Was für eine Botschaft für einen jeden von uns. 2000 Jahre kennen wir sie schon, 2000 Jahre wird sie schon verbreitet, wir kennen sie seit Kindesbeinen an, aber sie ist immer wieder eine ganz neue und ungewöhnliche Botschaft, weil sie eben eine ganz andere Sprache spricht, als wir jeden Tag zu hören und zu spüren bekommen. Du bist wertvoll und wichtig, einfach, weil du da bist. Du bist etwas besonderes als Mensch, weil Gott dich gewollt hat. Das hat Jesus an vielen Stellen seines Lebens lebendig gemacht und das dürfen wir auf uns beziehen, das gilt bis heute einem jeden von uns. Und das ist eben Gnade, denn wir können uns dies nicht verdienen. Einmal weil Gott sich nicht zwingen lässt, zum anderen weil ehrliche Selbstbetrachtung immer genügend findet, was eine solche unbedingt Anerkennung nicht verdient hätte. Die Gnade Jesu Christi, diese vorraussetzungslose Annahme ist es, was uns Menschen in dieser Welt einen festen Stand gewinnen lässt. Deshalb steht diese Gnade Jesu Christi auch an erster Stelle unseres Segensspruche und auch an erster Stelle des christlichen Glaubenslebens. Die Gnade ist es, die uns in der Annahme unserer Selbst dann auch zur Veränderung führt, zur Veränderung unseres Lebens, so wie Jesus es vorgelebt hat. Das zweite, das in unserm Segenswort heute steht, ist die Liebe Gottes. Eigentlich muss man sagen, dass in dem zuvor Gesagten, diese Liebe Gottes schon enthalten ist und das ist gewiss richtig. Und doch geht dieser Teil noch ein Stück weiter. Es geht nicht nur um gnadenvolle Zuwendung als Ausdruck der Liebe, sondern um sehr viel mehr. Es ist die Liebe dessen, der Himmel und Erde, das Universum, also unsere gesamte sichtbare Welt als ganzes umfasst und übersteigt. Und in dieser Wirklichkeit der Liebe leben wir, von dieser Wirklichkeit der Liebe Gottes sind wir umgeben. Allerdings sieht die Realität in unseren menschlichen Augen oft anders aus und selbst Jesus hat dies ja am Ende seines Lebens so sehen müssen, leidend am Kreuz. Aber dies wurde und wird ja überwunden durch die Leben schaffenden Kräfte Gottes, der die Grenzen des Lebens zu überwinden vermag. Mögen wir diese Welt, das Handeln von Menschen und auch unser eigenes Handeln als wenig liebevoll, ja tragisch und Böse erleben, das was die Welt umspannt ist nicht diese Seite des Lebens, sondern letztlich die Liebe Gottes, die höher ist als wir Menschen je zu denken vermögen. Insofern ist in dieser Liebe alles aufgehoben und wir dürfen von dieser Liebe immer mehr erwarten, als wir vor Augen sehen. Und dieser Liebe kann uns nichts trennen, wie Paulus sagt: Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus lebendig ist. Das letzte, was in unserem Segensspruch angesprochen ist, das ist die Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Diese Gemeinschaft sei mit uns allen. Gottes Geist, der Geist der Liebe, der Gnade, der Kraft, der Besonnenheit, möge uns alle zusammenführen. Das hat zwei Seiten. Auf der einen Seite geht es darum, dass wir uns von Gottes Geist ansprechen und erfüllen lassen; dass wir also die Botschaft von der Gnade Gottes, von der vorraussetzungslosen Zuwendung Gottes zu uns Menschen in Jesus Christus annehmen können, dass wir Gottes Liebe als die wichtigste Kraft im Leben begreifen und annehmen lernen und daraus leben können. Es geht darum, dass wir nicht mehr aus uns selber und unserem menschlichem Geist, unseren menschlichen Gedanken heraus leben, sondern uns von Gott her lenken und leiten lassen. Dieser Geist möge uns erfüllen und führen. Die zweite Seite dieses Gedanken ist die, dass wir uns als Menschen begreifen lernen als eine Gemeinschaft, die nicht den menschlichen Maßstäben verhaftet ist, sondern eben eine Gemeinschaft ist, die aus dem Geist Gottes heraus entsteht. Menschliche Gemeinschaften sind davon geprägt, dass sie sich aus gleichen Interessen, Wünschen und Ideen oder aus Sympathie zusammensetzen. Man hat ein bestimmtes Ziel, das man erreichen will, so dass Unterschiede nicht bedeutsam sind, oder man ist sich eben sehr nahe, so dass die Unterschiedlichkeiten des Menschseins keine Rolle spielen. Die christliche Gemeinschaft, die als Gemeinschaft des Geistes besteht, ist nun eine, die ganz bewusst nicht von Sympathie oder gleichen Zielen geprägt ist, sondern die sich darin verbunden weiß, dass nicht das menschliche Denken zählt, sondern dass Gottes Wille zur Gemeinschaft die Grundlage des Zusammenseins bildet. Einen Vers vor unserem Segenswort sagt Paulus: Grüßt einander mit dem Heiligen Kuss. Es ist eine Umarmung, die vor dem Abendmahl geschah und so Verbundenheit zum Ausdruck bringt. Dieser Kuss als Zeichen der Verbundenheit zeigt, dass die christliche Gemeinschaft sich in aller Verschiedenheit und über alle Trennungen hinweg aneinander gewiesen weiß durch Gottes Geist. Weil jeder von Gott angenommen ist, weil jeder in und aus der Liebe Gottes lebt, gehören auch alle zueinander und sind miteinander verbunden. So soll auch jeder Streit, jede Auseinandersetzung, jedes Gegeneinander am Tisch des Herrn enden, am Altar Gottes sein Ende finden und von Gott her durch seinen Geist eine Gemeinschaft erfahren und gelebt werden, die Gott selber schafft und vom Menschen unabhängig ist. Darin wird die Gemeinschaft des Geistes deutlich, darin findet sie ihren lebendigen Ausdruck und darin ist sie auch allen anderen Gemeinschaften voraus. Die Gemeinschaft des Geistes schafft lebendige Gemeinschaften trotz und durch die Verschiedenheiten der Menschen, Gemeinschaften, die leben von der Gnade Jesu Christi und der Liebe Gottes. Und so ist es gut, dass wir ein solches Segenswort haben, in dem wir an die wirklichen Grundlagen des Glaubens erinnert werden, dass wir einen Zuspruch haben, der uns dahin führt, wo wir für unser Leben wirklichen Halt empfangen. So sei die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geist in und mit uns allen. Amen. Liturgischer Ablauf Begrüßung - Orgelvorspiel Lied: 161,1-3 Psalm: 145 EG 756 Eingangsliturgie - Gebet: EGb S. 347, Nr. 2 Lesung: Lied: 139 , 1-4 Lesung: Glaubensbekenntnis Lied: 130,1-3 Predigt Lied: 140, 1-5 Abkündigungen – Fürbittengebet Gott unser Vater, Quell allen Lebens. Aus deiner Gnade leben wir, von dir sind wir getragen und gehalten. Dafür danken wir dir, ebenso für deine Liebe, mit der du uns umgibst, und für deinen Geist, der uns begleitet. Wir bitten dich für alle Menschen, die sich oder andere nicht annehmen können, denen äußeres im Weg steht, um aufeinander zuzugehen. Öffne Sie für deine Gnade. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten für alle, die in ihrem Leben verzweifelt sind, angesichts dessen, was sie bedrückt, für alle die von Schuld gedrückt werden, die Not leiden, die Hass ertragen müssen, die Gewalt erdulden. Schenke ihnen die Zeichen deiner Liebe. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten für alle, die ruhelos suchen nach Sinn und Ziel des Lebens, dass sie in dir beides finden und aus deinem Geist heraus für andere da sein können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten für deine Gläubigen, dass sie die gute Botschaft weitertragen, in Worten und Taten. Lass deine Botschaft laut werden, auf dass Welt dein menschenfreundliches Antlitz erhält. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Segen 163
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