| Predigt | NT |
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Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Das ist das Losungswort des neuen Jahres. 2012 soll uns dieser Satz durch das Jahr begleiten und uns geistliche Perspektiven öffnen. Was empfinden Sie, wenn sie diese Worte hören: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig? Wie kann Kraft in den Schwachen mächtig sein? Kraft und Macht bringen wir doch zunächst mit Stärke in Verbindung. Wir denken an Machhaber, die mit zumeist militärischer Stärke ihre Vorhaben, ihre Ideologien durchsetzen, immer wieder leider auch mit Gewalt. Wir denken vielleicht auch an Siegertypen: an Sportler, an Wirtschaftsbosse, an Politiker, die durch ihr Auftreten und ihre Erfolge etwas darstellen. Vielleicht etwas weiter weg, aber doch in der Gedankenlinie: im Fernsehen werden die verschiedensten Menschen gesucht, die Topleistungen bringen: da wird der Superstar gesucht, das Top-Model, the Voice of Germany, das Supertalent. Und in einigen Sendungen werden die Schwachen dann auch ziemlich runter gemacht, werden zum Amüsement der Zuschauer durch den Kakao gezogen. Wir halten uns gerne zu den Winnern, von den Losern ist nichts zu erwarten. Und im Blick auf uns selber sieht das ja nicht so viel anders aus. Wir möchten gerne oben auf sein. Möchten etwas bringen, müssen etwas bringen in Beruf und Privatleben. Stärke ist gefragt, ständiges Top oft the list sein, immer voll da. Wehe es geht mal nicht so, wie man es sich vorstellt, schon droht von außen: so einen können wir nicht gebrauchen. Und selbst wenn es von außen gar nicht kommt, im Innern wird es von vielen Menschen gedacht. Burn out als Volkskrankheit, die immer mehr Betroffene zeitigt, ist ein Hinweis auf eine Gesellschaft, die unter riesigen Ansprüchen steht und genau daran zu kollabieren droht. Lass dir an meiner Gnade genügen, hörte der Apostel Paulus, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Paulus war ein Apostel, der mit vielen Schwächen behaftet war. Er hat sehr viele gesundheitliche Probleme gehabt, die ihn oft sehr eingeschränkt hatten. Dazu kam noch, dass er vermutlich häufiger sehr niedergeschlagen war, wir würden heute sagen, er hatte depressive Züge. Auch war er wohl kein begnadeter Redner, keiner der Massen mitreißen konnte. Dennoch fand er Gehör und konnte Menschen den christlichen Glauben nahe bringen. Und wenn jemand Schwächen hat, dann gibt es natürlich auch immer wieder Menschen, die diese Schwächen nutzen, um ihre eigene Position zu stärken. So wurde Paulus immer wieder angefeindet, dass er doch in seiner Person gar nicht zeigen könne, wie machtvoll Gott handele. Ist er, dieser kranke Mann, dieser miese Redner, dieser psychisch labile Mensch wirklich der, der Gottes Herrlichkeit deutlich machen kann? Ich bin doch da viel besser geeignet. Mir könnt ihr viel mehr glauben. So hört man die Gegner reden, die auch innerhalb der neu entstandenen christlichen Gemeinden ihre Machtpositionen festigen wollten. Paulus hat gerade gegenüber diesen selbsternannten Führern immer Distanz bewahrt. Er hat sich nicht auf deren Gedankenniveau begeben. Er hat gesagt: nicht wegen meiner Taten will ich mich rühmen, sondern ich rühme Gott in Christus gerade in meiner Schwachheit. Paulus könnte viel vorzeigen, er hat großes geleistet in seiner Missionsarbeit und in den Gedanken seiner Briefe. Wie kein anderer hat er die Tiefe des christlichen Glaubens durchdacht und in Worte gefasst. Aber er hat dadurch und durch seine Lebenserfahrung begriffen, dass das, was das Leben ausmacht und trägt, nicht aus den eigenen Möglichkeiten erwächst, sondern dass es von Gott her kommt, dass es ein Geschenk ist, das er sich nicht erarbeitet hat, sondern das ihm zuteil wurde. Und das gilt vor allem auch für die Lebenskraft in seiner ganz persönlichen Lebenssituation. In Krankheit und Bedrängnis, dort wo Paulus sich auf nichts stützen konnte, wo er hilflos dem gegenüber stand, was ihm alle menschlichen Kräfte geraubt hat, genau da merkte er am meisten, dass er Getragener war. Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Wenn man die Kirchengeschichte durchgeht, dann sind es ganz oft diejenigen, die diesen Weg durchschritten haben, die am Ende als die Vorbilder des Glaubens lebendig wurden. Ich denke an Franz von Assisi. Kaufmannssohn, er hätte Glanz und Glamour in seinem Leben haben können. Die Tiefe des Lebens hat er in der Schlichtheit gefunden, in einem Leben, das sicher ganz viel von ihm abverlangt hat. Aber gerade in dem sich ganz ausliefern, diesem Leugnen der eigenen Möglichkeiten erfuhr er ganz viel von der Kraft Gottes. Martin Luther musste durch viele Ängste hindurch gehen, durch ständige Bußübungen, durch einen langen Weg des Kleinmachens, bis er im Studium gerade der Paulusschriften zu begreifen begann, dass es im Leben nicht um Stärke geht, nicht um das besondere Sein des Menschen, sondern dass es darum geht, das eigene Leben aus der Sicht Gottes zu verstehen. Lass dir an meiner Gnade genügen. Mutter Theresa hat nicht unter den großen und schönen gelebt, um dort Geld zu sammeln, sondern sie hat sich in die Niederungen der Slums in Kalkutta begeben, um dort – von außen betrachtet – aussichtslose Hilfe zu geben. Was bringt das schon, sich in den Slums Sterbenden zuzuwenden? Und doch hat sie es getan, hat jeden Tag der Ohnmacht ins Gesicht geschaut und gerade darin das Antlitz Gottes gesehen. Und als letzten nenne ich Dietrich Bonhoeffer, der ein hochintelligenter Theologe war, ein Mann, der wirklich etwas zu sagen hatte, der aber am Schluss durch die Macht der Nazis ins Gefängnis kam und dort wenige Tage vor seinem letzten Weihnachtsfest den Text des wunderbare Liedes: Von guten Mächten gedichtet hat. Mitten in seiner dem Tod entgegengehenden Lebenssituation, entsprangen ihm diese kraftvolle Worte. Neben diesen Gedanken hat er noch weitere geschrieben, die zum diesjährigen Losungswort ebenso passen. Er schreibt: Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Die Schwachheit des Lebens, so macht Bonhoeffer deutlich, ist nicht die aussichtslose Lebenssituation, in der wir verzweifeln müssten. Er macht deutlich, dass auch die schwierigen, uns nach unten ziehenden Erfahrungen, uns nicht von Gott wegbringen. Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Das ist die große Ermutigung, die uns gegeben wird für das kommende Jahr. Jedoch ist es nicht so, dass wir uns das nun einfach so sagen können und dann ist gleichsam der Druck der Situation der Schwachheit weg. Ich bin schwach – super: Gott mir die Kraft. So ist es leider nicht. Wir müssen darin einen mühsamen Weg gehen. Den nimmt Gott uns nicht ab. Er gibt uns nicht Kraft im voraus, wir müssen in der jeweiligen Situation ausharren. Aber im Ausharren, im Vertrauen auf ihn, davon bin ich überzeugt, erwächst auch Kraft, darin erwächst eine Sicht auf das Leben, die uns zeigt, was unser ganz persönliches Leben ausmacht. Insofern sehe ich in den Worten des Korintherbriefes eine wirkliche Ermutigung für den Weg ins Jahr 2012. Jesus Christus spricht: Lass dir an meiner Gnade genügen – suche nicht verzweifelt danach, den Sinn des Lebens selber herstellen zu müssen, ihn aus eigener Kraft zu schaffen. Daran kannst du nur zugrunde gehen. Nimm die Gnade an, die Gott schenkt, und gestalte daraus ein Leben, das Gott dankbar dafür ist. Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Wo immer du dich als schwach erlebst, nimm es an, es ist so. Aber die Kraft des Lebens ist damit nicht verloren, sondern ich, dein Gott, will dich in deinem Leben führen, ich gebe dir die Stärke deines Lebens. Darauf kannst du hoffen, darauf kannst du bauen. Mit dieser Zusage möge unser Jahr 2012 eines sein, wo wir in allem, was uns widerfahren mag, von dieser uns zugesagten Stärke Gottes leben können. Amen Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied: 58,1-3+7-9 Psalm 8 Eingangsliturgie Gebet: Herr, unser Gott, wir danken dir, dass du mit uns in ein neues Jahr gehst. Was es uns und dieser Welt auch bringen wird: wir wollen darauf vertrauen, dass du in allem gegenwärtig bist und dass nichts kann uns trennen von deiner Liebe. Du willst uns mit deinem Frieden durch dieses Jahr begleiten. Dafür danken wir dir und bitten dich: stärke uns durch deinen Heiligen Geist. Schenke uns für unser Tun Zuversicht, die wir aus deinem Worte schöpfen. Lass uns im Vertrauen auf dich in das neue Jahr gehen. Darum bitten wir dich im Namen Jesu Christi, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen Lesung Jak 4, 13-15 Lied: 61,1-4 Film von den Kinderbildern Glaubensbekenntnis Lied 361,1-4 Predigt Lied: 65,1,2,5,6 Feier des Abendmahles Gütiger Gott, am Anfang Zeit warst du da, hast mit deinem Wort alles geschaffen. In der Mitte der Zeit warst du da, hast in Jesus Christus, deinem lebendigen Wort, deine Liebe auf ganz neue Weise lebendig gemacht. Am Ende der Zeit wirst du da sein mit dem Wort: du gehörst zu mir. Alle Zeit ist dir unterworfen, zu allen Zeiten sind wir in dir geborgen. Dafür danken wir dir und loben dich, du großer Gott. 331,1+2 Jesus Christus, Bruder und Herr, Freund und Gegenüber für unser Leben. Dein Wort ist Geleit für viele Menschen, mit deinem Wort trägst du uns an jedem Tag. Und du hast dein Wort der Liebe lebendig gemacht in Brot und Kelch. Dafür danken wir dir und bitten dich: sei uns nahe und schenke einem jeden von uns dein Heil für den Weg durch dieses Jahr. Lass uns Anteil haben an der Hoffnung, die du damals deinen Jüngern geschenkt hast, als du am Abend vor deinem Tod dein Heiliges Mahl hinterlassen hast. Einsetzungsworte - Geheimnis des Glaubens Ja, komm, Herr, Jesu, segne, was du uns gegeben hast. Erfülle uns mit deinem Geist, dem Geist der Hoffnung, dem Geist des Vertrauens und dem Geist der Liebe. Stärke uns zu einem vertrauensvollen Leben, das erfüllt ist von deinem Geist. Vaterunser - Austeilung Gehet hin im Frieden: Gottes Macht ist in den Schwachen mächtig. Abkündigungen Lied: 58,11-15 Vaterunser Segen 44
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