|
|
|
Text: Gott ist mein Zeuge, daß unser Wort an euch nicht Ja und Nein zugleich ist.
19 Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt worden ist, durch mich und
Silvanus und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm. 20 Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das
Amen, Gott zum Lobe. 21 Gott ist's aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns
gesalbt 22 und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat.
Gnade sei mit uns ...
Freut euch in dem Herrn allewege und abermals sage ich euch: Freuet
euch, Der Herr ist nahe!
Das waren die Anfangsworte der ersten Lesung und diese Worrte sind
auch der Wochenspruch für die Woche des 4. Advent. Und ich hoffe,
daß dieses Wort auch bei uns lebendig wird. Es wenige Tage
bis Weihnachten und die Freude auf dieses Fest will nun immer größer
werden. Manche Kinder können es kaum mehr aushalten noch zu warten,
auch wenn nur noch wenige Türen am Weihnachtskalender bis zum 24.
zu öffnen sind. Und ich vermute einmal , daß auch uns älteren
die Spannung auf dieses Fest gefangen nimmt, selbst wenn es nicht immer
die Freude ist, die uns da einnimmt Es begleitet uns auch ganz anderes
wenn wir ans kommende Weihnachtsfest denken: angefangen von wehmütigen
Erinnerungen an frühere, tiefergehende Feste bis hin zum Gedanken,
dieses Fest anders gestalten zu müssen als in früheren Jahren
weil jemand fehlt.
Aber gerade die Traurigkeit des letzteren macht doch gleichzeitig die
Dimension der Freude deutlich und sichtbar. Denn traurig sind wir, wenn
die Freude dieses Tages nicht so zim Ausdruck kommen kann wie wir es uns
wünschen.
Die Freude angesichts des Festes steht also dennoch im Raum. Und wir
können sie in der AdventszeIt auch mit allen Sinnen spüren. Wir
konnen es sehen, in den Lichtern die wir in Fenstern und Vorgärten
sehen sie zeigen dass etwas Besonderes geschieht und geschehen ist. Wir
können es schmecken und riechen, wenn die Weihnachtskekse gebacken
werden, Kuchen besonderer Art hergestellt werden und der Glühweinduft
auf den Weihnachtsmärkten uns in die Nase weht und er unseren Körper
durchwämt. Wir können die Freude hören in den Liedern, die
wir hören und singen. Ja in der Adventszeit fangen sogar Menschen
an zu singen, die sich das ganze Jahr über sonst nicht trauen Und
wir können es fühlen, wenn Menschen sich bemühen. diese
Zeit anders zu gestalten als die anderen Tage des Jahres. Weihnachtsfreude
bedeutet uns mehr als wir oft merken und wahr haben wollen. Und selbst
wenn die erwünschten Weihnachtsgefühle sich nicht einstellen
wollen, irgendwie werden wir auf jeden Fall hineingezogen in die Welt von
Weihnachten in diesen Tagen. Wir können und wir wollen uns dieser
Freude nicht entziehen. Und wir suchen sie ja auch für unser Leben.
Worin die Freude besteht, warum wir Grund zur Freude haben, das sagt
uns der Apostel Paulus heute in einem kurzen Text aus dem Korintherbrief:
Gott ist mein Zeuge dass unser Wort an euch nicht Ja und Nein zugleich
ist. Denn der Sohn Gottes Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt
worde ist, der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm. Denn auf
alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen
wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lobe. Gottist’s aber, der uns fest
macht samt euch in Christus und der uns gesalt und versiegelt hat und in
unsere Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat.
Diese Verse verbunden mit dem Wochenspruch lauten dann: Freut euch
und abermals sage ich euch: freut euch: denn Gott hat Ja gesagt, er hat
sein großes Ja zur Welt und zu den Menschen, zu mir und dir gesagt.
Dieses große Ja ist Mensch geworden zu Weihnachten, es trägt
einen Namen: Jesus von Nazareth. Und in ihm ist nicht ja und nein, sondern
er ist das Ja Gottes. Das ist der Grund zur Freude.
Wenn wir dies in der Adventszeit hören, in den letzten Tagen vor
Weihnachten, dann ist dies ein Stück wirkliche Vorbereitung auf Weihnachten.
Denn es fällt ja gar nicht dieses Ja sofort freudig aufzunehmen,
denn unsere Welt spricht zunächst einmal eine andere Sprache. Wann
hören wir schon einmal ein klares Ja, meistens ist doch irgend ein
Vorbehalt dahinter: Ja, aber.
Ja, aber es müssen noch diese oder jene Dinge geregelt werden;
ja, aber nicht gleich, nicht sofort. Ja, aber nur wenn sich dies oder das
ereignet hat. Sie haben ja Recht, aber da muß man doch auch
noch bedenken, daß. . . und so weiter und so fort. Jeder von uns
kennt das, wir selber sprechen diese Sätze immer wieder, weil wir
Enscheidungen scheuen, weil wir selber unsicher sind, weil es im Leben
eben immer mehr zu bedenken gilt, so daß ein klares Ja auch nicht
immer so leicht zu sagen und durchzuhalten ist. Man will sich Türen
offen halten, will alles bedenken und einbeziehen, darum sagen wir lieber:
Ja, aber, und weniger gern ein klares Jawohl, so soll es sein.
Und dann gibt. es noch die vielen Menschen, die ein Nein zu hören
bekommen statt ein Ja: dort zum Beispiel, wo Menschen sich nach langer
Zeit des gemeinsamen Lebens trennen, wo einer oder auch beide, das anfängliche
Ja nun in ein Nein umwandeln und sich trennen. Wieviel Hoffnungen sind
da kaputtgegangen, wieviel „Ja, aber“ hat man gesprochen, bis das Nein
viel deutlicher wurde.
Dder die Menschen, denen gesagt wird: nun ist .Schluß, du kannst
hier aufhören zu arbeiten. Du wirst nicht mehr gebraucht. Ich habe
keine Arbeit mehr für dich. Und dann beim Arbeitsamt: immer wieder
die enttäuschende Antwort: Nein für sie ist nichts dabei.
Oder Menschen, die zu sich selber gesagt haben Nein, hier kann ich
nicht mehr leben, aber ich will leben. Ja, ich will meine Heimat verlassen,
weil hier nur alle Nein zu mir sagen Ich will, ich muß woanders hingehen,
wenn ich überleben will Und was erfahren dann viele dieser Menschen:
sie hören das Nein der anderen: nein, dich wollen wir bei uns nicht
haben, nein, wir haben für dich keinen Platz. Geh zurück nach
Hause, geh dahin wo du herkommst, ob du dort leben kannst oder nicht. Wir
sagen immer wieder Nein zu Menschen, die Schutz und Lebenschancen in unserem
Land suchen.
Und manchesmal erleben wir auch ein Nein von Gott, ein Nein zu unseren
Lebenswünschen und -vorstellungen. Da bricht er etwas ab, was doch
noch so schön hätte sein können, in unseren Augen. Nein,
scheint er zu sagen, zu meinem Leben Jedes dieser Nein bedeutet: enttäuschte
Hoffnungen, abgebrochene Zuneigung, enttäuschte Liebe zu einem Menschen,
enttäuschte Lebensvorstellungen. Da zerbricht etwas, da wird etwas
zerbrochen. Dieses Nein steht im Raum wie viele müssen sich dahinein
fügen, sich damit abfinden, ob sie wollen oder nicht. Sie müssen
loslassen, wenn es endgültig heißt: Nein. Egal wie sehr es weh
tun, ob es gerecht ist oder nicht.
Das ist unsere menschliche Erfahrung. Und daneben steht die ganz andere
Erfahrung, die Erfahrung von Weihnachten, die Paulus ganz anders beschreibt:
Gottes Sohn ist nicht Ja und Nein, nicht ja, aber. Er ist ganz Ja. Von
Anfang an stand er unter dem Ja Gottes, von Anfang an hat er den Menschen
das Ja Gottes lebendig gemacht. Und dieses Ja ist nicht zu Ende. Wir Menschen
bleiben oft stehen am Kreuz, bei dem großen Nein, das die Welt über
diesen Jesus gesprochen hat. Wir stellen uns zu diesem Kreuz, sehen uns
oft selbst daran genagelt, festgenagelt am Nein der Menschen oder der Ereignisse
um uns herum. Aber Gott geht weiter: Ja, sagt er. Ja, steh auf! Lebe! Ich
überschreite die Grenze des Nein, ich überschreite die Grenze
der Macht des Verneinenden, ich rufe dir zu: Du darfst leben. Ich halte
dieses Ja zu dir aufrecht. Das bleibt, auch wenn Menschen dir noch so oft
ein Nein entgegenschleudern.
Das ist die Verkündigung der großen Freude. Und das habt
zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer
Krippe liegen. Nein, haben die Menschen gesagt, nein, wir haben keinen
Platz für euch. Nein, wir haben keinen Platz für Gott. Und doch
findet Gott seinen Platz in dieser Welt und er sagt: ja, ich will mir in
dieser Welt meinen Platz nehmen. Und dieses Gegenüber von Nein der
Menschen und dem Ja Gottes durchzieht das ganze Leben des Jesus von Nazaret.
Es ist ein Leben, in dem sich dieses anfängliche Ja durchhält:
Nein du sollst nicht leben, meinte Herodes, als er die Kinder ermorden
ließ. Gott sagte: ja du sollst leben, wenn du auch erst als Flüchtling
nach Ägypten gehen mußt.
Nein, er hatte keine festen Lebensort, kein festes zu Hause, keine
Heimat. Ja sagte Gott: deine Heimat liegt in mir und bei allen Menschen.
Zuletzt sagten die Führer des Volkes wieder Nein: er soll nicht
leben und weiter das Volk verführen. Und selbst seine Freunde haben
ihn verfolgt und verlassen. Gekreuzigt und begraben, das Nein der Menschen
wurde sehr deutlich laut in dieser menschlichen Katastrophe. Aber Gottes
Ja geht eben weiter, er durchkreuzt das menschliche Nein durch sein lebenschaffendes
Ja.
Darin, liebe Gemeindeglieder, liegt der wirkliche Grund der Freude,
die wir haben dürfen. Seit dem Leben Jesu Christi, das zu Weihnachten
begonnen hat, haben wir Gottes großes Ja zu uns lebendig vor Augen.
Sein Ja bleibt, wo Menschen oft nur Nein sagen. Weil dieses Ja bleibt,
deshalb können wir es aushalten mit zerbrochenen Jaworten, deshalb
können wir es aushalten mit enttäuschten Hoffnungen, deshalb
können wir es aushalten mit unerfüllten Sehnsüchten. Weil
Gottes Jawort zu uns bleibt, darum können wir es aushalten mit zerbrechender
Liebe, die unter uns Menschen immer wieder zu Enttäuschungen führt.
Weil es Gottes Ja zu uns gibt, darum müssen wir uns nicht das Nein
von Menschen als letztes Wort gefallen lassen. In Jesus Christus ist nicht
Ja und Nein, in ihm ist das Ja. Und Gott macht uns fest, er macht uns stark
in Christus, im Vertrauen auf Christus gibt er uns die Kraft aus dem Ja
Gott, das Leben auch mit menschlichem Nein anzunehmen.
Darum geht es zu Weihnachten, daß wir uns dieser Botschaft stellen,
daß wir dieses große Ja Gottes lebendig werden lassen und sei
es am Anfang nur erst einmal ganz klein, wie beim Kind in der Krippe. Aber
das Ja wird wachsen und groß werden, es wird tragen für unser
Leben.
An dieses Ja werden wir erinnert, jedes Jahr neu. Wir können dieses
Ja auch schmecken, riechen, hören, sehen und fühlen. Denn alles,
was in dieser Zeit an Festlichkeit geschieht, hat christlich gesehen letztlich
nur den einen Sinn: Gottes großes Ja lebendig zu machen. Amen.
oben
| |
Die
Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Klein Elbe |
|
4. Advent
19.12.1999 |
|
| Predigt drucken
|
|