Predigt

NT

 

Predigt

Aktuell
Archiv
Links

Home

Predigt

Kirchen

Kinder-
gottesdienst
Konfirmanden
Gemeinde
Gemeindebrief
Gottesdienst
Links
Gästebuch
Sitemap
Kontakt
 

2. Kor. 1, 18-22

Text: Gott ist mein Zeuge, daß unser Wort an euch nicht Ja und Nein zugleich ist. 19 Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt worden ist, durch mich und  Silvanus und Timotheus, der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm. 20 Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das  Amen, Gott zum Lobe. 21 Gott ist's aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns  gesalbt 22 und  versiegelt und in unsre Herzen  als Unterpfand den Geist gegeben hat.

Gnade sei mit uns ...
Freut euch in dem Herrn allewege und abermals sage ich euch: Freuet euch, Der Herr ist nahe!
Das waren die Anfangsworte der ersten Lesung und diese Worrte sind auch der Wochenspruch für die Woche des 4. Advent. Und ich hoffe, daß dieses Wort auch bei uns lebendig wird. Es  wenige Tage bis Weihnachten und die Freude auf dieses Fest will nun immer größer werden. Manche Kinder können es kaum mehr aushalten noch zu warten, auch wenn nur noch wenige Türen am Weihnachtskalender bis zum 24. zu öffnen sind. Und ich vermute einmal , daß auch uns älteren die Spannung auf dieses Fest gefangen nimmt, selbst wenn es nicht immer die Freude ist, die uns da einnimmt Es begleitet uns auch ganz anderes wenn wir ans kommende Weihnachtsfest denken: angefangen von wehmütigen Erinnerungen an frühere, tiefergehende Feste bis hin zum Gedanken, dieses Fest anders gestalten zu müssen als in früheren Jahren weil jemand fehlt.
Aber gerade die Traurigkeit des letzteren macht doch gleichzeitig die Dimension der Freude deutlich und sichtbar. Denn traurig sind wir, wenn die Freude dieses Tages nicht so zim Ausdruck kommen kann wie wir es uns wünschen.
Die Freude angesichts des Festes steht also dennoch im Raum. Und wir können sie in der AdventszeIt auch mit allen Sinnen spüren. Wir konnen es sehen, in den Lichtern die wir in Fenstern und Vorgärten sehen sie zeigen dass etwas Besonderes geschieht und geschehen ist. Wir können es schmecken und riechen, wenn die Weihnachtskekse gebacken werden,  Kuchen besonderer Art hergestellt werden und der Glühweinduft auf den Weihnachtsmärkten uns in die Nase weht und er unseren Körper durchwämt. Wir können die Freude hören in den Liedern, die wir hören und singen. Ja in der Adventszeit fangen sogar Menschen an zu singen, die sich das ganze Jahr über sonst nicht trauen Und wir können es fühlen, wenn Menschen sich bemühen. diese Zeit anders zu gestalten als die anderen Tage des Jahres. Weihnachtsfreude bedeutet uns mehr als wir oft merken und wahr haben wollen. Und selbst wenn die erwünschten Weihnachtsgefühle sich nicht einstellen wollen, irgendwie werden wir auf jeden Fall hineingezogen in die Welt von Weihnachten in diesen Tagen. Wir können und wir wollen uns dieser Freude nicht entziehen. Und wir suchen sie ja auch für unser Leben.
Worin die Freude besteht, warum wir Grund zur Freude haben, das sagt uns der Apostel Paulus heute in einem kurzen Text aus dem Korintherbrief: Gott ist mein Zeuge dass unser Wort an euch nicht Ja und Nein zugleich ist. Denn der Sohn Gottes Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt worde ist, der war nicht Ja und Nein, sondern es war Ja in ihm. Denn auf alle  Gottesverheißungen ist  in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zum Lobe. Gottist’s aber, der uns fest macht samt euch in Christus und der uns gesalt und versiegelt hat und in unsere Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat.
Diese Verse verbunden mit dem Wochenspruch lauten dann: Freut euch und abermals sage ich euch: freut euch: denn Gott hat Ja gesagt, er hat sein großes Ja zur Welt und zu den Menschen, zu mir und dir gesagt.
Dieses große Ja ist Mensch geworden zu Weihnachten, es trägt einen Namen: Jesus von Nazareth. Und in ihm ist nicht ja und nein, sondern er ist das Ja Gottes. Das ist der Grund zur Freude.
Wenn wir dies in der Adventszeit hören, in den letzten Tagen vor Weihnachten, dann ist dies ein Stück wirkliche Vorbereitung auf Weihnachten. Denn es fällt ja gar nicht dieses Ja  sofort freudig aufzunehmen, denn unsere Welt spricht zunächst einmal eine andere Sprache. Wann hören wir schon einmal ein klares Ja, meistens ist doch irgend ein Vorbehalt dahinter: Ja, aber.
Ja, aber es müssen noch diese oder jene Dinge geregelt werden; ja, aber nicht gleich, nicht sofort. Ja, aber nur wenn sich dies oder das ereignet hat. Sie haben ja Recht,  aber da muß man doch auch noch bedenken, daß. . . und so weiter und so fort. Jeder von uns kennt das, wir selber sprechen diese Sätze immer wieder, weil wir Enscheidungen scheuen, weil wir selber unsicher sind, weil es im Leben eben immer mehr zu bedenken gilt, so daß ein klares Ja auch nicht immer so leicht zu sagen und durchzuhalten ist. Man will sich Türen offen halten, will alles bedenken und einbeziehen, darum sagen wir lieber: Ja, aber, und weniger gern ein klares Jawohl, so soll es sein.
Und dann gibt. es noch die vielen Menschen,  die ein Nein zu hören bekommen statt ein Ja: dort zum Beispiel, wo Menschen sich nach langer Zeit des gemeinsamen Lebens trennen, wo einer oder auch beide, das anfängliche Ja nun in ein Nein umwandeln und sich trennen. Wieviel Hoffnungen sind da kaputtgegangen, wieviel „Ja, aber“ hat man gesprochen, bis das Nein viel deutlicher wurde.
Dder die Menschen, denen gesagt wird: nun ist .Schluß, du kannst hier aufhören zu arbeiten. Du wirst nicht mehr gebraucht. Ich habe keine Arbeit mehr für dich. Und dann beim Arbeitsamt: immer wieder die enttäuschende Antwort: Nein für sie ist nichts dabei.
Oder Menschen, die zu sich selber gesagt haben Nein, hier kann ich nicht mehr leben, aber ich will leben. Ja, ich will meine Heimat verlassen, weil hier nur alle Nein zu mir sagen Ich will, ich muß woanders hingehen, wenn ich überleben will Und was erfahren dann viele dieser Menschen: sie hören das Nein der anderen: nein, dich wollen wir bei uns nicht haben, nein, wir haben für dich keinen Platz. Geh zurück nach Hause, geh dahin wo du herkommst, ob du dort leben kannst oder nicht. Wir sagen immer wieder Nein zu Menschen, die Schutz und Lebenschancen in unserem Land suchen.
Und manchesmal erleben wir auch ein Nein von Gott, ein Nein zu unseren Lebenswünschen und -vorstellungen. Da bricht er etwas ab, was doch noch so schön hätte sein können, in unseren Augen. Nein, scheint er zu sagen, zu meinem Leben Jedes dieser Nein bedeutet: enttäuschte Hoffnungen, abgebrochene Zuneigung, enttäuschte Liebe zu einem Menschen, enttäuschte Lebensvorstellungen. Da zerbricht etwas, da wird etwas zerbrochen. Dieses Nein steht im Raum wie viele müssen sich dahinein fügen, sich damit abfinden, ob sie wollen oder nicht. Sie müssen loslassen, wenn es endgültig heißt: Nein. Egal wie sehr es weh tun, ob es gerecht ist oder nicht.
Das ist unsere menschliche Erfahrung. Und daneben steht die ganz andere Erfahrung, die Erfahrung von Weihnachten, die Paulus ganz anders beschreibt: Gottes Sohn ist nicht Ja und Nein, nicht ja, aber. Er ist ganz Ja. Von Anfang an stand er unter dem Ja Gottes, von Anfang an hat er den Menschen das Ja Gottes lebendig gemacht. Und dieses Ja ist nicht zu Ende. Wir Menschen bleiben oft stehen am Kreuz, bei dem großen Nein, das die Welt über diesen Jesus gesprochen hat. Wir stellen uns zu diesem Kreuz, sehen uns oft selbst daran genagelt, festgenagelt am Nein der Menschen oder der Ereignisse um uns herum. Aber Gott geht weiter: Ja, sagt er. Ja, steh auf! Lebe! Ich überschreite die Grenze des Nein, ich überschreite die Grenze der Macht des Verneinenden, ich rufe dir zu: Du darfst leben. Ich halte dieses Ja zu dir aufrecht. Das bleibt, auch wenn Menschen dir noch so oft ein Nein entgegenschleudern.
Das ist die Verkündigung der großen Freude. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Nein, haben die Menschen gesagt, nein, wir haben keinen Platz für euch. Nein, wir haben keinen Platz für Gott. Und doch findet Gott seinen Platz in dieser Welt und er sagt: ja, ich will mir in dieser Welt meinen Platz nehmen. Und dieses Gegenüber von Nein der Menschen und dem Ja Gottes durchzieht das ganze Leben des Jesus von Nazaret. Es ist ein Leben, in dem sich dieses anfängliche Ja durchhält: Nein du sollst nicht leben, meinte Herodes, als er die Kinder ermorden ließ. Gott sagte: ja du sollst leben, wenn du auch erst als Flüchtling nach Ägypten gehen mußt.
Nein, er hatte keine festen Lebensort, kein festes zu Hause, keine Heimat. Ja sagte Gott: deine Heimat liegt in mir und bei allen Menschen.
Zuletzt sagten die Führer des Volkes wieder Nein: er soll nicht leben und weiter das Volk verführen. Und selbst seine Freunde haben ihn verfolgt und verlassen. Gekreuzigt und begraben, das Nein der Menschen wurde sehr deutlich laut in dieser menschlichen Katastrophe. Aber Gottes Ja geht eben weiter, er durchkreuzt das menschliche Nein durch sein lebenschaffendes Ja.
Darin, liebe Gemeindeglieder, liegt der wirkliche Grund der Freude, die wir haben dürfen. Seit dem Leben Jesu Christi, das zu Weihnachten begonnen hat, haben wir Gottes großes Ja zu uns lebendig vor Augen. Sein Ja bleibt, wo Menschen oft nur Nein sagen. Weil dieses Ja bleibt, deshalb können wir es aushalten mit zerbrochenen Jaworten, deshalb können wir es aushalten mit enttäuschten Hoffnungen, deshalb können wir es aushalten mit unerfüllten Sehnsüchten. Weil Gottes Jawort zu uns bleibt, darum können wir es aushalten mit zerbrechender Liebe, die unter uns Menschen immer wieder zu Enttäuschungen führt. Weil es Gottes Ja zu uns gibt, darum müssen wir uns nicht das Nein von Menschen als letztes Wort gefallen lassen. In Jesus Christus ist nicht Ja und Nein, in ihm ist das Ja. Und Gott macht uns fest, er macht uns stark in Christus, im Vertrauen auf Christus gibt er uns die Kraft aus dem Ja Gott, das Leben auch mit menschlichem Nein anzunehmen.
Darum geht es zu Weihnachten, daß wir uns dieser Botschaft stellen, daß wir dieses große Ja Gottes lebendig werden lassen und sei es am Anfang nur erst einmal ganz klein, wie beim Kind in der Krippe. Aber das Ja wird wachsen und groß werden, es wird tragen für unser Leben.
An dieses Ja werden wir erinnert, jedes Jahr neu. Wir können dieses Ja auch schmecken, riechen, hören, sehen und fühlen. Denn alles, was in dieser Zeit an Festlichkeit geschieht, hat christlich gesehen letztlich nur den einen Sinn: Gottes großes Ja lebendig zu machen. Amen.

  oben

 
Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Klein Elbe
  4. Advent

19.12.1999

Predigt drucken
 

 

 

 

 

   

© für alle Seiten und Inhalte liegen bei Jürgen Grote