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1. Timotheus 4, 4-5

Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet."

Wir hören dieses Wort am Erntedanktag. Und wir sind an diesem Tag so gestimmt, dass wir diesen Worten gerne zustimmen mögen. Die Ernte des Getreides ist eingebracht, der Garten hat seine Früchte gebracht, die Rübenernte sieht recht gut aus und was der Garten noch so in sich trägt, verheißt ja auch gutes. Wenn auch der Sommer nicht so war, wie die Landwirte sich das erhofft haben und auch z.T. Einbußen hinnehmen mußten, wir erleben diese Welt als gute Schöpfung Gottes von der wir leben können. Wir sagen danke für alles, was uns gegeben wurde, dafür, dass wir leben können und dürfen. Dahinter liegt das Gefühl dafür, dass das Leben eine Gabe ist, eine gute Gabe ist und dafür danken wir am heutigen Tag. Wir danken dafür, dass unser Leben überhaupt ist, dass wir nicht dem Nichts anheimfallen, sondern dass wir geborgen und getragen sind. Erntedank ist Lebendank oder eben, wie es der Timotheusbrief ausdrückt: Dank dafür, dass die Schöpfung eine gute ist.

So sehr wir diesen Gedanken nachvollziehen können und ja auch in dieser Dankesgestimmtheit in die Kirche kommen, so sehr bleiben dann doch an vielen anderen Tagen des Lebens Fragen zurück. Fragen die das Gutsein der Schöpfung betreffen.

Ist alles, was Gott geschaffen hat, gut? Erleben wir unsere Schöpfung als etwas nur gutes? DA ist doch etwas in uns, das sich dagegen sperrt, unsere Lebenserfahrung, unsere Nachrichtenkenntnis weiß doch auch um die schwierigen Seiten der Schöpfung. Die Natur selbst hat doch die Dimension des Katastrophalen und des Vernichtenden: Überschwemmungen, Trockenheit, Erdbeben, Epidemien. Da können wir doch nicht einfach so sagen, dass alles gut ist. In wieviel Ländern der Erde gibt es nichts zu ernten? Wir hören von den hungernde Menschen, die auf Grund ihrer Umweltbedingungen keine Lebensmittel produzieren können. so sehr sie sich auch darum mühten. Die Not in der Welt ist groß, wir wissen das und sehen das jeden Tag neu. Und dann gibt es da auch noch die Bereiche, in denen der Mensch dazu beiträgt, dass die Natur nicht mehr das geben kann, was möglich wäre. Tschernobyl ist ein Symbolwort dafür, dass ein weites Land auf lange Zeit vergiftet und ernteuntauglich gemacht wurde, dass Leben krank gemacht wurde. Immer wieder hören wir aus den weniger reichen Ländern um uns herum, dass Fabrikunglücke Flüsse und Seen und deren Flora und Fauna zerstören und auch bei uns gibt es so etwas immer wieder.

Diese Meldungen lassen uns oft nicht los und deshalb haben wir am heutigen Tag eben zwei Gefühle in uns: auf der einen Seite den Dank für das, was wir zum Lebenserhalt empfangen haben. Und auf der anderen Seite steht da das Mitgefühl für diejenigen, die von Hunger und Elend bedroht sind, weil Ernte ausblieb, weil die Lebensgrundlagen wieder einmal nicht gegeben werden konnten.

Denn alles, was Gott gemacht hat, ist gut - wir können es nicht aus vollem Herzen mitsprechen. Ja, wenn wir unsere eigene Erfahrung ansehen, dann erscheint es als unsinnig so vollmundig zu reden, und manch einer wird es auch als ein törichtes Wort ansehen.

Nun müssen wir uns aber fragen, ob denn dieses Wort wirklich ein Wort aus unserer menschlichen Erfahrung ist. Es ist ein altes Wort, aus dem Land Israel. Aber selbst dort wird die Lebenserfahrung auch ohne moderne Umweltzerstörung nicht die gewesen sein, dass immer alles nur Milch und Honig war. Das beschreibt die Bibel an vielen Stellen in der langen Geschichte dieses Volkes.

Und doch steht dieses Wort fest im Raum als unumkehrbare Wahrheit, die uns auch etwas zumutet: Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut. Zunächst einmal bekennt es Gott als den Schöpfer, also an denjenigen aus dessen Hand diese Schöpfung kommt und in dessen Hand sie auch weiterhin liegt. Aber wenn Gott Schöpfer der Welt und allen Lebens ist, wenn er alles geschaffen hat, hat er dann auch das ganze Übel geschaffen? Das ist die geradezu unheimliche Frage, die sich uns aufdrängt und sie wird uns damit auch zum Stein des Anstoßes. Denn Gott als Schöpfer bekennen, der alles gut geschaffen hat, und dies auch angesichts von Katastrophen und Unheil, das will nicht zusammenpassen.

Für viele Menschen bricht an dieser Stelle der Glaube an Gott zusammen. Der Satz "Ich glaube an Gott, den Schöpfer..." will nicht mehr über die Lippen kommen, auch wenn er oft genug der einzige Satz ist, den viele Menschen überhaupt noch mitsprechen können.

Und wenn wir dann allein von unserer Erfahrung als Maßstab ausgehen, können wir allerdings nur noch uns sagen: So ist es nun einmal mit der Welt. Gutes und Böses, Positives und Negatives, Leben und Tod, immer ist beides da. Das ist eben so, damit muß man sich abfinden. So geredet beschreiben wir die Welt dann allerdings auch nicht mehr als Gottes Schöpfung. Die Dinge, von denen wir leben, sind nicht mehr Gaben Gottes. Aus den Gaben wird etwas, das einfach bloß vorhanden ist, das man zum Leben verbraucht. Dank findet nicht mehr statt, denn wem sollte gedankt werden? Aus dem Erntedankfest wird ein Erntefest, wo man die Natur und den Naturgenuß feiert, die dunklen Seiten der Natur und des Lebens versucht auszublenden.

Genau dies aber soll verhindert werden, wenn wir mit den Worte: Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, an den Urgrund des Lebens erinnert werden. Diese Worte bekennen Gott als den Schöpfer der Welt und allen Lebens und hält an diesem Bekenntnis fest, auch wenn Gutes und Schlimmes, Heil und Unheil immer zusammen da sind. Unser Wort will daran festhalten, dass alles, was Gott geschaffen hat, gut ist, und wendet sich dagegen, dass wir Menschen unser Leben in der Welt als ein rein natürliches abwerten, das dann einfach so dem Walten der Natur unterworfen ist und am Ende vergeht, wie alles natürliche.

Wenn ich vorhin gefragt habe, ob dieses Wort wirklich ein Wort menschlicher Erfahrung ist, so möchte ich sagen: Nein, es lebt nicht aus der menschlichen Erfahrung, es lebt aus des Glauben und ist als ein solches ein Wort der Wahrheit über menschliche Erfahrung hinaus. Mitten in den Unheilserfahrungen des Lebens hält es fest an der grundlegenden Bindung des menschlichen Lebens und des Lebens in dieser Welt an den Schöpfer, der dieser Welt gegenübersteht und gleichzeitig in ihr wirkt. Somit öffnet dieser Satz Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, unsere Gedanken für die Dimension Gottes, für den Glauben an Gott den Schöpfer.

Und das, liebe Gemeindeglieder, selbst durch die unheilvollen Erfahrungen dieser Welt hindurch. Was wir in unserer Erfahrung als unheilvoll erleben, das ist ja etwas, das wir nicht wollen, nicht wünschen. Aber wir können es nicht aus der Welt schaffen. Das steht nicht in unserer Macht. Das Unheilvolle, das lebenswidrige Böse, den Tod können wir nicht aus der Welt schaffen. Es steht uns gegenüber als etwas, dem wir oft genug auch ausgeliefert sind, wie der Landwirt dem Wetter, wie die Hungernden der Dürre, wie den Opfern der Katastrophen die Naturgewalten. Und wir erleben uns Menschen darin als ohnmächtig, als abhängig und eben in den eigenen Möglichkeiten eingeschränkt. Da ist eben etwas über uns, das höher ist, als wir und dem wir uns beugen müssen. Auch das Negative im Leben weist uns auf den Schöpfer, weist uns Menschen in unsere Grenzen und spricht uns an auf unseren Glauben.

Inmitten der Widersprüche des Lebens und des Glaubens, da wird die Frage nach Gott lebendig, da wird die Frage danach, wer wir Menschen sind, offenbar.

Wir sind nicht diejenigen, die die Herren der Welt sind. wir haben nicht die Macht des Schöpfers, auch wenn wir versuchen ihm ständig ins Handwerk zu pfuschen. Auch die noch so gute Verbesserung von medizinischen Produkten, die gentechnische Veränderung von Pflanzen, Tieren und vermutlich irgendwann auch mal von Menschen, wird die Widersprüche des Lebens, wird Krankheit, Unheil und Not nicht aus der Welt schaffen. Der Mensch wird nicht sein wie Gott, so sehr er sich auch darum mühen mag. Er ist eben nicht der Schöpfer, er ist nur Geschöpf. Wir leben vom Schöpfer her, nicht aus uns selbst und nicht für uns selbst. Und die Widersprüche des Lebens zeigen uns das besonders, weil sie uns Menschen und unser Leben in Frage stellen und uns letztlich auf Gott verweisen. Und der Glaube vermag dann inmitten der Widersprüche uns Menschen einen festen Stand im Leben zu geben.

Dieser Glaube hält an Gott fest, der sich in die Widersprüche des Lebens hineinbegeben hat, nämlich in Jesus Christus, der durch sein Leiden und Sterben diese Widersprüche auf sich genommen hat. Das Kreuz ist das Symbol für das Leiden Gottes an der Welt, an dem Unheil, an der Not der Menschen und es ist durch die Auferstehung gleichzeitig das Zeichen des Lebens durch den Tod hindurch. Der Glaube, der sich daran festhält, der wird an der Not der Welt, an der Not des eigenen Lebens sicher genauso leiden, wie andere Menschen, vielleicht sogar ein wenig mehr und dennoch weiß er sich gehalten von der Kraft die Lebens, die stärker ist als das Unheil des Lebens. Diese Welt ist zum Guten hin geschaffen und ist als solche gut. Sie ist gut, weil sie von dem Schöpfer ausgeht, der dieser Welt immer wieder eine Zukunft ermöglicht, der auch durch das Unheil hindurch mächtig bleibt. Darin liegt der Kern des Vertrauens des christlichen Glaubens. Im Bilde Jesu Christi erkennen wir, dass der Stachel des Unheils bleibt, aber dass dieser Stachel uns zu Gott treibt, von dem wir letztlich unser Leben haben.

Die Glaubenswahrheit, dass alles, was Gott geschaffen hat, gut ist und daher nichts verwerflich ist, was mit Danksagung empfangen wird, bringt uns zur Tiefe des Erntedankfestes. Es ist eben kein Fest allein des Dankes für unsere wichtigsten Lebensmittel, sondern es ist das Dankfest dafür, dass das Leben stärker ist als alles Unheil, dass diese Welt steht und sich weiter dreht auch trotz allen Unheils. Unser Dank gilt dem Leben, das von Gott ausgeht, das wir ihm verdanken, und das wir ihm deshalb auch anvertrauen wollen, durch unseren Glauben. Unser Dank gilt den Worten, die dies festhalten gegen unsere alleinige menschliche Erfahrung und uns so ermöglichen, diese Erfahrungen zu überwinden, um zum Leben zu gelangen. Erntedank ist der Dank für das geschenkte Leben und die geschenkten Lebensworte, die von ihm ausgehen. Amen

(Viele dieser Gedanken verdanke ich der Predigt von W. Theilemann in den Göttinger Predigten im Internet)

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Chor

508

Eingangsliturgie

Gebet des Tages: siehe Gottesdienstbuch

Lesung - Lukas 12, 15-21

Glaubensbekenntnis

512, 1, 2, 4, 5

Predigt

324,1-3+7

Abenmahlsgebet

Gütiger Gott. Saat und Ernte liegen in deiner Hand und du hast verheißen, das dies nie aufhören wird. Es ist das Versprechen, dass du diese Welt nie im Stich läßt. Auch Unheil und Not kann diese Schöpfung, die du gut geschaffen hast, nicht zum Ende bringen. Darum loben wir dich und danken dir. In den Gaben von Brot und Saft dürfen wir sehen und schmecken, wie nach du uns bist, wie nach du deiner Schöpfung bist. So laß daraus aus unser Vertrauen wachsen, das sich gründet auf Jesus Christus, der uns das Geschenk des Heiligen Mahles hinterlassen hat.

Einsetzungsworte

Ja, komm, Herr, Jesus, sei unser Gast und segne, was du uns gegeben hast. Segne das Brot und segne den Saft, segne uns, die wir beides zu uns nehmen und erneuere unser Herz und unseren Verstand, auf dass der Dank gegen Gott uns alle ausfülle. Gib uns dazu deinen Heiligen Geist.

Vaterunser

Austeilung

Chor

Abkündigungen

Fürbittengebet
Gütiger Vater, Schöpfer des Himmels und der Erden!
Wir danken dir für die Gaben von Brot und Saft. Laß uns durch diese Gaben spüren, wie wichtig wir dir sind, wie sehr du uns nährt an Leib und Seele. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir danken dir für diese Erde, für die Pflanzen und die Tiere und die Menschen, die du hast entstehen lassen. Wir danken damit für die Gabe des Lebens, das du immer wieder erneuerst. Hilf uns, dass wir deine gute Schöpfung bewahren, dass wir Schaden beseitigen, so dass die Lebensgrundlage unserer Kinder gesichert ist. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir danken dir für das Leben hier in diesem Land, in dem wir alles haben und noch viel mehr. Und wir bitten für all diejenigen, die in schwierigem Klima, in schlechten Strukturen leben müssen, deren Umwelt von politischer Unvernunft, von Ungerechtigkeit, Krieg und Unwissenheit und auch von Naturkatastrophen zerstört ist. Zeig uns, wo wir helfen können, wo wir unseren Überfluss teilen können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir denken vor dir an alle Menschen, denen das danken schwer fällt, weil ihr Leben von Bedrückung, von Krankheit und Sterben bedroht ist. Sei ihnen nahe, dass sie dich spüren und so dir dankbar entgegen gehen können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Dir gütiger Gott verdanken wir alles, darum nimm du unseren Dank entgegen und fülle uns mit deiner Gnade. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen
Segen

 

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe
Klein Elbe
 1. 10. 2000
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