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Dieser Predigt liegt die Predigt von Pfarrer Martin
Vibrans mit dem Titel "Neue Hoffnungen" zugrunde - veröffentlich bei
www.kanzelgruss.de . Ich habe
sie leicht verändert und danke an dieser Stelle für seine guten
Gedanken.
1. Tim 4,4 Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist
verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; 5 denn es wird geheiligt
durch das Wort Gottes und Gebet.
Es muss den Menschen, an die sich diese Sätze des
Timotheusbriefes richten, nicht besonders gut gegangen sein. Sie waren
die Kinder und Enkel jener Generation, die Jesus noch erlebt hatten. Das
Christentum stand nicht hoch im Kurs, es gab bereits Verfolgungen, viele
hatten sich zurückgezogen von denen, die zuerst begeistert mitgejubelt
hatten und den Anbruch einer neuen und besseren Welt erwarten hatten. Es
gab einiges an Resignation, weil so viel Negatives nach dieser Phase des
Aufbruches zu erleben war.
Andere, besonders viele Christen, begannen, in der Zurückgezogenheit ein
asketisches Leben zu führen, sie wollten der Welt entfliehen, verboten
deshalb den Genuss bestimmter Speisen, meinten auch, dass das Heiraten
nicht mehr geboten sei und fürchteten, in der so negativ erlebten
Umwelt, Gott zu verlieren. So sahen sie in dieser besonderen mönchischen
Lebensform die einzige Möglichkeit, Gott näher zu kommen.
Diesem Weltentsagungsgeist tritt der Verfasser des Briefes, - vielleicht
ein Schüler des Apostels Paulus - massiv entgegen, indem er einen
lebens- und weltbejahenden Satz in den Mittelpunkt stellt: Er sagt:
Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut. - Damit hat er jene Aussage aus
dem ersten Buch Mose auf seiner Seite, in der es heißt: Und Gott sah an,
alles, was er gemacht hatte und siehe, es war sehr gut.
Allerdings lockt nun dieser Satz unseren Widerspruchsgeist heute hervor.
Denn wir fragen uns, ob wir angesichts der Nöte und Probleme unserer
Zeit, wo immer noch viel zu viele Menschen unter Hunger und Elend
leiden, noch so von dieser Welt sprechen? Können wir das so sagen, wenn
man als ausländischer Mensch in unserem Land, ob Kind oder Erwachsener,
in Angst und Gefahr leben muss, wenn Angst vor Terror hoch gehalten
wird, wenn Fleischskandale die Schlagzeilen der Zeitungen füllen?
Das Geschehen in dieser Welt, mit dem wir täglich konfrontiert werden,
lässt uns gerne zu anderen Erkenntnissen kommen. Die Welt ist verdorben,
der Mensch ist schlecht. Kriege, Hunger, Terror, Wirtschaftsstreben und
Machtwahn bedrohen die Schöpfung, bedrohen den Menschen. Die Leiden
schreien zum Himmel.
Und daneben steht nun: "Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut." - Wie
kommt der Verfasser zu solcher Aussage? Ist er ein Schwärmer? Ein
Fantast? War er ein Träumer? Gewiss war seine Welt vor über 2
Jahrtausenden anders als die unsrige heute, aber viel besser wird es
auch da nicht gewesen sein, weil Leid und Krankheit und Tod und Kriege
und Not damals wie heute die Welt begleitet haben.
Warum also hält er fest an dieser alten Glaubensaussage: Alles, was Gott
geschaffen hat, ist gut.?
An erster Stelle steht für ihn der feste Glaube, diese Welt ist Gottes
Welt. Und weil Gott hinter ihr steht, muss sie gut sein, denn Gott ist
gut. Alles - auch die verunstaltete und missbrauchte und gequälte Welt
bleibt Gottes Welt. Und in dieser Welt werden nach Gottes Willen nicht
aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und
Nacht. Diese Welt, so wie sie aus Gottes Hand entstanden ist, ist gut.
Und weil sie gut ist, hat sie eine Zukunft, hat sie ein Recht von uns
als solche wahrgenommen zu werden. Nicht der Welt entfliehen, in der
Welt eine bessere Welt suchen, in den Nischen, die diese Welt bietet.
Nein, diese Welt ist Gottes Welt, in dieser Welt können und dürfen wir
leben von der Güte Gottes. Diese steht über der Welt, trotz allem, was
wir Menschen daraus machen, trotz allem, was an Katastrophen sich
ereignet, die wir nicht verstehen und die wir mit der Güte Gottes so
nicht in Verbindung bringen können. Der Glaube sagt: diese Welt ist
Gottes Welt, darum ist sie gut und du Mensch hast dieses Gute empfangen.
Weil diese Welt Gottes Welt ist, haben wir eine sinnvolle Perspektive.
Weiter sagt unser Briefschreiber: In dieser Welt ist nichts verwerflich,
was mit Danksagung empfangen wird.
Es ist gut, dass wir am Erntedankfest etwas von den Früchten und Blumen
unserer Felder und Gärten hier in die Kirche gebracht haben. Damit
wollen wir doch unsere Dankbarkeit zum Ausdruck: das alles haben wir aus
Gottes Hand, aus Gottes guter Schöpfung. Wie heißt es in dem Lied: wir
pflügen und wir streuen: es geht durch unsre Hände, kommt aber her von
Gott.
Sehen wir da mal nicht nur im Bereich der Gartenarbeit und
Landwirtschaft. Was lässt Gott nicht alles durch unsere Hände gehen, in
der Wirtschaft, im Kulturleben, im Handel, im Gesundheitswesen? Dafür
dürfen wir dankbar sein, darin liegt so viel wertvolles und wichtiges.
Wo wir es mit Dankbarkeit sehen und empfangen, da bekommt dies auch eine
andere Bedeutung. Wir nehmen es hinein in die Dankbarkeit gegenüber
Gott, der diese Welt gut geschaffen hat und der uns Möglichkeiten gibt,
unser Leben gut zu leben, es gut zu gestalten.
Und wer mit Dankbarkeit sein Leben ansieht, der wird auch andere
Gedanken damit beiseite schieben: Unzufriedenheit, Neid und Egoismus.
Alles, was ich staunend und dankbar empfange, darf ich genießen, darüber
darf ich mich freuen und darin erkenne ich auch, dass ich beschenkt bin,
auch dann wenn andere mehr haben, wenn es mir nicht so gut geht, wie
anderen Menschen. Ich darf mich freuen an meinem Lebenspartner, an den
gemeinsamen Zeiten miteinander, an den Kindern und Enkelkindern, an den
Menschen, die Gott mir sonst an die Seite gestellt hat. Ich darf mich
freuen an dem, was meiner Hände Arbeit hervorbringt, und sei es noch so
wenig. Ich darf mich freuen an dem, was meinen Weg an guten Erinnerungen
vergangener Tage begleitet, an den Fotos aus Urlaubstagen, über die
Gemeinschaft mit inzwischen lieben Verstorbenen. All dies dürfen als
gute Gabe Gottes ansehen und verstehen, die unsere Welt reich und schön
macht. Ich darf mich freuen an Gottes Welt, trotz der schlimmen und
schwierigen Dinge, die in unserer Welt geschehen.
Und diese Dankbarkeit verändert uns Menschen auch. Denn wer mit
dankbarer Haltung sein Leben gestaltet, der nimmt diese Welt auch anders
wahr. Aus dem persönlichen Beschenktsein, erwächst der Dank gegenüber
Gott und auch eine andere Sicht der Welt.
Unsere Welt braucht Menschen, die staunen können wie Kinder über die
Schönheit einer Blume, sie braucht Menschen, die nicht aufhören, sich zu
bedanken bei Gott und den Menschen über die alltäglichen und besonderen
Überraschungen in unserem Leben. Denn eine dankbare Grundhaltung führt
zu einem verantwortlichen Umgang mit Gottes Gaben, eine dankbare
Grundhaltung führt dazu, dass uns auch der Nächste nicht egal ist, weil
wir möchten, dass auch er sich mit uns freuen kann. Wenn wir uns freuen
an den Früchten unserer Arbeit, können wir nicht darüber schweigen, dass
neben uns so viele Menschen keine Arbeit haben. Wenn wir uns freuen an
dem, was wir ernten konnten, dann rührt uns das Leid derer, die keine
reiche Ernte einbringen konnten. Denn Dankbarkeit gegenüber Gott ist
etwas anderes als die persönlich, egoistische Freude, die nur den
eigenen Vorteil sieht. Wer seine Dankbarkeit mit Gott in Verbindung
bringt, der weiß, dass das empfangene Gut nicht allein persönliche
Erfolg ist, sondern Gabe. Gabe des großen Gottes, der will, dass allen
Menschen geholfen wird.
Wir dürfen dieser Welt alles gute abgewinnen und dankbar sein für die
kleinen und großen Freuden des Lebens. Und daraus entsteht die
Verantwortung für die gute Welt Gottes, deren Teil wir sind. Weil es
Gottes gute Welt ist, deshalb können und sollen wir uns einsetzen für
sie, für das Wohl der Menschen, für die Überwindung von Not und Elend,
von Krankheit und Hunger, von Terror und Gewalt. Gerade als Menschen,
die davon nicht betroffen sind, gerade als Menschen, die auf der
Sonnenseite dieses Globus leben, führt die Dankbarkeit dazu, diese Welt
als einen Raum anzusehen, der unseren Einsatz für sie erwartet.
Was Gott geschaffen hat, das ist gut. Das macht Hoffnung allen
Bedrohungen in dieser Welt entgegen zu treten. Wir können gewiss damit
die heile Welt nicht herbeizwingen. Aber wir können uns einsetzen dafür,
dass diese Welt nicht verdunkelt wird, von dem, was Menschen an
negativem tun, sondern dass von dem Licht, das wir empfangen andere
etwas abgekommen. Der Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und die
Bewahrung der Schöpfung ist letztlich nichts anderes, als ein Handeln
aus Dankbarkeit, das den eigenen Reichtum, so klein er auch sein mag,
als Geschenk aus der Hand Gottes versteht. Dieses Geschenk weiter zu
tragen, das ist Erntedank. Denn alles was Gott geschaffen hat, das ist
gut. Nehmen wir es wahr, danken wir Gott und lassen wir andere Menschen
daran teilhaben. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 508,1-4
Psalm Ps 104 mit Liedruf zum Leitvers: Ps 104, 24
(Gott, wie sind deine Werke so groß und so so viel. Alle hast du sie
weise geordnet! Und die Erde ist voll deine Güter, und die Erde ist voll
deiner Güter)
Hörprobe Noten zu erhalten bei
Jürgen Grote
Eingangsliturgie
Gebet EGb 387 Gebet 2
Lesung: Lk 12, 15-21
Glaubensbekenntnis
Lied 506,1-3+6
Predigt
Lied: 420, 1-5
Abendmahl:
Gott, du Schöpfer des Himmels und der Erden. Wunderbar sind die Werke
deiner Schöpfung, die Gaben, die uns Menschen bereitest. Saat und Ernte,
das dürfen wir immer erleben, denn du hat dem kein Ende gesetzt, gütiger
Gott.
Doch du stillst nicht nur unseren Hunger nach Nahrung, du gibst auch
unserer Seele, was sie braucht, du stillst den Hunger nach erfülltem
Leben. Darum kommen wir dankbar zu dir und singen dir unseren Lobgesang:
Großer Gott wir loben dich.
331, 1+2
Herr, Jesus Christus. Wir danken dir, dass du uns beschenkt hast mit der
Liebe und Barmherzigkeit unseres Vaters. Lass uns teilhaben an der
Gemeinschaft mit dir, wenn wir nun die Gaben der Schöpfung empfangen,
die du zum Zeichen deiner Gegenwart unter uns erkoren hast.
Einsetzungsworte – Geheimnis des Glaubens ...
Ja, komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast, segne, was du uns hinterlassen
hast. Schenke uns deinen Geist, den Geist der Liebe, der Hingabe und der
Dankbarkeit. So wie die Körner zu einem Brot, die Trauben zu einem Saft
geworden sind, so lass uns alle zu einer Gemeinschaft werden, die
füreinander einsteht und da ist – hier und anderswo.
In der Gemeinschaft des Glaubens beten wir mit allen Gläubigen:
Vaterunser
Aller Augen warten auf dich, Gott, du gibst Speise in Fülle.
Abkündigungen
Fürbittengebet
Das Geschenk des Lebens haben wir aus deiner Hand empfangen. Dankbar
nehmen wir es an und wollen es weitergeben. Wir wissen, unsere Kraft ist
begrenzt, doch du stehst über alle, dir ist alles möglich.
So bitten wir um die Kraft, die wir selber nicht haben, wenn wir unser
Aufgaben in dieser Welt zu erfüllen haben.
Wir bitten dich für alle, die sich einsetzen zum Wohl der Menschen in
dieser Welt, dass sie Erfolge haben und in Misserfolgen nicht müde
werden.
Wir bitten für die Menschen in Not, dass sie aus der Hoffnung die Kraft
schöpfen, um selber zur Veränderung die notwendigen Schritte zu gehen.
Wir bitten für die Menschen, die hilflos sind und verzweifelt, dass sie
aufgerichtet werden.
Wir bitten für alle, die Opfer der Gewalt sind, dass sie wieder
friedliche Tage sehen und wir bitten für die Gewalttätigen, dass sie die
Sinnlosigkeit ihres Tuns erkennen.
Wir bitten für alle, die uns jetzt nicht vor Augen sind, aber doch
unserer und deiner Hilfe, Gott, bedürfen. Sei du ihnen und uns nahe, auf
dass wir dein Licht in die Welt tragen und es selber sehen. Darum bitten
wir dich, der du als Schöpfer und Erhalter des Lebens über uns bist. Dir
sei Ehre in Ewigkeit. Amen.
Segen
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Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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