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Text: 13 Darum umgürtet die Lenden eures Gemüts, seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch angeboten wird in der Offenbarung Jesu Christi.
14 Als gehorsame Kinder gebt euch nicht den Begierden hin, denen ihr früher in der Zeit eurer Unwissenheit dientet;
15 sondern wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel.
16 Denn es steht geschrieben (3. Mose 19,2): »Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.«
17 Und da ihr den als Vater anruft, der ohne Ansehen der Person einen jeden richtet nach seinem Werk, so
führt euer Leben, solange ihr hier in der Fremde weilt, in Gottesfurcht; 18 denn ihr wißt, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Väter Weise,
19 sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten
Lammes. 20 Er ist zwar zuvor ausersehen, ehe der Welt Grund gelegt wurde, aber offenbart am Ende der Zeiten um euretwillen,
21 die ihr durch ihn glaubt an Gott, der ihn auferweckt hat von den Toten und ihm die Herrlichkeit gegeben, damit ihr Glauben und Hoffnung zu Gott habt.
Gnade sei mit uns ...
Wir befinden uns mitten in der Passionszeit. Vorbereitung auf Karfreitag
und Ostern, nachdenken über das Leiden Christi, Nachdenken über
das eigene Leben auf dem Hintergrund des Leidens, Sterbens und Auferstehens
Christi, das kennzeichnet diese Zeit. - Zumindest aus kirchlicher Sicht,
denn wenn wir ehrlich sind, unser normales Leben berührt dies oft
genug nicht. Da spielen diese Gedanken von Vorbereitung keine Rolle. Karfreitag
und Ostern liegen weit weg, grobe persönliche Planungen machen wir,
aber ansonsten ist es gleichgültig, ob wir jetzt Passionszeit haben,
Osterzeit, Trinitatiszeit oder Epiphaniaszeit. Unser Leben wird dadurch
nicht betroffen.
Und dafür ist Jesus am Kreuz gestorben? Hat Jesus dafür diesen
schmerzhaften Weg auf sich genommen, hat er uns erlöst, damit wir
so leben?
Was aber ist es, was unser Leben mit dem Jesu verbindet? Dem möchte
ich heute ein wenig nachgehen, an Hand des Textes, den wir als zweite Lesung
gehört haben. Ich möchte ich tun, an Hand einer Übersetzung
dieses Abschnittes von Jörg Zink, der versucht in einer modernen Sprache,
die Bibel für unser Verstehen zu übertragen. Er überträgt
die Gedanken des 1. Petrusbriefes mit folgenden Worten:
Darum macht euch reisefertig. Geht mit nüchternem Sinn geraden
Weges auf das große Ziel zu. Hofft nur auf das eine, dass Jesus Christus
euch freundlich ist, wenn er erscheint. Ihr seid Kinder Gottes. Kinder
erkennt man daran, daß sie ge-horchen. Darum laßt euch nicht
wieder in das selbstsüchtige Treiben reißen, in dem ihr früher
mitgetrieben seid, ohne zu wissen, was ihr tut.
Es hat euch einer gerufen, der heilig ist. Ihr sollt durch ihn
heilig werden in allem, was ihr tut. In der Schrift steht das Wort: »Ihr
sollt heilig sein, denn ich bin heilig.«
Ihr wißt, daß ihr einen Vater anruft, der sein Urteil
danach richtet, was einer getan hat, ohne den einen oder anderen besonders
vorzuziehen. Achtet darum sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben hier
in der Fremde führt. Ihr wißt, daß es euch wie den Sklaven
auf dem Sklavenmarkt erging: euch hat einer gekauft und freigelassen, wenn
auch nicht mit vergänglichem Geld, mit Silber oder Gold. Seid ihr
nicht wie Sklaven in der besinnungslosen Jagd nach allem, was das Leben
bietet, mitgerannt, wie schon eure Väter und Großväter?
Nun seid ihr freie Menschen.
Denn wie ein reines und unschuldiges Lamm hat Christus sich hingegeben
und sein kostbares Blut vergossen. Ehe die Welt entstand, hat Gott sich
schon vorgenommen, Christus zu senden. Wenn die letzte Stunde der Welt
kommen wird, werdet ihr ihn sehen. Weil er hier war, seid ihr zum Glauben
an Gott gekommen. Weil er ihn aus dem Tod lebendig gemacht und ihm die
himmlische Herrlichkeit gegeben hat, habt ihr selbst eine Hoffnung und
ein Ziel.
Darum macht euch reisefertig. Geht mit nüchternem Sinn geraden
Weges auf das große Ziel zu. Hofft nur auf das eine, dass Jesus Christus
euch freundlich ist, wenn er erscheint. Ihr seid Kinder Gottes. Ich
habe schon vor einigen Sonntagen in Groß Elbe darüber gesprochen,
dass das Leben der ersten Christenheit davon geprägt war, dass Jesus
bald
wiederkommt. Die Christen hofften sehr darauf, dass er bald erscheint und
es losgeht zur ewigen Herrlichkeit. Darum beschreibt der Brief das Leben
der Christen als eine Zustand kurz vor der Abreise. Man ist fertig angezogen,
hat alles vorbereitet, aber man weiß es dauert noch ein wenig. Alles,
was man tut, das ist so, dass es keine großen Auswirkungen hat, dass
man es schnell beiseite legen kann, um sofort die Reise antreten zu können.
Nur war es schon für die Zeit des ersten Petrusbriefes so, dass
das Wiederkommen Jesu immer weiter weg gerückt war. Man bekam immer
mehr Zeit für das eigene Tun und so begab es sich eben auch, dass
die Christen nicht mehr so an den Lebensregeln Jesu orientiert lebten,
wie sie es noch kurz nach dem Tod Jesu getan haben. Die ersten Leser dieses
Briefes lebten in der Zeit 60 Jahre nach dem Tod Jesu. Wir leben inzwischen
im Jahr 2000 nach Christus. Die Wiederkunft Christi ist für uns kein
Gedanke, der unser alltägliches Leben betrifft.
Und doch muß ich sagen, fasziniert mich dieser Gedanke von der
Reise und dem Sich-reisefertig-Machen. Dahinter steht, dass ich ein Ziel
habe, dass ich mich auf den Weg machen möchte, dieses Ziel zu erreichen.
Ich bereite mich vor auf diese Reise, ich freue mich darauf, mit allen
meinen Sinnen stelle ich mich darauf ein. Innerlich und äußerlich
ist diese Reise Bestandteil des Lebens. Es wird alles geordnet, das Leben
verändert und alles steht im Zeichen dieser Reise.
Der Schreiber des Petrusbriefes beschreibt das christliche Leben als
eine solche Reise, bzw. als eine solche Reisevorbereitung. Ich halte das
für einen Gedanken, der auch nach 2000 Jahren seine Bedeutsamkeit
behält. Leben als Christ, das ist doch so etwas, wie eine intensive
Reise durch die gute Welt Gottes, bzw. eine intensive Vorbereitung auf
dem Weg zur Herrlichkeit in Gott.
Christsein - eine Reise durch die gute Welt Gottes. Auf die Reise geschickt
werden wir durch Gott selber, der uns in diese Welt gestellt hat. Diese
Welt ist der Raum, in dem wir leben dürfen, in dem wir sein dürfen,
in dem wir unseren ganz persönlichen Beitrag leisten dürfen für
das Gelingen dieser Welt. Und der Weg durch diese Welt ist eine intensive
Vorbereitung auf dem Weg zur Herrlichkeit in Gott, eine Reisevorbereitung,
die auch so aussieht, dass wir immer damit rechnen müssen, dass dieser
letzte Weg kurz bevorsteht.
Und das ist gar nicht so einfach. Denn auf der einen Seite sollen wir
uns ganz hineingeben in die Welt Gottes, mit ganzer Energie und Kraft für
sie da sein, und gleichzeitig heißt reisefertig zu sein, auch, dass
wir jederzeit loslassen können, das in der Hand befindliche zur Seite
legen können, um den Weg antreten zu können. In dieser Spannung
geschieht christliches Leben und das macht es ja auch so spannend.
Schwierig allerdings an diesem so spannungsreichen Leben ist, dass
wir Menschen uns häufig festhalten an dem, was uns gerade wichtig
ist und oftmals einen Platz einnimmt, der eigentlich Gott gebührt,
und uns daher immer wieder hindert loszulassen, um weiter reisefertig zu
sein.
Darum laßt euch nicht wieder in das selbstsüchtige Treiben
reißen, in dem ihr früher mitgetrieben seid, ohne zu wissen,
was ihr tut. So beschreibt der Petrusbrief diesen Gedanken, in dem
er hinweist darauf, dass die getauften Christen früher anders gelebt
haben, eben nicht nach den Lebensregeln Jesu, sondern nach ihren eigenen
Lebensregeln oder nach denen verschiedenster Götter, die sie angebetet
haben. Und irgendwie ist das bis heute so. Auch wir beten eine Vielzahl
von Göttern an, die uns von dem eigentlichen Ziel abbringen. Die Namen
der Götter lauten Wachstum, Sicherheit, Innovation, Geld, Besitz,
und was man nicht noch alles im großen und kleinen Leben benennen
könnte, was den Rang bekommt, unabdingbar im Leben sein zu müssen.
Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott, so sagt Luther und dementsprechend
können wir jeder für uns schauen, was uns so wichtig ist, dass
wir es nicht beiseitelegen können, um aus der Tür zu gehen und
den Weg zur Herrlichkeit Gottes anzutreten.
Der erste Petrusbrief ermutigt dazu, dieses in Frage zu stellen, das
eigene Leben doch noch einmal ganz neu zu bedenken. Er lädt uns ein,
unser Leben reisefertig zu machen. Er erinnert uns daran, was denn durch
Jesus passiert ist und was eben auch für uns seine Bedeutsamkeit nicht
verloren hat.
Ihr wißt, daß es euch wie den Sklaven auf dem Sklavenmarkt
erging: euch hat einer gekauft und freigelassen, wenn auch nicht mit vergäng-lichem
Geld, mit Silber oder Gold. Seid ihr nicht wie Sklaven in der besinnungslosen
Jagd nach allem, was das Leben bie-tet, mitgerannt, wie schon eure Väter
und Großväter? Nun seid ihr freie Menschen.
Leben geschieht nicht dort, wo wir alles mitnehmen, was Menschen sich
ausdenken. Wir können uns das anschauen, neugierig, interessiert,
so wie wir auf einer Reise alles neugierig anschauen und aufnehmen als
etwas, das uns den Reichtum des Lebens zeigt. Doch das Bild von der Reise
zeigt auch, dass dies vorbei geht, dass es keine bleibende Bedeutung hat.
Und so eben auch im Leben. Da ist so vieles, von dem wir meinen, dass es
für unser Leben unabdingbar ist, dass wir es festhalten müssen,
wie einen Schatz, und doch ist es nichtig und fesselt doch nur. Und der
Weg des Lebens ist verstellt, wir können nicht loslassen, klammern
uns und erleben eine ungeheure Unfreiheit.
Ich sage das auch ganz selbstkritisch. Ist die Arbeit alles? Ist das
Haus und der Beistz alles? Ist das Schauen auf die eigenen Bedürfnisse
alles? Wie oft stehen die eigenen Gedanken uns im Weg, wenn es darum geht,
die guten Gedanken Gottes weiterzutragen, sie zu leben, sie für andere
lebendig zu machen. Wir können doch nicht anders, das Leben ist nun
einmal so, wir Menschen können uns nicht ändern, sind die beliebtesten
Ausreden, die eigene Unfreiheit zu kaschieren.
Aber da war eben einer, der uns frei gemacht hat, frei für ein
offenes Leben, das sich ungebunden weiß, allein gebunden an Gott.
Und der ist für unsere Freiheit sogar in den Tod gegangen. Der hat
gesagt: ihr sollt nicht untergehen in dem, was euch von Gott trennt, ihr
sollt nicht untergehen in den falschen Bindungen des Lebens, in den falschen
Entscheidungen und Wegen eures Leben, ihr sollt nicht untergehen in den
vermeintlichen Sackgassen des Lebens. Nein, ich will euch frei machen für
das Leben, ich will euch frei machen für einen guten Weg in der guten
Welt Gottes und frei auch, jederzeit alles aus der Hand zu legen für
den letzten Weg. Jesus ist nicht am Kreuz gestorben, damit wir leben können,
wie wir wollen. Dafür hätten wir ihn nicht gebraucht, dafür
hätte er diesen Weg nicht auf sich nehmen müssen. Er ist gekommen,
weil Gott uns diese Freiheit im Leben schenken wollte, die Freiheit sich
eben nicht zu binden an die Zwänge, die wir uns selber auferlegen,
weil wir meinen, dass nur so unser Leben ein gutes ist. Er wollte, dass
wir uns immer wieder neu einstellen auf die Herausforderungen des Lebens
in der guten Welt Gottes, dass wir immer wieder reisefertig sein können,
um neues anzunehmen, um auf Not zu reagieren, um Veränderungen anzunehmen
um des Guten im Leben willen. Bis dahin, dass wir am Ende auch für
den letzten Weg reisefertig sein können.
Der erste Petrusbrief sagt: Weil Gott ihn aus dem Tod lebendig gemacht
und ihm die himmlische Herrlichkeit gegeben hat, habt ihr selbst eine Hoffnung
und ein Ziel.
Der christliche Glaube lebt von dieser Hoffnung und er hat ein Ziel
vor Augen: nämlich das Ziel mit Gott in dieser Welt zu leben, jeden
Tag bis zum Ende. Damit wir das können, damit wir frei sind, dies
in unserem Leben umzusetzen, dafür ist Gott Mensch geworden, dafür
ist er ans Kreuz gegangen, dafür hat er den Weg frei gemacht für
uns Menschen, durch Liebe und Vergebung. Und es ist eine großartige
Hoffnung und ein gutes Ziel, das wir im Glauben da vor Augen haben. Wir
müssen es uns nur immer wieder bewußt machen, wir müssen
diese Hoffnung lebendig halten, uns das Ziel immer wieder vor Augen stellen
lassen. So wie wir das tun heute im Gottesdienst. Darum möchte ich
uns am Schluß noch einmal mit den ersten Worten des Predigttextes
ermutigen:
Macht euch reisefertig. Geht mit nüchternem Sinn geraden Weges
auf das große Ziel zu. Hofft nur auf das eine, dass Jesus Christus
euch freundlich ist, wenn er erscheint. Ihr seid Kinder Gottes. In dieser
Kindschaft wollten wir leben, wollen wir unsere Lebensreise antreten und
vollenden Amen
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Die
Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe
Klein Elbe |
Okuli
26.3.2002 |
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