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Liebe Gemeindeglieder!
Stellen Sie sich einmal vor Sie wären fest davon überzeugt, dass in
Kürze diese Welt vergeht und ein ganz neues und anderes Leben hier
beginnt.
Die Welt vergeht, was wird sich ändern?
(Ich möchte ein richtiges Gespräch mit den Gottesdienstbesuchern
beginnen.)
Die Welt vergeht, Christus kommt und diese Welt wird anders sein. So
haben die ersten Christen in den Anfangsjahren ihrer neuen Religion die
Zukunft gesehen. Die Wiederkunft Christi war ein durchaus lebendiger
Gedanke, der das Alltagsleben bestimmt hat. So erzählt die
Apostelgeschichte von einer Gütergemeinschaft, jeder gab seine Habe in
den großen Topf. Was soll ich jetzt damit? Jesus kommt bald, dann ändert
sich sowieso alles. Wenn Jesus erst die Herrschaft übernimmt, dann sieht
das Leben auf dieser Welt ganz anders aus.
Wer eine Frau hat, der soll sein, als hätte er keine. Diejenigen die
weinen, sollen sein als weinten sie nicht. Diejenigen die sich freuen,
sollen sein, als freuten sie sich nicht. Diejenigen die kaufen sollen
sein, als behielten sie es nicht, und die, die diese Welt gebrauchen,
sollen sein als bräuchten sie sie nicht. Denn das Wesen dieser Welt
vergeht.
(Wir haben es vorhin im Gespräch gemerkt) So richtig hineinversetzen in
dieses Denken kann man sich fast gar nicht. Wie soll das wirklich sein,
dass das Leben mit einem Schlage ganz anders ist und als ob alle
menschlichen Züge und Lebensformen mit einem Mal völlig verändert sind.
Der Mensch wäre nicht mehr das, was er ist, die so menschlichen Fehler
und Schwächen, aber auch das menschlich-unmenschliche wäre weg. Keine
Gewalt, kein Gegeneinander, kein Neid, keine Angst, keine Sorge. Der
Mensch ein Wesen, wie Gott ihn paradiesisch erschaffen hat. Das Leben
eines in dem Vertrauen, Liebe und Freude immerzu lebendig ist.
Der Glaube an Jesus Christus hat das Bild der Welt schon sehr verändert.
Wir haben ein solches geistliches Denken nicht mehr. Schon Paulus hat
damals gemerkt, dass eine solche Veränderung wohl doch nicht kommt. In
seinen späten Briefen kommt dieses Thema so pointiert nicht mehr vor. Er
weiß: wir müssen uns in der Welt, so wie sie ist, einrichten.
Dennoch war es den Menschen wichtig, dass diese Gedanken des Paulus
nicht verloren gehen. Was also können wir davon mitnehmen, um für uns
etwas daraus zu gewinnen.
Die Zeit ist kurz. Ich höre diesen Satz heute anders, als Paulus ihn
gemeint hat. Meine Zeit ist kurz. Meine Lebenszeit ist nicht unendlich,
meine Lebenszeit ist begrenzt. Vor allem die Älteren unter uns wissen
das. 70 oder 80 Jahre vor sich zu haben, das fühlt sich an, wie
unendliche Zeit. 70 oder 80 Jahre hinter sich zu haben, da weiß man, die
Zeit ist kurz.
Was mache ich mit dieser kurzen Zeit, die Gott mir schenkt auf dieser
Welt?
Paulus spricht nicht alle, aber doch wichtige Lebensbereiche an.
Als erstes nennt er Menschen an unserer Seite.
Die Zeit ist kurz.
Wir haben – auch wenn wir über Jahrzehnte miteinander leben – nur
begrenzte Zeit füreinander und miteinander. Sie gilt es zu füllen,
miteinander und füreinander. Wie oft machen wir uns das Leben schwer,
wie oft regen wir uns auf über die Kleinigkeiten des gemeinsamen Lebens.
Ärger und Streit an manchen Tagen – und worüber? Über Nichtigkeiten,
wenn wir sie betrachten angesichts der Kürze der Zeit. Und so geht es
nicht nur im engen Raum der Familie, sondern auch in den anderen
Lebensbereichen, die wir mit anderen Menschen teilen.
Wobei ich jetzt nichts gegen eine Auseinandersetzung sagen möchte.
Meinungsverschiedenheiten sind wichtig, nur sie führen zu einem
vertieften Verständnis, nur sie führen letztlich auch zu Entwicklungen
im Leben. Insofern: sagt sie sich munter die Meinung, die eigene
Meinung, die persönliche Anschauung von dem, was anliegt. Lassen sie den
anderen teilhaben an den eigenen Gedanken, beziehen Sie ihn ein in das
eigene Leben, denn so wird es reich und voll. Und das bezieht sich auch
auf die schwierigen Erfahrungen, auf das, was das Leben beschwert. Dies
anderen mitzuteilen bedeutet, es mit anderen zu teilen, es leichter zu
machen. Geteiltes Leid ist halbes Leid.
Die Zeit ist kurz. Lasst uns Gemeinsame Zeit miteinander nutzen, die
gemeinsame Zeit ausfüllen und genießen, auf dass wir aus der Fülle des
Lebens schöpfen können. Das ist für mich ein wichtiger Gedanke, den ich
aus diesem biblischen Text mitnehmen möchte.
Daneben steht aber auch ein anderer Gedanke. Habe Menschen, als hast du
sie nicht. Zweierlei gibt es dazu bedenken: Die Menschen, die Gott uns
an die Seite stellt, sind nicht unser Besitz, sondern sie sind Gabe
Gottes. Das gilt für Kinder, für Partner, für Mitarbeiter und jeden
anderen Menschen. Wir dürfen nicht über sie verfügen, wir dürfen sie
nicht missbrauchen für unsere Ziele und Zwecke, sondern jeder ist zu
achten als eigenständige Person.
Das zweite ist: was ich bin, bin ich nicht durch den anderen, sondern
ich habe meinen Wert in mir selber. Nicht der andere macht mich
bedeutsam, sondern mein Leben hat Bedeutung für mich ganz alleine. Ich
erlebe das immer wieder, wenn der Lebenspartner verstorben ist. Was soll
ich denn noch? Mein Leben hat doch gar keinen Sinn. So allein zu leben,
das macht doch keine Freude.
Schon in der Partnerschaft gilt: ich selber habe meine eigenen Rechte.
Haben, als hätte man nicht. Einen Partner haben und doch innerlich so
frei sein, als hätte man ihn nicht, das bewahrt einen davor sich selber
zu verlieren oder aufzugeben. Jeder Einzelne ist wichtig, das erzählt
schon die Taufe und das gilt ein Leben lang, zu jeder Zeit und in jeder
Lebenslage. Sei du selbst in der kurzen Zeit deines Lebens.
Paulus spricht dann weiter von den Gefühlen, die wir in uns tragen und
die unsere Leben bestimmen.
Weinen und Lachen, Bedrückung und Freude. Grundgefühle des Lebens, die
immer wieder kehren. Weinen als weinte man nicht, sich freuen, als
freute man sich nicht. Alles hat seine Zeit – lachen hat seine Zeit –
weinen hat seine Zeit. Wir kennen dieses Wort. Und es sagt uns: alles
hat seine Zeit, aber, aber eben seine begrenzte Zeit. , die uns nicht
immer und ewig einnimmt und alles bestimmt. Wir erleben Enttäuschendes
und das belastet uns und nimmt uns voll gefangen. Wir können nichts
anderes mehr denken und das Leben scheint nur noch davon bestimmt zu
sein. Deine Zeit ist kurz. Lass die bitteren Gedanken nicht alles
einnehmen, es gibt auch die andere Seite des Lebens. Gott verändert das
Leben immer wieder, es bleibt in unserem Leben nichts immerwährend
gleich. Leider auch die Freude nicht. Auch sie findet ein Ende, auch
wenn sie wiederkommt. So wird uns heute gesagt: Werde nicht hochmütig!
Sieh, dass das Leben sich auch ganz anders zeigen kann. Halt dich nicht
fest an dieser einen Freude, oder an den guten Möglichkeiten deines
Lebens. Sie können zu Ende gehen und woraus kannst du dann
Lebenshoffnung schöpfen? Weinen und Lachen – beides hat nur begrenzte
Zeit - drum stütze dein Leben auf das, was hinter beidem steht und
tragfähiger ist, als unsere zeitlichen Emotionen.
Paulus vorletzter Satz sagt: Die diese Welt gebrauchen, sollen sein, als
bräuchten sie die Welt nicht. Die Welt gebrauchen, als sei alles
gleichgültig. So erlebe ich das Verhalten der Menschen in dieser Welt –
und darin bin ich mit eingeschlossen. Wir leben, als gehöre uns die
Welt. Alle Zeit mit und auf dieser Welt steht nur uns zur Verfügung. Ob
in Zukunft die Menschen in der Sonne verbrennen, weil das Ozonloch immer
größer wird, das ist doch egal. Hauptsache ich kann leben. Die Welt
gebrauchen, als bräuchte man sie nicht, als lebe man nicht von den guten
Gaben dieser Welt. Das meinte Paulus nicht, aber das höre ich mit
angesichts der heutigen Probleme in der Welt. Und die Verantwortung für
diese Welt ist jedem von uns aufgetragen. Insofern kann man nicht oft
genug auf diese Verantwortung verweisen.
Diese Welt gebrauchen, als brauchten sie sich nicht, hat also nichts mit
Verantwortungslosigkeit zu tun, sondern damit sich nicht an diese Welt
zu binden. Verantwortung für die Gabe Gottes ist das eine, zu wissen,
was wirklich zählt im Leben ist das andere. Denn das ist nicht das, was
in dieser Welt zählt, sondern das ist die Beziehung zum lebendigen Gott,
dem wir am Ende entgegengehen. Es darum, dass wir uns nicht mit unserer
Seele, unserm tiefsten Innern, an äußere Gegebenheiten binden. Suche,
was du wirklich brauchst, um ein sinnvolles und gefestigtes Leben zu
haben, nicht in dieser Welt, denn diese Welt kann es dir nicht geben.
Suche, was Bestand hat über alles Vergängliche hinaus.
Der Grund unseres Lebens ist die lebendige Verbindung mit Gott, der das
Leben immer wieder erneuert und verändert. Er ist die Kraft des Lebens.
Er hält Anfang und Ende in seinen Händen. Er hat Zukunft für uns bereit.
Um dies zu erkennen, müssen wir nicht das morgige Ende dieser Welt vor
Augen haben. Es reicht, dass wir unser ganz persönliches Leben vom Ende
her bedenken: vom Ende des irdischen Daseins und von der Zukunft in der
Gemeinschaft mit Christus, der unser Leben vollenden wird. Darin liegt
ganz viel Dankbarkeit gegenüber Gott für all das, was er uns schenkt.
Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 440, 1-4
Psalm 119, 101-108
Eingangsliturgie
Gebet
Gott, du bist die Quelle des Lebens, von dir kommen wir und du stärkst
uns auf unserem Weg. Lass uns nicht untergehen in all dem, was diese
Welt uns zu bieten hat. Führe du uns auf deinen Wegen, führe du uns zu
dir. Darum bitten wir durch Jesus Christus, der mit dir und dem Heiligen
Geist lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
Lesung: 1 Kor. 7, 29-31
Lied 295,1-4
Lesung: Mk 10, 2-9
Glaubensbekenntnis
Lied 196,1-2+5-6
Predigt
Lied 362,1-4
Abkündigungen
Fürbittengebet
Gütiger Gott.
Wir leben in dieser und von dieser Welt, mit allen guten und schwierigen
Seiten, dieses Welt mit sich bringt. So bitten wir dich, hilf uns, einen
guten Lebensweg zu finden und zu gehen, der deinem Wort entspricht und
der zu dir führt. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir leben als Menschen mit unseren guten und schwierigen Seiten
zusammen, denn du hast uns aneinander gewiesen. So bitten wir dich, mach
uns fähig zu einem guten miteinander, lass uns in Liebe und Eintracht
miteinander leben und füreinander da sein. Darum rufen wir zu dir: Herr,
erbarme dich.
Wir leben in der kleinen Welt vor Ort und doch sind wir Teil des Großen
und Ganzen: Nimm uns wahr als Einzelne, hilf uns ganz persönlich beim
nächsten Schritt unseres Lebens und zeige uns, dass wir für diese Welt
Gutes tun können. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir befehlen dir all die Menschen an, die wir vor Augen haben, wenn wir
an Krankheit, Sorge, Not, Abschied und Tod denken.
Stille
Sei ihnen allen Nahe und gib ihnen, was sie nötig haben. Zeige dich als
gütiger Vater. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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