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Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe, der Herr kommt
gewaltig. So lautet der Wochenspruch für den 3. Advent.
Bereitet dem Herrn den Weg. Das scheint mir auch das Motto zu sein, das
Paulus in dem kurzen Abschnitt deutlich macht, den wir als 1. Lesung
gehört haben.
Nur muss man sicher ein wenig ausholen, um zu verstehen, in welchem
Zusammenhang Paulus dies alles schreibt.
Die christliche Gemeinde in Korinth ist einmal von Paulus gegründet
worden. Die Christen dort hingen ihm sehr am Herzen. Es war für ihn eine
sehr wichtige Gemeindegründung. Insofern nahm er auch regen Anteil an der
Entwicklung dieser Gemeinde als er auf seinen Reisen gewesen ist. Immer
wieder wurden ihm durch Briefe die Ereignisse in Korinth gemeldet. Und
ehrlich gesagt, da ging es sehr menschlich zu. Nachdem nämlich Paulus die
Gemeinde verlassen hat, gab es schon recht bald die üblichen menschlichen
Auseinandersetzungen. Es ging um Machtfragen. Wer wird das sagen haben?
Wer ist eigentlich der bessere Christ? Woher hat wer die christlichen
Gedanken gehört und hat er da überhaupt die richtigen Gedanken gehört.
Jeder versuchte seine Position zu stärken, jeder wollte möglichst an
erster Stelle stehen. Und um sein Ziel zu erreichen, da ist es wie so oft
bei Menschen: wenn ich mich herausheben will, dann muss ich den anderen
klein machen, ihm Schlechtes nachsagen. Wie kann man auf Paulus hören? Das
ist doch ein ehemalige Christenverfolger, der hat doch Dreck am Stecken.
Und überhaupt: schaut euch doch mal an, wie der hier aufgetreten ist. Als
einfacher Zeltmacher hat er hier gearbeitet. War oft krank. Und reden
konnte der ja überhaupt nicht. Ein jämmerliche Gestalt, die er so
abgegeben hat, kein Mann mit Ausstrahlung, Durchsetzungsvermögen oder
Charisma. Sicher, er hat als erster von Christus erzählt, aber mal
ehrlich, wir können das doch viel besser. Wir stellen etwas dar.
So wurde geredet über Paulus. Man versuchte ihn in ein schlechtes Licht zu
rücken, die eigenen Vorzüge wurden hervorgehoben und es gab richtige
Parteiungen, die da plötzlich gegeneinander waren. Die jeweiligen Anführer
dieser Gruppen wurden dann auch zu wichtigen Identifikationsfiguren. So
wurde behauptet, dass nur wer von Apollos, einem der Parteiführer getauft
wurde, wirklich zur Gemeinde gehöre. Die anderen behaupteten gleiches
natürlich von Paulus und die dritten dann wieder von einem anderen. Und so
entstand ein heilloser Streit unter den Christen in Korinth.
Wir fühlen uns erinnert an so manche politische Auseinandersetzung unserer
Tage. Schauen wir nach Hamburg, so begann mit Herrn Schill eine ganz
ähnliche politische Diffamierungskampagne gegen den Bürgermeister. Auf
Kosten des einen wollte der andere seine Weste weiß waschen, was ja nun zu
einem Bruch in der Koalition führte. Oder wir denken an das gegeneinander
der Parteien im Vermittlungsausschuss, wo es - zumindest nach außen hin -
immer wieder Anschuldigungen und Verwerfungen gibt. Immer sind es die
anderen, die die Schuldigen sind. Und wir kennen so etwas vielleicht auch
immer wieder aus Familien und Vereinen, wo ganz ähnliches geschieht.
Wie reagiert Paulus nun auf diese Anschuldigungen, die ihm durch Briefe
oder auch Boten zugetragen werden?
Nun, er schreibt seinen Korintherbrief, aus dem wir vorhin einige Verse
gehört haben. Wobei Paulus sich nicht in Einzelheiten verliert, sonst
wüssten wir auch noch mehr von den Auseinandersetzungen damals in Korinth.
Er deutet einiges an, versucht es aber auch gleich im Grundsätzlichen zu
klären.
Eine solcher grundsätzlichen Aussagen ist diese: Dafür halte uns
jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Wer
sind wir, worum geht es in der christlichen Gemeinde?
Und darauf antwortet Paulus: Wir sollen uns sehen als Diener Christi und
als Haushalter über das, was Gott uns anvertraut hat. Und mit diesem Satz
gibt Paulus eine ganz klare geistliche Linie vor. Es kann nicht angehen,
dass in einer christlichen Gemeinde Menschen versuchen sich herauszuheben.
So menschlich dies auch immer sein mag, es widerspricht dem Grundgedanken
christlicher Gemeinschaft. Wir sind Diener Christi.
Stellen wir uns einmal einen Diener vor, vielleicht für einen
Schlossherrn, wie wir es aus so manchen Filmen kennen. Ein Diener steht
immer im Hintergrund, nie geht es um seine Person, nie sucht er das
Aufsehen. Er steht ganz im Dienste seines Herrn. Dort wo er ist, da ist er
nötig und wichtig. Seine Arbeit hält den ganzen Betrieb aufrecht. Es ginge
sicher nicht ohne ihn. Aber der Hausherr ist ein anderer. Und so soll es
eben auch in einer christlichen Gemeinde sein. Es geht nicht darum, dass
einzelne Menschen im Vordergrund stehen, dass ihr Ansehen stark ist, oder
ihre Arbeit als besonders gewürdigt wird. Nein, es geht darum, dass wir
als Diener Christi unsere Arbeit verrichten. Um die Sache Jesu muss es
gehen, darum, dass seine Botschaft in die Welt getragen wird, dass sein
Evangelium die Menschen erreicht, dass Menschen von ihm her angesprochen
werden. Wir sind dabei die Vermittler, die Botschafter, eben die Diener,
die den Raum bereiten, aber niemals die, die sich zu Herren machen.
Haushalter der Geheimnisse Gottes sind wir, sagt Paulus. Uns ist etwas
anvertraut, mit dem wir gut umgehen sollen. Es ist nicht unseres, sondern
etwas, das uns von Gott übergeben wurde, damit wir es in seinem Sinne und
zum Wohl der Menschen einsetzen.
Auf die Menschen in Korinth hin gesagt: schaut nicht auf die, die sich als
Führer ausgeben, sondern auf die Botschaft und auf Christus. Es kommt
nicht darauf an, von wem man getauft ist, vom großartigen Apollos oder
eher kränklichen Paulus. Wichtig ist, dass man getauft ist und dass die
Botschaft des gütigen Gottes in uns ist. Darin seid Diener Christi und
gute Haushalter Gottes.
Ich habe vorhin die Politiker unserer Tage angesprochen. Vielleicht könnte
man denen auch so einen Satz ins Stammbuch schreiben. Ihr Politiker seid
Diener, dieser des Volkes und letztlich auch Diener Gottes, der euch zu
einem menschlichen Handeln verpflichtet. Ihr Politiker seid nicht um eurer
selbst willen im Parlament, sondern ihr seid vom Volk beauftragt, ihr seid
deshalb Diener dieses Volkes. Euer Tun und Lassen hat Folgen für die
Menschen und euer Handeln ist etwas, das dem Volke dienen soll. Es soll
aufbauen, fördern und dienlich sein. Ihr sollt gute Haushalter sein. Denn
das Geld, über das ihr da sprecht und beratet, ist nicht euer eigenes
Geld, sondern anvertrautes Gut, das zum Wohle der Menschen eingesetzt
werden soll. Oft genug hat man den Eindruck als fehlt ein solches
Bewusstsein und es geht nur um Macht, Machterhalt, um Parteiengezänk und
wirtschaftliche Verflechtungen, wie man ja nun auch im Irak gut beobachten
kann.
Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes
Geheimnisse. Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie
für treu befunden werden.
Eigentlich eine völlig selbstverständliche Aussage, die aber immer wieder
auch deutlich ausgesprochen werden muss.
Nun könnten wir natürlich dahergehen, uns nach diesem Maßstab viele
Menschen beurteilen und dann vielleicht auch verurteilen. So wie das die
Gegner des Paulus auch getan haben. Aber ist das der richtige Weg, damit
umzugehen? Ich finde dazu auch den zweiten Teil der Gedanken des Paulus
sehr interessant. Er schreibt da:
Es ficht mich nicht an, dass ich von euch gerichtet werde oder von einem
menschlichen Gericht; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir zwar
nichts bewusst, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt; der Herr ist's
aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr
kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und
wird das Trachten der Herzen offenbar machen. Dann wird einem jeden von
Gott sein Lob zuteil werden.
Richtet nicht vor der Zeit, sagt Paulus. Jesus sagt: Richtet nicht, auf
dass ihr nicht gerichtet werdet.
Was heißt das in diesem Zusammenhang mit der Haushalterschaft der
Menschen? Wir mögen das Handeln von Menschen immer wieder sehr
unterschiedlich beurteilen. Der eine sagt es ist gut, was einer macht, der
andere sagt, es ist schlecht. Welches Urteil also zählt? Oder aber: uns
passt etwas nicht, also wird ein vernichtendes Urteil gesprochen. Und dann
weg mit ihm, er taugt ja nichts. Und wir selber? Wie sehen wir uns darin?
doch meistens als diejenigen, die alles richtig machen oder - hätten wir
denn die Möglichkeiten dazu - die alles richtig machen würden. Aber Paulus
sagt dazu: das ist nicht das, was uns vor Gott gerecht macht. Nein,
letztlich zählt Gottes Urteil über uns und der bringt auch das Verborgene
ans Licht. Halten wir uns also zurück mit dem Kritisieren anderer, halten
wir uns zurück damit Urteile zu fällen über die Menschen, vor allem
vernichtende Urteile.
Das wichtige ist, dass wir selber unser Leben so gestalten, dass wir als
gute Diener Christi dastehen, als gute Haushalter Gottes. Und dazu gehört
eben auch, dass Menschen - auch wenn sie Fehler machen, auch wenn sie
nicht recht handeln - immer als Menschen zu achten sind, die letztlich
unter dem Urteil Gottes und nicht von uns Menschen stehen. Es ist so
leicht, einen Menschen durch wenige Worte an den Rand zu stellen, aber das
ist nicht Dienerschaft Christi. Sondern als Haushalter der Geheimnisse
Gottes muss es darum gehen, diese Menschen zur Umkehr zu rufen, ihnen Mut
zur Veränderung machen, auf dass sie in ihrem Tun wieder das Wohl der
Menschen im Blick haben. Gnadenlose Verurteilungen sind nicht das Ziel des
Kommens Gottes in die Welt, sondern die liebevolle Suche des Menschen,
sein Wunsch nach Umkehr und Veränderung, sein Wille zur Vergebung und
damit zur Erneuerung des Menschen. Das sind die Ziele Gottes, die er in
seiner Menschwerdung in der Heiligen Nacht und im Leben Jesu verfolgt hat.
Und darin sind wir Diener und Haushalter, dass wir diese Ziele lebendig
halten in dieser Welt. Und das gelingt nur, wenn wir nicht verurteilen und
beiseite schieben, sondern wenn wir im Dienste Christi versuchen, auch die
anderen Menschen zu dieser Dienerschaft Christi und zur Haushalterschaft
Gottes zu bewegen. Sehen wir uns also als solche, die sich auf diesem Weg,
als Menschen mit Fehlern, aber der Bereitschaft uns immer wieder dieser
Dienerschaft zu stellen. Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 7, 1-5
Psalm 85, 2-8
Eingangsliturgie
178,6
Gebet
Lesung 1 Kor 4, 1-5
Lied: 10, 1-4
Lesung: Mt 11, 2-6
Glaubensbekenntnis
Lied: 346, 1-4
Predigt
Lied: 11, 1,5,7,10
Abkündigungen
Fürbittengebet
mit Liedruf 178.11
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
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