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1 Kor. 4, 1-5

Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe, der Herr kommt gewaltig. So lautet der Wochenspruch für den 3. Advent.
Bereitet dem Herrn den Weg. Das scheint mir auch das Motto zu sein, das Paulus in dem kurzen Abschnitt deutlich macht, den wir als 1. Lesung gehört haben.
Nur muss man sicher ein wenig ausholen, um zu verstehen, in welchem Zusammenhang Paulus dies alles schreibt.
Die christliche Gemeinde in Korinth ist einmal von Paulus gegründet worden. Die Christen dort hingen ihm sehr am Herzen. Es war für ihn eine sehr wichtige Gemeindegründung. Insofern nahm er auch regen Anteil an der Entwicklung dieser Gemeinde als er auf seinen Reisen gewesen ist. Immer wieder wurden ihm durch Briefe die Ereignisse in Korinth gemeldet. Und ehrlich gesagt, da ging es sehr menschlich zu. Nachdem nämlich Paulus die Gemeinde verlassen hat, gab es schon recht bald die üblichen menschlichen Auseinandersetzungen. Es ging um Machtfragen. Wer wird das sagen haben? Wer ist eigentlich der bessere Christ? Woher hat wer die christlichen Gedanken gehört und hat er da überhaupt die richtigen Gedanken gehört.
Jeder versuchte seine Position zu stärken, jeder wollte möglichst an erster Stelle stehen. Und um sein Ziel zu erreichen, da ist es wie so oft bei Menschen: wenn ich mich herausheben will, dann muss ich den anderen klein machen, ihm Schlechtes nachsagen. Wie kann man auf Paulus hören? Das ist doch ein ehemalige Christenverfolger, der hat doch Dreck am Stecken. Und überhaupt: schaut euch doch mal an, wie der hier aufgetreten ist. Als einfacher Zeltmacher hat er hier gearbeitet. War oft krank. Und reden konnte der ja überhaupt nicht. Ein jämmerliche Gestalt, die er so abgegeben hat, kein Mann mit Ausstrahlung, Durchsetzungsvermögen oder Charisma. Sicher, er hat als erster von Christus erzählt, aber mal ehrlich, wir können das doch viel besser. Wir stellen etwas dar.
So wurde geredet über Paulus. Man versuchte ihn in ein schlechtes Licht zu rücken, die eigenen Vorzüge wurden hervorgehoben und es gab richtige Parteiungen, die da plötzlich gegeneinander waren. Die jeweiligen Anführer dieser Gruppen wurden dann auch zu wichtigen Identifikationsfiguren. So wurde behauptet, dass nur wer von Apollos, einem der Parteiführer getauft wurde, wirklich zur Gemeinde gehöre. Die anderen behaupteten gleiches natürlich von Paulus und die dritten dann wieder von einem anderen. Und so entstand ein heilloser Streit unter den Christen in Korinth.
Wir fühlen uns erinnert an so manche politische Auseinandersetzung unserer Tage. Schauen wir nach Hamburg, so begann mit Herrn Schill eine ganz ähnliche politische Diffamierungskampagne gegen den Bürgermeister. Auf Kosten des einen wollte der andere seine Weste weiß waschen, was ja nun zu einem Bruch in der Koalition führte. Oder wir denken an das gegeneinander der Parteien im Vermittlungsausschuss, wo es - zumindest nach außen hin - immer wieder Anschuldigungen und Verwerfungen gibt. Immer sind es die anderen, die die Schuldigen sind. Und wir kennen so etwas vielleicht auch immer wieder aus Familien und Vereinen, wo ganz ähnliches geschieht.
Wie reagiert Paulus nun auf diese Anschuldigungen, die ihm durch Briefe oder auch Boten zugetragen werden?
Nun, er schreibt seinen Korintherbrief, aus dem wir vorhin einige Verse gehört haben. Wobei Paulus sich nicht in Einzelheiten verliert, sonst wüssten wir auch noch mehr von den Auseinandersetzungen damals in Korinth. Er deutet einiges an, versucht es aber auch gleich im Grundsätzlichen zu klären.
Eine solcher grundsätzlichen Aussagen ist diese: Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Wer sind wir, worum geht es in der christlichen Gemeinde?
Und darauf antwortet Paulus: Wir sollen uns sehen als Diener Christi und als Haushalter über das, was Gott uns anvertraut hat. Und mit diesem Satz gibt Paulus eine ganz klare geistliche Linie vor. Es kann nicht angehen, dass in einer christlichen Gemeinde Menschen versuchen sich herauszuheben. So menschlich dies auch immer sein mag, es widerspricht dem Grundgedanken christlicher Gemeinschaft. Wir sind Diener Christi.
Stellen wir uns einmal einen Diener vor, vielleicht für einen Schlossherrn, wie wir es aus so manchen Filmen kennen. Ein Diener steht immer im Hintergrund, nie geht es um seine Person, nie sucht er das Aufsehen. Er steht ganz im Dienste seines Herrn. Dort wo er ist, da ist er nötig und wichtig. Seine Arbeit hält den ganzen Betrieb aufrecht. Es ginge sicher nicht ohne ihn. Aber der Hausherr ist ein anderer. Und so soll es eben auch in einer christlichen Gemeinde sein. Es geht nicht darum, dass einzelne Menschen im Vordergrund stehen, dass ihr Ansehen stark ist, oder ihre Arbeit als besonders gewürdigt wird. Nein, es geht darum, dass wir als Diener Christi unsere Arbeit verrichten. Um die Sache Jesu muss es gehen, darum, dass seine Botschaft in die Welt getragen wird, dass sein Evangelium die Menschen erreicht, dass Menschen von ihm her angesprochen werden. Wir sind dabei die Vermittler, die Botschafter, eben die Diener, die den Raum bereiten, aber niemals die, die sich zu Herren machen.
Haushalter der Geheimnisse Gottes sind wir, sagt Paulus. Uns ist etwas anvertraut, mit dem wir gut umgehen sollen. Es ist nicht unseres, sondern etwas, das uns von Gott übergeben wurde, damit wir es in seinem Sinne und zum Wohl der Menschen einsetzen.
Auf die Menschen in Korinth hin gesagt: schaut nicht auf die, die sich als Führer ausgeben, sondern auf die Botschaft und auf Christus. Es kommt nicht darauf an, von wem man getauft ist, vom großartigen Apollos oder eher kränklichen Paulus. Wichtig ist, dass man getauft ist und dass die Botschaft des gütigen Gottes in uns ist. Darin seid Diener Christi und gute Haushalter Gottes.
Ich habe vorhin die Politiker unserer Tage angesprochen. Vielleicht könnte man denen auch so einen Satz ins Stammbuch schreiben. Ihr Politiker seid Diener, dieser des Volkes und letztlich auch Diener Gottes, der euch zu einem menschlichen Handeln verpflichtet. Ihr Politiker seid nicht um eurer selbst willen im Parlament, sondern ihr seid vom Volk beauftragt, ihr seid deshalb Diener dieses Volkes. Euer Tun und Lassen hat Folgen für die Menschen und euer Handeln ist etwas, das dem Volke dienen soll. Es soll aufbauen, fördern und dienlich sein. Ihr sollt gute Haushalter sein. Denn das Geld, über das ihr da sprecht und beratet, ist nicht euer eigenes Geld, sondern anvertrautes Gut, das zum Wohle der Menschen eingesetzt werden soll. Oft genug hat man den Eindruck als fehlt ein solches Bewusstsein und es geht nur um Macht, Machterhalt, um Parteiengezänk und wirtschaftliche Verflechtungen, wie man ja nun auch im Irak gut beobachten kann.
Dafür halte uns jedermann: für Diener Christi und Haushalter über Gottes Geheimnisse. Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden.
Eigentlich eine völlig selbstverständliche Aussage, die aber immer wieder auch deutlich ausgesprochen werden muss.

Nun könnten wir natürlich dahergehen, uns nach diesem Maßstab viele Menschen beurteilen und dann vielleicht auch verurteilen. So wie das die Gegner des Paulus auch getan haben. Aber ist das der richtige Weg, damit umzugehen? Ich finde dazu auch den zweiten Teil der Gedanken des Paulus sehr interessant. Er schreibt da:
Es ficht mich nicht an, dass ich von euch gerichtet werde oder von einem menschlichen Gericht; auch richte ich mich selbst nicht. Ich bin mir zwar nichts bewusst, aber darin bin ich nicht gerechtfertigt; der Herr ist's aber, der mich richtet. Darum richtet nicht vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch ans Licht bringen wird, was im Finstern verborgen ist, und wird das Trachten der Herzen offenbar machen. Dann wird einem jeden von Gott sein Lob zuteil werden.
Richtet nicht vor der Zeit, sagt Paulus. Jesus sagt: Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet.
Was heißt das in diesem Zusammenhang mit der Haushalterschaft der Menschen? Wir mögen das Handeln von Menschen immer wieder sehr unterschiedlich beurteilen. Der eine sagt es ist gut, was einer macht, der andere sagt, es ist schlecht. Welches Urteil also zählt? Oder aber: uns passt etwas nicht, also wird ein vernichtendes Urteil gesprochen. Und dann weg mit ihm, er taugt ja nichts. Und wir selber? Wie sehen wir uns darin? doch meistens als diejenigen, die alles richtig machen oder - hätten wir denn die Möglichkeiten dazu - die alles richtig machen würden. Aber Paulus sagt dazu: das ist nicht das, was uns vor Gott gerecht macht. Nein, letztlich zählt Gottes Urteil über uns und der bringt auch das Verborgene ans Licht. Halten wir uns also zurück mit dem Kritisieren anderer, halten wir uns zurück damit Urteile zu fällen über die Menschen, vor allem vernichtende Urteile.
Das wichtige ist, dass wir selber unser Leben so gestalten, dass wir als gute Diener Christi dastehen, als gute Haushalter Gottes. Und dazu gehört eben auch, dass Menschen - auch wenn sie Fehler machen, auch wenn sie nicht recht handeln - immer als Menschen zu achten sind, die letztlich unter dem Urteil Gottes und nicht von uns Menschen stehen. Es ist so leicht, einen Menschen durch wenige Worte an den Rand zu stellen, aber das ist nicht Dienerschaft Christi. Sondern als Haushalter der Geheimnisse Gottes muss es darum gehen, diese Menschen zur Umkehr zu rufen, ihnen Mut zur Veränderung machen, auf dass sie in ihrem Tun wieder das Wohl der Menschen im Blick haben. Gnadenlose Verurteilungen sind nicht das Ziel des Kommens Gottes in die Welt, sondern die liebevolle Suche des Menschen, sein Wunsch nach Umkehr und Veränderung, sein Wille zur Vergebung und damit zur Erneuerung des Menschen. Das sind die Ziele Gottes, die er in seiner Menschwerdung in der Heiligen Nacht und im Leben Jesu verfolgt hat. Und darin sind wir Diener und Haushalter, dass wir diese Ziele lebendig halten in dieser Welt. Und das gelingt nur, wenn wir nicht verurteilen und beiseite schieben, sondern wenn wir im Dienste Christi versuchen, auch die anderen Menschen zu dieser Dienerschaft Christi und zur Haushalterschaft Gottes zu bewegen. Sehen wir uns also als solche, die sich auf diesem Weg, als Menschen mit Fehlern, aber der Bereitschaft uns immer wieder dieser Dienerschaft zu stellen. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 7, 1-5
Psalm 85, 2-8
Eingangsliturgie
178,6
Gebet
Lesung 1 Kor 4, 1-5
Lied: 10, 1-4
Lesung: Mt 11, 2-6
Glaubensbekenntnis
Lied: 346, 1-4
Predigt
Lied: 11, 1,5,7,10
Abkündigungen
Fürbittengebet
mit Liedruf 178.11
Vaterunser
Segen
163

 

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt  Klein Elbe

14. 12. 2003

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