|
|
|
Pfingsten 2006
Als wir am vergangenen Dienstag zum Stillen Abend zusammen kamen, gab es
wie immer auch ein kleines Vorgespräch zum Thema. Natürlich war
Pfingsten und die Frage des heiligen Geistes Thema dieses Abends. Am
Schluss dieser Runde fragte eine Teilnehmerin: Was wäre eigentlich
gewesen, wenn der Geist Gottes nicht über die Menschen gekommen wäre?
Eine gute Frage, die wir durch ein sehr markantes Bodenbild im
nachfolgenden Gebetsteil beantwortet haben. Dies kann ich jetzt nicht
wiederholen, deshalb will ich an dieser Stelle mit Worten darauf
antworten.
Wir haben eben gehört, dass die ersten Christen in Jerusalem in einem
Haus beieinander waren. Die Situation war die, dass erzählt wurde, dass
Jesus auferstanden sein, aber er ja durch die Himmelfahrt nicht mehr bei
ihnen war. Jetzt waren und sind die Christen auf sich allein gestellt.
Und ich vermute, dass sie voller Angst in ihren Häusern gesessen haben.
Sie mussten ja damit rechnen, dass sie auch – ähnlich wie Jesus -
verfolgt würden, weil sie anders von Gott redeten, als es die Regel war.
Christen sahen die Welt anders, mit den Augen Jesu. Doch dies war
gefährlich. Deshalb traf man sich in den Häusern, verborgen vor der
Öffentlichkeit. Ein kleiner Kreis derer, die sich mit Jesus verbunden
wussten, die trauerten und nicht so recht wussten, was ihr Glaube jetzt
eigentlich bewirken solle. Wie soll und kann es weitergehen?
Was wäre, wenn der Heilige Geist nicht gekommen wäre? Was wäre, wenn
Gott selber nicht die Menschen ermutigt hätte, die Botschaft vom
Gekreuzigten und Auferstandenen Gottessohn in die Welt zu tragen?
Ich denke, die Eltern hätten noch ihren Kindern von Jesus erzählt, die
Kinder hätte irgendwann gesagt, ich kann diese ollen Geschichten nicht
mehr hören. Die Enkel hätten Opa stauend angeschaut, wenn er von früher
erzählt hätte und dann wäre diese Episode irgendwann aus dem Gedächtnis
der Menschen verschwunden. Die Jünger wären bei sich selber geblieben,
sie wären vielleicht ein kleiner Kreis geblieben, der für sich in alten
Erinnerungen geschwelt hätte. Wisst ihr noch, damals ...
Doch eben genau dies sollte nicht geschehen. Die Botschaft vom treuen
Gott, von der Liebe für alle Menschen, die Botschaft von dem Geleit
Gottes auch im Leiden der Welt, die Botschaft von der Hoffnung in aller
Trostlosigkeit, die Botschaft von der Feindesliebe und von der Vergebung
sie sollte nicht im kleinen Kreis der Jesusjünger untergehen, sondern in
die Welt hinausgetragen werden. Es ist eine Botschaft, die allen
Menschen dieser Welt gilt und deshalb war Gottes Eingreifen, Gottes
anderes Kommen in die Welt nötig. Der Geist Gottes war und ist nötig,
damit Menschen den Mut bekommen, diese Botschaft eben nicht nur im
stillen Kämmerlein zu leben, sondern sie gehört nach draußen zu den
Menschen. Es ist eine Botschaft, die alle Menschen hören sollen, es ist
eine Botschaft, die für jeden gilt und die Menschen zueinander ruft. Es
ist die Botschaft von der Gemeinschaft der Menschen über alle trennenden
Grenzen hinweg. Das wird gleich am Anfang der Pfingstgeschichte
deutlich.
Die vom Geist erfüllten Jünger sprechen die Sprache der in Jerusalem zum
Fest zusammengekommenen Menschen. Sie sprechen in ihrer Sprache und das
heißt für nicht, dass nun alle ägyptisch, koptisch oder lateinisch reden
können, nein, sie leben so, dass die Menschen spüren, hier bin ich
angesprochen, hier kommt ein Mensch auf mich zu, der mir zugewandt ist,
der mich versteht, den ich verstehen kann, auch wenn wir in
unterschiedlichen Worten miteinander kommunizieren. Hier wird deutlich,
dass das Verstehen untereinander durch den Geist möglich wird, durch den
Geist Gottes, der nicht Trennung, sondern Gemeinschaft will, durch den
Geist Gottes, der nicht Feindschaft aufrichten, sondern Gegensätze
überwinden will, durch Gottes Geist, der nicht das allzumenschliche
Denken gut heißt, sondern der eine Veränderung will, die Hass und Neid,
Streit und Gegeneinander überwinden will, durch die Annahme des
Gegenübers, durch die Vergebung, durch die Barmherzigkeit, durch die
Überwindung von Feindschaft durch die Liebe.
Und das alles bewirkt der Geist Gottes, der einfach anders ist, der ganz
andere Gedanken in uns wirksam sein lässt, der Jesu Gedanken in uns
lebendig macht und uns Jesu Leben als ein göttlich vorbildliches Leben
vor Augen führt.
Der Apostel Paulus beschreibt das im Korintherbrief so:
Als Christen haben wir nicht den Geist dieser Welt bekommen, sondern den
Geist Gottes. Und deshalb können wir auch erkennen, was Gott für uns
getan hat.
Was wir euch verkündigen, kommt nicht aus menschlicher Klugheit oder
menschlichem Wissen, sondern es wird uns vom Heiligen Geist eingegeben.
Der Mensch kann von sich aus, mit seinen natürlichen Fähigkeiten, nicht
erfassen, was Gottes Geist sagt. Für ihn ist das alles Unsinn, denn
Gottes Geheimnisse erschließen sich nur durch Gottes Geist.
Was Jesus ausmacht, was sein Weg wirklich bedeutet, das bedarf einfach
eines anderen Geistes, der über das hinausgeht, was wir Menschen
begreifen können. Luther hat das sehr schön in der Auslegung des 3.
Glaubensartikels gesagt, wenn er darin formuliert: Ich glaube, dass ich
nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn,
glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich
durch das Evangelium angerührt, hat mich mit seinen Gaben erleuchtet, im
rechten Glauben geheiligt und erhalten. So wie es die ersten Jünger in
Jerusalem erlebt haben, die als sie nur bei sich geblieben sind, wohl
Jesus vor Augen hatten, sein Leben und alles, was dieses Leben
ausgemacht hat, aber sie haben es aus sich selber heraus nicht
verstanden. Erst durch den Geist Gottes, durch dieses ganz andere
Blickweise haben sie erkennt, hier geschieht mehr als nur das, was wir
mit unseren Augen erkennen können. In diesem Leben liegt etwas drin, was
von Gott kommt, was göttlich ist.
Und das kann der Geist der Welt nicht erkennen, dazu ist Gottes Geist
gekommen, der dann dazu führte, dass die Türen und Fenster dieses engen
Hauses sich öffneten und die Botschaft nach außen getragen wurde, seit
nun fast 2000 Jahren bis hin zu uns in unsere Gemeinden.
Ich glaube an den Heiligen Geist, das heißt, ich setze mein Vertrauen
darein, dass Gott wirksam ist, dass in dem Christusgeschehen, seine
Macht und Kraft sichtbar ist, und dass dieses Geschehen auch für mich
gilt und wirksam ist. Die Worte Jesu, sein Leiden, sein Kreuz und
Auferstehen, das hat mit mir zu tun, das gilt mir und ist für mich und
für jeden von uns geschehen. Und wo wir dies begreifen, wo wir davon
leben, wo wir diese Botschaft ins Leben hineinbringen, da wirkt der
Geist Gottes, der Geist Gottes der oft genug auch quer zu dem steht, was
die Welt uns immer wieder glauben machen will.
Wie gut, dass es diesen Geist gibt, der anders redet, der deutlich
macht, dass das Leben dieser Welt andere Wege gehen muss.
Es ist gut, wenn Menschen aufstehen und um der Liebe zum Menschen willen
Kriege und Kriegsmassaker anprangern. Diese Menschen bringen darin zum
Ausdruck, dass in dieser Welt ein Geist ist, der diese
Menschenverachtung nicht will. Er will nicht, dass Menschen zu Opfern
für Racheakte werden. Er will auch nicht, dass Menschen zu
Messerstechern werden, die wahllos in einer Menschenmenge umherstechen,
vielleicht nur um endlich einmal lang ersehnte Aufmerksamkeit zu
bekommen. Dieser Geist möchte, dass Menschen Anerkennung, Liebe und
Zuwendung erhalten, und nicht nur dann, wenn Leistung gebracht wird. Er
will, dass Menschen auch dann geachtet werden, wenn sie ohne Arbeit
sind, und nicht als Schmarotzer in der Arbeitsgesellschaft abgestempelt
werden.
Gottes Geist steht quer zu vielem, was in unserer Gesellschaft und in
unserem ganz persönlichen Leben geschieht. Das mag uns nicht behagen,
oder wir schaffen es nicht, dies in Einklang zu bringen mit dem
gesellschaftlichen und persönlichen Leben, und doch ist es wahr und
wichtig, was dieser Geist in die Welt trägt. Es ist Gottes Geist, der
das Leben aller vor Augen hat und das Lebensrecht aller in allen
Bereichen dieser Welt. Jesus hat es vorgelebt, die ersten Jünger haben
es getragen durch den Geist weiter getragen und Gottes Geist macht es
bis heute hin lebendig.
Hätte es Pfingsten nicht gegeben, dann wäre unser Welt um ein vielfaches
ärmer, unser Leben leerer, so möchte ich sagen. Pfingsten, das ist der
Weg Gottes zu uns Menschen, sein Weg nach Jesus, um seine Liebe für uns
und alle Menschen zu zeigen. Die Kirche versucht dies mit ihrem Mitteln
zu tun, mit ihren ganz menschlichen Mitteln, die auch nicht immer als
gut angesehen werden können, wenn ich an vergangene Jahrhunderte denke.
Aber sie ist der sichtbare Teil dieses göttlichen, geistlichen Handelns
Gottes in der Welt. Möge ein jeder von uns von diesem Geist erfüllt,
sein Leben gestalten, getragen von der Liebe die Gott uns darin schenkt.Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 136,1-4
Psalm 118, 24-29
Eingangsliturgie
Gebet
Lesung Acta 2, 1-18
Glaubensbekenntnis 505
Lied 130, 1-3
Predigt
Lied: 130, 5-7
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
oben
| |
|