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1. Kor. 2, 12-16
 Gottes Geist steht über Menschengeist

Text: 12 Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, daß wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist. 13 Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen. 14 Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich beurteilt werden. Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und wird doch selber von niemandem beurteilt.Denn  »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer will ihn unterweisen« (Jesaja 40,13)? Wir aber haben Christi Sinn.


Gnade sei mit uns ... 
Wir feiern heute zwei Ereignisse, die innerlich sehr eng zusammenhängen, ohne dass sie aus sich heraus zusammengehören. Zum einen feiern wir das Pfingstfest. Es ist das Geburtstagsfest der Kirche. Nachdem die ersten Christen die Zeit nach dem Tod Jesu und seiner Auferstehung unter sich verbracht hatten, meist hinter verschlossenen Türen, weil sie Angst vor Verfolgung hatten, begann mit dem Pfingstereignis die Hinwendung nach außen. Ohne Jesus zu leben war für die ersten Christen sehr angstbeladen. Dann aber spürten sie, dass Gott sie weiter begleitet, dass Gott durch seinen Geist die Menschen ermutigt, im Sinne Jesu zu leben, in seinem Sinne Menschen von der Güte Gottes zu überzeugen. In der Pfingstgeschichte wird das deutlich darin, dass die Menschen einander verstehen, dass die Grenzen überwunden werden, dass Menschen miteinander leben können. Diesen Geist der Gemeinschaft, der Versöhnung, der Überwindung von Trennungen war es, der dazu führte, dass die ersten Christen mutig in die Welt gingen, um die gute Botschaft in alle Welt zu tragen. Pfingsten war der Anfang der christlichen Kirche, die bis heute in aller Welt besteht.
Für uns hat das diesjährige Pfingstfest noch eine zweiten Höhepunkt: die Einführung des Kirchenvorstandes. Die zweitausendjährige Geschichte der Kirche hat in Deutschland zu unserem Kirchensystem geführt, in dem nicht nur ausgebildete Theologen, sondern auch sogenannte Laien Verantwortung für das Geschehen in der Kirche übernehmen. In demokratischer Wahl wurden die Vertreterinnen und Vertreter der Christen in Gustedt gewählt. Und heute nun treten sie ihr Amt mit Gebet und Segen unter Wort und Sakrament an. Diese Einführung am Geburtstagsfest der Kirchen zu feiern ist ein wunderbares Datum, das hoffentlich auch dazu führt, dass der Geist Gottes ein lebendiger ist in unserem Tun.
Ich hatte sie als Kirchenvorsteher gebeten, dass jeder von Ihnen eine Blume  mitbringt. Wir haben diese Blumen auf dem Altar stehen, es ist ein kleiner Blumenstrauß geworden, der unsere Gedanken am heutigen morgen begleiten soll. Auf einem Seminar, das ich vor kurzem besuchte, wurden wir danach gefragt, was für ein Bild uns einfällt, wenn wir an unsere Kirchenvorstände denken. Mir fiel dabei der bunte Blumenstrauß ein. Ein bunter Blumenstrauß besteht aus vielen unterschiedlichen Pflanzen mit unterschiedlichsten Blüten. Da gibt es langsam wachsende Pflanzen, schnell treibende Pflanzen, Blüten, die groß und auffallend sind, andere wieder die klein und unscheinbar wirken. Blüten, lange halten, andere, die schnell vergehen. Es gibt solche, die Eindruck hinterlassen und solche, die man leicht übersieht, ohne die aber auch etwas fehlt.
So könnte man sicher noch vieles benennen, was Blumen und ein Blumenstrauß ausmacht. Sie als neue und alte Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher bilden einen solchen Blumenstrauß. Sie alle haben eine ganz eigene Geschichte mit der Kirche, sie bringen ihre ganz eigenen Gedanken mit in die Arbeit der Kirche. Da gibt es große Nähe, langjährige Mitarbeit, schon in vielfältiger Weise erprobte Gedanken und Gespräche zu dem, was Kirche ausmacht. Es gibt auch die andere Seite, eher Distanz - bisher zumindest -, wenig ausgereifte oder formulierte Gedanken bezüglich der Kirche und ihren Inhalten. Und dazwischen gibt es viele Schattierungen der Beziehung zu Kirche, zur Arbeit darin und zu den Gedanken die hier laut werden. Aber jeder von Ihnen hat eine Beziehung zur Kirche, hat den Wunsch, ich möchte mich mit meinen Gedanken einbringen, möchte mit meinen Möglichkeiten dazu beitragen, dass die Arbeit der Kirche gelingen kann. Und die Menschen in unser evangelischen Gemeinde hat sie in diesem Anliegen unterstützt, hat sie in dieses Gremium gewählt, damit Sie die Belange der Kirchengemeinde auf gute Wege bringen.
Als Blumenstrauß sind wir ein Gremium, das die Vielfalt der Menschen der Gemeinde widerspiegelt. Kirche wird nicht repräsentiert von einem, wird nicht durch eine Gedankenlinie geprägt, sie ist nicht einlinig, sondern unterschiedlichstes hat in ihr Raum. Jede Blüte soll ähnliche Blüten ansprechen und vertreten, soll leuchten und erfreuen nach außen und neugierig machen nach innen, damit Menschen Kirche wahrnehmen und die Ziele und Gedanken des geistlichen Auftrages, den wir haben, annehmen können. Der bunte Blumenstrauß weist uns daraufhin, dass dieser geistliche Auftrag auch in vielfältiger Weise wahrgenommen werden kann und soll. Jeder von uns im Kirchenvorstand ist dann dabei gefordert, das Seine einzubringen, seine Blüte so schön es geht zu entfalten, damit eben auch Kirche zur Blüte kommt, damit sichtbar wird, dass das Leben im christlichen Glauben ein buntes, blühendes und ansprechendes Leben sein kann.
Um diese Aufgabe zu erfüllen, haben Sie als Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher aber nicht nur ein menschliches Mandat erhalten, als gewählt Vertreterinnen und Vertreter der evangelischen Christen in Gustedt. Nein, Sie stehen auch unter einem Auftrag. Und an den erinnert uns das heutige Pfingstfest und der Predigttext für dieses Fest in diesem Jahr:
Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, daß wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist. Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche Dinge für geistliche Menschen. Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich beurteilt werden. Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und wird doch selber von niemandem beurteilt. Denn, so heißt es im Alten Testament bei Jesaja: »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer will ihn unterweisen« Wir aber haben Christi Sinn.
Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, daß wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist.
Das Pfingstfest macht deutlich, kirchliche Arbeit ist Arbeit von Menschen, aber immer eine solche, die nicht allein auf menschlichen Vorstellungen beruht, sondern auf den Vorgaben die Gott macht. Oft genug wird dies kaum sichtbar in den Fragen der Kirchenvorstandsarbeit und auch der Beurteilung der Entscheidungen des Kirchenvorstandes. Da geht es um Haushalt, um Baufragen, um organisatorisches und Verwaltungstechnisches, ums Rasenmähen um die Kirche und wer den Kaffee für das nächste Fest kocht. Es scheint so zu sein, wie in anderen Gruppierungen auch. Aber gerade deshalb ist es wichtig, dass wir uns an die Grundlagen unseres Glaubens, an die Grundlage christlicher Kirche und christlichen Handelns immer wieder erinnern lassen: nämlich an den Geist Gottes, an den Geist Jesu, der in der Kirche und ihrem Handeln deutlich werden soll. Und das gilt dann sicher auch nicht nur für unseren Kirchenvorstand, sondern immer auch für uns alle als Christen. Unser Urteil ist oft geprägt davon, dass wir unsere menschlichen Maßstäbe anlegen, dass Menschengeist an erster Stelle stehen soll. Doch in der Kirche sollten wir immer wieder versuchen, den Geist Gottes im Blick zu haben, um von daher zu beurteilen was geschieht. 
Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, daß wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist, sagt Paulus. Er erinnert damit an die Grundlage unseres Christseins, an das Geschenk, das Gott uns gemacht hat, dass er uns mit seinem Geist begabt hat. Gleichzeitig ist dies aber auch eine Aufgabe, nämlich herauszubekommen oder auch immer wieder dahin zurückzukehren, was denn Gottes Geist und Wille in der jeweiligen Situation ist. Das macht kirchliche Arbeit aus, das hebt sie heraus aus der Welt! Das macht sie manchmal schwer verständlich, läßt Kirche auch manchmal weltfremd erscheinen. Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muß geistlich beurteilt werden, so beschreibt Paulus diesen wichtigen Gedanken.
Aber wir müssen auch manchmal weltfremd sein, müssen Dinge sagen und tun, die wie eine Torheit erscheinen, weil nämlich die Welt oft gottfremd ist. Denn nicht alles, was in der Welt getan und gedacht wird, entspricht ja dem Willen Gottes. Kirche und ihre Gremien haben daran mitzuwirken, dies deutlich vor Augen zu stellen.
Unser Arbeit muß geistlich beurteilt werden. Das ist manchmal ganz schön schwer und gerät sicher auch immer wieder aus dem Blick. Ich weiß das von langjähriger Kirchenvorstandsarbeit und weiß es auch aus meinem Alltag. Aber darum bleibt es ja dennoch wahr,  dass dies die Grundlage unserer gemeinsamen Arbeit ist. Wir blühen wohl inmitten der Welt als verantwortliche Christen, aber wir gehen nicht auf in dieser Welt, sondern haben eben unseren eigenen Stand, unsere eigenen Grundlagen und Maßstäbe, die uns leiten und tragen, und die uns hoffentlich auch  helfen, Niederlagen, Enttäuschungen, Widerstände zu ertragen und auszuhalten. Wir haben Christi Sinn, sagt Paulus, wir kommen von ihm her und gehen auf ihn zu. Und das soll erkennbar sein, wenn wir als Kirche nach außen auftreten, wenn wir unseren Strauß Blumen auf den Tisch unserer Lebenswelt hier in Gustedt und Umgebung stellen.
Gerade die Einführung am Pfingstfest macht uns diese Bindung an Gott und seinen Geist, an Jesus und seinen Geist deutlich. Und so wünsche ich uns im Kirchenvorstand, dass wir diesem Geist immer wieder entsprechen, dass wir diesen Geist im Alltag kirchlichen Lebens lebendig machen und halten können. Ich wünsche den Gemeindegliedern, dass sie diesen Geist ebenfalls erfahren im Tun des Kirchenvorstandes. Möge so der Geist Gottes das wahrhaft lebendige und begeisternde Element des kirchlichen Handelns in Gustedt werden. Amen.

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Die Predigt wurde gehalten in
Gustedt
  Einführung
des Kirchen-vorstandes

Pfingsten 2000

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