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1. Kor 15,35-38.42-44a

Der letzte Sonntag im Kirchenjahr, den wir heute begehen hat zwei Namen. Der volkstümliche Name ist: Totensonntag, der kirchliche Name ist Ewigkeitssonntag. Zwei Namen für einen Tag, zwei Namen, die eine ganz andere Gedankenrichtung haben. Totensonntag: dieser Name lenkt unsere Gedanken zurück in die Vergangenheit. Wir erinnern uns der Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres, wenn wir ihre Namen heute verlesen. Wir erinnern uns überhaupt der Verstorbenen, zumeist der eigenen Familienmitglieder. Der Abschied, die Gefühle dieser Zeit, sie rücken ganz nahe.
Der zweite Name ist Ewigkeitssonntag: dieser Name weist in die andere Richtung, nach vorne, weg vom Gestern hin zur Zukunft. Weg von den direkten Gefühlen hin zu unseren Hoffnungen, die uns tragen.
Aber so verschieden die Gedankenrichtungen auch sind am heutigen Tage, so eng gehört doch beides zusammen. Tod und Ewigkeit stehen in Beziehung zueinander, sonst wäre dieser doppelte Name für diesen Sonntag auch nicht zustande gekommen. Und zu Tod und Ewigkeit gehört auch das Leben noch hinzu, denn weder sind wir, die wir hier sitzen, tot, noch leben wir schon in der Ewigkeit, sondern wir leben hier und heute, leben mit dem Tod und von der Ewigkeit.
Bei unseren Gedanken am heutigen Tag soll uns im Blick auf Tod und Ewigkeit ein biblischer Text helfen, der ich sehr häufig bei Beerdigungen am Grab spreche: es ist ein Abschnitt aus dem 15 Kapitel des Korintherbriefes, der um einige Verse ergänzt ist. Paulus schreibt da: Es könnte jemand fragen: Wie werden die Toten auferstehen und mit was für einem Leib werden sie kommen? Du Narr: Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. Und was du säst, ist ja nicht der Leib der werden soll, sondern ein bloßes Korn, sei es von Weizen oder etwas anderem. Gott aber gibt einen Leib, wie er will, einem jeden Samen seinen eigenen Leib. So auch die Auferstehung der Toten: es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft. Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Tod, wo ist dein Sieg, Tod, wo ist dein Stachel. Wir danken Gott, der uns den Sieg geschenkt hat durch Jesus Christus.
Ich lese diesen Text sehr gerne bei Beerdigungen. Das hängt mit einem ganz persönlichen Erlebnis zusammen. Als ich vor 20 Jahren meine ersten Beerdigungen zu halten hatte, da ging es mir so, wie es vielleicht auch manch einem von Ihnen beim Hören dieser Worte geht. Warum werden solche Bibelworte gesprochen, die im Grunde doch so weit weg sind von uns. Worte, die wir kaum gebrauchen, Gedanken, die unseren Alltag nicht begleiten und die scheinbar so wenig Trostbringendes enthalten. Niemand von uns lebt für sich selber, keiner stirbt für sich selber. Leben wir so leben wir dem Herrn, sterben wir so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder sterben, wir sind und wir bleiben des Herrn. oder Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Das sind, so denke ich, hilfreiche Worte, Worte, die in uns etwas zum Klingen bringen, das uns ein wenig Trost und Hilfe bringt. Aber diese Worte aus dem Korintherbrief, ich habe sie damals sehr weit weg von mir empfunden. Doch weil sie in unserer Beerdigungsagende vorgegeben waren, habe ich sie damals einfach erst einmal übernommen.
Nah kam mir dieser Text, als ich selber von einem Sterbefall betroffen war. Ein guter Freund von mir, der mit mir zur Schule gegangen ist, verstarb. Er war schwer krank gewesen, eine Immunkrankheit führte nach einer dreifachen Herzwiederbelebung zu einer schweren Lungenkrankheit, die er noch gut ein Jahr hat durchleben und durchleiden können, bis er dann keine Kraft zum Kämpfen mehr hatte und gestorben ist. Am Schluss dieser Beerdigung hörte ich die Worte des 1 Korintherbriefes am Grab meines Freunde. Und das Gefühl von damals ist neue heute lebendig, wenn ich diese Worte lese und höre. Es waren plötzlich keine leere Worthülsen mehr, sondern sie begannen sie sprechen und wurden sehr hilfreiche Worte für mich.
Ich habe einen schwer kranken Menschen hergeben müssen und dann wurde mir und allen anderen von der Bibel her gesagt: es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft. Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Verweslichkeit, Niedrigkeit, Armseligkeit, diese Worte waren die bedrängende Wirklichkeit des Leidensweges, den so viele Menschen gehen müssen, den auch sie bei Ihren Angehörigen zum Teil haben miterleben müssen. Und das Zusehen beim körperlichen Verfall eines Menschen ist wohl der schwerste Teil des Weges beim Begleiten eines Sterbenden.
Verweslichkeit, Niedrigkeit, Armseligkeit. Darin liegt unser menschliches Leben beschlossen, das sicher auch ohne Krankheit als solches bezeichnet werden kann. Denn unser Vergehen, unser Tod ist unausweichlich,. Und wenn wir unser Leben vor Gott recht betrachten, so liegt darin auch Niedrigkeit und Armseligkeit im Blick auf unser Vermögen, Gott zu entsprechen, Vertrauen zu ihm zu haben. Schwach sind wir gegenüber den Anfechtungen des Lebens. All das und besonders die Verweslichkeit und Armseligkeit des kranken Menschen liegt vor Gott, so wird uns gesagt. Es liegt vor Gott, doch es hat keinen ewigen Bestand. Der Verweslichkeit steht die Unverweslichkeit gegenüber, der Niedrigkeit die Herrlichkeit, der Armseligkeit die Kraft. Krankheit, Leiden, Elend, die natürlichen und kreatürlichen Lasten des Menschen, sie haben keinen ewigen Bestand, sondern dies wird von Gott überwunden, in der neuen Schöpfung des Menschen wird all dies aufgehoben sein und völlig neu gestaltet.
Und auf diesem Hintergrund wurden diese zunächst so unverständlichen Worte für mich zu sehr lebendigen Worten, die für mich zu den meisten Beerdigungen mit hinzugehören, die mir die Kraft geben, das Leiden eines Menschen anzunehmen und auch seinen Tod anzunehmen, in der Hoffnung, dass diese Erfahrungen eben nicht das einzige und letzte für den Verstorbenen sind, sondern dass es eine andere, völlig neue, völlig andere Zukunft für ihn gibt.
Dabei ist mir dann auch nicht wichtig, wie diese Zukunft später aussieht. Es gibt darüber ja die verschiedensten Gedanken und Bilder, die unser Denken auch in Bezug auf die Auferstehung prägen. Der Apostel Paulus ist da sehr viel nüchterner. Auf die Frage, wie werden die Toten auferstehen und mit was für einem Leib werden sie kommen?, antwortet er nicht mit einer Beschreibung des Auferstehungsleibes oder leibhaftigen Geschichten. Er gebraucht das Bild vom Weizenkorn. Das was in die Erde gelegt, es vergeht völlig, es entsteht etwas ganz anders daraus. Und so ist es auch beim Menschen. Der gesäte Mensch, wenn ich das Bild einmal so bezeichnen darf, ist tot an Leib und Seele, das Kommende ist völlig neue Schöpfung Gottes, die sich unserer Vorstellungswelt entzieht.
Wir kommen da über Bilder, ähnlich wie Paulus, nicht hinaus. Und mir genügt es auch im Vertrauen auf Gott, es ihm ganz zu überlassen, wie meine Zukunft und die Zukunft derer, die vor mir sterben, aussehen wird. Ich vertraue darauf, dass Gottes Herrlichkeit und Güte uns Menschen eine gute Zukunft bringen wird, wie immer die auch aussehen mag. Und Ausdruck dieses Vertrauens sind denn auch die Schlussworte des Abschnittes. Tod, wo ist dein Sieg, Tod, wo ist dein Stachel? Wir danken, Gott, der uns den Sieg geschenkt hat durch Jesus Christus.
Natürlich trägt der Tod einen Sieg davon, er nimmt einen lieben Menschen aus unserer Mitte, er wird uns selber nicht davor verschonen, dieses Leben verlassen zu müssen. Das ist unabdingbar, das ist der Stachel, der unser Leben bedrängt. Aber im Vertrauen auf Gott verliert dieser Stachel seine bedrängende Kraft, denn Gott hat in Jesus Christus das Auferstehungsleben unter uns Wirklichkeit werden lassen. Der Tod bedrängt und bedrückt wohl, uns die wir zurückbleiben, die mit dem Tod kämpfen, aber den letzten Sieg, so sagt unser Glauben, trägt nicht der Tod davon, sondern das Leben in der Ewigkeit Gottes, in der Auferstehung in die Zukunft Gottes. Darum können wir als Glaubende auch angesichts des Todes Gott Dank sagen, denn er hat Verweslichkeit, Niedrigkeit und Armseligkeit überwunden und uns in Jesus Christus die Herrlichkeit vor Augen geführt. Und darin liegt der Trost der Christen beschlossen, dass wir und unsere Verstorbenen durch Jesus Christus in Gott eine unausdenkliche Zukunft haben. Wir sind von Gott gehalten – in Ewigkeit. Und aus dieser Ewigkeit können wir schon heute schöpfen. Das Vertrauen darin stärkt uns hier und heute, denn ihn Gott sind wir geborgen heute bis in alle Ewigkeit. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied:85, 1,5,9+10
Psalm
Manchmal sind wir Menschen Gefangene. Gefangen in den Umständen unsers Lebens, Gefangen in Angst, Trauer und Mutlosigkeit. Wir brauchen Gott, dass er uns herausführe aus der dieser Not, wir brauchen Gott, dass er uns erlöse und befreie. Worte aus dem 126. Psalm

Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.
Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Dann wird man sagen unter den Heiden: Der HERR hat Großes an ihnen getan!
Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.
HERR, bringe zurück unsre Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland.
Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.
Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.
Eingangsliturgie
Gebet Herr, allmächtiger Gott. Du hast unser Leben gewollt. Du hast uns das Licht der Augen geschenkt und uns nicht für das Dunkel geschaffen und nicht für den Tod. Wir sollen leben, auf dich hin leben mit ganzem Herzen. So bitten wir dich um dein Erbarmen, nimm uns bei der Hand, führ uns zum Licht des Lebens hier und jetzt und Ende unserer Tage, so wie du unseren Herrn und Bruder Jesus Christus durch das Leiden und den Tod zu einem Leben in Ewigkeit geführt hast. Darum bitten wir durch ihn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
Lesung: Johannes 5, 24-29
Glaubensbekenntnis
Lied: 365,1-3+7
Predigt
Lied: 533, 1-3 Du kannst nicht tiefer fallen
Gedenken der Verstorbenen
Wir wollen nun der Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres gedenken. Als Zeichen unserer Erinnerung und unserer Hoffnung auf Gottes Verheißung wollen wir für einen jeden und eine jede Kerzen anzünden.
Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. In der Taufe, diesem für uns sichtbaren symbolischen Anfang des christlichen Weges steht dieses Wort, das uns Hoffnung gibt für unser ganzes Leben. So möge dieses Licht Zeichen des Lichtes sein, das Gott für Verstorbene und Hinterbliebene sein will.
Verlesung der Namen
Wir haben für alle, an die wir uns erinnern, eine Kerze angezündet, Zeichen unserer Hoffnung und der Liebe Gottes, die uns gilt. Wir vertrauen darauf, dass die Menschen, die verstorben sind, die uns nahe waren und bleiben, in Gottes Händen geborgen sind.
Barmherziger Gott, erbarme dich unser, dass wir dem Tod wachsam entgegengehen können und ihn aus deiner Hand annehmen können. Hilf du uns dabei, denn all unsre Hoffnung liegt auf dir.
Lied 99
Feier des Abendmahles
Der Tod ist eng verbunden dem Abendmahl. Jesus hat es seinen Jüngern hinterlassen einen Tag vor seinem Tod. Es war für ihn ein Zeichen, ein Zeichen der Hoffnung über seinen Tod hinaus. Es ist ein Zeichen der ewigen Verbundenheit zwischen ihm und uns. So wollen wir uns von durch dieses Mahl stärken lassen auf dem Weg der Trauer inmitten unseres Lebens.
Gott unser Vater.
In Leben und Tod sind wir dir verbunden. Du hältst uns in deiner Hand. Darum loben und preisen wir dich, als den Halt und die Kraft des Lebens durch allen Schmerz hindurch. Darum bitten dir dich: stärke uns neu durch das heilige Mahl deines Sohnes Jesus Christus. Ermutige uns in der Trauer, die wir tragen, stärke uns, angesichts der Last, die auf uns liegt Hilf du uns tragen, indem du uns in Brot und Kelch dein Geleit versprichst. Hilf so unserem Glauben, wenn wir zweifeln und die Hoffnung schwindet. Stärke uns auf dem Weg in deine Ewigkeit.
Einsetzungsworte
Ja, komm, Herr, Jesus sei du unser Gast und segne, was du uns hinterlassen hast. Schenke uns deinen Heiligen Geist und erneuere durch ihn unser Leben. Segne an uns diese Gaben, das Brot des Lebens und den Kelch des Heils. Vereine alle, die teilhaben an Christi Leib und Blut, in der Einheit des Glaubens, in der Gemeinschaft der Liebe und in der Hoffnung auf deine Herrlichkeit.
Vaterunser - Austeilung
Votum: Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß sprach: Siehe ich mache alles neu!
Abkündigungen
Fürbitte
Herr, dankbar haben wir das Geschenk deines Mahles empfangen. Lass uns darin gestärkt im Glauben Wege des Lebens gehen, die Wege des ewigen Lebens sind.
Wir bitten dich heute für alle Trauernden; für alle, die besonders belastet werden durch den Tod eines für sie wichtigen Menschen;
wir bitten für alle, die nicht wissen, wie sie mit dem Verlust fertig werden sollen, dass sie sich nicht verlieren in endlosem Schmerz, sondern dass sie aufgerichtet werden und erfahren, wie du, Gott, trösten und tragen kannst.
Für uns alle bitten wir, dass wir den Mut finden, ein Leben lang das Wagnis des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe auf uns zu nehmen, auf dass wir am Ende erfahren, was keines Menschen Auge geschaut hat, was kein Ohr gehört hat, was du aber denen bereitet hast, die dich lieben.
Darum bitten wir dich durch Jesus Christus unseren Herrn.
Segen
163

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt  Klein Elbe

20. 11. 2005

Liturgischer
Ablauf
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