| Predigt | NT |
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Vor einigen Jahren soll eine bizarre Nachricht durch die Medien gegangen sein. Es habe sich vor über zwanzig Jahren ein Ehepaar nach dem Tod nicht bestatten, sondern einfrieren lassen. Sie wollten die Möglichkeit nutzen, dass es vielleicht jemand schafft, ihnen ein neues Leben zu schenken. Das Ganze ist an die Öffentlichkeit gekommen, weil die Verantwortlichen in Frankreich den Leichnamen nach so vielen Jahren bestatten wollten. Aber wie das so ist, es findet sich einer, der diese Möglichkeit nutzen möchte. Ein amerikanischer Bürgermeister hat sich gemeldet, der in seiner Stadt das Experiment zu Ende führen wollte. Wenn wirklich einmal die wissenschaftliche Chance bestünde, aufgetaute Körper wieder zum Leben zu erwecken, dann wollte er derjenige sein, der das ermöglichen sollte. Wie die Geschichte nun ausgegangen ist, weiß ich nicht, ich habe sie ja auch nur aus dritter Hand. Aber ich finde diese Geschichte anregend, um über das nachzudenken, was den heutigen Tag ausmacht. Diese Geschichte zeigt, wie sehr die Sehnsucht nach einem ewigen Leben in uns Menschen steckt und sie auch nicht aufhört. Wir haben den Tod vor Augen, möchten ihm aber nicht das letzte Wort geben. Wir möchten das Unsere dazu tun, ihn zu überwinden, wollen irgendwie neues Leben bekommen oder vielleicht auch – wie der Bürgermeister – der sein, der dieses neue Leben ermöglicht. Ich gehe davon aus, dass auch spätere Generationen in dieser Frage keine andere Antwort bekommen als die unsere. Wir werden Leben verlängern können, mit Medizin und entsprechenden Hilfsmöglichkeiten, aber wir spüren ja heute schon, dass das Leben im Alter nicht immer nur Lust, sondern oft genug auch Last ist und dass es gut ist, dass es ein irdisches Ende findet. Aber nochmal zurück zu den beiden eingefrorenen Franzosen. Was wäre eigentlich, wenn diese beiden wirklich in Amerika wieder das Licht der Welt erblicken würden? Was würde das eigentlich bedeuten? Sie wären noch einmal erwacht, in einer anderen Zeit zwar, aber doch in diesem Leben, in einem Leben, in dem der menschliche Körper verfällt, in dem wir in den Grenzen des Kreatürlichen existieren müssen. Die Hoffnung, die diese beiden Menschen in sich getragen haben, war die Hoffnung auf Auferstehung in diesem Leben, in dieses Leben hinein. Doch es ist eine Hoffnung, die ganz bei dem bleibt, was ist, und nicht auf etwas gerichtet ist, was kommt, was anders ist, was wirklich neu ist. Sie haben nur auf Wissenschaftler gehofft, die ihnen etwas geben sollten, was aber keine wirkliche Verbesserung gebracht hätte. Das Menschsein in den Grenzen des Diesseits wäre nicht aufgehoben.
Wie sagte Paulus doch in dem vorhin gehörten Text: Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten Menschen. Paulus meint, dass die Auferstehung Christi viel mehr ist, als nur ein Ereignis in dieser Welt. In diesem Leben auf Christus hoffen, das könnte mehreres sein: zum einen das alleinige Fürwahrhalten der Auferstehung Jesu. Ja ich glaube daran, dass er auferstanden ist. Das will ich schon annehmen und das haben die Menschen damals ja auch irgendwie erfahren. Aber mehr ist daran eigentlich nicht wichtig. Diese Gedanken machen die Auferstehung zu einer Information der Geschichtsbücher. In diesem Leben auf Christus zu hoffen, könnte auch heißen: er ist ein guter Mensch gewesen, er hat gute Dinge gesagt, er hat auch ein sehr menschliches, friedvolles Leben vor Augen gestellt, das man sich zu eigen machen sollte, dann sähe die Welt schon sehr viel besser aus. Insofern hoffen Menschen, dass Christus als Vorbild Menschen antreibt zu einem anderen Leben. Und als letztes könnte es bedeuten, dass der Gedanke: es wird immer weitergehen, ja auch an Jesus deutlich wird. Mit dem ist es ja auch weiter gegangen. Er durfte weiterleben. Es ist schwer vorstellbar, aber für dieses Leben ist das doch eine schöne Hoffnung zu wissen: Leben geht weiter. Wer so denkt, sagt Paulus, ist einer der elendesten Menschen. Denn was steckt letztlich in dieser Hoffnung? Es ist ein Denken, das das persönliche Leben, das die Wirklichkeit des Wirkens Gottes in dieser Welt und das die wirkliche Heilstat von Ostern völlig außer acht lässt. Ostern, das ist mehr als ein wieder aufwachen nach einer Zeit in der Kühlbox. Ostern, das ist etwas völlig anders als das Zurück in diese Welt der Vergänglichkeit. Ostern das ist weit mehr als nur ein Geschichtsereignis von vor 2000 Jahren. Ostern ist eine Wirklichkeit, die weit über uns hinausweist, die einen jeden von uns in diesem Leben schon ergreift und verändert und damit das Leben hier bestimmt, auch wenn es etwas ist, das nicht greifbar ist, sondern in der Zukunft liegt. Was meine ich damit? Zu Ostern hat Gott etwas getan, was eben nicht nur mit Jesus zu tun hat, sondern genauso mit uns. Gott ist den Weg in den Tod gegangen am Kreuz seines Sohnes. Aber er hat diesem Tod nicht das letzte Wort gegeben, sondern er selber hat das letzte Wort gesprochen, als er seinen Sohn in ein neues Leben gerufen hat. Er hat ihm seine Ewigkeit geschenkt. Und das Schöne ist, er hat sie nicht nur Jesus geschenkt, sondern er hat den Weg eröffnet, den auch wir gehen werden. Dieses neue Leben, diese Ewigkeit gilt auch uns. Jesus Christus ist der Erstling, wie Paulus formuliert, er ist der, der den Weg vorangegangen ist. In seiner Nachfolge wird auch uns dieser Weg eröffnet. Die Hoffnung, die wir in uns tragen ist die Hoffnung, dass die todbringenden Kräfte des Lebens überwunden sind. Sie haben noch ihre Macht, sie bedrücken und lähmen uns, sie belasten und wir müssen uns mit ihnen auseinandersetzen. Doch sie sind insofern überwunden, dass nicht sie das Sagen über unser Leben haben, sondern Gott hat das letzte Wort über unser Leben. Er hat die widrigen Mächte des Lebens erduldet und überwunden. Er hat auch dem letzten Feind, der uns gefangen nimmt, dem Tod die Macht genommen. Der Weg ins Leben ist frei. Das heißt, dass wir auf Grund von Ostern eine Hoffnung in uns tragen können, die auf Zukunft ausgerichtet ist. Alle lebensfeindlichen Mächte, alles, was das Leben bedroht, hat nur bedingte Kraft, weil da ein anderer ist, der über diese widrigen Mächte als Sieger hervorgeht.
Was haben die Franzosen gemacht, als sie sich haben einfrieren lassen? Sie wollten eine Zukunft für sich haben, die sich an diese Welt bindet. Sie wollten dem Tod ein Schnäppchen schlagen, um in dieser Welt wieder Lebensmöglichkeiten zu haben. Aber was ist das für eine Hoffnung, die sich so an diese Welt bindet, die nur auf diese Welt gerichtet ist? Es ist eine elende Hoffnung, die nicht mit wirklicher Zukunft rechnet, die nicht mit tiefgreifender Erneuerung rechnet, sondern nur mit der Weiterführung des Bisherigen. Ostern aber geht darüber hinaus. Ostern erzählt von einer neuen Wirklichkeit, von einem neuen Leben, von einer grundlegenden Veränderung am Ende der Zeit. Und weil diese Veränderung vor Augen ist, weil diese Erneuerung unsere Hoffnung ist, darum haben auch die lebensfeindlichen Mächte nicht wirklich das Sagen über uns. Tod wo ist dein Sieg, Tod wo ist dein Stachel? fragt Paulus wenige Verse später. Den Sieg gibt es nicht und der Stachel ist zerbrochen. Gott hat gezeigt, dass ihm mehr zu vertrauen ist, als den vernichtenden Ereignissen dieser Welt. Und genau das ist Osterglaube, das ist österliche Hoffnung, die sich nicht auf dieses Leben allein beschränkt, sondern die gerichtet ist auf das Hier und das Dort. Und das Ziel dieser Hoffnung ist das, worum es Paulus in seinen Gedanken geht: nämlich dass Gott am Ende alles in allem ist, dass ihm alles unterworfen sein wird und dass deshalb alle Zukunft nur in ihm seine wirkliche Grundlage hat. Eine solche Hoffnung ist sehr befreiend. Ich muss mich nicht binden, muss mich nicht fesseln lassen, weder von den vermeintlichen Attraktionen dieser Welt, noch von den Endstationen dieses Lebens. Ich kann ganz darauf vertrauen, dass es etwas gibt über das hinaus, was ich erkennen kann und was ich auch selber nicht leisten muss, weil es mir geschenkt wird. Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten Menschen, sagte Paulus. Weil aber unsere Hoffnung über den Tod hinausreicht, weil unsere Hoffnung gerichtet ist auf den, der alles in allem sein wird, weil wir Vertrauen haben können in den, der alles verändern kann, darum gibt es nichts in unserem Leben, was uns wirklich begrenzen kann. Sicher werden wir immer bedrückt, sicher werden uns immer wieder Grenzen aufgezeigt, doch es sind die Bedrückungen und Grenzen dieses Lebens, das in der Hoffnung auf Christus längst überwunden ist. Und weil es überwunden ist, können wir durch diese Hoffnung nach vorne schauen und schon jetzt anders leben. Die Zukunft beginnt nicht erst nach dem Leben, sie beginnt schon hier und jetzt, ohne im Hier und Jetzt aufzugehen. Das macht Ostern aus. Die eingefrorenen Franzosen, wollten im Hier und Jetzt bleiben und sahen darin ihre Zukunft. Doch darin sind sie gescheitert. Wirkliche Hoffnung auf Zukunft sieht eben doch anders aus – eben österlich, wenn wir Gott alles in allem sein lassen. Amen Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied: 99 Christ ist erstanden Psalm 118 Eingangsliturgie Gebet Allmächtiger, ewiger Gott, durch deinen Sohn hast du den Tod besiegt und uns das Tor zum Himmel geöffnet: Halte uns fest auf dem Weg zu dir und lenke unsere Schritte, damit wir frei werden von dem, was uns festhält und wir unseren Blick öffnen zum ewigen Leben, das du für uns bereit hast. Das bitten wir durch Jesus Christus, unsern Herrn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schafft in Ewigkeit. Amen Lesung: 1. Kor 15, 19-28 Lied: 100,1-4 Wir wollen alle fröhlich sein Lesung: Mk 16, 1-8 Glaubensbekenntnis Lied 106,1-3 Erschienen ist der herrlich Tag Predigt Lied 116,1,4,5 ER ist erstanden Abendmahl Großer, gütiger Gott wir treten vor dich, um dir zu danken, für alles, was du an uns und für uns getan hast und tust. Unser Anfang und unsere Zukunft liegen in deinen Händen und diese sind für uns weit geöffnet. Du hältst uns und trägst uns durch unser Leben bis wir in deine Ewigkeit zurückkehren. Dafür danken wir dir und loben dich mit allen, die je an dich geglaubt haben. 331, 1+2 Großer Gott wir loben dich. Jesus Christus, du bist das Licht der Welt, das Licht, das unsere Dunkelheiten erhellt und durchbricht. So wie dein Grab geöffnet wurde durch die Kraft Gottes, so öffnest du auch für uns Wege ins Leben. Dein Kreuz und deine Auferstehung sind uns Hoffnungszeichen an jedem Tag. So stärke uns durch dein Heiliges Mahl, auf dass diese Hoffnung lebendig in uns wirkt und bleibt. Einsetzungsworte Ja, komm, Herr, Jesus, sei du unser Gast und segne, was du uns hinterlassen hast. Erfülle uns mit deinem Geist, dem Geist der Auferstehungszuversicht, der uns über die Grenzen des Lebens hinweg führt. Erneuere unser Vertrauen zum lebendigen Gott, der alles in allem ist. Vaterunser Austeilung Abkündigungen Fürbittengebet Gütiger Gott, auf dich hoffen wir. Du lässt den dem Tod nicht das letzte Wort, du vermagst unsere Trauer in Freude zu verwandeln und unsere Angst in Zuversicht. Öffne die Gräber unseres Lebens: dort wo wir immer alles beim Alten lassen wollen, wo wir uns in unsere gewohnten Gedanken einsperren, wo wir den Gesetzen der Welt gehorchen, wo wir uns in uns selber verkriechen, wo wir andere Gedanken nicht zulassen, wo wir glauben, es muss alles so bleiben, wie es ist, wo wir zu verzagen drohen angesichts des eigenen Lebensschicksales. Öffne du diese Gräber und erneuere uns, zeige deine Macht und stärke unser Vertrauen zu dir. Denn du bist der, der neue Lebensweg eröffnen kann. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Amen Segen 163 |
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