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1 Kor 15, 19

In seinen Ausführungen zur Auferstehung schreibt der Apostel Paulus folgenden Satz: Erwarten wir nur in diesem Leben etwas von Christus, dann sind wir von allen Menschen die ärmsten.

Stimmt das, was Paulus da sagt? Sind wir wirklich die ärmsten Menschen, wenn wir nur in diesem Leben auf Christus hoffen? All unsere Bemühungen laufen doch darauf hinaus, dass  Christus und seine Botschaft das tägliche Leben im diesseits beeinflusst. Unser Zusammenleben als Menschen in der Gemeinde, hier im Dorf und unter den Dörfern, unser Miteinander mit den Menschen in unserem Land und auch weltweit soll doch von den Gedanken Jesu und vom Glauben an ihn beeinflusst sein. Und es wäre doch schon viel wert, wenn Jesu Botschaft Wirkung zeigen würde bei uns und vielen anderen. Dann würde doch an vielen Stellen diese Welt ein ganz anderes, sehr viel menschlicheres Antlitz bekommen. Es gäbe viel weniger Leid und Elend auf der Welt, wenn die Botschaft Jesu von der Liebe und der Vergebungsbereitschaft in dieser Welt als wirklich bedeutsam angesehen würde. Ich möchte Paulus fragen: Wäre dies alles wirklich nichts?

Natürlich ist das etwas, würde Paulus antworten, damit wäre vieles erreicht. Aber darin allein geht die christlichen Botschaft nicht auf, denn die Botschaft von der Auferstehung Jesu Christi - das Kernstück christlichen Glaubens - hätte seine viel weiterreichende Bedeutung verloren.

Denn wie ist das denn, wenn wir nur in diesem Leben Hoffnung auf den Auferstandenen Christus setzten, nur in diesem Leben etwas von ihm erwarten? Äußerliche Veränderungen würden angestrebt, mitmenschliches Zusammenleben besserer Art eingeübt. Christus wäre lediglich ein Vorbild des Lebens, ein guter Mensch eben, der uns hilft Lebensmöglichkeiten zu finden. Das ist richtig und wichtig, aber nicht alles. Denn wir wären nur damit beschäftigt hier und heute die Zeit unseres Lebens so gut es eben geht auszufüllen.

Doch damit ginge ein Element aus dem Blickfeld unseres Lebens verloren, das zum wichtigsten und bedrohlichsten gehört: der Tod. Wer nur in diesem Leben etwas von Christus erwartet, für den bedeutet der Tod die letzte, absolute Grenze dieses Lebens und damit auch die Grenze aller Hoffnungen und damit aller Perspektiven für das Leben.

Darum versuchen wir uns ja auch immer wieder vom Tod abzuwenden, wollen ihn nicht wahrhaben, flüchten uns in irgendwelche vermeintlich tröstlichen Worte. „Es wird schon wieder.“ „Unkraut vergeht nicht“. „Warte nur ab, morgen wird schon wieder alles anders aussehen.“ Alles Worte, die wir kennen vom Krankenbett, vom Sterbebett, aus Gesprächen in Trauer. Es sind Worte, die das Leben suchen wollen, weil sie den Tod nicht ertragen können, weil Hoffnung nur in diesem Leben wirksam zu sein scheint. Und so laufen wir weg vor den Gedanken des Todes.

Dabei müssen wir doch immer wieder feststellen, dass der Tod sich nicht wegdiskutieren, verharmlosen oder leugnen lässt. Der Tod ist gegenwärtig, er bedrängt uns in vielerlei Gestalt mitten im Leben, besonders aber am Ende des Lebens, mag es das eigene sein, oder das eines anderen. Der Tod ist für jeden von uns bittere Realität, der wir nicht entrinnen können. Er ist Teil unseres Lebens, er ist die große Anfrage an unser Leben, an Sinn und Ziel unseres Lebens.

Wenn wir allein in diesem Leben von Christus etwas erwarten,  dann sind wir von allen Menschen die ärmsten, sagt Paulus, Und er sagt es so, weil der Tod die Macht hätte, unsere Lebens- und Hoffnungsperspektiven, die wir aus dem Glauben schöpfen, mit einem Mal zunichte zu machen. Wir wären die ärmsten Menschen, weil wir eine Hoffnung hätten, die im Nichts endet und die der Tod schnell vernichtet. Allein für dieses Leben auf Christus zu hoffen, also auf eine Kraft, die Leben schafft, die Leben erneuert, die für alle Lagen des Lebens Hilfe und Wegweisung anzubieten hat, wäre dann eine Lebenslast. Denn all dies wäre schnell zunichte gemacht.  Dann lasst uns lieber leben nach der Devise: lasst uns essen und trinken denn morgen sind wir tot. So beschreibt es Paulus an einer anderen Stelle seiner Briefe. Dann brauchen wir uns auch nicht die Mühe des Glaubens zu machen, wenn doch am Ende alles zunichte gemacht wird.

Nein, wenn wir die christliche Hoffnung auf Grund der Auferstehung Jesu Christi nicht mit unserem Tod in Verbindung bringen, dann ist all unsere Lebenshoffnung leer und hohl, dann wären wir erbärmlicher dran als all diejenigen, die ohne christliche Lebenshoffnung ihr Dasein gestalten.

Paulus will uns also vor einem großen Irrtum bewahren. Wenn wir am Ostermorgen und an den anderen Tagen des Jahres von Auferstehung Christi sprechen, dann sehen wir darin nicht nur ein Ereignis, das allein Jesus betrifft und das damit den Lebensweg als Gottes Weg vor Augen führt. Natürlich gilt dies, aber die Auferstehung hat weiterreichende Bedeutung für uns Glaubende und für die Welt.

Es geht nämlich darum, dass wir mit der Auferstehung Jesu als Glaubende in die Machtsphäre Gottes eingebunden sind, die eben nicht nur im Diesseits seine Bedeutung hat, sondern welt- und zeitumspannend ist.

Paulus versucht dies zu erläutern, indem er an Adam erinnert. Mit diesem Adam kam einmal der Tod in die Welt. Dieser Tod ereilt jeden Menschen.

Und mit Christus hat wieder ein Mensch für alle etwas in die Welt gebracht, nämlich ein Leben, das über den Tod, das über die bedrohlichen Mächte dieser Welt hinaus bestand hat.

Die Welt Adams, in der die Mächte der Welt das sagen haben, ist abgelöst durch die Welt Christi, in der das Leben das Sagen hat. Das Kreuz und die Auferstehung Jesu setzten die Macht, die dem Leben entgegensteht außer Kraft und es wird deutlich, dass Gottes Macht über allem steht. Gott ist letztlich alles in allem, wie Paulus sagt. Der letzte Feind, der Tod ist entmachtet. Der Mensch hat damit über sein diesseitiges Leben Teil an der Größe und Weite der Welt Gottes.

Diese Welt Gottes nimmt bei Jesus seinen Ausgangspunkt und dieser führt alles auf Gott hin. Alles wird ihm unterworfen, bis er am Ende der Tage über alles herrscht und in allem. Jesus Christus ist als Erster diesen Weg gegangen, den wir alle gehen werden, am Ende der Tage, nachdem Christus Gott alles unterworfen hat.

Solche sehr theoretischen Glaubensgedanken mögen uns sehr fremd sein, ja auch unverständlich. Es sind Gedanken, die uns in die Besonderheit und Tiefe des christlichen Denkens von der Auferstehung Jesu Christi hineinführen wollen. Es geht darum, auszudrücken, dass wir durch die Auferstehung Jesus Christi hineingenommen sind in das große Ziel Gottes, das am Ende der Tage seine endgültige Erfüllung finden wird. Gott wird alles in allem sein. Alles lebensfeindliche wird ein Ende finden. Schon jetzt hat Gott mit der Auferweckung Jesu deutlich gemacht, dass er über den Mächten dieser Welt steht. Die politischen Mächte wollten Jesus beseitigen, Gott stand dem entgegen. Die zerstörerische Macht des Todes wollte die Gedanken Jesu vernichten, doch Gott stand dem entgegen. Die Anhänger Jesu wollten alles gehörte schon begraben, wollten sich enttäuscht zurückziehen, doch Gott stand dem entgegen.

Das heißt doch so viel wie: wenn Gott Macht hat dies zu verändern, wenn Gott sogar Macht hat dem größten Feind des Menschen, dem Tod, seine Macht zu nehmen, dann liegt doch genau darin die alles übersteigende Hoffnung für uns Menschen. In der Auferstehung Jesu Christi liegt der Grund für eine Hoffnung, die über alle Grenzen hinweg reicht. Wir Christen können und dürfen eine Hoffnung haben, die sich für alle Ereignisse des Lebens davon leiten lässt, dass Gott größer ist als alles, was unser Leben einschränken will, dass jeder Einzelne von uns eingebunden ist in eine Zukunft Gottes, die wir mit unseren Möglichkeiten nicht sehen und begreifen können. Das ist eine Hoffnung, die nicht im Tod stecken bleibt, die der Tod auch nicht begrenzen kann, sondern die gerade durch den Tod hindurch eine Zukunft eröffnet, die weit reichender ist als alles, was in diese Welt als Zukunft angeboten wird.

Unter dieser wahrhaft himmlischen Perspektive der Auferstehung, also des von Gott bewahrten Lebens über den Tod hinaus, wird im Grunde alles um uns herum in seinem vorläufigen Charakter offenbar.

Was heißt das? Vieles in unserem Leben betrifft uns, es beschäftigt und bestimmt unser Leben. Dazu gehören die schönen Ereignisse des Lebens, die uns Freude machen und die das Leben bereichern. Und es gehören dazu die schweren Ereignisse, die Trauer, das Leiden, die Angst und der Tod. Dies alles bestimmt unser Leben, unser Denken und Handeln. Aber die Perspektive der Auferstehung und dass Gott einmal alles in allem sein wird, macht deutlich, das, was unser Leben jetzt bestimmt, wird auch ein Ende haben. Aber weil es dieser Gott ist, der den letzten Anspruch auf die Welt und unser Leben hat, und eben nicht der Mensch mit seinen Gedanken, nicht die Lebenszwänge, nicht unsere Ängste und auch nicht der Tod, gerade deshalb steht unser Leben unter einer ganz anderen Perspektive. Wir leben schon jetzt davon, dass Gott all die negativen Bereiche des Lebens in seiner Hand hat, dass er diese Bereiche überwunden hat.

Österliche Hoffnung heißt, wir haben Teil an der dieser über allem stehenden Macht Gottes. Das ist eine Hoffnung, die weder durch Lachen noch durch Weinen, weder durch Erfolge noch durch Versagen, weder durch Freude noch durch Schmerz zunichte gemacht werden kann. Denn diese Hoffnung ist nicht orientiert daran, was wir Menschen vor Augen haben, sondern daran, dass Gott das Ziel von allem ist.

Und das heißt es dann auch, nicht nur in diesem Leben seine Hoffnung auf Christus zu setzen. Denn das hieße aus den Erfahrungen dieses Lebens leben. Ostern sagt, es gibt Erfahrungen, die nicht aus diesem Leben heraus erklärbar sind, die aber etwas ans Tageslicht bringen, was eine weitaus größere Kraft hat, als alles, was uns sonst bekannt ist. Die Erfahrung der Auferweckung ist die Erfahrung, dass Gottes Kraft und Macht durch nichts begrenzt wird, auch nicht durch den Tod. Von daher zu leben, von dem Gedanken, dass Gott alles in allem ist und wirkt, das bringt eine Hoffnung, die auch durch die negativen Erfahrungen des Lebens nicht zunichte gemacht werden kann. Wer seine Hoffnung aus dem Ziel in Gott nimmt, dessen Hoffnung erfährt an den menschlichen Grenzen kein Ende, sondern kann sie übersteigen. Da brechen dann die Gräber auf, in denen wir uns selber gefangen halten. Die Öffnung der Gräber hat Wirkung für dieses Lebens, doch es reicht eben weit darüber hinaus. Und weil es weit darüber hinausreicht, hat es auch eine Kraft, die nicht im irdischen stecken bleibt, sondern uns immer wieder da herausholt. Und da wird dann auch wirklich Ostern, wo wir uns von dieser Kraft anstecken lassen, für dieses Leben und das Leben in der Zukunft Gottes. Amen.

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Liturgischer Ablauf

Feier der Osternacht 2002 6.30 Uhr in Groß Elbe

Einzug mit der Osterkerze

An drei Stellen Gesang: (Liturg) Christus ist das Licht

            (Alle)  Gott sei ewig Dank.

Aufstellen der Osterkerze - Anzünden der eigenen Kerzen an der Osterkerze

Liturgischer Gesang

(SprecherIn A        ) Wir kommen im Dunkel zusammen. Allein das Licht unserer Kerzen erhellt diesen Raum. Wir wollen uns auf den Weg machen, das Licht des Lebens von Gott her zu empfangen.

Wir begeben uns zunächst an den Anfang. Auch dort war alles dunkel. Doch Gottes Geist war schon gegenwärtig. Hören wir den Anfang der biblischen Schriften.

(SprecherIn C) Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. (Pause)

Und die Erde war wüst und leer und es war finster auf der Tiefe und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. (Pause)

Und Gott sprach:

(SprecherIn B        ) Es werde Licht!

(SprecherIn C ) Und es wurde Licht. Und Gott sah, dass  das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht.

So rief Gott durch sein allmächtiges Wort, alles was da ist, ins Leben: Licht und Finsternis, Tag und Nacht, Wasser und Festland, Sonne und Mond, Baum und Gras, Pflanze und Tier.

Und Gott sprach:

(SprecherIn B) Laßt uns Menschen machen ein Bild, das uns gleich sei, die sich dienstbar machen die Fische im Meer und die Vögel unter dem Himmel und das Vieh und die ganze Erde und alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn und er schuf sie als Mann und Frau.

(SprecherIn C)  Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen:

(SprecherIn B) Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch dienstbar.

(SprecherIn C) Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte und siehe, es war sehr gut.

(SprecherIn A) Gebet: Lasst uns beten: Herr, allmächtiger Gott, durch dein Licht hast du Leben in die Welt gebracht. Du hast die Welt geschaffen und in der Welt den Menschen nach deinem Ebenbild. Hilf uns, dass  wir dein Licht des Leben immer wieder neu in unserer Welt erkennen. Das bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

(SprecherIn C)  Das Licht Gottes überstrahlt die Welt, doch der Mensch geht in seiner Freiheit eigene Wege. Die Frucht vom Baum der Erkenntnis, sie war verlockend, doch sie verloren die Unschuld des Gartens. So lebt der Mensch außerhalb des Paradieses und gestaltet sein Leben.

Es ist begleitet von Hass und Neid, von Schuld und auch von Gewalt der Menschen untereinander. Kain erschlägt Abel – eine Flut von Sünden bricht sich Bahn. Hören wir was Gott tut.

(SprecherIn B) Als Gott, der Herr, sah, dass die Bosheit der Menschen groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar, da reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen, und er sprach: (SprecherIn A        ) Ich will die Menschen, die ich geschaffen habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis auf das Vieh, denn es reut mich, dass ich sie gemacht habe. (Pause)

(SprecherIn B) Aber Noah fand Gnade vor dem Herrn. Da sprach Gott zu Noah:

(SprecherIn A        ) Mache dir einen Kasten aus Tannenholz.

(SprecherIn B        ) Und Noah tat alles, was Gott ihm gebot. Und der Herr sprach zu Noah:

(SprecherIn A        ) Geh in die Arche, du und dein ganzes Haus, denn dich habe ich gerecht erfunden vor mir zu dieser Zeit. Und nimm zu dir von allen Tieren je ein Paar, damit sie leben bleiben mit dir.

(SprecherIn B        ) Da kamen die Wasser der Sintflut vierzig Tage auf Erden und alle Tiere und Menschen gingen unter. Allein Noah blieb übrig und was mit ihm in der Arche war. Da gedachte Gott an Noah und alles Getier und Vieh, und er ließ Wind auf Erden kommen und die Wasser fielen. Nach Gottes Gebot ging Noah heraus und was mit ihm in der Arche war. Noah aber baute dem Herrn einen Altar und nahm von allem Vieh und opferte Brandopfer auf dem Altar.

Und der Herr roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen:

(SprecherIn A        ) ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um des Menschen willen, weil das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens böse ist von Jugend an. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

(SprecherIn C) Gebet: Lasst uns beten: Herr, allmächtiger und barmherziger Gott. Du gibst uns die Freiheit des Lebens und lässt uns wissen, was gut und böse ist. Doch können wir damit umgehen? Jeder Tag zeigt uns, wie sehr wir deine Führung brauchen als Menschen. So lass uns nicht untergehen in der Gewalt der Welt, zeige dein Erbarmen und hilf uns immer wieder, den Anfang des Friedens zu wagen. Das bitten wir durch Jesus Christus unsern Herrn. Amen

(SprecherIn B        ) Gott lässt den Menschen nicht allein. Er steht zu seinem erwählten Volk. Doch es gerät in Unterdrückung und Abhängigkeit. Die Freiheit der Kinder Gottes steht in Frage. Darum schreite Gott ein. Er schenkt seinem Volk einen neuen Anfang.

(SprecherIn A) Das Volk Israel musste in Ägypten Sklavenarbeit und Frondienste leisten. In ihren Gebeten riefen sie Gott um Hilfe aus der Bedrückung. Gott wählte Mose aus, sein Volk aus Ägypten zu führen. Gott sprach zu ihm:

(SprecherIn C) Ich bin der Gott, der für euch da ist. Mein Volk soll wissen, dass ich ihr Gott bin. Darum will ich sie retten vor den Ägyptern.

(SprecherIn A        ) Und so zogen sie los aus Ägypten nach Kanaan ins Gelobte Land. Der Pharao, der Königs von Ägypten, aber ließ die Israeliten verfolgen. Die Ägypter jagten ihnen nach mit Rossen, Wagen und Männern und mit dem ganzen Heer des Pharao und holten sie ein, als sie sich am Meer gelagert hatten. Als der Pharao nahe herangekommen war, hoben die Israeliten ihre Augen auf und siehe, die Ägypter zogen hinter ihnen her. Und sie fürchteten sich sehr und schrien zu dem Herrn und sprachen zu Mose:

(SprecherIn B        ) Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Da sprach Mose zum Volk:

(SprecherIn C) Fürchtet euch nicht! Steht fest und sehet zu, was für ein Heil der Herr heute an euch tun wird. Der Herr wird für euch streiten und ihr werdet stille sein.

(SprecherIn A        ) Als nun Mose nach Gottes Befehl seine Hand über das Meer reckte, ließ es der Herr zurückweichen durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken und die Wasser teilten sich. Und die Israeliten gingen hinein ins Meer auf dem Trockenen und das Wasser war ihnen wie eine Mauer zur Rechten und zur Linken. Und die Ägypter folgten und zogen hinein ihnen nach, alle Rosse des Pharao, seine Wagen und Männer mitten ins Meer. Als nun die Zeit der Morgenwache kam, sprach Gott zu Mose und der reckte seine Hand aus über das Meer und des Morgens kamen die Wasser wieder in ihr Bett und die Ägypter flohen ihnen entgegen. So rettete Gott sein Volk aus der Hand der Ägypter.

(SprecherIn B) Gebet: Lasst uns beten: Unfreiheit, Gefangenschaft, Unterdrückung – all das ist dir,  gütiger Gott zuwider, der du den Menschen für die Freiheit geschaffen hast. Du willst ihn nicht gebunden sehen, außer gebunden an dich und deine Barmherzigkeit. So hilf uns, alles einengende zu überwinden und die Menschen in die Freiheit zu führen. Das bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn.

Alle: Amen

(SprecherIn C) Dem Volk Gottes wurde ein neues Leben ermöglicht, in dem verheißenen Lande Gottes, in dem Milch und Honig fließen. Das Leben aber ist nicht paradiesisch, auch nicht gelobten Lande Gottes. Es ist begleitet von Angst, Leid und Verzweiflung. Das ist die lange Erfahrung der Menschen, die mit Gott auf dem Weg sind. So spricht Jeremia:

(SprecherIn B   ) Verloren ist mein Glanz und meine Hoffnung auf den HERRN. An mein Elend und meine Heimatlosigkeit zu denken, bedeutet Bitterkeit und Gift! Und doch denkt und denkt meine Seele daran und ist niedergedrückt in mir. Doch dies will ich mir in den Sinn zurückrufen, darauf will ich hoffen: Ja, die Gnadenerweise des HERRN sind nicht zu Ende, sein Erbarmen hört nicht auf, es ist jeden Morgen neu. Groß ist deine Treue. Mein Anteil ist der HERR, sagt meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen. Gut ist der HERR zu denen, die auf ihn harren, zu der Seele, die nach ihm fragt. Denn nicht für ewig verstößt der Herr, sondern wenn er betrübt hat, erbarmt er sich nach der Fülle seiner Gnadenerweise. Denn nicht aus tiefstem Herzen demütigt und betrübt er die Menschenkinder. Warum also murren die Menschen im Leben gegen Gott? Ein jeder schaue auf seine eigene Abkehr von Gott.

(SprecherIn A) Gebet: Lasst uns beten: Herr, barmherziger Gott. Unverständlich sind viele deiner Wege mit uns, ohne Antwort oft unser Klagen. Wir hören oft nur das Echo unserer Stimme, aber nicht die Antwort aus deinem Munde. Darum bitten wir dich, lass uns deine Stimme vernehmen, lass uns erkennen und unterscheiden, wo du mit uns sprichst, wo du uns Erbarmen zuteil werden lässt. Darum bitten wir dich durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen

(Wir gehen zum Taufbecken)

(SprecherIn B) Die Taufe ist die nächste Station unseres Osterweges. Die Taufe ist die Quelle des Lebens inmitten der übervollen Wüsten unseres Alltages. Wir wollen uns an unsere Taufe erinnern und hören, was Gottes Wort uns dafür mit auf den Weg gibt.

(SprecherIn A) Im Anfang schwebte Gottes Geist über den Wassern und weckte das Leben aus der Tiefe. Zeichen der Schöpfung und unserer Herkunft.

Dieses Leben fand seinen Untergang in der Sintflut. Doch Noah wurde aus ihr gerettet. Mose hat das Volk Israel aus der Knechtschaft durch das Wasser des Roten Meeres in das verheißene Land der Freiheit geführt.

Der Weg durch das Wasser ist beschwerlich, aber es ist das Zeichen der Rettung und der Verheißung für das neue Leben als das neuen Gottesvolk. In der die Freiheit der Kinder Gottes dürfen wir in diesem Zeichen leben und ohne Furcht sagen: Abba, lieber Vater.

(SprecherIn C) So nehmen wir das Wasser und gedenken der Gabe, die uns Gottes Geist mit der Taufe geschenkt hat. (Eingießen des Wassers.) Jesus Christus unser Retter ist selbst hinabgestiegen in das Wasser des Jordan, um in allem uns Menschen gleich zu werden. Er hat im Untertauchen Tod und Grab vorweggenommen, um danach im Gehorsam des Sohnes Gottes uns voranzugehen in ein neues Leben. So hat er das Wasser der Taufe geheiligt durch seinen Tod + und gibt uns in seiner Gnade Anteil an seiner Auferstehung.

(SprecherIn B) So schreibt der Apostel Paulus:

Wir sind auf Jesus Christus getauft.

Als man uns ins Wasser tauchte, geschah an uns derselbe Tod wie an Jesus Christus. Alles, was wir vorher waren, das ist nun, da wir getauft sind, tot und begraben, so wie Christus begraben war.

Und wie Christus durch die Macht des Vaters neues Leben empfangen hat aus dem Tod, so haben auch wir ein neues Wesen erhalten und sollen ein neues Leben führen.

Wir sind, als unser altes Wesen in der Taufe starb, zu Grunde gegangen wie er am Kreuz, nun werden wir ihm noch einmal ähnlich sein in der neuen, lichten Lebendigkeit, die ihm, dem Auferstandenen eigen ist.

Wir wissen, dass unser früheres Menschenwesen mit ihm gekreuzigt ist und dass der eigenmächtige Wille vernichtet wurde, damit wir dem Zwang, Unrecht zu tun, nicht mehr zu gehorchen brauchen. Denn Christus ist vom Tode auferweckt und wird nicht mehr sterben.

Der Tod hat keine Macht mehr über ihm. So steht es auch mit euch selbst.

Darum lebt durch und für die Gnade Gottes.

(SprecherIn A) Gebet: Lasst uns beten: Gütiger und barmherziger Gott, du hast allen, die an dich glauben, durch die Taufe ein neues Leben geschenkt. Lass uns mit dir verbunden sein durch die Taufe und erhalte unseren Glauben in deiner Gnade. Das bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen

(SprecherIn C) Wir sind durch die Taufe mit Christus begraben in den Tod, auf dass wir mit ihm in einem neuen Leben wandeln. Der alte Adam wird in uns durch tägliche Umkehr ersäuft, damit herauskomme und auferstehe ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Vertrauen vor Gott ewig lebe. Darum sagt Paulus: Seid ihr nun mit Christus begraben durch die Taufe in den Tod und auferstanden durch den Geist zum neuen Leben, so suchet, was droben ist, wo Christus ist, zur Rechten Gottes. Dies wollen wir bekennen mit den Worten des alten Taufbekenntnisses, des apostolischen Glaubensbekenntnisses

(SprecherIn B        ) Der Weg des Menschen, wie er in der Bibel beschrieben wird, geht weiter. Die Lebenserfahrungen bleiben. Doch es sind da die Verheißungen Gottes, die uns helfen, damit umzugehen. Die Bibel gibt uns Bilder an die Hand, mit denen wir hoffnungsvoll nach vorne schauen können. Eines der bedeutendsten Bilder ist das Bild des himmlischen Jerusalem, vom dem der Prophet Johannes schreibt:

(SprecherIn C) Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah eine die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine mächtige Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe, die Stätte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen und sie werden sein Volk sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein, denn das Alte ist vergangen. Und der auf dem Thron saß sprach: siehe ich mache alles neu! Ich bin das A und das O, ich bin der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen zu trinken geben aus der Quelle des Lebenswassers, durch meine Güte.

(SprecherIn A) Gebet: Lasst uns beten: Herr, wir gehen in unserem Leben ungewisser Zukunft entgegen, Ängste und Sorgen begleiten uns. Im Glauben aber ist die Zukunft nicht ungewiss, denn wir vertrauen darauf, dass wir dir allein entgegengehen. Lass uns dies nie aus den Augen verlieren, schenke uns die Hoffnung, die neu zu Wirken beginnt am heutigen Morgen. Das bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen

(SprecherIn B) Diese Nacht stellt uns das Wirken Gottes vor Augen. Seine Liebe zu seinem Volk hat nie aufhört. Menschen mögen uns dagegen wehren, wollen eigene Wege gehen, mögen seine Wege durchkreuzen, auch so wie bei Jesu am Karfreitag. Doch vor allem Gott selber durchkreuzt unsere Wege, wie am Ostermorgen im Garten des Joseph von Arimathäa geschehen. Darum hört die gute Botschaft, das Evangelium vom Auferstandenen Christus, dem gekreuzigten Jesus von Nazareth:

Lesung (Singen) des Evangeliums.

Lit.: Ehre sei Gott in der Höhe ...

Gem: Allein Gott in der Höh sei Ehr ....

Austeilen des Lichtes in der Gemeinde, Anzünden der Kerzen am Altar, Glocken läuten

Lied 99  -  Predigt  -  Lied  229,1-3  Abendmahlsfeier

Hab Dank für diese Nacht der Auferstehung, hab Dank für alles, was du uns darin geschenkt hast. Dein Licht, das in unsere Dunkelheiten kommt und sie erhellt, gibt Hoffnung. Und wir feiern diese Hoffnung, wenn wir in Brot und Wein deine Nähe spüren dürfen und unser Leben neu werden kann.

So geh mit uns durch diese Nacht in den neuen Tag, geh hindurch durch alle Nächte und Tage unseres Lebens. Halte uns mit dir und untereinander verbunden, auch dort, wo wir uns trennen, wo wir uns verlieren. Führe du uns zusammen, so wie Jesus Christus seine Jünger verbunden hat, als er am letzten Abend mit ihnen zusammengesessen hat.

Einsetzungsworte

Dein heiliger Geist komme nun über uns, gütiger Gott, er führe uns auf den Weg des Lebens und überwinde allen Tod in uns und um uns. So erneuere uns in lebendiger Hoffnung auf dich.

Vaterunser

Austeilung

Lied 115,1-2

Fürbitten

Jesus Christus, du bist die Auferstehung und das Leben. Dich loben wir, dir danken wir.

Du bist das Licht mitten in der Dunkelheit, die Stimme in sprachlosem Schweigen, die Wärme in tödlicher Kälte, die Bewegung in lähmender Starre, das Heil in verletzendem Streit. Dich bitten wir um das Leben, das dem Tod widerspricht.

So bitten wir, daß die Botschaft der Engel auch uns erreicht und wir den Weg finden, den du uns vorausgegangen bist, daß wir nicht stehenbleiben bei der Klage über das Dunkel, sondern selbst das hereinbrechende Osterlicht wiederspiegeln.

Wir bitten, daß wir als Menschen leben, deren Leben wieder eine Chance bekommen hat, die noch einmal neu anfangen können.

Wir bitten für alle Menschen, die denen beistehen, deren Leben vom Tod bedroht ist, für alle, die Kranke pflegen und Sterbende begleiten, für alle, die den Kreislauf der Gewalt durchbrechen, für alle, die mithelfen, Feindbilder abzubauen und sich bemühen, auch in Feindin und Feind Gottes Geschöpf zu entdecken.

Wir bitten für alle, die dem Tod widerstehen, weil sie das Leben lieben und von dir, Gott, leben lernen. so lass es Ostern bei uns werden, innerlich, äußerlich, für uns und andere.

Das bitten wir durch Jesus Christus, den Auferstandenen, das Licht des Lebens in Ewigkeit. Amen

Segen  -  100,1-5

 

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe
Osternacht 2002

1.4.2002

Liturgischer
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