| Predigt | NT |
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Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Die Liebe ist die größte unter ihnen. Diesen Satz haben wir vermutlich alle schon einmal gehört. Er ist uns vertraut. ER stammt, wie wir gehört haben, aus dem Hohen Lied der Liebe, das Paulus der Gemeine in Korinth geschrieben hat. Wir hören diesen Text sehr oft bei Trauungen. Paulus hat ihn nicht zur Hochzeit eines ihm vertrauten Paares geschrieben. Er hat ihn nicht in verliebter Zeit geschrieben und auch nicht für Verliebte, sondern er hat sie geschrieben in einer Zeit des Streites und der Auseinandersetzung. Ich hab es schon bei manch anderer Predigt über einen Text aus dem Korintherbrief mal benannt, in Korinth gab es viele Spannungen in der Gemeinde. Einzelne Menschen und Gruppierungen wollten sich hervortun, wollten ihre eigenen Gedanken höher stellen, als die des Paulus. Es gab eine Konkurrenzsituation zwischen Menschen und deren Anhängern. Wer hat das Sagen, wer hat das größte Ansehen? Und Paulus geriet dabei mächtig in die Schusslinie. Der Gründer der Gemeinde wurde also in eine Verteidigungssituation gebracht. Er musste um seine Position kämpfen. Wir wissen zwar wenig darüber wie es damals wirklich zuging, wir haben ja nur die Briefe des Paulus. Aber aus dem kann man entnehmen, dass Paulus im Kampf um seine Gedanken und um sein Ansehen, sehr zurückhaltend damit war, sich selber in den Vordergrund zu stellen. Die Briefe machen deutlich, dass Paulus wirklich ein Theologe war, der versucht hat, die Auseinandersetzung im Denken von Gott her zu führen. Von daher ist auch das Hohelied der Liebe entsprechend zu verstehen. Es geht ihm um eine geistliche Auseinandersetzung mit den Ereignissen in der christlichen Gemeinde in Korinth. Paulus wird angegriffen, weil die anderen meinen, dass er in seinen Gaben nicht viel zu bieten gehabt hat, dass aber die neuen Führer der Gemeinde doch viel mehr können. Zum Beispiel besser Reden. Sie können sogar Engelsgleich in Zungen reden. Das war so eine Art lallen, das als geistliches Reden verstanden wurde. In manchen pfingstlerisch und charismatisch geprägten Christlichen Gruppierungen heutiger Zeit findet man solcher Art Gebet auch heute noch. Paulus wurde also recht negativ dargestellt. Wie antwortet er nun darauf? Er antwortet darauf, in dem er danach fragt, was macht eigentlich menschliches Handeln in christlicher Gemeinde aus? Was muss das sein, was dazu gehört, um aufbauendes, zusammenführendes und auch wirksames Handeln in Gemeinschaft zu ermöglichen. Und da war es das Stichwort Liebe, das ihm wichtig geworden war. Wenn ihr großartig redet, wenn ihr es schafft, Menschen zu überzeugen für eure Sache, wenn ihr großartig lallend so dasteht, als ob die himmlischen Mächte durch euch sprechen und von daher eine große Anhängerschar auf euch zieht, aber ihr habt die Liebe nicht, was seid ihr dann mehr als ein tönendes Erz und eine klingende Schelle. Was seid ihr dann mehr als Ton, der gehört wird, aber dann im Nichts verklingt. Ein kurzer Klang, der vergeht und nicht mehr weiter wahrgenommen wird. Wenn ihr prophetisch reden könnt, wenn ihr Vorhersagen trefft, ihr warnt und mahnt, was alles kommen könnte, ohne Liebe ist das nichts. Und das gilt auch für die Weisheit, die Erkenntnis, ja wenn die Welt wie ein offenes Buch vor euch läge – und hättet die Liebe nicht, ihr wäret nichts. Und selbst wenn ein Glaube da wäre, der Berge versetzten könnte, bei fehlender Liebe wäre auch der nichts. Und ähnliches gilt von sozialem Engagement und Einsatz bis hin zum Märtyrertum, ohne Liebe wäre es nichts nütze. Die Liebe ist die Mitte in all unserm Tun – so habe ich in einem Lied zu diesem Text gesagt. Ohne Liebe ist unser Tun nichts. Großartige Redner gab und gibt es viele. Doch bringen sie ihre Gabe dazu ein, etwas nach vorne bringen, was von der Liebe durchdrungen ist. Mir stehen dabei die Redner des Nationalsozialismus vor Augen. Goebbels, der hohe rhetorische Fähigkeiten hatte. Die Massen jubelten, wollten ihn hören. Und ähnlich andere charismatische Führer, die oft diktatorisch handeln. Menschen- und Engelszungen glaubten und glauben viele zu hören, doch wie oft bringen diese Menschen Unheil, weil ihrem Denken und Handeln etwas fehlt: nämlich die Liebe. Aber mir fallen auch andere Menschen ein, wie Martin Luther King oder Dietrich Bonhoeffer, die ebenfalls eine große Ausstrahlung hatten, doch ihr persönliches Ansehen stellten sie hinten an. Sie waren durchdrungen von dem Ziel, die Wahrheit Gottes im konkreten Handeln umzusetzen. Dazu bedarf es einer Grundhaltung, die man sich nicht einfach so aneignen kann, sondern die von außen auf uns zukommt. Es ist die Liebe, die Liebe Gottes, die Menschen ergreift, eine Liebe, die dazu führt, dass im alltäglichen Leben etwas sichtbar wird von dem ganz Anderen dieser Wirklichkeit Gottes. Wenn im Reden derer, die Ansehen und Einfluss haben, die Liebe Gottes fehlt, dann ist das, was dort geschieht nichts wert, dann ist es nichts nütze. Das klingt jetzt etwas absolut, etwas überzogen, aber lohnt sich, es einmal anzuwenden. Und diese Woche zum Beispiel ist das für mich geschehen in dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Berechnung der Hartz IV-Gelder. Natürlich kann ein Verfassungsgericht nur danach fragen, ob Gesetze verfassungsgemäß sind und danach hat es geurteilt. Aber für mich steckt da auch etwas drin, was für politisches Denken und Handeln im Angesicht der Bibel wichtig ist. Gottes Liebe gilt dem Menschen. ER will, dass allen Menschen geholfen wird, dass die Menschen getrost und hoffnungsvoll leben und sich entwickeln können. Um das Herz, um die individuelle Entwicklung des Menschen geht es Gott, wenn es um seine Liebe geht, die in Zuspruch und Anspruch laut wird. Darum gibt Gott dieser Welt auch Ordnungen und Strukturen, z.B. in Geboten und Weisungen. Insofern ist es auch immer wieder eine Frage, ob unsere Ordnungen begleitet sind von der Liebe Gottes. Wenn es um die Entwicklung von Kindern geht, darf es eben nicht so sein, dass sie kleine Erwachsene sind, sondern dass sie besondere Hilfe und Entwicklungsförderung brauchen. Liebe heißt, dass wir Kinder als Kinder ernst nehmen müssen, dass sie entsprechend gefördert werden müssen. Unsere Strukturen in der Begleitung der Kinder sind oftmals lieblos, weil sie nicht nach den Menschen fragen, sondern oft genug nur nach dem Geld, das zur Verfügung steht. So las ich vor ein paar Tagen in einer Zeitung, dass die Förderung der Kinder im schulischen Bereich auf den Niveau der 50er Jahre stehen geblieben ist. Lehrer und Schulen werden bezahlt, aber darüber hinausgehende Förderungen hängen weiterhin am Geldbeutel der Eltern. Die Armen erhalten keinerlei besondere Förderung, wenn es schwierig wird. Und wer keine Nachhilfe bezahlen kann, der muss eben die Schule wechseln. Ein anderes Beispiel: 25 Kinder in einer Kindergartengruppe. Festgeschrieben in entsprechenden Gesetzen. Eine qualifizierte Erzieherin als Erstkraft, eine weniger gut ausgebildete Kinderpflegerin als Zweitkraft, das spart Geld. Und gleich was für Kinder in der Gruppe sind, gleich welche individuelle Förderung die Kinder bräuchten, es wird alles nach diesem Maßstab geregelt. Natürlich macht es Sinn und ist auch richtig, dass es diese Maßstäbe gibt, doch nützen sie etwas, wenn nicht auch die Liebe zum Tragen kommt, die Liebe, die den einzelnen gilt und seine Förderung vor Augen hat? Wir haben, was den Umgang mit den Kindern angeht, viele Möglichkeiten, aber auch viele lieblose Strukturen, die es besonders denen schwer macht, die es sowieso schwerer haben in ihrem Leben einen guten Weg zu finden. Und hätte die Liebe nicht – es wäre alles nichts, urteilt Paulus, und macht damit deutlich, dass die Liebe ein Kriterium ist, das nicht nur die Zweierbeziehung von Menschen angeht, sondern das auch in vielen anderen Bereichen unseres menschlichen Lebens seine Bedeutung entfaltet. Wobei es nicht darum geht, einem persönlichen Liebesgefühl zu folgen, sondern sich von Liebe leiten zu lassen, nämlich von der Liebe, die Gott schenkt. Paulus redet in seinem Text nicht von gefühlsbetonter Liebe zwischen zwei Menschen, sondern er spricht von Gottes Liebe, die anders und weitreichender ist als die Unsere. Gottes Liebe ist langmütig, geduldig, sie gibt den Menschen nicht auf. Wir geben oft sehr schnell auf, erwarten von Menschen keine Veränderung. Gut das Gott da anders ist. Gottes Liebeshandeln ist nicht das Handeln eines aufgeblähten Menschen, der sich mit seinem Guttun nur in den Vordergrund spielen will. Gottes Liebe sucht nicht den eigenen Ruhm, Gottes Liebe sucht die wirkliche Beziehung, die Anerkennung des anderen, die Bedeutung des anderen in seinem Anderssein. Menschliche Liebe hat oft genug auch sehr eigensüchtige Ziele. Gottes Liebe lässt sich nicht erbittern – sie rechnet das Böse nicht zu. Das heißt nicht, dass man mit Gott machen kann, was man will. Die Geschichte des Volkes Israel ist auch eine Geschichte der Enttäuschungen Gottes. Und doch bleibt er bei seinem Volk, bleibt er bei seiner Liebe, die in Jesus Christus ihren Höhepunkt erhält und darin, dass Jesus gerade denen den Weg zu Gott ebnet, die sich gegen ihn gestellt haben in ihrem Denken und Handeln, die Gott nicht gelten lassen. Seine Liebe lässt sich davon nicht erbittern und sie wendet sich nicht ab, sondern sucht immer wieder den anderen, sucht den Kern des anderen, um ihm zu neuem Leben zu verhelfen. Wir Menschen können, so groß unsere Liebe auch ist, nicht alles ertragen, nicht alles erdulden – wir haben da unsere Grenzen. Wie gut, dass Paulus uns sagt: ja, du hast da deine Grenzen, deine Liebe reicht dazu nicht aus. Aber es gibt eine Liebe, die ist größer als deine Liebe, und darum lass diese Liebe in dein Leben ein, lass sie wirken in deinem Handeln und Denken, lass diese Liebe wirksam sein, wo du tätig bist. Hoffe alles, weil Gott Zukunft hat, erdulde, weil Gott Geduld hat. Rechne das Böse nicht zu, denn auch Gott vergibt dir. Stelle dich gegen die Ungerechtigkeit, hab Freude an der Wahrheit, weil Gottes Liebe sich der Ungerechtigkeit entgegenstellt, weil Gott die Wahrheit sucht. Lass so die Liebe Gottes wirksam sein in deinem Leben, die eben größer ist, als alle Liebe, die aus uns in uns ist. Gottes Liebe ist höher als unsere. Und wenn auch unsere Liebe aufhört, Gottes Liebe nicht. Alles nimmt einmal ein Ende, alles ist brüchig und Stückwerk, nur eines nicht, und das ist die Liebe Gottes. Darum sagt Paulus zum Schluss: Wenn alles vergeht, am Ende bleiben drei Tugenden: der Glaube, die Hoffnung und die Liebe, diese drei. Sie vergehen nicht, sie haben bestand über alle Veränderungen hinweg und sei es das Ende der Welt. Doch am bedeutendsten von diesen drei Tugenden ist die Liebe, die Liebe die von Gott kommt, die Liebe, die wir nicht herstellen können, sondern die wir uns nur schenken lassen können. Heute am Valentinstag stehen die Liebenden im Mittelpunkt. Blumen und kleine Geschenke drücken die Liebe unter Menschen aus. Hier im Gottesdienst wird dies noch erweitert, indem wir hören dürfen: über der menschlichen Liebe steht die Liebe Gottes. Sie gibt unserem Leben die Fülle und schenkt uns eine wichtige Perspektive für unser Leben. Nehmen wir sie an und geben wir sie weiter. Amen Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied: Gott, die Burg in meinem Leben Bunte Fäden in meinem Leben Nr. 10 Psalm 31 – EG NsB 716 mit Liedruf : Ich hoffe auf dich v. J. Grote - Du bist da Liederbuch L 40 Eingangsliturgie Gebet Lesung 1. Kor 13, 1-13 Lied Glaube, Hoffnung, Liebe - Bunte Fäden in meinem Leben Nr. 7 Lesung Mk 8, 31-38 Glaubensbekenntnis Lied 613,1-3 Predigt Lied 401,1-5 Abkündigungen Fürbittengebet Gütiger Gott! Wir danken dir, dass du uns in Liebe begegnest. Wir wissen, bei dir sind wir angenommen, mit all dem, was uns ausmacht, was uns bewegt, belastet oder erfreut. Darum kommen wir zu dir und bitten dich für die Menschen. Sei du bei denen, denen die Liebe anderer abhanden gekommen ist. Zeige deine Liebe und richte sie auf, stärke sie in dieser Zeit. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten dich für alle, die lieblos handeln, dass sie erkennen, dass ihr Tun – auch wenn es vordergründig persönlich hilfreich ist – letztlich nichts nütze ist. Hilf ihnen von deiner Liebe zu lernen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir beten für alle Menschen, die Verantwortung tragen in Politik, Wissenschaft, Lehre und Forschung, dass ihr Tun begleitet ist von der Sorge um die Menschen, von der Liebe zu den Menschen. Lass Entscheidungen geprägt sein von deiner aufbauenden Liebe zu den Menschen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Wir bitten für alle, die betroffen sind, von den lieblosen Strukturen dieser Welt, dass sie Kraft haben, dies zu zeigen, dass sie Augen öffnen für die anderen Möglichkeiten, die du Gott schaffst und willst. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Gott, wo wir deiner Liebe nicht entsprechen, da sei du gnädig mit uns, vergib uns und führe uns auf deinen Weg. Hilf uns, diese Welt liebevoller zu gestalten im kleinen wie im großen. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich. Vaterunser Segen 163
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