| Predigt | NT |
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möchte zu Beginn meiner Predigt etwas mit ihnen machen. Ich möchte, dass sie dieses Wollknäuel nehmen, sich ein wenig davon um den Finger wickeln und es dann zum Nachbarn weitergeben. Am Ende sollen alle, die hier unten sitzen, mit diesem Blauen Band verbunden sein. Probieren wir, wie das am besten geht. Ich habe bei der Vorbereitung dieser Predigt gelesen, dass im Zentrum des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf in einem großen Versammlungsraum einen besonderen Boden gibt: Mit Mosaiksteinchen sind überall zwischen den Stühlen blaue Wellenlinien gelegt. Sie stehen für eine ganz entscheidende Tatsache. Sie sind Symbol dafür, dass alle Christen durch die Taufe miteinander verbunden sind. Die Christen, die sich dort versammeln, sollen niemals vergessen, dass bei allen Meinungsverschiedenheiten, allen unterschiedlichen Bekenntnissen und Betonungen von Glaubensinhalten und der hier und dort völlig anderen liturgischen Ausgestaltung der Gottesdienste doch das gilt, was der Apostel Paulus in diese Worte fasst: "Wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft ...!" Unser blaues Band soll dies ein wenig nachbilden. Wir haben es sichtbar vor Augen: wir sind durch miteinander verbunden, wir sind durch die Taufe. Die Taufe ist daher ein sehr bedeutendes Zeichen innerhalb der Christenheit. Es ist nicht nur die persönliche Zueignung des Heils an uns Menschen, es ist nicht nur Ausdruck des Glaubens der Eltern, Ausdruck der Hoffnung, dass Gott sich um diesen getauften Menschen in besonderer Weise kümmern möge. Es ist auch das große Zeichen der Einheit und Gemeinschaft der Christen. Getauft sein heißt mit Christus verbunden zu sein. Getauft sein, das heißt: du gehörst zum Leib Christi, du bist Teil dieses Leibes. Und du hast deinen Platz darin, den Platz den Gott für dich bereitet hat. Darum bist du auch verbunden mit allen anderen die getauft sind, mit allen anderen, die an Jesus Christus glauben. Paulus beschreibt diese Verbundenheit in seinem Brief auch noch näher, denn er möchte, dass in der Gemeinde Korinth, in der es viele Einzelgruppen gab, die untereinander zerstritten waren, die Menschen wieder aufeinander achten und einander als Gemeinschaft sehen, die füreinander da ist und füreinander einsteht. Ihr seid der Leib Christi, so sagt er. Und so ein Leib der hat viele Glieder. Und jedes dieser Glieder hat da seine Funktion. Das finde ich eine tolle Aussage. Vor allem weil er all denjenigen Mut macht, die, weil sie nicht so sind wie andere, nicht deren Möglichkeiten und Fähigkeiten haben, von sich meinen, sie gehören nicht dazu. Vielleicht werden sie ja sogar an den Ran gedrängt von den anderen. Ihnen sagt Paulus: Der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele. Wenn aber der Fuß spräche: Ich bin keine Hand, darum bin ich nicht Glied des Leibes, sollte er deshalb nicht Glied des Leibes sein? Und wenn das Ohr spräche: Ich bin kein Auge, darum bin ich nicht Glied des Leibes, sollte es deshalb nicht Glied des Leibes sein? Auch wenn wir selber unsicher sind, wenn wir selber nicht so recht wissen, wo mein ganz persönlicher Platz sein kann, so sagt Paulus: Du gehörst dazu. Du bist getauft. Gott hat dich mit in diesen Leib hineingenommen, weil er dich braucht. Er braucht dich mit deinen Gedanken, mit deinen Worten, mit deinen Emotionen und deinen Taten. Nicht jeder kann alles. Nicht jeder muss jede Position ausfüllen. Paulus hat erkannt, wie wichtig es ist, dass es vielfältige Gaben gibt, die alle eingebracht werden können in den Leib Christi, in das Wirken der Menschen für andere. Was wäre das für eine Kirche, in der alle dasselbe machen würden? Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo bliebe das Gehör? Wenn er ganz Gehör wäre, wo bliebe der Geruch? Nun aber hat Gott die Glieder eingesetzt, ein jedes von ihnen im Leib, so wie er gewollt hat. Wenn aber alle Glieder ein Glied wären, wo bliebe der Leib? So fragt Paulus in seinem Bild und macht auf eindrückliche Weise deutlich, dass die Vielfalt die Lebendigkeit der Kirche und damit die Lebendigkeit des Glaubens ausmacht. Kirche war nach dem Bild des Paulus nie eine einförmige Gemeinschaft, gerade die Unterschiedlichkeit, die Fähigkeit bei gleichen Glaubensgedanken doch auch jeweils den Lebenssituationen angemessen unterschiedlich handeln zu können, das macht lebendige Kirche aus. Das hat auch eine Kehrseite. Denn in der Tatsache, dass die Kirche so vielfältig ist, auch die evangelische Kirche in sich so unterschiedlich wahrgenommen wird, fehlt es vielleicht ein wenig an Eindeutigkeit, die zu einer klaren Orientierung gehört. Das ist wie bei einer alten Geschichte, wo Blinde an einen Elefanten gestellt werden. Sie sollen beschreiben, wa ein Elefant ist. Der erste geriet an das Bein des Elefanten, und er berichtete, dass der Elefant ein Baumstamm sei. Der zweite, der den Schwanz erfasst hatte, meinte, das Tier sei so dünn wie ein Seil; es müsse eine Schlange sein, von der er schon gehört hatte. Der dritte hatte ein Ohr ergriffen und so stand für ihn fest, dass der Elefant so flach wie ein Palmenblatt sein müsse. Der vierte fasste einen Stosszahn und er war überzeugt, dass das Tier wie ein Speer aussehen müsse. Der fünfte berührte seine Seite, und er meinte zu wissen, dass das Tier wie eine Wand sei. Jeder hatte seine Vorstellung, seine Überzeugung, lag aber doch völlig daneben. Jeder berührte nur einen kleinen Teil und schloss von da auf den ganzen Elefanten. Und so ist das auch beim Leib Christi: es ist nicht alles Auge oder Ohr, nicht alles Fuß oder Hand. Eine Kirche, die nur predigt, und die Hilfe für die Armen fehlen lässt, wäre keine christliche Kirche. Eine Kirche, in der nur Fromme ihren Platz haben, wird geistlich starr und unbeweglich. Eine Kirche, in der alles gleichgültig ist, verliert ihre Kraft und ihre Mitte. Eine Kirche in der nur Kinder Platz haben, mag lebendig und fröhlich sein, aber Christus hat nicht nur die Kinder gesegnet, er war für alle Menschen da. Eine Kirche, die nur auf die Alten schaut, in ihnen ihren Halt sieht, enthält den Kinder und jungen Erwachsenen die wichtige Botschaft des Evangeliums vor. Ein Kirche, die nur politisch aktiv ist, sich sozial engagiert und manches erreicht, sie ist wichtig, doch es braucht auch die Ansprache des Inneren, die ganz persönliche Begleitung des Einzelnen. Eine Kirche braucht nicht nur Prediger, die gut reden können, sie braucht auch Rechner, die mit dem Geld gut haushalten können, sie braucht Praktiker, die sich einbringen in die organisatorischen Dinge. Sie braucht Denker und Beter, sozial engagierte und persönlich begleitende, sie braucht junge und alte Menschen, sie braucht die Armen genauso wie die Reichen. Ihr alle, jeder einzelne von uns hat seinen Platz in der großen christlichen Gemeinschaft. Die einen an vorderer Stelle, oft sichtbar und bekannt, andere die lieber im Hintergrund wirksam sind, aber sich bewusst für die Gemeinschaft einsetzen. Und das kann auch zu unterschiedlichen Zeit sehr unterschiedlich aussehen. Da gab und gibt es Zeiten, wo Kirche näher steht, wo man aktiv mitgestaltet, dann wieder Zeiten, wo freundliche Distanz angesagt ist. DA gibt es Zeiten der Glaubenstiefe und Zeiten der Zweifel. Es gibt Zeiten, da kann ich viel einbringen, zu anderenZeiten ist das nicht so möglich. Und doch weiß ich, ich gehöre zu diesem Band, ich gehöre in die Gemeinschaft, die mit mir verbunden ist, die mich trägt und die ich mittrage. Wir sind ein Leib. Und das gilt in der Kirche besonders für diejenigen, die nicht so aktiv und stark sein können. Paulus schreibt: Nun aber sind es viele Glieder, aber der Leib ist einer. Das Auge kann nicht sagen zu der Hand: Ich brauche dich nicht; oder auch das Haupt zu den Füßen: Ich brauche euch nicht. Vielmehr sind die Glieder des Leibes, die uns die schwächsten zu sein scheinen, die nötigsten; und die uns am wenigsten ehrbar zu sein scheinen, die umkleiden wir mit besonderer Ehre; und bei den unanständigen achten wir besonders auf Anstand; denn die anständigen brauchen's nicht. Aber Gott hat den Leib zusammengefügt und dem geringeren Glied höhere Ehre gegeben, damit im Leib keine Spaltung sei, sondern die Glieder in gleicher Weise füreinander sorgen. Hier spricht Paulus etwas an, was Kirche immer schon ausgezeichnet hat. Die Stärke der Kirche liegt darin, dass nicht die Ehre und Kraft der Einzelnen im Mittelpunkt stehen, sondern der schwache Mensch, der am Rande. Der Einsatz für diese Menschen ist Kernpunkt des christlichen Glaubens, auch wenn so manche äußere Erscheinungsform in der Kirche manchmal eine andere Sprache spricht. Nicht der Prunk, nicht die Ehre und Macht der Kirchenoberen ist wichtig, sondern ob der Leib Christi das schwächste Glied genauso achtet, wie ein starkes. Das ist ein wichtiger Maßstab für christliches Handeln. Darum ist das blaue Band, das uns heute verbindet auch ein ganz wichtiges Zeichen. Auch wenn wir es gleich wieder abnehmen, es ist ein Bild dafür, dass wir Christen unabhängig von unserem Stand, unabhängig von unseren ganz persönlichen Möglichkeiten für einander da sein mögen, besonders für diejenigen, die in der Stärke des Lebens unterzugehen drohen. Die „Hilfe für Janek“ ist für mich deshalb ganz lebendiger Ausdruck christlicher Gemeinschaft und der Verbundenheit des Leibes Christi. Aber ich würde auch noch einen Schritt weiter gehen. Dieser Einsatz für die Schwachen ist nicht nur ein Beispiel des Zusammenwirkens im Leib Christi, sondern es geht darüber hinaus. Kirche darf nicht nur an sich selber und an seine Mitglieder denken, sondern an alle Menschen. Der durch die Taufe zusammengeführt Leib Christi ist nicht für sich selber da, auch wenn wir viele Aufgaben haben, die innerhalb dieser Gemeinschaft zu erledigen sind. Wir sind in der Welt für diejenigen da, die zu kurz kommen, die am Rande der Gesellschaften stehen, denen der Bezug zur Gemeinschaft fehlt. Sie zu suchen, ihnen entgegen zu kommen, auf sie zuzugehen und ihnen Ehre, Achtung, Anerkennung und Hilfe zukommen zu lassen, das ist eine wichtige Aufgabe dieses Leibes Christi. Und dies ist auch ein Weg Menschen einzubinden, so wie es uns das blaue Band heute ganz lebendig vor Augen stellt. Das Band der Taufe schafft Gemeinschaft und ruft auf, die daraus entstehende Verantwortung wahr zu nehmen und die Gemeinschaft zu erweitern, im Dienst für die Menschen und im Dienst für Gott. In einem alten Text heißt es: Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun. Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen. Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen. Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen an seine Seite zu bringen. Amen Liturgischer Ablauf Orgelvorspiel Lied: 443,1-4 Aus meines Herzen Grunde Psalm Ps 19, 10-15 Eingangsliturgie Gebet EGb _S. 393 Gebet 2 Lesung: 1 Kor 12, 12-27 Lied 265,1-5 Nun singe Lob, du Christenheit Lesung: Mt 5, 38-48 Glaubensbekenntnis Lied: L 20, 1-4 Wir bitten dich, schenk uns Weisheit Predigt Lied 268,1-5 Strahlen brechen viele Abkündigungen Fürbittengebet Himmlischer Vater, wir bitten dich:
Schenke uns Liebe,
Schenke uns Hoffnung,
Schenke uns Barmherzigkeit,
Schenke uns ein weites Herz,
Schenke uns Gelassenheit,
Schenke uns Glaube, Schenke uns Gemeinschaft, damit wir anderen eine Heimat sein können. Schenke uns Weisheit, damit wir dich erkennen lernen. Vaterunser Segen 163
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