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1. Kor 1, 26-31

Am Freitag war der Heilige Drei Könige Tag. Die Geschichte von den Heiligen drei Königen, die der Evangelist Matthäus erzählt, ergänzt die Weihnachtsgeschichte des Lukas auf schöne Weise. Wie gut, dass die Bibel nicht nur eine Weihnachtserzählung enthält, sondern verschiedenste Facetten erzählt.
Drei Magier aus dem Morgenland machen sich auf den Weg, weil sie gesehen haben, dass ein besonderer Stern einen neue König ankündigt. Diesem König wollen sie nun huldigen. Im Laufe der Zeit sind aus den Magiern Könige geworden. Und das hat gewiss seinen guten Grund, der in der Botschaft dieser weihnachtlichen Geschichten zu suchen ist.
Zwei ganz unterschiedliche Gruppen werden benannt, wenn es darum geht, dass das Kind in der Krippe seine ersten Anhänger findet. Lukas erzählt von den Hirten. Sozial gesehen stehen sie ganz unten in der Hierarchie des Landes. Sie haben kaum soziale Bindungen, stehen eher für sich alleine, müssen sich so durchs Leben schlagen. Die Hochangesehenen, die mit Geld und Gut, mit Weisheit und Reputation, die sind in den Städten zu finden. Kaufleute, Gelehrte, politisch einflussreiche Menschen, sie gelten als die besonderen Menschen. Doch nicht ihnen wird die nächtliche Weihnachtsbotschaft zuteil, sondern denen, die auf dem Felde die Tiere versorgen, die, die am Rande der Stadt hausen, die keiner ums ich herum haben will. Sie hören als Erste die Botschaft vom Frieden, von der Liebe Gottes, vom Kind in der Krippe, das Gottes Sohn ist und seine Wirklichkeit in die Welt trägt. Ob diese Botschaft wohl bei den richtigen ankommt?
Für Lukas zumindest waren es die richtigen. Gottes Hinwendung zu den Armen, seine Liebe zu den Ausgestoßenen, seine Umkehrung des Ansehens in der Welt steht schon am Anfang der Lebensgeschichte Jesu fest. Gott ist der Gott für diejenigen, die am Rande stehen, die keinen sozialen Raum in der Gesellschaft haben. Insofern kam die Botschaft zuerst zu den Richtigen, zu denen, die die gute Botschaft von der Liebe Gottes am dringendsten brauchten. Und das ist ein fester Bestandteil der Weihnachtsbotschaft und der gesamten christlichen Botschaft: der Einsatz für die Armen, für diejenigen, die nichts haben, denen wichtiges im Leben fehlt, gehört zum Kern der Liebe Gottes, die wir in dieser Welt weiter tragen sollen.
Und dann gibt es da die andere Geschichte, die von den Weisen aus dem Morgenland, die im Laufe der Zeit zu Königen stilisiert wurden. Sie erzählt von einer ganz anderen Menschen. Weise werden sie genannt, also Menschen, die ihren Verstand sehr geschärft hatten, die Möglichkeiten zur Bildung hatten und die mit ihrer Bildung auch etwas angefangen haben. Oder eben Könige. Menschen die Macht haben, die Einfluss haben, Menschen, die eigentlich nicht auf andere angewiesen sind, sondern die andere von sich abhängig machen, die etwas zu sagen haben, die gestalten können, die die Welt bestimmten. Und solche Leute machen sich auf den Weg, um vor dem Kind in der Krippe nieder zu knien. Und das ist ja ein ungeheures Zeichen, das da gesetzt wird: die Weisen, die Angesehenen, die Machtvollen und Einflussreichen, sie sehen nicht auf ihre Größe, bestehen nicht auf ihr Ansehen und ihre Macht, sondern sie machen sich gering, machen sich klein, sehen, dass ihre Macht, ihr Ansehen und Einfluss letztlich nichts ist gegen den, der in der Krippe liegt. In Christus liegt die wirkliche Macht des Lebens. In dem Kind in der Krippe ist die wirkliche Weisheit zu finden. In Gottes Liebe ist die Macht dieser Welt offenbar und nicht in den äußeren Zeichen dieser Welt. Reichtum, wirklicher Reichtum besteht nicht in den Gütern dieser Welt, so wertvoll sie auch sind: Gold, Weihrauch und Myrre – sie sind Gott zu übereignen, dort haben sie ihre Bedeutung, auch wenn die Welt es oftmals anders sieht.
Die Weisen und Mächtigen, sie beugen sich vor der Macht und der Weisheit Gottes und anerkennen, dass dort allein das entscheidende Wort über die Menschen und die Welt gesprochen wird. Was für eine grandiose Botschaft, die die Bibel da enthält.
Und gerade in dieser Spannung zwischen Lukas und Matthäus wird die Bedeutung der biblischen Botschaft vom Kommen Gottes in die Welt so deutlich: die Kleinen werden groß und stark gemacht – die Großen erkennen im Gegenüber zu Christus, dass ihre Größe nur relativ ist. Vor Gott sind alle Menschen gleich, hier gibt es kein oben und unten, kein klein und groß. Was den Menschen ausmacht, das ist die Liebe Gottes, die Würde, die allein Gott verleiht und er gibt sie dem ärmsten und schwächsten in der Welt genauso, wie dem vermeintlich Größten und Stärksten in den Augen dieser Welt. Und deshalb gibt es keine Unterschiede.
Und das erzählen in den 80er Jahren des 1. Jahrhunderts die beiden Evangelisten Lukas und Matthäus der Welt und wir hören diese Botschaft aus der Bibel jedes Jahr zu Weihnachten neu.
Vor der Predigt haben wir die Worte des Paulus gehört. Irgendwo um das Jahr 50 herum hat er seinen Brief geschrieben an die Christen in Korinth. Es war eine Gemeinde, die er gegründet hatte und in der es schon nach kürzester Zeit leider Auseinandersetzungen gab. Unter anderen darum, dass Menschen bestimmtes Ansehen haben wollten, indem sie sich z.B. darauf beriefen, wer sie getauft hat. Damit wollten sie ihre Bedeutung hervorheben. Doch ganz so wie Lukas und Matthäus es auf ihre Weise erzählten, so machte Paulus deutlich, dass der christliche Glaube eine ganz besondere Sicht der Menschen hat.
Schaut euch doch mal an, euch die euch als von Christus berufene versteht. Schaut euch um in der christlichen Gemeinschaft in Korinth. Was leben da für Menschen? Da gibt es nicht viele, die wir als weise Leute mit entsprechendem Ansehen in der Stadt beschreiben würden. Von den Mächtigen finden wir auch kaum welche unter den Christen. In der Stadt Angesehene – wo sind sie in eurer christlichen Gemeinschaft? Unter den Christen gibt es viele, die ganz anders sind, die all dies nicht vorzuweisen haben. Gott hat erwählt, was töricht ist in den Augen dieser Welt, damit er die Weisheit zuschanden mache. Gott hat erwählt, was schwach ist in der Welt, um die Stärke dieser Welt in ein ganz anderes Licht zu rücken, um die Schwäche dieser Stärke deutlich zu machen. Das Geringe vor der Welt, das Verachtete das hat Gott erwählt, das was nicht ist. Denn das, was vor der Welt gilt, das ist eben letztlich nichts, was wirklich zählt. Und es ist auch nichts, was vor Gott zählt. Denn damit können wir Christen uns nicht vor Gott rühmen. Vor Gott zählt anderes.
Diese grundlegende gesellschaftliche Kritik, dieses auf den Kopf stellen menschlicher Werte, das ist etwas, das sehr früh von Christen erkannt wurde, was von den gelehrigen Christen, wie Paulus, Lukas oder Matthäus es waren, in Worte gefasst wurde und was eben für viele Menschen immer wieder als so grundlegend wichtig verstanden wurde. Es geht vor Gott nicht um das, was wir Menschen großartiges schaffen und vorweisen können, sondern es geht vor Gott allein um das Vertrauen zu Gott, darum ihm die Ehre zu geben und nicht den menschlichen Gedanken.
Schauen wir uns in der Welt um, so sehen wir schnell woran die Welt die Bedeutsamkeit von Menschen hängt: an Leistungen, an Macht, an Geld, an geistigem Vermögen. Die Geschichtsbücher sind voll von Heldentaten von Kriegern und Königen, die – seien wir doch mal ehrlich – über Mord und Totschlag den größten Rühm erworben haben. Die Mächtigen, dass sind die, die auf Grund ihrer Möglichkeiten das Gesicht der Welt verändern, aber in der Regel nicht, indem die Menschen besser leben können, sondern indem politischer Einfluss größer wurde. Und die die Geld haben, sie können sichs leisten, alles zu haben, wie immer auch der Reichtum zustande gekommen sein mag. Und wir erinnern uns gerne der Dichter und Denker, an die Goethes und Einsteins, Mozarts und Bachs, die sicher vieles gute dieser Welt hinterlassen haben. Doch vor Gott sind auch diese nicht besser als diejenigen, die im Kindergottesdienst ein schönes Lied singen, die im Altenheim eine liebevolle Geschichte verlesen, als die, die sich um die Kranken und Einsamen kümmern, ohne in der Zeitung zu stehen, als die, die an den Sterbebetten in Kalkutta oder Kenia sitzen, und den letzten Weg dieser Ärmsten der Armen liebevoll begleiten. Nur von denen erwähnen die Geschichtsbücher nur am Rande die, die ins Rampenlicht der Öffentlichkeit geraten.
Der Ruhm vor den Menschen, der Ruhm der eigenen Person, das Bauen auf die eigenen Möglichkeiten, das hat Gott zunichte gemacht. In der Krippe schon ist das grundlegende Zeichen gelegt: der Palast Gottes ist das Stroh des Stalles. Im Laufe des Lebens wird deutlich: die Wohnstatt Gottes ist der Weg zu den Menschen – zu den Vergessenen, zu den Kranken, den Gestrauchelten, zu den Sündern, zu denen die Gott aus den Augen verloren haben. Gott ist immer in Bewegung zu den Menschen, die ihn am nötigsten haben. Und am Ende seines Lebens zeigt Christus eben auch, dass in der Ohnmacht, im Leiden und im Tod die Macht Gottes liegt, die zu einem neuen Leben führt.
Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn. Wer Grund hat, einen sicheren Stand in dieser Welt zu haben, der danke Gott dafür und schaue, wie er Gott diesen Dank lebendig zeigen kann. Wer Macht hat, der stelle diese Macht unter die Macht Gottes, um ihn in dieser lebendig zu machen. Wer Einfluss hat, der danke Gott und nutze diesen Einfluss, um die Liebe Gottes in den Bereichen weiter zu geben, für die er oder sie verantwortlich ist. Und so könnte man weiter gehen und vieles benennen, wo wir Menschen deutlich machen können, dass es nicht darum geht, vor den Menschen groß und gut da zu stehen, sondern letztlich geht es darum, Gott in dieser Welt recht wahrzunehmen und seine gute Botschaft weiter zu tragen. Nicht in der Weise, wie es in der Welt unter Menschen geschieht, sondern so, wie die christliche Botschaft es lebendig macht. Mal sind wir Arme, Randständige, Gestrauchelte, im dunkeln Lebende, die – wie die Hirten – die gute Botschaft hören, uns ermutigen lassen, aufbauen lassen vom guten Wort Gottes. Und dann wieder sind wir stark, reich und mächtig – so in unserem persönlichen Rahmen – dann mögen wir uns geben wie die Könige, die sich beugen vor Christus und all dies unter seine Herrschaft stellen und so auf ihre Weise deutlich machen: es kommt von Gott und ihm sei es geweiht.
So ist christliche Botschaft immer beides: Ermutigung, die eigene Person gerade in den schwierigen Lebenslagen wichtig zu nehmen. Wir sind von Gott geliebte und angesehene Menschen. Und als Auftrag: nutze die Gaben, die Gott dir geschenkt, um seine Botschaft für die Menschen nutzbringend einzusetzen. Wir sind immer ein wenig Hirten und ein wenig Könige. Beide rühmen sich nicht der eigenen Person, sondern letztlich rühmen sie Gott. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: 70, 1-4
Psalm 105, 1-8
Eingangsliturgie
Gebet
Lesung: Mt 3, 13-17
Lied 77, 1-4
Lesung: 1 Kor 1, 26-32
Glaubensbekenntnis
Lied 77, 5-8
Predigt
Lied 71, 1-4
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vaterunser
Segen
163
 

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt  Klein Elbe

8. 1. 2006

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