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Am Freitag war der Heilige Drei Könige Tag. Die Geschichte
von den Heiligen drei Königen, die der Evangelist Matthäus erzählt,
ergänzt die Weihnachtsgeschichte des Lukas auf schöne Weise. Wie gut,
dass die Bibel nicht nur eine Weihnachtserzählung enthält, sondern
verschiedenste Facetten erzählt.
Drei Magier aus dem Morgenland machen sich auf den Weg, weil sie gesehen
haben, dass ein besonderer Stern einen neue König ankündigt. Diesem
König wollen sie nun huldigen. Im Laufe der Zeit sind aus den Magiern
Könige geworden. Und das hat gewiss seinen guten Grund, der in der
Botschaft dieser weihnachtlichen Geschichten zu suchen ist.
Zwei ganz unterschiedliche Gruppen werden benannt, wenn es darum geht,
dass das Kind in der Krippe seine ersten Anhänger findet. Lukas erzählt
von den Hirten. Sozial gesehen stehen sie ganz unten in der Hierarchie
des Landes. Sie haben kaum soziale Bindungen, stehen eher für sich
alleine, müssen sich so durchs Leben schlagen. Die Hochangesehenen, die
mit Geld und Gut, mit Weisheit und Reputation, die sind in den Städten
zu finden. Kaufleute, Gelehrte, politisch einflussreiche Menschen, sie
gelten als die besonderen Menschen. Doch nicht ihnen wird die nächtliche
Weihnachtsbotschaft zuteil, sondern denen, die auf dem Felde die Tiere
versorgen, die, die am Rande der Stadt hausen, die keiner ums ich herum
haben will. Sie hören als Erste die Botschaft vom Frieden, von der Liebe
Gottes, vom Kind in der Krippe, das Gottes Sohn ist und seine
Wirklichkeit in die Welt trägt. Ob diese Botschaft wohl bei den
richtigen ankommt?
Für Lukas zumindest waren es die richtigen. Gottes Hinwendung zu den
Armen, seine Liebe zu den Ausgestoßenen, seine Umkehrung des Ansehens in
der Welt steht schon am Anfang der Lebensgeschichte Jesu fest. Gott ist
der Gott für diejenigen, die am Rande stehen, die keinen sozialen Raum
in der Gesellschaft haben. Insofern kam die Botschaft zuerst zu den
Richtigen, zu denen, die die gute Botschaft von der Liebe Gottes am
dringendsten brauchten. Und das ist ein fester Bestandteil der
Weihnachtsbotschaft und der gesamten christlichen Botschaft: der Einsatz
für die Armen, für diejenigen, die nichts haben, denen wichtiges im
Leben fehlt, gehört zum Kern der Liebe Gottes, die wir in dieser Welt
weiter tragen sollen.
Und dann gibt es da die andere Geschichte, die von den Weisen aus dem
Morgenland, die im Laufe der Zeit zu Königen stilisiert wurden. Sie
erzählt von einer ganz anderen Menschen. Weise werden sie genannt, also
Menschen, die ihren Verstand sehr geschärft hatten, die Möglichkeiten
zur Bildung hatten und die mit ihrer Bildung auch etwas angefangen
haben. Oder eben Könige. Menschen die Macht haben, die Einfluss haben,
Menschen, die eigentlich nicht auf andere angewiesen sind, sondern die
andere von sich abhängig machen, die etwas zu sagen haben, die gestalten
können, die die Welt bestimmten. Und solche Leute machen sich auf den
Weg, um vor dem Kind in der Krippe nieder zu knien. Und das ist ja ein
ungeheures Zeichen, das da gesetzt wird: die Weisen, die Angesehenen,
die Machtvollen und Einflussreichen, sie sehen nicht auf ihre Größe,
bestehen nicht auf ihr Ansehen und ihre Macht, sondern sie machen sich
gering, machen sich klein, sehen, dass ihre Macht, ihr Ansehen und
Einfluss letztlich nichts ist gegen den, der in der Krippe liegt. In
Christus liegt die wirkliche Macht des Lebens. In dem Kind in der Krippe
ist die wirkliche Weisheit zu finden. In Gottes Liebe ist die Macht
dieser Welt offenbar und nicht in den äußeren Zeichen dieser Welt.
Reichtum, wirklicher Reichtum besteht nicht in den Gütern dieser Welt,
so wertvoll sie auch sind: Gold, Weihrauch und Myrre – sie sind Gott zu
übereignen, dort haben sie ihre Bedeutung, auch wenn die Welt es oftmals
anders sieht.
Die Weisen und Mächtigen, sie beugen sich vor der Macht und der Weisheit
Gottes und anerkennen, dass dort allein das entscheidende Wort über die
Menschen und die Welt gesprochen wird. Was für eine grandiose Botschaft,
die die Bibel da enthält.
Und gerade in dieser Spannung zwischen Lukas und Matthäus wird die
Bedeutung der biblischen Botschaft vom Kommen Gottes in die Welt so
deutlich: die Kleinen werden groß und stark gemacht – die Großen
erkennen im Gegenüber zu Christus, dass ihre Größe nur relativ ist. Vor
Gott sind alle Menschen gleich, hier gibt es kein oben und unten, kein
klein und groß. Was den Menschen ausmacht, das ist die Liebe Gottes, die
Würde, die allein Gott verleiht und er gibt sie dem ärmsten und
schwächsten in der Welt genauso, wie dem vermeintlich Größten und
Stärksten in den Augen dieser Welt. Und deshalb gibt es keine
Unterschiede.
Und das erzählen in den 80er Jahren des 1. Jahrhunderts die beiden
Evangelisten Lukas und Matthäus der Welt und wir hören diese Botschaft
aus der Bibel jedes Jahr zu Weihnachten neu.
Vor der Predigt haben wir die Worte des Paulus gehört. Irgendwo um das
Jahr 50 herum hat er seinen Brief geschrieben an die Christen in
Korinth. Es war eine Gemeinde, die er gegründet hatte und in der es
schon nach kürzester Zeit leider Auseinandersetzungen gab. Unter anderen
darum, dass Menschen bestimmtes Ansehen haben wollten, indem sie sich
z.B. darauf beriefen, wer sie getauft hat. Damit wollten sie ihre
Bedeutung hervorheben. Doch ganz so wie Lukas und Matthäus es auf ihre
Weise erzählten, so machte Paulus deutlich, dass der christliche Glaube
eine ganz besondere Sicht der Menschen hat.
Schaut euch doch mal an, euch die euch als von Christus berufene
versteht. Schaut euch um in der christlichen Gemeinschaft in Korinth.
Was leben da für Menschen? Da gibt es nicht viele, die wir als weise
Leute mit entsprechendem Ansehen in der Stadt beschreiben würden. Von
den Mächtigen finden wir auch kaum welche unter den Christen. In der
Stadt Angesehene – wo sind sie in eurer christlichen Gemeinschaft? Unter
den Christen gibt es viele, die ganz anders sind, die all dies nicht
vorzuweisen haben. Gott hat erwählt, was töricht ist in den Augen dieser
Welt, damit er die Weisheit zuschanden mache. Gott hat erwählt, was
schwach ist in der Welt, um die Stärke dieser Welt in ein ganz anderes
Licht zu rücken, um die Schwäche dieser Stärke deutlich zu machen. Das
Geringe vor der Welt, das Verachtete das hat Gott erwählt, das was nicht
ist. Denn das, was vor der Welt gilt, das ist eben letztlich nichts, was
wirklich zählt. Und es ist auch nichts, was vor Gott zählt. Denn damit
können wir Christen uns nicht vor Gott rühmen. Vor Gott zählt anderes.
Diese grundlegende gesellschaftliche Kritik, dieses auf den Kopf stellen
menschlicher Werte, das ist etwas, das sehr früh von Christen erkannt
wurde, was von den gelehrigen Christen, wie Paulus, Lukas oder Matthäus
es waren, in Worte gefasst wurde und was eben für viele Menschen immer
wieder als so grundlegend wichtig verstanden wurde. Es geht vor Gott
nicht um das, was wir Menschen großartiges schaffen und vorweisen
können, sondern es geht vor Gott allein um das Vertrauen zu Gott, darum
ihm die Ehre zu geben und nicht den menschlichen Gedanken.
Schauen wir uns in der Welt um, so sehen wir schnell woran die Welt die
Bedeutsamkeit von Menschen hängt: an Leistungen, an Macht, an Geld, an
geistigem Vermögen. Die Geschichtsbücher sind voll von Heldentaten von
Kriegern und Königen, die – seien wir doch mal ehrlich – über Mord und
Totschlag den größten Rühm erworben haben. Die Mächtigen, dass sind die,
die auf Grund ihrer Möglichkeiten das Gesicht der Welt verändern, aber
in der Regel nicht, indem die Menschen besser leben können, sondern
indem politischer Einfluss größer wurde. Und die die Geld haben, sie
können sichs leisten, alles zu haben, wie immer auch der Reichtum
zustande gekommen sein mag. Und wir erinnern uns gerne der Dichter und
Denker, an die Goethes und Einsteins, Mozarts und Bachs, die sicher
vieles gute dieser Welt hinterlassen haben. Doch vor Gott sind auch
diese nicht besser als diejenigen, die im Kindergottesdienst ein schönes
Lied singen, die im Altenheim eine liebevolle Geschichte verlesen, als
die, die sich um die Kranken und Einsamen kümmern, ohne in der Zeitung
zu stehen, als die, die an den Sterbebetten in Kalkutta oder Kenia
sitzen, und den letzten Weg dieser Ärmsten der Armen liebevoll
begleiten. Nur von denen erwähnen die Geschichtsbücher nur am Rande die,
die ins Rampenlicht der Öffentlichkeit geraten.
Der Ruhm vor den Menschen, der Ruhm der eigenen Person, das Bauen auf
die eigenen Möglichkeiten, das hat Gott zunichte gemacht. In der Krippe
schon ist das grundlegende Zeichen gelegt: der Palast Gottes ist das
Stroh des Stalles. Im Laufe des Lebens wird deutlich: die Wohnstatt
Gottes ist der Weg zu den Menschen – zu den Vergessenen, zu den Kranken,
den Gestrauchelten, zu den Sündern, zu denen die Gott aus den Augen
verloren haben. Gott ist immer in Bewegung zu den Menschen, die ihn am
nötigsten haben. Und am Ende seines Lebens zeigt Christus eben auch,
dass in der Ohnmacht, im Leiden und im Tod die Macht Gottes liegt, die
zu einem neuen Leben führt.
Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn. Wer Grund hat, einen sicheren
Stand in dieser Welt zu haben, der danke Gott dafür und schaue, wie er
Gott diesen Dank lebendig zeigen kann. Wer Macht hat, der stelle diese
Macht unter die Macht Gottes, um ihn in dieser lebendig zu machen. Wer
Einfluss hat, der danke Gott und nutze diesen Einfluss, um die Liebe
Gottes in den Bereichen weiter zu geben, für die er oder sie
verantwortlich ist. Und so könnte man weiter gehen und vieles benennen,
wo wir Menschen deutlich machen können, dass es nicht darum geht, vor
den Menschen groß und gut da zu stehen, sondern letztlich geht es darum,
Gott in dieser Welt recht wahrzunehmen und seine gute Botschaft weiter
zu tragen. Nicht in der Weise, wie es in der Welt unter Menschen
geschieht, sondern so, wie die christliche Botschaft es lebendig macht.
Mal sind wir Arme, Randständige, Gestrauchelte, im dunkeln Lebende, die
– wie die Hirten – die gute Botschaft hören, uns ermutigen lassen,
aufbauen lassen vom guten Wort Gottes. Und dann wieder sind wir stark,
reich und mächtig – so in unserem persönlichen Rahmen – dann mögen wir
uns geben wie die Könige, die sich beugen vor Christus und all dies
unter seine Herrschaft stellen und so auf ihre Weise deutlich machen: es
kommt von Gott und ihm sei es geweiht.
So ist christliche Botschaft immer beides: Ermutigung, die eigene Person
gerade in den schwierigen Lebenslagen wichtig zu nehmen. Wir sind von
Gott geliebte und angesehene Menschen. Und als Auftrag: nutze die Gaben,
die Gott dir geschenkt, um seine Botschaft für die Menschen nutzbringend
einzusetzen. Wir sind immer ein wenig Hirten und ein wenig Könige. Beide
rühmen sich nicht der eigenen Person, sondern letztlich rühmen sie Gott.
Amen
oben
Liturgischer Ablauf
Orgelvorspiel
Lied: 70, 1-4
Psalm 105, 1-8
Eingangsliturgie
Gebet
Lesung: Mt 3, 13-17
Lied 77, 1-4
Lesung: 1 Kor 1, 26-32
Glaubensbekenntnis
Lied 77, 5-8
Predigt
Lied 71, 1-4
Abkündigungen
Fürbittengebet
Vaterunser
Segen
163
Für eine Rückmeldung wäre
ich dankbar.
oben
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