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1. Kor. 1, 26-31

Wenn wir über Gott nachdenken dann tun wir es oft so, dass wir mit großen und größten Begriffen versuchen, Gott und sein Wirken zu beschreiben: Allmacht, Herrlichkeit, allumfassende Liebe, große Barmher­zigkeit, Lichterglanz, Stärke, Kraft, Weis­heit, Gerechtigkeit, Ewigkeit und was uns nicht alles noch einfallen mag dazu. Für mich klingt das von meinem Gefühl her immer sehr groß, erhaben, herrlich und unfassbar. Gott übersteigt eben alles, was ich mir ausdenken kann, er kann mit meinen menschlichen Worten auch gar nicht erfasst werden.

Und was bin ich dagegen: ein kleiner Mensch auf diesem kleinen Punkt Erde, ein kleiner Mensch inmitten eines unendlichen Universums, der eine kurze Zeit zu leben und zu wirken hat hier auf der Erde, Was bin ich: ein Gras, ein Gras, das am Morgen noch sprosst, am morgen blüht und sprosst und des Abends welkt und verdorrt. So sagt es der 90. Psalm und er hat ja recht, wenn wir uns betrachten im Gegenüber zur Erhabenheit und Größe der Welt und des Univer­sums, im Gegenüber zu Gott und seiner Ewigkeit.

Wie klein und gering bin ich doch. Was bin ich überhaupt auf dieser Welt? Wer hat sich das von uns nicht schon einmal gefragt? Wer von uns hat darüber nicht schon einmal nachge­dacht und ist angesichts seiner wirklichen Möglichkeiten in dieser Welt zu dem Ergebnis gekommen: ich bin doch nur ein ganz kleines Licht.

Und es ist fast gleich in welchem Alter man ist: ob man nun so jung ist wie die Konfirmanden, die das Leben noch vor sich ha­ben. Ihr erlebt euch sicher im Augenblick nicht als solche die viele Möglichkeiten in der Welt haben. Die Eltern sagen, ihr seid noch zu jung, werdet mal erst mal erwachsen. In der Schule habt ihr kaum etwas zu sagen, die Regeln der Erwachsenen bieten euch nicht immer die Freiheit Eigenes zu tun, und auch sonst werdet ihr sehr oft den Eindruck haben, wir sind doch nichts, wo haben wir schon was zu sagen, wo wird unsere Stimme schon gehört. Vermutlich nicht mal bei Kirchens.

Und wenn ich an die älteren unter uns hier denke, dann mag das ganz ähnlich aussehen. Großes wurde schon zu Zeiten als Sie noch gesund und kräftig waren, nicht getan, der Alltag war und ist anstrengend genug. Und jetzt, wo das Alter am Leben zehrt, wo die Kräfte nachlassen, die Gesundheit nicht besser wird, die Möglichkeiten immer weniger werden, da wird man noch pessimistischer, was die eigenen Möglichkeiten angeht. Und man wird auch ein wenig kritischer, was die Herrlichkeit und Größe Gottes angeht.

Wenn Gott so groß und erhaben ist, warum sieht dann das Leben so gering, so wenig aus? Wenn Gott so kraftvoll und mächtig ist, warum ist dann unser Leben so kraftlos und schwach, gleich ob wir jung oder alt sind? Ist Gott so erhaben, dass er unend­lich weit von uns getrennt ist, oder stimmt es nicht, was wir von seiner Erhabenheit sagen? Auch die Christen sind ja keine großen Leute, es sind Menschen, wie alle anderen und selbst Bischöfe sind nur Menschen deren Worte kaum mehr großen Einfluss haben. Wie passt das alles zusammen? Ist Gottes Größe wie eine Kerze, die vor 2000 Jahren einmal hell erleuchtet ist, die nun aber nur noch ein leicht glimmender Docht ist kurz vorm ausgehen?

Bevor ich diese Fragen weiter bedenken möchte, will ich einen Blick zurück werfen, in die Zeit als die Kerze aufgeflammt war, in die Zeit der ersten Christenheit. Paulus berichtet uns von den Christen damals in unserem heuti­gen Predigttext im Korintherbrief. Wir hören es nochmal in einer etwas anderen Übersetzung

Seht die Leute an, liebe Geschwister, die zu euch gehören. Es sind nicht viele geistig Bedeutende unter ihnen, nicht viele Mächtige, nicht viele aus den alten, edlen Familien. Wen hat Gott ausgesucht? Ungebildete Leute! Denn es ist Gottes Absicht, den Weisen zu zeigen, wie wenig ihre Weisheit vermag. Wen hat Gott ausgesucht? Leute ohne Einfluss! Denn er wollte zeigen, dass mit menschlicher Macht bei ihm nichts zu erreichen ist. Unedle hat Gott erwählt, Menschen, die unter den anderen nichts gelten. Er hat die zu sich gerufen, die nichts sind, und die ausgeschlossen, die meinen, etwas vor zu sein. Denn alles wäre falsch, wenn ein Mensch vor Gott treten und sagen wollte: Ich bin etwas! Mich kannst du brauchen!

Gott ist es, der euch mit Christus verbunden hat. Was wir von Gott wissen, liegt in seinem Wort, in seiner Gestalt. Weil er uns rein macht, sind wir mit Gott im reinen. Weil er uns einlässt, haben wir Zugang zu Gottes Haus. Weil er uns frei macht, sind wir unsere Fesseln los. So sagt die Schrift, und so soll es gelten: „Wer etwas Gutes an sich entdeckt, soll sagen: Ich habe es nicht von mir. Der Herr hat es mir gegeben.“ (Nach Jörg Zink)

Was uns Paulus hier vor Augen stellt, mag uns ein wenig erstaunen oder aber auch nicht. Die Kirche Jesu Christi bestand von Anfang an nicht aus besonderen Menschen, nicht aus wei­sen Menschen, die sich durch kluge Gedanken hervorgetan haben. Es waren keine aus großen und anerkannten Familien, deren Macht gleichsam die Macht Gottes widerspiegeln würde. Gott hat andere ausgesucht: Leute ohne Einfluss, unedle Leute, Menschen, die in der Gesellschaft nichts galten, die am Rande standen, mit denen keiner etwas zu tun haben wollte. Gott hat für seine Gemeinschaft Menschen wie Sie und mich ausgesucht, Menschen, die auf ihre geringen Möglichkeiten in der Welt schauen. Gott hat erwählt, wie Luther es übersetzt, was töricht ist, was schwach ist vor der Welt, das Gerin­ge, das Verachtete. Nun mögen wir weder tö­richt, noch verachtet sein, aber dass wir oft schwach sind, dass wir klein und gering sind in unseren Möglichkeiten, das haben wir ja eben miteinander bedacht.

Und nun sagt Paulus: gerade diese Menschen sind von Gott berufen sie sind von ihm erwählt. Gerade das sind die Menschen, die Gott in seine Liebe und Barmher­zigkeit eingeschlossen hat. Eben weil wir Men­schen sind, die sich vor Gott nichts einbilden können, die nichts vorzuweisen haben, die mit leeren Händen vor Gott dastehen. Aber gerade in diese leeren Hände legt Gott seine Gaben. Ja nur wer leere Hände hat, kann auch frei und offen empfangen, was ihm gegeben wird.

In diesen Gedanken liegt für mich das unglaubliche der christlichen Botschaft. Überall in der Welt gilt die Größe von Menschen, überall gilt, was Menschen tun, was Menschen an Beachtung fin­den, es gelten Macht, Einfluss, Stärke. Je mehr einer tut, desto bedeutender ist er oder sie. Die Werbebrache zeigt uns dies am deutlichsten: hier tauchen alle diejenigen auf, die in dieser Welt Geltung erlangt haben. Sie sind der Maßstab, an dem es sich zu orientieren gilt, wird uns eingeredet.

Demgegenüber sind wir in der Regel nichts. Und nun kommt der Apostel Paulus und sagt uns: das, wer vor den Menschen groß und herrlich ist, das ist bei Gott gar nichts. Wer bei den Menschen gar nichts ist, der ist groß.

Schaut auf Jesus und ihr werdet das begreifen: der blinde Mann in Jericho am Straßenrand: krank, einsam, von Freunden verlassen, saß er am Rand: Jesus ging auf ihn zu und ließ ihn die Welt neu sehen. Oder Zachäus, dieser Zöllner, der die Leute übers Ohr gehauen hat, mehr Zoll eingenommen als er durfte, damit er selber besser leben konnte, der aber ohne Freunde und ohne Menschlichkeit geblieben ist ist. Auf ihn geht Jesus zu, lässt ihn gelten auch mit seinem Betrug und führt ihn dazu, dass er sein Leben verändert.

Am See Genezareth saßen die ersten Nachfolger Jesu: arme Fischer, die erfolglos auf dem See nach ein paar Fischen Ausschau hielten, kaum besser als Tagelöhner lebten sie. Mit ihnen wollte Jesus etwas Neues beginnen.

Wir könnten die ganze Lebensgeschichte Jesu so durchgehen. Immer wieder treffen wir auf Menschen, die mit leeren Händen dastehen, die nichts vorzuweisen haben, die aber gerade darum Anteil erhalten an der Herrlichkeit Gottes. Nur eben ganz anders als wir Menschen uns das vorstellen. Mitten in der Erbärmlichkeit des Lebens, Mitten in Krank­heit, Tod, Schuld, Angst, Verderben mitten in Hilflosigkeit und Schwäche taucht Jesus auf und lässt Gott im Leben der Menschen lebendig werden. Er gibt den Menschen damit ein neues Lebensgefühl, ein neues Lebensvertrauen, eine neue Lebenshoffnung. Sie brauchen nicht mehr auf ihre Kraftlosigkeit und ihre geringen Mög­lichkeiten zu schauen, sondern durch Jesus Christus haben sie die Anteil an der Macht empfangen, die größer ist als alle menschliche Anerkennung.

Von Gott erwählt zu sein, das bedeutet doch, zu wissen, dass ich in aller Machtlosigkeit dennoch in dieser Welt ge­braucht werde, meinen Sinn habe, dass Gott mich will: mit meiner Krankheit, mit meinem Zipperlein, mit meinen kleinen, aber hilfreichen Wor­ten, mit meinen Ideen, mögen sie auch noch so unreif sein. Kinder, Jugendliche, Erwachsene, alte Menschen, wir alle werden von Gott ge­braucht, nicht als großartige Menschen, die die Ehre der anderen empfangen, sondern als solche, die sich von Gott beschenken und in den Dienst nehmen lassen.

Wie gesagt, das klingt alles ganz anders, als wir es jeden Tag im Fernsehen hören und sehen. Was uns in der Bibel vor Augen gestellt wird, kehrt das Denken der Welt um. Für viele sind solche Gedanken auch etwas dummes, etwas törichtes, schlichter Quatsch. Für andere wieder ist es ärgerlich, wenn solche Gedanken geäußert wer­den, es ist ärgerlich, weil ihre eigenen Gedan­ken von Macht und Stärke durcheinander gera­ten. Aber gerade darin liegt die Weisheit und Stärke Gottes: dass seine Kraft, dass seine Weis­heit in den Schwachen mächtig wird. Die Herr­lichkeit und Größe Gottes liegt eben nicht in der Herrlichkeit und Größe dieser Welt, son­dern darin, dass Gott sich dem Schwachen zuwen­det, dass er denen zugewandt ist, die wenig Möglichkeiten haben, die mühselig und beladen sind. Die Stärke Gottes ist seine liebende Zuwendung, die in menschlichen Augen oft als Schwache ausgelegt wird. Und genau darin liegt der Ruhm, mit dem wir Menschen uns rühmen können: nicht dass wir etwas sind, dass wir großartiges tun, sondern das wir von Gott Beschenkte, von Gott Geliebte sind. Unser Ruhm ist nicht dass wir Menschen herrlich sind, sondern dass Gott herrlich ist. Und er ist herrlich, weil er sein Licht dort aufleuchten lässt, wo es gebraucht wird: in der Finsternis und in der Schwachheit. Und von diesem Licht leben wir letztlich alle. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel

Lied: 66, 1-4

Psalm 89 iA.

Eingangsliturgie

Gebet EGb 275 2

Lesung Mt 3, 13-17

Lied 441,1-5

Lesung 1 Kor 1, 26-31

Glaubensbekenntnis

Lied 70, 1-4

Predigt

Lied 66, 5, 7-9

Abkündigungen

Fürbittengebet

Deine Macht ist in den Schwachen mächtig, so hören wir für das Jahr 2012. Gott, wir danken dir, dass du Fürsprecher der Schwachen bist, dass du ihre Stärke sein willst. Lass uns dies erkennen, wo wir schwach sind, lass uns deine Güte erkennen, von der wir leben und die letztlich unsere Stärke ausmacht. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich

Wir bitten dich, sei bei allen, die sich einsetzen für diejenigen am Rande. Hilf ihnen in all ihrem Tun, lass sie deine Stärke spüren und sie weitergeben. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich

Wir bitten für all das Kleine und Zerbrechliche in uns und anderen, das so wichtig ist im Leben. Bewahre es, behüte es, mach es kraftvoll in deinem Sinne. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich

Wir beten für alle, die krank, sterbend, trauernd ihren Weg gehen. Lass dein Licht als Orientierung leuchten, erhelle alle Dunkelheit in diesen Menschen, gib ihnen den Blick der Hoffnung. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich

Vaterunser

Segen

163

 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

 

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Klein Elbe
1.n.Epiphanias
8. 1. 2012
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