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1.Kor. 13

Der Predigttext gehört sicher zu den bekanntesten Texten des neuen Testamentes. Nur dass wir ihn weniger aus dem Sonntagsgottesdienst her kennen, sondern viel mehr aus den Gottesdiensten zur Trauung. Kaum eine Hochzeit in der Kirche vergeht, ohne dass dieser Text gelesen wird. Und der letzte Satz ist der wohl meistgenutzte Trauspruch: Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.
Die Liebe zur Hochzeit hoch besungen, da ist es auch kein Wunder, wenn die jungen Menschen diesen Text am Anfang ihrer Ehe hören möchten.
Nun hören wir diese Worte von der Liebe in einer weniger emotional beladenen Situation. Zumindest gehe ich mal davon aus, dass Liebe heute Morgen für uns alle nicht an erster Stelle steht, zumindest nicht so wie bei einer Trauung.
Aber dieser Text ist ja auch nicht nur für Trauungen geschrieben, sondern für die Christen und das christliche Leben allgemein. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet möchte ich heute Morgen diesen Text wieder einmal ganz neu betrachten. Und man muss dann dazu auch hören, was Paulus vorher gesagt hat. Er sprach nämlich über die verschiedensten Gnadengaben, die Menschen von Gott empfangen haben. Geistliche Gaben zählt er dabei vor allem auf, aber es schwingt immer auch mit, dass jeder von uns in der christlichen Gemeinde etwas tun kann, dass jeder von uns begabt ist, in der Kirche Jesu Christi etwas weiterzugeben, was Menschen hilft. Zumeist sind dies ganz einfache Dinge: ich denke da, an den Basarkreis und unseren Basar im Advent, wo ja viele Menschen durch kleine handwerkliche Arbeit vieles bewirken. Oder an die Seniorenkreise, in denen Menschen sich begegnen und so einander Hilfe anbieten. Oder ich denke an die schlichten Gespräche über den Gartenzaun, die alltägliche Hilfe, die wir einander gewähren, und wo wir das Leben menschlich und lebenswert mitgestalten. Wir sehen das nicht als Gnadengaben an, aber warum sollten wir das nicht einmal unter diesem Gesichtspunkt sehen. Gott macht uns fähig dazu, er verhilft uns dazu, mit unseren Gaben, unsere kleine Welt hier zu gestalten.
Paulus will aber noch weiter gehen. Es geht ihm nicht nur um diese Gnadengaben, sondern er möchte für alles menschliche Handeln eine Grundlage aufzeigen. Die Liebe ist für ihn dabei das Ausschlaggebende. Und das macht er zunächst negativ deutlich. Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte die Liebe nicht, wo wäre ich ein tönendes Erz und eine gellende Schelle. Ohne die Liebe ist alles reden eigentlich nur Geräusch, etwas das Lärm verursacht, das uns zwar hören lässt, aber auch gleich wieder vergessen. Ein Gong klingt, er klingt auch länger, aber sein Schall verhallt. So eben auch Menschen, die ohne die Liebe reden. Und dann weiter: wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, so dass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. Hier beschreibt Paulus Menschen, die alles wissen, die sehr vorausschauend sind, die wegweisend für die Menschen sein können, und solche die allen Glauben dareinsetzen in ihre Erkenntnis, ja so viel Glauben, dass sie Berge versetzen könnten. Also fester ginge es ja gar nicht. Solche Leute, so behaupten Psychologen und Esoteriker, müssen eigentlich ihren Weg schaffen. Doch Paulus sagt, wenn ihnen die Liebe fehlt, dann bleibt das alles nichtig, dann ist das Tun dieser Menschen nichtig. Was für ein Schlag gegen alle, die so wissens- und wissenschaftsgläubig sind, die den Experten so viel zutrauen.
Und das letzte, was Paulus anspricht, ist die Hinwendung zum Armen: wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen, und hätte die Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze. Nicht einmal der vermeintliche Inbegriff von Liebe scheint etwas zu sein, was Paulus gelten lässt. Hilfe für die Armen bis hin zur Selbstaufgabe, nichts nütze, wenn die Liebe nicht dahinter steht.
Das ist schon schwer zu verstehen. Das will irgendwie in unser Denken nicht eingehen, in dem wir doch diese genannten Tugenden als so hoch einschätzen.
Mir hat es sehr geholfen, als mir im Blick auf diesen Text aufgegangen ist, dass man das Wort Liebe einmal auswechseln sollte. Für uns schwingt zu viel von dem mit, was wir unter Liebe verstehen, dieses menschliche Gefühl des Angezogenseins vom anderen, dieses Gefühl inniger Gemeinschaft, dieses Zueinandergehörens.
Im Johannesbrief heißt es Gott ist die Liebe. Warum nicht einmal diesen Text lesen, indem man das so konkret-unkonkrete Wort Liebe durch das vielleicht ebenso unkonkrete, aber doch weiterreichende Wort Gott ersetzt. Entdecken wir dann vielleicht, was Paulus zu sagen hat für unser Leben?
Also: Wenn ich mit Menschen und mit Engelszungen redete und hätte Gott nicht auf meiner Seite, in mir, so wäre ich ein nichtsagender Schwätzer. Wenn ich hoch begabt, intelligent und wissend sei, wüsste, was die Welt so ausmacht, und hätte einen Glauben, an das, was wir wichtig ist, der Berge versetzten könnte, aber hätte Gott nicht, ich wäre nichts. Und wenn ich Nächstenliebe in größter Reinheit betreiben würde, hätte aber Gott nicht, so wäre mir das nichts nütze.
Reden ohne Gott, es wäre nichts sagend, Wissen ohne Gott, es wäre nichts. Hilfe ohne Gott, nutzlos. Gedanken, die auf der einen Seite Widerspruch hervorrufen, auf der anderen Seite unendlich anziehend sind. Es klingt so abwertend, was unser menschliches Tun angeht, aber gleichzeitig so mit Leben füllend, was da gesagt wird.
Menschen, die nur reden, weil sie gehört werden wollen, die etwas anpreisen wollen, was aber keine wirklich Tiefe hat, was mit dem Leben nichts zu tun hat, wo also die Macht des lebendigen Gottes fehlt, ja diese Menschen werden auch nicht gehört. Das gilt sicherlich auch für Pastoren, nicht nur für andere Redende Gruppen. Mir fällt dazu ein, was wir im Konfirmandenunterricht über das Vaterunser und den Satz geheiligt werde dein Name so sagen. Hier geht es ja nicht nur das berühmte Fluchen mit O Gott, o Gott. Nein hier geht es darum, ob ich Gott als etwas in meinem Leben ansehen, das absolut wichtig ist, das ich nicht vermissen möchte, und von dem ich mir auch etwas sagen lasse, an dem ich dann mein Reden und mein Handeln ausrichte. Ist das, was ich sage an Gott ausgerichtet, an dem liebenden, den Menschen zugewandten Gott, oder sind es nur meine eigenen, schönen, und den Menschen, aber nicht Gott wohlgefälligen Worten. Wenn ich Gottes Wirklichkeit nicht in meinem Reden unterbringen kann, dann ist mein Reden nichts, sondern nur vergehendes Geräusch.
Und ähnlich steht es mit dem Wissen und der Erkenntnis und dem Glauben. Nichts ist es, wenn es nicht in Beziehung steht zu dem Gott, der das Leben für die Menschen will. Wie oft geschieht Erkenntnis, Prophetie, Wissenschaft nur um der eigenen Person und Bedeutung willen. Wie oft hat Wissenschaft etwas erreicht, was sich als Schaden für die Menschheit herausgestellt hat. Kleine positive Erfolge führen oft zu unheilvollen Weiterentwicklungen. Die Atombombe ist ein Beispiel, die Gentechnik ist nicht minder umstritten, bis hin zu den Versuchen an Menschen. Teure Besuche im Weltall. Wo ist Gott da? Dein Wille geschehe. Müssen wir alles tun, was für uns machbar ist? Müssen wir jedes Leid der Welt verändern, auch auf die Gefahr hin, dass die Forschung viel größeres Leid hervorruft. Gott setzt auch Grenzen. In unserem Beispiel: Gott ist der Schöpfer, nicht wir Menschen, darin liegt die eigene Begrenzung menschlichen Tuns, darin liegt die Liebe, die wirklich auf der Suche ist, Menschen ehrlich zu helfen. Und das kann auch darin bestehen, das tragische des Lebens anzunehmen, statt es - auf Teufel komm raus - beseitigen zu müssen.
Alle Habe den Armen geben, den Leib verbrennen. Will Gott das wirklich? Opfer und Opfer sind zweierlei. Gott will das Leben, er selbst hat sich dafür geopfert, hat seinen Leib dahingegeben, damit wir leben können. Das heißt, unsere Hingabe ist orientiert daran, dass wir uns einsetzen können. Sich selber null und nichtig machen, hilft am Ende niemandem. Gott vor Augen heißt, auch seine Grenzen zu sehen, heißt anzuerkennen, dass nicht ich, sondern er die Welt in Händen hat. Das macht frei, seine Kraft einzusetzen, wo sie nötig ist, wo ich sie geben kann, wo sie gebraucht wird, ohne dass ich mich selber darin verliere und zu Grunde gehe. Hätte ich die Liebe nicht, hätte ich Gott nicht, habe ich auch keinen Ort, wo ich mit meiner Begrenztheit angenommen wäre. Darum wäre auch Unermüdlichkeit im letzten nichts nütze, auch wenn es einigen wenigen Hilfe bringt.
Gott also ist die Liebe von der Paulus redet. Und so sollten wir auch den bekannten mittleren Teil noch einmal mit dieser Wortverschiebung hören:
Gott ist langmütig und freundlich.
Gott eifert nicht, Gott treibt nicht Mutwillen, Gott bläht sich nicht auf, er verhält sich nicht taktlos, er sucht nicht das Seine. Gott lässt sich nicht erbittern, er rechnet das Böse nicht zu, er freut sich nicht an der Ungerechtigkeit, er freut sich aber an der Wahrheit. Gott erträgt alles, er glaubt alles, er hofft alles, er duldet alles.
Und wenn wir das dann alles noch auf dem Hintergrund des Lebens Jesu sehen, dann werden diese kurzen Sätze sehr menschlich und lebendig.
Jesus bringt Geduld und Freundlichkeit auf für solche, die in den Augen der Frommen Gott abgeschrieben hat. Jesus eifert nicht für sich, sondern für den liebenden Gott. Jesus spielt nicht mit den Menschen, er nimmt sie ernst in ihrer Lebenssituation. Er will nicht selber angesehen sein, sondern Diener, so wie bei der Fußwaschung. Er achtet auch seine Gegner. Selbst angegriffen, wie bei der Festnahme, lässt er es über sich ergehen, betet noch am Kreuz für seine Feinde. Er geht gegen Ungerechtigkeit vor, zum Beispiel bei der Ehebrecherin, wo er die Verurteilenden an die Eigene Schuld erinnert. Gleichzeitig macht er der Frau ihre Schuld deutlich, erinnert sie an der Wahrheit. Jesus erträgt die Feindschaft gegen seine Botschaft, er erhofft alles von Gott, hält fest an seinem Vertrauen zu diesem menschenfreundlichen Gott auch mitten im Leid. Er erduldet sogar den Tod und gibt sich ganz in Gottes Willen, ganz in Gottes Hand. Deutlicher kann es eigentlich nicht werden, dass Paulus hier ganz und gar von Gott spricht, von der Liebe, die er gezeigt hat, und die er für uns Menschen weitergeben will. Und ein Leben, dass sich von dieser Liebe prägen lässt, das ist eines das tiefe Wurzeln, das eigentlich nichts wirklich aus der Bahn werfen kann.
Insofern kann er sagen, dass alles einmal ein Ende hat, aber das es etwas bleibendes im Leben gibt. Nämlich Glaube, Hoffnung und Liebe, wobei aber die Liebe, die Liebe unsers Gottes und Vaters Jesu Christi, das größte und weitreichendste ist. Mögen wir in dieser, aus dieser und mit dieser Liebe leben. Amen

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Liturgischer Ablauf

Orgelvorspiel
Lied: Gott, die Burg in meinem Leben (J.Grote)
Psalm 31 EG 716
Eingangsliturgie
Gebet
Herr, unser Gott
Du hast Glauben, Hoffnung und liebe in uns geweckt. Belebe und stärke diese Gaben in uns, damit wir wachsam bleiben in allem und tun, was du von uns erwartest. So lass uns leben aus dir, der du in Jesus Christus Mensch wurdest und uns mit deinem Geist führst und leitest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
Lesung. 1. Kor 13
Lied 413, 1-4
Lesung: Mk 8, 31ff
Glaubensbekenntnis
Lied 384, 1-4
Predigt
Lied 320, 1-3 + 7+8
Abkündigungen
Fürbittengebet
Herr Gott, lass uns Liebe üben.
Hilf uns in unserem Alltag aus deiner Liebe zu schöpfen und diese Liebe weiter zugeben. Lass uns von uns selber absehen und deinen Willen verfolgen, auf dass du in dieser Welt groß gemacht wirst. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Gott lass uns Liebe üben.
So hilf all denen, die sich in den Dienst der Wissenschaft stellen, dass sie trotz aller Kritik der Naturwissenschaft darauf bauen, dass dein Wort bedeutsamer ist. Hilf zu guten Wegen einer menschlichen und fürsorglichen Wissenschaft, die das Wohl der Menschen und nicht den Verdienst im Vordergrund sieht. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Gott, lass uns Liebe üben.
Im Alltag des Lebens lass uns erkennen, was dir und deiner Liebe dient, im Umgang mit dem Nächsten, in der Gemeinschaft der Menschen, mit denen wir zusammen sind. Lass uns Wege des Miteinanders suchen und finden. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Gott, lass uns Liebe üben.
Vor allem dort, wo Menschen am Rande stehen, wo persönliche Zuwendung besonders wichtig ist. Wir beten für alle, die krank danieder liegen, die sich Sorgen machen um ihre Angehörigen, die Angst haben vor schweren Diagnosen, Angst auf dem letzten Weg des Lebens. Lass überall dort deine Liebe wirksam sein. Darum rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Deiner Liebe befehlen wir all die Menschen an, die in unseren Herzen sind und deren Not wir in der Stille vor dich bringen ...
Für sie alle rufen wir zu dir: Herr, erbarme dich.
Vaterunser
Segen
163
 

Für eine Rückmeldung wäre ich dankbar.

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Die Predigt wurde gehalten in
Groß Elbe und
Gustedt  Klein Elbe

15. und 22. 2. 2004

Liturgischer
Ablauf
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